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Psychiatrie

810 Beiträge, Schlüsselwörter: Freunde, Erfahrung, Psychiatrie, Verwandte
RoseHunter
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Psychiatrie

03.01.2015 um 13:07
@tenyearsafter
tenyearsafter schrieb:Die Frage ist ja ohnehin, ob die Pharmaindustrie überhaupt heilen will.
Symptome bekämpfen und krank lassen ist doch viel lukrativer.
Wer heilt wird doch irgendwann arbeitslos und verdient nichts mehr.
Das ist mir zu verschwörungstehoretisch, ich glaube es ist leidenschaftsloser, aber nicht zwingend besser. Die Pharmaindustrie ist eine Industrie, d.h. sie funktioniert rein nach wirtschaftlichen Kriterien.
Kurz gesagt, es stört sie nicht, wenn man aufgrund ihrer Produkte gesund wird, es stört sie aber genauso wenig, wenn man es nicht wird.
tenyearsafter schrieb:Nachdem ich Neuroleptika bekam, die ja auch gegen Affektverflachung sind, ...
Sind sie das?
Das sind Mittel mit antipsychotischer, in niedirgerer Dosierung angstlösender und in noch niedrigerer Dosierung darmregulierender Wirkung.
Sie sorgen also im psychiatrischen Kontext eher dafür, dass den Affekten die Spitze genommen wird oder was meinst du mit Verflachung?
tenyearsafter schrieb:...habe ich eher meinen Frust rausgelassen, was wieder, nach meinem gestörten Gefühl, einen Rattenschwanz von anderen Dingen nach sich zog.
Okay, das kann an der angstdämpfenden Wirkung gelegen haben, so dass du normal etwas gehemmt bist und dich nicht traust zu kritisieren, weniger ängstlich dann aber schon.

Weiß ich aber nicht, ist oder war das so?


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Psychiatrie

03.01.2015 um 13:29
@RoseHunter
Ist es so, dass den Affekten die Spitze genommen wird? Ich habe es anders verstanden.
Ich habe es so verstanden, dass bei einigen die Gefühle eben abgeflacht sind und die Tabletten dagegen helfen sollen. Na ja, wie auch immer.
Gehemmt bin ich trotz Medikamenten eigentlich immer noch. Eigentlich so lang ich denken kann.
Steckte wohl immer voller Hemmungen und Ängsten und konnte das Leben nie wirklich genießen und frei sein.

Manchmal habe ich das Gefühl, als könne ich immer schlechter denken. Aber das war bei mir wohl noch nie sonderlich gut ausgeprägt.

Vielleicht kritisiere ich ein wenig mehr als vorher aber nicht wirklich viel. Es kostet mich meist schon Überwindung. Was eigene Verletzungen anbetrifft, bin ich meist eher sprachlos und mir fällt erst hinterher wirklich auf, was sich Menschen mir gegenüber erlaubt haben.
Irgendwie ein bisschen hilflos, jedenfalls im ersten Moment.


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RoseHunter
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Psychiatrie

03.01.2015 um 13:46
@tenyearsafter
tenyearsafter schrieb:Ist es so, dass den Affekten die Spitze genommen wird? Ich habe es anders verstanden.
Ich habe es so verstanden, dass bei einigen die Gefühle eben abgeflacht sind und die Tabletten dagegen helfen sollen. Na ja, wie auch immer.
Kann auch sein, ich bin keine Expertin für Psychopharmaka, vielleicht schreibt hier ja ein Psychiater oder Neurologe mit. Ansonsten passt meine Privathypothese ja.
Praktisch werden Neuroloeptika wie z.B. Melperon oder Haloperidol zur Beruhigung eingesetzt und ich habe vor gefühlten 700 Jahren das Zeug mal im Selbstversuch genommen, ich fühlte mich extrem antriebslos, in einem Ausmaß, das schwer zu beschreiben ist.
Also nicht ein wenig lurig, sondern komplett ohne Wunsch irgendwas von mir aus zu machen.
Wenn man mir gesagt hätte, tu mal dies, mach mal das, wäre das gegangen, aber von mir aus ... kein Impuls. War schon eine imposante Erfahrung, wir haben einmal die schwächste Dosierung probiert und ein paar Tage später die stärkste, nicht ganz sachgerecht allerdings mit Alkohol.

PS: Affektdämpfung macht aber Sinn, schau mal:
Wikipedia: Neuroleptikum


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Psychiatrie

03.01.2015 um 13:55
@RoseHunter
Meine Neuroleptika sollen stimmungsaufhellend und antriebssteigernd sein.
Aber viel merke ich davon nicht. Ich könnte auch den ganzen Tag pennen.
Antidepressiva bekomme ich auch, aber die hat meine Psychiaterin wieder reduziert, weil die Einnahme vorher unwirtschaftlich war.

Mir klagt schon die Psychiaterin ihr Leid, dass sie pro Person soundsoviel gekürzt bekommen hat und dass sie, wenn sie Pech hat, aus eigener Tasche was dazu packen muss. Und dass sich keiner oder kaum einer mehr als Psychiater selbständig machen will, weil zu unwirtschaftlich.
Die Krankenhäuser, Tageskliniken und Rehaeinrichtungen hätten dieses Problem nicht. Die können verschreiben was sie wollen.


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RoseHunter
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Psychiatrie

03.01.2015 um 14:01
@tenyearsafter
tenyearsafter schrieb:Meine Neuroleptika sollen stimmungsaufhellend und antriebssteigernd sein.
Aber viel merke ich davon nicht. Ich könnte auch den ganzen Tag pennen.
Na dann. :)
Gerade im psychiatrischen Bereich ist bekannt, dass das Mittel was Patient A hilft, bei Patient B wenig bis nichts bringt, das ist auch bei neurologischen Erkrankungen wie MS so.
tenyearsafter schrieb:Mir klagt schon die Psychiaterin ihr Leid, dass sie pro Person soundsoviel gekürzt bekommen hat und dass sie, wenn sie Pech hat, aus eigener Tasche was dazu packen muss.
Was leider durchaus realistisch ist.
tenyearsafter schrieb:Die Krankenhäuser, Tageskliniken und Rehaeinrichtungen hätten dieses Problem nicht. Die können verschreiben was sie wollen.
Stimmt, da ist es leichter.


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Psychiatrie

03.01.2015 um 14:03
@RoseHunter
Ich bin ohnehin nicht der aktivste Mensch. Eher von Natur aus der Typ Schlaftablette.


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Dawnclaude
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Psychiatrie

03.01.2015 um 14:10
tenyearsafter schrieb:Manchmal habe ich das Gefühl, als könne ich immer schlechter denken. Aber das war bei mir wohl noch nie sonderlich gut ausgeprägt.
wie drückt sich das schlechter denken aus?
konzentrationsprobleme ? zu chaotische gedanken? oder auf andere Art und weise?


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Psychiatrie

03.01.2015 um 14:16
@Dawnclaude
Ich fühle mich oft einfach leer und ausgebrannt. Und mir spukt fast nur die Vergangenheit im Kopf rum. Etwas perspektivlos das Leben. Ich muss mich wohl mal auf die Suche machen und für mich etwas Sinnvolles finden, das mich ausfüllt.


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kellogg
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Psychiatrie

03.01.2015 um 14:20
@RoseHunter
Du liegst goldrichtig .. bei jedem wirken medikamente aber auch therapien anders.. habe etliche antidepressiva bekommen die nie geholfen haben oder sogar alles schlimmer gemacht haben.. erst nach jahren habe ich eins bekommen das mir wirklich sehr geholfen hat ..

Ich denke auch das es auf jeden ein bisschen selber ankommt .. in wie weit man sich verändern will und ob man noch stark genug ist gegen seine krankheit anzukämpfen.. dazu zählt das umfeld auch eine sehr große rolle


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Psychiatrie

03.01.2015 um 14:33
War wegen Sucht Anfang des Jahres in der psychiatrischen Tagesklinik auf anraten meiner Psychiaterin.
Neulich habe ich mal den Bericht darüber gelesen.
Ich habe am Anfang und am Ende der Therapie einen Fragebogen ausfüllen müssen.
Anfangs war ich psychisch überdurchschnittlich belastbar und am Ende normal belastbar.
Ist es denn nicht gut, wenn man überdurchschnittlich belastbar ist?
Und ich bin vorgealtert. Na tolle Wurst. Ich habe ohnehin das Gefühl, dass ich nicht mehr so alt werde, wie ich mich bereits fühle.
Was habe ich nur für scheiß Jahre hinter mir. Aber das kann doch noch nicht alles gewesen sein.


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RoseHunter
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Psychiatrie

03.01.2015 um 14:59
@kellogg
kellogg schrieb:Ich denke auch das es auf jeden ein bisschen selber ankommt .. in wie weit man sich verändern will und ob man noch stark genug ist gegen seine krankheit anzukämpfen.. dazu zählt das umfeld auch eine sehr große rolle
Das denke ich in einem gewissen Umfang auch.
Krankheit ist immer ein Geschehen mit zig Stellschrauben und es ist oft fatal, sich auf eine Schiene einzuschießen.
Ich habe da selbst schon die ganze Palette erlebt, Wunder der Psychopharamkologie und Rohrkrepierer. Auf dem Gebiet der schweren Persönlichkeitsstörungen, sozusagen die Etage über den Psychosen (und unter den Neurosen) kenne ich mich besser aus und da sind die psychpharmakologsichen Effekte extrem gering und da geht es ohnehin nur um Dämpfung oder Linderung, von Heilung erst gar nicht zu sprechen.

Aber auch psychiatrisch ist mehr drin, man müsste mutiger sein, denn die Versuche die es gibt sind im Grunde gut. Eine radiakale Umformulierung nach Art der Antipsychiatrie geht nicht, aber zwischen der immer gleichen Pillenschiene und einer Umformulierung à la schizo ist supergesund, gibt es gehörig Raum.

Bspw. haben die Systemiker auch sehr gute Erfolge bei bipolaren Erkrankungen und es ist einfach ärgerlich, dass da vieles so langsam fortschreitet.


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Psychiatrie

03.01.2015 um 16:02
Es wird hier oft von der Psychiatrie gesprochen und von Medikamenten.
Es gibt auch die Möglichkeit einer Psychotherapie.

Es gibt keine psychische Krankheit, bei der man sagen kann, dass sie auf gar keinen Fall heilbar wäre.

Das soll nicht bedeuten, dass alle betroffenen Menschen immer geheilt werden können.
Allgemein hört man aber über diverse psychische Krankheiten, dass sie "eigentlich" nicht heilbar seien und man lernen müsse, damit zu leben.

Die Wahrheit ist eine andere: Eine per se unheilbare psychische Krankheit wurde noch nicht "erfunden".

Die Frage, ob jemand geheilt werden kann, ist nicht über die vorliegende Diagnose zu beantworten, sondern über die individuelle Geschichte/Konstruktion/Individualität des Einzelnen und - mindestens genauso wichtig - darüber, ob der betroffene Mensch Zugang zu einer Hilfe findet, die wirklich kompetent und ihm angemessen ist.

In den 70ern und 80er Jahren gab es einige psychische Krankheiten, die nicht nur von Laien sondern auch von den - allermeisten - "Fachleuten" als unheilbar betrachtet wurden, während es in der selben Zeit Psychotherapeuten gab, die nicht nur einigen wenigen, sondern mehreren betroffenen Menschen helfen und nicht wenigen auch zur Heilung verhelfen konnten.

Diese Psychotherapeuten waren oft erfolgreich, publizierten auch über ihre Arbeit, es brauchte aber lange, bis ihre Arbeit Anerkennung fand.
Es dauerte Jahrzehnte, bis zumindest ein Teil der Psychotherapeuten dies zur Kenntnis nahm.

Auch heute gibt es den Irrglauben, die und die psychische Krankheit sei per se nicht heilbar.
Dass Laien dem Glauben schenken, kann man nachvollziehen; leider glauben dies aber auch viele "Fachleute".
Und genauso schlimm: Es glauben auch Betroffene!

Freilich ist es nicht leicht - weder für die Betroffenen noch für den Psychotherapeuten.
Das Leiden kann unvorstellbar sein und der Therapeut wird sehr gefordert.

Das Leiden kann so schrecklich sein, so furchtbar, der Weg zur Heilung - manchmal - so schwer, dass man beiderseits (Betroffene und Behandelnde - egal ob Psychotherapeut, Psychiater etc.) lieber den "leichteren" Weg geht - fast im gegenseitigen Einvernehmen (ohne dies explizit so zu denken bzw. sich dessen bewusst zu sein) -, auch wenn das bedeuten kann, dass man jahrzehntelang leidet - ein Schrecken ohne Ende, statt eines unvorstellbaren, schrecklichen Horrors.

Das Leiden kann furchtbar sein.
Nicht ohne Grund "baut" die Psyche Mauer, Wände und Barrieren um den Kern des Leidens herum, es wird dicht eingekapselt und man kann auch nicht immer und nicht für jeden Menschen per se sagen, welcher Weg auf jeden Fall der bessere ist.
Das kann man nicht im Voraus sagen.

Selbst der beste Therapeut, den es auf der Welt gibt, ist kein Garant dafür, dass etwas gut ausgeht - Voraussagen auf diesem Gebiet können sich später als falsch erweisen.
Hier kann es tatsächlich passieren, dass es noch schlimmer kommen kann - kann, muss aber nicht und vorher wird man es nicht wissen können.

Aber nicht alle Fälle sind so schwer und für diese kann das Wagnis einer guten Psychotherapie einen Versuch wert sein. Ein Risiko freilich bleibt immer - aber ist das Leben nicht schon an sich ein Risiko?

Im Leben muss man immer Entscheidungen treffen.
Egal was man tut. Handeln und auch nicht handeln, etwas tun oder es lassen, eine - gute - Psychotherapie wagen oder nicht.
Was ist richtig? Was ist falsch?
Wir sind es gewohnt, das Resultat im Voraus abzuschätzen - hier gibt es aber keine sichere Regel, auf Grund derer man einschätzen kann, wie es ausgehen wird.
Und das macht es manchmal schwieriger.
Niemand kann einem die Verantwortung für die eigene Entscheidung abnehmen.
Die Angst ist ein oft verkannter Regisseur im Leben.


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lernender
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Psychiatrie

04.01.2015 um 08:22
@RoseHunter
Angemessenes und unangemessenes Verhalten im Gefühl zu haben bedeutet, Normen im Gefühl zu haben. Wenn sich die Normen ändern, weil sich die Menschen ändern oder weil man ins Ausland fährt, hat man dann das Gefühl, nicht (mehr) dazuzugehören, was dazu führt, dass man sogar sterben möchte.
Darum wünsche ich mir kein Normgefühl und ich habe real auch keins, ich brauche ein Normenverständnis. Denn ich kenne keine Norm, die überall auf der Welt und bei allen Menschen gültig ist. Verstehen tun sich alle Menschen auf der Erde nur in den Punkten, die zum Leben gehören. Und zum Leben gehören Arbeiten, Natur genießen, Essen und Trinken, die Ausscheidung von Urin und Kot und Sexualität.
Andere Normen kenne ich nicht und da ich sie nicht kenne, schade ich auch anderen Menschen nicht, die Schizophase war da eine sehr unangenehme Ausnahme.
Moral brauchen nur Menschen, die Normen im Gefühl haben, weil sie sonst andere Menschen, die anders als sie selbst sind, angreifen könnten.


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Psychiatrie

04.01.2015 um 08:30
In einer Psychiatrie gibt es Patienten und Personal. Doch manchmal sind die Rollen einfach nur vertauscht.

Ich rede aus Erfahrung. Die Downers Tabs sind das Übel der heutigen Zeit. Die ganzen Tabs und das Spritzenzeugs gehören abgeschafft.

Gott lässt nämlich alle Menschen machen was sie wollen, nur das Personal der Klappse nicht.

Macht die Klappsen dicht und dann gibt es kein Unheil mehr.


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lernender
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Psychiatrie

04.01.2015 um 08:41
@unrealtime
Das Menschen, die für andere Menschen gefährlich sind, eingeschlossen werden, verstehst Du auch nicht? Das ist aber der Sinn, den die Psychiatrie auch hat. Und wenn ich einschätzen muss, für andere gefährlich zu sein, gehe ich sogar freiwillig dorthin.
Das ist auch ein Punkt, den die Mehrheit der Menschen auf der Erde verständlich findet.
Nur meine Fahrtauglichkeit lasse ich nicht gerne von Psychiatern beurteilen und ihre Medis brauche ich auch nicht - anderen Patienten - und zwar der Mehrheit - helfen die aber.


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RoseHunter
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Psychiatrie

04.01.2015 um 11:20
@ruku
ruku schrieb:Es wird hier oft von der Psychiatrie gesprochen und von Medikamenten.
Es gibt auch die Möglichkeit einer Psychotherapie.
Dem würde ich sehr weitgehend zustimmen.
ruku schrieb:Es gibt keine psychische Krankheit, bei der man sagen kann, dass sie auf gar keinen Fall heilbar wäre.
Doch, die antisoziale Persönlichkeitsstörung (im engen Sinne, es gibt auch eine weite Interpretation) gilt als unheilbar.
ruku schrieb:Die Frage, ob jemand geheilt werden kann, ist nicht über die vorliegende Diagnose zu beantworten, sondern über die individuelle Geschichte/Konstruktion/Individualität des Einzelnen und - mindestens genauso wichtig - darüber, ob der betroffene Mensch Zugang zu einer Hilfe findet, die wirklich kompetent und ihm angemessen ist.
Ja.
ruku schrieb:In den 70ern und 80er Jahren gab es einige psychische Krankheiten, die nicht nur von Laien sondern auch von den - allermeisten - "Fachleuten" als unheilbar betrachtet wurden, während es in der selben Zeit Psychotherapeuten gab, die nicht nur einigen wenigen, sondern mehreren betroffenen Menschen helfen und nicht wenigen auch zur Heilung verhelfen konnten.

Diese Psychotherapeuten waren oft erfolgreich, publizierten auch über ihre Arbeit, es brauchte aber lange, bis ihre Arbeit Anerkennung fand.
Es dauerte Jahrzehnte, bis zumindest ein Teil der Psychotherapeuten dies zur Kenntnis nahm.
Weite Teile der schweren Persönlichkeitsstörungen galten als unheilbar, dann kam die Objektbeziehungstheorie, Melanie Klein, Edith Jacobson und vor allem Otto Kernberg und therapierten erfolgreich die Untherapierbaren.
Selbst der beste Therapeut, den es auf der Welt gibt, ist kein Garant dafür, dass etwas gut ausgeht - Voraussagen auf diesem Gebiet können sich später als falsch erweisen.
Hier kann es tatsächlich passieren, dass es noch schlimmer kommen kann - kann, muss aber nicht und vorher wird man es nicht wissen können.
Ein Risiko, was man in vielen Fällen eingehen kann, da man auch die Fallstricke, wie die negative therapeutische Reaktion, heute gut kennt.
Im Leben muss man immer Entscheidungen treffen.
Egal was man tut. Handeln und auch nicht handeln, etwas tun oder es lassen, eine - gute - Psychotherapie wagen oder nicht.
Was ist richtig? Was ist falsch?
Wir sind es gewohnt, das Resultat im Voraus abzuschätzen - hier gibt es aber keine sichere Regel, auf Grund derer man einschätzen kann, wie es ausgehen wird.
Und das macht es manchmal schwieriger.
Niemand kann einem die Verantwortung für die eigene Entscheidung abnehmen.
Die Angst ist ein oft verkannter Regisseur im Leben.
Ja, dem stimme ich zu.
Es gibt eine Fülle guter und mehr oder minder verkannter Verfahren, inzwischen ist man da halbwegs ideologiefrei unterwegs.


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RoseHunter
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Psychiatrie

04.01.2015 um 11:37
@lernender
lernender schrieb:Angemessenes und unangemessenes Verhalten im Gefühl zu haben bedeutet, Normen im Gefühl zu haben. Wenn sich die Normen ändern, weil sich die Menschen ändern oder weil man ins Ausland fährt, hat man dann das Gefühl, nicht (mehr) dazuzugehören, was dazu führt, dass man sogar sterben möchte.
Warum?
Du bist doch mit bestimmten Normen aufgewachsen, was hat sich denn seit dem so radikal gewandelt, dass du dich nicht mehr als dazugehörig fühlst?
lernender schrieb:Darum wünsche ich mir kein Normgefühl und ich habe real auch keins, ich brauche ein Normenverständnis. Denn ich kenne keine Norm, die überall auf der Welt und bei allen Menschen gültig ist.
Ist das denn nötig, um zu kapieren, dass man am Tisch (hier und heute) nicht furzen sollte, wenn man in Gesellschaft ist?
lernender schrieb:Verstehen tun sich alle Menschen auf der Erde nur in den Punkten, die zum Leben gehören. Und zum Leben gehören Arbeiten, Natur genießen, Essen und Trinken, die Ausscheidung von Urin und Kot und Sexualität.
Das ist doch schon ne ganze Menge.
Feinheiten im Verhalten von Koreanern brauchen uns da nicht zu jucken, für unseren Alltag hier, um den es ja geht.
lernender schrieb:Andere Normen kenne ich nicht und da ich sie nicht kenne, schade ich auch anderen Menschen nicht, die Schizophase war da eine sehr unangenehme Ausnahme.
Darum geht es nicht.
Es geht nicht darum, ob du anderen schadest, es ist gut, wenn du das nicht tust, sondern, ob du die Normen der anderen, der Gesellschaft in der du lebst, verstehst.
Das ist es, was u.a. auch Psychiater testen, es geht nicht darum, sich sklavisch an alles zu halten.
lernender schrieb:Moral brauchen nur Menschen, die Normen im Gefühl haben, weil sie sonst andere Menschen, die anders als sie selbst sind, angreifen könnten.
Nein, das stimmt nicht.
Moral, Ethik, Normen und so weiter sind soziale Orientierungen, die unsere Denken und Verhalten ordnen und uns viel tiefgreifener beeinflussen, als man oft meint.


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Psychiatrie

04.01.2015 um 13:45
@RoseHunter
RoseHunter schrieb:Doch, die antisoziale Persönlichkeitsstörung (im engen Sinne, es gibt auch eine weite Interpretation) gilt als unheilbar.
Dabei ist sie noch - im Vergleich zu manchen anderen Krankheiten/Störungen - relativ leichter zu heilen.

Es gibt darüber hinaus noch einige Krankheitsbilder, die auch bei vielen "Fachleuten" als unheilbar gelten: z. B. der Autismus (nicht "nur" Asperger, sondern auch und gerade der "richtige", frühkindliche Autismus).

Es gibt - auch heute noch! - sogar recht renommierte Psychiater, die Depressionen für unheilbar halten und, nicht zu vergessen, etwas, was seit einigen Jahren an Aktualität gewonnen hat: Pädophilie - für sehr viele Menschen (Laien wie auch "Fachleute") gilt sie als unheilbar.

Es gibt auch einige Krankheiten mehr, die als unheilbar gelten.

Zum Glück für die Betroffenen, dass dieses "gelten" absolut nichts bedeutet - eine Luftnummer, die teils auf Unwissenheit basiert, teils auch andere Gründe hat (letzteres insbesondere bei "Fachleuten").

Das Unglück vieler Betroffener wiederum ist,
a) dass sie oft selber an die - per se - Unheilbarkeit glauben und
b) dass es für sie um einiges schwieriger wird, eine kompetente Hilfe zu finden, wenn auch noch das Umfeld eine Heilung für unmöglich hält.

Wo Unwissenheit herrscht, wird die Lücke mit vorgeblichem "Wissen" gefüllt - insbesondere auch dann, wenn die Wahrheit bedeuten würde, dass wirkliche Hilfe und Heilung vielleicht tatsächlich möglich sein könnte, ganz real und wirklich.

Das kann auch bei Betroffenen nicht nur Hoffnung bedeuten, sondern kann auch zu einem zusätzlichen Druck führen, ja mehr, es kann sie auch zur Verzweiflung treiben, wenn sie einerseits realisieren, dass ihnen vielleicht wirklich geholfen werden könnte, sie aber diese Hilfe doch nirgends finden.

Es ist einfacher, sich mit dem zu begnügen, was man vorfindet, sei es nur medikamentöse Behandlung, sei es ein - oft immer wiederkehrender - Klinikaufenthalt oder beides.
Auf diese Weise braucht man nicht "durchzudrehen", weil man "riecht", dass effektive Hilfe (mit der Perspektive einer Heilung) vielleicht doch möglich wäre, man aber keine findet.
So kann man sich sagen, dass man sich Hilfe geholt hat, man hat "Fachleute" ausgesucht und mehr Hilfe gäbe es eben nicht. Da brauchen dann keine Zweifel aufzukommen, die zu der belastenden Situation auch noch hinzu kämen und das Ganze noch schwerer machen können.

@RoseHunter
RoseHunter schrieb:Es gibt eine Fülle guter und mehr oder minder verkannter Verfahren, inzwischen ist man da halbwegs ideologiefrei unterwegs.
Ja. Auch die Kombination von z. B. Körpertherapie mit anderen Vorgehensweisen finde ich ermutigend.
Was ich mir aber noch wünschen würde, ist, dass Psychotherapeuten es (mehr) wagen, ihre Theorien mal zu "vergessen" (egal welche Ausbildung sie haben) und sich - noch weit mehr - auf ihre Klienten einzulassen, mit ihnen zu fühlen, sich in ihre Innenwelt einzufühlen.
Die Theorien können nämlich auch als Schutz gegen sehr belastende Gefühle dienen und das ist für die Betroffenen dann bitter, weil sie dann letztlich nicht verstanden, nicht erreicht, nicht berührt werden und dadurch den Zugang zu ihren eigenen Gefühlen nicht finden können.

Angst nämlich spielt nicht immer nur unbedingt bei den Betroffenen eine große Rolle.

Es gibt zwar Therapeuten, die hierbei offen und bemüht sind, aber es gibt auch welche, die es nicht wagen, sich zu öffnen und es gibt auch welche, die es einfach nicht schaffen, selbst wenn sie es wollen.
Auch bei Therapeuten kann die Angst (vor dem, was in ihnen selbst ist) so groß sein, dass sie davor zurückschrecken.


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Psychiatrie

04.01.2015 um 13:52
Also, leute, sorry, aber psychische krankheiten sind nicht heilbar.
Sie sind nur kanalisier und biegbar sodass der betroffene ein normales leben führen kann.


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RoseHunter
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04.01.2015 um 14:54
@shionoro
shionoro schrieb:Also, leute, sorry, aber psychische krankheiten sind nicht heilbar.
Sie sind nur kanalisier und biegbar sodass der betroffene ein normales leben führen kann.
Das stimmt nun nicht.


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