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Über das Wissen

119 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Gott, Religion, Welt ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Über das Wissen

08.07.2026 um 00:29
Zitat von kaktusskaktuss schrieb:... denken wir uns mal eine abstrakte Zeit, in dieser ging nichts dem sein voraus.
Das ist nur ein Spiel mit Worten, wenn überhaupt. Was soll denn nun eine abstrakte Zeit sein, und in welchem Kontext? Physikalisch oder philosophisch, das ergibt für mich keinen Sinn.


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08.07.2026 um 00:47
Zitat von NoumenonNoumenon schrieb:gehe ich eben instinktiv davon aus, dass hier von einem (bestimmten) Zustand o.ä. bzw. eben doch von etwas die Rede sein soll, dem dann natürlich auch so etwas wie Identität, Bestimmung oder Eigenschaften zukommen (ähnlich wie der leeren Menge aus der Mathematik).
Ich denke es ist normal dass der Verstand erstmal versucht Nichts in etwas Gegenständliches zu packen, obwohl es jedweder Gegenständlichkeit sein soll. Zumal es auch sprachlich dünn wird darüber klar zu sprechen. Aber sich darüber Gedanken zu machen scheint ein nettes Futter für den Kopf zu sein, da es "normales" Denken herausfordert.
Zitat von NoumenonNoumenon schrieb:Wie auch immer dein Standpunkt ist,
Mein Standpunkt zum eigentlichen Thema ist klar. Das Problem ist nicht, dass wir Menschen manchmal aus dem Ungewissen schöpfen, sondern welchen Platz wir diesen Schöpfungen geben. Wir Menschen zu schnell und zu leichtfertig ihnen eine höhere Position geben als dem, was tatsächlich ist.


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08.07.2026 um 07:41
Zitat von nocheinPoetnocheinPoet schrieb:Jeder Versuch die Alternative auszuformulieren — präzise, nicht nur als Pronomen — führt zur Selbstwiderlegung.
Ja gut, aber die Frage "Warum ist nicht nichts?" formuliert keine Alternative aus, sondern verweist auf die Fragwürdigkeit der Existenz an sich. Darum ist hier die Substantivierung von "nichts" zu "Nichts" deplatziert, so dass der Aufweis der Selbstwiderlegung - "Ein Nichts kann es nicht geben." - von vornherein an der gestellten Frage vorbeigeht.

Von daher kann ich nicht erkennen, dass der OP hier tiefer geht als andere Ansätze.
Zitat von nocheinPoetnocheinPoet schrieb:Zum OP, was hier dazu noch im Forum steht, ist inzwischen weit überholt
Gut zu wissen, dass das, was dort noch steht, inzwischen nur noch einen historischen Wert hat ... ;)


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08.07.2026 um 08:16
Zitat von nocheinPoetnocheinPoet schrieb:weil der Vollzug des Gedankens selbst Existenz instantiiert.
Da sind wir dann wieder bei Parmenides gelandet:

"Nur Sein kann gedacht werden und nicht Nichtsein. Sein und Denken sind eins."

Alles richtig, aber das geht eben an der Frage vorbei, die sich gestellt hatte.


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08.07.2026 um 11:51
Zitat von nocheinPoetnocheinPoet schrieb:Das ist nur ein Spiel mit Worten, wenn überhaupt. Was soll denn nun eine abstrakte Zeit sein, und in welchem Kontext? Physikalisch oder philosophisch, das ergibt für mich keinen Sinn.
naja wohl eher philosophisch dann... denn die physische zeit gibt es ja nicht...

es geht nur darum zu zeigen dass durchaus nichts einer welt vorhergehen könnte...


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08.07.2026 um 12:30
@nocheinPoet

das mit der zeit ist sowieso so ein merkwürdiges problem... es mag sie ja physikalisch nach Einstein tatsächlich geben...
aber meines Erachtens ist die zeit sowieso nichts materielles... etwas übersinnliches und unendliches...

das heißt selbst wenn nichts ist, hört die zeit nicht auf zu existieren weil sie unendlich ist...

und dann kann nichts eben auch ein zustand in der zeit sein...



selbiges gilt auch für den raum... was gibt es weniger als einen leeren raum ?
Würde man nun auch noch den Raum wegnehmen bräuchte man ja irgendeine Dichte... und die wäre schon wieder mehr als der leere raum...



raum und zeit sind unendlich und nicht materieller Natur... unser nichts beschreibt eine leere zeit in einem leeren raum
man kann garnicht die zeit oder den raum selbst auch noch wegnehmen...


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08.07.2026 um 13:35
@Neustarter

Du schreibst, die Frage verweist auf die "Fragwürdigkeit der Existenz an sich." Aber woher weißt du, dass Existenz fragwürdig ist? Das ist selbst eine Behauptung — und keine neutrale.

Ich gehe mit bis: Es könnte möglich sein, dass es möglich ist, dass nichts existiert. Aber das ist erheblich schwächer als zu sagen, Existenz sei fragwürdig.

Die Fragwürdigkeit der Existenz ist keine evidente Ausgangslage — sie ist selbst begründungsbedürftig.
Damit drehen wir uns im Kreis: Du wirfst mir vor, eine Vorentscheidung zu treffen — aber die Behauptung, Existenz sei fragwürdig, ist selbst eine Vorentscheidung in die andere Richtung.


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08.07.2026 um 13:56
Zitat von nocheinPoetnocheinPoet schrieb:Aber woher weißt du, dass Existenz fragwürdig ist?
Grundsätzlich lässt sich alles hinterfragen. Warum sollte man bei der Existenz an sich dabei Halt machen? Existenz ermöglicht die Hinterfragung von Existenz. Ohne Existenz ist eine Hinterfragung nicht möglich. Somit ist die Hinterfragung der Existenz aus dem Blickwinkel von Existenz heraus (in Gestalt des Fragenden) eine legitime Option - unabhängig davon, ob diese Frage eine schlüssige Antwort nach sich zieht oder nicht.


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08.07.2026 um 14:52
@Neustarter

"Grundsätzlich lässt sich alles hinterfragen" ist selbst eine Behauptung die belegt werden müsste. Aber nehmen wir sie mal an.

Dann folgt daraus noch nicht, dass jede Hinterfragung wohlgeformt ist. Es gibt Fragen die syntaktisch korrekt sind aber semantisch leer — etwa "Welche Farbe hat die Zahl 7?" oder "Wie schwer ist der Satz des Pythagoras?"

Die Frage hat die Form einer Frage, aber keinen kohärenten Inhalt.

Ob "Warum ist nicht nichts?" zu dieser Kategorie gehört — das ist genau der Streitpunkt.

Du setzt voraus dass die Frage wohlgeformt ist. Ich bestreite das. Und das ist keine Frage des Hinterfragen-Dürfens, sondern der semantischen Analyse.



Und mit etwas mehr Tiefe. Der OP sagt nicht einfach "Existenz ist notwendig, weil ich es sage".

Er gibt eine Begründung:

Unterscheidbarkeits-Prämisse (UP)

Etwas existiert nur dann als etwas (und nicht als Nichts), wenn es sich prinzipiell vom Nichts unterscheiden lässt. Dafür braucht es mindestens eine minimale Struktur oder Bestimmtheit (irgendeine Eigenschaft, irgendeine Unterscheidung).

→ Ein vollkommen eigenschaftsloses "Etwas" wäre vom Nichts nicht unterscheidbar und damit ontologisch dasselbe wie Nichts.

Exhaustivität der Existenzdichotomie (EE)

Es gibt nur zwei Kategorien: Dinge, die (in irgendeiner Form) existieren können, und Dinge, die nicht existieren können. Es gibt keine dritte Kategorie ("weder noch"). Die Menge aller wohldefinierten Begriffe lässt sich vollständig in diese beiden aufteilen.

Aus diesen beiden Punkten folgt:

Absolutes Nichts (komplett eigenschaftslos, ohne jede Bestimmtheit) kann keine kohärente Alternative zu Existenz sein. Es löst sich entweder in völlige Ununterscheidbarkeit auf oder es ist gar kein sinnvoller Begriff.

Deshalb ist die Frage "Warum ist nicht nichts?" keine neutrale Ausgangsfrage, sondern setzt bereits etwas voraus, das nach OP inkohärent ist.

Du betonst immer wieder, dass Du nicht von dem Nichts als einem Gegenstand sprichst, sondern lediglich die vollständige Abwesenheit von Existenz meinst.

Genau an diesem Punkt setzt aber die Kritik des OP an.
Der OP behauptet nicht, dass Du heimlich einen Gegenstand namens "Nichts" einführst.

Er behauptet vielmehr, dass bereits die kontrafaktische Beschreibung eines Zustands vollständiger Nichtexistenz minimale Bestimmtheit voraussetzt. Denn auch ein möglicher Alternativzustand muss identifizierbar sein, wenn über ihn sinnvoll gesprochen werden soll.

Genau diese minimale Bestimmtheit wird jedoch durch die Annahme vollständiger Strukturlosigkeit ausgeschlossen.

Deshalb stellt sich aus Sicht des OP die Frage, ob "es gibt überhaupt nichts" tatsächlich einen kohärenten Gegenstand des Denkens beschreibt oder lediglich eine sprachliche Negation ausdrückt.


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08.07.2026 um 15:40
Zitat von nocheinPoetnocheinPoet schrieb:Denn auch ein möglicher Alternativzustand muss identifizierbar sein, wenn über ihn sinnvoll gesprochen werden soll.
Und damit steckst Du wieder in der semantischen Falle, die Du Dir durch Substantivierung selbst gestellt hast. Statt "Nichts" eben jetzt "Alternativzustand" - das kann dann nur zu dem führen, worauf Parmenides vor 2500 Jahren bereits hingewiesen hatte: "Nichtsein ist nicht denkbar." - stimmt, aber es verfehlt den Punkt, um den es geht. Der Punkt ist, warum nicht nichts ist - ganz ohne Substantivierung!


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08.07.2026 um 17:05
Zitat von NoumenonNoumenon schrieb:So, habe nun kurz Zeit, darauf einzugehen, bevor es in die Heia geht. Man braucht eigentlich nur mal eine ruhige Minute, um schnell einzusehen, dass diese Kriterien natürlich Unfug sind. Nehmen wir als Beispiel einfach das fliegende Spaghettimonster und prüfen auf die genannten Kriterien.

- Modalbestimmtheit (M): Ja. Es ist als Wesen mit bestimmten Eigenschaften beschrieben (fliegend, besteht aus Spaghetti, ist ein "Monster").
- Interne Differenz (D): Ja. Es hat Bestandteile (Nudeln, Fleischbällchen usw.) oder zumindest eine innere Struktur in der Beschreibung.
- Selbigkeit (S): Ja. Es ist mit sich selbst identisch und unterscheidet sich von einem rosa Einhorn oder einem grünen Drachen.

Wenn also diese drei Bedingungen bereits Existenz garantieren würden, müsste das fliegende Spaghettimonster existieren. Das möchte aber vermutlich niemand behaupten.
Auch wenn Poet hier einfach mal bejaht hat, du bastelst gerade aus notwendigen Bedingung hinreichende. @nocheinPoet war relativ klar in seiner Definition, es waren die absolut notwendigen Bedingungen. Sie garantieren keine Existenz, sie müssen aber erfüllt sein. Das Spaghettimonster, Harry Potter, dunkle Materie, Tachyonen oder was dir sonst so einfallen mag - ja durchaus könnten die existieren, in dem Sinne das sie die Mindeststandards erfüllen. Ob das der Fall ist, darüber sagt die Definition überhaupt nichts aus.
Worüber die Definition etwas aussagt: was die Bedingungen nicht erfüllt ("Nichts") existiert auch nicht.

@nocheinPoet
Du arbeitest dich an einem sehr speziellen Begriff von Nichts ab. Denn natürlich ist Nichts etwas. Ich nenne dir Beispiele für die Verwendung des Wortes:
Was hast du heute getan? Nichts.
Ich habe nichts auf dem Teller.
Dort drüben ist nichts.
Wir fanden nichts heraus.

nichts (klein) ist erstmal nur ein Pronomen das die Abwesenheit von Etwas kennzeichnet (ganz knapp).
Sprachlich ist es ein zusammengestauchter Dreiteiler: na awain whites (nicht irgendein Ding), schrumpfte zu niowhit, wurde zu nichts.
Und dieses Wörtchen schnappen sich nun Philosophen (und Physiker), Substantivieren es (machen es damit zu einer Art Ding) und hadern mit den Inkonsistenzen die sich daraus ergeben.
Das Problem ist hier nicht das Konzept von "das Nichts" sondern deine Sprache. Wenn du "das Nichts" nur als konkrete Verneinung von Etwas (z.B. auch von Allem) auffasst, wird es klarer.


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08.07.2026 um 17:27
Zitat von paxitopaxito schrieb:Auch wenn Poet hier einfach mal bejaht hat, du bastelst gerade aus notwendigen Bedingung hinreichende.
Wäre fast ein valider Punkt, aber du musst schon schauen, was @nocheinPoet da schrieb:
Zitat von nocheinPoetnocheinPoet schrieb am 05.07.2026:Genauer, etwas existiert genau dann, wenn es sich vom Nichts unterscheidet — und das erfordert notwendig minimale strukturelle Bestimmtheit (Modalbestimmtheit M, interne Differenz D, Selbigkeit S).
Jetzt könnte man natürlich argumentieren, dass die nachfolgend aufgeführten Kriterien (M, D, S) lediglich als notwendige Bedingungen aufzufassen sind. Aber dann drängt sich halt die Frage auf: Wann genau ist Bedingung "unterscheidet sich vom Nichts" hinreichend erfüllt, so dass daraus dann Existenz folgt...? :ask:


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08.07.2026 um 19:21
@Neustarter

Nein, ich stecke in keiner semantischen Falle. Der Begriff "Alternativzustand" soll gerade vermeiden, "nichts" als Gegenstand zu behandeln.

Der eigentliche Punkt ist ein anderer: Wenn Du fragst "Warum ist nicht nichts?" , setzt Du einen Kontrast zwischen Existenz und vollständiger Nichtexistenz voraus. Ich bezweifel genau, dass dieser Kontrast semantisch wohldefiniert ist.

Deshalb liegt die Begründungslast aus meiner Sicht nicht einseitig beim mir. Wer diese Frage als sinnvollen Ausgangspunkt verwendet, muss ebenso begründen, warum die vollständige Negation aller Existenz überhaupt einen kohärenten Alternativfall beschreibt.

Genau das ist der eigentliche Dissens. Er hat nichts mit der Groß- oder Kleinschreibung von "nichts" zu tun und auch nichts damit, ob man "Nichts" substantiviert. Es geht um die semantische Kohärenz der Frage selbst.

Wodurch ist der Ausdruck "es existiert nichts" als vollständiger Weltzustand semantisch bestimmt?

Bevor wir fragen, warum nach dem Entfernen aller Existenz 'nichts' übrig bleibt, müsste zunächst gezeigt werden, dass 'Entfernen aller Existenz' überhaupt eine wohldefinierte Operation ist.

Deine Frage: "warum ist nicht nichts?", beinhaltet ja "ist", und das kommt wo schon von "sein". Du stellst zwei Möglichkeiten gegenüber, es ist grün, warum ist es nicht rot?

Deine Frage setzt bereits voraus, dass „es existiert nichts“ einen sinnvollen Kontrast zu „es existiert etwas“ bildet. Genau diese Voraussetzung bestreite ich. Deshalb kann sie nicht gleichzeitig Ausgangspunkt und Ergebnis der Diskussion sein.


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08.07.2026 um 19:50
@paxito
Zitat von paxitopaxito schrieb:Auch wenn Poet hier einfach mal bejaht hat, du bastelst gerade aus notwendigen Bedingung hinreichende.
Ich wollte erst einmal eine Sachebene, hatte da schon noch was "anzumerken".




Also was ich noch so habe, schauen wir uns nun aber Deinen entscheidenden Gegenvorschlag an. Du argumentierst, man könne das Problem der Reifikation umgehen, indem man die Leibniz-Frage quantorenlogisch umformuliert:

​"Warum ist es nicht der Fall, dass keine realen und physikalischen Dinge existieren?"

Oder formal ausgedrückt: \neg \exists x (PhysikalischExistent(x)).

​Du forderst mich auf zu zeigen, warum diese fundamentale Negation aller physikalischen Existenz in sich inkohärent ist.

Mein Einwand setzt genau an der Natur dieser formalen Operation an:

1. Das Problem des Definitionsbereichs (Domäne)

In der formalen Logik und Mengenlehre operiert ein Existenzquantor (\exists) niemals im absolut luftleeren Raum. Er benötigt zwingend eine Domäne (ein Universum von Diskursen), über die quantifiziert wird. Wenn wir sagen: "Es gibt kein Einhorn im Garten", ist die Domäne der Garten – ein Raum mit physikalischen Eigenschaften.

​Wenn Du jedoch die Existenz aller physikalischen Dinge negierst, negierst Du nicht nur die Teilchen (x), sondern Du eliminierst simultan den Raum, die Zeit, die Metrik und jegliche physikalische Struktur.

Das Problem ist: Wenn keine Domäne, keine Raumzeit und keine physikalische Struktur mehr existiert, kollabiert der logische Rahmen, innerhalb dessen die Aussage \neg \exists x überhaupt einen Sinn oder einen Wahrheitswert generieren könnte. Ein logischer Operator ohne Definitionsbereich ist formal undefiniert.

​2. Warum begriffliche Inkohärenz hier ontologische Unmöglichkeit impliziert

Du wirfst mir vor, hier ein non sequitur zu begehen, da aus kognitiven/semantischen Grenzen keine metaphysische Unmöglichkeit folge. Das wäre richtig, wenn wir über kontingente Dinge sprächen (wie Einhörner). Bei der Gesamtheit der physikalischen Existenz liegt der Fall jedoch anders.

​Physikalische Existenz ist kein Attribut, das man einem Ding wie eine Farbe einfach "wegnehmen" kann, sodass ein "leerer Raum" übrig bleibt. Die moderne Physik (Stichwort Quantenfeldtheorie oder die Allgemeine Relativitätstheorie) zeigt uns, dass Raum, Zeit und Energie untrennbar miteinander verwoben sind. Selbst das absolute Vakuum ist kein "Nichts", sondern ein Zustand minimaler Energie mit mathematisch definierbaren Eigenschaften.

​Wenn wir versuchen, die absolute Nichtexistenz als reale Alternative zu denken, müssen wir auch die Zeit negieren. Ohne Zeit gibt es jedoch keine Dauer. Ein "Zustand" , der keine Dauer hat und in dem keine Zeit vergeht, kann logisch nicht als "Alternative" zu irgendetwas existieren. Er kann nicht einmal "sein".

​Mein Argument ist daher kein ontologischer Trick, sondern der (versuchte) Nachweis, dass der Ausdruck "Es existiert absolut nichts" versucht, ein logisches Urteil über einen Zustand zu fällen, der per Definition die Bedingungen für die Möglichkeit von Logik, Zeit und Urteilskraft vollständig auslöscht.

​Die begriffliche Inkohärenz ist hier kein Mangel unseres Gehirns, sondern spiegelt wider, dass Struktur und Bestimmtheit (Symmetrien, Relationen) das fundamentale, notwendige Fundament von Wirklichkeit sein müssen. Das absolute Fehlen von Struktur ist keine metaphysische Option, weil Option und Struktur sich gegenseitig bedingen.

​Wie siehst Du das Problem des kollabierenden Definitionsbereichs bei einer totalen physikalischen Negation?


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08.07.2026 um 19:56
Zitat von nocheinPoetnocheinPoet schrieb:Deine Frage: "warum ist nicht nichts?", beinhaltet ja "ist", und das kommt wo schon von "sein".
Na ja, irgendwie muss man sich ja der Grammatik bedienen, um einen Gedanken zum Ausdruck zu bringen. Das Verb "sein" bedeutet in diesem Zusammenhang ja nicht, dass da irgend etwas da ist, sondern es drückt hier lediglich die grammatische Struktur eines Fragesatzes als Prädikat in vollständiger Form aus. Ohne das "ist" ist der Fragesatz nun mal nicht als solcher formulierbar.
Zitat von nocheinPoetnocheinPoet schrieb:Deine Frage setzt bereits voraus, dass „es existiert nichts“ einen sinnvollen Kontrast zu „es existiert etwas“ bildet.
Es gibt nun mal nur zwei Möglichkeiten: Entweder es existiert etwas oder es existiert nichts. Was soll daran nicht sinnvoll sein?


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08.07.2026 um 20:12
Zitat von NoumenonNoumenon schrieb:Aber dann drängt sich halt die Frage auf: Wann genau ist Bedingung "unterscheidet sich vom Nichts" hinreichend erfüllt, so dass daraus dann Existenz folgt...? :ask:
Keine Ahnung, in der Definition taucht das nicht auf und für relevant halte ich das eigentlich auch nicht. Persönlich würde ich antworten: wenn wir uns darauf einigen. Dem wird @nocheinPoet aber sicher nicht folgen.
Zitat von NoumenonNoumenon schrieb:Jetzt könnte man natürlich argumentieren, dass die nachfolgend aufgeführten Kriterien (M, D, S) lediglich als notwendige Bedingungen aufzufassen sind.
Könnte man nicht, hatte ich gerade. Ziemlich deutlich sogar. Scherzkeks.


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08.07.2026 um 20:45
@Neustarter
Neustarter schrieb:Das Verb "sein" bedeutet in diesem Zusammenhang ja nicht, dass da irgend etwas da ist, sondern es drückt hier lediglich die grammatische Struktur eines Fragesatzes als Prädikat in vollständiger Form aus. Ohne das "ist" ist der Fragesatz nun mal nicht als solcher formulierbar.
​Genau das ist mein Punkt. Du bestätigst hier unfreiwillig genau das, was ich die ganze Zeit aufzeige: Die Frage funktioniert ausschließlich auf der Ebene der Grammatik. Sie ist syntaktisch wohlgeformt, aber ihr fehlt die semantische und ontologische Substanz.

Sobald Du einräumst, dass das "ist" hier gar kein" Sein" oder "Existieren" mehr bedeuten darf, bricht der Bezug zu einer realen, physikalischen Alternative zusammen. Du debattierst eine sprachliche Struktur, keine metaphysische Realität.


Neustarter schrieb:Es gibt nun mal nur zwei Möglichkeiten: Entweder es existiert etwas oder es existiert nichts. Was soll daran nicht sinnvoll sein?
​Und genau hier liegt der fundamentale Denkfehler, den ich mit dem Ontophänomenalismus (OP) angreife. Du setzt das, was erst noch bewiesen werden müsste, einfach als unumstößliche Tatsache voraus. Das ist ein klassischer Zirkelschluss.

​Die Behauptung: "Es gibt diese beiden Möglichkeiten" ist eine ontologische Hypothese, keine logische Notwendigkeit.

​Die erste Möglichkeit ("Es existiert etwas") ist unstrittig – das beweist unsere bloße Existenz und das Universum um uns herum.

​Die zweite Möglichkeit ("Es existiert absolut nichts") ist jedoch hochgradig strittig.

​Nur weil unsere Alltagssprache es uns erlaubt, das Wort "etwas" durch das Wort "nichts" zu ersetzen, bedeutet das metaphysisch nicht, dass der vollständige Zusammenbruch jeglicher Struktur, jeglicher Logik und jeglicher Naturgesetze eine reale physikalische Möglichkeit darstellt.

​Und ich sage nicht einmal dogmatisch, dass es diese Möglichkeit auf keinen Fall gibt. Ich sage vielmehr: Es ist völlig offen, ob eine absolute Strukturlosigkeit überhaupt eine kohärente Option sein kann.

Wer diese Option aber als Grundlage für die Leibniz-Frage verwendet, sollte doch schon belegen können, wie eine "Möglichkeit" ohne Raum, Zeit, Logik und mathematische Konstanten (wie \pi) überhaupt definiert sein soll.

​Du kontrastierst hier ein reales, strukturiertes Sein mit einem sprachlichen Konstrukt, dessen logische Realisierbarkeit Du einfach voraussetzt, anstatt sie zu begründen. Genau an dieser impliziten Voraussetzung scheitert die klassische Frage.


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08.07.2026 um 21:27
Zitat von nocheinPoetnocheinPoet schrieb:Bezug zu einer realen, physikalischen Alternative
Wenn nichts ist, dann haben wir auch keinerlei Physik, so dass sich die Frage nach einer physikalischen Alternative nicht stellt. Dein Einwand greift hier also nicht.
Zitat von nocheinPoetnocheinPoet schrieb:Du setzt das, was erst noch bewiesen werden müsste, einfach als unumstößliche Tatsache voraus.
Nein, ich beweise hier gar nichts, kann ich auch nicht, da die Möglichkeit, dass nichts ist, als Realität nicht aufgezeigt werden kann, aber denkbar ist diese Möglichkeit durchaus - warum auch nicht?
Zitat von nocheinPoetnocheinPoet schrieb:​Die Behauptung: "Es gibt diese beiden Möglichkeiten" ist eine ontologische Hypothese, keine logische Notwendigkeit.
Nicht doch. Damit verdinglichst Du wieder zu Zuständen - einmal "Zustand mit Existenz" und zum anderen "Zustand ohne Existenz". Wenn nichts da ist, haben wir keine Existenz, keinerlei Sein. Ontologie ist die Lehre vom Sein. Wenn jedoch keinerlei Sein gegeben ist, kann die Ontologie dazu nichts aussagen.
Zitat von nocheinPoetnocheinPoet schrieb:Es ist völlig offen, ob eine absolute Strukturlosigkeit überhaupt eine kohärente Option sein kann.
Damit bist Du nun dort angekommen, wo ich von Anfang an hier gewesen bin:
Zitat von NeustarterNeustarter schrieb am 01.07.2026:Die korrekte Antwort lautet: Das wissen wir nicht, da diese Frage aus der Situation heraus, dass wir selbst existieren, nicht entscheidbar ist.



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08.07.2026 um 22:22
Zitat von NeustarterNeustarter schrieb:... aber denkbar ist diese Möglichkeit durchaus - warum auch nicht?
Es ist sogar sagbar, macht deswegen aber nicht auch Sinn. Du gehst auf meine Argumente nicht ein und pickst Dir hier nur was raus. Das ist nicht das, was ich unter Diskussionen verstehe. Mein Ziel ist es Wahrheit zu finden, nicht eine Debatte zu gewinnen.
Zitat von NeustarterNeustarter schrieb:
Zitat von nocheinPoetnocheinPoet schrieb:​Die Behauptung: "Es gibt diese beiden Möglichkeiten" ist eine ontologische Hypothese, keine logische Notwendigkeit.
Nicht doch. Damit verdinglichst Du wieder zu Zuständen - einmal "Zustand mit Existenz" und zum anderen "Zustand ohne Existenz". Wenn nichts da ist, haben wir keine Existenz, keinerlei Sein. Ontologie ist die Lehre vom Sein. Wenn jedoch keinerlei Sein gegeben ist, kann die Ontologie dazu nichts aussagen.
Du drehst Dich im Kreis, gehst ja eben auch nicht auf meine Aussagen und Fragen ein. Nicht ich verdingle hier etwas, das ergibt sich, das kommt so auch von Dir:
Zitat von NeustarterNeustarter schrieb:... warum nicht nichts ist?
Wenn man Dich darauf hinweist, erklärst Du, Du meinst mit "ist" ja gar nicht "ist". :D

Und Du machst es schon wieder:
Zitat von NeustarterNeustarter schrieb:Wenn nichts da ist, haben wir keine Existenz, keinerlei Sein.
Du schreibst "da ist", wo genau ist denn dann "da"? Du nennst einen Ort, eben "da". Lass mich mal raten, Du willst nun auch noch das "da" nicht als Ort verstanden wissen, so wie Du das "ist" von seiner Bedeutung trennen willst und es nichts mehr mit "sein" zu tun haben soll?

Siehst du das Problem in diesem Satz? Du benutzt räumliche ("da" ) und ontologische ("ist") Begriffe, um den Zustand zu beschreiben, in dem angeblich keinerlei räumliche oder ontologische Bestimmtheit mehr vorhanden sein soll.

Genau das ist der Kern der Kritik: Sobald man versucht, "nichts" kohärent zu denken oder auszusprechen, schleicht sich bereits wieder irgendeine Form von Bestimmtheit ein. Deshalb halte ich es nicht bloß für unerkennbar, sondern für inkohärent.
Zitat von NeustarterNeustarter schrieb:
Zitat von nocheinPoetnocheinPoet schrieb:Es ist völlig offen, ob eine absolute Strukturlosigkeit überhaupt eine kohärente Option sein kann.
Damit bist Du nun dort angekommen, wo ich von Anfang an hier gewesen bin:
Zitat von NeustarterNeustarter schrieb am 01.07.2026:Die korrekte Antwort lautet: Das wissen wir nicht, da diese Frage aus der Situation heraus, dass wir selbst existieren, nicht entscheidbar ist.
Nein, das ist nicht der Punkt. Es geht um Deine Aussage:
Zitat von NeustarterNeustarter schrieb:Der Punkt ist, warum nicht nichts ist ...
Du sagst ja selbst, das ist der Punkt. Dazu habe ich Dir echt viel geschrieben und erklärt, und auch Fragen gestellt, Du ignorierst es.

Ich merke, dass wir uns hier im Kreis drehen. Du gehst auf die zentralen Argumente (Unterscheidbarkeits-Prämisse, Exhaustivität der Dichotomie, Inkohärenz des absoluten Nichts) nicht ein, sondern wiederholst die Ausgangsfrage und bleibst bei "... warum nicht nichts ist?".

Für mich ist das keine fruchtbare Diskussion mehr. Ich suche ernsthaft nach Wahrheit und Klärung, nicht nach einem endlosen Ping-Pong.

Wenn du zu einem späteren Zeitpunkt wirklich auf die vorgebrachten Punkte eingehen möchtest, bin ich offen. Ansonsten belassen wir es dabei.


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