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Welches Buch lest ihr gerade?

6.465 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Bücher, Lesen, Literatur ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

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12.08.2022 um 16:56
katze


Pfoten vom Tisch!: Meine Katzen, andere Katzen und ich


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14.08.2022 um 15:30
Die falsche Zeugin:

von Karin Slaughter

Anwältin Leigh musste schon immer härter kämpfen als andere. Denn ihre Kindheit war geprägt von Gewalt und wurde vor Jahrzehnten durch ein brutales Verbrechen abrupt beendet. Seitdem sucht sie Schutz hinter der unauffälligen Fassade ihres gutbürgerlichen Lebens. Bis sie den Auftrag bekommt, die Verteidigung eines mutmaßlichen Vergewaltigers zu übernehmen. Der Fall könnte Leighs Karriere einen mächtigen Schub verpassen. Doch als sie dem Angeklagten gegenübersteht, wird ihr klar, warum er ausgerechnet sie als seine Anwältin auserkoren hat. Sie kennt ihn. Und er kennt sie. Und er weiß genau, wovor Leigh seit zwanzig Jahren davonläuft.

zeugin


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14.08.2022 um 22:50
Paolo Cognetti - Acht Berge

Cognetti-Acht Berge

Dieser 2016 veröffentlichte Roman hat vor sechs Jahren eingeschlagen, mich aber nicht sonderlich überzeugt. Er ist dem Genre Autofiktion zuzuorden, der Autor schreibt durch eine fiktive Person (Pietro) eigentlich über sich selbst und arbeitet sich letztlich an seinem Vater ab.

Pietros Familie fährt zu seiner Kindheit in den Achtzigerjahren jeden Sommer von Mailand in die Provinz Aostatal, wo sie im Tal der Lys südlich des Bergmassivs des Monte Rosa ein Haus angemietet haben. Pietro freundet sich mit einem einheimischen Jungen namens Bruno an, mit dem er in die Berge streunt. Sein Vater ist Chemiker in Mailand, stammt aus dem Veneto und schleppt seinen Sohn regelmäßig ins Gletschergebiet, um ihn von seiner Höhenkrankheit zu heilen.

Sprung: Pietro studiert an der Filmakademie in Turin und spezialisiert sich auf Dokumentarfilme. Nach dem Tod seines Vaters Anfang der Nullerjahre zieht es ihn immer wieder ins Lystal, wo sein Vater ihm auf etwa 2000 Meter Höhe ein Grundstück mit einem verfallenen Haus vermacht hat, das an einer Felswand errichtet ist. Mit Bruno, der Maurer ist, renoviert er das Haus, Bruno übernimmt seine Freundin Lara und baut mit ihr einen auf Käse spezialisierten Bergbauernhof auf einem Grundstück seines verstorbenen Onkels auf. Dieses Unternehmen geht pleite, Lara zieht mit ihrer gemeinsamen Tochter zurück zu ihrer Mutter, Bruno sucht Unterschlupf im Haus von Pietro, der viel Zeit in Nepal verbringt, und ist im strengen Winter 2014 verschollen. So endet der Roman.

Die Beschreibungen der Bergwelt am Fuß des Monte-Rosa-Massivs sind durchaus beeindruckend, die Charaktere jedoch sehr blass. Selbst das Ich von Pietro (eigentlich Cognetti selbst) lebt nur aus Beschreibungen. Er arbeitet sich an seinen Eltern, vor allem dem Vater ab, bleibt aber auch selbst eine sehr blasse Figur, die keinerlei Beziehungen zu anderen Menschen aufbauen kann. Selbst Bruno ist nur ein Gefährte am Berg, ein saufender Maurer, ein ihm gratis helfender Freund. Als Bruno ihn im Todeswinter nach der Trennung und dem Bankrott noch aus Nepal nach Italien holen kann, finden sie nicht zueinander. Sie essen, trinken und befreien Pietros Berghaus von Schnee, dann verschwindet Pietro wieder in Nepal, wo er von Brunos Tod erfährt.

Cognetti selbst war auch Dokumentarfilmer und hat sich in etwa 2000 Meter Höhe in einem westlich von der Geschichte liegenden Tal bei Brusson ein Haus renoviert. Dieser Roman hinterlässt den Eindruck eines Menschen, der nicht so richtig weiß, wo er hingehört, der sich nicht von seinem Vater befreien kann und selbst nicht fähig ist, eine Familie zu gründen. Fast ein Kafka-Schicksal, nur nicht so sprachgewaltig.


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15.08.2022 um 12:37
Wieder einmal:
So zärtlich war Suleyken von Siegfried Lenz
C0085664-29EB-454A-84B5-514E4356DEAEOriginal anzeigen (1,2 MB)
Wunderschön geschriebene Geschicht(ch)en aus der ostpreußischen Heimat des vor acht Jahren verstorbenen Schriftstellers. Die in der masurischen Umgangssprache verfassten Kurzgeschichten machen sie so besonders liebens- und lesenswert.


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15.08.2022 um 14:06
HHOriginal anzeigen (2,3 MB)

Man möchte auch in einem Hain wandeln.


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15.08.2022 um 23:06
Rodman Philbrick - Freak

Philbrick-Freak

Soviel ich weiß, ist das der einzige Kinderroman (zum Teil ein Thriller) von Rodman Philbrick aus dem Jahr 1993, und er wurde mit Sharon Stone verfilmt. Im Zentrum stehen zwei 12-jährige Außenseiter, ein hochintelligenter Junge namens Kevin (damals ging der Name noch) mit der Stoffwechelstörung Morbus Morquio (er ist kleinwüchsig, seine Organe wachsen jedoch normal, woran er an seinem dreizehnten Geburtstag stirbt) und ein großgewachsener dicklicher Junge namens Maxwell Kane, der seit der Kindergartenzeit unkontrollierbare Aggressionsanfälle hat, an die er sich zeitweise nicht erinnern kann, ungelenk ist, Lese- und Schreibschwierigkeiten hat.

Maxwell lebt bei seinen mütterlichen Großeltern, sein Vater sitzt im Gefängnis, da er seine Mutter ermordet hat. Im Haus seiner Großeltern lebt er zurückgezogen im Keller, und als Kevin, den er vom Kindergarten her kennt, in ein Nachbarhaus einzieht, befreunden sie sich. Kevin reitet auf Maxwells Schultern und dirigiert ihn in Abenteuer, die er aus den Artusromanen hat. Episodenhaft wird erzählt, so auch eine Konfrontation mit einer Bande von 17-Jährigen, die darauf aus sind, Kleinere zu verprügeln. Sie können sich gerade noch retten. Kevin lebt in einer Fantasiewelt, träumt von einem bionischen Körper, der ihm ein längeres Leben ermöglicht, liest sehr viel und schafft es, dass Maxwell in der Schule aus der Fördergruppe in die Normalklasse versetzt werden kann. Schließlich wird Maxwell sein Jahr mit Kevin niederschreiben (er ist der Erzähler des Buchs).

Der zweite Teil des Romans ist beinahe ein Thriller. Maxwells Vater wird auf Bewährung freigelassen, entführt Maxwell aus der Wohnung der Großeltern, schleppt ihn in ein Sozialbauwohnviertel, wo ihm ein ehemals befreundetes Rockerpaar helfen soll, das jedoch Maxwell und Kevin schon kennt, da sie der Frau in einer Episode eine gestohlene Handtasche zurückgebracht haben. Der Vater fesselt und knebelt Maxwell, und die Leugnung des Mordes an Maxwells Mutter kann er nicht lange aufrechterhalten. Das Rockerpaar ruft die Polizei und Kevin befreit Maxwell, indem er in das abgebrannte Gebäude, wo sich die beiden aufhalten, eindringt und dem Vater ("Killer Kane") mit einer Wasserpistole eine Art selbstgebrauten Pfefferspray in die Augen sprüht. Das ist Kevins großer Moment vor seinem Tod.

Haupt- und Identifikationsfigur ist eindeutig Maxwell, der alle Voraussetzungen hat, in ein kaputtes Leben abzudriften: traumatisiert (er kann sich an die Ermordung seiner Mutter erinnern, als er vier Jahre alt war), jähzornig, aggressiv, plump, lernschwach. Kevin ist das Vehikel, das ihn aus diesem Sumpf herausholen kann, und als er es geschafft hat, muss er sterben. Für eine Identifikationsfigur ist er viel zu intelligent, vielwisserisch und hat noch dazu eine sehr seltene Krankheit.


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16.08.2022 um 10:20
@shibam
Das Buch habe ich vor Weihnachten gelesen. Es sind auch schöne Humorvolle Geschichten dabei.

Es lohnt sich das Buch immer mal wieder zu lesen 🙂


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16.08.2022 um 10:37
Ich habe vor Kurzem durch Zufall (Prime Reading) die Thriller von T.M. Logan entdeckt und bin begeistert.

https://www.lovelybooks.de/autor/T.M.-Logan/
https://www.tmlogan.com/

Sehr spannend und man errät nicht das Ende schon spätestens in der Mitte des Buches.

Gelesen habe ich bis jetzt von ihm
29 Seconds
The Holiday
und lese gerade Lies.

Wer spannende Thriller mag, dem kann ich diesen Autor wirklich empfehlen.

Einige seiner Titel kann man gerade bei Prime Reading kostenlos lesen. Ich nutze dieses Angebot immer wieder mal gern, um neue Autor*innen kennenzulernen. Wenn mir dann ein Buch nicht gefällt, ist nix verhaut.


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16.08.2022 um 17:22
Kennt Ihr Hans Peter Wolf


Die Ostfriesen Krimis


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17.08.2022 um 21:36
Zitat von WalkingbirdWalkingbird schrieb:Es lohnt sich das Buch immer mal wieder zu lesen 🙂
ja, @Walkingbird, so geht es mir auch damit :-)


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17.08.2022 um 22:55
Thomas Nöller - Verschwörungstheorien und Fake News

Verschwoerungstheorien-und-Fake-News

Thomas Nöller ist Wirtschaftspsychologe und hat an der TU Kaiserslautern seine Masterarbeit in Sozialwissenschaften 2021 über das Thema Verschwörungstheorien und Fake News geschrieben, die im Springer-Verlag veröffentlicht worden ist. Beruflich ist er in Frankfurt am Main im Bereich digitales Lernen tätig, möchte aber - laut Verlagsinformation - seine Forschungen in diesem Thema fortsetzen.

Insgesamt ist diese sprachlich auf hohem Niveau und fehlerfrei veröffentlichte Arbeit mehr eine Pflicht als eine Kür und präsentiert den Forschungsstand zu Verschwörungstheorien und Fake News, wobei sich hauptsächlich auf soziologische Theorien der Großen bezogen wird (Weber, Popper, Luhmann), aber auch Psychologisches spielt eine Rolle. Aus der aktuellen angloamerikanischen wie deutschsprachigen Literatur zu diesem Thema werden vor allem unterschiedliche Kategorisierungen präsentiert. Als Fallbeispiele werden hauptsächlich Klassiker herangezogen (Protokolle der Weisen von Zion, Kennedy-Mord, Mondlandung, 9/11, Chemtrails, Pizza-Gate, ein wenig Impfskepsis), eigene Analysen werden nicht vorgenommen.

Letztlich sieht Nöller in Verschwörungstheorien hauptsächlich nicht falsifizierbare heterodoxe Erklärungsansätze, die sich auch in orthodoxen Denkmustern zum Beispiel von Religionen finden. Als gesellschaftlich relevant sieht er die Unterscheidung zwischen zynischen (rassistischen, antisemitischen, hetzerischen, zu Gewalt aufrufenden) und kynischen Verschwörungstheorien. Letztere bieten eher einfach gestrickten und eher sozial deklassierten Menschen einfache und reduzierte Erklärungsmuster für komplexe Sachverhalte, die eigentlich nicht zusammenhängen. Verwoben werden Verschwörungstheorien oft mit Fake News, die Nöller als bewusste Fälschungen zu propagandistischen Zwecken definiert. Als Beispiel bringt er die Fake-News-Fabrik von Veles in Nordmazedonien, wo aus Profitgründen Unmengen an Pro-Trump-Fake-News verbreitet worden sind.

Insgesamt bietet das dünne Büchlein einen brauchbaren Überblick über die aktuelle wissenschaftliche Diskussion zu dem Thema, eigene Analysen sind doch zu vermissen. Andererseits ist dies von einer studentischen Masterarbeit auch nicht unbedingt zu verlangen.


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18.08.2022 um 04:48
Zitat von NarrenschifferNarrenschiffer schrieb:ist diese sprachlich auf hohem Niveau und fehlerfrei veröffentlichte Arbeit mehr eine Pflicht als eine Kür und präsentiert den Forschungsstand zu Verschwörungstheorien und Fake News
Meinst Du damit, dass der Autor nur Gesammeltes zusammenträgt und keine Ableitungen zieht und seinen eigenen Standpunkt darstellt?

Hat er selbst Recherchen im Sinne von Befragungen oder ähnlichem vorgenommen?
Zitat von NarrenschifferNarrenschiffer schrieb:dünne Büchlein
Wie dick isses?


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18.08.2022 um 12:57
@nairobi

Zu Fragenblock 1: Die Antwort, wie du sie in deiner Frage gibst, ist korrekt. Er ordnet und präsentiert den aktuellen Forschungsstand (ist eh ok), arbeitet jedoch selbst nicht empirisch. Er analysiert keine VT-Gruppe bzw. keinen Fake-News-Korpus. Im Anhang, den der Verlag online verlinkt, gibt es zwei Interviews: mit dem Psychiater und Psychologen Fritz B. Simon und dem Physiker Holm Hümmler.

Zur Länge: Druckausgabe/PDF - 88 Seiten. Dazu kommen noch im Anhang die beiden transkribierten Interviews, die der Verlag online ausgelagert hat.


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21.08.2022 um 17:24
Die falsche Zeugin:

von Karin Slaughter

sehr ,sehr gut

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All die bösen Taten:

von Heather Chavez

Auf dem Weg nach Hause bemerkt Tierärztin Cassie Larkin einen Mann, der eine junge Frau brutal angreift. Sie hält an, und nachdem sie die Polizei gerufen hat, geht sie aller Warnungen zum Trotz dazwischen. Daraufhin stößt der Angreifer eine seltsame Drohung aus: »Lass sie sterben, und ich werde dich am Leben lassen.« Doch das kann Cassie nicht. Während sie dem Opfer hilft, stiehlt der Unbekannte ihr Auto und verschwindet. Jetzt kennt er ihren Namen, ihre Adresse. Er weiß von ihren Kindern ...
Am nächsten Tag verschwindet Cassies Ehemann spurlos. Ein Zufall? Verzweifelt versucht sie, ihn zu finden, und macht eine schockierende Entdeckung. Nichts geschieht so zufällig, wie es zunächst scheint, und plötzlich ist Cassie gezwungen, eine schier unmögliche Wahl zu treffen, um ihre Familie zu retten …



bse


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23.08.2022 um 11:56
DerZementgartenOriginal anzeigen (2,2 MB)


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23.08.2022 um 20:33
Michael Ende - Momo

Michael-Ende-Momo

Das 1973 erschienene Buch habe ich noch nie gelesen, als Kind oder Jugendlicher hat mich scheinbar Esoterisches nicht so sonderlich interessiert, aber ich muss konstatieren, es scheint gut gealtert zu sein und ist nett zu lesen.

Die Konstellation dürfte manchen bekannt sein: Momo lebt in einer Art Höhle in einem römischen Amphitheater am Rande einer ungenannten, aber deutlich als italienisch erkennbaren Stadt. Sie ist ohne Eltern und bereits mehrfach aus einem Waisenhaus abgehaut. In ihrem Amphitheater sammelt sie Freunde um sich, Kinder und Erwachsene (Gigi Fremdenführer, Beppo Straßenkehrer, den Gastwirt Nino oder den Maurer Nicola). Sie spielen miteinander und Momo hat die Gabe, anderen Menschen zuhören zu können (als eine Art Psychotherapie).

Eines Tages kommen graue Männer mit grauen Anzügen, grauen Autos, grauen Taschen, grauen Hüten und grauen Zigarren in die Stadt, welche den Bewohnern Zeitsparbücher andrehen. Die Menschen werden hektisch, arbeiten immer mehr, um Zeit zu sparen, haben keine Zeit mehr füreinander, aber sie werden auch reich (Gigi zum Beispiel wird Fernsehstar). Kinder werden in sogenannte Kinder-Depots gesteckt, wo sie erzogen werden und Lernspiele spielen.

Ein grauer Mann, der Momo mit einer schönen Puppe und vielen Spielsachen für die Zeitsparkasse werben wird, verrät ungewollt nach Momos Frage "Hat dich denn niemand lieb?" das Geheimnis: Die Zeit wird den Menschen nicht mehr zurückgegeben, sondern die grauen Männer ernähren sich selbst von der Zeit der Menschen. Ohne diese gestohlene Zeit würden sie nicht existieren, sondern sie lösten sich in Nichts auf.

Da es ja ein modernes Märchen ist, führt Kassiopeia, eine Schildkröte mit Sprachausgabe am Rücken, sie ins Niemalshaus von Meister Horus, dem Verwalter der Zeit. Dort lernt sie die Stundenblume kennen, die jeder Mensch als Zeitquelle für sich hat. Die grauen Männer sammeln die gestohlenen Stundenblumen in einem Tiefkühlraum, und die gefriergetrockneten Blätter werden zu Zigarren geformt. Ohne Rauch dieser Blätter lösen sich die grauen Männer auf.

Meister Horus und Momo wollen die Herrschaft der grauen Männer brechen und den Menschen ihre Zeit wieder zurückgeben. Dies gelingt auf märchenhafte Weise. Meister Horus legt sich schlafen und damit steht die Zeit still. Alles erstarrt, nur Momo mit Hilfe einer Stundenblume, Kassiopeia aufgrund ihres eigenen Metabolismus und die grauen Männer nicht. Momo verfolgt die grauen Männer in ihr Hauptquartier, wohin sie aus Panik geflohen sind, sie reduzieren sich auf sechs Personen, doch Momo gelingt es, die Türe in den Stundenblumen-Tresorraum zu schließen. Als die letzte Zigarre abgebrannt ist, gibt es keine grauen Männer mehr. Momo öffnet den Tresorraum, die aufgetauten Stundenblumen fliegen zu ihren Menschen zurück und die Welt ist wieder wie zuvor.

Eine Frage wird auch aufgelöst, woher nämlich die Grauen Männer stammen. In einem Abschnitt wird erklärt, dass sie von den Menschen selbst geschaffen werden, sich selbständig machen und die Menschen schließlich beherrschen.

In einem Interview erklärt Ende, dass er bei den grauen Männern an Manager-Typen gedacht hat. Interessant jedoch ist die Gestaltung der Idee des Zeitstehlens. Dies kann durchaus als märchenhafte Darstellung der Marx'schen Werttheorie für warenproduzierende Gesellschaften gelesen werden: Die Arbeitenden geben ihre Arbeitszeit und werden unter dem von ihnen geschaffenen Wert bezahlt, der Mehrwert wird von anderen angeeignet und verwaltet. Die grauen Männer als Symbol des Mehrwerts: Durchaus eine bedenkenswerte Hypothese, und damit kann die Kritik eines esoterischen Eskapismus, der dem Werk anhaftet, auf alle Fälle abgeschwächt werden.

Zum Schluss ein Textauszug über die Kinder-Depots, der sehr gut zeigt, welche Gesellschaftsauffassung in der Welt der grauen Männer vorherrscht:
„,Kinder ohne Aufsicht", erklärten wieder andere, „verwahrlosen moralisch und werden zu Verbrechern. Die Stadtverwaltung muß dafür sorgen, daß alle diese Kinder erfaßt werden. Man muß Anstalten schaffen, wo sie zu nützlichen und leistungsfähigen Mitgliedern der Gesellschaft erzogen werden."

Und abermals andere meinten: ,,Kinder sind das Menschenmaterial der Zukunft. Die Zukunft wird eine Zeit der Düsenmaschinen und der Elektrogehirne. Ein Heer von Spezialisten und Facharbeitern wird notwendig sein, um alle
diese Maschinen zu bedienen. Aber anstatt unsere Kinder auf diese Welt von morgen vorzu bereiten, lassen wir es noch immer zu, daß viele von ihnen Jahre ihrer kostbaren Zeit mit nutzlosen Spielen verplempern. Es ist eine Schande für unsere Zivilisation und ein Verbrechen an der künftigen Menschheit!" Das alles leuchtete den
Zeit-Sparern ungemein ein. Und da schon sehr viele Zeit-Sparer in der großen Stadt waren, gelang es ihnen in ziemlich kurzer Zeit, die Stadtverwaltung von der Notwendigkeit zu überzeugen, etwas für die vielen vernachlässig-
ten Kinder zu tun. Daraufhin wurden in allen Stadtvierteln sogenannte „Kinder-Depots" gegründet. Das waren große Häuser, wo alle Kinder, um die sich niemand kümmern konnte, abgeliefert werden mußten und je nach Möglichkeit wieder abgeholt werden konnten.

Es wurde strengstens verboten, daß Kinder auf den Straßen oder in den Grünanlagen oder sonstwo spielten. Wurde ein Kind doch einmal dabei erwischt, so war sofort jemand da, der es in das nächste Kinder-Depot brachte. Und die
Eltern mußten mit einer gehörigen Strafe rechnen.

Auch Momos Freunde entgingen dieser neuen Regelung nicht. Sie wurden voneinander getrennt, je nach der Gegend, aus der sie kamen, und wurden in verschiedene Kinder-Depots gesteckt. Davon, daß sie sich hier selbst Spiele einfallen lassen durften, war natürlich keine Rede mehr. Die Spiele wurden ihnen von Aufsichtspersonen vorgeschrieben, und es waren nur solche, bei denen sie irgend etwas Nützliches lernten. Etwas anderes verlernten sie freilich dabei, und das war: sich zu freuen, sich zu begeistern und zu träumen. Nach und nach bekamen die Kinder Gesichter wie kleine Zeit-Sparer. Verdrossen, gelangweilt und feindselig ...



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23.08.2022 um 23:39
Tanz der Hexen (Die drei !!! Band 10)

Hexen

Dieser Kinderkrimi hat zwei Seiten. Einerseits ist die Dorfgeschichte bei Franziskas Großmutter in dem fiktiven Dorf Billershausen ein realistischer Fall: Der Dorfwirt möchte ein Grundstück einer alten Frau im Wald mit einer Heilquelle abkaufen, die aber nicht verkaufen will, weil es ihr Elterngrundstück ist und vor 50 Jahren ihre beiden jüngeren Geschwister in der Quelle ertrunken sind, da sie als Elfjährige nicht auf sie aufgepasst hat, wie sie sollte. Es werden Gerüchte gestreut, dass sie eine Hexe ist, Katzen verschwinden und werden in einem Schuppen der alten Frau gefunden.

Der Text ist spannend, nur das Ende ist skurril. Dass diejenige, welche die Katzen entführt hat, die Tochter des Wirts ist, erkennen die Detektivinnen an einer auf ihrem Oberarm tätowierten Rose. Warum? Bei einem Gläserrückenspiel wird auf die Frage, wer die Katzen entführe, die Antwort "ROSE" gegeben. Das ist schon sehr schwache Komposition in einer Serie, die bislang auf logische Kausalketten Wert gelegt hat.

Dabei wären die Bezüge zum Märchen Hänsel und Gretel ausreichend gewesen, um ein wenig Unheimliches in den Text zu bringen. Der Wald, in dem das Grundstück sich befindet, heißt auch Märchenwald, und laut Legende sollen Hänsel und Gretel dort ihren Tod gefunden haben (Verortung nach Hessen?). Auch in der Geschichte verschwinden zwei kleine Geschwister, die letztlich nur wegen eines Unfugs davongelaufen sind.


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24.08.2022 um 05:40
Zitat von nairobinairobi schrieb am 27.12.2020:Dashiell Hammett
Ganz toll. Hab grad letztens wieder den "Malteser-Falke" durch. Ganz grosses Kino! :)


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24.08.2022 um 08:43
@Narrenschiffer

Momo habe ich damals gelesen und später auch als Film gesehen.
Mario Adorf spielt den Straßenkehrer.

Danke für deine gute Zusammenfassung und Erklärung.


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24.08.2022 um 18:37
Der Spezialist:

von Lee Child

»Laconia, New Hampshire« stand auf dem Straßenschild. Obwohl Jack Reacher noch nie hier gewesen war, entschied er sofort, dass er den Ort besuchen würde. Denn hier war sein Vater aufgewachsen, und auch wenn dieser niemals zurückgekehrt war, wollte Reacher sehen, was das für ein Ort war. Als er den Entschluss traf, ahnte Reacher noch nicht, dass es einen guten Grund gab, warum sein Vater Laconia den Rücken gekehrt hatte. Während Reacher in der Vergangenheit herumstochert, gerät er ins Fadenkreuz skrupelloser Männer, die für ihren Profit über Leichen gehen. Doch mit einem Mann wie Jack Reacher haben sie nicht gerechnet.

lee


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