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Habt ihr Freunde/Verwandte/Bekannte, die Selbstmord begangen haben?

422 Beiträge, Schlüsselwörter: Suizid
Dawnclaude
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Habt ihr Freunde/Verwandte/Bekannte, die Selbstmord begangen haben?

04.02.2018 um 12:43
@Funzl
Glaubst du bei deinem fall dass das einfach nur pech war, weil du ungefähr die 10 fache Menge erlebt hast als der Durchschnitt?
Klingt jedenfalls extrem übel.


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Habt ihr Freunde/Verwandte/Bekannte, die Selbstmord begangen haben?

04.02.2018 um 12:43
Die Mutter eines Klassenkameraden hat sich damals dax Leben genommen.
Mein Schulfreund wohnte eine Straße weiter, ich hab ihn morgens immer abgeholt. Da er meistens noch im Schlafanzug war, wenn ich vor seiner Tür stand, hab ich oft mit seiner Mutter Schokocappucino getrunken, während er sich fertig machte.
An einem Morgen war sie nicht da. Er wunderte sich, dass sie weg war, der Hund jedoch zuhause geblieben ist. Er machte sich fertig, ich wartete alleine unten in der Küche und wir gingen zur Schule.
Sie hatte sich vor den Zug geworfen, litt wohl schon lange unter Depressionen.

Ein Cousin von mir hat sich auch vor den Zug geworfen. Mit 16 Jahren. Sein Fahrrad hat er noch sorgfältig vor den Schienen an einem Baum angeschlossen. Bis heute weiß niemand warum er das getan hat (meines Wissens nach, man redet nicht mehr über das Thema und es besteht kaum noch Kontakt)


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04.02.2018 um 13:01
Dawnclaude schrieb:Glaubst du bei deinem fall dass das einfach nur pech war, weil du ungefähr die 10 fache Menge erlebt hast als der Durchschnitt?
Klingt jedenfalls extrem übel.
Habe mir längst abgewöhnt darüber nach zu denken.


Ich habe auch längst nicht alles aufgezählt. Als ich 2000 mal in Friedrichsdorf / Hessen ( - ca. 20 KM von F-Furt a.M. weit weg ) für 4 Monate im Exil lebte, fuhr ich mehr oder weniger regelmäßig mit der S 4 nach Frankfurt rein. Da gab es einen Streckenabschnitt der in Fahrtrichtung Frankfurt auf der rechten Seite auf einer Länge von ca 1,5 KM dicht mit hohen Buschwerk bewachsen war.

In diesen 4 Monate Exil warfen sich auf diesen Abschnitt 4 Menschen vor die S-Bahn.

Notbremsung - in den Wagen hats gerappelt - dann kam eine Durchsage vom Triebwagenführer
" Wegen einer technischen Störung bleibt die S 4 bis auf weiteres stehen - bitte nach hinten durch gehen - die Türen bleiben vorerst verriegelt."

Seltsamer Weise klang es so als ob die Stimme "vom Band "kam.

Erst als die Einsatzkräfte vor Ort waren wurden die hintersten Türen geöffnet - und man konnte dort - wenn man den wollte - die S-Bahn verlassen und auf Busse umsteigen.

Nach vorne hin war alles abgeriegelt - man konnte also kaum bzw. gar nichts erkennen.


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04.02.2018 um 22:01
Die Mutter meiner Grossmutter hat sich erhängt und zwar zu einer Zeit, wo meine Grossmutter gerade mal 18 Jahre alt war. Sie hat vorher noch ihre Tochter, also meine Grossmutter, darum gebeten, ihr Konfirmations-Kleid schwarz zu färben. Im Falle, dass es vielleicht einmal einen Trauerfall gäbe, dass sie etwas zu Anziehen hätte und sie gebeten, es vor ihr zu tragen. Sie hat quasi meine Grossmutter im Trauerkleid gesehen, welches sie dann fuer ihre Beerdigung trug.

Meine Grossmutter war eine sehr starke, positive Frau, die dennoch unter dem Freitod ihrer Mutter ihr ganzes langes Leben gelitten hat.
Was ich nicht wusste war, dass mein Kind genau am Todestag meiner Urgrossmutter geboren wurde. Daraufhin war zumindest fuer die letzten 5 Jahre des Lebens meiner Grossmutter dieser Tag nicht mehr allein ein Tag der Trauer.
Ich bitte alle, die mit dem Gedanken an Selbstmord spielen, auch ernsthaft mal an ihre nahen Verwandten und Freunde zu denken, die mit diesem Verlust gegebenenfalls ihr Leben lang zu kämpfen haben.


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wunderstein
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04.02.2018 um 23:53
Ja und zwar eine ganze Menge. Meist waren es die besten und die liebsten. Kann ich schon gar nicht mehr alle aufzählen, es ist wie eine Seuche! Und immer ohne Vorwarnung und dann ist es passiert. Danach gibts leider kein zurück mehr. Vorher reden sie nicht drüber und danach kann man ihnen nicht mehr helfen.


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05.02.2018 um 12:32
@gruselich
Ich glaube wenn man den Schritt wirklich geht sieht man die Menschen um sich herum nicht mehr und nimmt nur noch wahr dass dies Leid welches man empfindet einfach aufhören muss.
Man quält sich weiter um die Verwandten nicht traurig zu machen. Das kann man irgendwann nicht mehr. Ich lebe seit ich denken kann mit diesen Gedanken, sie waren schon immer da.
Habe selber schon an den Schienen gestanden und habe noch drüber nach gedacht was passiert wenns nicht klappt und ich es überlebe, was tue ich dem Zugführer damit an. Ich bin wieder gegangen habe mir hoch prozentiges gekauft und mich gnadenlos weg gesoffen.
Wenn ich mal an dem Punkt sein sollte mag ich keinem damit Schaden zufügen denn die lebenden können nichts dafür.


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05.02.2018 um 12:45
3.14 schrieb:Wenn ich mal an dem Punkt sein sollte mag ich keinem damit Schaden zufügen denn die lebenden können nichts dafür.
Ich verstehe das in einer Hinsicht. Es geht nicht darum, andere zu verletzen. Nur wirst Du sicherlich nicht davon gehen koennen, ohne denen die dich lieben das Herz zu brechen.
Vielleicht kannst Du sogar mal darueber mit deinen Naechsten sprechen, wie Du Dich fuehlst. Ich wuensch Dir aufjedenfall, dass Du die Staerke hast, Dein Leben mit allen Herausforderungen, Niederlagen und Problemen anzunehmen.


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05.02.2018 um 12:53
gruselich schrieb:Vielleicht kannst Du sogar mal darueber mit deinen Naechsten sprechen, wie Du Dich fuehlst.
Das bringt rein gar nichts damit macht man ihnen nur Kummer und verstehen kann es eh keiner. Die sorgen dann nur dafür dass man in die Klapse kommt und geholfen wird einem da auch nicht.
Das schlimme ist immer wenn man denkt es geht bergauf kommt die nächste schippe oben drauf und das nimmt nie ein Ende. Der Gedanke dem zu entfliehen ist eben mal lauter mal leiser.
Und nicht immer hinterlässt man eine schmerzhafte Lücke, der Freitod meiner Oma war das erlösende Ende ihres Terrors den sie ausübte. Als ich davon hörte habe ich geweint aber nicht aus Trauer sondern Wut dass sie meiner Mutter diesen Anblick zugemutet hat. Deshalb würde ich es wo machen wo sich keine Menschenseele hin verirrt.


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05.02.2018 um 13:14
@3.14
Es tut mir wirklich leid, dass Du solche negativen Erfahrungen mit dem Gesundheits-system gemacht hast. Es ist halt ein System und keine echte Zuwendung, in dem Sinne, dass Dich jemand individuell da abholt, wo Du stehst. Sicherlich will auch kaum jemand zu 100 Prozent verstehen wollen, wieso bspw. ein junger, oder Erwachsener gesunder Mensch sterben möchte. Vor allem nicht, wenn es das eigene Kind ist, oder ein enger Familienangehöriger!

Ich kenne Dein individuelles Schicksal überhaupt nicht und kann ganz sicher auch keine Anti-Selbstmordberatung geben… Nur aus eigener Erfahrung sprechen. Ich habe vor einiger Zeit eine online und Telefon Therapie wegen eines bestimmten Problems gemacht. Da hat man Aufgaben bekommen, hauptsächlich schriftlicher Natur, auf die dann in der folgenden Session eingegangen wurde. Mir hat das sehr geholfen, weil ich mit jemanden reden konnte, jemand, der mir weder nahe steht, noch mein Problem schon ueber viele Jahre her kennt. Im Endeffekt hat mir es geholfen, einen hohen seelischen Druck abzubauen. Daher empfehle ich Dir, bitte nicht aufzuhoeren nach Hilfe zu suchen.
3.14 schrieb:Und nicht immer hinterlässt man eine schmerzhafte Lücke, der Freitod meiner Oma war das erlösende Ende ihres Terrors den sie ausübte.
Im Fall meiner Urgrossmutter war es nicht abzusehen und ein Schock für eine einfache Arbeiter-Familie, die es sowieso nicht leicht hatte (mein Urgrossvater hatte eine Beinamputation).


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05.02.2018 um 13:21
Ich stecke es einfach in Schubladen. Ändern wird sich nichts. Ich habs nicht getan bisher und ich glaube dabei wird es auch bleiben.
Dein Tipp ist lieb gemeint aber ich mag einfach nicht mehr reden, damit belastet man nur und zieht andere dann runter, reicht doch wenn man selber unten ist.

Es gibt eben viele Gründe warum Menschen aufgeben.
Door schrieb weiter vorne dass wenn man schon nicht entscheiden durfte ob man lebt so solle man wenigstens über das Ende bestimmen können. Dem stimme ich zu. Man sollte das frei entscheiden.


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05.02.2018 um 13:36
Ich finde es gut dass der TE nicht mehr hier ist.
Denn ich selbst war mal in der Situation wo ich selbst nicht mehr weiter wusste mit mir und wo es seitdem in einer gewissen Weise bergab geht mit mir.
Die Frage finde ich aber dennoch extrem persönlich und es geht ja eigentlich niemanden etwas an.


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05.02.2018 um 18:01
Meine beste Freundin hat letzte Woche versucht sich das Leben zu nehmen. Egal was sie belastet hat, wäre es ihr geglückt, wäre keiner in ihrem Umfeld damit klar gekommen und wir hätten uns mit noch schlimmeren Schuldgefühlen als wir die jetzt schon haben, gequält.


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06.02.2018 um 10:44
...in einer Gesellschaft in der sich jeder selbst der Nächste ist und miteinander reden verlernt wurde, oder als nicht mehr wichtig erachtet wird, sind solche anonymen Threads im Internet die einzige Austauschform die dazu genutzt werden kann, um über eigene Erfahrungen zu schreiben.

„Hier kennt mich keiner, hier kann ich schreiben was mich bedrückt und niemand wird im Reallife mit den Fingern auf mich zeigen und über mich urteilen.“

Man sucht eine Gemeinschaft im Anonymen und in diesem Fall gibt’s meines Erachtens kein „zu persönlich“ mehr. Ob das jetzt gut oder schlecht ist sei mal dahingestellt.

Für mich ist die Entscheidung seinem Leben ein Ende zu setzen egoistisch. Liegt wahrscheinlich auch daran, dass ich von so einem egoistischen Handeln betroffen bin.

Jemanden Vorwürfe machen, weil er sich Gedanken darübermacht, über sein Ableben zu bestimmen, darüber kann man diskutieren, ich halte mich hier mit meiner Meinung zurück. Wahr ist jedenfalls, in den Kopf eines anderen kann man nicht hineinsehen und dadurch braucht man sich die Schuldfrage nicht stellen. Meine Meinung.

Warum viele dieser Menschen mit Selbstmordabsicht nicht um Hilfe bitten, kann man sich so oder auch so erklären. Jeder hat seine eigene Antwort auf diese Frage. Oder auch nicht.

Ob ich einer Person mit dieser Absicht helfen könnte? Eher unwahrscheinlich, denn ich wüsste nicht mal wo ich bei diesem Problem ansetzten müsste, wahrscheinlich hätte ich nur die falschen Worte die absolut nichts an der Situation des anderen ändern würden. Menschen mit Selbstmordgedanken brauchen keine Floskeln die das Leben als Gut beschreiben.

Grundsätzlich müssen wir uns alle ändern, damit wir den Blick für den anderen uns gegenüber wiederfinden und dadurch das anderen Zuhören wieder mehr an Wert gewinnt.

Chase


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06.02.2018 um 19:49
ja, mein Bruder vor wenigen Jahren und er fehlt mir jeden Tag...er hat sich auf Grund einer psychischen Erkrankungen das Leben genommen und ich bin mir sicher, dass er keinen anderen Ausweg mehr sah, denn er hat uns sehr geliebt und wir ihn auch. Ich denke, dass er nicht länger Medikamente nehmen wollte, nicht länger immer wieder in die Psychiatrie wollte usw...insofern kann ich ihn schon verstehen aber ich denke immer, dass es noch andere Möglichkeiten gegeben hätte und wir wären ihm immer beigestanden...vielleicht sagt sich so etwas leicht, wenn man nicht mit so einer schrecklichen Erkrankung leben muss. Ich denke oft, wenn unsere Trauer um ihn sich auch nur ansatzweise so anfühlt , wie der Schmerz, den er in der Seele hatte, dann hat er diese Ruhe jetzt verdient. Diesen Gedanken kann man aber nur ab und an zulassen, zumeist überwiegt auch nach einiger Zeit immer noch die Verzweiflung und das Entsetzen.
Ich gehe in eine Selbsthilfegruppe und kann sagen, dass dort Leute aus allen Schichten sind, die um Geschwister, Kinder, Partner und Freunde trauern.


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06.02.2018 um 23:05
Mein Vater hat sich ertränkt als ich 12 war.
Heute würde man wohl sagen das er depressiv war und wohl anders keinen Ausweg gesehen hat. Irgendwie ist er mit der Wende und der anschließenden Arbeitslosigkeit nicht zurecht gekommen. Das ganze ist jetzt fast 25 Jahre her, aber irgendwie nehme ich meinem Vater das immer noch übel das er, meiner Meinung nach, den für sich einfachen Weg gewählt und seine Familie im Stich gelassen hat. Ich frage mich immer mal wieder was er mir in meiner Jugend hätte zeigen und/oder beibringen können, oder wie sich er, meine Mutter & Familie und natürlich auch ich entwickelt hätte.
Es tut nicht mehr weh, aber es ist schon eine verdammte Schande. Und er fehlt mir dann doch irgendwie.


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Chu
ehemaliges Mitglied

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Habt ihr Freunde/Verwandte/Bekannte, die Selbstmord begangen haben?

07.02.2018 um 08:18
Ich selbst hatte im näheren Umfeld (Familie, Freunde) "nur" drei Fälle von Suizid.
Allerdings arbeitete ich mal eine ganze Weile in einer Psychiatrie. Diese war extrem groß, sogar ein eigener Stadtteil, sodass Personalwohnungen auf dem Gelände standen, sowie Wohngruppen für das Klientel (offen/geschlossen) plus akutstationen und eine forensische Klinik.
Jedenfalls war es, wie man sich denken kann, ein sehr großes Gelände mit vielen Personen. Ab und zu schaute man dann morgens mit dem Kaffee in der Hand aus dem Fenster und sah dann genau auf die einzige Wiese, die Bäume hatte. Leider hingen dort ab und zu Leute dran. Ich sage euch, man gewöhnt sich wirklich an vieles, was recht erschreckend ist. Irgendwann lässt man es nicht mehr an sich ran, gerade bei Leiten, die man nicht kennt. Aber auch bei denen, die man betreut und daher Bezug zu hatte.


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07.02.2018 um 18:13
Ein Uropa von mir hat Selbstmord begangen. Er war so um die 60 damals. Soweit ich von meiner Oma weiß, ist er auf einen Baum gestiegen um zu ernten, dabei ist er wohl fehlgetreten und unglücklich auf den Rücken gefallen. Dabei haben sich Wirbel verschoben und haben auf die Nerven gedrückt.(seine Frau ließ ihn obduzieren) An machen Tagen hatte er solche Schmerzen das er den Putz von der Wand kratze. An anderen Tagen, tat ihm nichts weh. Dieses hin und her hielt er irgendwann nicht mehr aus und hing sich im Bad auf.


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Habt ihr Freunde/Verwandte/Bekannte, die Selbstmord begangen haben?

07.02.2018 um 21:42
Tatsächlich hat sich ein Großonkel von mir suizidiert, das war vor etwa einem Jahr. Er muss so Mitte 70 gewesen sein.

Ich hatte ihn zuvor seit bestimmt 15 Jahren nicht gesehen. Er war der Onkel meiner Mutter und immer ein recht zurück gezogener Kauz. Ist ausgewandert und hat alleine in einer abgelegenen Umgebung mit mehreren Generationen von Hunden gelebt, die er züchtete und so irgendwie ein bisschen Geld verdiente. Hat aber auch Selbstversorgung betrieben. Als ich ihn das letzte Mal gesehen habe, hat er für uns eine Ziege geschaltet und meine Mutter voll zur Schnecke gemacht, weil sie das Tier nicht essen wollte, das sie zuvor lebend gesehen hatte.

Meine Mutter war es auch, die angerufen wurden als einzige Verwandte, da war er schon mehrere Monate tot. Irgendwer hatte irgendwo ihre Nummer gefunden und gedacht, man müsse die Angehörigen in der alten Heimat des Mannes informieren.

Er hat eine Art Abschiedsbrief hinerlassen, allerdings ohne Adressaten, er war nicht an sie gerichtet und auch vollkommen unsentimental. Darin stand wohl, dass er "genug habe und sich alt genug zum sterben fühle". Er wollte wohl im Alter nicht auf einmal damit anfangen müssen mit anderen Menschen zusammen zu leben. Vermögend war er nicht und er hätte wohl seine Umgebung verlassen müssen, hätte er irgendwelcher Pflege bedurft.

Er ist anonym beigesetzt worden. Abgesehen davon, dass er sich darum nicht gekümmert hatte, hatte er das als Wunsch verfügt.

Ich habe ihn als Kind nicht besonders gemocht bei unseren sehr seltenen Begegnungen. Er konnte nicht gut mit Kindern und hat sie genauso schroff behandelt wie Erwachsene. Ich hatte Jahre nicht an ihn gedacht und hätte es vielleicht auch nie wieder, wenn meine Mutter das nicht neulich erzählt hätte.

Aber dieses Leben, was er so komplett selbstbestimmt gelebt hat, ohne das Bedürfnis zu haben sich irgendwie vor anderen Menschen darzustellen, das hat mich jetzt im Nachhinein sehr beeindruckt. So uneitel und frei. Auch sein Tod war ohne jede Theatralik. Er hat alles in seinem Leben nur für sich getan. Egoistisch, aber ohne jemanden zu schaden, oder zu verletzen.

Ich empfinde keine Trauer, weil ich ihn ja nicht wirklich gekannt habe. Einen Moment lang hatte ich- der ich wohl nicht so uneitel bin, wie er es wohl war- gedacht, ich hätte es verpasst ihn kennen zu lernen. Hätte ihn besuchen können; was wäre das für eine Begegnung gewesen, vielleicht hätte ich irgendeine Art Weisheit daraus erfahren- um im nächsten Moment darauf zu kommen; der hätte gar kein Interesse daran gehabt mich kennen zu lernen. Vermutlich hätte er auf Nachfrage sogar gesagt, dass er froh ist, nichts von uns oder irgendwem zu hören. Das wollte er ja anscheinend so.


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BossMeng
ehemaliges Mitglied

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08.02.2018 um 13:42
Ja leider.

Eine wirklich gute Freundin von mir, die eigentlich sehr lebensfroh war, hatte tatsächlich innere Zweifel. Zudem kam später noch Depression dazu, da sie Frust und Ärger angesammelt hatte.

"Die wirkliche Stärke besteht darin, Innen UND Außen stark zu sein"


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08.02.2018 um 19:20
CICADA3301 schrieb am 05.02.2018:Ich finde es gut dass der TE nicht mehr hier ist.
Denn ich selbst war mal in der Situation wo ich selbst nicht mehr weiter wusste mit mir und wo es seitdem in einer gewissen Weise bergab geht mit mir.
Die Frage finde ich aber dennoch extrem persönlich und es geht ja eigentlich niemanden etwas an.
Ich war erst erschrocken, als ich deinen ersten Satz gelesen habe aber ich denke, dass du es anders gemeint hast als ich es verstanden habe....meinst du, weil das Thema Menschen mit Suizid-Gedanken "triggern" könnte?
Antworte einfach, wenn es für dich passt....sollte dich das Thema zu sehr belasten und du willst nicht antworten, kann ich das auch verstehen.

@all...jede Geschichte hier ist für sich sehr tragisch und berührend, es ist einfach eine schreckliche Sache


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