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Tierrechtsethik

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03.08.2015 um 14:59
kleinundgrün schrieb:Die Kuh ist also auch nur ein Kollateralschaden meines Bedürfnisses nach einem Steak.
Wenn du das so ausdrücken möchtest .. Für das Steak entscheidest du dich bewusst und mit dieser Entscheidung geht einher, dass dieses Tier für deinen Genuss sterben musste. Du setzt dich aber nicht mit dem Gedanken in's Auto, gleich mal ein paar Fliegen und Mücken platt zumachen. Bei der Entscheidung für den Fleischgenuss ist der Tod des Tieres die Voraussetzung und Notwendigkeit für dein Handeln. Du könntest diese Handlung nicht durchführen, wenn das Tier nicht getötet worden wäre. Vor allem ist dir aber bewusst, dass es für deinen Genuss getötet werden musste.
kleinundgrün schrieb:Sind Insekten weniger lebenswert? Und wenn ja, warum?
Das ist ein Punkt, den ich hier gerne diskutieren würde und auch schon oben angesprochen haben. Der Einfachheit halber zitiere ich mich selbst: Man sollte zuallererst differenzieren, über welche Tiere bzw. Tiergruppen man spricht. Wie bereits in dem ein oder anderen Statement von mir erwähnt, bestehen riesige Unterschiede zwischen den verschiedenen Lebewesen. Ich möchte nochmal zu den Schimpansen zurück kommen. Diese Primaten sind uns sehr ähnlich. Sie pflegen soziale Beziehungen, empfinden (höchst wahrscheinlich) Emotionen, nutzen einfache Werkzeuge und spüren Schmerzen und Leid in einer ausgeprägteren Form als beispielsweise Bienen oder Käfer.

Wir müssen differenzieren. In erster Linie sehe ich die Leidensfähigkeit als zentralen Maßstab. Das kann jemand gerne anders sehen. Aber es ist dich offensichtlich, dass du einen Hund nicht mit einer Fliege vergleichen kannst oder ein Elefant mit einem Wurm. Die neuralen Strukturen unterscheiden sich alleine schon unheimlich. Ich möchte auch nochmal erwähnen, dass vor allem darum geht, Tiere nicht bewusst zu quälen oder zu töten. Es lässt sich bei Insekten nun mal nicht vermeiden - egal ob du läufst, Bus fährst, Auto fährst oder sonst was tust.

Wie bewertest du das ganze? Sind alle Tiere für dich gleich? Bzw. gleichberechtigt?


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03.08.2015 um 15:02
kleinundgrün schrieb:Wäre das denn nicht möglich? Du müsstest halt umziehen. Auf bestimmte Freizeitaktivitäten verzichten. Früher aufstehen.
Alles möglich - nur unbequem.
Mh, ich denke für den einen ist es möglich für den anderen nicht. Es gibt aber doch auch sicherlich für dich Gründe, die jemandem erlauben auf Verkehrsmittel zurück zu greifen. Was außer Gehbehinderung kommt da für dich in Frage?

Wobei ich sagen muss, ich glaube wirklich die öffentlichen Verkehrsmittel wie Bus und Bahn zu nutzen, ist sogar die Beste der Varianten:
Besser als Autofahren, weil mehr Menschen transportiert werden und besser als wenn alle zu Fuß gehen würden.


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03.08.2015 um 15:11
Aldaris schrieb:Wenn du das so ausdrücken möchtest .. Für das Steak entscheidest du dich bewusst und mit dieser Entscheidung geht einher, dass dieses Tier für deinen Genuss sterben musste. Du setzt dich aber nicht mit dem Gedanken in's Auto, gleich mal ein paar Fliegen und Mücken platt zumachen.
Oh nein - jetzt vermischst Du das:

Mit der Entscheidung, Fleisch zu essen, geht einher, dass ein Tier dafür stirbt. Soweit richtig.
Aber mit der Entscheidung, Auto zu fahren geht auch einher, dass Tiere sterben. Sie sterben vielleicht nicht bei jeder Fahrt - aber Du wirst sicher Tiere töten. Beides ist ein und das selbe.

Der Grund, warum Du es als Unterschied betrachtest, ist folgender:
Aldaris schrieb:Aber es ist dich offensichtlich, dass du einen Hund nicht mit einer Fliege vergleichen kannst oder ein Elefant mit einem Wurm.
Genau diese "Offensichtlichkeit" ist gar keine. Es ist nur die Folge sozialer Normen. Der Grund, warum wir hier keine Katzen essen. Und warum wir die Mücke, die nervt töten, den Hund der nervt (oder uns sogar leicht verletzt) aber nicht.

Nur ist das ausschließlich die Folge eines sozialen Konsenses, dass Tiere unterschiedlich viel "wert" sind.

Jetzt hast du Dich aber auf den Standpunkt gestellt, dass Speziesismus schlecht wäre. Nur ist die Differenzierung des Lebenswertes unterschiedlicher Spezies nichts anderes.
woertermord schrieb:Es gibt aber doch auch sicherlich für dich Gründe, die jemandem erlauben auf Verkehrsmittel zurück zu greifen.
Meinetwegen kann man doch Auto fahren. Und auch Fleisch essen.

Nur wirkt es bei genauerer Betrachtung inkonsequent, wenn ich Fleisch vermeide, um keine Tiere zu töten - beim Autofahren ist es mir aber egal.

Das ist der philosophische Knackpunkt an dieser Frage. Warum sind manche Tiere lebenswerter als andere.

In diesem Kontext geht auch das Argument der Empfindungsfähigkeit von @Aldaris fehl.
Wenn ich eine Kuh in einer Weise töte, dass sie weder schmerz noch Angst empfindet - dann ist das nicht verwerflicher, als wenn ich mich ins Auto setze und damit das Leben einer Mücke beende.


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03.08.2015 um 15:32
kleinundgrün schrieb:Aber mit der Entscheidung, Auto zu fahren geht auch einher, dass Tiere sterben.
Wollen wir mal ganz genau werden: Mit jeder Bewegung, die du vollführst, tötest oder verletzt du Tiere. Diese Handlungen sind jedoch nicht darauf ausgelegt, den Tod von Lebewesen zu provozieren. Das gleiche gilt für das Autofahren. Nochmal: Fleischkonsum bedeutet, dass die Voraussetzung für die Handlung ist, dass das Tier getötet wird. Beim Autofahren muss theoretisch kein Tier sterben, du kannst die Handlung auch so ausführen. Wenn du Fleisch ist, muss ein Tier getötet werden. Damit entscheidest du auch, dass es passieren muss. Vielleicht würde das klarer werden, wenn du deine Rind selbst schlachten müsstest.
kleinundgrün schrieb:Genau diese "Offensichtlichkeit" ist gar keine. Es ist nur die Folge sozialer Normen. Der Grund, warum wir hier keine Katzen essen. Und warum wir die Mücke, die nervt töten, den Hund der nervt (oder uns sogar leicht verletzt) aber nicht.
Ich weiß um die sozialen Normen und ethischen Übereinkünfte unserer Kultur. Ich möchte aber genau darüber sprechen, ob wir diese geschriebenen und ungeschriebenen Regeln hinterfragen müssen. Wir sollten uns in der Diskussionen von kulturellen Übereinkünften lösen und das ganze distanziert betrachten. Paradox ist sind diese Unterschiede aber allemal.
kleinundgrün schrieb:Nur ist die Differenzierung des Lebenswertes unterschiedlicher Spezies nichts anderes.
Meines Verständnisses nach bedarf es Nuancierungen, um beispielsweise sinnvolle Rechtsrahmen zu verfassen. Ansonsten gäbe es auch moralisch keinen Grund mehr, den Menschen irgendwie von Tieren zu trennen. Deshalb ist es meiner Meinung nach notwendig, grobe Unterscheidungen zu machen - das hat nichts mit Speziesismus zu tun, sondern mit logischem Denken. Wenn ich feststelle, dass Elefanten soziale Tiere sind, die psychische Erkrankungen bekommen können, dann existiert hier ein Unterschied zu Würmern. Dementsprechend müsste man sich darüber Gedanken machen, ob das Leben eines Elefanten, der in einer soziale Gemeinschaft eingebettet ist, nicht möglicherweise mehr geschützt werden muss als das einer Fliege.

Meine Frage hattest du noch nicht beantwortet: Wie bewertest du das ganze? Sind alle Tiere für dich gleich? Bzw. gleichberechtigt?


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03.08.2015 um 15:44
Aldaris schrieb:Wollen wir mal ganz genau werden: Mit jeder Bewegung, die du vollführst, tötest oder verletzt du Tiere.
Und deswegen wäre es doch sinnvoll, so viele Tiere zu retten, wie möglich, indem man auf solche Handlungen verzichtet, die besonders gefährlich für Tiere sind - oder nicht?
Also jedenfalls dann, wenn man nicht die Meinung vertritt, dass das Leben von Tieren weniger wert ist, als der eigene Vorteil.
Aldaris schrieb:Beim Autofahren muss theoretisch kein Tier sterben, du kannst die Handlung auch so ausführen.
Tatsächlich? Wie? An meiner Autoscheibe kleben gerade tote Insekten. Was habe ich falsch gemacht?
Aldaris schrieb: ob wir diese geschriebenen und ungeschriebenen Regeln hinterfragen müssen. Wir sollten uns in der Diskussionen von kulturellen Übereinkünften lösen und das ganze distanziert betrachten
Genau darauf möchte ich hinaus.

Große oder süße Tiere billigen wir ein höheres Recht auf Leben zu als wir das gegenüber Insekten tun.
Aber warum machen wir das? Wenn Du diese frage beantworten kannst, sind wir ein ganzes Stück weiter.
Aldaris schrieb:das hat nichts mit Speziesismus zu tun
Aber doch. Wir entscheiden, dass Spezies A ein größeres Recht auf Leben hat als Spezies B. Wenn das kein Speziesismus - was dann?
Aldaris schrieb: ob das Leben eines Elefanten, der in einer soziale Gemeinschaft eingebettet ist, nicht möglicherweise mehr geschützt werden muss als das einer Fliege.
Da wären wir beim sozialen Verhalten der Tiere untereinander. Der Elefant A, der stirbt, würde von Elefant B vermisst werden. Damit entstünde bei Elefant B durch den Tod von A Leid.
Nur ist das auch bei Kühen so? Würde Kuh A Kuh B vermissen, wenn dies am nächsten Tag nicht mehr auf der Weide wäre?
Aldaris schrieb:Vielleicht würde das klarer werden, wenn du deine Rind selbst schlachten müsstest.
Ich denke, dass mir die Problematik viel klarer ist, als Dir (bitte nicht als Überheblichkeit verstehen). Ich habe schon Tiere geschlachtet. Darunter Hasen, Fische etc. Aber ich weiß, warum ich das gemacht habe und warum ich z.B. keinen Hund töte, um ihn zu essen.


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03.08.2015 um 15:47
Aldaris schrieb:Meine Frage hattest du noch nicht beantwortet: Wie bewertest du das ganze? Sind alle Tiere für dich gleich? Bzw. gleichberechtigt?
Nein. Tiere sind in meinen Augen keinesfalls "gleichwertig".

Tieren, die mir z.B. gefallen oder deren Anwesenheit ich schätze, billige ich ein höheres Recht auf Leben zu.

Nur trifft dieser Punkt auch auf alle zu, die Speziesismus anprangern. Diese Leute legen vielleicht andere Maßstäbe an oder unterteilen anders. Aber im Grunde machen alle Menschen das selbe: Wenn der Nutzen der Tötung eines Tieres eine bestimmte Schwelle überschreitet, betrachten wir dessen Tod als legitimes Mittel, unseren Komfort zu erhöhen oder unsere Wünsche zu befriedigen.


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03.08.2015 um 15:58
kleinundgrün schrieb:Große oder süße Tiere billigen wir ein höheres Recht auf Leben zu als wir das gegenüber Insekten tun.
Aber warum machen wir das? Wenn Du diese frage beantworten kannst, sind wir ein ganzes Stück weiter.
Gegenfrage: Warum messen wir dem menschlichen Leben einen höheren Wert zu als (anderen) Tieren?
kleinundgrün schrieb:Aber doch. Wir entscheiden, dass Spezies A ein größeres Recht auf Leben hat als Spezies B. Wenn das kein Speziesismus - was dann?
Hierbei ging es mir um angemessene und entsprechende Rechte. Zum Beispiel, und das ist meine persönliche Meinung, bin ich stark gegen Tierversuche mit Schimpansen oder anderen Primaten. Eben weil diese Tiere uns sehr ähnlich sind und man davon ausgehen muss, dass die Qual eine größere ist als bei anderen Tieren.
kleinundgrün schrieb:Nur ist das auch bei Kühen so? Würde Kuh A Kuh B vermissen, wenn dies am nächsten Tag nicht mehr auf der Weide wäre?
Das ist eine Frage, die die Wissenschaft klären muss. Ich denke aber schon, dass eine Kuh, der beispielsweise ihr Kalb weggenommen wird, psychischen Stress erleidet. In jedem Fall ist die Massentierhaltung auch für Kühe artwidrig und kann getrost als eine Art Folter bezeichnet werden.
kleinundgrün schrieb:Aber ich weiß, warum ich das gemacht habe und warum ich z.B. keinen Hund töte, um ihn zu essen.
Du tötest keinen Hund, weil es, wie du ja schon erwähntest, kulturell verpönt ist, sowas zu tun. Hunde sind Haustiere und Haustiere sollte man nicht töten, denn dazu sind sie 'nicht da'. Aber wie das moralisch zu rechtfertigen ist, dass man Schweine, die uns auch sehr ähnlich sind, in Massen abschlachtet, erschließt sich mir nicht.
kleinundgrün schrieb:Tieren, die mir z.B. gefallen oder deren Anwesenheit ich schätze, billige ich ein höheres Recht auf Leben zu.
Billigst du auch Menschen, deren Anwesenheit du schätzt, ein höheres Recht auf Leben zu? Ich möchte da wirklich die Differenzierung verstehen. Denn aus persönlichen Gründen ist es nachvollziehbar - wie sieht es jedoch mit dem ethischen Standpunkt aus?
kleinundgrün schrieb:Wenn der Nutzen der Tötung eines Tieres eine bestimmte Schwelle überschreitet, betrachten wir dessen Tod als legitimes Mittel.
Naja, bei Fleisch ist die Schwelle da doch sehr niedrig angesetzt. Es ist 'normal'.


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03.08.2015 um 15:58
@Aldaris
Ich möchte Dir - anhand eines recht krassen Beispiels - zeigen, was der Knackpunkt ist:

Angenommen, ein Typ würde ein süßes weißes Kuschelhäschen auf einen Tisch setzen und mir einem großen Hammer überraschend drauf schlagen. Das Häschen spürt nichts und es hat auch keine Artgenossen, die es vermissen würden. Es wäre einfach nur tot.
Der Typ hat das gefilmt und lädt das gefilmte z.B. bei YT hoch (Nachdem er es gebraten und gegessen hat).

Das würde vermutlich einen Shitstorm entfachen - oder?

Jetzt stell Dir vor, es ist kein süßes Häschen, sonder eine Kakerlake. Identisches Vorgehen, aber der Shitstorm würde wohl ausbleiben. Es gäbe höchstens Kommentare, wie jemand Kakerlaken essen kann.

So, was ist der Grund?
Beide Tiere haben weder Schmerz noch Angst empfunden. Keines der beiden Tiere wird von einem Artgenossen vermisst, so dass auch diese Leid in beiden Konstellationen fehlt.

Trotzdem werden wir intuitiv beim Häschen innerlich aufschreien und die Kakerlake keines zweiten Blickes würdigen.

Und weißt Du, warum das so ist?


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03.08.2015 um 16:07
Aldaris schrieb:Gegenfrage: Warum messen wir dem menschlichen Leben einen höheren Wert zu als (anderen) Tieren?
Weil wir Speziesismus betreiben. Und zwar wir alle.
Aldaris schrieb:Hierbei ging es mir um angemessene und entsprechende Rechte. Zum Beispiel, und das ist meine persönliche Meinung, bin ich stark gegen Tierversuche mit Schimpansen oder anderen Primaten. Eben weil diese Tiere uns sehr ähnlich sind und man davon ausgehen muss, dass die Qual eine größere ist als bei anderen Tieren.
Eine nachvollziehbare Einstellung.
Aldaris schrieb:In jedem Fall ist die Massentierhaltung auch für Kühe artwidrig
Ist es. Nur ging es in dem Beispiel zunächst nur um das abstrakte recht auf Leben.
Aldaris schrieb:Aber wie das moralisch zu rechtfertigen ist, dass man Schweine, die uns auch sehr ähnlich sind, in Massen abschlachtet, erschließt sich mir nicht.
Weil Schweine Nahrungsmittel sind. Und das ist ausschließlich kulturell bestimmt.
So sind Kühe in Indien keine Nahrungsmittel - aber Hunde in China.

Das ist Speziesismus in Reinkultur. Wir Menschen bestimmen den Wert eines Tieres.
Aldaris schrieb:Billigst du auch Menschen, deren Anwesenheit du schätzt, ein höheres Recht auf Leben zu?
Na klar. Wenn ich mich entscheiden müsste, ob mein Kind stirbt oder ein Fremder, ist für mich die Entscheidung klar.
Aldaris schrieb:Naja, bei Fleisch ist die Schwelle da doch sehr niedrig angesetzt. Es ist 'normal'.
Es ist ein gesellschaftlicher Konsens. Nur muss derjenige, der Fleischessen als nicht "normal" bezeichnet, erklären können, warum dann Autofahren weiterhin "normal" ist.

Ich persönlich weiß, dass ich aufgrund unethischer Motive entscheide, welches Tier zu meinem Nutzen stirbt und welches nicht.
Aber dieses Wissen scheinen manche "Tierliebhaber" nicht zu haben, die auch manchen Tieren ein Recht auf Leben zubilligen, anderen aber nicht. Sie fühlen sich dann moralisch wertvoller - nur bei genauerer Betrachtung zu Unrecht.
Sie ziehen die selben Grenzen - nur an anderen Stellen.


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03.08.2015 um 16:23
Aldaris schrieb:Gegenfrage: Warum messen wir dem menschlichen Leben einen höheren Wert zu als (anderen) Tieren?
Vielleicht noch etwas ausführlicher:
Manche Menschen ziehen eine Grenze zwischen Mensch und Tier. Manche ziehen die Grenze zwischen Mensch, Spezies A und eine weitere zu Spezies B. Manche ziehen nur eine Grenze zwischen Mensch und Spezies B.

Unsere Existenz bedeutet zwingend, dass wir dafür Tiere töten. Je mehr Komfort wir wollen (Autofahren, Industrien und Häuser errichten etc.) desto mehr Tiere töten wir.
Manche (eigentlich die allermeisten) Menschen versuchen zu vermeiden, bestimmte Tiere für ihren Komfort zu töten. Inder töten keine Kühe, Europäer keine süßen Kuschelhasen etc.

Aber jeder, der sagt: "Ich bin aber kein Tiermörder, ich esse kein Fleisch!!!!" sollte sich überlegen, warum er guten Gewissens andere Tiere für seinen Komfort opfert. Und sich dabei auch noch moralisch überlegen fühlt.


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03.08.2015 um 19:00
@kleinundgrün
kleinundgrün schrieb:Aber jeder, der sagt: "Ich bin aber kein Tiermörder, ich esse kein Fleisch!!!!" sollte sich überlegen, warum er guten Gewissens andere Tiere für seinen Komfort opfert. Und sich dabei auch noch moralisch überlegen fühlt.
Moralisch überlegen kann man sich nicht fühlen, weil jeder bestimmt schon einmal einen Spaziergang im Wald oder an den Flußläufen gemacht hat und dabei Lebewesen getötet oder schwer verletzt hat, die er/sie nicht bemerkte, als er/sie draufgetreten ist. Niemand kann sich grundsätzlich davon freisprechen, keine Tiere zu töten.

Hier wurde mehrfach der Stellenwert eines Tieres und die Eingruppierung derselben angesprochen. Wer gibt uns das Recht, Tiere zu klassifizieren? Hier wird nur von einem Nutzen für die Menschen ausgegangen, nicht jedoch für einen Nutzen, den die Natur hätte.

Beispiel: Die Biberpopulation ist derzeit zu hoch im bayerischen Wald. Die Tiere werden umgesiedelt, weil die Bauern um ihre Ertragsflächen fürchten. Das geschieht besonders dort, wo die Landwirte stark in die Natur eingegriffen haben durch Düngemittel und Pestizide. Die Biber sorgen dafür, das die Gewässer ausreichend Selbstreinigungskräfte bewahren. Wer beurteilt des Stellenwert eines Bibers? Ein oder mehrere Landwirte und Politiker? Denn es ist im Gespräch nicht nur umzusiedeln, sondern auch abzuschießen.


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03.08.2015 um 19:36
kleinundgrün schrieb:Nur wirkt es bei genauerer Betrachtung inkonsequent, wenn ich Fleisch vermeide, um keine Tiere zu töten - beim Autofahren ist es mir aber egal.
Da stimme ich dir zu. Es hat mich aber interessiert, wo du deine Grenzen ziehst.

Bei mir ist die Grenze da, wo ich und meine Angehörigen persönlich Schaden nehmen durch das konsequente Vermeiden von Tierleid.

Bsp: Ich gehe nur zu Fuß, dadurch töte ich weniger Insekten, jedoch haben ich und meine Familie kaum noch Sozialkontakte.
kleinundgrün schrieb:Aber jeder, der sagt: "Ich bin aber kein Tiermörder, ich esse kein Fleisch!!!!" sollte sich überlegen, warum er guten Gewissens andere Tiere für seinen Komfort opfert. Und sich dabei auch noch moralisch überlegen fühlt.
Weil er durch den Vegetarismus weniger Tiere tötet als andere? Naja, viele Vegetarier essen dafür andere tierische Produkte öfter. Kann man sich dann überhaupt je moralisch überlegen fühlen? Denn egal wieviel Leid du vermeidest, du wirst nie die 100% erreichen.


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03.08.2015 um 19:42
kleinundgrün schrieb:Und deswegen wäre es doch sinnvoll, so viele Tiere zu retten, wie möglich, indem man auf solche Handlungen verzichtet, die besonders gefährlich für Tiere sind - oder nicht?
Wenn der Mensch aus ethischen Gründen keine Tiere töten darf, dann dürfen dies Tiere ebenfalls nicht. Also müsste man dann eine Gruppe einrichten die Tiere vor Tieren schützt und wenn die Katze einen Singvogel vernascht, müsste sie auch in ein Gefängnis.


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03.08.2015 um 19:52
taren schrieb:Wenn der Mensch aus ethischen Gründen keine Tiere töten darf, dann dürfen dies Tiere ebenfalls nicht. Also müsste man dann eine Gruppe einrichten die Tiere vor Tieren schützt und wenn die Katze einen Singvogel vernascht, müsste sie auch in ein Gefängnis.
Wenn ein Tier dann den Begriff Ethik kennt, kannst du ja entsprechende Tötungsverbotsschilder für die jeweiligen Tiere aufstellen. Vielleicht halten die sich sogar dran. :nerv:


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03.08.2015 um 20:16
taren schrieb:Wenn der Mensch aus ethischen Gründen keine Tiere töten darf, dann dürfen dies Tiere ebenfalls nicht. Also müsste man dann eine Gruppe einrichten die Tiere vor Tieren schützt und wenn die Katze einen Singvogel vernascht, müsste sie auch in ein Gefängnis.
Das finde ich jetzt auch wieder zu weit hergeholt, denn der Mensch kann sein Verhalten steuern und anpassen. Die meisten Tiere jedoch nicht. Sofern das jetzt ernst gemeint war.


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03.08.2015 um 21:11
kleinundgrün schrieb:Weil Schweine Nahrungsmittel sind. Und das ist ausschließlich kulturell bestimmt.
So sind Kühe in Indien keine Nahrungsmittel - aber Hunde in China.

Das ist Speziesismus in Reinkultur. Wir Menschen bestimmen den Wert eines Tieres.
Im Grunde genommen ist das eine völlig irrationale Festlegung, die nur kulturell zu rechtfertigen ist, jedoch nicht moralisch. Da trifft es der Begriff des Speziesismus doch recht gut. Die Frage ist nun, da wir wissen, dass das irrational ist und theoretisch auch diskriminierend gegenüber den Tieren, welche ethischen Maßstäbe man dann nutzen muss, um die ganze Sache vernünftig zu bewerten. Ich würde nach wie vor behaupten, dass die Ausprägung des Leidempfindens eine zentrale Rolle spielt, würde mich aber auch freuen, wenn andere Aspekte eingeworfen würden.

Das Leidempfinden zu betrachten und danach zu unterscheiden, sehe ich zumindest auch nicht als Speziesismus an, sondern als notwendiges Kriterium, um unterschiedlich fühlende Wesen, entsprechend behandeln zu können. Wir behandeln behinderte Menschen der Chancengleichheit etc. wegen auch anders als gesunde, und das zu recht. Keiner würde dann aber unterstellen, man sei ein Rassist, weil man behinderten Menschen beispielsweise besondere Hilfe zukommen lässt.


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03.08.2015 um 21:20
Aldaris schrieb:dass die Ausprägung des Leidempfindens eine zentrale Rolle spielt, würde mich aber auch freuen, wenn andere Aspekte eingeworfen würden.
Das sehe ich bei Nashörnern nicht so, wo Tiere elendiglich verenden, weil bestimmte Kulturen meinen, denen geht dann besser einer ab, wenn sie das pulverisierte Horn zu sich nehmen.

Oder Haien werden die Flossen bei lebendigem Leib abschnitten und sie werden danach wieder ins Meer geworfen und bleiben sich selber überlassen. Für Haifischflossensuppe. Das übertrifft das dunkelste Vorstellungsvermögen.


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03.08.2015 um 21:21
kleinundgrün schrieb:Aber jeder, der sagt: "Ich bin aber kein Tiermörder, ich esse kein Fleisch!!!!" sollte sich überlegen, warum er guten Gewissens andere Tiere für seinen Komfort opfert. Und sich dabei auch noch moralisch überlegen fühlt.
Auf diese Schiene müssen wir uns hier auch nicht begeben. Ich weiß, dass es da sehr radikale Leute gibt. Mir ist in diesem Thread wichtig, dass wir, wenn möglich, herausarbeiten, wie wir Tiere, auch wenn es utopisch sein mag, behandeln sollten. Insbesondere auch die Frage nach Nuancierungen halte ich für interessant, wenn auch schwer zu beantworten.


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03.08.2015 um 21:27
@Bauli

Das ist auch zutiefst verwerflich meiner Meinung nach. Nashörner und Haie sind ja doch recht hoch entwickelte Tiere, die vermutlich in weniger kurzen Aufmerksamkeitsimpulsen leben als Schnecken oder Hamster. Nichtsdestotrotz wäre diese Qual ihrer Art nach auch bei anderen Tieren verwerflich.

Ein Unterschied würde ich zum Beispiel darin sehen, ob man ein Nashorn einsperrt oder eine Seegurke. Die Seegurke wird weniger Leid empfinden als das Nashorn, denn das besitzt komplexere neurale Strukturen und benötigt mehr oder weniger eine soziale Gemeinschaft, soweit ich weiß.


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03.08.2015 um 22:00
@Aldaris

Es zeigt zumindest auf, das der Mensch nicht die hellste Leuchte im Lichterkranz der Evolution ist. Weiterhin keine Grenzen kennt und wahrnehmen will, die ihm die jedoch die Einsicht offenbart, bestimmte Dinge nicht zu tun.

Es ist immer noch die Frage, wer dem Menschen Grenzen setzt, an die er sich auch tatsächlich hält. Politiker halte ich nicht für prädestiniert genug, die Richtung vorzugeben und für die Einhaltung Sorge zu tragen.


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