Lazaros schrieb:Dieses Gewäsch um "toxische Männlichkeit" nervt so ohne Ende. Ich habe in meinem Leben zu genüge auch toxische Weiblichkeit erlebt. Eine Vielzahl psychisch kranker Frauen, insbesondere Narzissstinnen. Alkoholikerinnen, Frauen die - bewiesenermaßen zu Unrecht und letztlich polizeilich und gerichtlich festgestellt - Männern den Missbrauch ihrer Kinder anlasten wollten. Scheißegal, welchen Geschlechts Du angehörst: bist Du ein Arschloch (in welcher Hinsicht auch immer), verdienst Du kein Erbarmen und keinen Täterschutz! Und da gebe ich auch einen Scheiß um unsere heutige Gesellschaft, diese chronisch empörte Gesellschaft!
Das Wichtigste lässt sich auf einen Nenner herunterbrechen: Sigma! Selbstbewusstsein, Resilienz, auch Alleinesein ertragen können. Egal ob es eine Tochter oder ein Sohn ist. Als Vater sollte man ihnen beibringen, selbständig zu sein, sich und Familie verteidigen zu können, ihnen Bildung, Leben mit der Natur, Gerechtigkeitsempfinden und Mitgefühl (ohne zum Weichei zu verkommen) vermitteln. Nicht das Protzen. nicht das Schwätzen sondern Handeln (insbesondere für das eigene Fortkommen)! Nicht um Aufmerksamkeit des anderen Geschlechts buhlen, wenn es das nicht wert ist (und das ist es heutzutage meist nicht). Das fehlt vor Allem den meisten jungen Männern heutzutage.
Der Begriff "toxische Männlichkeit" meint nicht, dass Männer per se toxisch sind. Er beschreibt gesellschaftliche Rollenbilder, die Männern selbst schaden wie das Verbot, Schwäche oder Trauer zu zeigen. Wenn Männer Schmerz in Alkohol oder Gewalt ertränken, anstatt sich Hilfe zu suchen, ist das das Ergebnis dieses erlernten Musters. Es geht also im Diskurs um den Schutz der psychischen Gesundheit.
Niemand bestreitet, dass Frauen destruktiv, psychisch krank oder kriminell sein können. Das eine hebt das andere jedoch nicht auf. Zudem beschreibt die Wissenschaft "toxische Weiblichkeit" nich so wie Du sondern als extreme, schädliche Anpassung an traditionelle Frauenrollen (z. B. totale Aufopferung bis zum Burnout oder passive Aggression durch Lästereien). Und: kriminelles Verhalten ist einfach kriminell – egal welches Geschlecht es ausübt. Ein "Arschloch" bleibt ein Arschloch, aber das lenkt doch hier vom eigenlichen Problem ab.
Der "Sigma-Mann" ist ein modernes Internet-Phänomen, das besonders in der Manosphere verbreitet wird. Es beschreibt das Idealbild eines erfolgreichen, extrem unabhängigen und introvertierten Einzelgängers. Im Gegensatz zum dominanten "Alpha-Mann", der ein Rudel anführen und im Mittelpunkt stehen will, bricht der Sigma-Mann laut Theorie aus sozialen Hierarchien aus. Er geht seinen eigenen Weg, ist finanziell sowie emotional autark und schert sich nicht um gesellschaftliche Anerkennung.
Die gesamte sozio-sexuelle Hierarchie (Alpha, Beta, Sigma etc.) basiert auf einer längst widerlegten Wolfsforschung der 1970er Jahre. Wölfe in freier Wildbahn bilden keine starren Alpha-Strukturen, sondern leben in familiären Kooperationen. Die Übertragung auf die hochkomplexe menschliche Psyche entbehrt jeglicher biologischer oder psychologischer Fakten.
Geprägt wurde der Begriff 2010 von Theodore Robert Beale ("Vox Day"), einem rechtsextremen, antifeministischen und rassistischen US-Blogger. Bei ihm waren Sigmas explizit Männer, die Frauen verachten. Auch wenn der Begriff heute oft harmlos als Jugendwort für "cool" oder "unabhängig" genutzt wird, transportiert er in seinen Wurzeln tiefen Frauenhass. Kritiker und Psychologen warnen, dass das Sigma-Ideal als psychologischer Schutzmechanismus dient. Junge Männer, die unter Einsamkeit, sozialer Phobie oder mangelnden Dating-Erfolgen leiden, reden sich damit ein, ihre Isolation sei ein bewusster, cooler Erfolg. Anstatt soziale Kompetenzen zu trainieren, kapseln sie sich weiter ab.
Es ist ironisch, dass du ausgerechnet Bukowskis Gedicht anführst. Bukowski warnt darin vor der blinden, hasserfüllten Masse, die voller Missgunst auf das Individuum blickt. Wenn du aber im selben Atemzug pauschal gegen "heutige junge Männer", "Frauen heutzutage" oder eine "chronisch empörte Gesellschaft" wetterst, betreibst du genau das, was Bukowski kritisiert: Du projizierst kollektiven Groll auf eine vermeintlich feindliche Außenwelt.
Dabei unterscheidet sich das, was du am Ende forderst, gar nicht so sehr von moderner Erziehung. Resilienz, Selbstständigkeit, Mitgefühl, Bildung und Naturverbundenheit sind großartige Werte. Kein Erziehungswissenschaftler will Kinder zu Weicheiern machen.
Der Unterschied liegt im Fundament: Das Internet-Konzept des "Sigma-Mannes" romantisiert Isolation und emotionale Kälte als vermeintliche Stärke. Bukowski selbst war kein cooler, autarker "Sigma", sondern ein tief verletzter, zeitlebens von Bindungsängsten und Sucht geplagter Mann, dessen Isolation kein Lifestyle, sondern ein Schutzmechanismus war.
Man kann also sagen: Begriffe wie 'toxischer Männlichkeit' wollen Vätern und Söhnen nichts wegnehmen, sondern ihnen nur erlauben, neben aller nötigen Stärke auch einfach mal Mensch zu sein.