nocheinPoet schrieb am 10.07.2026:Ich dachte es ist offensichtlich, dass ich den Teil an Dich und nicht an @paxito geschrieben habe, habe nur vergessen zu adden.
Ja, gut, wenn der ganze Part an mich gehen sollte, dann schaue ich mir das natürlich gerne noch einmal an und gehe darauf ein.
nocheinPoet schrieb am 08.07.2026:Also was ich noch so habe, schauen wir uns nun aber Deinen entscheidenden Gegenvorschlag an. Du argumentierst, man könne das Problem der Reifikation umgehen, indem man die Leibniz-Frage quantorenlogisch umformuliert:
"Warum ist es nicht der Fall, dass keine realen und physikalischen Dinge existieren?"
Nein, nirgends argumentiere ich so, an keiner Stelle. Ist halt wieder KI-Müll, Stichwort "Halluzinationen". Was ich sagte war:
Noumenon schrieb am 07.07.2026:Es braucht streng genommen den Begriff "nichts" nicht einmal, um die berühmte Frage zu formulieren:
Warum existiert überhaupt irgendetwas real und physikalisch?
Oder:
Warum ist es nicht der Fall, dass keine realen und physikalischen Dinge existieren?
-
nocheinPoet schrieb am 08.07.2026:Du forderst mich auf zu zeigen, warum diese fundamentale Negation aller physikalischen Existenz in sich inkohärent ist.
Ja, immerhin das ist wohl so korrekt, nur bleibst du eines Beweises auch trotz der nachfolgenden Ausführungen schuldig.
nocheinPoet schrieb am 08.07.2026:1. Das Problem des Definitionsbereichs (Domäne)
[...]
Das Problem ist: Wenn keine Domäne, keine Raumzeit und keine physikalische Struktur mehr existiert, kollabiert der logische Rahmen, innerhalb dessen die Aussage ¬∃x überhaupt einen Sinn oder einen Wahrheitswert generieren könnte.
Stimmt. Nur ging es mir ja nicht darum, warum nicht
absolut nichts existiert, also auch keine abstrakten Konzepte, welche etwa ein logisches Modell zur Beschreibung diverse Sachverhalte ermöglichen würden, sondern darum, warum nicht einfach keinerlei physikalischen Dinge existieren.
nocheinPoet schrieb am 08.07.2026:2. Warum begriffliche Inkohärenz hier ontologische Unmöglichkeit impliziert
[...]
Mein Argument ist daher kein ontologischer Trick, sondern der (versuchte) Nachweis, dass der Ausdruck "Es existiert absolut nichts" versucht, ein logisches Urteil über einen Zustand zu fällen, der per Definition die Bedingungen für die Möglichkeit von Logik, Zeit und Urteilskraft vollständig auslöscht.
Kann mich auch hier beim zweiten Punkt der Begründung nur wiederholen: Ging mir ja nicht darum, warum nicht
absolut nichts existiert, also auch keine abstrakten Konzepte, welche etwa ein logisches Modell zur Beschreibung diverse Sachverhalte ermöglichen würden, sondern darum, warum nicht einfach keinerlei physikalischen Dinge existieren. Und es ist insofern dann eben auch nicht mehr richtig, dass sich "nichts existiert" nicht kohärent denken lässt. Anderenfalls hätten wir auch massive Probleme bei völlig alltäglichen und banalen Sätzen wie:
Ich habe heute nichts gegessen.
Sie hat nichts gekauft.
Er hat nichts gefunden.
Wir haben nichts gesehen.
Er hat nichts verstanden.
Du hast nichts vergessen.
Sie hat nichts gesagt.
Ich habe nichts gemacht.
Er hat nichts gelernt.
Wir haben nichts gehört.
Sie erinnert sich an nichts .
Es konnte nichts feststellt werden.
Es gibt nichts zu beanstanden.(Dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein, dass ich diese Beispielsätze ja schon brachte...)
Etwas problematischer wird es vielleicht, sich die Abwesenheit auch von
abstrakten Konzepten vorzustellen, wozu dann die von dir genannte Domäne genauso zählt wie etwa auch Zahlen, Mengen und viele andere "Dinge". Auch darüber können wir natürlich gerne reden, aber man sollte natürlich auf jeden Fall sauber zwischen diesen beiden Fragestellungen differenzieren. Und vor allem muss man halt auch einfach mal Farbe bekennen und sagen, wie man es denn bspw. mit dem Platonismus so hält... Zumindest aus Sicht des Nominalismus gibt es ja nicht wirklich einen Widerspruch zwischen:
a) es gibt absolut nichtsund
b) es gibt nicht einmal abstrakte Konzepte als Instrumente unseres Denkens und unserer SpracheDu sagst: Es braucht mindestens eine Domäne, um kohärent über die Möglichkeit, dass
absolut nichts existiert, denken und sprechen können. Ja, sorry, aber wir reden doch gerade über die Möglichkeit, dass
absolut nichts existiert, also mithin auch keinerlei Wesen, die darüber denken oder sprechen möchten. Und wenn es keinerlei Wesen gibt, die darüber denken oder sprechen möchten, braucht es selbstverständlich auch keine abstrakten Konzepte oder logischen Modelle. Damit ist die Möglichkeit, dass
absolut nichts existiert, auch völlig konsistent damit, dass es nicht einmal einen
"logische[n] Rahmen [gibt], innerhalb dessen die Aussage ¬∃x überhaupt einen Sinn oder einen Wahrheitswert generieren könnte".
nocheinPoet schrieb am 08.07.2026:Wenn wir versuchen, die absolute Nichtexistenz als reale Alternative zu denken, müssen wir auch die Zeit negieren. Ohne Zeit gibt es jedoch keine Dauer. Ein "Zustand" , der keine Dauer hat und in dem keine Zeit vergeht, kann logisch nicht als "Alternative" zu irgendetwas existieren. Er kann nicht einmal "sein".
Was für ein "Zustand"...? Wer behauptet, dass "absolut nichts" ein
Zustand ist? "Zustand" ist in erster Linie erst einmal nur ein Wort, ein Begriff, ein abstraktes Konzept (!) erdacht von denkenden Wesen, die versuchen, sich die Wirklichkeit irgendwie begreifbar zu machen. Wenn
absolut nichts existiert, dann auch keine Wesen, keine Sprache, kein Denken, keine abstrakten Konzepte und natürlich auch nichts, was man irgendwie als "Zustand" labeln könnte. Sowieso ist das Fehlen aller Zustände selbst kein Zustand, genauso wie das Fehlen aller Eigenschaften selbst keine Eigenschaft ist.
Und warum braucht es - zweitens - überhaupt Zeit (und Raum) für Existenz? Brauchen Primzahlen irgendeine Form von Zeit, um zu existieren? Falls ja, seit wann existieren Primzahlen? Wie messe ich die Dauer der Existenz mathematischer Objekte? Und was ist mit der Zeit selbst? Wie kann Zeit existieren, ohne selbst wieder Zeit vorauszusetzen? Fragen über Fragen, die aus philosophischer Sicht komplett sinnfrei sind, weil sie nämlich von irrsinnigen Voraussetzungen ausgehen (Wittgenstein lässt grüßen...).
nocheinPoet schrieb am 08.07.2026:Physikalische Existenz ist kein Attribut, das man einem Ding wie eine Farbe einfach "wegnehmen" kann, sodass ein "leerer Raum" übrig bleibt.
Ja, das mag durchaus sein, blöd nur: Wenn "Existenz" keine Eigenschaft wie Farbe oder Größe ist.... wodurch genau unterscheiden sich dann Dinge, die nur gedacht oder frei erfunden sind, von Dingen, die tatsächlich und real existieren? Ich kann mir beispielsweise noch so sehr vorstellen, dass vor mir ein 10-Euro-Schein liegt. Das macht ihn noch lange nicht real. Aber ich kann durchaus auch dafür sorgen, dass vor mir
tatsächlich und physikalisch real ein 10-Euro-Schein liegt. Spielt halt einfach absolut keine Rolle, ob man hier jetzt von "Eigenschaften" wie "physikalische Existenz" spricht, oder nicht. Fakt ist: Es gibt einen fundamentalen Unterschied zwischen Sachverhalten, die nur in Denken oder Sprache existieren, und Sachverhalten, denen eine physikalische Realisierung in der Realität entspricht.
nocheinPoet schrieb am 08.07.2026:Die moderne Physik (Stichwort Quantenfeldtheorie oder die Allgemeine Relativitätstheorie) zeigt uns, dass Raum, Zeit und Energie untrennbar miteinander verwoben sind. Selbst das absolute Vakuum ist kein "Nichts", sondern ein Zustand minimaler Energie mit mathematisch definierbaren Eigenschaften.
Gut. Aber was genau soll daraus jetzt folgen?
nocheinPoet schrieb am 08.07.2026:Wie siehst Du das Problem des kollabierenden Definitionsbereichs bei einer totalen physikalischen Negation?
Es gibt hier kein Problem, denn "Definitionsbereich" ist keine physikalische Struktur. Hier unterläuft dir eben auch der entscheidende Denkfehler. Eigentlich ja nicht nur hier, aber hier wird dein Denkfehler halt besonders deutlich, denn du setzt stillschweigend voraus, dass ohne Raumzeit oder physikalische Strukturen auch keine Propositionen oder Wahrheitsbedingungen existieren würden. Du vermischst halt insbesondere verschiedene ontologische Ebenen, nämlich die
Wirklichkeit einerseits und
Aussagen über die Wirklichkeit andererseits. Das sind letztendlich aber komplett verschiedene Dinge, die Landkarte ist eben nicht das Gelände, die
Beschreibung der Wirklichkeit ist nicht die
Wirklichkeit selbst. Es gibt beispielsweise
Äpfel... und es gibt
Aussagen über Äpfel. Äpfel sind
physikalischer Natur (sie haben bspw. Größe, Form, Gewicht, Ausdehnung usw.),
Aussagen über Äpfel sind es hingegen nicht (und sie haben weder Größe, Form, Gewicht, noch Ausdehnung usw., dafür aber so etwas wie einen propositionalen Gehalt). Aussagen sind hier auch nicht notwendigerweise als sprachliche Äußerung zu verstehen, die nur dann existieren würden, wenn es Beobachter mit Gehirnen und Sprachbegabung gibt (Nominalismus), sondern können auch verstanden werden als etwas mit propositionalen Gehalt, der objektiv und unabhängig vom Beobachter bestehen und wahr oder falsch sein kann (Platonismus). Und die Aussage
"es existiert keine Raumzeit und keine physikalische Struktur" kann selbstverständlich auch immer noch und gerade dann wahr sein, wenn keine Raumzeit und keine physikalische Struktur mehr existiert. Genauso, wie etwa die Aussage
"drei Einhörner und fünf Einhörner sind zusammen acht Einhörner" wahr ist - unabhängig davon, ob es Einhörner tatsächlich gibt. Und etwa auch die Aussage
"es gibt keinen Einhörner" ist wahr, wenn es keine Einhörner gibt - macht ja auch Sinn und alles andere wäre ja auch Quatsch.