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7.753 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Bücher, Lesen, Literatur ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

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20.06.2026 um 12:21
David Ost - Red Pill Politics

Ost-Red Pill

David Ost ist Politikwissenschafter an den Hobart & William Smith Colleges (Upstate New York) und hat letzten Monat ein Buch über die Gemeinsamkeiten zwischen Faschismus und Rechtspopulismus veröffentlicht. Die gemeinsamen Politikelemente nennt er Red Pill Politics (Politik der roten Pille). Den Begriff entnimmt er dem Film Matrix, da sowohl Faschisten wie auch Rechtspopulisten der Überzeugung sind, eine tieferliegende (Verschwörungs-)Wahrheit aufgedeckt zu haben.

Historisch teilt Ost rechte Bewegungen in drei unterschiedliche Phasen:


  1. Erste Rechte: Aristokratischer Widerstand gegen die Errungenschaften der Französischen Revolution
  2. Zweite Rechte: Bürgerliche Elite gegen Arbeiterorganisationen im 19. Jahrhundert
  3. Dritte Rechte: Nationalistische Bewegungen zur Erringung autoritärer Macht


Ost zählt sowohl Faschismus wie Rechtspopulismus zur Dritten Rechten und nennt die Parteien Rote-Pillen-Parteien (Red Pill Partys - RPP). Trennlinie ist für ihn nicht die Anwendung von Gewalt, denn eine solche würde die Analyse gegenwärtiger RPP entschärfen. Vielmehr sei Gewaltbereitschaft ein gemeinsames Element, welches die zweite Trump-Regierung mittels ICE sehr wohl kennzeichne. Die drei gemeinsamen Hauptmerkmale seien Folgende:


  1. Hauptziel von RPP sei die Machtgewinnung und Machterhaltung. Alte Eliten sollen aus der Politik gedrängt werden und die eigenen Mitglieder zur neuen Elite werden.
  2. Ideologische Basis seien die Arbeitenden der nationalen Dominanzidentität. "Dominant essence" ist der gewählte Begriff, da er nicht unbedingt ethnisch basiert sein muss, sondern auch kulturell oder religiös fundiert sein kann (Hinduismus in Modis Indien zum Beispiel). Nur Mitglieder der Dominanzidentität hätten das volle Recht im Staat. Minderheitenidentitäten werden ausgegrenzt und entrechtet. Den Arbeitenden der Dominanzidentät werden Versprechungen gegeben, wobei kennzeichnend ist, dass es Geschenke von oben seien und nicht ausgehandelte oder erkämpfte Rechte. Somit seien die gegebenen Vergünstigungen auch jederzeit wieder umkehrbar.
  3. Trotz der revolutionären Phraseologie ständen RPP wirtschaftlich sozialdemokratischen Konzepten näher als kommunistischen. Am Privateigentum von Produktionsmitteln werde nicht gerüttelt, nur der freie Markt werde eingeschränkt, Politik dominiert Wirtschaft. Als Ausgleich werden drei Boni angeboten: Erstens die Ausschaltung oder Eingrenzung der freien Arbeiterorganisationen und -parteien, zweitens die Beschränkung der Konkurrenz durch ausländische Unternehmen und drittens massive Staatsaufträge.


Der dritte Punkt sichere die Unterstützung durch das nationale Unternehmertum, der zweite Punkt ist in Krisenzeiten der ausschlaggebende, warum die Arbeiterschaft der Dominanzidentität in Krisenzeiten zu RPP überlaufen. Ein weiteres Element dieses Überlaufens ist eine Schwäche der Arbeiterparteien, Lösungen anzubieten, oder gar die Nichtexistenz von Arbeiterparteien. In den Krisenjahren nach dem Ersten Weltkrieg waren es die Schwäche (Italien, Deutschland) und die Nichtexistenz (Ungarn), welche den Aufstieg faschistischer und autoritärer RPP begünstigten, da sie für das Proletariat der Dominanzidentität eine plausible Option darstellten, um den bedrückenden Lebensbedingungen zu entkommen. Dass RPP grundsätzlich Minderheitenidentitäten ausgrenz(t)en, war willkommen, da Konkurrenten am Arbeitsmarkt entfernt wurden. Eine bolschewistische Alternative wie in Russland konnte sich in West- und Mitteleuropa trotz Versuche nicht durchsetzen.

Dass nach dem Zweiten Weltkrieg im industrialisierten Westen RPP keine wichtige Rolle einnehmen konnten, läge nicht nur am Schock über die faschistischen Gewaltexzesse, sondern auch daran, dass mit dem Wohlfahrtsstaat das Primat der Politik über der Wirtschaft erhalten blieb, und das nicht nur in sozialdemokratischen Ländern (Post-New-Deal-Zeit in den USA, Wirtschaftswunder in der BRD). Da alle soziale Schichten profitierten, ging eine Politik, welche auf Dominanzidentitäten setzte, ins Leere.

Die Basis für den Wiederaufstieg von RPP in den westlichen Industriestaaten sei 1973 mit der Ölkrise und der darauffolgenden Stagflation gelegt worden, als die Zeit des alle soziale Schichten begünstigenden Wirtschaftsaufschwung endete. Große Unternehmen reagierten mit der Auslagerung von Produktionsstandorten in billigere Regionen. Der erste Globalisierungsschwung begann auf Kosten der bislang am Wirtschaftsaufschwung mitprofitierenden Arbeiterschaft.

Die Sozialdemokraten bzw. die Demokratische Partei in den USA waren nunmehr in der Parteispitze hauptsächlich von Hochschulabgägngern geführt, die von der Theorie und nicht der Praxis kamen, Gewerkschaften spielten in ihr eine immer geringere Rolle. Mit der Neuen Sozialdemokratie (New Labour) eines Blair und Schröder bzw. mit der Präsidentschaft von Bill Clinton hatten Sozialdemokraten und Sozialliberale immer weniger für die Arbeiterschaft zu bieten und durch die ideologische Fixierung auf Minderheitenidentitäten fühlte sich die proletarische Dominanzidentität immer weniger von diesen Parteien vertreten.

In den postkommunistischen Staaten nach 1989/1991 gelang es kaum, eine Sozialdemokratie aufzubauen, und der Schock über die wirtschaftliche Liberalisierung mit dem massiven Abbau von Arbeitsplätzen war groß. Freiheit sei super, aber wirtschaftlich sei eine Katastrophe eingetreten. So rekapituliert Ost über Polen, das einen seiner Forschungsschwerpunkte bildet. Die intellektuelle liberale Elite konnte keinen Konnex zur Arbeiterschaft herstellen. Dies habe die PiS genutzt, die Dominanzidentität zu "weiß UND katholisch" erhoben und 2015 massenhaft Stimmen der Arbeiterschaft eingefahren. Selbst Gewerkschaften wie Solidarnosc waren der PiS-Politik gegenüber sehr wohlwollend eingestellt. Als RPP habe PiS aber sofort den wichtigsten Punkt von RPP in Angriff genommen, den eigenen Machterhalt durch Entmachtung der Höchstgerichte und schließlich einer Wahlrechtsreform zu sichern.

Um den aktuellen Erfolg von RPP brechen zu können, brauche es nach Ost eine Sozialdemokratie, welche den Arbeitenden wieder ein attraktives Politikangebot unterbreite, und zwar für alle. Den Wahlsieg des Liberalen Tusk in Polen hat er noch aufgenommen, aber mit dem darauffolgenden Sieg eines PiS-Kandidaten bei den Präsidentschaftswahlen relativiert. Der Wahlsieg des Bündnisses des rechtsliberalen Péter Magyar in Ungarn ist nicht mehr aufgenommen, dieser war nach der Endredaktion.

Insgesamt ein Buch mit sehr zum Nachdenken anregenden Überlegungen, die mit vielen historischen und aktuellen Beispielen, die hier nicht präsentiert werden, gestützt sind.


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21.06.2026 um 10:29
Manfred Hildermeier - Die Sowjetunion 1917-1991

Hildermeier-Sowjetunion

Diese Einführung in die Geschichte der Sowjetunion durch den Göttinger Historiker Manfred Hildermeier ist nich ganz 200 Seiten dick, wobei der historische Abriss etwa die Hälfte einnimmt. Im Anschluss findet sich ein Überblick über den aktuellen Forschungsstand. Mir liegt die Auflage von 2001 vor.

Im Vorlauf zur bolschewistischen Machtübernahme wertet Hildermeier die wirtschaftliche Entwicklung des russischen Zarenreichs von 1861 bis 1914 nicht so negativ wie andere Studien, sondern eher positiv, mit Wachstumsraten höher als in Westeuropa oder den USA. Der Unterschied sei, dass das Ausgangsniveau einer Industrialisierung sehr niedrig war. Die Revolution von 1905 brachte Zugeständnisse und mit der Duma (dem Parlament) wurde eine der Grundlagen gelegt, die politisch 1917 genutzt wurde, um im Februar ein parlamentarisches System einzuführen. Die 1905 legalisierten Gewerkschaften wurden zwei Jahre später wieder verboten, aber 1917 wurde mit dem Provisorischen Exekutivkomitee des Arbeiterdeputiertenrates in Petersburg auf eine Einrichtung aus 1905 zurückgegriffen, aus der schließlich der Petrograder Sowjet gebildet wurde. Das zweite Machtzentrum in der Revolution 1917.

Die Oktoberrevolution wird als Militärputsch beschrieben und die Ursachen, warum sich die bürgerliche Regierung nicht halten konnte, wird mit den bekannten Problemen argumentiert. Betont wird beim Weg zum Einparteienstaat, dass sowohl die Sozialrevolutionäre als auch die Menschewiki im Petrograder Sowjet die Bolschewiki nach dem Putsch aufforderten, die alte Regierung wieder einzusetzen, nur begingen sie den Fehler, dass diese beiden mehrheitsbildenden Parteien die Sitzung des Sowjets aus Protest verließen und die Bolschewiki nun im Alleingang Entscheidungen durchsetzen konnten.

Parallel zum Petrograder Sowjet gab es noch die nach der Februarrevolution gebildete Konstitutionelle Versammlung und die am 12. November angesetzten Wahlen fanden auch statt. Hier die Ergebnisse:

  • Sozialrevolutionäre 40 % (19,1 Mio Stimmen)
  • Parteilose Sozialisten 14,5 % (7 Mio Stimmen) - den Sozialrevolutionären zuzurechnen
  • Bolschewiki 22,5 % (10,9 Mio Stimmen)
  • Konstitutionelle Demokraten (Kadetten) etwas unter 5 % (2,2 Mio Stimmen)
  • Menschewiki gut 3 % (1,5 Mio Stimmen)


Die konstitutionierende Sitzung am 5. Januar 1918 trieben die Bolschewiki mit Militärgewalt auseinander und die Konstitutionelle Versammlung tagte nie wieder. Das parlamentarisches System war ausgeschaltet. Zur Frage, warum die Bolschewiki im Anschluss und mit dem Bürgerkrieg die alleinige Macht erhalten und festigen konnten, trifft Hildermeier eine sehr treffende und kurz gehaltene Aussage: "schiere Gewalt".

Die Ursachen für die Beendigung der Neuen Ökonomischen Politik (NÖP) 1929, die eine gewisse Marktfreiheit gestattete, sieht Hildermeier nicht in Stalin und dessen Machtergreifung während der Diadochenkämpfe nach Lenins Tod alleine, sondern auch wirtschaftlich bedingt, wodurch Stalins Auffassung von Industrialisierung und Kollektivierung durchaus Anhänger gewann. Genannt wird sie "Scherenkrise". Durch die NÖP und den freien Bauernmarkt konnten die Dörfer Geld in einem Ausmaß verdienen, das bislang in der russischen Geschichte einzigartig war. Doch standen diesem Geld nicht ausreichend Waren gegenüber, sodass es zu einem Kaufkraftüberhang kam, der abgebaut werden sollte. Mittel: Die Aufkaufpreise für Getreide durch staatliche Organisationen sanken. Ergo: Viele Bauern bauten nicht mehr Getreide an, sondern finanziell lukrativere Produkte. Resultat: Die staatlichen Getreidesilos blieben leer und im Winter 1927/28 drohte eine Hungerkrise. Eine mittelbare Folge der "Scherenkrise" war auch ein Anstieg der Arbeitslosigkeit in den Städten. Dies sei der ökonomische Hintergrund, warum sich die Partei hinter einen Fünf-Jahres-Plan und hinter eine Kollektivierung der Landwirtschaft und somit Stalin stellte.

Damit begann das Kapitel der rapiden Industrialisierung mit ihren Arbeitslagern, die Kollektivierung der Landwirtschaft mit der "Kulakenverfolgung", die Ausschaltung jeglicher vermeintlicher Opposition in Partei und Staat (Offiziere), was die 1930er Jahre prägte. Die Opferzahlen gehen in die Millionen und können nach wie vor nur geschätzt werden.

Die Industrialisierung führte jedoch auch zur Bildung einer neuen, meist technischen Elite (auch innerhalb der Partei), welche die alte Revolutionselite (massenhaft ermordet) ersetzte. Und dass diese nun priviligierte Elite (besserer Wohnraum, bessere Versorgung) sich beginnt abzuschotten, wird mit der Einführung von Studiengebühren 1940 gezeigt. Durchschnittsbürger konnten sich diese nicht leisten. Die Elite begann, sich selbst zu reproduzieren. Ein Kennzeichen der Sowjetunion bis zu ihrem Ende.

Außenpolitisch sieht Hildermeier die 1930er Jahre durch die Prämisse "kollektive Sicherheit" des Außenministers Maxim Litvinov geprägt. Mit mehr oder weniger allen angrenzenden Staaten - auch Polen - wurden Verträge abgeschlossen. Was jedoch besonders betont wird: Die 1922 in Rapallo begonnenen Beziehungen zu Deutschland brachen auch mit Machtergreifung Hitlers nicht ab. Im März 1933 wurde der Zusammenarbeitsvertrag verlängert, im April 1936 wurde ein Wirtschaftsvertrag unterzeichnet. Der Nichtangriffspakt von 1939 mit der Teilung Polens war kein isolierter Akt und Stalin kam Hitler entgegen, dass er vor Vertragsunterzeichnung den Juden Litvinov durch Molotov als Außenminister ersetzte.

Die Zeit von 1939 bis 1953 folgt den bekannten Interpretationslinien. Interessant ist, wie Chrustschow aus den Diadochenkämpfen nach Stalins Tod als Sieger hervorging. Um Berja auszuschalten, paktierte er mit Malenkov und Schukov (General). Berja wird im Parteipräsidium verhaftet, zum Tode verurteilt und hingerichtet. Malenkov schoss sich selbst ins Out, indem er Regierungschef werden wollte und wurde. Damit war er von der Parteispitze isoliert und 1955 trat er auch aus dem Ministerrat aus.

Die Darlegungen zur Zeit Chrustschows und Breschnews folgen den bekannten Informationen und Interpretationen. Der Weg Gorbatschows zum Zusammenbruch der Sowjetunion ist einerseits durch die wirtschaftliche wie politische Lage, andererseits durch strategisch falsche Entscheidungen erklärt. Politisch bedeutsam ist die Entscheidung, 1989 einen frei gewählen Obersten Sowjet zu ermöglichen. Dieser hatte die Macht, auch die Verfassung zu ändern. Und das tat er am 13. März 1990 nachhaltig: der Passus, dass die KPdSU vorherrschende Kraft in der Sowjetunion sei, wurde gestrichen. Und auf Basis von Fraktionsbildungen entstand die Grundlage zur Bildung von Parteien.

Ein weiterer strategischer Fehler: Gorbatschow stellte sich nie Volkswahlen. Am 14. März 1990 wurde er vom Obersten Sowjet zum Präsidenten der Sowjetunion gewählt. Damit fehlte ihm 1991 gegen Boris Jelzin, dem vom Volk gewählten Präsidenten der Russischen Föderation, die Legitmitätsbasis. Der Versuch eines neuen Unionsvertrags, aber auch der Versuch, durch einen Putsch seitens konservativer Kräfte die Sowjetunion zu retten, war zum Scheitern verurteilt, Gorbatschow Passagier, als im Dezember 1991 die Sowjetunion aufgelöst wurde.

Hildermeier gibt im Anschluss noch einen Ausblick auf Russland in den 1990er Jahren: den Machtkampf Jelzins 1993 mit dem Parlament, den Wirtschaftsverfall durch die Radikalprivatisierungen, die Herausbildung einer neuen Oligarchie.

Für einen schnellen Überblick ist das Buch sehr geeignet, wenn manchmal vielleicht etwas Vorwissen nicht schadet. Hildermeier selbst ist ausgewiesener Experte für die Geschichte der Sowjetunion, und im Beckverlag erschien sein Standardwerk über dieses Thema mit einem Umfang von etwa 2000 Seiten.


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22.06.2026 um 19:00
"GRM - Brainfuck" von Sibylle Berg (es gibt mehrere Teile von ihr)

Wer Dystopie mag:
Die Überwachungsdiktatur ist fast perfekt, jeden Tag wird ein anderes Land im Westen autokratisch. Algorithmen ersetzen Menschen, Menschen ersetzen einander. Es gibt kaum noch Platz für Träume, außer in der Musik. Aber vier Jugendliche versuchen sich in einer Revolution. Begleitet von GRIME, der besten britischen Erfindung seit PUNK.

Heute, vielleicht schon Morgen ... Sibylle Berg hat ihre eigene bissige Art zu schreiben. Ich mag ihre Bücher.


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25.06.2026 um 12:04
Kerstin S. Jobst - Geschichte der Ukraine

Jobst-Ukraine

Die an der Wiener Universität als Osteuropahistorikerin tätige Kerstin Jobst legte 2015 die zweite Auflage ihrer Geschichte der Ukraine im Reclam-Verlag vor und konnte noch die Maidan-Proteste bzw. die Annexion der Krim durch Russland integrieren. Bevor sie chronologisch einen historischen Abriss vorlegt, diskutiert sie anhand der aktuellen Ereignisse die Fragestellung, inwieweit bei einer zerrissenen Geschichte ohne eigene Staatlichkeit vor dem 20. Jahrhundert von einer ukrainischen Nation gesprochen werden kann. Immerhin haben 1991 über neunzig Prozent der Bewohner für eine Unabhängigkeit der Ukraine gestimmt. Bezüglich Erstsprache geben etwa neun Prozent der Ukrainer:innen Russisch an. Jobst schlussfolgert, dass sich gerade in Abgrenzung von Polen und Russland über die Jahrhunderte hinweg eine ukrainische Identität entwickelt hat, die weder von polnischer Seite noch von russischer Seite ernst genommen worden ist. Für sie war die ukrainische Sprache eine Bauernsprache, ein kaputtes Polnisch bzw. ein kaputtes Russisch. Dennoch existiert eine ukrainische Identität in den fünf historisch so unterschiedlich gewachsenen Großregionen (Westukraine, Zentralukraine, Ostukraine, Südukraine und Krim).

Chronologisch wird der Kiewer Rus diskutiert, inwieweit er überhaupt slawisch war und inwieweit Russland ihn für sich reklamieren kann, da das Mittelalter dynastisch und nicht ethnisch geprägt war. Durch das Senioratsprinzip der Rjurikiden bei der Erbschaft wird das Land permanent unter meist verfeindeten Brüdern aufgeteilt, bis schließlich Galizien-Wolhynien zunächst von Polen und Ungarn vereinnahmt wurde und schließlich an Polen-Litauen fiel. Ein permanenter Kosakenstaat hat sich nicht entwickeln können.

1795 schließlich wird die Ukraine (mit Polen) aufgeteilt, etwa 80 Prozent der Bewohner gerieten unter russische Herrschaft. Wie zuvor eine Polonisierung stattfand, so nun eine Russifizierung. 1875 wurde die Verwendung der ukrainischen Sprache vom Zaren verboten. Die etwa 4 Millionen Ukrainer, die an die Habsburgmonarchie fielen, waren solchen Unterdrückungsmaßnahmen nicht ausgesetzt. Sprache wie Schulwesen wurden gefördert, es entstanden Parteien, die politisch tätig waren.

Die staatliche Unabhängigkeit nach dem Ersten Weltkrieg war kurzlebig. In den Polen zugesprochenen Gebieten wurden viele Autonomiebestimmungen der Habsburgmonarchie zurückgenommen. Thematisiert wird auch die hohe Gewaltbereitschaft ukrainischer Widerstandsarmeen, die auch nicht vor Massakern an Polen und Juden zurückschreckten. Die sowjetische USSR kannte in den 1920er Jahren Freiheiten, wie es sie im zaristischen Russland nie gab, doch Stalin nahm diese zurück und berüchtigt ist der große Hunger von 1932/33 (Holodomor), als die sowjetische Zentralmacht jegliche Hilfslieferungen verweigerte. Der Osten der Ukraine wurde industrialisiert. Die an Rumänien gefallenen Gebiete wurden radikal romanisiert.

Während des Zweiten Weltkriegs erfüllte sich die Hoffnung nicht, dass mit deutscher Hilfe ein unabhängiger Staat entstehen könnte. Die deutsche Führung hatte kein Interesse daran. Ironie des Schicksals sei, dass mit der ukrainischen Sowjetrepublik es die Bolschewiki waren, die nach dem Zweiten Weltkrieg zum ersten Mal ein einheitliches ukrainisches Staatsgebilde schuf, das sogar in der UNO einen eigenen Sitz hatte.

Insgesamt ein interessantes, aber aufgrund der Dichte auch ein nicht ganz so leicht zu lesendes Buch. Die Entwicklungen der damals gegenwärtigen Ukraine werden hauptsächlich anhand von politischen Akteuren präsentiert.


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27.06.2026 um 13:14
Andreas Anton & Alan Schink - Der Kampf um die Wahrheit

Anton Schink-Wahrheit

Andreas Anton und Alan Schink sind Soziologen und haben 2021 dieses Sachbuch über Verschwörungstheorien veröffentlicht. In diesem geben sie einen Überblick über die Theorie der Verschwörungstheorien und einen Überblick über mehr oder weniger alle bekannten Verschwörungstheorien. Auch verfolgen sie eine Agenda, wie mit Verschwörungstheorien umgegangen werden soll, wobei sie ihren liberalen Ansatz nicht verstecken.

Historisch gesehen seien Verschwörungstheorien Mainstream in Diktaturen (jüdische Weltverschwörung, finanzkapitalistische Weltverschwörung) wie in Demokratien (kommunistische Weltverschwörung) gewesen. Wohl beeinflusst von den Verschwörungstheorien bezüglich des Kennedy-Mords hat der US-Historiker Richard Hofstadter 1964 Verschwörungstheorien mit Paranoia verknüpft und damit einen diskreditierenden Rahmen gesetzt, der seitdem die Bewertung von Verschwörungstheorien dominiere. Verschwörungstheoretische Spekulationen seien pathologisiert worden.

Als drei kennzeichnende Grundmerkmale für Verschwörungstheorien nennt der US-Politologe Michael Barkun:


  1. Nichts geschieht durch Zufall.
  2. Nichts ist, wie es scheint.
  3. Alles ist miteinander verbunden.


Barkun unterscheidet ferner zwischen ereignisbezogenen Verschwörungen (Ermordung Kennedys), systemischen Verschwörungen (Juden, Freimaurer, Finanzkapital, ...) und Superverschwörungen (David Ickes Reptiloiden). Die These der Autoren: Je größer die Verschwörungsannahme, desto schwieriger wird eine Widerlegung.

Der US-Philosoph Brian L. Keeley unterscheidet zwischen allgemeinen Verschwörungsannahmen (falsche Beweise als Anlass für den Irakkrieg 2003) und ungerechtfertigte Verschwörungstheorien.

Die Autoren fassen zusammen:
Verschwörungstheorien gehen davon aus, dass es eine geheime, verborgene Wirklichkeit gibt, dass die Dinge nicht so sind, wie sie dargestellt werden. Sie suchen nach Zusammenhängen, Mustern, Verbindungen, Codes oder geheimen Zeichen und vermuten oder behaupten konspiratives Handeln als Ursache für bestimmte historische oder aktuelle Ereignisse.
Auch trennen die Autoren zwischen wahren und falschen bzw. sozial anerkannten und nicht anerkannten Verschwörungstheorien.

vt1



Soweit der theoretische Teil. Im Anschluss folgt eine Übersicht über viele VTs und hier sei nur eine bemerkenswerte Information bezüglich UFOs wiedergegeben (alles andere ist mehr oder weniger in einem Forum wie Allmy als bekannt vorauszusetzen - für mich war nichts Neues dabei).

Bezüglich UFOs. Der Physiker Paul Bennewitz stellte in New Mexico mit seiner Firma hochsensible Messgeräte für NASA und die Air Force her. Sein Haus lag in der Nähe des Kirtland-Luftwaffenstützpunktes, Bennewitz war an UFOs interessiert und hatte eine private "Abhörstation" eingerichtet. Von ihm nicht einordenbare Signale waren für ihn ein Indiz für außerirdische Aktivitäten und er meldete es am Stützpunkt. An diesem wurden Atomwaffen gelagert und geheime Militärprojekte getestet. Reaktion: Der Stützpunkt verbot ihm nicht das Abhören, sondern fütterte ihn mit total falschen Infos über angebliche UFOs, um Militärgeheimnisse zu schützen. Einer der Informanten hieß William Moore, der nicht nur ihn, sondern auch die UFO-Szene mit Falschinfos über Außerirdische versorgte. Moore veröffentlichte über Roswell und war derjenige, der gemeinsam mit Richard Doty die Majestic-12-Dokumente in Umlauf brachte.

Im Schlusssteil wird diskutiert, wie mit der Verbreitung von Verschwörungstheorien in einer demokratischen Gesellschaft umgegangen werden soll. Als bedenklich wird gesehen, dass im Zuge der Covid-Pandemie Überwachungsbefugnisse ausgeweitet worden sind und datenschutzrechtlich nicht konforme Technologien zum Einsatz kommen. So werde nicht zwischen ernsthaften, strafbaren Handlungen und strafrechtlich irrelevanten Aussagen unterschieden.

Bezüglich dem Begriff Filterblase wird konstatiert, dass der Schöpfer dieser Theorie, der Journalist Eli Pariser, diese überstrapaziert sehe. Filterblasen und Echokammern habe es bereits vor dem Internet gegeben. Mit dem deutschen Medienwissenschafter Bernhard Pörksen gehen die Autoren eher davon aus, dass es in den Sozialen Medien einen zuvor kaum vorhandenen Filter Clash gebe. Die permanente Konfrontation mit gegensätzlichen Meinungen führe zur Verhärtung von eigenen Ideen.

Moniert wird auch, dass der klassische Journalismus in den 1990er Jahren begonnen habe, nicht mehr Berichterstatter, sondern Meinungsträger zu sein, eine Seite des Meinungsstreits zu vertreten. Vor allem der Abgrenzungsversuch zu zum Teil sehr erfolgreichen "alternativen Medien" habe dazu geführt.

Kritisiert wird auch die vom deutschen Verfassungsschutz 2021 eingeführte Kategorie "verfassungsschutzrelevanten Delegitimierung des Staates", womit Kräfte gebündelt würden, die beim Einsatz gegen kriminelle Organisationen fehlen würden.

Insgesamt schaukle sich die Sitaution hoch. Die Verschwörungstheoretiker hätte Angst vor einer bösen Elite, die andere Seite habe Angst vor einer Unterwanderung der Gesellschaft durch Verschwörungstheoretiker. Je aggressiver der Staat reagiere, desto größer sei jedoch die Gefahr, dass Anhänger:innen von Verschwörungstheorien sich radikalisieren könnten.

Die beiden Autoren setzen auf Deeskalation. Grundsätzlich halten sie das Veröffentlichen von strafrechtlich nicht relevanten Verschwörungstheorien für weniger gefährlich als deren Unterbindung (durch Staat oder Medienbetreiber). Vielmehr setzen sie auf Diskurs und Medienkompetenz, wobei sie sieben Prinzipien einer "redaktionellen Gesellschaft" im Zeitalter der Sozialen Medien als Orientierung heranziehen:


  1. Wahrheitsorientierung
  2. Skepsis: Informations- und Quellenkritik
  3. Verständigungs- und Diskursorientierung
  4. Relevanz und Proportionalität: eigene Beiträge auf Relevantes beschränken
  5. Kritik und Kontrolle: Kritik annehmen und auf ihre Berechtigung prüfen
  6. Prinzip der ethisch-moralischen Abwägung: die Folgen eigener Beiträge abschätzen
  7. Prinzip der Transparenz: Offenlegung von Quellen bzw. Vorgehensweisen


Die Notwendigkeit einer gesellschaftlichen Kompetenzstärkung wird wie folgt formuliert:
Die gezielte Vermittlung und Stärkung der genannten Faktoren (historische und politische Bildung, Medien- und Kommunikationskompetenz im Sinne eines ›redaktionellen Ichs‹ sowie spezifisches Wissen über Verschwörungstheorien) stellt unseres Erachtens die wirksamste und gleichzeitig für freiheitliche Demokratien angemessenste Strategie zur Immunisierung der Bevölkerung gegen die negativen Aspekte von Verschwörungstheorien dar.
Zur Abgrenzung zu strafrechtlich relevanten Taten wird festgehalten:
Bewegungen wie der ›Weiße Marsch‹ in Belgien nach dem Dutroux-Skandal, die 9/11-Wahrheitsbewegung, ›Occupy Wallstreet, die Montagsmahnwachen für den Frieden oder auch die Corona-Maßnahmen-Proteste sind, solange sie sich im »Innovationskorridor« der rechtsstaatlichen Ordnung bewegen, Ausdruck von sowie Forderung nach einer lebendigen Demokratie. Auch provokative Protestformen und ziviler Ungehorsam gehören dazu. Extremismen jeder Art sind dagegen per Definition jenseits der freiheitlich-demokratischen Grundordnung und müssen entschieden bekämpft werden.
Und abschließend:
Verschwörungstheorien sind eine Herausforderung für die offene Gesellschaft, wie sie Karl Popper vor über 75 Jahren konzipierte. Zum einen, weil sie zum Teil mit Haltungen verbunden sind, die die Prinzipien der offenen Gesellschaft explizit ablehnen. Zum anderen aber auch und insbesondere deshalb, weil der ›Kampf gegen Verschwörungstheorien‹ immer häufiger mit Mitteln geführt wird, die selbst eine Bedrohung für die offene Gesellschaft darstellen.
Auch wenn kaum Neues an VTs vorgestellt wird, sind einige Gedanken in diesem Buch durchaus eine Überlegung wert, auch im Hinblick darauf, wie festgefahrene Streitmuster aufgebrochen werden können. Die Kritik an überzogenen staatlichen Maßnahmen ist berechtigt.


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27.06.2026 um 18:59
Zitat von NarrenschifferNarrenschiffer schrieb am 21.06.2026:Parallel zum Petrograder Sowjet gab es noch die nach der Februarrevolution gebildete Konstitutionelle Versammlung und die am 12. November angesetzten Wahlen fanden auch statt. Hier die Ergebnisse:

Sozialrevolutionäre 40 % (19,1 Mio Stimmen)Parteilose Sozialisten 14,5 % (7 Mio Stimmen) - den Sozialrevolutionären zuzurechnenBolschewiki 22,5 % (10,9 Mio Stimmen)Konstitutionelle Demokraten (Kadetten) etwas unter 5 % (2,2 Mio Stimmen)Menschewiki gut 3 % (1,5 Mio Stimmen)
Wusste ich gar nicht, dass die Provisorische Regierung noch Wahlen durchführen konnte. Das wären die ersten und für lange Zeit die letzten freien Wahlen in der russischen Geschichte gewesen. Damit war die Provisorische Regierung legitimiert und die kommunistische Revolution nichts anderes als ein Putsch. Die Kommunisten haben eine gemäßigt sozialistische Regierung verhindert.
Zitat von NarrenschifferNarrenschiffer schrieb:Bevor sie chronologisch einen historischen Abriss vorlegt, diskutiert sie anhand der aktuellen Ereignisse die Fragestellung, inwieweit bei einer zerrissenen Geschichte ohne eigene Staatlichkeit vor dem 20. Jahrhundert von einer ukrainischen Nation gesprochen werden kann. Immerhin haben 1991 über neunzig Prozent der Bewohner für eine Unabhängigkeit der Ukraine gestimmt.
Naja, 1991 hat die internationale Staatengemeinschaft (inklusive Russland) die Ukraine anerkannt und somit ist die Ukraine eine Nation. Bei Papua Neuguinea wird schließlich auch nicht angezweifelt ob das eine Nation ist.
Die Ukraine war seit ihrer Unabhängigkeit ein friedliches Land und überhaupt nicht zerrissen, im Gegensatz zu Russland wo es in den 90ern Putschversuche, Terrorismus und Separatismus gab.
Ein Problem mit der ukrainischen Souveränität hatten russische und polnische Nationalisten (und auch andere Nationalisten) und säten Zweifel und verschwurbelten und dämonisierten die ukrainische Geschichte.
Zitat von NarrenschifferNarrenschiffer schrieb:Chronologisch wird der Kiewer Rus diskutiert, inwieweit er überhaupt slawisch war und inwieweit Russland ihn für sich reklamieren kann, da das Mittelalter dynastisch und nicht ethnisch geprägt war. Durch das Senioratsprinzip der Rjurikiden bei der Erbschaft wird das Land permanent unter meist verfeindeten Brüdern aufgeteilt
Die Ukraine geht nun mal auf die Kiewer Rus zurück, wie Deutschland auf das Reich Karls des Großen. Die Slawen nahmen das Christentum an und wurden so teil der christlichen Welt. Das Kiewer Rus Fürstentum wurde zur Keimzelle der Ukrainer und Russen (vor allem der Ukrainer, da wo heute Moskau ist , waren nur Sümpfe). Im Frühmittelalter war Kiew wohlhabender als viele westeuropäische Städte.
Es gibt eine geschichtliche Kontinuität von Sprache, Religion, Kultur bis zur heutigen Ukraine. In den Städten der Ukraine gab es immer auch ein ukrainisches Bürgertum. Mit der Eroberung von Kiew durch die Tataren geriet das Gebiet der Ukraine unter den Einfluss von anderen Großmachten, obwohl es noch lange Zeit eine gewisse Autonomie erhalten konnte.
(so ist es auch mit Georgien und Armenien, die ihre größte Unabhängigkeit im Frühmittelalter hatten)

Die Ukraine als Bauernnation ist eine russische Phantasie, die aber auch von ukrainischen Nationalisten übernommen wurde.
Die große Mehrheit der Russen und Ukrainer waren Bauern, und mit Bauern als Landbesitzer lassen sich Ansprüche aufs Territorium begründen.


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27.06.2026 um 19:10
Zitat von parabolparabol schrieb:Es gibt eine geschichtliche Kontinuität von Sprache, Religion, Kultur bis zur heutigen Ukraine.
chatgpt über ukrainische und russische Schriftsprache:
Russisch und Ukrainisch haben gemeinsame Wurzeln, entwickelten sich aber über viele Jahrhunderte zu eigenständigen Schriftsprachen.

Altrussische Sprache
Etwa 10.–13. Jahrhundert.
Sie war die Schriftsprache der Kiewer Rus, allerdings stark vom Kirchenslawisch beeinflusst.


Russische Sprache

Ab dem 15.–16. Jahrhundert entwickelte sich eine eigenständige russische Schriftsprache im Großfürstentum Moskau.
Die moderne russische Standardsprache entstand vor allem im 18. Jahrhundert, insbesondere durch Reformen unter Peter der Große.
Im 19. Jahrhundert prägten Schriftsteller wie Alexander Puschkin das moderne Russisch.


Ukrainische Sprache

Erste eindeutig ukrainische Texte stammen aus dem 16. Jahrhundert.
Die moderne ukrainische Schriftsprache entwickelte sich Ende des 18. Jahrhunderts.
Als Begründer der modernen ukrainischen Literatursprache gilt Iwan Kotljarewskyj mit seinem Werk Enejida (1798).
Im 19. Jahrhundert trug Taras Schewtschenko entscheidend zur Etablierung der Sprache bei.



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28.06.2026 um 12:43
Zitat von parabolparabol schrieb:Mit der Eroberung von Kiew durch die Tataren geriet das Gebiet der Ukraine unter den Einfluss von anderen Großmachten, obwohl es noch lange Zeit eine gewisse Autonomie erhalten konnte.
Im 17. und 18. Jahrhundert gabs in der Ukraine das Kosaken Hetmanat, das weitgehend autonom aber tributpflichtig war. Das Hetmanat wechselte dauernd die Seiten, mal war Polen mal war Russland die Schutzmacht. Das dauernd die Seiten wechseln zahlte sich zunächst aus, resultierte dann in einen schlimmen Bürgerkrieg und einer Entvölkerung des Landes. Russland konnte sich die Zentral- und Ostukraine schließlich schnappen und erweiterte damit sein Imperium.


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29.06.2026 um 12:36
Rußland als Vielvölkerreich: Entstehung - Geschichte - Zerfall (Beck Paperback) - Andreas Kappeler


9783406743146-de

Sehr gutes Buch über russische Geschichte, gilt als Standardwerk.
Die russische Geschichte wird aus der Perspektive der nationalen Minderheiten betrachtet.
Russland war immer ein Vielvölkerreich, der russische Zar nannte sich "Zar aller Reußen", also alle Völker unter seiner Fuchtel
waren russische Völker, zeitweise zählten ja sogar die Polen dazu.
Es wird deutlich welch starken Einfluss das Nationalitätenproblem in Russland auf die Sowjetrevolution und später auf den Zerfall der Sowjetunion hatte.
Diese Neuausgabe ist die zweite Auflage der erstmals 1992 unter demselben Titel veröffentlichten Darstellung der Geschichte Russlands als Vielvölkerreich von seiner Entstehung im 16. Jahrhundert bis zu seinem Zusammenbruch in der Oktoberrevolution. In der deutschsprachigen Literatur hat sich dieser Titel zum Standardwerk über die Nationalitätenfrage in Russland aus historischer Perspektive entwickelt.
https://search.gesis.org/publication/gesis-solis-00299081

Wikipedia: Andreas Kappeler


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30.06.2026 um 19:02
Marc Elsberg Krimifestival 2026 1 BuchhaOriginal anzeigen (1,2 MB)
Frühjahr: In der Karibik attackiert ein Riesenkalmar vor den Augen entsetzter Touristen einen Walhai. In der Bucht von Triest treiben Schwärme toter Fische. Im Amazonas verdorrt der Boden. Lokale Einzelphänomene der Natur – so scheint es. Doch weltweit beginnt etwas zu kippen …

Als das neue KI-Programm des IT-Experten Piero Manzano Alarm schlägt, ist die Prognose eindeutig: Binnen Monaten droht eine globale Megakrise. Gemeinsam mit dem reichweitenstarken Influencer Linus Strand und der jungen Meeresbiologin Sarah Keller macht Piero die Warnung öffentlich – und sie alle damit zur Zielscheibe. Mächtige Gegenspieler tun alles, um sie zum Schweigen zu bringen, während sich am Horizont ein Sturm zusammenbraut …
Quelle: https://marcelsberg.com/buecher?isbn=9783764508661

Ist gar nicht so weit weg von einer nahen Zukunft. Elsberg mit seinen Thriller ist nur zu empfehlen


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02.07.2026 um 20:12
Wie jedes Jahr wird im Strommuseum von Bad Heiligenstadt am ersten Juliwochenende an Theodor Storm erinnert mit wissenschaftlichen Vorträgen, kulturellen Veranstaltung am Samstag Abend und einer Exkursion am Sonntag und in der heutigen Zeit ist mit Ausnahme von Kaffee und Kuchen im Rosengarten alles umsonst.

Auf der Homepage kann man virtuell durch die Räume gehen. Ein Erfurter Künstler hat die Regentrude als mechanisches Puppentheater dem Museum zur Verfügung gestellt. Das kannan Sicht dort ansehen.

stormmuseum.de


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02.07.2026 um 22:53
Zitat von WMWM schrieb:Strommuseum
Ich denk mir noch 🤔, aber dann...
Zitat von WMWM schrieb:Theodor Storm
Zitat von WMWM schrieb:stormmuseum.de
...ja dann war mir alles klar. 😉
Es war nur ein Bechstabenverwuchsler. ☝🏼


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04.07.2026 um 18:44
Yaroslav Hrytsak - Ukraine

Hrytsak-Ukraine

Yaroslav Hrytsak ist Historiker an der Universität von Lwiw und dieser Band ist eine Übersetzung der englischen Übersetzung seines Werks. Da sich Hrytsak auf die Nationswerdung der Ukraine konzentriert, ist der englische Untertitel eigentlich passender als der deutsche: The Forging of a Nation. Im Gegensatz zum ukrainischen Original ist hier das erste Kriegsjahr noch integriert. Das Werk ist weniger ein wissenschaftliches Werk (es gibt kaum Fußnoten), sondern mehr ein langer historischer Essay. Auch verschweigt Hrytsak nicht, welche ukrainische Nation ihm vorschwebt: eine multinationale liberale, westlich orientierte Demokratie.

Wie Russland die Ukraine sehe, drücke sich auch in russischen Präpositionen aus, da das Wort Ukraine selbst zwei Bedeutungen habe: Grenzland und Land (im Sinne von Staat). na Ukrajine heiße "in der Region Ukraine", w Ukrajine heiße "im Staat Ukraine". Putin habe 2014 von w Ukrajine zu na Ukrajine gewechselt, während Medvedew immer schon na Ukrajine verwendet habe.

Auch der Begriff Rus habe zwei Bedeutungen. Eine bedeutet ein Herrschergeschlecht und nach dessem Aussterben Herrschaftsterritorien, wobei es nicht nur eine Rus gegeben habe, sondern mehrere. So eine litauische, eine ukrainische und eine moskowiter, wobei letztere später entstanden sei. Der Begriff Rossija werde für die nordöstliche Rus seit Peter I. verwendet, der das imperialistische Russland gegründet hat. Der Begriff Kleinrussen für Ukrainer existiere, seitdem sich 1654 der ukrainische Kosakenstaat den Moskowitern unterworfen hat.

Entscheidend zur Ausbildung einer Macht (Rus) war im 9. Jahrhundert die Herrschaftsübernahme durch die Waräger, die eine Handelsverbindung zwischen Skandinavien und dem Mittelmeerraum aufbauten. Für die künftige Ukraine eine prägende Entscheidung war, dass 988 Fürst Wolodymyr den byzantinischen Glauben angenommen hat. Ein wirtschaftlich westlich orientiertes multiethnisches Gemeinwesen der Rus wurde ideologisch an den Osten gebunden. Bekräftet wurde dieses Bündnis mit Wolodomyrs Ehe mit Prinzessin Anna, der Schwester des oströmischen Kaisers Basileios. Damit endete aber auch der Drang nach dem Süden durch die nun slawisierten Warägerherrscherdynastie. In den nächsten 200 Jahren verheiratete sich die Dynastie über 50 Mal mit unterschiedlichsten europäischen Fürstenhäusern.

Auch kulturell sei dieses Ostbündnis ein Abstellgleis gewesen. Durch die Übersetzung christlicher Texte ins Altbulgarische (Kirchenslawische) durch Kyrill und Method sei die Rus von der griechischsprachigen Kultur und damit über Jahrhunderte von der antiken Wissenschaftstradtion abgeschnitten gewesen. Ein Beispiel: Im Einflussbereich der westlichen Kirchen seien zwischen 1450 und 1700 etwa 200 Mio Bücher gedruckt worden, in der ostchristlichen Welt etwa 50.000. Auch die Hochschulbildung setzte verspätet ein. Die erste Universität wurde in Kyjiw 1632 gegründet, die zweite in Moskau 1755.

Politisch entstanden während der Mongolenherrschaft ab 1240 autonome, aber tributpflichtige Herrschaftsgebiete. Galizien-Wolhynien wurde 1387 von Polen erobert, die südwestlichen Gebiete der Rus bereits in den 1350er Jahren von Litauen. Die Nowgoroder Republik wurde 1478 von den Moskowitern erobert.

Mit einer Heirat zwischen litauischem und polnischem Herrscherhaus 1385 wurde Litauen christlich, und 1569 wurden beide Gebiete zur polnisch-litauischen Rzeczpospolita vereinigt. Hundert Jahre später eroberten die Moskowiter nach einem Kosakenaufstand belarussische und ukrainische Gebiete. Von 1772 bis 1795 teilten sich schließlich Russland, Österreich und Preußen die Rzeczpospolita auf. Rückblickend sei der Einfluss der Rzeczpospolita auf die Ukraine groß gewesen. Wichtige Merkmale seien die Anbindung an den westlichen Kulturkreis sowie die religiöse Toleranz gegenüber christlichen Kirchen (die orthodoxe Kirche wurde nach Gründung der Unierten Kirche verboten, wurde aber durch Bruderschaften am Leben erhalten) wie den Juden gewesen. Allerdings wird die soziale Kluft größer: Gutsbesitzer wurden reich, die Bauern als Leibeigene versklavt. Abnehmer für das Getreide war der Westen. Die Gebiete der Rzeczpospolita wurden eine Art Ostkolonie für die westlichen Staaten.

Dies war das soziale Umfeld, warum die Kosaken sich zu einer Art "Sozialbanditen" entwickeln konnten, die für mehr Rechte kämpften, was schließlich in den Aufstand des Hetman Chmelnyzkyj mündete, der sich streng orthodox sah und Massaker unter Polen, Juden und unierten Christen befehligte. Ergebnis des Aufstands war ein Kosakenstaat, der 1764 von Katharina II. aufgelöst wurde. Die Jahre nach dem Tod von Chmelnyzkyj waren geprägt von innerkosakischen Kämpfen mit wechselnden Bündnissen, was für das Gebiet eine Katastrophe war. Geschätzt wird, dass über 60 Prozent der Bevölkerung wegen dieser Kämpfe ihr Leben verloren. Das Land war verwüstet. Erst unter dem Hetman Iwan Masepa (Herrschaftszeit von 1687 bis 1708) war das Gebiet befriedet und diese Zeit wird als die Goldene Ära der Kosaken bezeichnet. Den Untergang einer gewissen Autonomie brachte der Nordische Krieg. Peter I. verweigerte den Kosaken Unterstützung, Masepa wechselte die Seiten, doch 1809 wurden die Schweden bei Poltawa vernichtend geschlagen, das Kosakengebiet wurde direkt dem Zaren unterstellt. Auch sozial wandelte sich der Kosakenstaat. Von ursprünglich einer Militärdemokratie entwickelte er sich zu einem Oligarchenstaat, in dem ebenso die Bauern wie Sklaven gehalten wurden. Der Unterschied war, dass sie keine Leibeigenen waren und ihre Herrschaft verlassen durften, Fronarbeit war auf zwei Tage die Woche begrenzt. Masepa setzte auch Versuche zur Modernisierung durch beginnende Textil- und Metallindustrie. Zusammenfassend wertet Hrytsak den Kosakenstaat als erste Verwirklichung einer ukrainischen Identität. Das Erbe Masepas war, dass sich 1917 diejenigen Gruppierungen, welche die Gründung eines unabhängigen ukrainischen Staates unterstützten, Masepisten nannten.

Nach den drei polnischen Teilungen gelangten 85 Prozent der Ukraine unter russische Herrschaft. Die Besiedelung der Steppe nördlich des Schwarzen Meers (das Wilde Feld, Neurussland) zog hauptsächlich ukrainische Bauern an, sodass Ukrainer die Mehrheitsethnie bildeten.

Die nationale Geburt der Ukraine wurde im 19. Jahrhundert im von Österreich beherrschten Galizien initiiert. Dort war Ruthenisch (Ukrainisch) eine der Staatssprachen (in Russland wurde das Ukrainische in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verboten), es bildeten sich Kulturvereinigungen und politische Parteien. Auch war der Alphabetisierungsgrad viel höher als in der russischen Ukraine. Doch war Galizien - bis auf die Ölfelder von Boryslaw - ein armes, rückständiges Agrargebiet. Ausnahme war Lwiw, der Verwaltungs- und Beamtenstadt, die für die österreichischen Verwaltungsbeamten ein hohes Lebensniveau geboten hat.

Die Russifizierung der russischen Ukraine bedeutete jedoch auch die Gründung von Industriegebieten im Donezk-Gebiet sowie in Charkiw, Kyjiw, Cherson und Odessa. Bemerkenswert ist, dass das Industriekapital in der russischen Ukraine hauptsächlich von ausländischen Investoren stammte. Der Osten der Ukraine war daher wirtschaftlich modernisiert, jedoch nicht politisch. Im österreichischen Galizien war es umgekehrt. Überspitzt formuliert Hrytsak, dass in Galizien Streitigkeiten vor Gericht ausgetragen wurden, in der russischen Ukraine mit Gewalt.

Die Zeit von 1914 bis 1945 war eine Zeit exzessiver Gewalt. Etwa die Hälfte der Männer und ein Viertel der Frauen seien in diesem Zeitraum eines gewaltsamen Todes gestorben. Zu völkermörderischen Akten zählt Hrytsak:

  • die Vernichtung der Kulaken als Klasse 1930/31
  • den Holodomor 1932/33
  • die polnischen und griechischen Operationen des NKWD
  • den Holocaust an den Juden
  • die Vernichtung der Roma
  • den Mord an sowjetischen Kriegsgefangenen durch die Nazis
  • Angriffe auf die polnische Bevölkerung durch ukrainische Nationalisten
  • Angriffe auf Ukrainer durch den polnischen Untergrund
  • Massendeportation der Krim-Tataren 1944
  • Massendeportation der polnischen Bevölkerung aus dem Westen der Ukrainischen SSR
  • Massendeportation der ukrainischen Bevölkerung aus dem Südosten des kommunistischen Polen


Hinzu kam die staatlich geförderte Gewalt durch Stalins Großen Terror 1937/38, die Deportation der westukrainischen Bevölkerung 1939-1941, den sowjetischen Terror gegen den antikommunistischen Untergrund.

Außerdem war die Ukraine zweimal das Schlachtfeld, auf dem Deutschland und Russland ihren Kampf um die Weltherrschaft austrugen. In diesem Zusammenhang war die Ukraine Schauplatz des Bürgerkriegs nach dem bolschewistischen Putsch (1918-1920), Schauplatz des Kampfes zwischen ukrainisch-nationalistischen Fraktionen während des Zweiten Weltkriegs (Bandera gegen Melnyk), Massengewalt zwischen Polen und Ukrainern, Pogrome gegen Juden sowie Bauernaufstände 1917-1920 (Machno), 1930 gegen die Kollektivierung, Bauernbewegung im Rahmen der nationalen ukrainischen Aufstandsarmee in den 1940er Jahren.

Nach dem Ersten Weltkrieg, d. h. dem Zerfall der Habsburg- und Romanov-Imperien, existierten kruzfristig fünf unabhängige ukrainische Staaten:


  1. die Ukrainische Volksrepublik der Zentralna Rada (November 1917-März 1918), von den Deutschen unterstützt, von den Bolschewiki anerkannt und bekämpft mit Gegenrepubliken, nach Sonderfrieden mit Russland von den Deutschen fallengelassen und ersetzt durch
  2. das Hetmanat Ukraine unter Pawlo Skoropadskyj (April-Dezember 1918), stabile Periode, endete mit dem Sieg der Entente-Mächte, da auch die Weißen Armeen eine unabhängige Ukraine strikt ablehnten
  3. die Ukrainische Volksrepublik der Direktoriumsperiode (Dezember 1918-Dezember 1919), Zeit der Entente-Intervention, Krieg aller gegen alle, Massengewalt gegen Zivilisten, Pogrome, Machtgebiet nur in großen Städten und entlang der Bahnlinien
  4. die Westukrainische Volksrepublik (November 1918-Juli 1919), liberale Republik in Galizien, wenig Gewalt, kaum Pogrome, Ende durch polnischen Einmarsch
  5. die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik (April-Juli 1920), gegründet von den Bolschewisten, umfasste das gesamte Gebiet der Ukraine, Hauptstadt zunächst Charkiw


Ende 1920 hat die Rote Armee sämtliche gegnerische Armeen besiegt. Schwieriger war es mit den Bauern, die immer noch sich gegen die Bolschewiki wehrten, für sowjetische Kommissare war es kaum möglich, ukrainische Dörfer zum Zweck von Requirierungen oder statistischen Erhebungen zu betreten. Die Folge war eine Ukrainisierungspolitik. Bis auf die höchsten Ebenen sollen Indigene zu Verwaltungsaufgaben herangezogen werden, Beamte mussten Ukrainisch lernen, Ukrainisch als Schriftsprache wurde gefördert. Diese Politik der Indigenisierung stoppte mit dem Ende der Neuen Ökonomischen Politik, der Kollektivierung und Kulakenverfolgung ab 1929.

Die Hungersnot hatte ihre ökonomischen Ursachen einerseits in der Preisschere zwischen niedrigen Agrarpreisen und hochpreisigen bzw. nicht vorhandenen Konsumgütern - die Bauern lieferten kaum mehr an den Staat ab -, andererseits in dem Bestreben, dass Stalin die Industrialisierung durch Verkauf von Getreide im kapitalistischen Ausland finanzieren wollte. Außerdem sah Stalin den Bauernwiderstand durch polnische Agenten Pilsudskis organisert. Folge: "Kulaken" wurden deportiert, irreale Getreidelieferpläne auferlegt, jede Art von Nahrungsmittel beschlagnahmt. Laut Hrytsak war die Hungersnot von 1932 noch durch schlechte Ernten bedingt, 1933 jedoch bewusst herbeigeführt, indem Hilfslieferungen verweigert und den Hungernden die Flucht aus Hungergebieten verboten wurde. Das zweite Hungerjahr ist für Hrytsak genozidal. Er stützt diese These mit dem Angriff auf die ukrainische Intelligenz, so wurden während der Säuberungen von 260 ukrainischen Schriftstellern 230 ermordet (hingerichtet).

Die Politik in Polen war zwiespältig. Wolhynien wurde ukrainisiert, Galizien de-ukrainisiert. Galizien hieß "Kleinpolen", die Ukrainer hießen "Russynen". Ukrainische Gebiete in Rumänien wurden romanisiert. Ukrainische Bildungseinrichtungen wurden geschlossen, Organisationen verboten. Im Gegensatz dazu förderte die Tschechoslowakei den Ausbau der Infrastruktur in Transkarpatien und in Prag wurde 1921 die Ukrainische Freie Universität gegründet.

Insgesamt war es eine toxische Mixtur. Ukrainer haben kaum unter einer liberalen Demokratie gelebt, Rechtsstaatlichkeit war letztlich nur im österreichischen Galizien bekannt, Gewalt als Lösungsmethode für Probleme war in allen anderen Gebieten Usus. Die sowjetische Lösung war mit Stalin diskreditiert, hinzu kam eine deklassierte Intelligenz in Galizien, die ihre Staatsposten aus der österreichischen Monarchie verloren. Nationalistische Vorbilder existierten zunächst in Italien, ab 1933 in Deutschland. Die Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) wurde 1929 in Wien vor allem von alten Freiheitskämpfern und Studenten gegründet, und ihr Credo war, bereit zu sein, für eine unabhängige Ukraine zu sterben. Die Crux: Wer bereit ist zu sterben, für den zählt das Leben anderer ebenso nichts - so Hrytsak. Die Organisation war extrem nationalistisch und Vorbilder waren Mussolini und Hitler. Als 1938 Andrij Melnyk die Organisation übernahm, spalteten sich die jüngeren Mitglieder hinter Stepan Bandera ab. Somit gab es die Melnykisten (OUN-M) und die Banderisten (OUN-B). Einer der OUN-Schlachtrufe war laut dem Historiker István Deák:
Lang lebe die größere unabhängige Ukraine ohne Juden, Polen und Deutsche; die Polen zurück über den Fluss San; die Deutschen nach Berlin und die Juden an den Galgen.»
Nach Einmarsch der Deutschen rief OUN-B einen unabhängigen Staat aus, der von den Deutschen umgehend verboten wurde. Führungsmitglieder, darunter Stepan Bandera, wurden verhaftet. Der Reichskommissar der Ukraine, Ernst Koch, verwandelte die Ukraine in ein riesiges Konzentrationslager. Die "minderrassigen" Ukrainer sollen als Arbeitssklaven dienen und langfristig ausgehungert werden.

Aus der OUN bildete sich die Ukrainische Aufständische Armee (UPA), die sich selbst "Banderisten" nannten. Sie kämpften gegen alle: Deutsche, Polen, Sowjets (noch bis in die 1950er Jahre). In Wolhynien sollen die Polen vertrieben oder vernichtet werden. Am 11. und 12. Juli 1943 wurden mehr als 50 polnische Dörfer angegriffen. Im Gegenzug verübte die Polnische Heimatarmee Massaker an Ukrainern.

Stalin löste schließlich das ukrainische "Problem", indem er alle ukrainsche Gebiete in einer Sowjetrepublik zusammenfasste. Die sowjetische Identität soll die ukrainische (nationale) ablösen. Kyjiw wird Republikshauptstadt, Lwiw industrialisiert und durch den Zuzug von Arbeitern zum ersten Mal in der Geschichte mehrheitlich ukrainischsprachig (wohl auch durch die Aussiedlung von Polen, nehme ich an), der Donbass wird Industriezentrum mit einer selbstbewussten Arbeiterschaft, die auch Streiks wagt. Unter dem aus der Ukraine stammenden Breschnew wurden viele Ukrainer ins Machtzentrum geholt (natürlich vollständig russifizierte), auch Techniker hatten die Möglichkeiten eines sozialen Aufstiegs. Auf der anderen Seite wird jeder vermutete Dissens hart bekämpft. Von 1971 bis 1974 wurden etwa 60.000 Ukrainer aus politischen Gründen verhaftet. Unter Breschnew waren 50 bis 70 Prozent aller Lagerhäftlinge Ukrainer. Dennoch wurde die Ukraine wie eine Kolonie behandelt. Entscheidungen wurden in Moskau getroffen, so auch dass 1986 trotz des Atomunfalls von Tschornobyl die Maiparaden im betroffenen Gebiet durchgezogen werden. Die lokalen Behörden wollten absagen.

Die Entkommunisierung begann in der Ukraine früh. Im Sommer 1989 vertrieben im Donbass Minenarbeiter Parteikommissare aus ihren Minen, bei freien Wahlen erlitt die KP in Galizien heftige Niederlagen. Bei einem Referendum 1990 stimmten zwar 70 Prozent für einen Verbleib in der Sowjetunion, Galizien jedoch mehrheitlich für Unabhängigkeit. Nach dem gescheiterten Putschversuch gegen Gorbatschow erklärte der Oberste Sowjet der Ukrainischen SSR am 24. August 1991 die völlige Unabhängigkeit der Ukraine und ihren Austritt aus der Sowjetunion (Russland trat bereits im Juni 1990 aus!). Am 1. Dezember 1991 stimmten in einem Referendum 91 Prozent der ukrainischen Bevölkerung für eine Unabhängigkeit mit Mehrheiten auch im Donbass und auf der Krim. In der Übergangszeit behielten die kommunistischen Eliten die Macht, und die Opposition verpflichtete sich, Minderheitenrechte zu achten. Gewalt und Pogrome blieben aus. Hinzu kam, dass viele der Russischsprecher (über 50 Prozent der Bevölkerung) in ihrer Identität sich als Ukrainer sahen und sehen.

Der demokratische Lakmustest war, als 1994 der amtierende Präsident Leonid Krawtschuk die Wahlen gegen Leonid Kutschma verlor und die Amtsübergabe reibungslos verlief. Kutschma gewann die Wahl mit dem Versprechen, sich wieder Russland anzunähern, doch er schrieb ein Buch mit dem Titel Die Ukraine ist nicht Russland. Die Ukraine lag wirtschaftlich danieder mit einer hohen Inflationsrate. Kutschma stabilisierte die Wirtschaft, stolperte aber beinahe über einen Leak, dass ein Radarsystem an den Irak verkauft worden sei. Auch ging das Gerücht, dass er bei der Ermordung des Aufdeckerjournalisten Heorij Gongadse seine Finger im Spiel hatte.

Um die Ereignisse um die Wahlen 2004 verstehen zu können, müsse man das Oligarchensystem der Ukraine kennen. Es gibt zwei rivalisierende Gruppen: die Dnipro-Gruppe (Kutschma, aber auch Tymoschenko) und den Donezk-Clan (Janukowytsch). Kutschma wollte die Macht an Janukowytsch übergeben (Zusammenschluss der beiden Gruppen?). Tymoschenko wendet sich dagegen und gründet mit dem Ökonomen Wiktor Juschtschenko eine Oppositionsgruppe, um diesen zur Präsidentschaft zu führen. Einen Tag vor der Wahl wird er vergiftet, trotz anders lautender Umfragenergebnisse erklärt die Wahlkommission Janukowytsch zum Sieger. Nach Protesten am Unabhängigkeitsplatz werden die Wahlen wiederholt und Juschtschenko geht als Wahlsieger hervor.

Während seiner Amtszeit wird Juschtschenko seinen Vorschusslorbeern nicht gerecht. Es wird kein Programm zur Korruptionsbekämpfung initiiert. Die Oligarchenclans bleiben unangetastet. Seine Schwerpunkte sind Kulturpolitik und die Anerkennung des Holodomor als Genozid. Da die Eurokrise der Wirtschaftslage auch nicht förderlich ist, wird er 2010 abgewählt. Tymoschenko verliert in Stichwahlen gegen Janukowytsch.

Dieser beginnt eine Annäherungspolitik an Moskau, aber auch in Richtung EU. Seine Hauptbeschäftigung ist aber, selbst zum reichsten Oligarchen zu werden und seine eigene Kasse zu füllen. Um dies zu erreichen, setzt er überall seine Donezk-Leute in der Ukraine in entscheidende Positionen. Selbst das Parlament erhält einen "Aufpasser". Vor der Unterzeichnung eines Assoziationsabkommens mit der EU lanciert Putin, dass er die Ukraine aufzuteilen gedenkt: Ostukraine, Krim, Neurussland an Russland, die Mittelukraine mit einer Marionettenregierung, die Westukraine könne sich zum Teufel scheren. Nach einem Gespräch in Moskau mit Putin zieht Janukowytsch das Assoziationsabkommen mit der EU zurück. Hrytsak vermutet, dass Putin mit einem Einmarsch gedroht habe.

Niemand hat aber mit einer neuen Generation gerechnet, die in keiner Diktatur mehr gelebt hat und weder aus dem Agrar- noch dem Industriesektor kommt, sondern aus der Intelligenz und dem Dienstleistungssektor. Junge Menschen versammeln sich am Unabhängigkeitsplatz, der zum Euromaidan wird. Nach Gewaltexzessen der Ordnungskräfte flieht Janukowytsch am 21. Februar 2014 nach Moskau, am 22. Februar marschierte Russland in der Krim und in Teilen des Donbass ein. Dnipro wurde eines der Widerstandsnester gegen den russischen Überfall. Wie schon bei russischen Überfällen auf Tschetschenien und Georgien wurde die Ablehung gegenüber Russland größer, die nationale Identität war überethnisch. So gewannen Poroschenko (2015) und Selenskyj (2019) die Präsidentschaftswahlen gesamtnational. Sie hatten Mehrheiten im Westen wie im Osten.

Wirtschaftlich entwickelte sich ab den Nullerjahren ein bedeutender Dienstleistungssektor vor allem im Westen des Landes. Wirtschaftliches Kapital wanderte von Osten nach Westen, gleichzeitig soziales Kapital (die Zivilgesellschaft) von Westen nach Osten.

Und mit dieser neuen ukrainischen Identität war es am 24. Februar 2022 Putin nicht möglich, einen erhofften Blitzkriegsieg einzufahren. In Butscha unterstützte die Zivilbevölkerung die ukrainische Armee bei der Abwehr des russischen Angriffs auf Kyjiw. Zum Preis, dass sie abgeschlachtet wurde. Präsident und Regierung lehnten das Angebot westlicher Staaten, sie ins sichere Exil zu bringen, ab und blieben. Sie nahmen den Kampf auf, konnten die russische Armee zurückdrängen, bis sich ein blutiger Stellungskrieg entwickelte. Seither versucht Russland, die zivile Infrastruktur der Ukraine zu zerstören und Terror gegen die Zivilbevölkerung auszuüben. Opfer sind nicht nur Menschen, sondern auch Tiere und das Ökosystem. Für Hrytsak ist dieser Krieg ein "Wendepunkt der Weltgeschichte".

Dies ist ein hochinteressantes Buch eines definitiv nicht neutralen ukrainischen Historikers.


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05.07.2026 um 13:07
Zitat von NarrenschifferNarrenschiffer schrieb:Da sich Hrytsak auf die Nationswerdung der Ukraine konzentriert, ist der englische Untertitel eigentlich passender als der deutsche: The Forging of a Nation.
Ein sehr schönes Buch.
Zitat von NarrenschifferNarrenschiffer schrieb:Die erste Universität wurde in Kyjiw 1632 gegründet, die zweite in Moskau 1755.
Immerhin wurde in Kiew die Universität 120 Jahre früher als in Moskau gegründet, obwohl die Kiewer Rus zu dem Zeitpunkt schpn lange darniederlag (die Bevölkerung in Kiew betrug 1650 nur 20000 Einwohner, Moskau 150000)
Zitat von NarrenschifferNarrenschiffer schrieb:Für die künftige Ukraine eine prägende Entscheidung war, dass 988 Fürst Wolodymyr den byzantinischen Glauben angenommen hat. Ein wirtschaftlich westlich orientiertes multiethnisches Gemeinwesen der Rus wurde ideologisch an den Osten gebunden.
Zitat von NarrenschifferNarrenschiffer schrieb:Auch kulturell sei dieses Ostbündnis ein Abstellgleis gewesen.
Klar, was Hrytsak damit sagen will, die Anbindung der Ukraine an den Osten war schlecht bis verheerend.
Besonders negativ für die Ukraine war meiner Meinung nicht das Byzantinische Reich sondern die Einfälle der Mongolen und später die endlosen Angriffe und Raubzüge der Krimtataren und des Osmanischen Reiches, die die Zentral- und Ostukraine stark schwächten.
Aber auch vom Norden (Moskoviter) und vom Westen (Polen-Litauen) wurde Kiew immer wieder angegriffen.
In der westlichen Ukraine, die fest unter der Herrschaft Polen-Litauens stand, herrschte dagegegen ein gewisse Prospärität.
Die multiethnische Stadt Lviv (Polen, Juden, Ukrainer) in der Westukraine hatte um 1550 20000 Einwohner, etwa so viel wie damals Hamburg.
Davon zeugen noch einge gut erhaltene Renaissance Bürgerhäuser in Lviv.
Zitat von NarrenschifferNarrenschiffer schrieb:Ukrainer haben kaum unter einer liberalen Demokratie gelebt, Rechtsstaatlichkeit war letztlich nur im österreichischen Galizien bekannt, Gewalt als Lösungsmethode für Probleme war in allen anderen Gebieten Usus.
Die Ukrainer in Österreich-Ungarn waren relativ zufrieden mit ihrer Situation und waren politisch gemäßigt, und das obwohl die Ukrainer in der Hierarchie Österreich-Ungarns ziemlich weit unten standen. Als die Westukraine wieder polnisch wurde, waren die ukraniischen Nationalisten enttäuscht, denn nach dem 1. Weltkrieg haben die Ukrainer keinen Staat bekommen und sahen sich in Polen zunehmender Diskriminierung gegenüber.
Nach dem Frieden von Brest Litovsk waren den Ukrainern im Vertrag Minderheitenrechte zugestanden worden, die aber Polen immer weniger achtete. Das führte zur Gründung der OUN und zu Sabotageakten in Polen, zunächst nur Sachbeschädigung.
Darauf antwortete die polnische Regierung mit Gewalt, Hunderte ukrainischer Dörfer wurden verwüstet, und auch einige Personen erschlagen und vergewaltigt, worauf die Ukrainer wieder mit Gewalt antworteten.
Die sogenannte "Befriedung" 1930:
Wikipedia: Befriedung der Ukrainer in Ostgalizien
Dennoch blieb die Zahl der gewaltbereiten Ukrainer klein.
Erst als 1939 die Westukraine von den Sowjets besetzt wurde und die Sowjets Terror gegen alle ethnischen Gruppen ausübten und alle gemäßigten politischen vernichtet wurden, bekamen die ukrainischen Untergrundorganisationen stärkeren Zulauf und radikalisierten sich weiter.
Übrigens war der offizielle Grund, warum die Sowjetunion in Ostpolen einmarschiert ist, dass dass die Ukrainer von den Polen diskriminiert wurden.

Warum heute in der Ukraine umstrittene ukrainische Nationalisten geehrt werden, ist nicht ganz nachvollziehbar. es gibt genügend gemäßigte ukrainische Politiker oder Dissidenten die man ehren könnte. Die heutige ukrainische Elite ist eine postsowjetische Elite und hat nichts mit Nationalisten zu tun. Das erinnert etwas an Russland, die machen auf orthodox, dabei sind das alles ex KGB Agenten, und die Ukrainer machen auf Nationalisten, dabei sind das alles Postsowjets.
ChatGPT über die ukrainischen Parteien in Österreich-Ungarn und Polen der Zwischenkriegszeit
In Österreich-Ungarn (vor 1918)

Die wichtigsten ukrainischen (ruthenischen) Parteien waren:

Ukrainische Nationaldemokratische Partei (UNDP)
gemäßigt nationalistisch
setzte sich für mehr Autonomie Galiziens und die Rechte der Ukrainer ein
förderte Bildung, Sprache und Kultur
war die stärkste ukrainische Partei

Ukrainische Radikale Partei
linksliberal und sozialreformerisch
vertrat vor allem Bauern
forderte Landreformen, Demokratie und soziale Gerechtigkeit

Ukrainische Sozialdemokratische Partei
sozialistisch
setzte sich für Arbeiterrechte, Gewerkschaften und soziale Reformen ein
verband Sozialismus mit ukrainischen nationalen Anliegen
Quelle:
Im Polen der Zwischenkriegszeit (1918–1939)
Die wichtigsten Parteien waren:

Ukrainische Nationale Demokratische Allianz (UNDO)
größte ukrainische Partei in Polen
gemäßigt nationalistisch und demokratisch
wollte gleiche Rechte für Ukrainer innerhalb Polens
nahm an Wahlen teil und arbeitete parlamentarisch

Ukrainische Sozialistisch-Radikale Partei
links, sozialistisch
vertrat Bauern und Arbeiter
setzte sich für soziale Reformen und nationale Rechte ein

Kommunistische Partei der Westukraine
kommunistisch und marxistisch
wollte sich langfristig der Sowjetunion anschließen
wurde von den polnischen Behörden verfolgt und später von der sowjetischen Führung aufgelöst

Außerhalb des parlamentarischen Systems entstand außerdem die Organisation Ukrainischer Nationalisten:

radikal nationalistisch
strebte einen unabhängigen ukrainischen Staat an
lehnte den parlamentarischen Weg weitgehend ab
setzte teilweise auf Sabotage und politische Gewalt gegen den polnischen Staat
Quelle: KI
über die Radikalisierung der OUN
Phase Charakter
1929–1931 Aufbau, Propaganda
1932–1934 Beginn gezielter politischer Attentate
1935–1939 Untergrundkampf, begrenzte Gewalt
1941–44 massiver bewaffneter Konflikt (UPA-Zeit)
Quelle: KI


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06.07.2026 um 00:52
Zitat von NarrenschifferNarrenschiffer schrieb:Einer der OUN-Schlachtrufe war laut dem Historiker István Deák:
Lang lebe die größere unabhängige Ukraine ohne Juden, Polen und Deutsche; die Polen zurück über den Fluss San; die Deutschen nach Berlin und die Juden an den Galgen.»
Dieses Zitat ist laut ChatGPT so nicht belegt. Das Zitat ist auch unlogisch, denn es trägt eine viel größere Feindschaft gegenüber Juden als Polen, obwohl der Hauptfeind der OUN die Polen waren. Vor 1939 richtete sich die Gewalt der OUN ausschließlich gegen Polen und gemäßigte Ukrainer.
Im Zitat wird hingegen den Polen Vertreibung und den Juden Vernichtung angedroht
ChatGPT:
Nach heutigem Forschungsstand: Nein, dieses Zitat ist nicht allgemein als authentisch belegt.

Das heißt:

❌ Es gibt keine bekannte Primärquelle (Rede, Brief, Tagebuch, offizielles Dokument), in der dieser Satz nachweislich steht.
❌ Es findet sich nicht in den maßgeblichen wissenschaftlichen Editionen von Dokumenten der Organisation Ukrainischer Nationalisten oder von Stepan Bandera.
❌ Seriöse Historiker zitieren diesen Satz in der Regel nicht als authentisches Zitat.

Das bedeutet nicht, dass der Inhalt der Ideologie der OUN harmlos gewesen wäre. Es gibt zahlreiche belegte Dokumente, die:

ethnischen Nationalismus propagieren,
Feindschaft gegenüber Polen und Juden erkennen lassen,
oder Gewalt gegen als „Feinde“ betrachtete Gruppen rechtfertigen.
Quelle:
KI


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06.07.2026 um 08:40
Zitat von parabolparabol schrieb:Dieses Zitat ist laut ChatGPT so nicht belegt
Doch. Es ist belegt und veröffentlicht. Es wurde formuliert in einem Brief der OUN an die GESTAPO Lemberg. Deák soll schreiben, dass es sich um ein Flugblatt gehandelt habe. Leider ist Deáks Text hinter einer Bezahlschranke und diese Info daher nicht frei zugänglich - The New York Review - nur der erste Absatz

Die veröffentlichte Quelle ist eine Ereignismeldung des SD (Sicherheitsdienst des Reichsführers SS) vom 29. Oktober 1941. Der Text dieser Meldung ist abgedruckt in The UPA in Light of German Documents. Book Three (ed. Petro J. Potichnyj). Toronto 1991, Seite 96. Das Buch ist als PDF online bei diasporiana.org.ua

Hier der Screenshot (Markierung von mir)

OUN-Zitat


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06.07.2026 um 09:11
Hier das Faksimile dieser Ereignismeldung.

001

Online in den Arolsen Archives

Wikipedia: Arolsen Archives


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06.07.2026 um 09:58
Zitat von NarrenschifferNarrenschiffer schrieb:Doch. Es ist belegt und veröffentlicht.
Ja, OK; ChatGPT findet das Zitat halt nicht


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06.07.2026 um 10:04
Zitat von parabolparabol schrieb:ChatGPT findet das Zitat halt nicht
Gemini findet das Zitat


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06.07.2026 um 10:07
Zitat von parabolparabol schrieb:ChatGPT findet das Zitat halt nicht
Die Google-KI (Gemini) hat mich zu dieser Quelle verwiesen (du hast das jetzt auch geschrieben), es ist jedoch nur eine Sekundärquelle, der Originalbrief scheint nicht online zu sein. Bemerkenswert ist, dass die OUN in einem Brief an die GESTAPO Lemberg offen schreibt, dass die Deutschen abhauen sollen. Falls der Brief echt ist und nicht vom SD fabriziert, klärt sich ein wenig auf, warum Bandera ins KZ gesteckt wurde.


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