Wann merkt ihr, dass ihr „anders“ als die anderen seid?
gestern um 18:02Sowas.MissMary schrieb:Wir hatten in der Verwandtschaft (auch 70er) ein Paar, das erst keine Kinder bekommen konnte, nach Fruchtbarkeitsbehandlung hatten sie dann zwei Kinder innerhalb eines Kalenderjahrs, was sie ziemlich überfordert hat. Damit sie "Paarzeit" haben, sind sie sonntags immer zu zweit gemütlich Frühstücken gewesen, die Kids waren daheim im Kinderzimmer eingeschlossen. Heute wäre das Undenkbar, haben aber früher doch einige Leute so gemacht.
Den Eindruck, dass meine Eltern mit mir überfordert gewesen wären, hätte ich nichtmal (meine Mutter war sogar relativ stark (und das meine ich anerkennend) "Öko-Mama", mit viel selber stricken und nähen, Spielzeug selbermachen, natürlich alles selber kochen, keine Fertigprodukte... also schon Zeit und Energie investiert). Da war man aber wohl noch der Meinung, mit Tragen, Stillen würde ein Baby verwöhnt.
Mir fällt das "anders als andere" darin auf, dass ich nicht "weggehe".stef25 schrieb:Ich merke es immer wieder, wenn ich mit meinem besten Kumpel in die Kneipe gehe.
Sehr wohl verlasse ich das Haus, besuche Museen, Bibliotheken, gehe spazieren und wandern, besuche Menschen,... nur der Typ "gemeinsam genutzte Räumlichkeit zum Treffen in ausgelassener Stimmung mit Alkoholkonsum" sagt mir nicht zu. Also: Bar, Kneipe, Club, Weinfeste, Volksfeste, Stadtfeste... (Die Stadtfeste gerade noch, wenn mit Flohmarkt oder Markt kombiniert, und ich schaue dann zu einer Zeit hinzugehen zu der noch kein oder möglichst wenig "Kneipenatmosphäre" herrscht.)
Wann mir das auffällt:
- Smalltalk-Thema "deine Lieblingsbar, dein Lieblingsclub, deine Lieblingskneipe", oder auch wenn jemand einen ernsthaften Tipp möchte, wo man denn hier gut "weggehen" könne
- wenn eine Aktivität die mich eigentlich interessieren würde an so einen Ort verlegt wird, z.B. ein Verein den ich inhaltlich interessant finde sich (auch) so trifft
(Damit will ich dir das "Anderssein" gar nicht absprechen. Es gibt da sicherlich Abstufungen - z.B. Menschen wie du, die hingehen aber sich auf eine bestimmte Person konzentrieren, oder Menschen wie ich, die diese Einzelperson gar nicht in einer Kneipe (= laut, voll, Alkoholgeruch, ggf. Musik, all die Geräusche von Menschen, Zapfanlagen etc.) treffen würden, sondern zu Hause.)
watnu schrieb:- -
Berichte über Eltern, die im Schwimmbad durch das Smartphone abgelenkt sind, habe ich auch in den letzten Jahren gelesen. Z. T. hatten die Eltern noch nicht einmal bemerkt, dass ihr Kind nicht in ihrer Nähe ist, als es von Dritten aus dem Wasser gezogen wurde.
Ich frage mich da, ganz ernsthaft, wie es früher mit der Ablenkung durch z.B. Walkman, Hörbücher, gedruckte Bücher ausgesehen hat.watnu schrieb:Ich kann mich nicht erinnern, dass früher solche Warnungen nötig waren (wie z. B., dass Eltern beim Lesen oder Klönen nicht ihre Kinder vergessen sollen).
(Vage Vermutung: Kinder die besser und schneller Schwimmen lernten, sodass direkt Schwimmenlernen beaufsichtigt erfolgt und danach wenig(er) Aufsicht nötig war oder auch gar nicht erfolgte weil die Eltern nicht mehr ins Schwimmbad mitgingen.)
Genau das. Und da bringt es m.E. wenig, isoliert vorm "nicht mit Fremden mitgehen" zu warnen. Sollte man natürlich auch. Nur gibt es viele Situationen, in denen die betreffende Person für ein Kind entweder eine bekannte Person aus dem familiären Umfeld, eine Respektsperson (und da zählen Ärzte auch dazu) ist oder es als tatsächlich Fremder schafft, sich einem Kind gegenüber als weniger fremd darzustellen indem eine "Bekanntschaft über sieben Ecken" vorgetäuscht wird oder auch tatsächlich besteht (Arbeitskollege des Elternteils, Verwandter eines Spielkameraden, ... sein oder vortäuschen) oder vorgetäuscht wird eine Respekts- und Vertrauensperson zu sein (vorgetäuschter Polizist, Sanitäter ggf. noch mit "deine Mutter ist im Krankenhaus").watnu schrieb:Oder andere Berufe, in denen sie Gelegenheit haben, unauffällig mit Kindern in Kontakt zu kommen:
Vor den "Fremden" hat man mich gewarnt. Ob ich bei einer (vorgetäuschten) Respektsperson ("deine Mutter ist im Krankenhaus") mitgegangen wäre? Wahrscheinlich, gerade wenn's ein bisschen plausibel wirkt. Und auf die Idee, dass bei einer Verabredung mit einem anderen Kind es nicht gut ist, mit z.B. jemandem mitzufahren der sich als zu dem Kind gehörig ausgibt (nach dem Motto: "Ah, du willst zum Alex? Ich bin sein Onkel und fahre gerade den Berg rauf!"), wäre ich wohl auch nicht gekommen - Interpretation: Wenn Mama Spielen mit Alex erlaubt, ist die Alex-Familie okay. Da mag in den allermeisten Fällen nichts passieren, dennoch besser: ablehnen.
Kürzlich hatte ich an einem ehrenamtlichen Projekt teilgenommen bei den man Briefe an die Schüler einer Klasse schreibt damit Schüler Berufe im wissenschaftlichen Umfeld "aus erster Hand" kennenlernen (jeder erwachsene Teilnehmer wird einem Schüler zugeordnet, und hat dann einen themenbezogenen "Brieffreund" für ein Schuljahr; Projekt sieht mir vernünftig aus, Briefe werden auch kontrolliert, Adressen sind nicht einsehbar). M.E. sinnvollerweise wurde darauf hingewiesen, keine Kontaktmöglichkeiten außerhalb des Projekts (auch keine vagen, wie z.B. unter welchem Gamer-Namen man ein bestimmtes Spiel spiele, oder Link zur eigenen (beruflichen) Homepage (welche dann meist eine e-Mail-Adresse enthält)) auszutauschen.


