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Die verdammte, existenzielle Angst

24 Beiträge, Schlüsselwörter: Angst, JOB, Arbeitslosigkeit, Arbeitswelt, Midlife Crisis

Die verdammte, existenzielle Angst

18.07.2019 um 19:33
wie geht ihr damit um? Verdrängt ihr all die Probleme und Sorgen, die sich in einem Leben wie dem in einer Hochleistungsgesellschaft wie Deutschland auftun können?

Ich bin über 40, verheiratet, keine Kinder (immerhin...) - aber wenn man sich Sorgen um den Job macht; wie es weitergehen soll... dieses beschissene, erdrückende Gefühl in einem idiotischen Hamsterrad dahinzuvegetieren... wie die Tage ineinander verschwimmen... Montag bis Freitag der selbe Trott. Und wozu?

ich weiß, ich klinge wie ein Teenager; aber vielleicht ähneln sich diese Fragen in der Midlife-Crisis...

Kann es das schon gewesen sein? Nochmal ein paar Jahrzehnte irgendwelche Jobs machen? Hätte ich blos was anständiges gelernt.

Ich lebe mit meiner Frau sowieso schon sehr minimalistisch und begnügsam. Ich kann und will - und muss - überhaupt nicht Vollzeit arbeiten. Wozu? Um dann auf dem Sterbebett zu bereuen, dass ich mein Leben vertan habe.

Einsichten: Fünf Dinge, die Sterbende am meisten bedauern
"Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben" ...
"Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet" ...
"Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken" ...
"Ich wünschte mir, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden aufrechterhalten"

Wem geht es hier ähnlich? Was kann man(n) tun?

Manchmal fühle ich mich total fehl am Platz in dieser Plastikwelt; mit dem Auto zur Arbeit fahren. Dort ständig Besprechungen, Berichte schreiben, vor Bildschirmen sitzen... und Abends zu Hause dann Netflix und co.

Aber so ein Aussteiger-Öko-Hippie bin ich dann auch nicht...

ich weiß, ich weiß... FIRST WORLD PROBLEMS! Luxusprobleme! "Oh, dem feinen Herrn sind die Arbeitszeiten nicht gut genug. Ja, hätten sie noch was extra auf dem Silbertablett?"

Was tun?


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Die verdammte, existenzielle Angst

18.07.2019 um 20:00
Starkiller69 schrieb:Was tun?
Weniger Zeit für andere, mehr Zeit in dich investieren.


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Die verdammte, existenzielle Angst

18.07.2019 um 20:06
Naja, mach mehr von dem was dir Spaß macht. Du kannst auch ein Sabbatical Jahr frei nehmen von der Arbeit. Oder Studieren mit einem Selbsterhalter Stipendium.
Oder einfach freinehmen. Das immerhin ist ja schonmal eine gute Voraussetzung


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Die verdammte, existenzielle Angst

18.07.2019 um 20:09
Ehm tolle Geschichte.
Und was ist das Ende deiner Geschichte?

Hast du das so deiner Frau gesagt?

"Ich habe das Gefühl das ich mit dir nur noch das gleich Erlebe"
"Ich habe das Gefühl das Gefühl total fehl am Platz in unserer Familie zu sein"
"Ich habe das Gefühl das meine Probleme fehl am Platz sind"
"Ich habe das Gefühl das ich meine Gefühle nicht ausdrücken kann"
"Ich habe das Gefühl nichts mehr zu fühlen"
"Ich habe das Gefühl alleine zu sein"
"Ich habe das Gefühl dahin zu wegetieren"
"Ich habe das Gefühl mein Leben zu verschwenden"
"Ich habe das Gefühl alles verdrängen und vergessen zu müssen"

Und so weiter und so fort.
Du hast doch alles in dir.
Du musst es nur deiner Frau, sprich einer vertrauten Person, mitteilen.

Wenn du nicht anfängst GENAU das deiner Frau zu kommunizieren, wie soll Sie dich verstehen?
Wie soll dich überhaupt jemand verstehen wenn du nur in deinen Gedanken lebst?
Es ist nicht möglich ohne das du nicht damit anfängst.
Normalerweise wird ein Partner darauf einsteigen und dieses natürliche Spiel mitspielen.
Und so wird eure Beziehung, Verbindung , stetig tiefer und wachsen.


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Die verdammte, existenzielle Angst

18.07.2019 um 20:12
Starkiller69 schrieb:Was tun?
Nun, mal ganz lapidar gesagt das wonach Dir einfach gesinnt.
Ist natürlich immer leichter gesagt als getan, ganz klar.
Starkiller69 schrieb:Verdrängt ihr all die Probleme und Sorgen, die sich in einem Leben wie dem in einer Hochleistungsgesellschaft wie Deutschland auftun können?
Nein, denn diese "Verdrängunstaktik" schiebt allgegenwärtige Probleme oder Sorgen nur vor sich her
ohne diesen wirklich entgegenzuwirken, geschweige sie zu lösen.
Starkiller69 schrieb:Ich bin über 40, verheiratet, keine Kinder (immerhin...) - aber wenn man sich Sorgen um den Job macht; wie es weitergehen soll... dieses beschissene, erdrückende Gefühl in einem idiotischen Hamsterrad dahinzuvegetieren... wie die Tage ineinander verschwimmen... Montag bis Freitag der selbe Trott. Und wozu?
Wenn Du Dich dermassen erdrückt fühlst in Deiner momentanen Situation warum änderst Du nichts dagegen?
Du hast keine Kinder, wohl aber eine Partnerin die Du wohl nicht ohne Grund geheiratet hast.
Sprich mit ihr, mach ihr klar das Du so wie es ist nicht weitermachen möchtest, sucht gemeinsam einen
Weg bei dem Eure Bedürfnisse gleichermaßen zur Geltung kommen.
Starkiller69 schrieb:Ich lebe mit meiner Frau sowieso schon sehr minimalistisch und begnügsam. Ich kann und will - und muss - überhaupt nicht Vollzeit arbeiten. Wozu?
Wenn ich sowas lese schwillt mir meistens der Kamm, Menschenskinder ihr wollt immer das Ganze seid aber
nicht bereit dafür auch 100% (oder mehr) zu geben.
So wird das nichts, glaub mir.
Starkiller69 schrieb:"Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben" ...
"Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet" ...
"Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken" ...
"Ich wünschte mir, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden aufrechterhalten"
Du bist 40 (oder etwas drüber) kein Grund in der Vergangenheit zu schwelgen oder verpassten Gelegenheiten
nachzutrauern, das hemmt nur.
Schau nach vorn und nicht zurück.


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Die verdammte, existenzielle Angst

18.07.2019 um 20:18
@Starkiller69
Ich fühle mich zum glück nicht mehr so, aber ich weiß was du meinst.
Starkiller69 schrieb:wie geht ihr damit um? Verdrängt ihr all die Probleme und Sorgen, die sich in einem Leben wie dem in einer Hochleistungsgesellschaft wie Deutschland auftun können?
Ich geh meine Probleme so an dass ich versuche dagegen anzugehen. Wenn ich zum beispiel das gefühl hab, dass das was ich gemacht hab nicht reicht sage ich mir zum beispiel, das ich mein bestes gegeben hab.
Starkiller69 schrieb:ich weiß, ich klinge wie ein Teenager; aber vielleicht ähneln sich diese Fragen in der Midlife-Crisis...
Ich empfand meine Jugend als einzige Krise, leute mit Midlifecrises haben auch eine Krise. Das sind sinnfragen die man in jedem alter stellen kann.
Starkiller69 schrieb:Kann es das schon gewesen sein? Nochmal ein paar Jahrzehnte irgendwelche Jobs machen? Hätte ich blos was anständiges gelernt.
Wenn du paar Jahrzehnte noch Jobs machen musst, dann kannst du kaum so alt sein dass es schon gewesen sein kann.

Es kommt nicht nur darauf an, was man mal gelernt hat, sondern wie man die Fähigkeiten einsetzt und ob man das was man leistet auch zu würdigen weiß.

Ausserdem gibt es meistens eine Steigerung nach oben, und je weiter unten man glaubt dass man ist desto mehr luft nach oben existiert.
Starkiller69 schrieb:Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben" ...
Wenn einem das erst auf dem Sterbebett kommt, dann hat man sich wohl nie gedanken über sich selber gemacht.
Starkiller69 schrieb:Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet" ...
Wie soll weniger Arbeiten funktionieren? Halbtagsjob?
Starkiller69 schrieb:Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken" ...
Wie soll das im Alltag laufen? Morgens auf Arbeit kommen und schreien, verdammt ich hab kein bock auf den Job ich brauch Uhrlaub.
Starkiller69 schrieb:Ich wünschte mir, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden aufrechterhalten"
Freunde sind meistens Gefährten auf zeit. Eine Freundschaft ist nicht weniger wert nur weil sie nach 5 jahren endete.
Starkiller69 schrieb:Manchmal fühle ich mich total fehl am Platz in dieser Plastikwelt;
Dass tuhen einige leute. Das merkwürdige an der Plastikwelt ist, dass sie nicht vielen Menschen hilft aber trotzdem nicht zu grunde geht.
Starkiller69 schrieb:ich weiß, ich weiß... FIRST WORLD PROBLEMS! Luxusprobleme! "Oh, dem feinen Herrn sind die Arbeitszeiten nicht gut genug. Ja, hätten sie noch was extra auf dem Silbertablett?"
Kann schon sein dass es ein First World Problem ist, aber es ist ein Problem dass viele Menschen belastet.


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Die verdammte, existenzielle Angst

18.07.2019 um 20:20
Starkiller69 schrieb:Montag bis Freitag der selbe Trott. Und wozu
Ich denke auch oft darüber nach, ob das Leben ohne diesen Trott lebenswerter wäre, aber was käme dann?

Womit würdest Du dich denn lieber beschäftigen, so ganz ohne Arbeit?


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3.v.l.
ehemaliges Mitglied

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Die verdammte, existenzielle Angst

18.07.2019 um 20:29
silberhauch schrieb:Womit würdest Du dich denn lieber beschäftigen, so ganz ohne Arbeit?
Man kann ja leider nicht ohne Arbeit, da man ja seinen Lebensunterhalt bestreiten muss. Ok, wenn man das Glück hat irgendwo in der Pampa aufgewachsen zu sein, und sich von der blanken Natur zu ernähren, kann man sich den gesellschaftlichen Anforderungen enteignen und die Natur erforschen

Weniger Geld, und dafür mehr Freizeit, wäre ein sinnvoller Kompromiss


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Die verdammte, existenzielle Angst

18.07.2019 um 21:16
Starkiller69 schrieb:und Abends zu Hause dann Netflix und co.
Da sehe ich ein großes Problem...da sitzt man zwar nebeneinander aber man schaut sich nicht an.
Verkauft den Fernseher, klingt doof, aber geht raus.


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aero
ehemaliges Mitglied

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Die verdammte, existenzielle Angst

18.07.2019 um 21:31
Die verdammte, existenzielle Angst...

...ist genauso wertvoll wie der "Ekel".

Beide warnen einen, zwar mit einem unangenehmen gefühl davor, nichts unbedachtes zu tun.

Die gefühle die man bei angst und ekel hat sind mmn deshalb so unangemehm, damit man in dem moment "wach wird", egal wie gut und sicher man sich fühlt.

Angst und ekel können aber auch unbegründet sein.

Wenn man zb. vor dem verspeisen eines regenwurms ekel empfindet kann man das in der heutigen gesellschaft verstehen, aber dieser ekel ist unbegründet.

Denn in der natur wenn es ums blanke überleben geht, könnten mir ein paar über einem feuer schmackhaft gar gegrillte regenwürmer das überleben sichern.

Giftig oder schädlich wäre das für den körper nicht.

Leider ist das für viele menschen in unserer gesellschaft aber so, das sie unbegründete ängste haben, und die können viel unkontrollierbarer und unangenehmer als ein ekel vor würmern sein, dem man viel schneller innerlich ausweichen kann.


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Die verdammte, existenzielle Angst

18.07.2019 um 21:45
@Starkiller69
Klingt nach einer handfesten Krise.
Öffne Deinen Blick, sprich mit Deiner Partnerin.
Wo steht ihr? Wo stehst Du z. B. beruflich? Welche Möglichkeiten hast Du?
Du fühlst Dich wie im Hamsterrad? Vielleicht ist Dein Arbeitgeber nicht der richtige für Dich. Wäre ein Stellenwechsel sinnvoll? Oder siehst Du die Vorteile, die Dein aktueller Arbeitgeber bietet schlicht nicht mehr?
Bist Du an der Stelle, an der Du beruflich bist falsch? Oder ist es im Grunde schon die Tätigkeit, die Du beherrschst, in der Du gut bist? Die Dir irgendwann mal Spaß gemacht hat? Weil es lief, ein reger Austausch mit Kollegen herrschte, etc.? Was hat sich geändert?

Es gibt einfach unglaublich viele Möglichkeiten. Vielleicht hilft ja schon die Erkenntnis, dass Du mit diesem Problem nicht alleine stehst. Es geht vielen aus mannigfaltigen Gründen so.

Meines Erachtens wäre wichtig, dass Du Dich selbst ernst nimmst, versuchst, einen möglichst realistischen Blick auf die tatsächlichen Gegebenheiten zu werfen, Dir klar zu werden, woran es eigentlich hakt, herauszufinden, ob es wirklich ein existenzielles/ Dich nachhaltig beeinträchtigendes Szenario ist.
Wenn ja: Tausche Dich aus, mit Deiner Partnerin, Deinen Freunden, Familie und guten beruflichen Kontakten. Reden hilft. Zum einen mußt Du formulieren, was Dich umtreibt - das schafft auch in Deinem Gedankenkarusell Klarheit - zum anderen bekommst Du Feedback. Vielleicht sind da für Dich durchaus überraschende Rückmeldungen dabei, z. B. eine Einschätzung zu Fähigkeiten, die Du so bei Dir noch nicht wahrgenommen hast. Das öffnet auch wieder den Blick für neue Möglichkeiten.

Oder ist es evtl. gar nicht existenziell sondern nur die Angst irgendwas zu verpassen?
In einer Welt, die suggeriert, das jeder alles erreichen kann, wenn er nur will, nicht verwunderlich.
Auch da würde ich empfehlen, mal in Dich zu gehen.
Was hast Du erreicht? Wie bist Du dahin gekommen, wo stehst Du heute?
Was stört Dich? Was ist gut? Was müsste sich ändern, damit es sich wieder gut anfühlt?

Wir sind oftmals blind, für das was wir haben. Es ist gut, sich verbessern zu wollen, doch sollte man sich auch immer wieder mal klar machen, was man schon alles geschafft und erreicht hat. Dankbarkeit ist da ein gutes Stichwort.

Wille/ Bedürfniss zur Veränderung ist was schönes, blinder Aktionismus - Hauptsache es ändert sich was - führt aber nicht zum Ziel.

Mach Dir klar, wo Deine Ressourcen liegen, welche Menschen fähig und willens sind Dich zu unterstützen.


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Die verdammte, existenzielle Angst

18.07.2019 um 21:59
Das kann ich nachvollziehen. Nach der Lehre wollte ich einen anderen Job machen und ich hatte weiß Gott wieviele.

Mich hat es selten irgendwo etwas länger gehalten, u.a. auch weil mich irgendwann die Chefs nervten.

"Du MUSST morgen früh um 5 da sein."

"Du MÜSSTEST diesen Sonntag mal arbeiten."

"Du arbeitest heute zwar schon 10 Stunden, MÜSSTEST aber noch mal da hin fahren."

"Du wolltest doch nächste Woche Urlaub, aber Hans Kackwurst hat husten. Du MUSST arbeiten."

Oftmals sitzt der Chef schon seit kurz nach Mittag bei seiner Familie und hängt die Eier in den Pool oder sitzt im Flieger Richtung Fickurlaub in Thailand.

Nee, das ist nicht die Vorstellung für mein Leben. Ich bin mittlerweile mein eigener Herr und bestimme meine Arbeitszeit selber. Mittlerweile gestalte ich mein Leben so wie es mir passt und das ohne Stress und Zwang.


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Die verdammte, existenzielle Angst

18.07.2019 um 22:10
Kauf dir ein Motorrad und verreise ;) .
Spaß beiseite...

Mir schwirrten diese Gedanken auch eine Zeitlang durch den Kopf.
Mir erschien der ganze Arbeitstrott total sinnfrei. Ich hatte keine Ziele, keine richtigen Hobbies mehr (oder zu wenig Zeit). Ach, mich ödete alles an. Ich gab das gesparte Geld irgendwann links und rechts aus, machte mich auch nicht glücklicher.
Naja, irgendwann bekam ich Kinder und jetzt habe ich keine Zeit mir über solche Dinge Gedanken zu machen. Ernsthaft. Wenn man viel beschäftigt ist und viel zu tun hat, erübrigt sich diese Sinnfrage irgendwie. Klar, jetzt hab ich natürlich kleine Lebewesen hier, die auf mich zählen, das ist alles automatisch ein wenig anderes. Ich denke aber, man kann durchaus etwas finden, was einen "erfüllt" bzw das Leben sinnvoller macht.
Ein Blick nach draußen, ein Blick in andere Leben... Sowas kann auch einem ziemlich die Augen öffnen.

Achja, zu der Zeit meiner "Krise", wechselte ich irgendwann den Job, weil ich irgendwann alles konnte und kannte. Langweiliger Trott. Der Wechsel half mir wirklich sehr und ich fand einen Job, der mich tatsächlich dauernd aufs Neue herausforderte!


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Die verdammte, existenzielle Angst

21.07.2019 um 11:25
Vielen Dank für die vielen und sehr unterschiedlichen Antworten.

Nun, ich bin im Sozialbereich tätig. Habe den Eindruck, mehr Zeit mit bürokratischen Abläufen und Besprechungen zu verbringen, als mit dem Klientel, das es eigentlich zu betreuen gilt. Aber die Kollegen und Vorgesetzten scheinen all das super zu finden. Man muss schließlich seinen Job rechtfertigen - wie besser, als ständig was zu kreieren, das viel Zeit frisst und irgendwie so aussieht, als würde man was sinnvolles tun...

Das langweilt mich gelinde gesagt ein wenig. Auch die Tatsache, dass letztlich dann doch fast nix vorangeht; aber schön, dass Ämter und der Staat Geld für sowas überlassen.

Mich kotzt hier auch diese deutsche Vollkasko-Denke an. Alles schön doppelt und dreifach durch Dokumentationen, Unterschriften uns sonstige, künstliche Dinge absichern. Wenn's an den Baum geht, ist's dann keiner gewesen. Die Heuchelei ist da manchmal echt grenzenlos.

Und am Ende des Tages hat man sowieso nichts in der Hand. Menschen ändern sich (fast) nicht - und wenn dann nur, wenn der Leidensdruck groß genug ist. Das ist langweilig, frustrierend und total sinnlos. Das macht man für's Geld und nicht aus irgendeiner Berufung heraus. Das ist sogar besser so, denn wer einen auf Helfersyndrom macht, brennt doppelt so schnell aus.

Ach ja, der Fachkräftemangel ist groß hier; Jobs gibt es zu Genüge als Erzieher, Pfleger, Altenpfleger. Aber das muss bzw. sollte man besser mit einem guten Gefühl machen. Sind schließlich Menschen und keine Objekte.

Aber, genug des Motzens uns Auskotzens. Hier ist ein Beispiel, das mich inspiriert:

Youtube: One Man’s Mission to Revive the Last Redwood Forests | Short Film Showcase

Was gibt es besseres und wichtigeres als die Natur? Wenn man vom "Retten der Welt" redet, meinen die Meisten ja die Welt der Menschen. Aber die ist kaputt, gestört, ignorant und krank.

Ja, schön und gut, wenn man einen "guten Job" hat, der viel Geld abwirft. Kann man sich Zeug von kaufen, das man größtenteils gar nicht braucht.

Alte Männer, die Großkonzerne leiten oder Weltpolitik betreiben mit Gier, Hass und Angst kotzen mich gelinde gesagt nur an!

Aber Männer, die Jahrzehnte lang dafür kämpfen, dass es wieder mehr Bäume und Natur im allgemeinen gibt - das sind Helden!

Noch ein super Beispiel: Youtube: 50 Years Ago, This Was a Wasteland. He Changed Everything | Short Film Showcase

Aber der hat erstmal ein Vermögen damit gemacht, Brathähnchen zu verkaufen. Welch Ironie. Ohne dieses Geld, welches er durch Massentierhaltung und Fastfood gemacht hat, hätte er sich nicht soviel Land kaufen können und dies in ein Paradies zu verwandeln. Geld regiert (leider) die Welt.

Was mich - um zum Eingangsthema zurückzukommen - sehr frustriert, ist die Tatsache, dass man leider nicht von Traumtänzereien leben kann. Von wegen "mach dein Hobby oder deine Leidenschaft zum Beruf" - nö. Ein rationaler, erwachsener Mensch geht natürlich dahin, wo das Geld ist. Und wenn das bedeutet, in einer Bank oder einem Konzern zu arbeiten, der nur Ausbeutung, Zerstörung und Leid bringt... was soll's! ICH kann damit schließlich mein Haus, mein Auto und meine Jacht finanzieren! Geil.

Ja, selbst im viel kleineren; z.B. im Sozialbereich, wo ich arbeite, ist es doch so: Geld und Arbeit ist da, wo Profit gemacht wird. Und wenn das daraus besteht, Betten zu belegen mit kranken Menschen, die teilweise da reingedrängt wurden; denen verkauft und erzählt wurde, dass sei in "unserer Einrichtung" gut aufgehoben sind.


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Die verdammte, existenzielle Angst

21.07.2019 um 23:36
@Starkiller69
Ich mach immer das worauf ich gerade wirklich Bock habe, und mache mir nicht soviel Gedanken über die Zukunft,
Gemäß dem Motto, sterben muss ich sowieso, schneller geht's mit Malboro, genieße ich in vollen Zügen mein Leben.
Wer nach Epikur lebt, braucht sich keine Gedanken über das Sterbebett usw machen. Ändern kann man das dreckige rumgesterbe eh nicht. Aber das beste aus seiner Zeit rausholen kann man und dann mit einen zufriedenen Grinsen sterben.
Habe nur eine Regel im Leben: Genieße dein Leben, aber schade dabei nie anderen Menschen. Wir sind soziale Wesen und sollten die anderen immer fair und korrekt behandeln, weil wir ja auch so behandelt werden möchten.


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22.07.2019 um 06:34
Starkiller69 schrieb:Noch ein super Beispiel:
Julia Butterfly Hill war auch ganz gut.....jedes Vid zu empfehlen.


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Ludenlöther
ehemaliges Mitglied

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22.07.2019 um 06:44
Wenn du erst mal 50 bist, so wie ich jetzt bald, da hat man das Gröbste hinter sich: die Rente rückt in Sichtweite, man weiß, wie der Hase läuft und was soll die paar Jahre im Arbeitsleben noch groß Schlimmes kommen? Und dann, wenn die Rente beginnt, dann bist du endlich frei und kannst machen mit deiner Zeit, was du willst!


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22.07.2019 um 13:25
Abahatschi schrieb am 18.07.2019:Verkauft den Fernseher, klingt doof, aber geht raus.
Erinnert an die Frage: Habt ihr noch Sex oder habt ihr schon einen Fernseher im Schlafzimmer?


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22.07.2019 um 19:27
Ludenlöther schrieb:die Rente rückt in Sichtweite, man weiß, wie der Hase läuft und was soll die paar Jahre im Arbeitsleben noch groß Schlimmes kommen?
Ein paar jahre können ausreichen um ein Leben zu ruinieren. Im Beruf natürlich genauso.


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23.07.2019 um 10:35
@Ludenlöther
Ja, super, alt und ohne Energie den Lebensabend genießen. Also, ich versuch' mich ja gesund und fit zu halten, aber grudnsätzlich ist es doch pervers: Jahrzehnte lang ackern, um mit etwas Glück HOFFENTLICH noch ein paar Jährchen in der Rente zu haben.


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