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Gedichte aus aller Welt

360 Beiträge, Schlüsselwörter: Literatur, Gedichte, Lyrik, Poesie, Goethe, Homer, Schiller, Belletristik, Epik, Büchner

Gedichte aus aller Welt

27.11.2012 um 17:10

Abschied eines Freundes

Schon hast du, Freund, der letzten letzte Küsse
Auf nasse Wangen uns gedrückt;
Schon schon, beim Zaudern unentschloßner Füße,
Den schnellen Geist vorweg geschickt.

Für uns dahin! Doch nein, dem Arm entführet,
Wirst du dem Herzen nicht entführt.
Dies Herz, o Freund, einmal von dir gerühret,
Bleibt ewig, trau! von dir gerührt.

Erwarte nicht ein täuschend Wortgepränge,
Für unsre Freundschaft viel zu klein.
Empfindung haßt der Reime kalte Menge,
Und wünscht unausposaunt zu sein.

Ein feuchter Blick sind ihre Zaubertöne;
Ein schlagend Herz ihr rührend Lied.
Sie schweigt beredt, sie stockt, sie stammelt schöne,
Ums stärkre Wort umsonst bemüht.

Es winken dir beneidenswerte Fluren,
Nur unsers Neides minder wert.
Zieh hin! und find auch da der Vorsicht goldne Spuren,
Um dich besorgt, von dir verehrt.

Dort herrscht die Ruh, dort ist der Lärm vergangen,
Der hier noch Musen stören darf,
Seit Pallas gern, auf Friederichs Verlangen,
Die spitze Lanze von sich warf.

Gotthold Ephraim Lessing



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Gedichte aus aller Welt

27.11.2012 um 17:11

Abschied an den Leser

Wenn du von allem dem, was diese Blätter füllt,
Mein Leser, nichts des Dankes wert gefunden:
So sei mir wenigstens für das verbunden,
Was ich zurück behielt.

Gotthold Ephraim Lessing



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Gedichte aus aller Welt

27.11.2012 um 22:07

Hero

Lange schlummern ruhig all' die Meinen,
Stille atmet durch die Mitternacht;
Auf dann! Hero! auf und laß das Weinen!
Dank euch, Götter! Heros Mut erwacht.
Fort ans Meer! ans Meer! es schäume die Welle,
Brause der Sturm mir immer ins Angesicht!
Fort ans Meer! ohn' ihn ist alles Hölle -
Liebe ängstet mich Arme - Sturm und Welle nicht.

Ruhig will ich da hinüberlauschen,
Wo sein Hüttchen über Felsen hängt,
Rufen will ichs in der Woge Rauschen,
Wie sein Zaudern seine Hero kränkt.
Ha! da wird er sich mutig von seinem Gestade
Stürzen, Posidaons Kraft ihm Liebe verleihn,
Lieb' ihn leiten des Meeres furchtbare Pfade,
Götter! wie wird - wie wird uns wieder sein?

Aber Himmel! - wie hoch die Wogen schäumen!
So hätt' ich den Sturm mir nicht gedacht.
Weh! wie sie dräuend gegen mein Ufer sich bäumen!
Stärkt mich, Götter, in dieser ernsten Nacht! -
Nein! mir banget nicht um Tod und Leben -
Tod und Leben, wie das Schicksal will!
Liebe besieget die Schrecken, die um mich schweben,
Schlangengezisch, und Skorpionen, und Löwengebrüll.

Jüngling! sieben solcher Schreckennächte
Harr' ich deiner, zager Jüngling, schon,
Wenn mein Jüngling meiner Angst gedächte,
O! er spräch' Orkanen und Wogen Hohn.
Oder hätt' er den furchtbaren Eid gebrochen,
Spottet er meiner im Arm der Buhlerin -
Ha! so bin ich so leicht, so schön gerochen,
Leicht und schön gerochen - ich sterbe hier um ihn.

Aber weg von mir! du Donnergedanke!
Weg, das flüsterte mir die Hölle zu,
Daß mein Jüngling, mein Leander, wanke,
Nein! Geliebter! bleibe, bleibe du!
Wann ich dich in diesen Wogen dächte,
Deinen Pfad so schröcklich ungewiß,
Nein! ich will einsam durchirren die Schreckennächte,
Dein zu harren, Geliebter, ist ja schon so süß.

Aber horch! - o Himmel! - diese Töne -
Wahrlich! es waren des Sturmes Töne nicht -
Bist dus? - oder spielt die Narrenszene
Täuschend mit mir ein grausames Traumgesicht?
Götter! da ruft es ja wieder Hero! herüber,
Flüstert ja wieder die Stimme der Liebe mir her -
Auf! zu ihm, zu ihm in die Wogen hinüber,
Wenn er ermattete - auf! dem Geliebten entgegen ins Meer.

Sieh! wie im Tanze, stürz ich zu dir vom Gestade,
Liebe soll mir Posidaons Kraft verleihn,
Liebe mich leiten des Meeres furchtbare Pfade -
Götter! Götter! wie wird uns wieder sein!
Kämpfend über den Wogen will ich ihn drücken,
Drücken an Brust und Lippe mit Todesgefahr,
Ha! und sink' ich, so träumet mein Entzücken
Noch im Abgrund fort, wie schön die Stunde war

Aber Götter! was seh' ich? meinem Gestade
Schon so nahe? - Gesiegt! mein Held hat gesiegt!
Siehe! er schwebet verachtend die furchtbare Pfade
Mutig einher, vom Meere gefällig gewiegt.
Ha! er soll mich suchen - da will ich lauschen
Hinter diesem Felsen - Götter! wie schön!
Wie die weiße Arme durch die Welle rauschen,
Ach! so sehnend, so strebend nach Heros Ufer hin.

Aber Grauen des Orkus! Sterbegewimmer!
Grauen des Orkus! dort dem Felsen zu!
Wie? - so kenn ich diese Todentrümmer!
Wehe! wehe, also siegtest du? -
Aber weg! ihr höllische Schreckengesichte!
Täuschende Furien! weg! er ist es nicht!
So zerschmettern nicht der Götter Gerichte -

Aber dieses Lächeln auf dem Todengesicht -
Kennst dus? Hero! kennst dus? - Nimmer, nimmer
Spricht das tode Lächeln Liebe dir - (sie weint heftig)
Engelsauge! so ist erloschen dein Schimmer -
Blicktest einst so heiße Liebe mir.
Jüngling! erwecken dich nicht der Geliebten Tränen?
Nicht die blutige Umarmungen?
Jüngling! Jüngling! diese Todesmienen -
Wehe! sie töden mich! wehe! diese Zuckungen.

Und er dacht in seiner Todesstunde,
In der Kämpfe furchtbarstem noch dein -
Hero! stammelt' er noch mit sterbendem Munde -
Und so schröcklich muß sein Ende sein?
Ha! und diese Liebe überleben -
Ohne diesen Toden in der Welt -
Weg! vor dem wird Hero nicht erbeben,
Der zu diesem Toden die Einsame gesellt.

Wenig kurze schröckende Sekunden -
Und du sinkst an deines Jünglings Brust,
Und du hast ihn auf ewig wiedergefunden,
Ewig umlächelt von hoher Elysiumslust - -

Ha! ich habe gesiegt! an des Orkus Pforte
Anzuklopfen - nein! ich bin nicht zu schwach!
Hero! Hero! rief er, Götterworte!
Stärkt mich! stärkt durchs Dunkle mich! ich folge nach.


Friedrich Hölderlin



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Gedichte aus aller Welt

28.11.2012 um 22:26
Ist jetzt zwar kein direktes Gedicht ... aber trotzdem schön ...

Eisblumen


Der Tag fliegt eilig aus der Stadt
sie trinkt sich an den Schatten satt
und gibt ihr wahres Anglitz preis
die Pfützen schimmern schon wie Eis
Am Himmel glänzt ein Silberstreif
der Abend wandelt Tau zu Reif

Die Bleichheit die von unsren Wangen schneit
macht uns wie Engel schön
Sie sollten auf die Knie gehen und beten das
der Mond verhangen bleibt

Wir sind wie Eisblumen
Wir blühen in der Nacht
Wir sind wie Eisblumen
Viel zu schön für den Tag
Wir sind wie Eisblumen
Kalt und Schwarz ist unsre Macht
Eisblumen blühen in der Nacht

Der Morgen wandelt Reif zu Tau
der Tag macht alles Grell und Rau
Wir kleiden uns in Traurigkeit
doch geht der Tag kommt unsre Zeit
Wer leuchten will der flieht das Licht
der schaut der Nacht ins Angesicht

Die Bleichheit die von unsren Wangen schneit
macht uns wie Engel schön
Sie werden auf die Knie gehen und beten das
der Mond verhangen bleibt

Wir sind wie Eisblumen
Wir blühen in der Nacht
Wir sind wie Eisblumen
Viel zu schön für den Tag
Wir sind wie Eisblumen
Kalt und Schwarz ist unsre Macht
Eisblumen blühen in der Nacht

Eisblumen ...
Wir sind wie Eisblumen ...
Viel zu schön ...

Wir sind wie Eisblumen
Wir blühen in der Nacht
Wir sind wie Eisblumen
Viel zu schön ...
Wir sind wie Eisblumen
Kalt und Schwarz ist unsre Macht
Eisblumen blühen in der Nacht

(Songtext im original von "Subway to Sally" und als Coverversion von "Eisblume")


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Gedichte aus aller Welt

28.11.2012 um 22:33

Fro Welt, ir sult dem wirte sagen

Fro Welt, ir sult dem wirte sagen
daz ich im gar vergolten habe.
min groziu gülte ist abe geslagen,
daz er mich von dem brieve schabe.
swer ime iht sol, der mac wol sorgen.
e ich im lange schuldic waere, ich wolt e zeinem juden borgen.
er swiget unz an einen tac:
so wil er danne ein wette han, so jener niht vergelten mac.

"Walther, du zürnest ane not,
du solt bi mir beliben hie.
gedenke wie ich dirz erbot,
waz ich dir dines willen lie,
als dicke du mich sere baete.
mir was vil innecliche leit daz du daz ie so selten taete.
bedenke dich, din leben ist guot.
so du mir rehte widersagest, so wirst du niemer wol gemuot."

Fro Welt, ich han ze vil gesogen,
ich wil entwonen, des ist zit.
din zart hat mich vil nach betrogen,
wand er vil süezer fröiden git.
do ich dich gesach reht under ougen,
do was din schoene an ze schouwen wünneclich al sunder lougen.
doch was der schanden alse vil,
do ich dich hinden wart gewar, daz ich dich iemer schelten wil.

"Sit ich dich niht erwenden mac,
so tuo doch ein dinc des ich ger.
gedenke an manegen liehten tac,
und sich doch underwilent her,
niuwan so dich der zit betrage."
daz taet ich wunderlichen gerne, wan deich fürhte dine lage,
vor der sich nieman kan bewarn.
got gebe iu, frowe, guote naht, ich wil ze herberge varn.


Frau Welt, sagt dem Hausherrn

Frau Welt, sagt dem Hausherrn,
daß ich ihm alles zurückgezahlt habe.
Meine große Schuld ist beglichen,
er soll mich von der Liste streichen.
Wer ihm noch etwas zu bezahlen hat, der möge sich Sorgen machen.
Ehe ich ihm noch etwas schuldig wäre, würde ich mir eher beim Juden etwas borgen.
Er schweigt zu uns bis an jenem Tag,
an welchem er die Strafe austeilt, wenn jener nicht bezahlen kann.

"Walther, du bist ohne Grund zornig,
bleibe doch hier bei mir.
Erinnere dich, was ich dir erwies,
egal wie häufig du mich darum gebeten hast.
Mir tat es aufrichtig Leid, daß du das nur so selten tatest.
Erinnere dich, dein Leben war gut.
Wenn du bei mir wirklich aufkündigst, wirst du nie mehr frohen Mutes sein."

Frau Welt, ich habe zu gut gelebt,
es ist Zeit, daß ich mich entwöhne.
Deine Zärtlichkeit hat mich beinahe getäuscht,
denn sie gibt viele süße Freuden.
Als ich dich im rechten Lichte betrachtete,
da war deine Schönheit - ohne zu leugnen - in großer Wonne anzusehen.
Doch da war ebenso sehr die Schande
als ich deine Rückseite erblickte, daß ich dich immer tadeln werde.

"Wenn ich dich schon nicht mehr abhalten kann,
so erfülle mir doch noch eine Bitte.
Erinnere dich an manchen schönen Tag,
und sieh bisweilen her,
ohne, daß dir die Zeit langweilig wird."
Das tät ich außerordentlich gerne, wenn ich nicht deine Falle fürchten würde,
der niemand entgehen kann.
Gott schenke Euch, Herrin, eine gute Nacht, ich will ein Nachtlager aufsuchen.

Walther von der Vogelweide



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Gedichte aus aller Welt

28.11.2012 um 22:52

Palästinalied

1 Álrêrst lébe ich mir werde,
sît mîn sündic ouge siht
daz here lant und ouch die erde,
der man sô vil êren giht.
ez ist geschehen, des ich ie bat:
ích bin komen an die stat,
dâ got menischlîchen trat.

Nun erst lebe ich würdig,
seit mein sündiges Auge sieht
das reine Land und auch die Erde,
der man so viel der Ehren gibt.
Mir ist passiert, worum ich stets bat
ich bin an die Stätte gekommen,
wo Gott die Menschwerdung antrat.



2 Schoeniu lant, rîch unde hêre,
swaz ich der noch hân gesehen,
sô bist dûs ir aller êre.
waz ist wunders hie geschehen!
daz ein magt ein kint gebar,
hêre über áller engel schar,
wáz daz niht ein wunder gar?

Schöne Länder, reich und herrlich,
was ich von solchen bis heute gesehen,
so bist du ihrer aller Krone.
Was für ein Wunder ist hier geschehen!
Daß eine Magt ein Kind gebar,
erhaben über aller Engel Schar,
war das nicht ein vollkommenes Wunder?



3 Hie liez er sich reine toufen,
daz der mensche reine sî.
dô liez er sich hie verkoufen,
daz wir eigen wurden frî.
anders waeren wir verlorn.
wól dir, spér, kriuze únde dorn!
wê dir, heiden, dáz ist dir zorn!

Hier ließ er, der Reine sich taufen,
damit der Mensch rein sei.
Dann ließ er sich hier verkaufen,
damit wir Leibeigene frei würden.
Anderenfalls wären wir verloren.
Wohl Dir, Speer, Kreuz und Dorn!
Weh Dir, Heiden, das ist Dir ein Ärgernis!



4 Dô ér sich wolte über úns erbarmen,
dô leit er den grimmen tôt,
ér vil rîch über úns vil armen,
daz wir komen ûz der nôt.
daz in dô des niht verdrôz,
dâst ein wunder alze grôz,
aller wunder übergenôz.

Da er sich wollte unsrer erbarmen,
da erlitt er den grausamen Tod,
er, der Allmächtige, über uns so Armselige,
damit wir entkämen der Not.
Daß ihn das damals nicht verdroß,
das ist ein Wunder übergroß,
das aller Wunder, seinesgleichen nicht hat.




5 Hinnen vuor der sun ze helle,
vón dem grábe dâ ínne lac.
des wás der vater ie geselle
únd der geist, den nieman mac
sunder scheiden, éz sî ein,
sleht und ebener danne ein zein,
als er Abrahâme erschein.

Von hier fuhr der Sohn zur Hölle,
von dem Grabe, darin er lag.
Dabei war stets des Vaters Beistand
und der Geist, den niemand kann
gesondert scheiden, es soll eins sein,
klar und weiter als ein Schein,
so wie er Abraham erschien.



6 Dô ér den tuifel álsô geschande
daz nie keiser baz gestreit,
dô vuor ér her wíder ze lande.
dô huob sich der juden leit:
dáz er, hêrre, ir huote brach
und dáz man ín sît lebendig sach,
dén ir hant sluog unde stach.

Als er den Teufel dort geschunden,
wie nie ein Kaiser besser stritt,
da kam er wieder zum Land.
Da hob sich an der Juden Leid:
Daß der Herr ihre Bewachung brach
und daß man ihn dann lebend sah,
den ihre Hand schlug und stach.



7 Da nâch was er in dem e lande
vierzic tage, dô vúor er dar,
dannen in sîn vater sande.
sînen geist, der uns bewar,
dén sant ér hin wider ze hant.
heilig ist daz selbe lant,
sîn náme, der íst vor got erkant.

Danach war er in dem Lande
vierzig Tage, dann fuhr er dorthin,
woher ihn sein Vater sandte.
Seinen Geist, der uns bewahre,
den sandte er gleich wieder her.
Heilig ist eben dieses Land,
sein Name, der ist vor Gott anerkannt.



8 In daz lant hât er gesprochen
einen angeslîchen tac,
dâ der weise wirt gerochen
und diu witwe klagen mac
und der arme den gewalt,
den man hât mit in gestalt.
wol im dort, der hie vergalt!

Auf das Land hat er gesprochen
einen schrecklichen Gerichtstag,
an dem der Waise wird gerächt
und die Witwe Klage erheben kann
und der Arme gegen die Gewalt,
die man ihnen angetan hat.
Wohl ihm dort, der hier vergilt!



9 Únserre lántréhter tihten
fristet dâ niemannes klage,
wan er wíl dâ zé stunt rihten.
sô íst ez an dem lesten tage.
und swer deheine schulde hie lât
unverebent: wie der stât
dórt, dâ er pfánt noch bürgen hât.

Nicht wie unsere Landrichter täten
schiebt man da niemandes Klage auf,
denn er wird da sofort richten.
So wird es am letzten Tage sein.
Und wer irgendeine Schuld hier läßt
ungetilgt: Wie steht der da,
dort, da er weder Pfand noch Bürgen hat.



10 Ír lât iuch des niht verdriezen,
daz ich noch gesprochen hân?
sô wil ich die rede entsliezen
kurzwîlen und iuch wizzen lân,
swáz got wúnders hie noch lie,
mit der werlte ie begie,
daz huob sich dort und endet hie.

Ihr laßt euch dessen nicht verdrießen,
was ich bis jetzt gesprochen habe?
so will ich die Rede weiterführen
in Kürze - und euch wissen lassen,
was Gott an Wundern hier noch werden ließ
und für die Welt ins Werk gesetzt hat,
das hub dort an und wird hier enden.



11 Kristen, juden und die heiden
jehent, daz díz ir erbe sî.
gót, müeze éz ze rehte scheiden
durch die sîne namen drî.
al diu werlt, diu strîtet her:
wir sîn an der rehten ger.
reht ist, daz er uns gewer!

Christen, Juden und die Heiden
behaupten, daß dies ihr Erbe sei.
Gott müsse es zu Recht entscheiden
um seiner drei Wesenheiten willen.
Die ganze Welt, die streitet hierüber:
Wir sind an der rechten Seite.
Recht ist, daß er es uns gewähre!



12 Mê dann hundert tûsent wunder
hie in disem lande sint,
dâ von ich niht mê besunder
kan gesagen als ein kint,
wan ein teil von unser ê.
swem des niht genúoge, der gê
zúo den júden, die ságent im mê.

Mehr denn hunderttausend Wunder
sind hier in diesem Lande,
davon ich nicht mehr im einzelnen
sagen kann als ein Kind,
außer einem Teil von unserem Recht.
Wem dies nicht genügt, der gehe
zu den Juden, die sagen ihm mehr.



13 Vrowe min, durch iuwer güete
nu vernemet mine clage,
daz ir durch iuwer hochgemüete
nicht erzuernet, waz ich sage.
Vil lihte daz ein tumber man
misseredet, als er wol kann.
daran solt ir iuch nicht keren an .

Meine Dame, durch eure Güte
vernehmt nun meine Klage,
damit ihr durch euer hohes Gemüt
von dem was ich sage nicht erzürnt.
Vielleicht, daß ein ungeschickter Mann
schlechter redet als er könnte
daran sollt ihr euch nicht stören.

Walther von der Vogelweide



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Gedichte aus aller Welt

29.11.2012 um 18:56

Der Sommerregen

Wie milde säuselst Du, o kühler Regen,
Auf die verschmachtende, verbleichte Flur.
Dein längst so heiss, so bang erflehter Seegen,
Erfrischt die ganze seufzende Natur,
Und neu gestärkt erheben Gras und Bäume
Die matten Häupter in der Lüfte Räume.

Der Sonne Gluth schien alles zu verzehren;
Es welkte still dahin der Blumen Glanz.
Die Pflanzen neigten sich - ein allgemein Verheeren
Bedrohte selbst der Wälder dunklen Kranz,
Und brennend schien in ihrer dumpfen Schwüle
Die schwere Luft dem lechzenden Gefühle.

Da strömtest Du, aus höhern Regionen
Zur Labung freundlich uns herabgesandt,
Die kühlen Perlen, die in Millionen
Voll heissen Durstes trank das dürre Land.
Wie gute Geister wehen durch die Fluren
Der neuen Lust und der Erquickung Spuren.

So mildert gern den heissen Brand der Schmerzen,
Der uns im Lauf des Lebens oft versengt,
Der Thränen Thau, der sanft aus unsern Herzen
Das bittre Gift verschlossnen Grames drängt,
Und Lindrung bringen uns der Wehmuth Gaben,
Indem sie still den bangen Busen laben.

O netzt auch mir das Auge, das so dunkel
Nur öde Wüsten steinigt vor sich sieht,
Und dem der Hoffnung goldnes Sterngefunkel
In unerreichbar weite Ferne flieht.
Ach, wie der matten Flur ein frischer Regen,
Sind Thränen meinem kranken Herzen Seegen.

Charlotte von Ahlefeld



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29.11.2012 um 19:06

Bienenlos

Wir geben und der König nimmt,
wir sind zum Geben nur bestimmt,
Wir sind nichts weiter als die Bienen,
arbeiten müssen wir und dienen.

Und statt des Stachels gab Natur
uns eine stumpfe Zunge nur,
die dürfen wir nie unseretwegen
und nur im Dienst des Königs regen.

Hoffmann von Fallersleben



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29.11.2012 um 19:07

Bienchen, summ herum!

Summ summ summ!
Bienchen, summ herum!
Ei, wir thun dir nichts zu Leide,
Flieg' nun aus in Wald und Heide!
Summ, summ, summ!
Bienchen, summ herum!

Such' in Blumen, such' in Blümchen
Dir ein Tröpfchen, dir ein Krümchen!

Kehre heim mit reicher Habe,
Bau' uns manche volle Wabe!

Bei den Heilig-Christ-Geschenken
Wollen wir auch dein gedenken,

Wenn wir mit dem Wachsstock suchen
Pfeffernüss' und Honigkuchen.

Hoffmann von Fallersleben



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Gedichte aus aller Welt

30.11.2012 um 21:10

Die Mücke und der Vampir

Die Mücke ist gemeingefährlich,
und gleicht im Grunde dem Vampir.
Das Menschenblut ist unentbehrlich.
Ein Fluch beschimpft das 'scheue Tier'.

Sie fühlt sich überall zu Hause.
Der Schläfer, ein beliebtes Ziel.
Er schnarcht, dann zapft sie Himbeerbrause.
Die Arbeit ist ein Kinderspiel.

Wer noch nicht schläft, hört viele summen.
Und er verfällt in Großalarm.
Das Licht schreckt an, doch sie verstummen.
Sie nehmen ihn gern auf den Arm.

Und schlägt um Mitternacht die Stunde,
dann überlässt man das Revier,
und dann spendiert man eine Runde
gezapftes Blut für den Vampir.

Bis jetzt hat man sich stets geeinigt.
Der Schläfer träumt, und weiß es nicht.
Er wird in jeder Nacht gepeinigt,
bis morgens früh der Tag anbricht.

© Roman Herberth



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30.11.2012 um 21:12

Gespenster-Spiel

Im Garten der Toten fackeln im Wind
Leutlein, die gestorben sind —
Gespenster-Spiel!
Es weben am Beinhaus und huschen am Zaune
In Irrlicht-Laune
Die Schatten der Toten aus Gruft und Schacht.
Lautlos alle ...

Drei hüpfen auf närrischem Koboldbein
Im Rundgesang und im Ringelreihn
Rund um Flieder und Holder herum;
Springen wie Heuschreck' auf Marmelstein,
Werfen im Zickzack die Beine, die langen,
Halten sich fest und hüpfen und hangen,
Schließen den Reihen und wirbeln herum,
Purzeln und strampeln und lachen sich krumm —
Lautlos alle!

Zwei Schatten wandeln, gelassen und gut,
Und trinken des Vollmonds belebende Flut.
Sind wie Strahlen, die aufrecht gehn,
Bleiben am Tor hochragend stehn,
Heben die Hände langsamerweis,
Segnen das Städtlein: Greisin und Greis.

Sechs andere, hussa, nein, achte zumal,
Mädchenschatten, umtanzen den Strahl,
Der von der Linde ins Maigras fällt —
Hei, wie ist lustig die Mondscheinwelt!
Fliegen dann auf und suchen im Reich der Luft
Kinderplätze und himmlische Auen —
Keinem zu schauen,
Der nicht durchwallte die Pforte der Gruft.

Einer auch, muh wohl ein Spielmann sein,
Sitzt auf der Mauer und fiedelt allein.
Glühwurm-Laternchen umscheinen den Mann,
Gaukeln den Takt zu Fiedel und Geigen -
Ist aber seltsam Schweigen,
Da ihn mein Auge wohl schauen kann,
Aber mein Ohr mit Heben und Neigen
Nicht erhaschen das Mondscheingetöne.

Jetzt — schaut hoch! — o Glanz und o Glut!
Kommt einer hernieder groß und gut!
Kommt einer hernieder in Strahlenschöne!
Kommt wie ein Stern aus den Reichen der Luft,
Langsam und leuchtend — es schwirrt ein Ton —
Horcht auf: Der himmlische Sendling ruft!
Auf eines einsamen Wölkchens Thron
Steht er und ragt — eine Säule von Licht!
"Kommt her zu göttlichem Unterricht,
Seelen der Toten in Halm und Gesträuch,
Von hoch her bin ich gesandt zu euch!"
Da huscht es, da flüchtet und stößt sich
Die wirbelnde Schar wie ein Rauch — dann löst sich
Aus Busch und Zypresse jener und der
Und winkt und ermuntert: Her, kommt her!
Und zaudernd schleiert wie Wölkchengrau
Sich um den Sendling Mann und Frau;
Und zaudernd schwärmen wie Falter im Mai
In weiterem Kreise die Kinder herbei —
Bis alle wie Kirschbaumwipfel blühn,
Umlagernd den Lichtgeist, der stark und gut
Dem Dämmervölkchen aus eigener Glut
Funken spendet, die tropfend herniedersprühn.
Wie schlürfen sie durstig das goldene Wort!
Zu schimmerndem Eiland erblüht der Ort!

Es wächst und leuchtet, gesättigt von Kraft,
In Rosagewändern die Geisterschaft.
Noch eine, nur eine so lichte Kunde
Aus flammentropfendem Engelsmunde:
Und Hochhin steigt die durchleuchtete Schar,
Wie Frührotswölkchen, so leicht und klar,
Und steuert aus dämmerndem Mondscheinlande
Hinauf und hinüber nach reicherem Strande,
Wovon der Sendling Wunder spricht —
Hinauf und hinüber ins volle Licht!

Friedrich Lienhard



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Gedichte aus aller Welt

01.12.2012 um 21:25

Adams Opfer

Die schönsten Früchte, frisch gepflückt,
Trägt er zum grünen Festaltar,
Und bringt, mit Blumen reich geschmückt,
Sie fromm als Morgenopfer dar.

Erst blickt er froh, dann wird er still:
O Herr, wie arm erschein ich mir!
Wenn ich den Dank dir bringen will,
So borge ich selbst den von dir!

Friedrich Hebbel



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Gedichte aus aller Welt

01.12.2012 um 21:31

Trauerweide

1.

Es schneit und eist den ganzen Tag,
Der Frost erklirret scharf und blank,
Und wie ich mich gebärden mag -
Es liegt ein Mägdlein ernstlich krank.

Das Rosengärtlein ist verschneit,
Das blühte als ihr Angesicht,
Noch glimmt, wie aus der Ferne weit,
Der Augen mildes Sternenlicht.

Noch ziert den Mund ein blasses Rot
Und immer eines Kusses wert;
Sie lässt’s geschehen, weil die Not
Die Menschenkinder beten lehrt.

"Ich lieb’ auch deinen lieben Mund,
Lieb’ deine Seele nicht allein -
Im Frühling wollen wir gesund
Und beide wieder fröhlich sein!

Ich lieb’ auch deiner Füsse Paar,
Wenn sie in Gras und Blumen gehn;
In einem Bächlein sommerklar
Will ich sie wieder baden sehn!

Auf dem besonnten Kieselgrund
Stehn sie wahrhaftig wie ein Turm,
Obgleich der Knöchel zartes Rund
Bedroht ein kleiner Wellensturm!"

Da scheint die Wintersonne bleich
Durchs Fenster in den stillen Raum,
Und auf dem Glase, Zweig an Zweig,
Erglänzt ein Trauerweidenbaum!

2.

O Erde, du gedrängtes Meer
Unzähliger Gräberwogen,
Wie viele Schifflein kummerschwer
Hast du hinuntergezogen,
Hinab in die wellige grünende Flut,
Die reglos starrt und doch nie ruht!

Ich sah einen Nachen von Tannenholz,
Sechs Bretter von Blumen umwunden,
Drin lag eine Schifferin bleich und stolz,
Sie ist versunken, verschwunden!
Die Leichte fuhr so tief hinein,
Und oben blieb der schwere Stein!

Ich wandle wie Christ auf den Wellen frei,
Als die zagenden Jünger ihn riefen;
Ich senke mein Herz wie des Lotsen Blei
Hinab in die schweigenden Tiefen;
Ein schmales Gitter von feinem Gebein,
Das liegt dort unten und schliesst es ein.

Die Trauerweide umhüllt mich dicht,
Rings fliesst ihr Haar aufs Gelände,
Verstrickt mir die Füsse mit Kettengewicht
Und bindet mir Arme und Hände:
Das ist jene Weide von Eis und Glas,
Hier steht sie und würgt mich im grünen Gras.

Gottfried Keller



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Gedichte aus aller Welt

02.12.2012 um 11:59

Vergänglichkeit

Vergänglichkeit - I


Des Lebens Karawande zieht mit Macht
Dahin, und jeder Tag, den du verbracht
Ohne Genuß, ist ewiger Verlust.
Schenk ein, Saki! Es schwindet schon die Nacht

Vergänglichkeit - II


Weißt du, warum bei jedes Frührots Schein
Der Hahn dich schreckt durch sein eindringlich Schrein?
Weil wieder eine Nacht vom Leben schwand,
Und du schläfst sorglos in den Tag hinein.


Vergänglichkeit - III


Unter des Mondes wechselvollem Licht
Das Schicksal uns kein Morgenrot verspricht.
Drum trink im Scheind des Monds, denn mancher Mond
Blickt auf die Erde einst und sieht uns nicht!


Vergänglichkeit - IV


Geschlechter sind erglüht wie helle Funken,
Haben gelebt, geliebt, gehaßt, getrunken;
Sie leerten hier ein Glas und sind verlöscht,
Sind in den Staub der Ewigkeit versunken.


Vergänglichkeit - V


Die goldnen Lichter, die am blauen Weltrad gehn,
Haben sich viel gedreht und werden viel sich drehn.
Und wir, im ew´gen Kreislauf der Erscheinungen,
Kommen auf kurze Zeit, um wieder zu vergehn.


Vergänglichkeit - VI


Was hat die Weltrat nicht viel edles Blut vergossen!
Wie manche Blume welkt, die kaum der Erd´entsprossen!
Verlaß dich, Knabe, nicht auf deiner Jugend Glanz!
Wie manche Knospe fiel, ehe sie noch ward erschlossen!


Vergänglichkeit - VIII


Die Rose, die in meinem Garten stand,
Sprach: "Ich bin Joseph aus Ägyptenland."
"An welchem Zeichen", fragt ich, "kenn ich das?"
Sie sprach: "An meinem blutigen Gewand."

Vergänglichkeit - IX


Es hab ich denn von all des Lebens Plagen? - Nichts!
Von aller meiner Müh davongetragen? - Nichts!
Was nützt mir´s, daß ein Licht war, wenn ich verbannt?
Was nützt das Glas Djemschids, wenn doch zerschlagen? - Nichts!


Vergänglichkeit - X


All unser Leben und Streben - was taugt´s?
Und all unser Wirken und Weben - wer bracht´s?
Im großen Schicksalsofen verbrennt
So vieles Edle und Gute - wo raucht´s?


Vergänglichkeit - XI


Wenn längst wir nicht mehr sind, wird sich dies Weltrad drehn,
Wenn unsre Spuren längst im Sand der Zeit verwehn.
Einst waren wir noch nicht - und´s hat nichts ausgemacht;
Wenn einst wir nicht mehr sind - wird´s auch noch weitergehn.


Vergänglichkeit - XII


Was kann das Leben uns denn nun noch weiter frommen?
Was es uns etwa bringt, wird uns auch gleich genommen-
Wüßten die Ungebornen nur, wie wenig wir
Vom Leben ziehn - sie würden nicht erst kommen.


Vergänglichkeit - XIII


War einst ein Schloß, das bis zum Himmel ragte,
Vor dessen Mauern Königsstolz verzagte,
Auf dessen Trümmern klagt jetzt des Täubchens Ruf,
Der klingt, als ob´s nur wo, wo? wo, wo? fragte.


Vergänglichkeit - XIV


Ein Vogel saß einst auf dem Wall von Tus,
Vor ihm der Schädel König Keidawus,
Und klagte immerfort: "Afssus, afssus!
Wo bleibt der Glocken und er Pauken Gruß?"


Vergänglichkeit - XV


Der Töpfer in der Werktstatt stand
Und formte einen Krug gewandt,
Den Deckel aus eines Königs Kopf,
Den Henkel aus eines Bettlers Hand.


Vergänglichkeit - XVI


O Töpfer nimm dich etwas mehr in acht,
Behandle deinen Ton mit mehr Bedacht!
Du hast vielleicht den Finger Feriduns
Und Cyrus Hand mit auf dein Rad gebracht.


Vergänglichkeit - XVII


Einst schwebte dieser Krug, wie ich, in Liebesbangen,
In dunkler Locken Netz war er, wie ich, gefangen;
Und was am Hals des Krugs als Henkel du erblickst,
War eine Hand einst, die der Liebsten Hals umfangen.


Vergänglichkeit XVIII


Gestern zerschlug ich meinen Krug mit Wein
In meiner Trunkenheit an einem Stein.
Da sprach des Kruges Scherbe:"Wie bist du,
War ich, und wie ich bin, wurst du einst sein."


Vergänglichkeit - XIX


Was predigst du vom Fasten und vom Beten?
Statt zur Moschee laß uns ins Weinhaus treten,
Füll Krug und Becher, eh sie deinen Staub,
Khayyam, zu Krügen und zu Bechern kneten.


Vergänglichkeit - XX


O komm, Geliebte komm, es sinkt die Nacht,
Verscheuche mir durch deiner Schönheit Pracht
Des Zweifels Dunkel! Nimm den Krug und trink,
Eh man aus unserem Staube Krüge macht.


Vergänglichkeit XXI


Dort auf dem Wiesengrün, vom Bach umflossen,
Sind tausen prächt´ge Blumen aufgeschossen.
Tritt leise auf das Grün! Wer weiß, ob´s nicht
Aus einer Blumenwangigen Staub entsprossen!-


Vergänglichkeit - XXII


Wo aus der Erde Tulpen rot entsprossen,
Ist sicher eines Königs Blut geflossen.
Und wo ein Veilchen aus der Erde blickt,
Hat eins ein holdes Auge sich geschlossen.


Vergänglichkeit XXIII


Nimm an, dein Leben sei ganz nach Wunsch gewesen - was dann?
Und wenn das Lebensbuch nun ausgelesen - was dann?
Nimm an, du lebtest in Freuden hundert Jahr -
Nimm mein thalb an, es seien zweihundert gewesen - was dann?


Vergänglichkeit - XXIV


Und lebtest du dreihundert Jahr und drüber noch hinaus,
Aus dieser Karawanserei mußt du einst doch hinaus.
Ob du ein stolzer König warst oder bettelarm,
Das kommt an jenem letzten Tag aufs selbe doch hinaus.


Vergänglichkeit - XXV


Von allen, die den weiten Weg gemacht,
Hat keiner Nachricht noch zurückgebracht!
Laß nur nichts liegen in dieser Herberwelt!
Nie kehrt zurück, wer sich erst aufgemacht.


Vergänglichkeit - XXVI


Der Jugend Buch ist aus - und war doch kaum begonnen!
Kaum hat der Lenz geblüht, ist er auch schon veronnen.
Ich merkt´nicht, wie sie kam, noch wie sie flog davon,
Die holde Nachtigall, die Zeit der Jugendwonnen.


Vergänglichkeit - XXVII


O Zeltmacher, dein Leib gleicht einem Zelt,
Der Sultan Geist nur kurze Rast drin hält.
Und wenn der Sultan sich zum Aufbruch schickt,
Dann kommt der Tod und bricht es ab, das Zelt.

Omar Khayyam



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Gedichte aus aller Welt

03.12.2012 um 15:54

WAHRHEIT UND IRRTUM

Wahrheit und Irrtum.
Das Ja. Das Nein.
Beides „wächst“ doch.
Fixierung ist Wahn.

Und alles Denken
Verwandeln wir doch
Zur Sprache. Die aber ist
Funktion und selber
Kein Fixum.

All unser Suchen
Ins Drüberhinaus
„Ist“ ja schon
Dieses Drüberhinaus'
Funktion.

So ist unser Hier
Als unsre Gegenwart
Ebenso Zukunft
Wie Vergangenheit.

Dies aber
Als ein „Gesetz“
Oder ein Karma
Wär ja sich —
Wir aber wären dann nicht.

Oder wir wären
„Material“ —
Wessen? Ja den
Haben wir „gesucht“.

Dann aber erwachen wir
Und erkennen,
Daß wir uns selbst
Gesucht haben.

Auch erkennen wir,
Daß dieses Suchen
Flucht war. Wem
Enflohen wir?
Uns selbst.

Aber dann noch
Taucht auf vor uns
Im horizontlosen Meer:

Ich floh den,
Den ich fand —
Ich suchte den,
Den ich floh —

Ist das Kreis?
Da hilft uns die Spirale.

Denn den ich floh,
Der wuchs.
Und den ich suchte,
Der wuchs.

Und wo ich mich finde
(Oh der ich ja „bin“)
Wachs ich als Findender
Und als Gefundener.

Also auch ich
Kein Fixum —
Aber (denn ich
Als meine „Wirklichkeit“
Bin immer mich)
Eine IDENTITÄT.

Ich wache ja am Morgen auf
Als der von gestern
Und bin um eine Nacht
(Und von Nacht zu Nacht
Um einen Tag)
Anders und älter
Und doch derselbe —
Also nicht derselbe,
Kein Fixum,
Sondern..... ich selbst.

Soll ich nun meinen gestrigen Tag
Widerrufen? Soll ich nun
Meinen gestrigen Tag festnageln?

Seht doch: wollte ich heute denken
Um acht Uhr und eine Minute,

Um acht Uhr und zwei Minuten,
Drei, vier/fünf, sechs, sieben Minuten,
Um neun Uhr, zehn Uhr,
Und den ganzen Tag

Denken, was ich am vorigen Tag
Gedacht habe, soll ich Erinnerung
„Fixieren“, so vermöchte ich „vielleicht“

Zu leben heute den gestrigen Tag,
Aber ich vermöchte nicht,
Heute zu leben den heutigen Tag.

So müßte ich „versuchen“,
Heute zu leben den morgigen Tag?
Da ich aber doch nicht vermag,
Heute zu leben den gestrigen Tag,
So wohl auch nicht den morgigen.

Und doch lebe ich „heute“
Den gestrigen Tag,
Den morgigen Tag,
Und den heutigen,
Also alle drei.

Und nur lebe' ich „wirklich“,
Wenn ich das Heute und
Hier Nicht abtrenne vom Nachvorn
Und auch nicht vom Zurück.

Kein Festnageln —
Nicht das Geschehn
Ans Geschehne
(Also Fixierung)
Und nicht das Geschehn
Ans Ungeschehne
(Also Widerrufung).

Sondern „mich“ sein —
Das ist „treu“ dann.
Identität.

Von daher „wächst“ dann
Alles Vergangene
In alle Zukunft.
Und „Sinn“ zu suchen
Ist dann der WERT
Aller Erinnerung,
Alles Gewesenen,
Und wird so „reif“.

Otto zur Linde



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Gedichte aus aller Welt

03.12.2012 um 16:06

Die drei Raben

Die Großen seines Reiches ein König einst entbot,
Daß sie sein Leid beriethen und seines Herzens Noth.
Und als sie all versammelt, da hub der König an
Mit gramgebleichtem Scheitel, der jüngst noch blühende Mann:

"So seht ihr mich zerrüttet, der kaum noch durch die Flut
Die goldnen Kiele lenkte mit kühnem Seglermuth:
Aus dessen bleichen Zügen grinsend lauscht der Tod
Bin ichs der jüngst erobernd an Englands Küste gebot?

"Ich bin nur noch der Vecher, der einst den Wein enthielt,
So haben fremde Mächte mit meiner Kraft gespielt.
Ich bin, wer darf fichs rühmen? mir keiner Schuld bewust
Und könnte ruhig schlafen, denn lauter ist meine Brust;

"Doch stiegen mir drei Raben zu allen Zeiten nach
Mit heiserm Unheillrächzen, als tünd cs Tod und Schmach.
Ihr Schrei benimmt den Odem und sträubt das Haar empor.
Wo ich geh und stehe, da dringt es grell mir ins Ohr.

"Aus Tagen wurden Wochen, aus Wochen Monden gar,
Seit mich so eng umkreiset die nachtfarbne Schar.
Der Schlummer flieht mein Auge, der Knochen Mark zerrinnt,
Und geht das Jahr zur Neige, so bin ich des Todes Kind.

"Drum Wer mir sagen könnte, wer dieses Schreckgeleit
Um meine Schulter bannte und was davon befreit,
Den drückt ich an den Busen als meinen eignen Sohn,
Ich gab ihm meine Tochter und theilte mit ihm den Thron."

So sprach er, lange harrend, ob sein unselig Leid
Nicht Einer wenden möge-, doch Niemand gab Bescheid.
Da sprach ein fremder Degen zum Kanzler: "Wird mir nicht
Verweigert das Verheißne, so geb ich euerm Herrn Bericht."

Der Kanzler sprach zum König: "Es ist ein Weiser hier,
Aus fremdem Land gebürtig, doch edeln Stamms wie wir,
Der euch auf eure Frage vielleicht bescheiden kann,
Wenn ihm wird Wort gehalten wie Einem aus euerm Bann."

Der König drauf: „Ich sprach es von Allen, gelt es so:
Auch weiß ich, meine Mannen sind meines Willens froh.
Ist Einer unter ihnen, dem dieß zuwider ist,
So tret er vor und rede." Es schwieg eine lange Frist.

"So führe," sprach der König, "den weisen Fremdling her:
All meine Mannen bürgen für meines Worts Gewähr."
Und also sprach der Fremdling, als er im Kreiße stand:
Daß euch die Raben folgen, der Grund ist mir Wohl bekannt.

Es war einmal ein Rabe und eines Raben Weib
(Es klingt wie ein Märchen zum Kinderzeitvertreib):
Die hatten in dem Neste ein einzig Rabenei,
Das brütete die Rabin, da wurden der Raben drei.

Da hub sich in den Landen eine große Hungersnoth,
Daß Mensch und Vieh verdarben und lagen häufig todt.
Nun flog die alte Rabin nach Nahrung suchend aus
Und fand so viel des Aases und kam nicht wieder nach Haus.

Doch einst als auf dem Felde schon schmaler ward der Fraß,
Da sah der alte Rabe, daß bei dem jungen saß
Die alte Rabenmutter, als müst es nur so sein.
Da redete der Rabe ein ernstes Wörtchen darein:

"Du hast den Sohn verlaßen, da ihm die Speise Noth,
Und du die Fülle hattest, und jetzo war er todt,
Hätt ich ihn nicht erhalten mit Müh und großer Angst:
Nun sprich, mit welchem Rechte du sein Gemeinschaft verlangst?"

"Mit welchem Recht?" entgegnete die Rabin, "fragst du noch?
Die ich das Ei mit Schmerzen gebar, aus dem er kroch,
Die ich ihn ausgebrütet im Schweiß des Angesichts;
Dabei warst du ganz müßig und kümmertest dich um nichts.

"Doch hast zur Zeit der Fülle du ihm die Kost gebracht:
Daß du das können würdest, das hatt ich mir gedacht;
Drum kam ich auch nicht wieder, als es an Nichts gebrach.
Dein Recht ist noch im Dunkel, und mich belädst du mit Schmach?"

So stritten sich die Raben und heut noch währt der Streit.
Und weil ihr, Herr, als Richter gerecht und weise seid,
Wovon die Welt mit Ehrfurcht und mit Bewundrung spricht,
So folgen euch die Raben und heischen Spruch und Gericht.

Erkennt nun, wem der Eltern Gemeinschaft mit dem Sohn
Gebühre vor dem Andern, so stiegen sie davon.
"Wohlan denn," sprach der König, "wenn Ich entscheiden muß,
So sprech ich nach Gewissen und faße den Urtheilsschluß:

"Die Rabin, die den Jungen um schnöden Fratz verließ,
Wohl hatte Recht der Rabe, daß er sie von ihm wies.
Daß sie ihn auszubrüten viel Sorg und Müh gehabt,
Dafür hat sie der Anblick des Eientschlüpften gelabt.

"Drum soll die alte Rabin des Sohns verlustig gehn,
Der Vater, der ihn speiste, den Lohn an ihm ersehn."
Und kaum war seinen Lippen das Richterwort entflohn,
So flogen die drei Raben mit lautem Krächzen davon.

Ob euch dieß Wahrheit dünket, ob Dichtung, weiß ich nicht,
Doch kennt ihr selbst ein Zeugniss, das für die Wahrheit spricht,
Da man noch heut die Mutter, die weder säugt noch speist
Das Kind, das sie geboren, eine Rabenmutter heißt.

Da sprach der alte König: "O Weiser Mann, du hast
Von meiner Brust gehoben eine felsenschwere Last.
Nun athm ich wieder freier, mein Auge schaut empor
Und reizender und jünger kommt mir die Welt wieder vor.

"Ich will dem Himmel danken, daß er dich hergesandt
Und dir zum Erbe laßen die Leute wie das Land.
So komm in meine Arme, meine Tochter, die ist dein:
Du sollst an meiner Seiten ein gewaltger König sein."

Karl Simrock



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Gedichte aus aller Welt

04.12.2012 um 16:29

Insomnia


Stau călare
pe locul dintre ziua de ieri și ziua de mîine,
pe iapa asta care nu-mi aparține
mie, nu eu o țesăl
și nu eu o hrănesc.
E străină de mine,
nu-i din oraș
și nu avem amintiri comune,
dar mă ține cu forța pe spatele ei,
al nopții care a trecut
și al zilei care nu prea vrea să vină.
Visul m-a scuipat afară
cu putere
cu ură
ca pe un sîmbure
ca pe un copil nedorit.
Și-am ajuns pe spatele acesta lucios
de pe care alunec
ca de pe o mîzgă,
însă nu cad.
Noaptea se agață de mine,
e o boare cu dinți mici,
îi înfige în piele și acolo rămîne.
Durerea nu e mare, doar continuă.
Tocurile nu înțeapă încă cimentul,
tramvaiele nu taie în felii reci aerul,
faptele zilei de mîine încă se coc,
stau acoperite cu cearceafuri mari de pînză
ca expozițiile nevernisate.

Noaptea, salamul e scos din galantar
și pus la loc tainic.
Lumea și salamurile ei se mută noaptea
altundeva.
La fel prăjiturile, care sînt sufletul meu.
Ar trebui și eu să fiu în altă parte
- trupul o carcasă goală
un galantar golit de cu seară
un recipient pe care nimeni
chiar nimeni
nu vrea să îl fure.

|nsă visul m-a scuipat în afară.
Sînt aici.
|ntre ziua care a fost și cea care va să vină.
Visul m-a scuipat în afară
ca pe un sîmbure tare, amar.
L-am lăsat în pace.
Era un vis urît.
Sau eu eram urîta.
|ntre ziua de ieri și cea de mîine e un spațiu îngust
ca între dulap și perete.
Stau cu spatele
la soarele de ieri,
la frica de ieri,
și cu fața la ceva care încă nu vrea să se deschidă.
Pe aceeași spinare mîzgoasă pînă cînd
tramvaiele, tocurile, muncitorii primesc semnalul
și pornesc.

Svetlana Cârstean
(Romanian)

Schlaflosigkeit

Rittlings sitze ich
auf dem Platz zwischen dem gestrigen Tag und dem morgigen,
auf dieser Stute, die nicht
mir gehört, die nicht ich striegele
und nicht ich füttere.
Sie ist mir fremd,
sie ist nicht aus der Stadt
und wir haben keine gemeinsamen Erinnerungen,
aber mit Kraft hält sie mich auf ihrem Rücken
der Nacht, die vorbeiging
und des Tages, der nicht recht kommen will.
Der Traum spie mich aus
mit Gewalt
mit Hass
wie den Kern einer Frucht
wie ein ungewolltes Kind.
Und ich landete auf diesem schimmernden Rücken
von dem ich abrutsche
wie von einer Schicht Schlamm,
aber ich falle nicht.
Nachts klammert sie sich an mich,
ist eine Brise mit kleinen Zähnen,
die sie in die Haut schlägt und dann dort verharrt.
Der Schmerz ist nicht groß, er hält bloß an.
Die Schuhabsätze stechen noch nicht in den Asphalt,
die Straßenbahnen schneiden die kühle Luft nicht in Scheiben,
die Tagesgeschehen werden grade erst gar,
liegen mit großen Leinenlaken bedeckt,
noch nicht eröffnete Ausstellungen.

Nachts wird die Salami aus dem Schaufenster genommen
und an einen geheimen Ort gelegt.
Die Welt und ihre Salamis ziehen nachts
anderswo hin.
Genau wie die Kuchen, die meine Seele sind.
Auch ich müsste woanders sein
- der Körper - leere Hülle
ein am Abend ausgeräumtes Schaufenster
ein Behälter, den keiner
wirklich keiner
mitgehen lassen will.

Aber der Traum spie mich aus.
Hier bin ich.
Zwischen dem gestrigen Tag und dem, der kommen wird.
Der Traum spie mich aus
wie einen harten, bitteren Kern.
Ich ließ ihn in Ruhe.
Es war ein hässlicher Traum.
Oder ich war, was hässlich war.
Zwischen dem gestrigen Tag und dem morgigen ist ein enger Raum
wie zwischen Schrank und Wand.
Ich stehe mit dem Rücken
zur gestrigen Sonne,
zur gestrigen Angst,
und mit dem Gesicht zu irgendwas, das noch nicht aufgehen will.
Auf demselben schlammigen Rücken bis
die Straßenbahnen, Schuhabsätze, Arbeiter das Zeichen bekommen
und aufbrechen.

Svetlana Cârstean
(Rumänien)



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Gedichte aus aller Welt

04.12.2012 um 16:34

Tot és un immens buit

Tot és un immens buit
recordar voldria tants noms
que ja no retinc.

I la nit esdevé cada cop
més fosca, més misteriosa,

Amb l'encens espès de flors
esfullades, de nines esventrades.
De retaules vivents;

de terribles imatges
de pobles vençuts, de cossos
llençats dins fosses comunes.

I voldria tenir el do de poder
aplacar-ne el dolor.

De cridar sense fre
d'oblidar
tanta impotència.

Montserrat Abelló
(Spanien)

Alles ist eine gewaltige Leere

Alles ist eine gewaltige Leere,
Erinnern bräuchte so viele Namen,
die ich nicht mehr behalte.

Und die Nacht wird jedes Mal
dunkler, geheimnisvoller.

Mit dichtem Weihrauchduft entblätterter
Blumen, erschöpfter Pupillen,
lebender Gemälde;

von schrecklichen Bildern
besiegter Völker, von Körpern,
die man wegwarf in Massengräber.

Und ich hätte gern die Gabe,
den Schmerz zu besänftigen.

Hemmungslos zu schreien,
so viel Ohnmacht
zu vergessen.

Montserrat Abelló
(Spanien)



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Gedichte aus aller Welt

04.12.2012 um 21:31

Baldurs ErlösungBaldurs Erlösung

Als Baldur auf den Scheitern lag,
Vor Trauer erblich der lichte Tag.
Da ist von Hermodur dem Helden
Ein herrlicher Ritt zu melden.

Auf Odins Hengste, Sleipnir genannt,
Stob er hinab, vom Vater gesandt,
Den theuern Bruder zu lösen
Aus Helas Hause, der bösen.

Tiefe dunkle Thäler, all unerhellt,
Neun Tage ritt der göttliche Held:
Da hört er den Strom erbrausen,
Dahinter die Leichen Hausen.

Ueber die Brücke kam er gefegt,
Die stand mit glänzendem Golde belegt.
Modgudr bewacht da die Marke,
Vom Stamm der Iötune, die starke.

"Wer bist du?" fragt ihn die Riesenbraut,
"Und warum schallt dein Huf so laut,
Denn unter dir donnert die Brücke,
Ich fürchte, sie bricht noch in Stücke.

"Sie donnerte gestern nicht so sehr:
Da ritten Gestorbner fünf Rotten daher.
Auch hast du, ich bin ein Kenner,
Nicht die Farbe todter Männer."

Da sprach Hennodur: "Ich reite zu
Hel Baldurn zu suchen, ich hab es nicht Hehl.
Sahst du ihn reiten, den guten,
Hier über die Gjallarfluten?"

"Wohl sah ich ihn reiten," sprach die Maid,
"Mit ihm fünf Rotten als Todtengeleit.
Du kommst nicht zu Hel, mein Ritter:
Das wehrt ein goldenes Gitter.

"Doch willst dus versuchen, ich weiß den Weg:
Hier nördlich geht es zu Hels Geheg."
Da ritt er fürder, der Ritter:
Ihn hemmte lein goldenes Gitter.

Die Sporen gab er dem göttlichen Hengst
Und hinter ihm lag das goldene längst.
Da sah er Hel, die fahle,
Sein harrend stehn vor dem Saale.

"Ich biete dir herrliches Lösegeld
Für Baldur; ihn Nagt die ganze Welt,
Die Wesen beweinen ihn alle:
Entlaß ihn denn, Hel, deiner Halle." —

"Bewährst du mir was dein Mund gesagt,
Daß ihn die ganze Welt beklagt,
Ihn alle Wesen beweinen,
So fahr er heim zu den Seinen.

"Wenn aber Eines widerspricht,
Und wiß nicht klagen und weinen nicht,"
Sprach Hel zu dem Götterboten,
"So bleib er hier bei den Todten."

Die Antwort brachte Hermodur zurück;
Da lachte den Göttern goldenes Glück:
Sie hofften in Glasors Auen
Den Geliebten wiederzuschauen.

Da sandten sie Boten in alle Welt:
"Und Wem der Schönste der Asen gefällt,
Der laße die Thronen rinnen,
So mag er ihn wiedergewinnen."

Da weinte Mensch und Thier gemein,
In der Erde weinte Erz und Gestein,
Im Walde die Eichen und Fichten,
Sie weinten um Baldur den lichten.

Den guten Baldur beklagten laut
Das Meer und der Wind und die Windesbraut;
Ihn klagten in himmlischer Ferne
Die Sonne, der Mond und die Sterne.

Und Waßer und Feuer und Erd und Luft
Und Berg und Thal und Felsenschluft,
Der Tag mit Abend und Morgen,
Sie weinten um Baldur in Sorgen.

Sie weinten manchen Eimer voll
Und schickten zu Hel der Thränen
Zoll Und baten: "Nun thu so bieder
Und sende den Schönen uns wieder."

Da saß versteckt im Nergesschacht
Die störrische Riesin in ewiger Nacht.
Die wollte Baldurn nicht klagen:
Mit Höhnen begann sie zu sagen:

"Nicht im Leben und nicht im Tod
Frommte mir Baldur ein halbes Brot.
Behalte Hela die Beute:
Ich wein ihn nicht morgen noch heute."

So blieb der Gott in Hels Gewalt:
Doch kommt der letzte der Tage bald,
Dann soll die Welt sich erneuen
Und Baldur uns wieder erfreuen.

Karl Simrock



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Gedichte aus aller Welt

04.12.2012 um 23:38
Tag für tag
lege ich
mein Herz an die Kette
Lebensmüde
treibt mich
das Pflichtbewusstsein
durch ein Schattenland
mein Schrei
erstickt
im Würgegriff
des Schicksals
Ich buhle
nicht um deine Liebe
doch ich möchte
die Musik
anhalten
weil du mit einer Anderen tanzt


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