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Sollte "Elternführerschein" Pflicht werden?

327 Beiträge, Schlüsselwörter: Kinder, Verantwortung, Misshandlung, Elternführerschein

Sollte "Elternführerschein" Pflicht werden?

05.09.2019 um 17:12
jada
schrieb:
Es wird jetzt leider klischeebehaftet.
Dass das nur zwei gedachte Kategorien sind und diese dazu noch ziemlich abgehackt/binär-stereotyp gegenübergestellt werden, sollte klar sein. Viel häufiger sind da realiter doch Mischformen und nicht RTL-Kaffeeklatsch-Karikaturen.
jada
schrieb:
Daher meinte ich, dass es gut ist, wenn dieser Zustand als "falsch" oder auch nicht zielführend von den Eltern entdeckt wird...
Ja, natürlich ist das gut, aber um nicht bei einer seichten normativen Forderung zu bleiben: es müsste ja Gründe haben, warum es nicht entdeckt wird. Das Familienchaos wird schon bis zu einem gewissen Grat erkannt, zumindest intuitiv, spätestens von den Kindern, meist aber zu spät. Oder wie willst du dir sonst Alkoholismus, Drogenkonsum, Suizide, yada yada yada erklären?
jada
schrieb:
Die Familien können es besser "übertünchen".
Jaja, Nestbeschmutzung und sowas. Wenn ein herrschsüchtig-übergriffer Psychoanalytiker-Vater bei seiner Tochter eine psychische Gestörtheit verursacht, spricht das jetzt nicht gerade für Problembewusstsein. Ist btw eine wahre Geschichte.
jada
schrieb:
Durch die hohe Hemmschwelle der Bürokratie, werden die Angebote nicht wahrgenommen.
Was für eine Hemmschwelle? Wie Doors da oben zu verstehen gegeben hat, funktioniert Bürokratie nach eigenen Regeln. Dass Angebote häufig nicht wirklich an Problemen ansetzen (lebensfremd) und hier mehr getan werden müsste, das seh ich auch so.



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Sollte "Elternführerschein" Pflicht werden?

05.09.2019 um 18:58
postcrysis
schrieb:
Ja, natürlich ist das gut, aber um nicht bei einer seichten normativen Forderung zu bleiben: es müsste ja Gründe haben, warum es nicht entdeckt wird. Das Familienchaos wird schon bis zu einem gewissen Grat erkannt, zumindest intuitiv, spätestens von den Kindern, meist aber zu spät. Oder wie willst du dir sonst Alkoholismus, Drogenkonsum, Suizide, yada yada yada erklären?
Ich schrieb ja, dass die Eltern nicht merken, wenn etwas schief läuft. Es gibt mehrere Gründe.
- Die Eltern kennen es nicht anders aus ihrer Kindheit
- Die Eltern haben kein Interesse an den eigenen Kindern
- Den Eltern sind ihre eigenen Bedürfnisse wichtiger, als die der Kinder
- Die Eltern sind psychisch krank

Warum es die Gesellschaft nicht entdeckt:
- Zu wenig monetäre Leistungen
- Zu viel monetäre Leistungen, die bei nicht wohlwollenden Verantwortlichen hängen bleiben
- Und: Unsere Gesellschaft will das nicht entdecken... Die Komfortzone ist doch entspannend. "Untergehende" Kinder in unserer Gesellschaft haben keinen Platz. Wir schaffen ihnen zwar mit vielen Angeboten einen theoretischen Platz, aber der kann nie eingenommen werden - er kommt kaum an.
postcrysis
schrieb:
Jaja, Nestbeschmutzung und sowas. Wenn ein herrschsüchtig-übergriffer Psychoanalytiker-Vater bei seiner Tochter eine psychische Gestörtheit verursacht, spricht das jetzt nicht gerade für Problembewusstsein. Ist btw eine wahre Geschichte.
Ich meinte eher die gutsituierte Mittelschichtfamilie. Aufgrund der Bildung, wissen die Leute, dass Rauchen etc. in der Schwangerschaft nicht gut ist und verspüren Scham, wenn sie es tun. Daraus folgend wird es besser vor der Gesellschaft versteckt.

Im Groben: Die Menschen mit mehr Bildung, sind nicht unbedingt moralisch und ethisch besser... Sie wissen aber um die Außenwirkung.
postcrysis
schrieb:
Was für eine Hemmschwelle? Wie Doors da oben zu verstehen gegeben hat, funktioniert Bürokratie nach eigenen Regeln. Dass Angebote häufig nicht wirklich an Problemen ansetzen (lebensfremd) und hier mehr getan werden müsste, das seh ich auch so.
Die Hemmschwelle Bürokratie ist beidseitig. Es behindert die Anbietenden und die Hilfesuchenden. Völlig "verpufft" ist das Angebot dann bei den Kindern, die wir nicht bemerken... (aus den o.g. Gründen)



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Sollte "Elternführerschein" Pflicht werden?

06.09.2019 um 06:11
jada
schrieb:
mehrere Gründe
Ja, die seh ich da im Einzelnen auch. Wobei sich da ein komplexes Gemisch von generationaler Weiterreichung und ohnehin bestehender Kollektivierung allgemeiner Schieflagen auftut, wo ich mich frage, ob das Genannte nicht mehr Symptom als Ursachen ist.
jada
schrieb:
"Untergehende" Kinder in unserer Gesellschaft haben keinen Platz.
Das kann ich aufgrund von Erfahrungen mit Freunden und Bekannten nur bestätigen. Einer kam auch aus der sog. Mittelschicht, aber der familiensystemische Brandherd war schon deutlich zu sehen - was mir aber sofort ins Auge stach war, dass die Eltern ihr Verhalten nur schwer ändern konnten, weil sie in starren Rollen festhingen, die sich größtenteils durch die Art ihrer jeweiligen beruflichen Identität zusammensetzten. Näher ins Detail gehe ich jetzt nicht - das hört sich an sich wahrscheinlich schon relativ nichtssagend an.

Das mit der Außenwirkung ist als solches schon etwas, das nach innen hin schädigen kann und potentiell einbricht, wenn es zum Zerwürfnis kommt. Andererseits ist eine Freundin von mir auch ganz gut aus einer anderen Situation im Kleinkindalter herausgekommen, da hat das Jugendamt interveniert - wenn ich die beiden Situation vergleiche, gibt es auf der einen Seite eine regelmäßige dahinplättschernde Schädigung über Jahre hinweg, auf der anderen eine schwere frühkindliche Vernachlässigung.
jada
schrieb:
Wir schaffen ihnen zwar mit vielen Angeboten einen theoretischen Platz, aber der kann nie eingenommen werden - er kommt kaum an.
Ich glaube, an der mangelnden Reichweite liegts noch nichtmal, sondern an der Strukturblindheit (sozioökomische Determination) dieser Angebote.



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Sollte "Elternführerschein" Pflicht werden?

13.09.2019 um 16:40
Lilith101
schrieb am 05.09.2019:
Ein Führerschein zum Elternwerden ist aus verschiedenen Gründen nicht machbar, nicht umsetzbar und auch nicht sinnvoll.
Ich kann dem auch soweit zustimmen. Dennoch denke ich, dass der naturhafte Verweis auf sein "eigen Fleisch und Blut" nicht nur in diesem Zusammenhang "etwas" hinkt. Irgendwie sind wir Menschen es gewohnt, für bestimmte Dinge die Verantwortlichkeiten mit sich bringen, entsprechende Leistungsnachweise zu erbringen. Mal ist es sinnvoll, mal kratzt man sich am Kopf, wir erwerben letztlich Fähigkeiten, um Anforderungen besser zu meistern. Unterstützend wirken da zahlreiche Angebote, um sich besser vorzubereiten oder Probleme zu bewältigen.
Ausgerechnet für die verantwortungsvollste und schwierigste (und schönste, ich weiß) Tätigkeit benötigt man letztlich gar nichts, außer die biologischen Voraussetzungen zu erfüllen.
Ich frage mich ob manches Kind damit einverstanden wäre, was alles so passiert, hätte es eine Möglichkeit auf den Tisch zu hauen. Die wahre Rechnung für diverse erziehungsbedingte/missbräuchliche Zustände, zahlen halt am Ende die Kinder selbst. (neben den anfallenden Kosten für Therapien ...) Ob das im "Sinne des Erfinders" war, wage ich zu bezweifeln.
Den "Führerschein für Kinder" habe ich jetzt eher als rhetorisches Stilmittel verstanden. Die bisherigen Einwände, vom staatlichen Eingriff in die Privatsphäre bis hin zur unmöglichen fortwährenden Überwachung nach bestandener Prüfung, machen allemal Sinn. Gut, vllt müsste man nochmal prüfen, in wie fern mein Kind mir wirklich gehört. Wenn ich mir beispielsweise Kleinkinder anschaue, welche bereits als kostümierte Ebenbilder von Elternteilen eine gewisse Funktion erfüllen müssen, kommen Zweifel auf. Am Individualismus. Dann bleibt es demnach eine gesellschaftliche "challenge" abnorme Auffälligkeiten zu bemerken und entsprechend zu handeln. Doch die setzt sich auch wieder zusammen aus all den problematischen Individuen.
Ich komme da nicht weiter und muss auch sagen, dass Katzen durchaus ein guter Ersatz sind.



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Sollte "Elternführerschein" Pflicht werden?

13.09.2019 um 19:11
Ich arbeite beruflich an einer Brennpunktschule, wo es u.a. auch die klischeetypischen Alleinerziehend, fünf Kinder, sieben Väter "Mütter" gibt, die sich nicht für die Kinder interessieren - die Väter machen sich meist komplett aus dem Staub.

Es gibt aber ganz andere Bereiche und Motivationen, Kindern zu schaden .... In meinem eigenen Elternhaus war es so, dass meine Mutter sich irre angestrengt hat, als ich im Baby und Kleinkindalter war, aber dann mit meiner Persönlichkeit, meinen Hobbys etc nicht klar kam, was dazu führte, dass ich mit 16 schon auszog, weil es für mich zuhause unerträglich geworden war. Eine Kontrolle im Kindergartenalter hätte ergeben, dass ich eine sehr glückliche Kindheit mit motivierten Eltern hatte - zehn Jahre später hätte ich nichts gesagt, aus Angst, was dann passiert. Ich habe jahrelang einfach vorgespielt, dass alles okay ist, aus Angst, dass ich das, was dann kommt, nicht mehr kontrollieren kann.

Wenn ich an meinen Freundeskreis von damals denke - es gibt auch in der Mittelschicht völlig ungeeignete Eltern - Ich hatte eine Freundin, da waren beide Eltern beruflich mega-erfolgreich und sie wurde von Oma und Nanny großgezogen und litt sehr, auch wenn materiell alles da war und man immer so tat, als ob alles perfekt ist. Sie musste aufs Gymnasium, war dort völlig überfordert, bekam entsetzliche Angst vor jeder Klassenarbeit, ihr gesamtes Leben war ein Spießrutenlauf ... am Ende verließ sie die Schule ohne Abschluss.

Bei einem anderen Freund (glückliche Kindheit) sprang der Vater nach einer unerwarteten Kündigung aus Angst vor der (finanziellen) Zukunft in einer totalen Kurzschlusshandlung von einer Brücke, die Mutter landete erst einmal in der Psychiatrie ... sie haben es dann wieder gut hinbekommen, aber jahrelang hatte er entsetzliche Angst, dass seiner Mutter etwas passiert und er wieder in einer Unterbringung landet und traute sich kaum aus dem Haus, nahm die Rolle des Ersatzehemanns ein und war einem immens großen Druck ausgesetzt.

Bei weiteren Freunden waren die Eltern sehr liebevoll und dem Kind zugewandt, blendeten aber die Schule und die nötige Unterstützung völlig aus. Das Kind war schulisch verwahrlost, aber sonst war die Familie sehr alternativ, aber toll und liebevoll.

Ich kenne Leute, die nun beide gut verdienen, auch wenn sie frei haben, geht das Kind täglich in die Betreuung, weil sie "Freiräume" brauchen ... Die gehen einfach nicht in den Zoo oder unternehmen was "Kleines" mit den Kiddies - sie sind praktisch eine Familie ohne Familienleben.

Ich sehe ja, was das Jugendamt arbeitet und ich würde ungern mit irgendwem dort tauschen. Die Sachbearbeiter sind mitunter für 50 Familien oder mehr zuständig, werden regelmäßig belogen, müssen sich selbst ein Bild machen und immer erwägen, was im Sinne des Kindes ist ... Der Job ist ein Albtraum - entscheidest du falsch, landet dein Fall in der Bildzeitung und die Nation schreit "die können nichts".



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13.09.2019 um 21:56
missmary
schrieb:
Bei einem anderen Freund (glückliche Kindheit) sprang der Vater nach einer unerwarteten Kündigung aus Angst vor der (finanziellen) Zukunft in einer totalen Kurzschlusshandlung von einer Brücke,
oha das ist krass. Aber nur wegen der Kündigung? also das käme mir ja nun überhaupt nicht in den Sinn....wir haben ein gutes soziales Netz usw... Da war dann aber sicherlich noch mehr im Spiel.
oder ich bemesse der Arbeit einfach nicht genug Bedeutung bei...aber es ist nur Geld und n Job....und das andere eist ein Leben. 1000 mal wichtiger.



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