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Welches Buch lest ihr gerade?

7.661 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Bücher, Lesen, Literatur ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Welches Buch lest ihr gerade?

20.02.2026 um 22:31
@Narrenschiffer
Nach welchen Kriterien wählst du die Bücher aus, die du liest und rezensierst?

Du hast da nämlich durchaus immer wieder welche dabei, die ich nie gefunden hätte. Sehr interessant jedenfalls immer. 👍🏼


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Welches Buch lest ihr gerade?

21.02.2026 um 00:06
Zitat von violetlunavioletluna schrieb:Nach welchen Kriterien wählst du die Bücher aus, die du liest und rezensierst?
Ich schaffe mir grundsätzlich seit Ewigkeiten viel zu viele Bücher an. Das war schon zu Papierzeiten so (Übersiedlungshorror!). Und da lese ich mich derzeit durch die Bücher, die noch offen sind. Darum auch wenige neue, die ich derzeit rezensiere.

Manchmal gruppiere ich beim Lesen nach Themen (derzeit eine Mischung aus literarischen Top-Büchern und Jugendromanen, obwohl die mich manchmal sehr enttäuschen, da auch die Rezensionen in diesem Bereich oft zu überschwänglich sind). Und manchmal schnappe ich auch eines zufällig, weil es mir grade ins Auge sticht. Dann überlege ich manchmal, ob ich von älteren Anschaffungen zu neueren oder umgekehrt lesen soll ;) Derzeit eher von älteren zu neueren, vielleicht kommt demnächst der Rest meiner Papierbibliothek dran (vieles nun auch digital vorhanden).

Die Infos zu Büchern entnehme ich für Aktuelleres auf perlentaucher.de (ein Aggregator deutschsprachiger Feuilletons) oder Referenzen aus den gelesenen Büchern selbst. Aber ich stöbere auch im Guardian, Times Literary Supplement und in der New York Times. Habe da auch einiges an englischsprachigen Büchern noch offen. Dazu kommen Unmengen an e-Books, die ich seit 2011 kaufe (zunächst Kindle, seit langem epubs). Da habe ich mir einen ordentlichen Backkatalog angelegt, den ich noch nicht gelesen habe. Aber das war auch schon zu Papierzeiten so, dass ich mehr gekauft habe, als ich aktuell habe lesen können. Da ist auch noch einiges offen, vieles habe ich mir auch digital zugelegt, weil es einfach bequemer ist. Ich bin da weniger ein Bibliophiler oder Bibliomane, ich bin eher sowas wie ein Textfreak (mir ist völlig egal, in welcher Form er vorliegt).

Ein "Problem" ist sicher, dass mich zu viel interessiert: Literatur (sehr viel an Genres bis hin zu Trivialheftchen), Geschichtliches (da auch fast alles) und Politik, aber auch Abgedrehtes wie alle möglichen "Verschwörungstheorien".

Auf die Idee, mein Lesetagebuch hierher nach Allmy zu legen, kam ich übrigens durch diesen Thread, und als der Blog modernisiert wurde, gibt's auch eine Version im Blog (manchmal bei Erzählungsbänden ist im Blog eine längere Version). Eigentlich habe ich - mit Pausen - immer notiert, was ich gelesen habe, aber in der Öffentlichkeit zu schreiben, zwingt mich fokussierter zu strukturieren und formulieren, was wiederum auch mir hilft, Gelesenes nach längerer Zeit wieder in Erinnerung zu rufen.

Und wenn dann so ein Feedback kommt,
Zitat von violetlunavioletluna schrieb:Sehr interessant jedenfalls immer
freue ich mich ganz besonders. Denn so richtig gehe ich davon nicht aus, dass irgendjemand meine manchmal langen Buchbeschreibungen wirklich liest ;)


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Welches Buch lest ihr gerade?

21.02.2026 um 05:03
Zitat von NarrenschifferNarrenschiffer schrieb:Denn so richtig gehe ich davon nicht aus, dass irgendjemand meine manchmal langen Buchbeschreibungen wirklich liest ;)
Doch, doch.

Ich blättere generell sehr gerne durch diesen Thread.


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21.02.2026 um 12:36
Zitat von NarrenschifferNarrenschiffer schrieb:Denn so richtig gehe ich davon nicht aus, dass irgendjemand meine manchmal langen Buchbeschreibungen wirklich liest
Ich schreibe hier zwar nicht so viel... aber lese hier öfter, auch Deine Buchbeschreibungen.. da kannst Du Dir gewiss sein :)


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21.02.2026 um 12:56
Ich hab mich jetzt doch für Revival von Stephen King entschieden und lege Schwarz erstmal zur Seite:)

@Narrenschiffer
Auch ich stöbere schon ziemlich lange in deinen Buchbeschreibungen und freue mich über jeden neuen Beitrag. Immer sehr interessant:)


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21.02.2026 um 14:26
@Narrenschiffer
Danke dir für ddjnd Erklärung. Ich finde mich da in einigem davon wieder 😂. Ich habe auch viel zu viele Bücher und schon gar keinen Platz mehr - drum kaufe ich nur mehr E-Books bzw. leihe sie mir aus

Außerdem bin ich auch ein Sortierfreak (innerer Monk) und ordne meine Bücher nach Autor:in und zusätzlich alphabetisch nach Titel 🤪. Ich habe noch nie verstanden, wieso Menschen Bücher nach Farben sortieren. Ich sortiere Kleidung, Schuhe, Handtücher etc. nach Farben, aber bei Büchern finde ich diese Sortierung nicht sehr sinnvoll.

Ich schreibe auch gerne ausufernd 😉. Selbst wenn ich nicht immer den gesamten Beitrag lese bzw. auch nicht von jedem Buch, finde ich, dass du dir sehr viele Gedanken machst dazu und allein das ist schon interessant, weil ich zu manchen deiner Schlüsse selbst gar nicht gekommen wäre und sie mir eine andere Sichtweise auf das Buch geben.

Und gerade die Breite deines Lesespektrums ist wunderbar. Meine eigenen Interessen sind ja auf wenige Genres beschränkt und durch deine Rezensionen habe ich schon mehrmals Anregungen gefunden, mich auch mit Geschichten außerhalb dieser zu Genres zu befassen. Danke dafür!


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22.02.2026 um 22:27
Zitat von NarrenschifferNarrenschiffer schrieb:Denn so richtig gehe ich davon nicht aus, dass irgendjemand meine manchmal langen Buchbeschreibungen wirklich liest ;)
Oh doch! Auch ich lese diese mit Begeisterung und habe schon einige der von dir hier vorgestellten Büchern meiner Liste zu lesender Bücher hinzugefügt.
An dieser Stelle also auch von mir ein Kompliment und Dank für diesen Service :-)
Darüber hinaus bin ich immer wieder erstaunt, wie viele Bücher du hier vorstellst und woher du Zeit zum Lesen und Rezensieren nimmst, denn ich selbst habe wegen Beruf und sonstigen Verpflichtungen viel zu wenig Zeit zum lesen und hoffe daß ich dann in der Rente mal dazu komme, wieder mehr zu lesen, aber bis dahin fließt noch viel Wasser den Bach hinab….😂


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23.02.2026 um 23:31
Zitat von MickelangeloMickelangelo schrieb:Darüber hinaus bin ich immer wieder erstaunt, wie viele Bücher du hier vorstellst und woher du Zeit zum Lesen und Rezensieren nimmst
Der Schlüssel ist, dass ich seit 2009 keinen Fernseher mehr besitze. Erst im Nachhinein sehe ich, wie viel Zeit ich eigentlich vor der "Kiste" totgeschlagen habe. Während der Arbeitszeit ist Lesen natürlich nicht drinnen ;)


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24.02.2026 um 11:12
@Narrenschiffer
Wow, da bist Du echt konsequent. Ich bewundere Deinen Leseeifer und bin sehr dankbar, dass Du so viel hier teilst. Deine Buchauswahl wäre mir zu belastend, das ist wirklich schwere Kost oft und mir reicht da schon Deine Zusammenfassung. Ich persönlich brauche Bücher zum Entspannen. Spannende oder auch seichte Geschichten zum Eintauchen und zum Müdewerden :)
Danke!


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26.02.2026 um 21:00
@Narrenschiffer
Mich beeindrucken ebenfalls deine Buchrezensionen. ;) Verschwindest du nicht auch mitunter in manch spannende Geschichten und lebst quasi darin?
Zitat von MickelangeloMickelangelo schrieb am 22.02.2026:Oh doch! Auch ich lese diese mit Begeisterung und habe schon einige der von dir hier vorgestellten Büchern meiner Liste zu lesender Bücher hinzugefügt.
An dieser Stelle also auch von mir ein Kompliment und Dank für diesen Service :-)
Dem kann ich voll :) zustimmen!


Mein Leseumfang hält sich in Grenzen. Es gibt Phasen, da lese ich kaum Bücher oder das Durchlesen eines Romans zieht sich in die Lääänge, aber dann geht’s auch mal sehr zügig.

"Der Habicht" von T. H. White fand ich zB fesselnd und aufwühlend, sicher auch hinsichtlich der Lebensgeschichte des Autors.
Unmittelbar danach las ich den autobiografischen Roman "H wie Habicht" von der britischen Autorin Helen Macdonald. Im Vordergrund ihres Romans steht ein Habicht, den sie konditioniert, abträgt. Nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters gibt ihr diese Aufgabe wieder Halt und Struktur. Literarisch verschmelzen reale Ereignisse, Gefühle und Erfahrungen.

Dass ich zuerst T. H. Whites "Der Habicht" las und anschließend den Roman von H. Macdonald "H wie Habicht" war Zufall, aber genau so war es richtig.





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Hochspannend finde ich auch den Roman von Isabelle Autissier "Herz auf Eis".
Es geht um ein junges Paar, dass sich auf eine Segeltour begibt. Die Yacht kommt abhanden und sie müssen sich, ohne jegliche Verbindung zur Außenwelt, in einer eiskalten, unwirtlichen Natur zurechtfinden. Und in diesem extremen Überlebenskampf geraten fundamentale Prinzipien des Menschseins ins Wanken.

https://www.mare.de/buecher/herz-auf-eis-256


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26.02.2026 um 21:04
@two-cents
Die Habicht Geschichten hören sich auch sehr interessant an. Noch nie davon gehört. Wird ebenfalls notiert!


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26.02.2026 um 21:16
Jurassic Park


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01.03.2026 um 23:45
Dirk Reinhardt - Über die Berge und über das Meer

Reinhardt-Berge Meer

2019 erzählt Dirk Reinhardt nach seinem mexikanischen Fluchtepos Train Kids wieder über zwei Jugendliche auf der Flucht, diesmal aus Ostafghanistan, wo der Einfluss der Taliban 2014 bereits immer stärker sich auf das Leben der Leute auswirkt. Diesmal hat Reinhardt die Fluchtwege nicht bereist, sondern sich in Deutschland Geschichten erzählen lassen. Dennoch ist der erste Teil, das Leben in Afghanistan, viel beeindruckender als die Fluchtbeschreibung (von der Überquerung der Grenzberge zwischen dem Iran und der Türkei abgesehen). Je näher die beiden Hauptfiguren sich Europa bzw. Deutschland nähern, desto schneller und weniger detailreich schreibt Reinhardt, und das Ende ist dermaßen kitschig, dass es einem deutschen Heimatfilm der 1950er Jahre entlehnt sein könnte.

Die Hauptfiguren sind die 14-jährige Soraya, ein Mädchen aus einem Dorf (eine Sesshafte), und der 15- oder 16-jährige Tarek (ein Hirtennomade aus der Volksgruppe der Kuchi).

Soraya ist das siebte Kind und siebte Mädchen, sodass der Dorf-Mullah nach altem paschtunischen Recht Soraya zu einem Jungen namens Samir erklärte, um die Ehre der Familie wiederherzustellen und einen männlichen Begleiter für die außer Haus gehenden Frauen (Mutter und Schwestern) zu haben. Auch darf sie mit anderen Jungen auf der Straße spielen und in die Schule gehen. Und nun ist sie in dem Alter, an dem es das Wunder der Umwandlung zur Frau zu feiern gibt. Soraya weiß, dass sie ab nun auch im Haus eingesperrt sein wird, die talibanische Patroille, die nächtens immer im Dorf auftaucht, droht ihr und ihrer Familie, falls sie außer Haus geht. Da sie sich ein eingesperrtes Leben bei ihrer Familie nicht vorstellen kann und auch keines bei einem Ehemann (auch entspricht sie weder durch ihre Wildheit noch durch ihr Aussehen dem Frauenideal der doch sehr konservativen und patriarchalischen Männer dieser Gegend, und eine ihrer Schwestern ist an einen mehr als 20 Jahre Älteren, Gewalttätigen verheiratet worden), beschließt sie mit Unterstützung ihrer Eltern, die auf Geldsendungen hoffen, zu einem Freund ihres Vaters nach Istanbul zu reisen. Da sie weder Geld noch Papiere hat, um dorthin zu fliegen, nimmt sie den Fluchtweg, den Schleuser in Herat organisieren.

Tarek hat sich bereits von Soraya angezogen gefühlt, als sie noch als Samir offiziell ein Junge war. Jeden Sommer sind seine Familie mit ihrer Herde auch bei diesem Dorf vorbeigezogen, um Tauschhandel zu treiben. Und jeden Sommer freuten sich beide aufeinander. Doch in diesem Sommer 2014 beschließen die Kuchiälteren der Gruppe, mit denen Tareks Familie gemeinsam wandert, dass sie eine andere Route einschlagen. Einerseits sind die Flüsse wegen eines milden Winters ausgetrocknet, andererseits wollen sie weder US-amerikanischen Truppen noch talibanischen Banden in die Hände fallen. Und da die Herde immer kleiner wird und es nicht mehr sicher ist, eine große Familie ernähren zu können, beschließen Tarek und seine Eltern, dass Tarek zu einem viel älteren Bruder seines Vaters nach Deutschland reist. Auch er hat kein Geld und keine Papiere zu fliegen, also macht auch er sich auf den Weg nach Herat, um bei einem der Schleuser eine Reise in den Westen der Türkei zu kaufen.

So treffen sich beide doch wieder, und nicht mehr als zwei Buben. Sie reisen zwar auf der gleichen Route durch den Iran, aber mit zwei unterschiedlichen Fluchtgruppen und unterschiedlichen Schleppern. Auf dem zehntägigen Fußweg über die Grenzberge zwischen dem Iran und der Türkei treffen sie sich, ausgehungert und durchfroren wieder. Tarek unterstützt die Schlepper, die ganze Gruppe lebend über die Berge zu bekommen (er kann als Schafhirte sehr gut eine Gruppe zusammenhalten und dabei auch anpacken, wenn es nötig ist), dafür kann er in einem Zelt schlafen und bekommt die doch ausgiebigeren Essrationen der Schlepper. Soyara und Tarek vereinbaren, sich noch in der Türkei wieder zu treffen.

Diejenigen, welche die Migrantengruppen über die Berge führen, stammen aus einem kurdischen Dorf im Osten der Türkei, wo es praktisch keine Arbeitsplätze gibt, also blieben der männlichen Jugend nur drei Möglichkeiten, sich den Rebellen anzuschließen, zu schmuggeln oder als Schlepper tätig zu sein. Letztere hätten die größte Überlebens-Chance. Dennoch ist auch für sie, die sie dauernd auf diesem zehntägigen schweren Weg unterwegs sind, diese Tätigkeit kein Zuckerschlecken und sie sind in dieser Schlepperkette die am geringsten Bezahlten.

Von der Osttürkei geht es dann mit einer Schlepperkette in Bussen oder Lastkraftwagen nach Istanbul. Der Freund von Sorayas Vater befindet sich nicht mehr in Istanbul, er ist nach Deutschland gegangen, aber sie kommt bei einer Lehrerin unter, der sie in den Bergen das Leben gerettet hat und mit der sie sich angefreundet hat. Soraya arbeitet in einer Kellerfabrik, in der T-Shirts genäht werden. Und schließlich hat sie das Geld beisammen, um nach Deutschland geschleppt zu werden. Auf einer Passhöhe hat ihr Tarek noch die Adresse seines Onkels gegeben. Der erste Weg ist ein Schlauchboot nach Lesbos, das in einem Sturm fast gekentert wäre, von dem sie selbst gefallen ist und dabei beinahe ertrunken wäre.

Tarek geht gleich an die Westküste (Städte findet er bedrohlich) und arbeitet bei einer alten Schafzüchterfamilie als Hirte und Hausgehilfe. Sein Lohn: Essen, Unterkunft und eine Fahrt mit einem Fischer nach Lesbos. Dort stürmt er mit eine Gruppe anderer eine Fähre, versteckt sich in einem Reservereifen eines Lastwagens und gelangt so nach Italien, wo er etwas Arbeit findet und sich schließlich eine Zugfahrt über Tirol nach München leisten kann. Bis München gibt es keine Kontrolle, in München wird er in ein Erstaufnahmezentrum gesteckt, wo er Gewalt und Feindschaft (meist nach Herkunft) kennenlernt. Schließlich nimmt er Kontakt zum Bruder seines Vaters auf, kommt in ein (schwäbisches?) Dorf und arbeitet schwarz an einem Bauernhof.

Soraya gibt sich in Lesbos unter Mithilfe einer neuen Bekannten als syrischer Flüchtling aus und bekommt Papiere und etwas Reisegeld. Sie gelangt ganz offiziell auf einer Fähre nach Athen und von dort nimmt sie die Balkanroute über Nordmazedonien, Serbien, Ungarn und Österreich nach Deutschland. Schließlich gelangt sie in das Dorf, in dem Tarek lebt, nimmt Kontakt zu seinem Onkel und dessen deutschen Frau, bei denen er lebt, auf, und am Abend wartet sie auf einer unter Bäumen stehenden Bank auf der "Passhöhe" eines Hügels auf den von der anderen Seite kommenden Tarek. Er kommt natürlich (vom Bauernhof) und beide sitzen schließlich im Sonnenuntergang in einer deutschen Dorfidylle. Damit schließt der Roman.

Wie schon oben geschrieben, das Leben in Afghanistan und der Weg über die Grenzberge ist viel detaillierter geschrieben, als die letzten 2000 Kilometer in Europa, die beinahe eine angenehme Urlaubsfahrt waren. Beide fliehen nicht, sie migrieren. Tarek, der von den Taliban angeheuert worden ist, ihnen als Spurenleser zu dienen, hat eine Bestätigung mit, dass er von den Taliban mit dem Tod bedroht worden sei, und Soraya gibt sich als Syrerin aus, die vor einem Krieg flieht.

Unklar bleibt, wie die Geldkette funktioniert. Beide haben ja bei unerschiedlichen Organisatoren in Herat den Transit bezahlt. Gibt es Geldkuriere, nehmen sie die Dienste der Western Union in Anspruch? Dies bleibt im Dunkeln.

Streckenweise ist der Roman sehr packend geschrieben und warum die beiden weg wollen, ist schlüssig. Aber vor allem im zweiten Teil gibt es manche Längen und das Ende ist ... doch etwas eigenartig und kitschig. Im Vergleich zu Train Kids ist es kein bis ins letzte Detail durchkomponiertes Meisterwerk, aber lesenswert immer noch, da so Einiges auch kritisch hinterfragt ist.


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03.03.2026 um 13:27
Da ich seit längerem wieder voll im King-Fieber bin (angefangen hat es mit Holly, dann zur Vervollständigung Outsider und Blutige Nachrichten und dann noch die Mr. Mercedes/Bill Hodges-Reihe, danach über The Stand und Needful Things), habe ich mich jetzt an den Dunklen Turm gewagt.

Bin gerade bei Band 3 "tot." und muss sagen, ich finde es gut. Noch ist bei mir so ein großes Fragezeichen, wo das Ganze hinführen soll, aber ich finde, es liest sich flüssig und entgegen der einhelligen Meinung fand ich Band 1 "schwarz" bisher am Besten. Mag aber auch so karge dystopische Settings. "drei" fand ich dann anfangs sehr skurill und auch bei "tot" war erst so ein wtf-Moment, aber ich finde es spannend und freu mich auf die weiteren Bände.


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04.03.2026 um 11:48
Zitat von NarrenschifferNarrenschiffer schrieb am 21.02.2026:Denn so richtig gehe ich davon nicht aus, dass irgendjemand meine manchmal langen Buchbeschreibungen wirklich liest ;)
Ich schon. Und so manches Mal hat das schon mein Interesse an einem bestimmten Buch geweckt.

Du könntest Buchblogger werden.


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05.03.2026 um 15:00
20260227 135143Original anzeigen (2,9 MB)

Weiß bei dem Buch gar nicht so recht wie ich anfangen soll.
Von Seite zu Seite wird es emotionaler und mein Respekt, dieser Frau gegenüber, wächst immer weiter an.

Mir laufen teils die Tränen, dann macht es mich wütend, verzweifelt und dann wieder diese Stärke dieser Frau.

Sie erzählt darin ihre gesamte Lebensgeschichte, die unheimlich schwer für sie war.

Ihr bleibt nur zu wünschen, dass sie nun endlich mal ein ruhiges, glückliches und ihr gegenüber ehrliches Leben führen kann.
Trotz allem was ihr wiedefahren ist, ist sie so positiv und anderen Menschen gegenüber höflich, verständnisvoll und freundlich.


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05.03.2026 um 18:19
Friedrich Ani - Wie Licht schmeckt

Ani-Licht

Der vierzehnjährige Lukas Brenner wünscht sich zum 14. Geburtstag, allein durch München zu ziehen, was er dann auch drei Tage lang durchzieht. In seiner Hyperaktivität stößt er beinahe die 17-jährige Kellnerin Sonja von einer Rolltreppe runter, die er gegen die Laufrichtung runterstürmen will. Irgendwie kommen sie sich nahe, treffen sich, ziehen gemeinsam durch München, sind auf einem Punkerfest, Lukas hat den ersten Handjob seines Lebens und langsam lernt er, wie die Welt auch ohne sehen zu können wahrgenommen werden kann. Den letzten Abend verbringen sie bei einem Sonnenuntergang in der Maximlianstraße.
»Wenn ich so einen Wein wie diesen trinke«, sagte sie und ihre Stimme war leiser geworden und ich dachte, das muss so sein wegen dem Gesicht, »dann kommt es mir vor, als würde er nach Licht schmecken. Als wär der Wein Licht, das man trinken kann.«
Dann trennen sich die Wege.

So interessant die Idee ist, so wenig nachvollziehbar ist die Umsetzung. Lukas wirkt eher wie ein durchgeknallter 12-Jähriger und scheint auch so nicht viel Grips zu haben. Oder Ani stößt an seine Grenzen. Denn wie geht der Text nach obigem Zitat weiter?
Wahrscheinlich starrte ich sie bloß an.
Ich hörte, wie sie sagte: »Zum Wohl, Lukas, und guten Appetit.« Und ich starrte sie an, als sie schon aß und sich mit der Serviette den Mund abwischte und einen Schluck Wein trank und mir den Kopf zuwandte.
Auch als ich es endlich schaffte, mir ein Stück Pizza in den Mund zu schieben, starrte ich weiter vor mich hin. Ich starrte die verbrannten Pilze an, die schwarzen Oliven, den fetten Schinken, den labbrigen Käse, ich aß und schmeckte nichts.
Wenn Sonja Licht schmeckte, dann schmeckte ich die totale Finsternis.
Was eine Sommeliere war, wusste ich nicht.
Eingepackt in den Roman sind noch die üblichen Probleme mit Eltern und Sonja ist seit ihrem siebten Lebensjahr nach einem Unfall im Privatflugzeug ihres Vaters, der bei diesem verstorben ist, blind.

Und das Coverbild? Sonja rettet Lukas, als er in einem Schwimmbecken fast ertrinkt. Warum? So richtig erklärt wird das nie.

Richtig reingefunden habe ich in diesen Text nie. Er wirkt aufgesetzt und übertrieben unrealistisch.


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05.03.2026 um 20:43
Lese derzeit den Briefwechsel von Arendt und Scholem. Mein erstes Buch von ihr.
Hamed Abdel-Samad hat in seinem Buch mehrmals von ihr geredet. Nach Harald Schmidt's und Habeck's Zitaterie von ihr, war dass dann der letzte Tropfen der den Stein zum überlaufen...ach ihr wisst schon.

Das Buch
"Kants 'Kritik der reinen Vernunft' im Klartext" ist auch angekommen. Danke noch mal an der Stelle...

Bei Arendt bin ich bei Brief "März 1945" im Moment.
Ich denke es ist interessant mit einem Buch von ihr anzufangen, wo sie schrieb, vermutlich zu Beginn sicher, dass diese Briefe kein sehr großes Puplikum haben.
So denke ich, steige ich da anders hinein als wäre es ein reines Fach/Sachbuch von ihr, wo sie ggf. anders schreibt, anders als in einem privaten Brief.
Anders, nicht im verstellten oder negativen Sinne, sondern eben rein privat.

Man merkt dass sie über jedes einzelne Wort genau nachdachte und eigentlich schreibt als wäre jeder Satz ein Kunstwerk. Dass kann man auch nicht mal eben schnell lesen sondern muss man langsam lesen um jeden Satz ganz zu erfassen. Mag an meinem begrenzten Intellekt liegen :). Bei Kant brauch ich ja Nachhilfe...

Weis zufällig jemand was
"rechten sie nicht mit mir"
zu bedeuten hat?
Das exakt selbe wie "rechnen" kann es eigentlich nicht sein, denke ich mal.


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06.03.2026 um 08:45
Zitat von SiegelschildSiegelschild schrieb:Weis zufällig jemand was
"rechten sie nicht mit mir"
zu bedeuten hat?
So ganz spontan:

Stelle dich nicht über mich und richte mich nicht.

"Rechten" im Sinn, wende nicht "dein Recht" an.


Muss jetzt weg.


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06.03.2026 um 18:28
Ortwin Ramadan - Der Schrei des Löwen

Ramadan-Schrei

Großteils realistisch, zum Teil kaum glaubwürdig schreibt der Drehbuchautor Ortwin Ramadan 2011 einen Jugendroman über die Flucht zweier nigerianischer Straßenkinder nach Europa. Ziel: Ein Onkel in Hamburg.

Der Push-Faktor ist kaum zu glauben. Yoba ist 16 Jahre alt, sein Bruder Chioke ein 12-jähriger Autist. Ethnisch gehören sie dem südostnigerianischen Ibo-Stamm an und religiös sind sie christlich. Yoba verdient ihr Überleben als Autowäscher auf dem Parkplatz eines ausländischen Unernehmens. Sein Ziel ist: Mitglied der Mafia-Gang eines ehemaligen Milizenführers, Big E, zu werden. Als Aufnahmeritual erhält er den Auftrag, einen Mann, der Geld von Big E gestohlen hat und sich in einem Quartier einer verfeindeten Mafia-Gruppe aufhält, zu erschießen und das Geld zurückzubringen. Yoba muss ihn nicht erschießen, dieser gibt ihm das Geld freiwillig. Bei der Rückgabe des Geldes wird sein Bruder vom Hund von Big E bedroht, Yoba erschießt den Hund mit der noch bei ihm befindlichen Pistole, bedroht Big E und kann mit einer Unmenge an Geld fliehen. Dabei stellt sich die Frage: Was für Luschen hat dieser Mafiaboss als Leibwächter?

Aber Yoba hat einen triftigen Grund abzuhauen und das Geld, um die Schleuser für einen Transit nach Libyen zu bezahlen. Immer wieder werden sie auf dem Weg über Agadez nach Dirkou von Soldaten und Milizen angehalten, welche die "Reisenden" ausnehmen wie eine Weihnachtsgans. Von Dirkou geht es mit einem Lastwagen durch die Sahara nach Libyen. Bequem geht anders.

MB0217


Übliches Transportmittel für Trans-Sahara-Fahrten zwischen Niger und Libyen. Kunden: Wanderarbeiter, Schmuggler, Migranten. (Bild: Maximilien Bruggmann)



Bei einer Übernachtung vergräbt Yoba seine Geldbüchse bei einem Baum, doch als er seinen kleinen Bruder nicht mehr neben sich liegen sieht, sucht er ihn, verläuft sich und findet nicht mehr zum LKW zurück. Am Ende des zweiten Tages findet ihn eine Salzkarawane und rettet ihn vor dem Verdursten. Unter dem Schutz des Karawanenführers wird er zu einer Oase gebracht, durch die die LKW-Transporte fahren, und es gelingt Yoba, sich auf einen der LKWs zu schmuggeln und gelangt in die westlibysche Hafenstadt Zuwara, von wo Schleuserboote nach Italien aufbrechen. Dort findet er in einer Gruppe von Migranten auch seinen kleinen Bruder wieder.

In einem ziemlichen Chaos (Ankunft der Küstenwache, drohendes Unwetter) besteigen die beiden ein ägyptisches Schleuserschiff. Der Kapitän weigert sich ursprünglich wegen der Wettervorhersage zu fahren, doch aufgrund multiplen Drucks (Schleuserboss, Küstenwache) bricht er auf und das Boot zerbricht im Mittelmeer in einem Orkan. Chioke rettet sich auf eine Planke, Yoba kann sich wegen eines zerbrochenen Oberarms nicht halten und ertrinkt.

Eingeflochten ist die Geschichte von Julian, der mit seinen Eltern gelangweilt Urlaub auf Sizilien in einem Hotelressort macht, und bei einem Tauchkurs taucht er eigene Wege und sieht einen Ertrunkenen. Am Strand findet er ein in Folie eingewickeltes Tagebuch. Es ist das Tagebuch Yobas, das er auf der Reise regelmäßig geführt hat. So geht Julian mit Adria, der deutsch-italienischen Tochter des Hoteldirektors, auf Suche nach dem Tagebuchschreiber und dessen Bruder. Auf Lampedusa gelingt es ihnen durch die Beziehungen Adrias, in das Flüchtlingslager zu gelangen. Sie machen Chioke in einem Lazarett ausfindig und legen ihm das Tagebuch aufs Bett.

Die Stärken des Buchs sind definitiv die geschilderten Strapazen und Risiken einer solchen Reise. Schwächen sind die Ausgangsschilderung (oben beschrieben) und die etwas kitschige Beziehung zwischen Julian und Adria.


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