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Das "Gute" im "Bösen", oder die Verbrechen der Anständigen

12 Beiträge, Schlüsselwörter: Moral, Ethik, Verbrechen, Gemeinwesen, Banalität Des Bösen
Seite 1 von 1
PoorSoul
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Das "Gute" im "Bösen", oder die Verbrechen der Anständigen

31.05.2017 um 22:17
Das ist ein Thema, dass mich besonders in letzter Zeit bei den ganzen Kriegen und Toten allgemein beschäftigt und mich zu der Frage kommen lässt, inwieweit der Mensch überhaupt, wenn er höher entwickelt ist als politisches, moralisches und ethisch geprägtes Wesen die Werte, Tugenden und Sozialnormen auch in ihrer ursprünglichen Bedeutung und Fassung auch tatsächlich leben und anwenden kann, ohne diese umzukehren, gar geradezu zu pervertieren mit einer Moral des Verbrechens, der Ethik des Mordes und der Ausübung von Gräueltaten im Namen eines höheren Wesens oder dem harten Dienst an Volk, König und Vaterland.

Aber auch in Friedenszeiten werden die Menschen auf Wettbewerbs- und Leistungsfähigkeit getrimmt, dass sie immer besser werden müssen. Menschen werden gewogen und bewertet auf ihre Eignung und Leistungsfähigkeit. Menschen werden bewertet, wie gut sie sich schlagen und wie hart, kompromiß- und rücksichtslos sie gegenüber sich selbst und dem Wettbewerber sein können.

Das heißt, dass Menschen Untaten bis hin zu unmenschlichen Verbrechen begehen, unter denen sie selbst leiden und besonders doch noch mehr ihre Opfer. Dann werden die Regeln von Ethik und Moral so pervertiert, dass diese "Drecksarbeit", die man eben machen musste, einer höheren Sache diente und je gründlicher es gemacht wird, desto besser ist es für alle, dem Volk und auch für darauffolgenden Generationen, die es dann besser haben sollen, weil man ihnen somit auch viel Drecksarbeit abgenommen hätte, für die sie gar nicht so hart und fanatisch sein und nicht mit dem gleichen Mut und der Besessenheit an diese "Probleme" heranwagen würden.

Dies wird besonders in der Gruppendynamik deutlich, dass auch die Initiatoren der pervertieren Moral und Ethik Mitstreiter derart rekrutieren, dass sie sie zu Mitwissern und Komplizen machen. Das ist dann ein Initiationsritus, bei dem es eben dann kein Entrinnen mehr gibt für den Einzelnen, weil er eine Geisel der Gruppe ist und mitmachen muss. Die Brücke hinter ihm wurde ihm genommen, so dass er keine Rückzugsmöglichkeit mehr hat. So ist die ganze Tätergruppe eine Schicksalsgemeinschaft, die sich zwangsläufig verschwören und solidarisieren muss. Es entstehen Verantwortlichkeiten und fatalistische Abhängigkeiten und der Ansporn zu einem fanatischen Kampf um Leben und Tod.

Das muss nicht das ganze Volk betreffen, es kann auch eine organisierte, kriminelle Bande ihre eigene Moral und Tugenden haben, die für die Gruppe gelten. Es wird dann das Ehrenkodex und eherne Gesetze der "anständigen", aber verbrecherischen Gesellschaft genannt, womit sich die verschworene Gruppe intern rechtfertigt und konstituiert.

Diese Initiationsriten gibt es doch schon auch in wohlhabenden Gesellschaften in Friedenszeiten. Die Konfirmationen und Initiationsriten der Religionsgemeinschaften sind eine Geiselnahme des einzelnen Menschen, um ihn zum Soldaten für die höhere Sache der Gemeinschaft zu machen. Der muss töten für die Gemeinschaft, steht in den alt- und neutestamentarischen Religionsbüchern.

In Zivilreligion beginnt der Initiationsritus in der Sozialisation und Enkulturation, wo das neue Mitglied der Gemeinschaft auf Leistung getrimmt wird, um besser zu sein als andere Nationen in jeglichen Wettbewerben, ob Sport, Wirtschaft, Kunst, Kultur, Wachstum, sogar Moral und Gutmenschentum.

Das ist somit eine selektive Moral und Ethik, die bei einem Alleingang und eigennützigen Motiven von der Gemeinschaft geahndet werden kann. Wenn jemand aus Eigennutz Verbrechen begeht, dann hat er sich an der Gemeinschaft versündigt.
Wenn er es für die Gemeinschaft tut - sei es noch so eine menschenverachtende Tat - dann ist er ein Volksheld und wird geehrt und gewürdigt. Er habe die Drecksarbeit gemacht und das Leiden auf sich genommen, für die sich andere zu schade wären und nicht durchhalten würden, sondern nur darüber reden würden. Dafür einen Orden. Das ist eine Form, Verbrechen zu begehen, ohne sich in einem moralischen Sinn schlecht zu machen. Es wäre sogar mehr eine heldenhaft schwere Übernahme von Verantwortung und geradezu eine Selbstaufopferung.
Das könnte man auch die Normalität des Verbrechens nennen oder wie es Hannah Arendt nennt, "die Banalität des Bösen".
Diese Haltung entlastet das Gewissen der Täter, so dass sie - von einzelnen Ausnahmen abgesehen - keine Schuldgefühle haben, vom Leiden ihrer Opfer und Bewusstwerden ihrer Verbrechen abgeschirmt sind und bleiben von den traumatischen Erfahrungen verschont, die sie den überlebenden Opfern hinterlassen haben.
So können sie wieder in ihren normalen Alltag zurückkehren und ihr "anständiges" Leben weiter führen. Sie sind dabei stolz, eine heldenhafte Tat für das Volk geleistet zu haben, dabei auch noch so soldatisch abgehärtet und anständig geblieben zu sein.

Verbrechen sind was Schlechtes und Verwerfliches, außer es gibt Ausnahmesituationen und historische Missionen und Notwendigkeiten, einen Kampf ums Dasein oder das Dienen einer höhere Sachen und Wesen, dass es rechtfertigt, jedes Verbrechen bis hin zum Massen- und Völkermord zu begehen.

Solche Ausnahmesituationen gebieten dann die Perversion von positiv besetzten Werten wie Anstand, Treue, Ehre und sonstigen moralischen und ethischen Normen.

Darum ist jetzt die Frage, wie es möglich ist, überhaupt reine Motive der Menschlichkeit und Ethik zu haben, wenn sie jederzeit usurpiert werden können.
Bricht hier ein Urinstinkt des Menschen immer wieder durch, indem die wahre Natur des Menschen durchbricht.

Sind dann diese Werte denn dann überhaupt universell, oder Mittel zum Zweck einer Gruppenbildung und Konstitution eines Gemeinwesens, um sogar effektiver, kultivierter, geordneter und in einer höheren Größenordnung die brutalen Urinstinkte auszuleben.

Kann also Moral und Ethik auch nicht die Kultivierung und evolutionäre Fortentwicklung der mörderischen Urinstinkte sein, die doch jeder in sich trägt?


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Das "Gute" im "Bösen", oder die Verbrechen der Anständigen

31.05.2017 um 22:38
PoorSoul schrieb:Das muss nicht das ganze Volk betreffen, es kann auch eine organisierte, kriminelle Bande ihre eigene Moral und Tugenden haben, die für die Gruppe gelten. Es wird dann das Ehrenkodex und eherne Gesetze der "anständigen", aber verbrecherischen Gesellschaft genannt, womit sich die verschworene Gruppe intern rechtfertigt und konstituiert.
Dazu fällt mir ein Satz ein, den ich irgendwo mal gehört habe:

Ein Bankräuber ist ein Dilettant, der richtige Räuber eröffnet eine Bank. Oder so ähnlich.

Was ist schon gut oder böse? Das ist alles relativ.


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Das "Gute" im "Bösen", oder die Verbrechen der Anständigen

31.05.2017 um 23:07
silberhauch schrieb:Was ist schon gut oder böse?
Ich würde sagen, jemand ist böse, der bei dir einbricht, dich vergewaltigt, ausraubt und tötet. Nicht unbedingt in dieser Reihenfolge.
Aber du verstehst was ich meine? Es ist nicht immr so relativ. Und es ist nicht klug, oder weise, alles als relativ zu bezeichnen. Obwohl auch ich zugeben muss, dass vieles relativ ist, zum Beispiel Intelligenz. Aber das weiter auszuführen, wäre absolut am Thema vorbei.


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Das "Gute" im "Bösen", oder die Verbrechen der Anständigen

01.06.2017 um 12:06
PoorSoul schrieb:Darum ist jetzt die Frage, wie es möglich ist, überhaupt reine Motive der Menschlichkeit und Ethik zu haben, wenn sie jederzeit usurpiert werden können.
Bricht hier ein Urinstinkt des Menschen immer wieder durch, indem die wahre Natur des Menschen durchbricht.
Es ist eine Frage der Entwicklung des Einzelnen.
Sehr viele Menschen werden in Familien hineingeboren, in denen sie zwischenmenschliche Bedingungen vorfinden, die sie in ihrer Entwicklung behindern.
Sie können nicht das entfalten, was in einem Neugeborenen potentiell, als Anlage, als eine Möglichkeit, enthalten ist.

Sie gehen dann einen Weg, der sich dadurch gekennzeichnet, dass sie Angst vor dem haben, was sie menschlich machen würde oder könnte.
Sie passen sich an, suchen nach vermeintlicher "Stärke", nach Macht. Und, falls es ihnen nicht möglich ist, Macht zu erreichen, dann identifizieren sie sich mit Mächtigen, mit Autoritäten.

Gefühle des Hasses werden abgespalten und/oder in Kanäle sublimiert, wo sie in abgewandelter Form ausgelebt werden können.

Der Urinstinkt des Menschen ist nicht das Böse.
Ganz im Gegenteil.
Das Böse entsteht dort, wo sich der Mensch nicht als Mensch entwickelt.

Das Böse ist die Folge einer Fehlentwicklung des Menschen.

Ein Mensch, der sich von dem entfernt, was in ihm angelegt ist, kann böse werden.
Das Böse resultiert aus einer Verdrehung/Verhinderung des Menschlichen.

Wir, d.h. fast alle Menschen, machen einen immensen Fehler, dessen Folgen wir gar nicht realisieren:
Wir gehen davon aus, dass jeder Mensch, der irgendwie vernünftig redet, vernünftig argumentiert, sich halbwegs unauffällig benimmt, ein Mensch ist, über den es nichts Besonderes zu sagen gäbe.
Dass aber jemand, der irgendwie vernünftig redet, vernünftig argumentiert, sich halbwegs unauffällig benimmt, auch ein höchstgradig gestörter, von sich selbst sehr stark entfremdeter Mensch sein kann, das entgeht uns.

Es würde uns Angst machen, so jemanden zu durchschauen.
Und zwar richtig Angst!
Es wäre so, wie dem Grauen ins Gesicht zu blicken!

Jetzt stelle man sich vor, dass man u. U. vielleicht solchen Menschen im Alltag begegnet!
Eine Kollegin, ein Nachbar, ein Arzt, ein Polizist, ein Lehrer, ein Anwalt, eine Verkäuferin, ein Busfahrer, ein Passant, ein Politiker (!), die Frau am Schalter, die Zahlarzthelferin usw.

Wir wollen das so nicht (wahrnehmen). Wir können es auch nicht wahrnehmen, weil wir es gewohnt sind, Unangenehmes lieber zu verdrängen oder gar abzuspalten.
Ein Mechanismus, den wir schon als Kind sehr gut gelernt haben.

So machen wir aus fast jedem sich irgendwie unauffällig benehmenden Menschen einen "Normalen".
Ja, wir sagen manchmal, jemand hätte halt ein paar (harmlose) Macken usw, aber sonst ist alles in Ordnung.
Nichts ist in Ordnung.
PoorSoul schrieb:Sind dann diese Werte denn dann überhaupt universell, oder Mittel zum Zweck einer Gruppenbildung und Konstitution eines Gemeinwesens, um sogar effektiver, kultivierter, geordneter und in einer höheren Größenordnung die brutalen Urinstinkte auszuleben.
Die "brutalen Urinstikte" sind ein Märchen.
Man braucht nur ein Baby zu beobachten, dass das Glück hatte, liebevolle Eltern zu haben.
Hat man die Gelegenheit zu solch einer Beobachtung, kann das für einen in Sachen "brutaler Urinstinkte" lehrreicher sein als ganze Bücher!

Die "brutalen Urinstinkte" werden bemüht, weil einem die Kenntnisse über die Entwicklung des Menschen fehlen bzw. weil diese Kenntnisse manche große Lücke aufweisen.
Zum Kitten dieser Lücken werden dann u.a. die vermeintlichen "brutalen Urinstinkte" bemüht.
Und da das immer so weitergegeben wird, wird der Stab vom Nächsten aufgeschnappt und weiítergetragen und so bleiben diese vermeintlichen "brutalen Urinstinkte" immer im Märchen-Repertoire erhalten.


Es muss die Frage nach den Bedingungen für eine gesunde Entwicklung des Menschen  gestellt werden.
Und: Was tun Menschen, die diesen Weg der gesunden Entwicklung nicht nehmen konnten?
Welche Wege schlagen sie ein?

Manche werden krank, psychisch krank. Ja.
Aber sehr viele werden nicht depressiv, sie werden nicht anderweitig psychisch krank (nach den "klassischen", üblichen Definitionen von psychischer Krankheit), aber sie sind dennoch hoch- und manchmal höchstgradig gestört und in ihrem Tun und Wirken oft auch schädlich für andere und manchmal sogar gefährlich für die Menschheit, wenn sie Macht erlangen.


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Das "Gute" im "Bösen", oder die Verbrechen der Anständigen

01.06.2017 um 12:18
silberhauch schrieb:Was ist schon gut oder böse? Das ist alles relativ.
Welch eine inhaltsleere "Mode"-Aussage!

Kopieren von irgendwelchen Behauptungen, Aussagen und "Theorien", mit denen man sich schmückt und/oder so wirken will, als hätte man Ahnung oder würde damit etwas aussagen.


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PaT176
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Das "Gute" im "Bösen", oder die Verbrechen der Anständigen

01.06.2017 um 13:56
ruku schrieb:Ein Mensch, der sich von dem entfernt, was in ihm angelegt ist, kann böse werden.
Das Böse resultiert aus einer Verdrehung/Verhinderung des Menschlichen.
Wo fängt das Menschliche an, wo hört es auf?
Der Mensch entwickelte sich durch dieses Menschliche in diese Richtung, alles was daraus entsteht ist ebenso menschlich. Es ist dem Menschen nicht möglich, das Menschliche zu umgehen. Ich erkenne da nichts Böses.
Queen-of-Mad schrieb:Ich würde sagen, jemand ist böse, der bei dir einbricht, dich vergewaltigt, ausraubt und tötet. Nicht unbedingt in dieser Reihenfolge.
Diese Menschen sind blind. Sie wissen nicht was sie tun, deshalb sind es für uns die Bösen. Wir halten uns an das Gute. Fragen uns innerlich ob es ok ist was wir tun, deshalb sind wir genauso blind und wandern planlos umher. Das Eine ist dem Anderen um keinen Deut vorraus.

Der Mensch hat vergessen was er tut oder nicht tut.
ruku schrieb:Manche werden krank, psychisch krank. Ja.
Aber sehr viele werden nicht depressiv, sie werden nicht anderweitig psychisch krank (nach den "klassischen", üblichen Definitionen von psychischer Krankheit), aber sie sind dennoch hoch- und manchmal höchstgradig gestört und in ihrem Tun und Wirken oft auch schädlich für andere und manchmal sogar gefährlich für die Menschheit, wenn sie Macht erlangen.


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Das "Gute" im "Bösen", oder die Verbrechen der Anständigen

01.06.2017 um 19:31
ruku schrieb:Kopieren von irgendwelchen Behauptungen, Aussagen und "Theorien", mit denen man sich schmückt und/oder so wirken will, als hätte man Ahnung oder würde damit etwas aussagen.
Das habe ich gar nicht nötig. So hoch wissenschaftlich ist das Thema gar nicht, dass man da groß von etwas "Ahnung" haben müsste.

Wenn Du mit kurzen Äusserungen nichts anfangen kannst, ist das Dein Problem.

Das hier,
silberhauch schrieb:Was ist schon gut oder böse? Das ist alles relativ.
bezog sich nur hierauf:
silberhauch schrieb:Ein Bankräuber ist ein Dilettant, der richtige Räuber eröffnet eine Bank.
Grundsätzlich wird der Bankräuber als der Bösewicht abgestempelt, dabei kann der Bankier viel böser sein. Mehr wollte ich gar nicht sagen.

Das ist weder eine moderne Feststellung, noch irgendeine haltlose Behauptung, noch eine Zierde und es soll auch keine "nicht vorhandene Ahnung" übertünchen.

Wenn mein Post auch nicht besonders gehaltvoll ist, so ist Deiner aber unverschämt.


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PoorSoul
Diskussionsleiter
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Das "Gute" im "Bösen", oder die Verbrechen der Anständigen

01.06.2017 um 21:15
silberhauch schrieb:Dazu fällt mir ein Satz ein, den ich irgendwo mal gehört habe:Ein Bankräuber ist ein Dilettant, der richtige Räuber eröffnet eine Bank.  Oder so ähnlich. Was ist schon gut oder böse? Das ist alles relativ.
Das ist genau das, was ich auch in meinem Artikel allgemein beschrieben habe. Ein Bankräuber begeht ein Verbrechen aus egoistischen Motiven, missachtet das Gewaltmonopol des Staates, handelt autonom und verstößt gegen die Norm.

Die Banker sind eine Gesellschaft und haben die Legitimation der breiten Gesellschaft, obwohl die genau so wie der Bankräuber leistungslos das Millionenfache sich aneignen.

Das Volk traut ihnen ihre Schätze an, die Bank muss laut Gesetz nur 10% der Einlagen vorhalten. Wo ist dann wohl der Rest gelandet!?


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adeodata
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Das "Gute" im "Bösen", oder die Verbrechen der Anständigen

02.06.2017 um 01:40
@PoorSoul


Aus einem Buchstabensalat können gemischte Gefühle entstehen.  
PoorSoul schrieb:Darum ist jetzt die Frage, wie es möglich ist, überhaupt reine Motive der Menschlichkeit und Ethik zu haben, wenn sie jederzeit usurpiert werden können.
Bricht hier ein Urinstinkt des Menschen immer wieder durch, indem die wahre Natur des Menschen durchbricht.
Ein Schwarze Wand kann man weiß anmalen und eine Weiße mit Schwarz überschatten. Aus reinen Motiven ist die Möglichkeit gegeben, diese zu überschatten. Wo kein reines Motiv anwesend ist hat auch niemand die Möglichkeit dieses reine an sich zu reißen um daraus etwas im gegenteiligem Sinne zu machen.

Die Menschheit dreht sich seit einer sehr langen Zeit in einem Teufelskreis. Und nein, damit meine ich nichts religiöses. Sie machen immer wieder den selben Fehler. Sie halten sich an das, was sie gelernt haben, übernommen haben. Der generationsübergreifende Informationsfluss ist seit Jahrtausenden in fast allen menschlichen Belangen immer wieder der selbe. Wenn man dabei die technischen und wissenschaftlichen Errungenschaften außer acht lässt, die ja auch keine wirkliche Lösung dieser Problematik darstellen, dreht es sich immer wieder um das selbe.

Den Glauben. So lange die Menschen an die Informationen glauben, die sie generationsübergreifend lernen, mitgeteilt bekommen, so lange werden sie auch in ihrem Irrglauben auf eine bessere Welt sitzen bleiben. Die Wirklichkeit wird dann einem Traum gleichen, wo es um gutes und schlechtes geht. Wo reine Tugenden von einem Augenblick zum anderen missbraucht werden können. Sich verwandeln.

Das Problem liegt im Glauben. Nicht nur religiöser Natur, sondern im Glauben an sich und der damit einhergehenden Entscheidungen.


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PoorSoul
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Das "Gute" im "Bösen", oder die Verbrechen der Anständigen

02.06.2017 um 19:15
adeodata schrieb:Wo reine Tugenden von einem Augenblick zum anderen missbraucht werden können. Sich verwandeln. Das Problem liegt im Glauben. Nicht nur religiöser Natur, sondern im Glauben an sich und der damit einhergehenden Entscheidungen.
Das hängt auch damit zusammen, dass die Menschen wohl in ihrer Epigenetik ein natürliches Empfinden nach Führung, Gruppengeborgenheit und Mystik verankert haben.
Wenn sich eine Gruppe konstituiert, die das alles anbieten kann, dann bietet sie eine Heimat. Eine Ideelle und eine Politische.
Der Mensch hat sich dann selbst zur Geisel dieser Gruppe gemacht. Es gibt ja dann nicht umsonst den Ausspruch "Für den würde ich töten oder jeden Tag in den Krieg ziehen!".
Der Mensch ist ein Rudeltier, wo die Rudelmitglieder gemeinsame Interessen verfolgen und dem Stammesführer blind vertrauen und folgen.
Der Gruppe hat ihre eigenen Rituale, Gesetze, Regeln und Hierarchien, dessen Befolgung die Führung strikt von jedem einfordert.
Die Hierarchie auch hier in diesem entwickelten Land geht hinunter bis zu den untersten Beziehungen auch nur zwischen drei oder zwei Menschen.


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Das "Gute" im "Bösen", oder die Verbrechen der Anständigen

03.06.2017 um 00:30
PoorSoul schrieb:Der Mensch ist ein Rudeltier, wo die Rudelmitglieder gemeinsame Interessen verfolgen und dem Stammesführer blind vertrauen und folgen.
Der Gruppe hat ihre eigenen Rituale, Gesetze, Regeln und Hierarchien, dessen Befolgung die Führung strikt von jedem einfordert.
"..... gilt eine einfache Regel. Damit eine Gesellschaft funktioniert, muss der Einzelne mit ihr besser da stehen, als ohne sie . In der Praxis bedeutet dies, dass erfolgreiche Sozialverbände Kosten und Nutzen so ausbalancieren müssen, dass am Ende für jedes Mitglied die Chancen auf Vorteile die Risiken von Nachteilen überwiegen.

Vorteile ergeben sich in der Gruppe vor allem durch ein Mehr an Stärke, Schutz und Handlungsoptionen – zum Beispiel bei der Nahrungssuche. Lachmöwen etwa fangen mehr Beute, wenn sie gemeinsam einen Fischschwarm aufscheuchen, weil dieser dann in kleinere, leicht zu erhaschende Grüppchen zerfällt. Und während ein einzelner Schimpanse nur bei jedem zehnten Versuch Beute macht, gelingt der Fang in der Gruppe fast immer — dank cleverer Arbeitsteilung, bei der einige Jäger die Beute treiben und andere ihr die Fluchtwege abschneiden. So führt die Spezialisierung von Gruppenmitgliedern zu Effizienzsteigerungen und neuen Freiräumen für den Einzelnen, der nun nicht mehr alles alleine machen muss. Auch Sexualpartner und Helfer für die Brutpflege finden sich in der Gruppe oft schneller.

Durch das Zusammenleben geht aber auch Freiheit verloren. Gruppenmitglieder müssen sich an Regeln halten, mit Konkurrenz und Hierarchien klarkommen und begrenzte Ressourcen teilen. Zudem kann eine Gruppe mitunter nicht so schnell oder flexibel auf Gefahren oder Herausforderungen reagieren wie ein einzelnes Tier, und auch Krankheiten können sich innerhalb einer Gruppe schneller verbreiten.

Gerade die Frage der Machtverteilung nimmt oft brutale Züge an. Der Begriff der Hackordnung etwa stammt aus der Beobachtung von Hühnern, bei denen sich der Rang einzelner Tiere buchstäblich daran ablesen lässt, wie erfolgreich sie die anderen in der Gruppe von begehrten Futterquellen weghacken. Noch blutiger geht es bei Löwen zu. Anschluss an ein Rudel finden junge Männchen nur, wenn sie die dominanten Männchen eines bestehenden Rudels vertreiben oder töten. Die Kräfteverhältnisse in einer Gruppe können aber auch friedlich festgelegt werden. Wolfsrudel zum Beispiel sind schlichtweg Großfamilien, in denen die Eltern gegenüber ihren Kindern ranghöher sind. Jungwölfe helfen erst bei der Aufzucht ihrer jüngeren Geschwister und gründen später ihr eigenes Rudel.

Für die Balance der Vor– und Nachteile des Gruppenlebens gibt es eine große Zahl unterschiedlicher Modelle und Strategien. Das Spektrum reicht von der komplexen Arbeitsteilung bei sozialen Insekten, die ihren Mitgliedern ihre jeweilige Jobbeschreibung schon in der Kinderstube ins Futter mischen, über die nur zeitweisen Zusammenschlüsse von Einzelgängern zur Paarung oder Kinderaufzucht, bis hin zu hochflexiblen sozialen Strategien, zum Beispiel bei Primaten. Unter letzteren wiederum nimmt der Mensch eine Sonderstellung ein."

Aus: Gemeinsam kommt man weiter – das gilt für den Zusammenschluss von Einzellern bis hin zu arbeitsteiligen komplexen Gesellschaften" von Nora Schultz

https://www.dasgehirn.info/denken/das-soziale-gehirn/vom-rudel-zur-gesellschaft-3922


Im Rudel folgen die Mitglieder nicht blind dem Stammesführer. Und die Führung fordert da auch nix ein. Im Rudel ist jeder an seinem Platz. Das ist eine "höhere Ordnung", die auch nicht hinterfragt wird, weil sie einfach erfolgreich ist.

"Damit eine Gesellschaft funktioniert, muss der Einzelne mit ihr besser da stehen, als ohne sie."

Sicher können wir darüber streiten, ob Sozialverbände von Tieren Kosten oder Nutzen ausbalancieren. Wir können darüber streiten, ob es Sinn macht, für Tiere von Menschen "erdachte" Grössen (Kosten und Nutzen) zugrunde zu legen. Und wir können streiten, ob wir vernunftsbegabte Tiere sind, oder eben Menschen.

Es scheint aber ja so zu sein, dass es zu jeder Zeit, an jedem Ort, Menschen gibt/gab, die der Meinung sind, dass sie als Einzelne besser da stehen, als in Gesellschaft, wenn die Anzahl dann größer wird, wird die Gesellschaft geschwächt werden. Oder die Gesellschaft funktioniert nie wirklich und ist ein Konstrukt, und daraus ergibt sich, dass der Einzelne ohne sie, besser da zu stehen scheint.


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adeodata
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Das "Gute" im "Bösen", oder die Verbrechen der Anständigen

03.06.2017 um 01:34
@PoorSoul
PoorSoul schrieb:Das hängt auch damit zusammen, dass die Menschen wohl in ihrer Epigenetik ein natürliches Empfinden nach Führung, Gruppengeborgenheit und Mystik verankert haben.
Wenn sich eine Gruppe konstituiert, die das alles anbieten kann, dann bietet sie eine Heimat. Eine Ideelle und eine Politische.
Der Mensch hat sich dann selbst zur Geisel dieser Gruppe gemacht. Es gibt ja dann nicht umsonst den Ausspruch "Für den würde ich töten oder jeden Tag in den Krieg ziehen!".
Der Mensch ist ein Rudeltier, wo die Rudelmitglieder gemeinsame Interessen verfolgen und dem Stammesführer blind vertrauen und folgen.
Der Gruppe hat ihre eigenen Rituale, Gesetze, Regeln und Hierarchien, dessen Befolgung die Führung strikt von jedem einfordert.
Die Hierarchie auch hier in diesem entwickelten Land geht hinunter bis zu den untersten Beziehungen auch nur zwischen drei oder zwei Menschen.
Wenn Menschen daran glauben, dann wird daraus auch das, was daraus wird. Alles was auf diesem Planeten passiert, passiert aus dem Glauben heraus. Es spielt keine Rolle ob dieser Glaube religiöser Natur, politischer, sozialer, wissenschaftlicher oder anderweitig ist.

Der Glaube kann Berge versetzen und das tut der Mensch auch. Er versetzt Berge dorthin, wo sie nicht hingehören können.


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