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Gedichte aus aller Welt

360 Beiträge, Schlüsselwörter: Gedichte, Epik, Belletristik, Schiller, Homer, Goethe, Lyrik, Poesie, Literatur, Büchner

Gedichte aus aller Welt

26.01.2013 um 16:54

STILL VIELLEICHT

Wald macht sich zur nacht zurecht
Legt langsam sein grün ab, langsam

Traum eines vogels, einer wolke untergemischt

Wind redet wieder über die felsen
Wind spricht von allem, was er bereist und gesehn hat

Vielleicht fallen dieses mal wörter, sag ich
Strömt das verlangen der haut mit dem regen

Vielleicht irren gebetsrufe, tode im zeitpunkt
Wie dem auch sei, es blüht der abgetrennte arm eines kinds

Hey welt, kleiner und kleiner bist du in uns geworden

Pausenlos häuft sich der wortschlamm
am boden des sees
Verliert alles den laut, pausenlos

Gonca Özmen
(Türkei)



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Gedichte aus aller Welt

26.01.2013 um 16:55

HEB FÜR MICH AUF


Heb für mich auf die skulptur deiner füße.
Heb für mich auf die gebeugte blume in deinem topf.

Ich, ich bin in der not einer seite, die weiß ist
Stille häusereinöde in meinem gesicht

Ach, wen unter euch ich auch anschau: ein garten voll unkraut.
Geh ich hindurch, durch euch hindurch
eine lahmende, schleppende kutschfahrt in meinem kummer.

Heb für mich auf jene wunde darüber
Sterblich zu sein.

Ich, ich bin die zugzeit der vögel
Die schlange der bosheit, aufgezogen von euch.

Ach, diese seelenruhe aus lauter blödheit

Der wind brachte angst mit
Und legte sie zwischen uns hin.

Bring die stille zuende und fang wieder an.

Gonca Özmen
(Türkei)



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Gedichte aus aller Welt

26.01.2013 um 16:56

Vorahnung der Trauerweide
(Dem Literaten Tran Tien Cao Dang gewidmet)

Im Oktobersturm
lausche ich auf die Vorahnung der Trauerweide
Der Himmel ein Bogen, der Baumstamm ein Pfeil
Zitternd unter der Gewalt des Windes
Schussbereit, die Sehnsucht noch ohne Gesicht

Im Frieden der Februarsonne höre ich sie nicht mehr sprechen
Doch unterm Laubteppich regt sich schweres, zähes Leben
Das Geräusch der zuckenden Wurzel, Fleisch und Haut der Erde
Platzen mit magischer Kraft
Ursprung der klaren, grünen Vorahnung
Warten auf den Sturm ...

Nguyễn Hữu Hồng Minh
(Vietnam)



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Gedichte aus aller Welt

26.01.2013 um 16:57

Lied des Blutes

Dunkelheit erfüllt den Körper
Das Blut besingt das schwarze Meer
Ruhelose Strömung

Pulst um das Herz des Brückenkopfs
Überflutet die fünf Kontinente
Verstreute Knochenteile
Die Hauptachsen der Alleen

Das Antlitz des Mondes ist das Herz
Unter dem glühenden Sonnengesicht
Einsames Pochen

Friedlich schlafen die Verse
Im Blutschatten
Erheben dereinst ihre Stimmen
Einzigartig, unverdorben

Unter dem Geheimnis des Blutes
Verbergen sich die Verse
Erheben dereinst ihre Stimmen
Einzigartig, unverdorben

Nguyễn Hữu Hồng Minh
(Vietnam)



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Gedichte aus aller Welt

26.01.2013 um 17:00

Längs gehängt

Ich geh zum blauen Meer, seh überm Wasser die längs gehängten Fische
Ich geh in die Stadt, seh auf dem Platz die längs gehängten Köpfe
Ich geh durch den Bahnhof, seh die längs gehängten Züge
Ich geh schnurstracks in die Zukunft, seh die längs gehängten Masken

Ich geh zurück in die Vergangenheit, seh die längs gehängten Toten
Ich geh ins Theater, seh die längs gehängten Marionetten
Ich geh gegen die Tradition, seh die längs gehängten Reklamen
Ich geh mit der Moderne, seh die Rückkehr zum Ursprung, längs gehängt

Und ich weiß
Ich lebe und atme, eins mit Vietnam und dem längs gehängten Glauben

Eines Tages erkenne ich meinen Kopf, über den Zeilen hängend
Ich bin nicht stumm – warum spreche ich wie ein Tauber
Ich bin nicht das blaue Meer, das probehalber paar Köder hängt

Und meine Wörter werden gehängt, wieder und wieder gehängt
Drehn sich nicht mal um, wenn ich sie rufe
Machen dicht, vereitern, erblinden
Wie vom Tripper befallen

Nguyễn Hữu Hồng Minh
(Vietnam)



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Gedichte aus aller Welt

26.01.2013 um 17:06

WIE DIE WEGE DER HAND

Alte Worte von einer Laubhütte aus:

„ ...Neffen, wir wissen, in welchem Farmhaus der alaüla* Maiwamulia schlummert und wer in
der Abenddämmerung die 7 Melodien des Horns bläst, nahe der Anhöhe von Rhumá.

Neffen, wir finden blind zum weißen mütterlichen Friedhof, verloren in das Senken
von Palaashi*.

Wisst Ihr, Neffen, in welchen Gewässern sich die Körper der Fräulein von Flor de La Guajira
zur Frühlingszeit ergötzen und auch, wo die Pflanzen wachsen, um das Übel der „traumlosen
Augen“ zu kurieren?

Wisst Ihr, wo die Spuren des vom Weg abgekommenen Pferdes hinführen und wie die
Schritte des lächelnden Maulhelden sind?

Hört zu . . . wir kennen den Pfad, der zur Siedlung der Großmutter Aalapama führt, wo es den süßesten Maisschnaps von Wimpumüin* gibt.

Wir kennen den bevorzugten Platz von Wanetunai* (dem Einbeinigen), der die nächtliche Musik für das Herz des Pülowi* erfindet.

Habt ihr gehört des Durstes, dem Wegwind,
der unsere Füße formt und uns zum Pilger unserer Welt macht?

Wir kennen den riesigen Stein, wo sich die Träume der toten Wanderer versammeln,
um in den träumen der schwitzenden Lebenden fortzubestehen.

Wir wissen, wie neben den Kakteen, zwischen Turteltauben und Geiern, die Verlassenheit
und die Geselligkeit tanzen.

Wir wissen, an welcher Stelle des Universums unsere Mutter ihre Tränen verwahrt
und in welchem Nerv die Alten das Kinderlachen erhalten, um den Baum der Stämme
neu zu begrünen.

Aber wir wissen nicht ... wir wissen nicht , wer von weit her kommen wird, um die jungen Früchte
dieses gepriesenen Lebens auszutauschen ... jedoch werdet Ihr, Neffen, sie mit diesem Wissen empfangen.“



Vito Apüshana
(Kolumbien)



*
Alaüla: Traditionelle Autorität, Alter Mann, Großvater mütterlicherseits.
Palaashi: Westliche Flanke der Gebirgsgegend von Jalala.
Wimpumüin: Der nördlichste Teil von La Guajira.
Wanesutai (Wanetunai?): Gespenst in Gestalt eines Menschen mit nur einer sichtbaren Seite.
Pülowi: Weiblicher Geist des Mysteriums, verzauberte Frau.



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Gedichte aus aller Welt

26.01.2013 um 17:07

LEBEN – STERBEN

Wir wachsen, wie die Bäume, im Innern
der Spur unserer Vorfahren.
Wir leben, wie die Spinne, im Gewebe
des mütterlichen Winkels.

Wir lieben stets nah am Durst.

Wir träumen dort, zwischen Kashí und Kai*,
auf den Gütern der Geister.

Wir sterben, als würden wir weiterleben.

Vito Apüshana
(Kolumbien)



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Birkenschrei
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Gedichte aus aller Welt

27.01.2013 um 12:28
Oh, Orpheus

Uralt und seit Anbeginn weht der Wind
Tag und Nacht durch das Werden und Vergehen
Vorbei an Tod und Leben
in der Wüste, wo die Farben der Einsamkeit spielen
zwischen all den Dünen
summt die höchste der Welt davon
ihr Klagelied
und wie sie auf der alten Orgel spielt
zwischen Faust und im Locken nach Orpheus
Sandkorn für Sandkorn
Oh, Orpheus...
Ich will mich hinsetzen,
doch ich muss in Bewegung bleiben

bis die Ewigkeit mich mit ihrem Klang verweht

- B.M. Nessel -


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Gedichte aus aller Welt

27.01.2013 um 16:13

VIER LANGE MINUTEN

1
Vier lange Minuten
lachte eine Schwalbe im Schlaf (die Nächte sind kurz hier)
und murmelte, und sie schwitzte unter dem Flügel,
seufzte dann auf und flog fort, sie hatte wo zu tun.

– Mit ihren Halbkreisen schnitten die Wiedehopfe die Luft
– (Süden)
– Der Morgen, wie Quark war er, blieb ohne Datum
– (hienieden)

Vier lange Minuten
zeigte der Regen mal die Krallen, mal zog er sie ein,
und Tschwirik horchte: la-la,
ein Musikchen fiel von Blättern zu Blättern,
fiel und entglitt (verschwand).

– es wird Zeit, zu eröffnen, wer Tschwirik ist:
– er hat keinen anständigen Anzug.
– tik-tik, sagt ein Vogel, der andere zur Antwort: tschirik,
– also sag mal, was denkt die Tschwirka sich?


2
Aber die Sache ist die, dass Tschwirik kein Vogel ist.


3
Er will etwas aufschreiben,
da löst sich das Heft in Staub auf.
Drei lange Minuten,
und das Heft ist gewesen.

Zwei Minuten – ein zerfallener Wald:
Trödel, Staub, Blöße.
Eine Minute (nicht) brauchte der Berg,
seine Steile in den Teich zu vergießen.

Tschwirik selbst war die Minute.


4
Oh, Tschwirik, wenn ich, ein lächelnder Schatten scheu,
gleite in diese Welt, die wir für Fleisch und Blut einst erbauten (seltsam ist das)
und in die Hänge der Bäume mit ihrem von Borke umschlossenen Leben fliege
hinauf …

Oh, Tschwirka, denk nicht daran, dann verlassen wir diese Länder.

Oh, Tschwirik, sag: ehrlich?

Oh, Tschwirka, meine Tschwirka!

Das hörten die Vögel und begannen zu lachen: hi-hi.


0
Und dahin ist diese Minute,
und dahin ist jene Minute,
die dritte, die vierte,
die erste, die zweite.

Olga Martynova
(Russland)



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Gedichte aus aller Welt

27.01.2013 um 16:14

WER SPRICHT WAS

Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren
Sind Schlüssel aller Kreaturen
Novalis



1

Der Kalender sprach: Die Glut der herbstlichen Blätter!
Ist es nicht schändlich, so zu reden?
Er wiederholte: Ja. »Der blätterlosen«. »Herbst«. »Kiemen«.
Nein, nein – so sprach er, und der Wald sang: kiwitt.

Wenn das Kupfer des Hufs auf der Schlange einst durchschabt sich,
schwimmt zu dem Felsen ein ergrauter Fisch,
öffnet das lecke Maul und sagt (aber nicht zu mir),
was die Fische sagen, kommen sie zu sich an Land: – – –


2

Zum Raben sprach Gott: Spielen wir
»Blume«, »Falter«, »Novalis«?

Wenn nichts als Zahlen und Figuren
den Flugweg zeichnen der Kreaturen,
wer mißt die beflügelte Frist?

Soll ich den Papagein, den gelehrten, sagen:

»Blume«, »Falter« »Novalis«?
Die Figuren und Zahlen hängen doch
an dem Weiberreim »Schulterjoch«
ungeometrisch und ohne Zweck.

So, da haben die Papagein ihren Schreck.

Olga Martynova
(Russland)



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Gedichte aus aller Welt

27.01.2013 um 16:16

Durch das offene Fenster schritt der Duft von Flieder

Durch das offene Fenster schritt der Duft von Flieder –
ein Sommerhaus.

Ich denke an Tschwirik und an die Tschwirka–
sie bestimmten schon damals die Laute,
ohne etwas zu wissen oder zu bedeuten.

Ein Wolf sang drei Mal »Miau«,
eine Pendeluhr fraß die Minuten.
Ein Molf mang wrei Dal »Siau«,
die Minuten fraßen die Pendeluhr.

Netz, Ellbogen, Sandale,
Knöchel, Handgelenk, Schläger.

Tsch – tschw – tschwi
r – ri – rik
(so ruft die Tschwirka den Tschwirik)
die Minuten tropfen in das Kompott.

Ein Federball: ein Bogen oben + (wo bleibt er nur?) + ein Bogen unten.
Ein einziges Bein hat die Pendeluhr, hätte da wer gesagt.

Ich aber sage: am langen Hals (unten) ein Kopf – das ist der untere Bogen.

Und so hast du zusammen ein Sommerhausauge.

Denke dir, wir nehmen einen Kessel zum Beispiel:
Heute kocht Marmelade in ihm
und morgen schon Wäsche.
So ist es bei den Leuten:
Du gewöhnst dich an sie,
schaust dann – da sind sie Geflunker
und wehender Wiesenstaub.
(So sprach die Tschwirka).

Der Duft von Flieder schritt durch das Fenster hinaus,
das Zimmer blieb – allein, arrogant und dunkel,
wie ein Foto, hängt nicht an,
wie eine Pendeluhr, steht nicht auf, aber …

Und nur auf den Tapeten die Ewigkeit – schamlos, geblutet.

Olga Martynova
(Russland)



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Gedichte aus aller Welt

27.01.2013 um 16:19

Marokkanische Zustände


(1)
Ich weinte nicht
Mein Auge nur benetzt vom Wimpernschlag der Nelke
Im Morgentau erwachten die Gesänge
Trunken von Latifa
Mit dem Duft Kenitras, berauschend wie der Wein
Schon zu Beginn der Nacht
Reichte uns das Licht seine zarte Hand
Wir ritten auf der Stille, begleitet von zwei Vögeln
Sie sangen, während wir am Strand
Von Mahdìa landeten wie zwei Boote



(2)
Weiterhin bekräftigte Badr
Das Mädchen sei rein wie der Regen
Und er verschwand mit den Rai-Gesängen
Streute sie auf den Weg
Suchte im Haschisch
Den Eingang in die Nacht
Ich betrachtete ihn als er sang
Meine glückliche Welt



Ich stand hinter Latifas Mauer
Entlang der Freude
Malte aus dem Feuer einen Regenbogen
Und in der Flamme
Unser Gespräch



(3)
Einmal vergaßen wir uns im Gespräch
Es wurde uns zur Zuflucht und Familie
Zu Brunnen und Garten
Zum Mutterkraut
Und zum Ende der Zeit
Das wir verschoben oder vorzogen
Wie es uns gefiel
Wie oft an jenem Tag ließen wir zurück auf dem Feuer
Den Geschmack der Lippen und den Lidschatten



(4)
Ein Schwung Liebe
Und Ghasan brach die Stille des Morgentaus
Provozierte das Schweigen der Blüten.
Meine Stute streichelte sein Haar
Während sie meines betrachtete
Sie malte die Brücke zu mir
Dann hob sie ihn in ihre Arme
Und drückte ihn an ihre Brust
Sie schloss ihre Augen
Und provozierte meine Lust



(5)
Immer wenn der Sand
Die Abendschritte zählt
Und sein Tuch für die Sterne ausbreitet
Bereite ich die Glutschale, Weihrauch
Und lege mich zu ihm
Um in seiner Hand meine Kindheit zu lesen
Die den ersten Schritt
In die Wolken macht



Ich folge ihr unermüdlich
Sie stolpert, mir bleiben
Verzückung und Stille
In dem Augenblick erblickte er mich mit Latifa
Die Tränen der Stadt waschend

Bouzid Herzallah
(Algerien)



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Gedichte aus aller Welt

27.01.2013 um 16:19

Zwei Zustände und eine Eröffnung

1 – Erster Zustand
Als sie ihre Tür schloss
Öffnete ich der Wunde eine Heimat
Versank das Meer still in seinem Salz
Und trank seinen Sand leer
Seinen geschundenen Traum.
Und kein Wind vermochte das Meer
Noch aufzupeitschen

2 – Zweiter Zustand
Die beiden sind ineinander verschlungen, vermischt ihre Sicht
Die Angst und die Sehnsucht
Nach dem Beet meiner verletzten Liebe
Zerren heftig an mir.
Und ich stehe hier, gebrochen wie das Alter
Wie das Land umzingelt von den Gebeten des Verlusts.
Ich bin nicht der Prophet
Und meine Botschaft ist nicht wie seine.
Ich liebe
Und das ist die erste Sünde, die ich begehe
Ich spiele alle Formen des Endes durch
Und stoße am Ende auf den Anfang
Er führt mich zu meiner Seele
Ich habe keine Seele
Lasst ab von mir
Nur noch einen Traum habe ich
Tötet nicht in mir den Konflikt.
Die beiden sind ineinander verschlungen, vermischt ihre Sicht
Und das Meer weiß: mein Schiff
Verlor sein Segel.

3 – Eröffnung
Es ist der fliehende Augenblick.
Eine Welle flaut sachte ab
Bestimmt kommt sie morgen wieder
Vielleicht stürmisch.
Einer sagte:
Vielleicht geht die Sonne im Westen auf
Wie viele Jahre sind vergangen
Und ich sah nur ihr Licht
Ein Hauch von Lüge.


Bouzid Herzallah
(Algerien)



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Gedichte aus aller Welt

28.01.2013 um 07:43

Wurzeln fassen - Flügel schenken

"Sind die Kinder klein,
müssen wir Ihnen helfen,
Wurzeln zu fassen.
Sind sie aber gross,
müssen wir ihnen Flügel schenken."

(Aus Indien)



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Gedichte aus aller Welt

28.01.2013 um 16:06

Das Baumlos

Im Eichenwald von Bäumen
umrankt lagen wir
in der Dämmerung
schutzlos für eine Weile
auf dem herbstlichen Grund.
Da schlugen wir helle Wurzeln
und trieben Äste bis
Waldbäume aus uns beiden wurden
unter üppigem Laub.

Unsere Hybris verschwand
wie ein Vogel auffliegt.
Ich spürte das Fließen des Waldwesens
wie es zog durch uns
durch die Adern unsrer Astarme
die im Einklang warn mit dem Lebenssaft.

Die Bäume machten Kopfstände
als der Wind in sie stieß.
Sie steckten den Kopf in die Erde
beim Einfall des rauheren Wetters
und hielten ihre Wurzeln hoch
aus Trotz gegen den Winter.

Lass uns dem Beispiel der Mitbäume folgen
jetzt wo die Nacht naht
kopfunter uns in die Erde stellen
und unterm Blätterberg Küsse tauschen
heiter und schlicht
und der Schnee kitzelt sanft unsere Zehen.

Biddy Jenkinson
(Irland)



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Gedichte aus aller Welt

28.01.2013 um 16:07

Gischt

Wär ich die Brandung, würde ich mir deine Zehen
grapschen.
Ich würde deine Knöchel umgarnen mit dem Schaum des Sturms
ich würde deinen Fußstapfen weismachen, sie müssen vor den
Wogen fliehen
und eine Ladung Kräuselwellen
verpasste ich deinen Kniekehlen.

Wär ich die Ebbe, würde ich
pitschepatschen auf deine Knie.
Ich brächte deine Schenkel zum Hüpfen
und machte aus deiner Haut Hemden
grüne Hosen aus meiner Seide
ein Brecher über den Bauch
ein Schwall auf deine Schultern.

Wär ich das tiefblaue Meer, würde ich dir den Kopf verdrehen
mit Wildheit und Tanz deine Augen rauben.
Fluchtwucht die dich in die Tiefe
reißt
die Brust des Hafens geschwollen
zuneigungsgeneigt.

Denn der Tag ist hell, er ist himmelhell, ich bin mit
allen Wesen vereint
und kein Kormoran, schwarz auf Felsen
hockend, hätte Erlaubnis zu schlafen.
Anmutig bin ich, aufgewühlt und wenn die Sonne im
Mittag steht
tanzt inmitten des Seetangs der Tangschwengel lustige Tänze.

Biddy Jenkinson
(Irland)



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Gedichte aus aller Welt

28.01.2013 um 16:08

Dubhrois’ Harfe

Es brennen meine Instrumentensaiten
von der Berührung ihres Harfenisten
der Klang des Mittags bebt noch nach
in meinen Tönen während die Nacht vergeht,

die Nacht ist mild ganz ohne einen Hauch,
sie trägt das Zittern meiner Saiten,
so dass die Liebesschauer
als Schauer der Musik die Welt durchwehn,

bis Grashüpfer den Tiompán schlägt,
bis die Insektenbeine knacken,
bis Motte schüttelt ihren grauen Pelz,
bis Spinne an ihr Netzwerk schlägt.

Mein Herz gleicht einem Schallkörper
für alle Musikanten,
seit es der Fülle unseres Liebesstroms
und seiner Üppigkeit Raum schuf.

Dann wenn das Spinnenbein leicht
über die Fäden fährt,
stimmen auch meine Saiten sich,
um bald von dir berührt zu werden.

Biddy Jenkinson
(Irland)



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Gedichte aus aller Welt

28.01.2013 um 16:10

Bergesecho

Zeig dich! rufe ich, Zeig dich! gegen den Berg,
der endlos alle Tage durch die Zeit
seinen Blick von mir abwendet und einsam bleibt.
Zeig dich! ruft der Berg zurück…
Und diese Stimme ist noch nicht verklungen,
da kehrt unerbittlich das Schweigen zurück
und die uralte Spur grast auf den Felsen.

Remo Fasani
(Schweiz)



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Gedichte aus aller Welt

28.01.2013 um 16:11

Der Alarm

Der du gehst zur Erholung durch den Wald,
bleib’ stehen eine Weile: Sieh die Bäume,
die sterben und die schon gestorben sind.

Betrachte die ergrauten,
vom zähen Moos mumifizierten Stümpfe:
Uebersiehe sie nicht, die Todesbilder.

Dann schreie auf und flüchte nur vor ihnen.
Kehr' wieder zu den Menschen, den Verschlafenen:
Schlage, vielleicht reichts noch, schlage Alarm.

Remo Fasani
(Schweiz)



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Gedichte aus aller Welt

29.01.2013 um 16:13
LASS SIE NICHT EIN

Wie schön es ist
im Irrgarten deiner Illusionen,
wie gut es duftet
nach Phantasie und Sehnsucht,
die sich nicht begnügt
mit dem Möglichen.
Noch hat die Hitze der Entbehrung
sein üppiges Gras nicht verbrannt,
noch hat der Hagel der Enttäuschung
seine bunten Blumen nicht geknickt,
noch können die Bäume flüstern,
und ihre Früchte schmecken
nach ewiger Freude.

Laß sie nicht ein,
die ernsten, forschen Gärtner
mit den Sicheln und Heckenscheren,
den Sägen und Äxten,
die gerade Wege anlegen wollen,
damit niemand sich mehr in dir verirrt.
Sie wissen nicht, was Schönheit ist.

Laß nur jene in dein Labyrinth,
die Hoffnung in den Händen tragen
und Zärtlichkeit in ihren Augen,
die Tage nicht nach Stunden messen
und ihr Herz öffnen
dem Zauber hinter den Erscheinungen –
und dabei ganz vergessen,
den Ausgang zu suchen.

- Hans Kruppa -


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