nairobi schrieb: Ich denke auch, dass das individuell ist. Gerade beim ersten Kind ist man ja oft noch sehr ängstlich und unsicher. Das kann bei weiteren Kindern schon anders sein.
Vor allem bist du oft mit dir selbst beschäftigt, das Stillen muss eingeübt werden, du musst ja erst mal das Handling lernen (wickeln, heben) ... da ist Besuch (der oft alles besser weiß), nicht so das Gelbe vom Ei.
Bei mir war es so, dass meine 1. Geburt fast in der Katastrophe endete: Notsectio, Kind völlig in Nabelschnur verheddert, Kind atmete nicht, Kind atmete dann doch nach intensivmedizinischer Intervention, Intensivstation fürs Kind, Kreislaufprobleme bei mir ... Es hat wirklich gedauert, bis ich das verarbeitet habe. Also wir sprechen von Wochen, nicht von Stunden/ Tagen. Erst hinterher wurde mir auch klar, was für ein Glück wir hatten und dass das Leben unseres Kindes da wirklich massiv auf der Kippe stand.
Es gab viele Leute, die sehr lieb reagiert haben, aber ein paar Leute würde ich fast 20 Jahre später noch immer gerne abwatschen. Da war eine (kinderlose) Freundin und meine (einmalig genutzte) Hebamme, die mich gleich berieten, dass mein Kind nun eventuell ein Trauma fürs Leben hätte, da sie gleich von meinem Mann und mir getrennt wurde (Witz komm raus, wir waren total froh, dass sie atmete). Meine (alternativ angehauchte) Freundin war völlig entsetzt (1) Kaiserschnitt, ein Betrug um das Geburtserlebnis, totale Fehlprägung des Kindes, (2) Glukoseinfusion statt der guten Muttermilch in der ersten Woche - Darmflora fürs Leben ruiniert (3) Bindungsängste durch die abrupte Trennung vorprogrammiert.
Beim zweiten Kind hatten wir viel dazugelernt und verheimlichten die Geburt einfach drei Tage lang :-)).
VanDusen schrieb:Kurz nach der Geburt ihres ersten Kindes besuchte ich meine Schwester im Krankenhaus. Nachdem wir uns über ihr Wohlbefinden ausgetauscht hatten, fragte sie: "Möchtest du sie mal sehen?". Unsensibel, wie ich war, entgegnete ich: "Nein, wieso, Babys sehen doch alle gleich aus".
LOL :-). Tatsächlich ist die Natur so gepohlt, dass man sich ja unsterblich in das kleine Wesen verliebt, das man geboren hat. Mit Abstand, v.a. wenn ich Fotos von Kind #2 betrachte, stelle ich fest - er war nicht das hübscheste Baby :-)). Aber so what.
Tussinelda schrieb:Heutzutage sind die Bilder des Babies doch innerhalb kürzester Zeit sowieso an alle verbreitet. Im Grunde muss da keiner mehr gucken kommen, also persönlich..... :troll:
Es gibt Leute, die kommen einfach, ob es passt oder nicht - ohne Rücksicht auf Verluste. Und sind so sensibel wie eine Dampfwalze. Nach meiner ersten (missglückten) Geburt landete ich auf einem Dreibettzimmer. Das war mir eigentlich total egal, ich war wie in einer Blase ... ich hatte mich mit Geburt eh nicht so auseinandergesetzt und ging immer davon aus, dass ich das schon hinbekommen würde. Angetrieben von meiner superöko Hebamme. Dann eben überschlugen sich die Ereignisse ... Ich lag also total geflasht im Bett nach der OP, ich war gar nicht emotional, nur in mich selbst gekehrt, wissend, dass unser Kind nun auf der Intensivstation lag und dass es noch immer kritisch war - da kam ein Pulk von mindestens 10 Leuten zu unserer Zimmernachbarin. Eine Frau fragte mich "wo ist dein Baby?" und malte mir gleich in den düstersten Farben aus, dass das Baby nun sterben könnte. Äh ja, mein Kind lag nicht zum Spaß da ....
#3 bekam Besuch von einer Kindergartenmitmami mit zwei Kindern, die schwanger war und ihren Kindern mal so ein Neugeborenes zeigen wollte - und dass, bevor ihre eigenen Kinder da waren - und sie waren nicht mal dicke Freundinnen ... es gibt einfach seltsame Leute.
DerThorag schrieb:Und um nichts anderes geht es doch. Wenn es nicht gerade engste Verwandtschaft ist, ist es doch auch völlig Wurst wie das Baby aussieht (sehen für mich eh alle gleich aus, in den ersten Wochen). Man muss aber etwas Interesse vorgaukeln, wie so oft im leben.
Es ist ein einschneidendes Erlebnis im Leben von Freunden/ Verwandten. Wie eine Hochzeit ...
Kältezeit schrieb:Ich war letztens auf einer amerikanischen "Babyshower". Scheinbar machen die Amis das noch vor der Geburt (da gibt's dann die Geschenke, etc.), weil man sich dessen bewusst ist, dass kurz nach der Geburt der Mutter wahrscheinlich eher weniger der Sinn danach steht.
Ja, das ist vernünftig ... allerdings machen die ja auch diese furchtbaren Gender Reveal Parties und ähnlichen Blödsinn.
borabora schrieb:Bei einer "normalen" Geburt sehe ich eigentlich keinen Anlass, Leute, die sich so sehr freuen, das Baby zu sehen, tagelang warten zu lassen bzw. auf später zu vertrösten.
Auch nach einer normalen Geburt hast du ein neugeborenes Kind und das Recht, dich erst mal selbst an dieses Kind zu gewöhnen.