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Welches Buch lest ihr gerade?

5.935 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Bücher, Lesen, Literatur ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Welches Buch lest ihr gerade?

09.08.2021 um 12:49
Thomas Raab - Der Metzger

Raab-Metzger

Dies ist der erste Krimi aus der Metzger-Serie des österreichischen Autors Thomas Raab, den ich lese. Es ist bereits der siebte Band (aus 2016) und ich habe ihn wegen des Settings gewählt: Die Morde (bzw. Nicht-Morde) spielen im Umfeld des Literaturbetriebs. Die Handlungskonstellation ist jedoch so dermaßen absurd und konstruiert, dass das Lesen zur Qual wurde.

In die Geschichte stolpert wie immer der Möbelrestaurateur Willibald Adrian Metzger. Der Ausgangspunkt ist ja nicht uninteressant: Der Sohn eines Wurstfabrikanten hat mit Fleisch nichts am Hut und will unter dem Pseudonym Iwan Ketalpow (Sein Familienname Woplatek ist umgedreht und Iwan ist die russische Version seines Vornamens Hans) Schriftsteller werden. Er wird auf ein Internat geschickt, wo er durch seinen Deutschlehrer gefördert wird. Nach zwei von der Kritik gefeierten, aber fast unverkäuflichen Romanen kommt ein absurder Krimi auf den Markt, der ein Bestseller wird.

Metzger kennt den jungen Schriftsteller seit dessen Kindheit, da das alte Fleischergeschäft bei ihm ums Eck war, auch kennt er den Schriftstellerwunsch samt Pseudonym. Beim Besuch einer Lesung erkennt er, dass der lesende Autor nicht Hans Woplatek sein kann, da diesem seit seiner Kindheit nach einem Unfall der rechte Daumen fehle.

Auch noch so halbwegs plausibel ist ein Bruderzwist: Hans' Halbbruder Konrad fängt die Korrespondenz für die Verlagsgenehmigung des Krimis ab (Hans' Freundin hat ohne dessen Wissen den Text eingereicht) und ermordet jenen, indem er einen Selbstmord vortäuscht (Hans hat mehrere Versuche hinter sich). Nur: Hans überlebt mit schweren Lähmungen und sein Tod wird mit Hilfe eines falschen Totenscheins vorgetäuscht. Seine Freundin, ihr Bruder, der Ex-Deutschlehrer, ein bekannter Literaturkritiker und die Verlagsleiterin setzen mit absurdesten Methoden alles daran, dass Konrad überführt wird, was ihnen auch gelingt: Bei einer Verfolgungsjagd stürzt er sich mit seinem Auto über eine Autobahnbrücke.

Was meine ich mit absurd?

Der alte Woplatek (Wurstkaiser) leidet an Lungenkrebs, versöhnt sich mit seinem schwer leidenden Sohn, setzt seinem Leben wegen der Krankheit ein Ende und lässt zu, dass in seinen toten Körper geschossen wird und er im Schlachthaus bei den Schweinehälften aufgehängt wird. Nur damit es wie ein Mord aussieht.

Der Literaturkritiker lässt sich von einem Woplatek-E-Transporter niederfahren, nur damit es wie ein Attentat aussieht. Er landet sogar im Krankenhaus. WHY?

Der Ex-Deutschlehrer zündet nach seiner Pensionierung die Privatschule an, damit eine neue, schönere gebaut wird. Er versteckt sich tagelang in einem Keller einer verfallenen Villa des alten Woplatek und lässt es aussehen, als ob er entführt und eingesperrt worden wäre. Der Restaurateur Metzger wird zu dieser Villa gelockt, er "befreit" ihn, ruft die Polizei und diese verdächtigt Konrad. Die Verfolgungsjagd beginnt .... (WTF!)

Sprachlich ist der Krimi einfach gehalten und im Präsens (der Gegenwart) geschrieben. Auch wenn Raab immer wieder versucht pseudophilosophische Lebensweisheiten einzubauen, gelingt es nicht so richtig, das Niveau zu heben. Diese sind zu platt. Auch die Persiflage auf den Literaturbetrieb bleibt sehr farblos, da übertrieben. Auch nervt mich, dass die kroatische Freundin von Metzger, die schon Ewigkeiten in der nicht näher genannten, wohl österreichischen Stadt lebt, ein Pidgin-Deutsch mit permanent falscher Satzbildung spricht. Ich kenne viele Menschen aus dem Ex-Jugoslawien, niemand spricht so. Raab haut da einfach ein Klischee raus (wie auch nicht selten Klischees über Geschlechterrollen).

Fazit: Ein Text, der mehr sein möchte, als er ist.


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09.08.2021 um 14:04
Alleine bist du nie

von Clare Mackintosh

Zoe Walker führt ein komplett durchschnittliches Leben in einem Londoner Vorort: Sie ist geschieden, hat zwei Kinder und einen langweiligen Job. Eines Tages entdeckt sie auf dem sonst so ereignislosen Heimweg ein Foto von sich in der U-Bahn, daneben eine ihr unbekannte Telefonnummer. Bloß eine harmlose Verwechslung? Zoe ahnt, dass es hier um mehr gehen muss. Doch noch weiß sie nicht, in welcher Gefahr sie schwebt - und wie bald sie alles zu verlieren droht, was sie liebt ...

allein


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09.08.2021 um 19:36
Zitat von NarrenschifferNarrenschiffer schrieb:WHY?
Zitat von NarrenschifferNarrenschiffer schrieb:(WTF!)
Tja, absurd-skurriler Ösihumor ist nichts für jederfrau/mann, da muss man sich drauf einlassen können und darf keinen bierernst zu nehmenden Krimi erwarten. Habe selber noch keinen Metzger-Roman gelesen, wohl aber einige andere Prachtexemplare dieser Krimisparte, immer ein Lesegenuss für mich.


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10.08.2021 um 11:37
CYMERA 20210810 113610Original anzeigen (0,3 MB)



Veit Etzold - der Totenzeichner


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11.08.2021 um 00:18
Ferdinand Raimund - Das Mädchen aus der Feenwelt oder Der Bauer als Millionär

Raimund-Aschenmann

Dieses 1826 uraufgeführte Stück Ferdiand Raimunds ist der Klassiker des Wiener Vorstadtbiedermeier schlechthin, in dem er die Zauberwelt und die Menschenwelt geschickt verflechtet und die Zufriedenheit mit dem eigenen Dasein in der zugeordneten sozialen Schicht als Ideal auf die Bühne bringt.

Die angesehene Fee Lacrimosa will für ihre Tochter Lottchen nur dem Sohn der Feenkönigin als Gatten, und für diese Anmaßung wird sie von dieser von ihrem Feenschloss verbannt und die Tochter in die Menschenwelt zu einem armen, aber glücklichen Bauern namens Fortunatus Wurzel verstoßen. Zum achtzehnten Lebensjahr muss sie einen Armen heiraten, damit der Bann gelöst wird.

Das Stück beginnt mit einer Feen- und Geisterversammlung knapp vor Ablauf des Ultimatums. Der Neid hat Fortunatus zu Reichtum verholfen, aus Rache, weil ihn Lacrimosa nicht ehelichen hat wollen. Das Ziel: Lottchen darf ihren geliebten armen Fischer Karl nicht heiraten. Um dem noch ein Schäuflein draufzusetzen, gewinnt bei einem Geisterkegelspiel, das der Neid und der Hass einfädeln, Karl einen Brillantring, der ihm zu ebenfalls zu unermesslichen Reichtum verhilft.

Die guten Geister und Zauberer helfen Lacrimosa, lassen Fortunatus frühzeitig altern sowie verarmen und sein Brot als Aschenmann verdienen, und die Fee Zufriedenheit besiegt Neid und Hass, sodass Karl seinen Ring wegwirft, wieder ein armer Fischer wird und Lottchen heiratet. Der Bann ist gelöst und am Ende singen alle ein Lied über die Zufriedenheit.

Raimund wäre aber nicht Raimund, wenn er nicht allgemeine Gesellschaftskritik in sein Stück einbauen würde. So gibt es mehrfach Seitenhiebe auf Eltern, die auf Kosten und gegen die Wünsche ihrer Kinder in diesen ihre eigenen Wünsche verwirklichen wollen. Dies sind ziemlich aktuelle Passagen, die gut gealtert sind.

Ein Höhepunkt ist auch, als die personifizierte Jugend zu Fortunatus kommt, sich von dem noch nicht mal 40-Jährigen verabschiedet und ihn zu Armut, Verfallenheit und zum Aschenmann, einem Ascheneinsammler, verdammt (siehe zum Beruf Aschenmann auf Wikipedia). Ihr gemeinsames Lied Brüderlein Fein (Musik: Josef Drechsler) ist in Österreich noch immer sehr bekannt. Die Version gesungen von Hans Moser und Renate Holm mit Text auf YouTube.


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11.08.2021 um 02:27
Karin Slaughter, False Witness

https://www.goodreads.com/book/show/55809780-false-witness

unnamed

Heftiges Thema: Pädophilie, sexueller Missbrauch von Kindern/Jugendlichen, brutale Vergewaltigungen. Nichts für schwache Nerven. Aber wie immer spannend geschrieben.


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11.08.2021 um 08:28
https://images.app.goo.gl/95Gqt7Yfv1diHL1M8


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11.08.2021 um 08:44
Puh... Bilder hochladen kann ich irgendwie am Handy nicht.

Ich lese gerade "Irsinn" von Dean Koontz. Ein Thriller, ganz okay.

Der Prota wird in ein Mord"spiel" verwickelt. Er bekommt leicht kryptische Nachrichten, soll dies oder jenes tun, um eins von 2 möglichen Opfern auszuwählen.
Im Nebenstrang kümmert er sich um seine Freundin, die im Koma liegt, aber ab und an auch paar "merkwürdige" Sätze sagt.
Bin noch nicht so weit, aber denke, die Handlungsstränge laufen am Ende zusammen... 😉


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11.08.2021 um 08:56
@Narrenschiffer


Ich hab die Metzger Reihe gelesen und fand sie klasse. Allerdings verliert sich sehr viel, da du mit dem letzten Teil eingestiegen bist und dir dadurch die Entwicklung der Figuren fehlt usw.


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11.08.2021 um 09:11
Zitat von Photographer73Photographer73 schrieb:Ich hab die Metzger Reihe gelesen und fand sie klasse. Allerdings verliert sich sehr viel, da du mit dem letzten Teil eingestiegen bist und dir dadurch die Entwicklung der Figuren fehlt usw.
Will ich auch noch... bisher kenne ich nur die 2 Verfilmungen 2 Bücher der Reihe mit Robert Palfrader in der Titelrolle. Haben mich neugierig gemacht. Ich mag den ÖsiHumor sehr gerne.
Von Wolf Haas habe ich einiges gelesen. Auch ein sehr guter österreichischer Autor.


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11.08.2021 um 09:16
@IamSherlocked

Zu den Verfilmungen kann ich nichts sagen, habe ich nicht gesehen, weil ich solche Verfilmungen fürs TV meistens sehr schlecht finde. Aber die Bücher kann ich wirklich empfehlen, wenn man das Skurrile mag. Ich mußte auch an vielen Stellen herzhaft lachen.


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11.08.2021 um 09:20
Zitat von IamSherlockedIamSherlocked schrieb:die 2 Verfilmungen 2 Bücher der Reihe mit Robert Palfrader in der Titelrolle.
Ah ja, das ist die Metzgerreihe, hab da was verwechselt und an eine andere Ösikrimiserie gedacht. :palm:
Da hoffe ich auf weitere Verfilmungen, mein zuLesenStapel ist hoch und das Leben kann leider nie lang genug sein. Noch kollidiert die abzuarbeitende Literaturmenge nicht mit meiner anzunehmenden Lebenserwartung, aber der Stapel wächst unaufhaltsam... ;)
Podcastnachholbedarf ist ja auch noch vorhanden. Tsts.


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11.08.2021 um 12:37
Zitat von Photographer73Photographer73 schrieb:Ich hab die Metzger Reihe gelesen und fand sie klasse. Allerdings verliert sich sehr viel, da du mit dem letzten Teil eingestiegen bist und dir dadurch die Entwicklung der Figuren fehlt usw.
Das ist durchaus möglich, obwohl mir der Text durchaus abgeschlossen erscheint. Er beginnt ja mehr oder weniger mit der Jahrzehnte vor der Handlung stattfindenden Geschichte über den Wurstkaiser Woplatek und dessen Kontakt mit Metzger. Mal schauen, vielleicht werde ich mal den ersten Band anlesen, um zu sehen, wie Raab die Figur eingeführt hat. Diese Story war mir einfach zu wirr und unlogisch.


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11.08.2021 um 12:43
@Narrenschiffer

Abgeschlossen schon, aber versuch vielleicht wirklich mal den ersten Teil noch zu lesen. Bei mir hat es am Anfang auch eine Weile gedauert, bis ich mit dem Stil und den Figuren warm wurde, aber nachdem ich den ersten Teil durch hatte, waren sie mir echt ans Herz gewachsen. Aber es stimmt schon, man muß das Skurrile mögen, liegt vielleicht nicht jedem, was aber ja auch nicht schlimm ist.


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12.08.2021 um 00:41
Rechtsextremismus in Schule, Unterricht und Lehrkräftebildung

Rechtsextremismus

Dieses Buch aus 2019 vom renommierten wissenschaftlichen Springer-Verlag (nicht zu verwechseln mit dem Axel-Springer-Verlag) habe ich durchgeblättert, da es mit doch interessiert hat, wie die Wissenschaft aus Politologie, Soziologie und Erziehung die Herausforderungen für Schule gegenüber rechten Strömungen in der Gesellschaft sieht. Geographisch ist dieser Sammelband auf Deutschland beschränkt.

Auffällig ist zunächst, dass der Begriff Rechtsextremismus (Kernmerkmal des Extremismus ist, dass Verfassungsbestimmungen ausgehebelt werden sollen) erweitert wird und damit auch eine Auseinandersetzung mit Radikalismus, der per definitionem nicht verfassungsfeindlich ist, sowie der AfD ermöglicht wird. Das Lehrpersonal sei an die Gesetzgebung gebunden, das dem Individuum Freiheitsrechte ohne Zuordung zu einer Gruppe zuspricht (ist wohl in allen demokratischen Gesellschaften und Staaten so), womit auch eine Auseinandersetzung mit Radikalismen, welche die Gemeinschaft bzw. das Kollektiv über die Rechte der Individuen setzen, legitimiere. Republikanische Demokratien würden mit ihren Verfassungen eben auch einem Mehrheitswillen eines postulieren Volkes als Souverän Grenzen setzen, dass sie mit ihren Rechten auch Schutzpflichten gegenüber Minderheiten festgeschrieben haben.

Andererseits wird zurecht postuliert, dass gerade Jugendliche diese Individualisierung als Bedrohung wahrnehmen können, besonders an der Schule, da diese durch individualisierte Leistungsbeurteilung auch eine gesellschaftliche Selektionsfunktion wahrnehme, die nicht nur Bildungs- sondern auch Lebenskarrieren zerstören könne. Somit sei es für die Schule grundsätzlich schwierig Werte zu vermitteln, dass jede Person "gleich an Würde und Rechten" sei.

Rechtspopulistische, rechtsradikale sowie rechtsextremistische Positionen würden genau dort ansetzen und anders als die Linke soziale Ungleichheiten ethnisieren, wobei auf Basis von Umfragen konstatiert wird, dass für Jugendliche es schwer sei, solche Argumentationen als rechts zu verorten. Besonders sei dies bei ethnopluralistischen Ideen (jedem Völkchen sein Räumchen) schwierig, da diese positive und nicht ausgrenzend negative Argumentationsmuster aufwiesen.

Auch sind sich die Autor:innen nicht sicher, ob der Beutelsbacher Konsens (Link zur Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg) für politische Bildung aus dem Jahr 1976 noch greifen kann, der drei Postulate setzt:

1) Die Lehrenden dürfen nicht indoktrinieren
2) In Wissenschaft und Politik Kontroverses muss als Kontroverses unterrichtet werden
3) Schüler:innen müssen in die Lage versetzt werden, eine politische Situation und eigene Interessen zu analysieren

Besonders in der Auseinandersetzung mit der zugelassenen Partei AfD stoße dieser Konsens an seine Grenzen. Wie soll mit dieser Partei bei Veranstaltungen bzw. mit deren Positionen im Unterricht umgegangen werden? Einige Vorschläge werden unterbreitet, um zu verhindern, dass ein Agitationspotenzial für Positionen, welche die individuellen Rechte aufgrund einer Zugehörigkeit zu einer Gruppe eingeschränkt sehen wollen, geboten werde. Dies sei mit der Schulgesetzgebung bzw. mit Schulprofilen vereinbar. Was jedoch, wenn eine Podiumsdiskussion der parlamentarischen Parteien über Bildungspolitik angesetzt sei? Antworten werden nicht gegeben.

Im Umgang mit Schüler:innen, die rechtsradikale oder rechtsextremistische Positionen vertreten, lässt sich in mehreren Beiträgen eine Empfehlung erkennen. Gegenüber intoleranten Ansichten soll Intoleranz gezeigt werden, aber Toleranz gegenüber denjenigen, die sie vertreten. Die Person selbst soll nicht ausgegrenzt werden, vielmehr sollte versucht werden, sie in ihrem eigenen sozialen Umfeld abzuholen und nicht mit allgemeinen abstrakten Menschenrechtspositionen zu konfrontieren, was zu einer Ablehnung führen würde. Sei es eine Hinführung zur Erkenntnis, dass praktisch jede Person ihr eigenes Umfeld schätze und verteidige und daher unterschiedliche Interessen gleichwertig seien, oder sei es die Konfrontation damit, dass eine gewalttätige Durchsetzung eigener Interessen für den eigenen Lebensweg katastrophal enden könne (ein konkretes Beispiel von zwei Lehrlingen aus Brandenburg wird angeführt, die durch eine Gewalttat gegenüber einem "Ausländer" ihre Arbeit verloren bzw. eine Haftstrafe ausgefasst haben).

Dass Schulen und vor allem Lehrkräfte von der politischen Aufgabe überfordert sein können, lässt sich an der Gewichtung der Beiträge erkennen. Zur Lehrkräfteausbildung gibt es zwei kurze Beiträge am Ende des Bandes. Einer stellt die Frage, ob es mehr Lehrpersonal mit Migrationshintergrund geben solle. In einem Beitrag ist das Problem angedeutet: Neben der Wissensvermittlung und der Bildungschance für alle Schüler:innen werden nun nicht mehr nur erzieherische Aufgaben (eigentlich des Elternhauses) von Schulen übernommen, sondern sie sollen Wunderwuzzi-Institutionen sein, welche verhindern sollen, dass aus Jugendlichen radikale oder gar extremistische Erwachsene werden. Dass Lehrer:innen überfordert sind oder das schlichtweg nicht (mehr) wollen, kann ich mir gut vorstellen.


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12.08.2021 um 10:28
Alleine bist du nie

von Clare Mackintosh : sehr gut, spannend, überraschendes Ende


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Kellerkind:

von Nicole Neubauer

Die erfolgreiche Anwältin Rose Benninghoff liegt mit durchschnittener Kehle in ihrer Designerwohnung. Im Keller des Hauses kauert der vierzehnjährige Oliver Baptiste, sein Körper mit Blutergüssen übersät, seine Hände blutverschmiert. Er kann sich an nichts erinnern. In einem klirrend kalten Jahrhundertwinter nimmt der Münchner Hauptkommissar Waechter mit seinem Team die Jagd nach dem Mörder auf. Doch bald verschwimmen die Grenzen zwischen Tätern und Opfern immer mehr, und die Ermittler stoßen auf ein altes Verbrechen, das nie gesühnt wurde, und das seine Schatten bis in die Gegenwart wirft ...


keller


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15.08.2021 um 14:09
Allen Ginsberg - Der Untergang Amerikas -1975 - Hanser Verlag

51HmpcoP05L. SX281 BO1204203200

Eine Auswahl seiner Gedichte, besser als andere, z.B. im Band vom Rowohlt Verlag sind nur seine kitschigen Gedichte drin.


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15.08.2021 um 15:47
Zitat von parabolparabol schrieb:Allen Ginsberg - Der Untergang Amerikas
Aus dem Gedicht "Gärten der Erinnerung":
...eine Million Leichen rennen über 42. Straße
Transparente Gebäude aus Alluminium und Glas...



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16.08.2021 um 00:14
Wartime American Plans for a New Hungary

Romsic

Der ungarische Historiker Ignác Romsics hat Anfang der 1990er Jahre in den Archiven des US-Außenministeriums gestöbert und einen Band der Protokolle eines Komitees des US-Außenministeriums herausgegeben, das sich von 1942 bis Mitte 1944 mit Ostmitteleuropa nach Ende des Krieges (ein Sieg der Alliierten vorausgesetzt) auseinandersetzte, um der US-Regierung eine fundierte Handlungsanleitung zu geben. Das Komitee war mit hochkarätigen Historikerinnen und Historikern sowie Mitgliedern des diplomatischen Dienstes mit Europaerfahrung bzw. dem Herausgeber der offiziösen außenpolitischen Zeitschrift Foreign Affairs besetzt.

Zu beobachten ist, dass in der Frühphase mehrere Spielarten einer ostmitteleuropäischen Föderation von Finnland bis Griechenland durchgespielt wurden (von einer geschlossenen Föderation bis zu einer mehrteiligen Föderation), selbst Otto Habsburg, der enge Kontakte zu Regierungsvertretern der USA pflegte, war im Gespräch. Je länger die Beratungen andauerten, desto mehr wurden Kriegsrealitäten berücksichtigt, darunter nicht nur das Faktum, dass westliche Truppen kaum das Gebiet vor oder gemeinsam mit sowjetischen Truppen erreichen würden, aber auch dass Stalin darauf insistierte, dass die Vorkriegsgrenzen Ausgangspunkt der Nachkriegswelt zu sein hätten. Mit einer Ausnahme, die Eroberungen der Sowjetunion bis 1941 (Ostpolen, Baltikum) und der Westverschiebung Polens an die Oder-Neiße-Linie.

Durchgehend interessant ist, dass das Komitee Ungarn gegenüber sehr freundlich gesinnt war, obwohl Kriegsgegner. Es zieht sich durch die Beratungen, dass die Grenzziehungen von 1920 nach dem Ersten Weltkrieg geschlossene ungarische Siedlungsgebiete abtrennten. Besonders berücksichtigt wurde das Gebiet der Szekler, einem ungarischsprachigen Volk im Osten Siebenbürgens. Das Komitee hält die Szekler für eine Ethnie, die noch vor den Ungarn in diesen Raum kamen, die Rumänen sehen sie als magyarisierte Rumänen. Erstmals dokumentarisch bekannt sind sie aus dem 11. Jahrhundert. Das Problem, welches das Komitee erkannte, war, dass die Szekler keine Verbindung zu den Ungarn haben, dazwischen leben mehrheitlich Rumänen. Auch ist das Szeklergebiet gemischt besiedelt (Szekler eher in den Tälern, Rumänen im Hügelland). Womit zunächst sogar eine Autonomie für Siebenbürgen vorgeschlagen, aber mit der Zeit fallengelassen worden ist.

Hier eine Karte der ethnischen Verteilung in Ungarn und Siebenbürgen nach 1941:

Hungary 1941 ethnic.svgOriginal anzeigen (0,4 MB)
Karte: ArnoldPlaton / Wikimedia / CC-BY-SA 3.0 Unported

Der Endvorschlag Mitte 1944 ist schließlich, dass zunächst einmal die Vorkriegsgrenzen von 1937 als Basis herangezogen werden sollen, die USA jedoch Gebietszusprechungen auf Verhandlungsbasis wegen der mehrheitlich ungarischen Besiedlung nicht ablehnen würden: Die Große Schüttinsel nördlich der Donau östlich von Bratislava, weitere Teile der Kleinen Tiefebene nördlich der Donau, rumänische Gebiete nördlich von Arad. Realität war schließlich nach Ende des Krieges, dass es zu keinerlei Grenzänderungen kam und Ungarn nach einer kurzen demokratischen Phase zu einer kommunistischen Diktatur wurde.

Interessant ist der beinahe ethnopluralistische Zugang des Komitees, Grenzziehungen sollen auf Basis ethnischer Mehrheiten vorgenommen werden und auch von Umsiedelungen zehntausender von Menschen wurde gesprochen, als ob dies das Normalste auf der Welt wäre. Mitberücksichtigt sollen aber auch wirtschaftliche und verkehrstechnische Gründe werden (zum Beispiel die Ost-West-Verbindung in der Slowakei sollte nicht unterbrochen werden und Rumänien sollte nicht vom Eisenbahnnetz mit Westanschluss ausgeschlossen werden). Nur einmal wird beinahe emotional dieser ethnopluralistische Ansatz durchbrochen, der für Siebenbürgen schlichtweg nicht umsetzbar war: Ungarn und Rumänen sollten vielleicht lernen miteinander zu leben und ihre nationalistischen wie irredentitistischen Anwandlungen hintenan stellen.

Auch politisch änderten sich die Positionen im Laufe der Zeit. So wird 1944 kategorisch abgelehnt, dass Otto Habsburg in irgendeiner Form politisch in Ungarn oder Österreich tätig wird.

Ob der Ungarnschwerpunkt der Protokolle auf eine selektive Auswahl zurückzuführen ist oder ob das Komitee über das restliche Ostmitteleuropa von Finnland bis Griechenland weniger informiert war oder ob kein Standpunkt im Detail hat erarbeitet werden sollen, kann ich nicht beurteilen.


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16.08.2021 um 10:53
Kein Friede den Toten

von Harlan Coben

Matt Hunter ist zwanzig, als sein Leben in Trümmern liegt: Ohne es zu wollen, hat er einen Menschen getötet. Neun Jahre später will Matt nur noch an die Zukunft denken, die gemeinsame Zukunft mit seiner Frau Olivia und dem Kind, das sie erwarten. Doch dann überstürzen sich die Ereignisse. Matt erhält eine mysteriöse Videobotschaft, die Olivia mit einem andern Mann zeigt, und die Polizei steht vor Matts Tür: Ein Fremder, der Matt offenbar beschattet hatte, wurde ermordet …


friede


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