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7.767 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Bücher, Lesen, Literatur ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

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06.07.2026 um 20:23
Zitat von NarrenschifferNarrenschiffer schrieb:Bemerkenswert ist, dass die OUN in einem Brief an die GESTAPO Lemberg offen schreibt, dass die Deutschen abhauen sollen. Falls der Brief echt ist und nicht vom SD fabriziert, klärt sich ein wenig auf, warum Bandera ins KZ gesteckt wurde.
Die OUN scheint keinen besonders guten Draht zur Nazi Regierung gehabt zu haben, wenn sie an eine lokale Stelle der Gestapo schreibt und nicht direkt nach Berlin.
Zum Glück hat die Kollaboration und Kooperation nur teilweise funktioniert, sonst wäre die OUN noch stärker in die deutschen Kriegsverbrechen verstrickt.

Lem, der den Holocaust direkt erlebt hat, schrieb auch einen Text über den Holocaust ("Provokationen").
Dort meint er, die Deutschen sahen den Holocaust als ihre eigene deutsche Angelegenheit und gebrauchten die Hilfe der Kollaborateure nur dort, wo es unbedingt notwendig war.


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06.07.2026 um 21:36
Zitat von parabolparabol schrieb:Lem, der den Holocaust direkt erlebt hat, schrieb auch einen Text über den Holocaust ("Provokationen").
Lems "geheimes" Buch über den Holocaust:
Geheim, weil vom Buchtitel her niemand drauf kommen würde, dass es um den Holocaust geht.
Lem - Provokationen (oder Provokation)

9783518017401-de-300


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11.07.2026 um 18:10
Jacques Ellul - Propaganda

Ellul-Propaganda

Jacques Ellul war Rechtswissenschafter, Soziologe und Theologe und lehrte an der Fakultät für Rechts- und Wirtschaftswissenschaften an der Universität Bordeaux. Sein 1962 veröffentlichtes Werk zu Propaganda gilt international als hochangesehen, wurde jedoch zum ersten Mal erst im Jahr 2021 ins Deutsche übersetzt.

Oberstes Ziel und Ausgangspunkt für Propaganda sei, "die Macht der Partei oder des Staates zu sichern". Von den Menschen werde Partizipation und Einhelligkeit verlangt. Grundvoraussetzung für Propagandaerfolg ist für Ellul, dass sie sowohl an bereits vorhandenen Mentalitäten ansetzt und dass der Mensch dazu gebracht wird, aus "freien Stücken zu gehorchen". Propaganda sei eine Technik, die aus vier Elementen besteht:


  1. Psychologische Maßnahmen (richten sich an Mitbürger)
  2. Psychologischer Krieg (richtet sich an Gegner bzw. Feinde)
  3. Umerziehung und Gehirnwäsche (richtet sich an gefangene Feinde)
  4. Public Relations und Human Relations (das Ziel ist die Einpassung des Individuums in eine Gesellschaft, die Methode bei Zweiterem ist oft horizontale Propaganda, also nicht von oben kommend)


Ziel der Propaganda sei in erster Linie, den Menschen zu einer gewünschten Handlung zu bringen, wobei die innere Überzeugung des Individuums durchaus irrelevant ist. Für Propagandisten sei es kaum möglich zu überprüfen, ob eine propagandierte Person auch die Ideologie internalisiert habe. Wichtig ist das Handeln. Dies sei dem Individuum der modernen Gesellschaft nicht unbekannt. Viele berufliche Tätigkeiten basieren darauf, dass Handlungen gesetzt werden, die andere erdacht haben, sie basieren auf einer Dissoziation von Denken und Handeln. Nicht entfremdetes Handeln ist in die Freizeit ausgelagert (Hobbys zum Beispiel).

Aber auch Privatisierung kann, vor allem in diktatorischen Regimen, ein gewünschtes Ziel sein, vor allem bei denjenigen, die durch Propaganda nicht erreicht werden können. Privatisierung führe dazu, dass keine Kritik geäußert wird, keine Handlungen gegen die Interessen der Staatsmacht gesetzt werden. Erreicht wird sie einerseits durch Terrorpropaganda, andererseits durch unterstützende Maßnahmen, die eine Privatisierung fördern.

Soziologische Voraussetzung für Propaganda sei die Herausbildung einer sekundären Gruppe, der Masse, in einer dicht besiedelten, urbanisierten Gesellschaft, in welcher der Einzelne von primären Gruppen (Familie, Zunft, etc.) entfremdet ist. Propaganda richte sich an eine Masse von Individuen, die jedoch nicht oder kaum miteinander kommunizieren und vereinzelt sind, wobei nicht die Masse an sich, sondern der Einzelne sich angesprochen fühle. Der Einzelne soll das Gefühl erhalten, ein Erfolg hänge von ihm ab, er müsse handeln, um ein Ziel nicht zu gefährden. Mao Zedong habe dies erkannt und alle traditionellen primären Gruppen zerschlagen (inklusive Familienbande).

Ideal zur Verbreitung von Propaganda seien Massenkommunikationsmittel (Presse, Radio, Fernsehen, Kino), da diese Medien von Einzelnen konsumiert werden, selbst wenn sie mit einer Masse in einem Kinosaal sitzen.

Propaganda habe "total" zu sein. Sie muss alle zur Verfügung stehenden Mittel verwenden und "kontinuierlich, lückenlos und ohne Unterbrechung vonstatten" gehen, um wirksam zu sein. Der Gefahr einer Mithridatisation (Immunisierung) wird durch Sensibilisierung, zum Beispiel durch Symbolik, begegnet. Eine Farbe könne genügen, um Propagandareize auszulösen.

Erfolgreiche Propaganda muss einerseits auf "Mythen" aufbauen, andererseits auf Aktuellem. Mythen sind für Ellul Themen wie Arbeit, Glück, Fortschritt, Nation, Frieden, Freiheit, Jugend, Helden. Auch Lebensstile können zum propagandistischen Mythos werden. Der American Way of Life wird als Beispiel genannt. Selbst nicht propagandistische Werke wie Kinofilme verbreiten diesen Mythos. Diese Mythen bauen in der Propaganda auf Ideologien wie Sozialismus, Nationalismus oder Demokratie auf, wobei sich letztere zu einem Mythos zu entwickeln beginne. Praktisch alle Ideologien würden den Mythos Demokratie nutzen und mit eigenen ideologischen Inhalten befüllen. Mythen sind für Propaganda deswegen wichtig, da diese eine Vision und keine Doktrin zu vermitteln habe, um erfolgreich zu sein. Mythen seien "allgemeine, einfache Erklärungen".

Auch müssen starke Gefühle hervorgerufen werden. Hass, Stolz, Hunger seien erfolgreicher als Liebe oder Gleichmut. Diese Gefühle müssen verstärkt werden, und aus Nationalstolz soll "rasender Nationalismus" werden. Diese Gefühle seien es, die den Einzelnen dazu brächten, sich "auszutoben", an Pogromen teilzuhaben, ohne ein schlechtes Gewissen zu entwickeln. "Propaganda eröffnet ihm einen Weg, sodass er den Juden, den Bourgeois, den Kommunisten und so weiter zu töten vermag, der Mord schließlich zu einer Heldentat avanciert." Neben der Erregung bietet Propaganda auch den zweiten Effekt, nämlich Angst zu nehmen. Der Vereinzelte fühlt sich in einer neuen Gemeinschaft geborgen. Was immer er in dieser Gemeinschaft für Handlungen setzt. Propaganda bietet Selbstrechtfertigung.

Auf Aktuellem aufbauend muss Propaganda in die Zukunft weisen. Wobei berücksichtigt werden muss, dass Menschen konkrete Ereignisse oder Themen sehr schnell vergessen. So seien inhaltliche Propagandavolten wie die kommunistische Propaganda nach dem Hitler-Stalin-Pakt mittelfristig kein Problem für auf Mythen aufbauende kommunistische Propaganda. Dennoch muss beachtet werden, dass Propaganda keine offensichtliche Falschinformation verbreiten darf. So war die deutsche Niederlage von Stalingrad nicht wegzureden. Die Folge: Goebbels änderte den Mythos seiner Propaganda. Er wechselte zum Helden-Mythos.

Propaganda verwende, um wahre Information vorzutäuschen, gerne bezugslose Zahlen, die grundsätzlich nicht falsch sind, aber in keine Relation gesetzt werden können. Wenn geäußert wird, dass das Lebensniveau sich um 30 Prozent erhöht habe, ohne einen Kontext zu geben, ist diese Aussage inhaltlich belanglos. Aber auch ein Überschütten mit Erfolgsnachrichten, die der Einzelne in seiner Menge nicht nachvollziehen kann, könne ein propagandistisches Ziel verfolgen, so zum Beispiel, dass die Sowjetunion aufgrund der vielen Erfolge großartig sei. Mich erinnert Bannons "Flood the zone with shit" an diese Methode: Aushebeln der Glaubwürdigkeit traditioneller Medien. Was genau der "shit" ist, interessiert letztlich niemanden.

Da Propaganda nicht individualisiert sein kann, wird sie monolithisch und die Mythen vereinfachen Ideologien wie Sachverhalte. Auch könne es nur mehr zwei Einstellungen geben: eine positive und eine negative. Und "wenn Propaganda Besitz von der Öffentlichkeit ergriffen hat. Ab da wird die öffentliche Meinung zunehmend rigoroser und undurchlässiger, sodass einzelne Meinungen nicht mehr geäußert werden können". Propaganda durchdringe nun Gruppen und ersetze deren Anführer:
In begrenzten Gruppen sowie in einem System, in dem Leadership oder Führerprinzip vorherrschen, ist der gegenwärtige Chef nie mehr als ein Spiegelbild, er ist nicht der wirkliche Anführer der Gruppe. Der Gauleiter ist, wie der Volkskommissar, nur Stellvertreter, Ausführender.
Im Anhang beschäftigt sich Ellul ausführlich mit den Propagandamethoden Mao Zedongs, vor allem mit der Zerschlagung traditioneller primärer Gruppen und Bildung neuer Organisationen, innerhalb derer durch (Selbst-)Kritik und Diskussion eine (vorgegebene) Meinung gebildet werden muss. Diejenigen, die durch diesen Prozess nicht erreicht werden, würden ausgemerzt. Mao: "Wohlwollen für das Volk, Diktatur für die Feinde des Volkes."

Interessant sind Maos sechs Kriterien des Guten, was verlangt, zu folgenden Zielen beizutragen:


  1. das aus verschiedenen Nationalitäten bestehende Volk zu einigen und es nicht zu spalten
  2. die sozialistische Umgestaltung und den Aufbau des Sozialismus fördern
  3. die demokratische Diktatur des Volkes zu festigen
  4. den demokratischen Zentralismus zu stärken
  5. die Führung durch die Kommunistische Partei zu stärken
  6. die internationale sozialistische Einheit und die internationale Solidarität aller friedliebenden Völker fördern und nicht schädigen


Auch werden die Techniken der Gehirnwäsche präsentiert.


  1. Isolierung: Der Gefangene wird sozial isoliert sowie aus einem Raum-Zeit-Kontinuum gerissen (Schlafentzug, unterschiedliche Schlafens- und Verhörzeiten, fensterloser Raum)
  2. Trommelfeuer von Parolen: Der Gefangene wird permanent Propagandaslogans ausgesetzt, bis er abstumpft und sie auswendig kann.
  3. Gruppendiskussion nach demokratischer Methode: Wichtig sei, dass der Leiter gebildet und auf hohem intellektuellen Niveau sei. Der Form nach scheinbar demokratisch, gibt es jedoch nur ein Meinungsziel. Die Ideen des Gegners des Gefangenen werden verklärt, Unsicherheit und Zweifel werden gesät. Die Diskussion hat ein dreischrittiges Ziel. 1. Hervorrufen von Schuldgefühlen (der Gefangene sei Teil einer Gruppe, die moralisch verwerflich handle). 2. Erklärung der Schuld des Gefangenen (Einbettung in einen politischen oder sozialen Kontext), mit dem Ziel, dass die Sichtweise des Gefangenen ersetzt wird. 3. Im darauffolgenden "Weg der Erlösung" nimmt der Gefangene das neue Handlungsangebot dankend an und rechtfertigt seine Haltungsänderung vor sich selbst und vor anderen.


Die Grenzen dieser Methode sind, dass die Haltungsänderung nicht nachhaltig ist. Sobald der Propagandaeinfluss nach Freilassung aufhört, endet auch die durch Gehirnwäsche hervorgerufene Haltung. Wichtiger für Mao sei gewesen, dass Freilassungen selbst als Propagandamittel eingesetzt wurden.

In einem weiteren Teil des Anhangs geht Ellul auf Information im Zeitalter der Massenkommunikation ein. Der Mensch werde mit Informationen überschüttet, die nichts mit dem persönlichen Leben zu tun haben. Dadurch werde er in ein übergeordnetes soziales System eingebunden, das ihn letztlich überfordere. Es sind diese Informationen aus den Massenmedien und der Werbung, mit denen er nun mit Personen in seinem primären Umfeld spreche. Masseninformation wirke daher wie Propaganda. Es seien diese Informationen, welche die Gesellschaft zusammenhalte.

Dies ist definitiv ein Werk, das in vielen Aspekten, von denen hier nicht alle vorgestellt sind, zum Nachdenken anregt. Warum es fast 60 Jahre gedauert hat, bis dieser Text ins Deutsche übersetzt wurde, entzieht sich meiner Kenntnis.


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12.07.2026 um 12:03
Zuletzt gelesen: "Der Autor" von Svenja Haupt.

Ich war überrascht, dass sich trotz Lektorats so viele (Tipp-)Fehler in dem Text befanden. Das habe ich noch nie erlebt.

Eine Kapitelnummer war auch doppelt vergeben, andere Kapitel tragen wiederum keine Nummern. Mir sind auch einige Logikfehler aufgefallen.

Die Geschichte selbst ist solide und spannend, die Wendung überraschend. Aber auch ein bisschen wirr. So als hätte die Autorin es einfach schnell zu Ende bringen wollen, bevor sie sich verzettelt.


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12.07.2026 um 16:41
Zitat von philaephilae schrieb:Ich war überrascht, dass sich trotz Lektorats so viele (Tipp-)Fehler in dem Text befanden. Das habe ich noch nie erlebt.
Das kommt tatsächlich auf den Verlag an. Ich leihe mir sehr viele Bücher über Kindle Unlimited aus, vor allem Thriller und Krimis. Boldwood Books Ltd verlegt unbekannte Autoren, die sich erst langsam einen Namen machen. Da sind mir schon sehr oft ziemlich peinliche Fehler aufgefallen. Nicht nur Tippfehler, sondern auch Rechtschreib- und Grammatikfehler, die sogar ich als non native speaker im Englischen gefunden habe. Manchmal sind es auch Logikfehler, zum Beispiel stand in einem Buch, es gibt in einem Haus weder eine Festnetzleitung noch Mobilfunkempfang, aber WLAN haben sie. 🤪 Aha, wie soll das gehen? WLAN allein nützt einem gar nix ohne einen Internetanschluss und wie soll der zustande kommen, wenn man weder Festnetz noch Mobilfunk nutzen kann? OK, Kabel-TV wäre noch eine Möglichkeit, aber da braucht man ja auch eine Leitung. Internet über Satellit wäre die einzige Möglichkeit, aber das wäre erwähnenswert gewesen, weil das nicht gerade häufig so gemacht wird.

Bist du dir sicher, dass der Verlag überhaupt ein Lektorat hat?

Edit: ich denke, das erklärt es:

https://orynverlag.de/


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13.07.2026 um 15:10
Liam Byrne - Why Populists are Winning

Byrne-Populists

Liam Byrne ist Politiker der Labour Party und seit 2004 Mitglied des Parlaments für einen Wahlkreis in Ost-Birmingham. In den Regierungen Blair und Brown war er von 2006 bis 2010 in unterschiedlichen Ministerfunktionen Regierungsmitglied. Berüchtigt ist ein Brief aus 2010, in dem er festhielt, dass der Staat pleite sei. Dieser Brief sei eine beliebte Zitatquelle für konservative Parteien, um Austeritätspolitik argumentativ zu stützen (Guardian). Augenblickliches Steckenpferd, das er akribisch verfolgt, sind Fragen, wie der Aufstieg von Farages Reform UK gestoppt werden kann. Diesem Ziel ist dieses im März dieses Jahres erschienene Buch gewidmet.

Taktisch will er die moderaten Wählerschichten von Reform ansprechen (auf Basis von Umfragen und Interviews teilt er Unterstützer von Reform UK in fünf Kategorien), deren Hauptkritikpunkte an der Mainstream-Politik der wirtschaftliche Abstieg, die schlechten Zukunftsaussichten, sinkende Reallöhne seit 2008, die geringer werdenden Sozialleistungen, der Verfall der Innenstädte, die Problematik der öffentlichen Sicherheit sowie die illegale Immigration seien. Diese Themen hätten die Mainstream-Parteien zu adressieren. Der Kampf gegen Rechtspopulismus sei auf drei Ebenen zu führen:

  • Mobilisierung einer größeren Mehrheit als die Anhängerschaft von Populisten (Péter Magyars Erfolg in Ungarn kannte Byrne noch nicht)
  • Widerlegung des Narrativs
  • Trockenlegung der dunklen Geldquellen


Byrne schlägt dafür ein Zehn-Punkte-Programm vor:


  1. Eine heroische Koalition (Péter Magyar hat das in Ungarn geschafft)
  2. Optimismus
  3. Eine Ökonomie des Möglichen (Wirtschaftsstrategien, die in die Zukunft weisen - keine Doomsday-Prognosen). Eine Lerngesellschaft (Macron) sei der Weg, um im Zeitalter der KI bestehen zu können.
  4. Ein Fairness-Codex: Hier tritt Byrne als Hardliner bezüglich illegaler Immigration auf, um Fairness aller legal im UK Lebenden zu garantieren. Als Ergänzung zu Sozialleistungen schlägt er eine Art Universelles Sparkonto für alle vor mit einem Startkapital von 10.000 Pfund für alle Staatsbürger.
  5. Ein Evangelium der Bürger (Civic Gospel): Gemeinschaften müssen gestärkt und gefördert werden, um das Umfeld wieder lebenswert zu gestalten.
  6. Performance: Politik muss liefern und nicht schönreden.
  7. Kampf gegen Kleptokratie: die Günstlingswirtschaft muss beendet werden, Parteispenden via Cryptos gehören verboten, Transparenz von Offshore- und Auslandsspenden an Parteien, Verbot kommerzieller Medienrepräsentationen für Mitglieder des Parlaments
  8. Patriotismus: Dieser soll alle im UK einschließen, unabhängig der ethnischen Herkunft. Toleranz und Mitgefühl seien sehr alte britische Traditionen ebenso wie ein Widerstand gegen absolute Macht, beginnend mit der Magna Charta 1215.
  9. Permanenter Dialog: Die Politik müsse ständig Dialog mit der Bevölkerung führen. Vorbild für Byrne sind Roosevelts Radio-Shows, in denen er auf Briefe der Bürger:innen antwortete. Soziale Medien seien ein wichtiges Kommunikationsmittel, jedoch müssten die Verstärkungsalgorithmen abgeschaltet werden (dafür gäbe es kein Grundrecht), um gleichbehandelt zu sein, auch wenn man nicht Emotionstiraden veröffentlicht.
  10. Mutige und nicht vorsichtige Staatsführung: Erfolge sollen herausgestrichen werden, das liberale System gepriesen werden. Weimar sei untergegangen, weil keine der demokratischen Parteien den Mut gehabt habe, für das Weimarer System einzutreten. Dies dürfe sich nicht wiederholen.


Der Analyseteil konzentriert sich auf die Widersprüchlichkeiten populistischer Propaganda (eigentlich wollen sie einen verschärften Abbau von Sozialleistungen wie dem Krankenversicherungssystem; ihre Steuerpolitik entlaste nicht die armen Schichten, sondern die Superreichen bzw. ihre Klientel; Demokratie sei nur ein Schlagwort, eigentlich wollen Populisten eine autoritäre Exekutivmacht, was beim harten Kern der Unterstützer gut ankäme).

Sehr gut recherchiert ist der Geldfluss der Rechtspopulisten, der international vernetzt ist. Die Organisationen sind genannt. Ein Augenöffner ist, wie zum Beispiel Trump mit seinem Meme-Coin 70 Prozent jeder Transaktion abschöpft. Aber Byrne ist nicht der erste, der die populistische Kleptokratie anmahnt. Er bezieht sich in diesem Teil auf die Historikerin Anne Applebaum. Auch seien Social-Media-Auftritte nicht nur aufgrund der verstärkenden Algorithmen für die Propaganda wichtig, sondern die Monetarisierung spült Unmengen an Geld in populistische Bewegungen.

Allerdings wird herausgestrichen, dass der Erfolg der Propaganda von Rechtspopulisten im direkten Ansprechen der Wählerschaft mittels ich, wir,ihr (Kommunikationsebene) sowie im direkten Ansprechen von Problemen (Sachebene) begründet sei. BIP-Entwicklungen interessiere die Wählerschaft nicht, Eierpreise (Trump) schon. In der Handlungsebene werde mit get, take, keep ein Selbstinteresse unterstützt. Die Botschaft: Populisten an der Macht seien in der Lage, die Probleme der Wählerschaft zu lösen. Theoretischer Hintergrund sei Benoits Bezug auf Gramsci, dass nicht Gewalt, sondern narrative Hegemonie der Schlüssel neurechten Erfolgs sei. Zielpublikum der Propaganda, da Knackpunkt bei Wahlen, sei die Arbeiterschaft. Narrative Methode sei das Wecken von starken Emotionen und nicht das vernunftgemäße Argumentieren. Mit sozialen Medien sei der perfekte Kommunikationskanal für Propaganda gefunden worden.

Was aber nicht heiße, dass Gewalt nicht auch ein Mittel der Propaganda sei. Neben Pushfaktoren (Lebenssituation) und Pullfaktoren (Freunde, Propaganda) seien Schockmomente nötig (seien sie auf realen oder fiktiven Fakten basierend). Diese liefern in sozialen Medien sogeannte Shockateurs. Deren Botschaften haben zum Ziel zu schocken und Emotionen hochkochen zu lassen, die durch die Vernetzung in den sozialen Medien zu Ausbrüchen kollektiver Gewalt und Pogromen führen können.

Insgesamt bietet das Buch einige interessante Analysen, vor allem mit Daten, die er selbst hat recherchieren lassen. Seine Vorschläge, wie Reform UK verhindert werden kann, könnten funktionieren, nur scheint seine Konzentration auf eine Rettung durch Mainstream-Parteien, deren Zuspruch im Augenblick im Keller ist, fragwürdig. Vor allem müsste aufgrund des Wahlsystems Reform UK in den Wahlkreisen geschlagen werden. Byrne selbst als Parteichef würde es vermutlich nicht schaffen, da er als New Labour-Mann eigentlich kompromittiert ist.

Wobei sein erster Punkt, die heroische Koalition, wohl der erfolgreiche Ansatz ist. Sie ist mehr als eine Brandmauer. In Ungarn jedoch benötigte es einen glaubwürdigen Anführer einer Bewegung, der aus der populistischen Riege kam und der sich wegen eines Justizskandals, in den auch seine ehemalige Frau als Justizministerin involviert war, von Fidesz distanzierte und nicht nur ein Bündnis um sich scharen konnte, sondern auch in jedem Wahlkreis eigene Kandidat:innen aufbauen konnte. Dafür reiste er zwei Jahre lang von Ort zu Ort und sprach zu den Bewohner:innen. Er vereinte Konservatives und Fortschrittliches. Was immer in Ungarn rauskommen wird, es bedurfte einer gigantischen Anstrengung einer Galeonsfigur, hinter die sich die Opposition unter Hintanstellung ihrer Maximalforderungen scharen konnte.


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14.07.2026 um 19:19
@violetluna

Aber da steht ja auch, sie unterstützen beim Lektorat usw.

Im Impressum stand auch ein Name. "Zufällig" trug der Herr denselben Nachnamen wie die Autorin. Erklärt wohl auch einiges. ;-)

Dann lieber dazu stehen, dass man kein Lektorat hat machen lassen.


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15.07.2026 um 00:16
Zitat von philaephilae schrieb:Aber da steht ja auch, sie unterstützen beim Lektorat usw.
Ja, unterstützen - das heißt nicht, dass der Verlag selbst lektoriert oder Angestellte hat, die das tun.

Wahrscheinlich eher nicht. Zumindest habe ich auf der Verlagswebsite nirgends einen Punkt gefunden, wo sich ein Team vorstellt und Frau Haupt bezeichnet sich im Impressum auch als Einzelunternehmerin. Das kann auch Einpersonenunternehmen bedeuten.

Lektor:in ist ja ein ziemlich anspruchsvoller Beruf, der nicht nur perfekte Rechtschreibung und Grammatik verlangt, sondern auch ein breites Allgemeinwissen, damit auch faktische Fehler, Logikfehler etc. korrigiert werden. Nicht umsonst ist das ein akademischer Beruf, der meistens von Absolvent:innen eines Germanistikstudiums mit Magister- oder Masterabschluss ausgeübt wird.

Und wenn nicht einmal die Autorin selbst in ihrem eigenen Verlag ein fähiges Lektorat hat, wie du ja geschrieben hast, dann werden die anderen durch diesen Verlag publizierten Autor:innen das wohl erst recht nicht haben 🤷🏼.
Gegründet wurde ORYN von Svenja Haupt – Autorin, Verlegerin, Podcasterin und Fachkraft für Content Marketing.
Quelle:
https://orynverlag.de/
Zitat von philaephilae schrieb:Im Impressum stand auch ein Name. "Zufällig" trug der Herr denselben Nachnamen wie die Autorin. Erklärt wohl auch einiges. ;-)
Welcher Herr denn? 🤔 Wo? Ich lese da:
ORYN Verlag
Inhaberin: Svenja Haupt
Quelle: https://orynverlag.de/impressum/

Wenn man die Biografie der Autorin auf Amazon ansieht, kann man dort lesen, dass sie weder Publizistik noch Germanistik studiert hat. Das macht es natürlich nicht gerade einfach, einen Verlag zu betreiben.
Die gelernte Altenpflegerin und Kauffrau im Gesundheitswesen ließ ihre kreative Ader bereits in verschiedene geschriebene Werke, musikalische Stücke und sogar ein selbst erstelltes Fantasy Hörspiel fließen.
Weiter unten wird sie dann gefragt:
Was empfinden Sie als die größte Herausforderung beim Schreiben, oder womit haben Sie eventuell Probleme?
...und antwortet:
Rechtschreibung *lacht*. Das größte Problem ist für mich tatsächlich die Rechtschreibung und Grammatik.
Quelle:
https://www.amazon.de/stores/author/B07YL9HRQC

Ein Mensch kann wunderbare Geschichten schreiben und darin sehr kreativ sein, aber trotzdem schlecht rechtschreiben können. Genau dafür gibt's ja ein Lektorat. Nur sollte das halt jemand machen, der das auch tatsächlich beherrscht.


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15.07.2026 um 12:17
Zitat von violetlunavioletluna schrieb:Welcher Herr denn? 🤔 Wo? Ich lese da:
Im Impressum der von ihr geschriebenen Bücher.

Dort ist bei "Lektorat" ein gewisser Christoph Haupt angegeben.
Zitat von violetlunavioletluna schrieb:Ein Mensch kann wunderbare Geschichten schreiben und darin sehr kreativ sein, aber trotzdem schlecht rechtschreiben können. Genau dafür gibt's ja ein Lektorat. Nur sollte das halt jemand machen, der das auch tatsächlich beherrscht.
Ich will sie jetzt aber auch nicht schlecht machen. Schreiben kann sie ja.
Es ist auch nicht unbedingt die Rechtschreibung das Problem. Aus meiner Sicht waren das mehr oder weniger alles Flüchtigkeitsfehler, allerdings eine beachtliche Menge davon. Das fiel eben auf.


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15.07.2026 um 12:53
Zitat von philaephilae schrieb:Im Impressum der von ihr geschriebenen Bücher.

Dort ist bei "Lektorat" ein gewisser Christoph Haupt angegeben.
Ah! Danke!
Zitat von philaephilae schrieb:Ich will sie jetzt aber auch nicht schlecht machen. Schreiben kann sie ja.
Hast du nicht. Ich finde schon, dass ein Verlag auf Fehlerfreiheit achten sollte, wenn man für ein Buch bezahlen soll.

Das Eine hat mit dem Anderen ja nichts zu tun.
Zitat von philaephilae schrieb:Aus meiner Sicht waren das mehr oder weniger alles Flüchtigkeitsfehler, allerdings eine beachtliche Menge davon. Das fiel eben auf.
Mich würde das ziemlich stören und ich würde das dem Verlag auch mitteilen. Wenn man die Bücher kostenlos runterladen kann oder das Charity-Projekte sind wie zum Beispiel die Werke Maria Roths (sämtliche Erlöse gehen in den Tierschutz), dann ist das etwas anderes, aber wenn man damit Geld verdienen möchte, geht das meiner Meinung nach gar nicht.

Ich bezahle ja auch zum Beispiel keinen Maler und nehme es dann hin, dass die Wand fleckig ist. Dann ist es technisch schlecht gemacht, selbst wenn der Farbton wunderschön ist. Das ist bei Büchern für mich nicht anders.


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15.07.2026 um 14:54
Zitat von violetlunavioletluna schrieb:Wenn man die Bücher kostenlos runterladen kann oder das Charity-Projekte sind wie zum Beispiel die Werke Maria Roths (sämtliche Erlöse gehen in den Tierschutz), dann ist das etwas anderes, aber wenn man damit Geld verdienen möchte, geht das meiner Meinung nach gar nicht.
In dem Fall hatte ich das Buch kostenlos über Kindle Unlimited heruntergeladen - hab ein kostenloses Probe-Abo.


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16.07.2026 um 13:42
Economic Reforms and Welfare Systems in the USSR, Poland, and Hungary

Reforms

Dieser Sammelband aus dem Jahr 1991 basiert auf einem wissenschaftlichen Kongress aus dem Jahr 1990, also inmitten der Umbruchphase, wobei weder der Putschversuch gegen Gorbatschow noch der Zusammenbruch der Sowjetunion bekannt war. Sowohl Polen als auch Ungarn hatten ihre ersten auf Basis von freien Wahlen gebildeten Regierungen. Der Schwerpunkt der Beiträge liegt mehr auf den Sozialsystemen als auf dem wirtschaftlichen Umbruch. Auch sind sie eher spekulativ in die Zukunft gerichtet, wie Sozialsysteme effektiv umgebildet werden könnten, wobei für die Sowjetunion deren Zusammenbruch nicht im Radar ist. Dennoch gibt es einige Informationen, wie in diesen drei Ländern während der kommunistischen Herrschaft die Sozialsysteme gestaltet waren.

Der Begriff Sozialsystem ist weit gefasst und beinhaltet soziale Sicherheit (inkl. Pensionen), Gesundheitswesen, Preissubventionen. Theoretische Basis ist, dass es einen - manchmal sehr wackligen - Gesellschaftsvertrag gegeben habe: niedrige Löhne und die kommunistische Herrschaft würden toleriert, im Gegenzug wären die Basisversorgungsmittel billig, eine Arbeitsplatzsicherheit gegeben und die Lohnschere moderat.

Die ursprüngliche kommunistische Logik war, dass es in sozialistischen Staaten keine Sozialprogramme benötige, da alle arbeiten. Pensionen wurden zwar in der Sowjetunion früh eingeführt, ausgenommen waren jedoch die Bauernschaft und ab 1929 die Arbeitenden auf Kolchosen (Genossenschaftsbetrieben). In Ungarn wurde 1950 das aus der Zwischenkriegszeit stammende Sozialsystem abgeschafft. Erst ab den 1960er Jahren wurden Unterstützungen für Ältere und ab 1974 für Familien mit Kindern eingeführt. Die Pensionen, die 1950 eingeführt wurden, lagen zu Beginn bei 20 Prozent des Durchschnittslohns, im Jahr 1988 bei etwa 50 Prozent.

Sämtliche Sozialleistungen wurden aus dem Staatsbudget bezahlt, es gab keinerlei Versicherungssysteme. Nur in Ungarn gab es seit 1968 einen Arbeitnehmerbeitrag zur Pensionsabsicherung. Dies war eine der Hautpursachen für niedrige Pensionen und desolates Gesundheitssystem, in dem nicht nur Gebäude wie Ausstattung Substandard waren (Ende der 1980er Jahre hatten nur 50 Prozent der sowjetischen Spitäler Fließwasser bzw. Kanalisationsanschluss), sondern auch das medizinische Personal sehr schlecht bezahlt war (in der Sowjetunion lag der Durchschnitt der Löhne des medizinischen Personals bei 76 Prozent des gesamtsowjetischen Durchschnittslohns), was in allen drei Ländern dazu führte, dass es von den Patient:innen mit "Trinkgeldern" versorgt wurde, um eine gewisse Betreuungsqualität erhalten zu können. Damit war der medizinische Zugang de facto nicht mehr frei und es gab eine Zwei- bis Dreiklassenversorgung (diejenigen, die sich "Trinkgelder leisten konnten, und die Nomenklatura mit ihren eigenen medizinischen Versorgungseinheiten, die Gorbatschow abgeschafft haben soll). Die staatlichen Gesundheitsausgaben der Sowjetunion beliefen sich 1958 bei 3,9 Prozent des Nettomaterialprodukts (BIP-Äquivalent), ebenso in Ungarn während der gesamten kommunistischen Herrschaftsperiode. Wenn man mit Deutschland oder Österreich in der Gegenwart vergleicht: die Gesundheitsausgaben betragen etwa 12 Prozent des BIP. Neben der eklatanten Umweltverschmutzung trug fehlende Vorsorgemedizin zu erhöhten Krankheitsfällen, hoher Kindersterblichkeit und geringerer Lebenserwartung bei. So auch in Polen und in Ungarn. Auch die Ausbildung von Ärzten scheint mangelhaft gewesen zu sein, so beklagte der sowjetische Gesundheitsminister Jewgeni Tschersow (1987-1990), dass 40 Prozent der Absolvent:innen von Medizinhochschulen nicht in der Lage waren, ein EKG zu interpretieren.

Wie sehr die Unterversorgung des medizinischen Systems auch durch die Kommandowirtschaft (für Produktionszuteilungen waren unterschiedliche Ministerien bzw. Politbüro-Mitglieder zuständig) bedingt war, zeigt das Beispiel Einwegspritzen. Der sowjetische Plan sah für 1987 die Produktion von 30 Millionen Einwegspritzen, für 1988 für 77 Millionen vor. Zuständig waren das Ministerium für die Produktion von Präzisionsgeräten und das Ministerium für medizinische und mikrobiologische Industrie. In der ganzen Sowjetunion gab es jedoch nur eine Produktionsmaschine mit einer Maximalkapazität von 3 Millionen, und diese besaß das zweite genannte Ministerium.

Aber selbst wenn es genug Produktionsmaschinen gegeben hätte, wäre eine Planerfüllung nicht möglich gewesen, denn es fehlte im Vorlauf an

  • Maschinen zur automatisierten Desinfektion von Einwegspritzen (Ministerium für chemische Industrie)
  • Maschinen zur Nadelherstellung (Ministerium für die Industrie von elektrischen Ausrüstungen)
  • Herstellungskapazitäten für Polyethylen, Polypropylen, Spezialkleber (Ministerium für die chemische Industrie)
  • Papier für Verpackungsmaterial (Ministerium für Holzindustrie)


Fun Fact: In der Sowjetunion soll es nur eine Fabrik gegeben haben, die Verpackungspapier für Eiskrem herstellen konnte.

Teil des Sozialsystems waren Preissubventionen für Güter des alltäglichen Bedarfs, während "Luxusgüter" wie Kleidung oder Schuhe hoch besteuert waren. Dies führte jedoch zu Disparitäten. Es war ein Gießkannenprinzip und diejenigen mit höherem Einkommen genossen diese Subventionen in höherem Ausmaß und dieses System könne daher nicht als egalitär bezeichnet werden. Auch führte dies dazu, dass das System ein Konsumverhalten förderte, das es eigentlich nicht hergab. So war der Fleischkonsum in der Sowjetunion so hoch, dass das Futter für die Nutztiere nicht zur Gänze selbst produziert werden konnte, sondern importiert werden musste. Auch das individuelle Verhalten gegenüber billigen Lebensmitteln war von Vergeudung geprägt: Lebensmittel wurden weggeworfen oder an Tiere verfüttert.

1989 lagen die Lebensmittelsubventionen in der Sowjetunion bei 88 Milliarden Rubel (die Staatseinnahmen lagen bei etwa 400 Mrd Rubel, die Ausgaben bei 490 Mrd, das heißt, diese Subventionen alleine lagen in der Höhe des Staatshaushaltsdefizits). Das Verhältnis zwischen Ladenpreis und Herstellungskosten lag für Fleisch und Milchprodukte bei 1:4. Hinzu kommen noch die administrativen Kosten zur Verwaltung der Subventionen.

Mieten waren so billig gehalten, dass mit ihnen nicht mal die regelmäßige Wartung abgedeckt werden konnte, und der Staat hatte wenig Interesse daran, diese Arbeiten aus dem Staatssäckel zu bezahlen, der Suventionsschwerpunkt lag auf Schwer- und Rüstungsindustrie. Folge: Der Verfall von Gebäuden in großem Ausmaß. Erst mit Chrustschow begann eine Initiative zur Errichtung von Appartmenthäusern, jedoch weiterhin nicht in ausreichendem Maße. Noch 1986 warteten 22 Prozent der Bevölkerung auf die Zuteilung von Wohnraum, wofür es Wartelisten gab. 15 Prozent der Bevölkerung wohnten noch in Kommunalkas (geteilten Wohnungen), angemieteten Zimmern oder Schlafsälen. Auch war die Wohnqualität regional sehr unterschiedlich. Während 1986 im sowjetischen Schnitt etwa 92 Prozent der Wohnungen Fließwasser und 75 Prozent heißes Wasser hatten, waren in der Hafenstadt Taganrog am Asowschen Meer nur etwa 50 Prozent der Wohnungen an Wasser und/oder Kanalisation angeschlossen. Für Polen und Ungarn werden ähnliche Probleme mit den gleichen Ursachen präsentiert.

Wie niedrig die Löhne noch zu Gorbatschows Zeiten waren, zeigen folgende Zahlen: Die offizielle Armutsgrenze lag bei 78 Rubel im Monat, etwa 13 Prozent der Bevölkerung lagen darunter. Polen trat 1978 in eine Krisenzeit ein. Das BNP sank zwischen 1978 und 1982 um ein Viertel, was ein drastisches Sinken des Lebensstandards mit sich brachte. Erst 1988 erreichte das BNP den Stand von 1978, die Reallöhne lagen immer noch um 20 Prozent unter dem Wert von 1980. Zur Abfederung sozialer Härten wurde der Unternehmensbeitrag für den Sozialfond von 2 auf 50 Prozent der Gesamtlohnmenge erhöht. In Ungarn wurde die Kommandowirtschaft 1968 abgeschafft, doch um die Auswirkungen der Ölkrise 1973 abzufedern, wurden die Subventionen auf Grundlebensmittel erhöht, und zwar mit Hilfe von ausländischen Krediten. Die Folge: Die Wirtschaft stagnierte, da der Staat die Auslandskredite bedienen musste und weniger Geld für Investitionen zur Verfügung hatte. Reallöhne sanken und lagen 1989 auf dem Niveau von 1975. Die Inflation stieg in den 1980er Jahren von 2,8 Prozent 1985 auf 20 Prozent 1989. Preise verdoppelten sich in den 1980er Jahren.

Der Ausblick ist durchaus düster. Ökonomisch betrachtet, müssten Warenangebot und Lohnmenge/Geldmenge in Einklang gebracht und Inflationsüberhänge abgebaut werden. Dies würde ein Ende jeglicher Subventionspolitik bedeuten. Wie die Anfänge in Polen zeigen, steigen Preise in viel höherem Ausmaß als Löhne. Soziale Diskrepanzen erhöhen sich auch bei Nicht-Bedürftigen, den Arbeitenden. Auch muss Arbeitslosigkeit steigen, wenn Unternehmen effektiv arbeiten sollten, sofern sie nicht überhaupt geschlossen werden. Staatliche Arbeitslosenversorgung wie Arbeitsämter sind erst im Aufbau gewesen. Aber auch unterschiedliche Interessen treffen aufeinander. Sowjetische Bergarbeiter waren in ihren Streiks gegen ein Ende von Lebensmittelsubventionen, forderten aber selbst die Anpassung der Kohlepreise auf Weltmarktniveau, was wiederum ein Ende der Energiesubventionen bedeutet hätte.

In Polen versuchte die letzte kommunistische Regierung unter Rakowski 1989 die Freigabe von Lebensmittelpreisen, was aber weder durch ein höheres Angebot noch durch ein Brechen der Staatsmonopole der Fleisch- und Molkereiindustrie, die Aufkauf und Verkauf in einer Hand vereinten, begleitet war. Die Preise explodierten. Die Solidarnosc-Regierung unter Mazowiecki gab 1990 die Energiepreise frei, welche sich daraufhin verfünffachten. Weiters wurden die Preise für Medikamente, Mieten, Dünger und Pestizide freigegeben. Gleichzeitig wurde in die Lohnstruktur eingegriffen: Löhne durften nur um 30 Prozent der Inflation erhöht werden. Das Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage wurde nicht durch Erhöhung des Angebots, sondern dadurch gelöst, dass sich viele diese Produkte nicht mehr leisten konnten. Die Folge: Viele Unternehmen reduzierten aus Mangel an Nachfrage die Produktion und entließen Arbeiterinnen und Arbeiter. In Ungarn lässt sich eine Umschichtung der Branchen erkennen (hin zum Dienstleistungssektor), aber auch unterschiedlicher Arbeitsbedarf in verschiedenen Branchen (Überangebot an Arbeitskräften: Portiere, Sicherheitskräfte, Verkauf, Kellner:innen, Bürokräfte, Präzisionsmechanik, Landwirtschaft; Unterangebot an Arbeitskräften: Dreherei, Schweißerei, Ziegelei, Schlosserei, Tischlerei, Klempnerei, Textilindustrie).

Die Schwächen dieses Bandes beruhen auf konzeptionellen Problemen: Geschichtswissenschaft ist keine Prognosewissenschaft und für die Sowjetunion sind die Prognosen schlichtweg falsch, da der politische Umbruch nicht vorhergesehen werden konnte. Die Stärken des Bandes sind seine historischen Überblicke, die man sich etwas zusammentragen muss, aber auch die Beschreibung des Ist-Standes.


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17.07.2026 um 12:08
"Die Anstalt" von Patrick Burow. Psychothriller mit Psychiatrie-Setting.


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20.07.2026 um 08:40
Bob Carruthers - Third Reich Propaganda

Carruthers-Propaganda

Bob Carruthers ist schottischer Dokumentarfilmer und laut Wikipedia auch im Musikgeschäft tätig, auch hat er einen Universitätsabschluss, vermutlich in Geschichte. Er veröffentlichte Sachbücher zum Thema Nationalsozialismus, und dieses Buch macht - wie auch an der Umschlagsgestaltung ersichtlich - einen eher billigen Eindruck (die Kindle-Ausgabe kostet auch fast nichts). Auch ist es keine Quellensammlung, sondern in den Fließtext sind Zitate in englischer Sprache integriert, ohne jedoch eine genaue Quellenangabe zu bieten, weshalb sich die Suche nach den Originalen eher schwierig gestaltet. In den Fließtext sind viele Bilder, hauptsächlich Propagandaplakate der Nationalsozialisten, eingebaut, die jedoch nie etwas mit dem jeweiligen Thema des Kapitels zu tun haben, womit sie eher dekorativen Charakter haben.

Strukturell wird mehr oder weniger chronologisch vorgegangen.

  • Der Völkische Beobachter wird 1921 von Hitler gekauft
  • Hitler als Redner (Schwerpunkt: Seine erste Rede im Münchner Zirkus Krone)
  • Julius Streicher als antisemitischer Propagandist und Türöffner für Hitler nach Nürnberg
  • Joseph Goebbels - Zunächst als Parteilinker, der jedoch von Hitler 1926 eingeschworen wurde und die Tür nach Berlin öffnete, wo er Gauleiter wurde und schließlich oberster Propagandist von Partei und Staat sowie Herr über die Reichskulturkammer. Er wird als der Strippenzieher der Propaganda gezeichnet und als Initiator des Pogroms von 1938 auch gegen den Widerstand anderer Bonzen wie Göring. Ausführlicher wird über seinen Antisemitismus eingegangen, Goebbels persönlich habe die Deportierung der Berliner Jüd:innen in Vernichtungslager vorangetrieben und es werden - vermutlich aus seinen Tagebüchern - Zitate von Goebbels vorgestellt, dass er sehr wohl genau wusste, dass die "Endlösung der Judenfrage" die physische Vernichtung bedeutet (dies ist der interessanteste Teil dieses Buchs). Nach der Niederlage von Stalingrad wurde, da Hitler sich kaum noch an die Öffentlichkeit wandte, Goebbels zum Gesicht und Sprachrohr der NSDAP und soll auch immer wieder Intrigen versucht haben, um in den allerinnersten Zirkel um Hitler zu gelangen. Angesprochen wird auch der Brief vom 1. Mai 1945, nach Hitlers Selbstmord, an General Tschuikow, in dem er mit Bormann ein Waffenstillstandsangebot an Stalin formulierte, um gemeinsam mit der Sowjetunion eine Front gegen die westlichen Alliierten zu errichten. Dies wurde selbstredend abgelehnt.


Am Ende werden noch die verschiedenen Medien gelistet, die zu Propagandazwecken verwendet worden sind, und eine (Teil-)Übersetzung von Georg Starks Werk Moderne politische Propaganda, das 1930 im nationalsozialistischen Eher-Verlag erschien und die verschiedensten Propagandamittel vorstellte, welche die Partei nutzen soll.

Ein schnell zu lesendes Buch, das keine offensichtlichen historischen Mängel aufweist, aber zum Teil schlecht lektoriert ist (doppelte Satzglieder zum Beispiel). Als Quelle zum Weiterrecherchieren ist es eher nicht geeignet.


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20.07.2026 um 17:51
Romy Jaster & David Lanius - Die Wahrheit schafft sich ab

Wahrheit

Dieser Band erschien 2019. Romy Jaster (Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Humboldt-Universität Berlin) und David Lanius (damals wissenschaftlicher Mitarbeiter am DebateLab des Karlsruher Instituts für Technologie, heute Assistenzprofessor für Praktische Philosophie und Philosophiedidaktik an der Universität Salzburg) sind Gründer des Forums für Streitkultur (Internetpräsenz). Ziel dieses Buchs ist, grundlegende Informationen über Fake News zu bieten, die auch didaktisch verwertet werden können, da für die beiden Autor:innen die Kompetenz des kritischen Denkens grundlegend dafür ist, dass Menschen nicht auf Fake News reinfallen.

Sie beginnen mit damals aktuellen Beispielen von Fake News, wobei ich jedoch nicht wusste, dass Pakistan Israel mit einem Atomschlag drohte, weil die Regierung die Fake News, dass Israel Pakistan mit einem nuklearen Angriff gedroht habe, für wahr gehalten hat.

Fake News kämen aber nicht immer von Randgruppen, so waren die Angriffslüge auf den Sender Gleiwitz (1939) und die Lüge über irakische Massenvernichtungswaffen (2003) klassische von Regierungen ausgehende Fake News, die jeweils einem Angriffskrieg vorausgingen.

Um Fake News von Falschmeldungen (zum Beispiel Chrustschows Tod 1963) abgrenzen zu können, würden sie zwei Merkmale benötigen:


  1. einen Mangel an Wahrheit (entweder faktisch falsch oder irrefühend)
  2. einen Mangel an Wahrhaftigkeit (der Produzent will entweder absichtlich täuschen oder ihm ist die Wahrheit egal wie im Fall der Jugendlichen aus Veles in Nordmazedonien)


Fake News seien aus psychologischen Gründen besonders erfolgreich:

  • Aufmerksamkeitsökonomie: negative Nachrichten erhalten eine größere Aufmerksamkeit (auch eine Grundregel des Boulevards)
  • Bestätigungsfehler: Man glaubt eher, was der eigenen Überzeugung entspricht, und es werden Informationen vermieden, die eine kognitive Dissonanz hervorrufen können
  • Informationskaskaden: Je mehr Menschen eine Nachricht für glaubwürdig halten, desto eher wird sie als wahr akzeptiert (experimentell belegt)
  • Konformitätskaskaden: Man schließt sich Mehrheitsmeinungen innerhalb einer Gruppe an, auch wenn man selbst nicht unbedingt überzeugt ist (experimentell belegt)
  • Echokammern: Man kommuniziert hauptsächlich mit Menschen, welche das eigene Weltbild teilen
  • Tribalistische Biotope: Gruppen radikalisieren sich in ihren Meinungen und Entscheidungen, wenn sie ausschließlich mit sich selbst kommunizieren (experimentell belegt)


In Zweifel gezogen wird, ob Algorithmen alleine eine sogenannte Filterblase erzeugen. Dies ist bis dato nicht belegt gewesen. Daher wird der These gefolgt, dass Beitragsvorschläge, die nicht der eigenen Meinung entsprechen oder von abgelehnten Medienproduzent:innen stammen, aus den oben genannten Gründen einfach nicht angeklickt werden.

Zwiespältig werden auch Faktenchecks gesehen. Nicht weil sie falsche Informationen aufdecken, sondern weil sie die dahinterliegenden Fake News, Verschwörungstheorien u. a. wiederholen und somit auch verbreiten würden. Darauf sollte geachtet werden. Denn Fake News sind immer auch Machtspiele. Die Tabakindustrie diskreditierte die Krebsforschung, die Lobbys fossiler Energieträger diskreditieren die Klimaforschung, Populisten diskreditieren kodexgebundenen Journalismus, um ihre eigenen Interessen durchzusetzen. Die Diskreditierung soll Verunsicherung hervorrufen und ein wirtschaftliches oder ein politisches System destabilisieren.

Auch sei es demokratiepolitisch kaum wünschenswert, dass Fake News gelöscht würden, die keinen strafrechtlich relevanten Inhalt hätten, da dies dem Meinungsfreiheitsgrundsatz widersprechen würde.

Der Ansatz von Jaster und Lanius sei deshalb, in Dialog zu treten, eine Streitkultur zwischen Menschen unterschiedlicher Ansichten zu entwickeln, sodass aus dem Dialog gelernt werden könnte.

Am Ende gibt es noch zwei Checklisten, mit denen Informationen abgefragt werden sollen: Wie plausibel ist die Nachricht? Werden Quellen angegeben? Wer sind die Verfasser der News? In welchem Medium werden die News verbreitet? Gibt es weitere unabhängige Quellen für diese Nachricht? Also eh der Standard eines Faktenchecks.

Das Buch ist flott zu lesen und ist noch nicht ganz veraltet, wenn auch die Beispiele Jüngeren vielleicht nicht mehr ganz so geläufig sind.


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24.07.2026 um 10:50
Edward Bernays - Propaganda

Bernays-Propaganda

Edward Bernays gilt als Begründer der Public Relation bzw. Öffentlichkeitsarbeit und war einer der erfolgreichsten Kampagnen-Entwickler seiner Zeit in den USA. Dieses Werk hat er 1928, ein Jahr vor dem großen Börsencrash und der darauffolgenden Wirtschaftskrise, veröffentlicht und ist dementsprechend noch von großem Optimismus geprägt. Der von ihm verwendete Begriff der Propaganda ist noch nicht mit dem Negativen behaftet, sondern er sieht diese Form von Öffentlichkeitsarbeit für ein erfolgreiches Wirtschaftsleben, aber auch für die Vermittlung politischer Ideen für notwendig an. Einer der Gründe ist, dass der Allgemeinheit es alleine schon aus Zeitgründen nicht möglich ist, sich mit der Vielfalt an Informationen aus Politik und Wirtschaft auseinanderzusetzen. Diese müssen ihnen durch spezialisierte PR-Profis nahegebracht werden.

Berühmt ist wohl der Eingangsabsatz:
Die bewusste und zielgerichtete Manipulation der Verhaltenweisen und Einstellungen der Massen ist ein wesentlicher Bestandteil demokratischer Gesellschaften. Organisationen, die im Verborgenen arbeiten, lenken die gesellschaftlichen Abläufe. Sie sind die eigentlichen Regierungen in unserem Land.

Wir werden von Personen regiert, deren Namen wir noch nie gehört haben. Sie beeinflussen unsere Meinungen, unseren Geschmack, unsere Gedanken.
Damit meiner er aber nicht irgendwelche Verschwörungsgruppierungen, sondern die PR-Fachleute wie er auch einer war.

Neu an Bernays' Herangehensweise an Öffentlichkeitsarbeit war, dass nicht mehr marktschreierisch geworben wird, sondern an die Motive der Menschen angeknüpft wird. Eine Ware wird mit einem Symbol verknüpft: Autos als Statussymbol oder ein Musikzimmer als letzter gesellschaftlicher Schrei zur Ankurbelung von Klavierverkäufen.

Auch indirekte Handlungen würden das Geschäft voranbringen: Eisenbahngesellschaften fördern entlang einer neuen Strecke Wirtschaftsansiedlungen, Banken stellen Vermögensberater ein, Schmuckhändler bieten Versicherungen an, Hersteller von Backzutaten propagieren Rezepte. Genauso ist das Erscheinungsbild eines Unternehmens Teil der Propaganda. Dass eine Bäckerei hygienisch sauber ist, fördert den Absatz.

Unwahre Propaganda jedoch schade nicht nur der eigenen Firma, sondern der ganzen Branche, daher sei gegen unlautere Werbung vorzugehen. So habe ein großer Zahnpastahersteller mit erfundenen Fakten seine Produkte beworben, die Gegenpropaganda war, dass Autoritäten aus dem medizinischen Bereich informierten, was Zahnpasta leisten kann und was nicht. Auch sei eine Preisschlacht nicht zielführend, da am Ende kein Unternehmen mehr Gewinn erzielen könne.

Für die politische Propaganda lehnt Bernays ab, dass Politik sklavisch nach der Meinung der Allgemeinheit gestaltet wird. Es läge an der Politik, die Themen zu gestalten und die Wählerschaft für diese zu gewinnen. Dass dabei an Gefühle appelliert wird, lehnt Bernays nicht ab.

Abgerundet wird, wie PR in den Bereichen Bildung, Soziales, Gesundheit, aber auch Kunst dazu beitragen kann, eine bessere Welt zu gestalten. Vor allem da sie meist nicht gewinnbringend, jedoch notwendig sind, müssten sie durch Öffentlichkeitsarbeit unterstützt werden.

Viele Beispiele Bernays' in diesem Buch sind aus seiner eigenen Tätigkeit als PR-Berater entnommen, ohne dass er sich selbst in den Mittelpunkt stellt. Es werden keine Ich-Botschaften vermittelt, sondern es werden neutral Beispiele vorgestellt, wie eine erfolgreiche PR gestaltet werden kann.

Interessanter Fakt aus dem Leben Bernays': Als er durch medizinische Forschungsergebnisse zur Überzeugung kam, dass Tabakkonsum der Gesundheit schade, stellte er jede PR-Beratung für die Tabakindustrie ein.


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26.07.2026 um 00:06
Zitat von NarrenschifferNarrenschiffer schrieb am 20.07.2026:Hitler als Redner (Schwerpunkt: Seine erste Rede im Münchner Zirkus Krone)
Für die Nazi Propaganda war auch technologischer Fortschritt wichtig. So wurde es erst in den 20ern möglich, Reden über Mikrofon und Lautsprecher über weite Strecken zu übertragen, was Hitler ausgiebig genutzt hat. Hitler war der erste moderne Redner mit enormer psychologischer Wirkung. Später kam das Radio und die Wochenschauen hinzu.
Vorher haben die großen Rhetoriker, z.B. in der Antike nur vor kleinem Publikum gewirkt.


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26.07.2026 um 13:44
Zitat von parabolparabol schrieb:Hitler war der erste moderne Redner mit enormer psychologischer Wirkung. Später kam das Radio und die Wochenschauen hinzu.
Gehetzt wurde unter anderem durch solche Zeitungen wie "Der Stürmer", wo sich oft rassistische Hetze mit "Humor" und Karikatur verband. Das erinnert an Trump, der seinen Rassismus oft als Gags vorträgt.
Die Nazi Wochenschauen wiederum präsentierten den Krieg als sensationelles Spektakel - Jahrzehnte vor CNN und Fox News.


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