@paxito
paxito schrieb:Auch wenn Poet hier einfach mal bejaht hat, du bastelst gerade aus notwendigen Bedingung hinreichende.
Ich wollte erst einmal eine Sachebene, hatte da schon noch was "anzumerken".
Also was ich noch so habe, schauen wir uns nun aber Deinen entscheidenden Gegenvorschlag an. Du argumentierst, man könne das Problem der Reifikation umgehen, indem man die Leibniz-Frage quantorenlogisch umformuliert:
"Warum ist es nicht der Fall, dass keine realen und physikalischen Dinge existieren?"
Oder formal ausgedrückt:
\neg \exists x (PhysikalischExistent(x)).
Du forderst mich auf zu zeigen, warum diese fundamentale Negation aller physikalischen Existenz in sich inkohärent ist.
Mein Einwand setzt genau an der Natur dieser formalen Operation an:
1. Das Problem des Definitionsbereichs (Domäne)
In der formalen Logik und Mengenlehre operiert ein Existenzquantor (
\exists) niemals im absolut luftleeren Raum. Er benötigt zwingend eine Domäne (ein Universum von Diskursen), über die quantifiziert wird. Wenn wir sagen: "Es gibt kein Einhorn im Garten", ist die Domäne der Garten – ein Raum mit physikalischen Eigenschaften.
Wenn Du jedoch die Existenz aller physikalischen Dinge negierst, negierst Du nicht nur die Teilchen (x), sondern Du eliminierst simultan den Raum, die Zeit, die Metrik und jegliche physikalische Struktur.
Das Problem ist: Wenn keine Domäne, keine Raumzeit und keine physikalische Struktur mehr existiert, kollabiert der logische Rahmen, innerhalb dessen die Aussage
\neg \exists x überhaupt einen Sinn oder einen Wahrheitswert generieren könnte. Ein logischer Operator ohne Definitionsbereich ist formal undefiniert.
2. Warum begriffliche Inkohärenz hier ontologische Unmöglichkeit impliziert
Du wirfst mir vor, hier ein non sequitur zu begehen, da aus kognitiven/semantischen Grenzen keine metaphysische Unmöglichkeit folge. Das wäre richtig, wenn wir über kontingente Dinge sprächen (wie Einhörner). Bei der Gesamtheit der physikalischen Existenz liegt der Fall jedoch anders.
Physikalische Existenz ist kein Attribut, das man einem Ding wie eine Farbe einfach "wegnehmen" kann, sodass ein "leerer Raum" übrig bleibt. Die moderne Physik (Stichwort Quantenfeldtheorie oder die Allgemeine Relativitätstheorie) zeigt uns, dass Raum, Zeit und Energie untrennbar miteinander verwoben sind. Selbst das absolute Vakuum ist kein "Nichts", sondern ein Zustand minimaler Energie mit mathematisch definierbaren Eigenschaften.
Wenn wir versuchen, die absolute Nichtexistenz als reale Alternative zu denken, müssen wir auch die Zeit negieren. Ohne Zeit gibt es jedoch keine Dauer. Ein "Zustand" , der keine Dauer hat und in dem keine Zeit vergeht, kann logisch nicht als "Alternative" zu irgendetwas existieren. Er kann nicht einmal "sein".
Mein Argument ist daher kein ontologischer Trick, sondern der (versuchte) Nachweis, dass der Ausdruck "Es existiert absolut nichts" versucht, ein logisches Urteil über einen Zustand zu fällen, der per Definition die Bedingungen für die Möglichkeit von Logik, Zeit und Urteilskraft vollständig auslöscht.
Die begriffliche Inkohärenz ist hier kein Mangel unseres Gehirns, sondern spiegelt wider, dass Struktur und Bestimmtheit (Symmetrien, Relationen) das fundamentale, notwendige Fundament von Wirklichkeit sein müssen. Das absolute Fehlen von Struktur ist keine metaphysische Option, weil Option und Struktur sich gegenseitig bedingen.
Wie siehst Du das Problem des kollabierenden Definitionsbereichs bei einer totalen physikalischen Negation?