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Über das Wissen

120 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Gott, Religion, Welt ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Über das Wissen

15.07.2026 um 19:18
Zitat von kaktusskaktuss schrieb:tatsächlich irgendwie schon, ja... welchen besseren Grund als das "Gut sein" sollte es geben ?
Mich stört da schon das „Gut“. Wer setzt das, wer bestimmt das, wo kommt das her? Was sollte es mit unserem oder meinem „Gut“ zu tun haben? Wir können uns nicht mal darauf einigen was gut aussieht oder gut schmeckt und dann kommt das ideale gute und bringt sich selbst in die Welt?


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15.07.2026 um 19:31
Zitat von paxitopaxito schrieb:Mich stört da schon das „Gut“. Wer setzt das, wer bestimmt das, wo kommt das her? Was sollte es mit unserem oder meinem „Gut“ zu tun haben? Wir können uns nicht mal darauf einigen was gut aussieht oder gut schmeckt und dann kommt das ideale gute und bringt sich selbst in die Welt?
gut sein ist einfach eine gegebene Möglichkeit unter allen möglichen arten zu sein... sie ist aber moralisch bewertet tatsächlich die bestmögliche...
was gut ist wissen wir alle und da ist es auch egal das die Meinungen im Geschmack oder der Ästhetik auseinandergehen...


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16.07.2026 um 02:19
Zitat von paxitopaxito schrieb:Wir können uns nicht mal darauf einigen was gut aussieht oder gut schmeckt und dann kommt das ideale gute und bringt sich selbst in die Welt?
Auch wenn heute die Individualität auf die Spitze getrieben wird, so sind wir gleicher als es vielleicht den Anschein hat. Denke an den goldenen Schnitt, wodurch etwas scheinbar harmonischer wirkt, an das Gesicht wenn ein Kleinkind etwas Süßes oder Saures schmeckt...
Oder ganz tief im stillen Gewahrsein bist, fern von Gedanken, ist das Sein an sich dann etwas was sich schwer anfühlt, fremd, unterschiedlich, oder eher was vertrautes, leichtes, gut wie und das es ist?


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19.07.2026 um 21:22
Zitat von kaktusskaktuss schrieb am 30.06.2026:Stimmst du mir zu, wenn ich sage: Dort, wo wir nichts wissen, ist Raum, um alles Mögliche zu glauben?
Solange es zum Glauben keine Alternative gibt werden wir beim Glauben bleiben müssen.
Zitat von kaktusskaktuss schrieb am 30.06.2026:Sokrates machte einerseits deutlich, dass niemand etwas wirklich wissen kann; andererseits sagt er, dass es immer etwas gibt, das wir nicht wissen, und schafft so Raum für den Glauben...
Kein Lebewesen ist dafür gemacht alles zu wissen.
Zitat von kaktusskaktuss schrieb am 30.06.2026:Das Gleiche gilt für Kants „Ding an sich“... es lässt eine Tür offen für alles, was man erzählen kann... eine Tür für den Glauben...
Selbst wissen kann abgelehnt werden. Man nimmt eine Sache die man weiß, lehnt diese ab und Füllt das Wissensloch mit einer Geschichte.
Zitat von kaktusskaktuss schrieb am 30.06.2026:Wo kein Wissen ist, da ist Raum, den Menschen genau das zu erzählen, was sie hören wollen – oder was man selbst möchte, dass sie hören...
Eine andere Möglichkeit ist den Menschen vom Wissen Abzugkapseln.
Zitat von kaktusskaktuss schrieb am 30.06.2026:Der einzige sichere Ort ist dort, wo tatsächlich Wissen existiert... wir müssen also alles wissen, selbst die ersten Ursachen und Prinzipien dieser Welt... wir brauchen Klarheit in diesen Dingen, um endlich Schluss zu machen mit diesen schwachsinnigen und gefährlichen Religionen...
Auch mit Ursachen und Prinzipien kann man eine ganze Menge Mist anstellen.
Zitat von kaktusskaktuss schrieb am 30.06.2026:Religion kann nur so lange existieren, wie wir nicht wissen, was eigentlich vor sich geht... denn genau diesen Umstand nutzen sie aus, um jedem alles Mögliche zu erzählen...
Selbst mit vollkommenem wissen gäbe es immer noch Möglichkeiten den Menschen für dumm zu halten und ihn vom Wissen Abzugkapseln.
Zitat von kaktusskaktuss schrieb am 30.06.2026:Deshalb sollte der nächste große Schritt in der Metaphysik darin bestehen, die ersten Prinzipien und Ursachen dieser Welt zu entdecken, damit kein Raum mehr für den Glauben bleibt... denn keine Geschichte kann Bestand haben, wenn ein Faktum ihr widerspricht...
Glaube und Religion werden solange bestehen bis man kein Geld mehr damit machen kann.


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20.07.2026 um 09:49
Zitat von kaktusskaktuss schrieb am 15.07.2026:gut sein ist einfach eine gegebene Möglichkeit unter allen möglichen arten zu sein... sie ist aber moralisch bewertet tatsächlich die bestmögliche...
was gut ist wissen wir alle und da ist es auch egal das die Meinungen im Geschmack oder der Ästhetik auseinandergehen...
"Gut sein" ist eine Kategorie menschlicher Befindlichkeiten, keine "Art zu-sein". Ich bin mir sehr, sehr sicher das deine und meine Auffassung von "gut sein" an vielen Stellen fundamental verschieden sind. Für mich ist das völlig okay, eben weil es nicht viel mehr ist als Ästhetik oder Geschmack, aber für ein ideales Gut das sich in die Welt bringt wird es problematisch.
Zitat von KwithoutPathKwithoutPath schrieb am 16.07.2026:so sind wir gleicher als es vielleicht den Anschein hat
Wir sind alle Menschen und uns damit an vielen Stellen sicher ähnlich. Aber wir sind nicht gleich.
Zitat von KwithoutPathKwithoutPath schrieb am 16.07.2026:Oder ganz tief im stillen Gewahrsein bist, fern von Gedanken, ist das Sein an sich dann etwas was sich schwer anfühlt, fremd, unterschiedlich, oder eher was vertrautes, leichtes, gut wie und das es ist?
Ich habe viele verschiedene merkwürdige, bemerkenswerte und eigentümliche Erfahrungen gemacht, auch spiritueller Natur. Dabei bin ich nie auf ein Sein-an-sich gestoßen, geschweige denn "wie es sich anfühlt."


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20.07.2026 um 16:52
Zitat von nocheinPoetnocheinPoet schrieb am 10.07.2026:Ich dachte es ist offensichtlich, dass ich den Teil an Dich und nicht an @paxito geschrieben habe, habe nur vergessen zu adden.
Ja, gut, wenn der ganze Part an mich gehen sollte, dann schaue ich mir das natürlich gerne noch einmal an und gehe darauf ein.
Zitat von nocheinPoetnocheinPoet schrieb am 08.07.2026:Also was ich noch so habe, schauen wir uns nun aber Deinen entscheidenden Gegenvorschlag an. Du argumentierst, man könne das Problem der Reifikation umgehen, indem man die Leibniz-Frage quantorenlogisch umformuliert:

"Warum ist es nicht der Fall, dass keine realen und physikalischen Dinge existieren?"
Nein, nirgends argumentiere ich so, an keiner Stelle. Ist halt wieder KI-Müll, Stichwort "Halluzinationen". Was ich sagte war:
Zitat von NoumenonNoumenon schrieb am 07.07.2026:Es braucht streng genommen den Begriff "nichts" nicht einmal, um die berühmte Frage zu formulieren:

Warum existiert überhaupt irgendetwas real und physikalisch?

Oder:

Warum ist es nicht der Fall, dass keine realen und physikalischen Dinge existieren?
-
Zitat von nocheinPoetnocheinPoet schrieb am 08.07.2026:​Du forderst mich auf zu zeigen, warum diese fundamentale Negation aller physikalischen Existenz in sich inkohärent ist.
Ja, immerhin das ist wohl so korrekt, nur bleibst du eines Beweises auch trotz der nachfolgenden Ausführungen schuldig.
Zitat von nocheinPoetnocheinPoet schrieb am 08.07.2026:1. Das Problem des Definitionsbereichs (Domäne)
[...]
Das Problem ist: Wenn keine Domäne, keine Raumzeit und keine physikalische Struktur mehr existiert, kollabiert der logische Rahmen, innerhalb dessen die Aussage ¬∃x überhaupt einen Sinn oder einen Wahrheitswert generieren könnte.
Stimmt. Nur ging es mir ja nicht darum, warum nicht absolut nichts existiert, also auch keine abstrakten Konzepte, welche etwa ein logisches Modell zur Beschreibung diverse Sachverhalte ermöglichen würden, sondern darum, warum nicht einfach keinerlei physikalischen Dinge existieren.
Zitat von nocheinPoetnocheinPoet schrieb am 08.07.2026:​2. Warum begriffliche Inkohärenz hier ontologische Unmöglichkeit impliziert
[...]
​Mein Argument ist daher kein ontologischer Trick, sondern der (versuchte) Nachweis, dass der Ausdruck "Es existiert absolut nichts" versucht, ein logisches Urteil über einen Zustand zu fällen, der per Definition die Bedingungen für die Möglichkeit von Logik, Zeit und Urteilskraft vollständig auslöscht.
Kann mich auch hier beim zweiten Punkt der Begründung nur wiederholen: Ging mir ja nicht darum, warum nicht absolut nichts existiert, also auch keine abstrakten Konzepte, welche etwa ein logisches Modell zur Beschreibung diverse Sachverhalte ermöglichen würden, sondern darum, warum nicht einfach keinerlei physikalischen Dinge existieren. Und es ist insofern dann eben auch nicht mehr richtig, dass sich "nichts existiert" nicht kohärent denken lässt. Anderenfalls hätten wir auch massive Probleme bei völlig alltäglichen und banalen Sätzen wie:

Ich habe heute nichts gegessen.
Sie hat nichts gekauft.
Er hat nichts gefunden.
Wir haben nichts gesehen.
Er hat nichts verstanden.
Du hast nichts vergessen.
Sie hat nichts gesagt.
Ich habe nichts gemacht.
Er hat nichts gelernt.
Wir haben nichts gehört.
Sie erinnert sich an nichts .
Es konnte nichts feststellt werden.
Es gibt nichts zu beanstanden.


(Dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein, dass ich diese Beispielsätze ja schon brachte...)

Etwas problematischer wird es vielleicht, sich die Abwesenheit auch von abstrakten Konzepten vorzustellen, wozu dann die von dir genannte Domäne genauso zählt wie etwa auch Zahlen, Mengen und viele andere "Dinge". Auch darüber können wir natürlich gerne reden, aber man sollte natürlich auf jeden Fall sauber zwischen diesen beiden Fragestellungen differenzieren. Und vor allem muss man halt auch einfach mal Farbe bekennen und sagen, wie man es denn bspw. mit dem Platonismus so hält... Zumindest aus Sicht des Nominalismus gibt es ja nicht wirklich einen Widerspruch zwischen:

a) es gibt absolut nichts

und

b) es gibt nicht einmal abstrakte Konzepte als Instrumente unseres Denkens und unserer Sprache

Du sagst: Es braucht mindestens eine Domäne, um kohärent über die Möglichkeit, dass absolut nichts existiert, denken und sprechen können. Ja, sorry, aber wir reden doch gerade über die Möglichkeit, dass absolut nichts existiert, also mithin auch keinerlei Wesen, die darüber denken oder sprechen möchten. Und wenn es keinerlei Wesen gibt, die darüber denken oder sprechen möchten, braucht es selbstverständlich auch keine abstrakten Konzepte oder logischen Modelle. Damit ist die Möglichkeit, dass absolut nichts existiert, auch völlig konsistent damit, dass es nicht einmal einen "logische[n] Rahmen [gibt], innerhalb dessen die Aussage ¬∃x überhaupt einen Sinn oder einen Wahrheitswert generieren könnte".
Zitat von nocheinPoetnocheinPoet schrieb am 08.07.2026:​Wenn wir versuchen, die absolute Nichtexistenz als reale Alternative zu denken, müssen wir auch die Zeit negieren. Ohne Zeit gibt es jedoch keine Dauer. Ein "Zustand" , der keine Dauer hat und in dem keine Zeit vergeht, kann logisch nicht als "Alternative" zu irgendetwas existieren. Er kann nicht einmal "sein".
Was für ein "Zustand"...? Wer behauptet, dass "absolut nichts" ein Zustand ist? "Zustand" ist in erster Linie erst einmal nur ein Wort, ein Begriff, ein abstraktes Konzept (!) erdacht von denkenden Wesen, die versuchen, sich die Wirklichkeit irgendwie begreifbar zu machen. Wenn absolut nichts existiert, dann auch keine Wesen, keine Sprache, kein Denken, keine abstrakten Konzepte und natürlich auch nichts, was man irgendwie als "Zustand" labeln könnte. Sowieso ist das Fehlen aller Zustände selbst kein Zustand, genauso wie das Fehlen aller Eigenschaften selbst keine Eigenschaft ist.

Und warum braucht es - zweitens - überhaupt Zeit (und Raum) für Existenz? Brauchen Primzahlen irgendeine Form von Zeit, um zu existieren? Falls ja, seit wann existieren Primzahlen? Wie messe ich die Dauer der Existenz mathematischer Objekte? Und was ist mit der Zeit selbst? Wie kann Zeit existieren, ohne selbst wieder Zeit vorauszusetzen? Fragen über Fragen, die aus philosophischer Sicht komplett sinnfrei sind, weil sie nämlich von irrsinnigen Voraussetzungen ausgehen (Wittgenstein lässt grüßen...).
Zitat von nocheinPoetnocheinPoet schrieb am 08.07.2026:Physikalische Existenz ist kein Attribut, das man einem Ding wie eine Farbe einfach "wegnehmen" kann, sodass ein "leerer Raum" übrig bleibt.
Ja, das mag durchaus sein, blöd nur: Wenn "Existenz" keine Eigenschaft wie Farbe oder Größe ist.... wodurch genau unterscheiden sich dann Dinge, die nur gedacht oder frei erfunden sind, von Dingen, die tatsächlich und real existieren? Ich kann mir beispielsweise noch so sehr vorstellen, dass vor mir ein 10-Euro-Schein liegt. Das macht ihn noch lange nicht real. Aber ich kann durchaus auch dafür sorgen, dass vor mir tatsächlich und physikalisch real ein 10-Euro-Schein liegt. Spielt halt einfach absolut keine Rolle, ob man hier jetzt von "Eigenschaften" wie "physikalische Existenz" spricht, oder nicht. Fakt ist: Es gibt einen fundamentalen Unterschied zwischen Sachverhalten, die nur in Denken oder Sprache existieren, und Sachverhalten, denen eine physikalische Realisierung in der Realität entspricht.
Zitat von nocheinPoetnocheinPoet schrieb am 08.07.2026:Die moderne Physik (Stichwort Quantenfeldtheorie oder die Allgemeine Relativitätstheorie) zeigt uns, dass Raum, Zeit und Energie untrennbar miteinander verwoben sind. Selbst das absolute Vakuum ist kein "Nichts", sondern ein Zustand minimaler Energie mit mathematisch definierbaren Eigenschaften.
Gut. Aber was genau soll daraus jetzt folgen?
Zitat von nocheinPoetnocheinPoet schrieb am 08.07.2026:​Wie siehst Du das Problem des kollabierenden Definitionsbereichs bei einer totalen physikalischen Negation?
Es gibt hier kein Problem, denn "Definitionsbereich" ist keine physikalische Struktur. Hier unterläuft dir eben auch der entscheidende Denkfehler. Eigentlich ja nicht nur hier, aber hier wird dein Denkfehler halt besonders deutlich, denn du setzt stillschweigend voraus, dass ohne Raumzeit oder physikalische Strukturen auch keine Propositionen oder Wahrheitsbedingungen existieren würden. Du vermischst halt insbesondere verschiedene ontologische Ebenen, nämlich die Wirklichkeit einerseits und Aussagen über die Wirklichkeit andererseits. Das sind letztendlich aber komplett verschiedene Dinge, die Landkarte ist eben nicht das Gelände, die Beschreibung der Wirklichkeit ist nicht die Wirklichkeit selbst. Es gibt beispielsweise Äpfel... und es gibt Aussagen über Äpfel. Äpfel sind physikalischer Natur (sie haben bspw. Größe, Form, Gewicht, Ausdehnung usw.), Aussagen über Äpfel sind es hingegen nicht (und sie haben weder Größe, Form, Gewicht, noch Ausdehnung usw., dafür aber so etwas wie einen propositionalen Gehalt). Aussagen sind hier auch nicht notwendigerweise als sprachliche Äußerung zu verstehen, die nur dann existieren würden, wenn es Beobachter mit Gehirnen und Sprachbegabung gibt (Nominalismus), sondern können auch verstanden werden als etwas mit propositionalen Gehalt, der objektiv und unabhängig vom Beobachter bestehen und wahr oder falsch sein kann (Platonismus). Und die Aussage "es existiert keine Raumzeit und keine physikalische Struktur" kann selbstverständlich auch immer noch und gerade dann wahr sein, wenn keine Raumzeit und keine physikalische Struktur mehr existiert. Genauso, wie etwa die Aussage "drei Einhörner und fünf Einhörner sind zusammen acht Einhörner" wahr ist - unabhängig davon, ob es Einhörner tatsächlich gibt. Und etwa auch die Aussage "es gibt keinen Einhörner" ist wahr, wenn es keine Einhörner gibt - macht ja auch Sinn und alles andere wäre ja auch Quatsch.


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21.07.2026 um 02:07
Zitat von paxitopaxito schrieb:Wir sind alle Menschen und uns damit an vielen Stellen sicher ähnlich. Aber wir sind nicht gleich.
Zwei Menschen unterscheiden sich nicht fundamental, sondern sie sind unterschiedliche Ausprägungen derselben menschlichen Natur. Was wir oft als Unterschiede wahrnehmen, (wie zB. Mitgefühl-Gleichgültigkeit, Mut-Angst, Großzügigkeit-Geiz, usw.) sind bei genauerer Betrachtung keine Unterschiede in einer fundamentalen Art, sondern verschiedenen Ausprägungen einer gemeinsamen Sache. Ähnlich wie Wärme und Kälte keine fundamental getrennte Dinge, keine Gegensätze, sondern beide verschiedene Grade von gefühlter Temperatur sind.

Auch wenn jeder für sich als ganzer Mensch betrachtet, nicht 1 zu 1 genauso angeordnet ist wie der Gegenüber, und demnach nicht das Selbe als ganzes System betrachtet ist, so ist man nach dem eindeutig gleichen Muster gebaut. Je weiter man Vorstellungen, Eigenschaften, Rollen, den Körper und schließlich den Menschen selbst abstrahiert, desto mehr scheint auch am Ende nur noch etwas Wahrnehmendes zu verbleiben, das sich nicht mehr voneinander unterscheiden lässt.
Zitat von paxitopaxito schrieb:Dabei bin ich nie auf ein Sein-an-sich gestoßen, geschweige denn "wie es sich anfühlt."
War missverständlich ausgedrückt. Ich versuch es anders... Liegt in dir selbst, als schlichter Wahrnehmender irgendeine Schwere in dem Fakt, dass du bist? Oder ist dieser Fakt da zu sein, selbstverständlich, aus sich selbst heraus schlicht gut?

Selbst wenn nur Schmerz um einen herum wäre, läge die Schwere in Wirklichkeit wegen dem, was wahrgenommen wird, und nicht wegen oder weil es den Wahrnehmenden gibt. Oder? Auch wenn der Verstand in manchen Situationen uns Menschen vielleicht etwas anderes sagt, dabei nicht immer eine Trennung macht, oder bei zu viel Schmerz vermischt... So ist doch das Sein selbst, ganz reduziert betrachtet, auch im Hinblick zur einzigen Alternative des Nichtsein, etwas schlicht Gutes. Wie siehst du es?


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21.07.2026 um 07:48
Zitat von KwithoutPathKwithoutPath schrieb:Zwei Menschen unterscheiden sich nicht fundamental, sondern sie sind unterschiedliche Ausprägungen derselben menschlichen Natur
Es sind beides Menschen - ja. Aber wir sprechen von Ethik, Moral, dem Guten - menschlichen Vorstellungen. Und diese Vorstellungen unterscheiden sich fundamental.
Zitat von KwithoutPathKwithoutPath schrieb:Ich versuch es anders... Liegt in dir selbst, als schlichter Wahrnehmender irgendeine Schwere in dem Fakt, dass du bist? Oder ist dieser Fakt da zu sein, selbstverständlich, aus sich selbst heraus schlicht gut?
Weder noch. Wenn ich mich soweit möglich auf die bloße Wahrnehmung beschränke, gibt es da keine Wertung mehr. Es ist einfach. Selbst die Unterscheidung zwischen Wahrnehmenden und Wahrgenommenen löst sich an der Stelle auf. Darum funktioniert für mich auch dieser Satz nicht:
Zitat von KwithoutPathKwithoutPath schrieb:Selbst wenn nur Schmerz um einen herum wäre, läge die Schwere in Wirklichkeit wegen dem, was wahrgenommen wird, und nicht wegen oder weil es den Wahrnehmenden gibt. Oder?
Das lässt sich nicht trennen. Schmerz ist ein Empfindung des Wahrnehmenden, die immer auf etwas Wahrgenommenen beruht. Siehe oben, am Ende verschwimmt selbst diese Grenze.
Zitat von KwithoutPathKwithoutPath schrieb:So ist doch das Sein selbst, ganz reduziert betrachtet, auch im Hinblick zur einzigen Alternative des Nichtsein, etwas schlicht Gutes. Wie siehst du es?
Das wir es selbst sind die entscheiden, wie wir das sehen (wollen).

Am Ende bleibt stehen, was ich @kaktuss schrieb, wir werden uns nicht einigen können was „gut“ konkret bedeutet, weil wir das unterschiedlich sehen. Für mich ist das unproblematisch, von mir aus empfinde das Sein als etwas Gutes, wo es für mich nur neutral ist. Aber für jemanden der an das ideale Gute glaubt ist das naturgemäß schwierig.


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21.07.2026 um 17:44
Beispielsweise die Minimierung von Leid ist objektiv gut.
Zitat von KwithoutPathKwithoutPath schrieb:So ist doch das Sein selbst, ganz reduziert betrachtet, auch im Hinblick zur einzigen Alternative des Nichtsein, etwas schlicht Gutes.
Gut ist der Schlaf, der Tod ist besser - freilich
Das beste wäre, nie geboren sein.

(Heinrich Heine - Morphine)



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21.07.2026 um 18:01
Zitat von NoumenonNoumenon schrieb:Beispielsweise die Minimierung von Leid ist objektiv gut.
Tja nur was ist Leid? Geht's um die subjektive Empfindung oder gibt es einen objektiven Maßstab? Und warum soll das eigentlich "objektiv gut" sein? Weil es dir und mir so dünkt?

Und weil das Zitat grad so gut passt:
Meine Zeit teile ich so ein: die halbe Zeit schlafe ich, die andre halbe verträume ich. Während ich schlafe, träume ich niemals, das wäre Sünde; denn zu schlafen, das ist die höchste Genialität
Quelle: Entweder / Oder


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21.07.2026 um 22:05
Zitat von paxitopaxito schrieb:Weder noch. Wenn ich mich soweit möglich auf die bloße Wahrnehmung beschränke, gibt es da keine Wertung mehr.
Und was passierst wenn du dazu eine Wertung dessen machst? Wie wird sie wohl unverfälscht ausfallen? Eben so wie es auch bei einem Kind ist. Lebensbejahend aus einer Selbstverständlichkeit die die Existenz als selbstverständlich gut, vertraut, positiv wahrnimmt. Kein Kind kommt auf die Welt und will sich wegen Existenz, in den nächsten Graben werfen...
Zitat von paxitopaxito schrieb:Das lässt sich nicht trennen. Schmerz ist ein Empfindung des Wahrnehmenden, die immer auf etwas Wahrgenommenen beruht.
Du tust doch selbst grade eine Trennung indem du sagst, dass es auf etwas Wahrgenommenes beruht. Etwas Wahrgenommenes und der Wahrnehmende, sind schon im Worte alleine getrennt auch wenn sie nahe beieinander sind.


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21.07.2026 um 22:28
Zitat von NoumenonNoumenon schrieb:Gut ist der Schlaf, der Tod ist besser - freilich
Das beste wäre, nie geboren sein.
Der arme Heinrich!


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23.07.2026 um 12:06
Zitat von paxitopaxito schrieb:Tja nur was ist Leid?
Echt jetzt? Ich soll dir erklären, was genau Leid ist? Was möchtest du als Nächstes wissen? Was genau ein Tisch oder ein Baum ist? Oder Farbe? :D
Zitat von paxitopaxito schrieb:Geht's um die subjektive Empfindung oder gibt es einen objektiven Maßstab? Und warum soll das eigentlich "objektiv gut" sein? Weil es dir und mir so dünkt?
Naja, so schwierig ist das doch eigentlich nicht. Leid ist dem Begriffe nach eine negativ erlebte Erfahrung. Diese negative Erlebnisqualität gilt unabhängig von subjektiven Meinungen, Kulturen oder Weltanschauungen, und ist objektives Merkmal dessen, was wir als "Leid" bezeichnen. Deshalb ist Leid objektiv schlecht, woraus wiederum folgt, dass die Minimierung von Leid objektiv gut ist. Das folgt eigentlich ziemlich straight bzw. analytisch aus dem Begriff des Leids. Wäre Leid etwas Gutes, wäre es ja kein Leid.


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23.07.2026 um 12:54
Zitat von NoumenonNoumenon schrieb:Echt jetzt? Ich soll dir erklären, was genau Leid ist? Was möchtest du als Nächstes wissen? Was genau ein Tisch oder ein Baum ist? Oder Farbe? :D
Naja, aus meiner Perspektive erklärst du "gut" mit einer Verneinung von "nicht gut" = Leid. Das erklärt eben nix. Zu sagen "Die Minimierung von Leid ist objektiv gut." heißt aus meiner Sicht "Nicht nicht gut ist objektiv gut." Dem Satz stimme ich dann sogar zu, ganz objektiv.
Zitat von NoumenonNoumenon schrieb:Naja, so schwierig ist das doch eigentlich nicht.
So schwierig wie der Begriff des Guten.
Zitat von NoumenonNoumenon schrieb:Leid ist dem Begriffe nach eine negativ erlebte Erfahrung.
Hm. Können Pflanzen leiden? Menschen ohne Bewusstsein?
Zitat von NoumenonNoumenon schrieb:Diese negative Erlebnisqualität gilt unabhängig von subjektiven Meinungen, Kulturen oder Weltanschauungen, und ist objektives Merkmal dessen, was wir als "Leid" bezeichnen.
Wenn die "negative Erlebnisqualität" nicht an subjektive Meinungen, Kulturen, Weltanschauungen (war die Aufzählung abschließend?) gebunden ist, ist sie frei im Inhalt? Kann man an allem "leiden"?
Zitat von NoumenonNoumenon schrieb:Deshalb ist Leid objektiv schlecht, woraus wiederum folgt, dass die Minimierung von Leid objektiv gut ist.
Nehmen wir ein Beispiel:
Wenn ich mich quäle um etwas zu lernen und darunter leide dass das so anstrengend ist, aber hinter gut finde das ich es gelernt habe - dann bewerte ich doch den ganzen Prozess als gut. Das Leiden gehört zum positiven Ergebnis ist und ist nicht an sich schlecht. Es einfach rauszukürzen (selbst wenn es ginge) wurde das Erfolgserlebnis schmälern.
Derartige Konstruktionen kannst du dir viele denken. Die Minimierung von Leid kann unter Umständen zur Minimierung von Glück führen (nicht nur unter Umständen, durch Kontrastrierung führt das zwangsläufig dazu) und dann geht die Glücks/Leidrechnung nicht mehr auf. Wobei weiter völlig unklar ist, was konkret Glück oder Leid heißen soll, bei dir subjektive Erlebnisqualität. Okay. Praktisch völlig unbrauchbar.


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23.07.2026 um 15:11
Zitat von paxitopaxito schrieb:Wenn ich mich quäle um etwas zu lernen und darunter leide dass das so anstrengend ist, aber hinter gut finde das ich es gelernt habe - dann bewerte ich doch den ganzen Prozess als gut.
Nein, du bewertest zwei verschiedene Dinge: 1. den Prozess, 2. das Ergebnis
Zitat von paxitopaxito schrieb:Derartige Konstruktionen kannst du dir viele denken.
Sicher, ich kann mir auch denken, dass mir jemand 1 Mio. Euro dafür schenkt, dass er mir mit einem Hammer ein paar Mal so richtig kräftig auf die Finger hauen darf, dass ich vor Schmerzen nur so schreie. Was ich mir nicht denken kann: Dass ich wegen der 1 Mio. Euro in dem konkreten Moment des Schmerzes gar nicht schreie, sondern vor Glück und Freude strahle.
Zitat von paxitopaxito schrieb:Die Minimierung von Leid kann unter Umständen zur Minimierung von Glück führen (nicht nur unter Umständen, durch Kontrastrierung führt das zwangsläufig dazu) und dann geht die Glücks/Leidrechnung nicht mehr auf.
Selbstverständlich geht diese Rechnung auf. Du möchtest sagen, dass bspw. eine Chemotherapie ganz viel Spaß macht, quasi so richtig Wellness-Programm und Entspannung pur ist, wenn es gleichzeitig zur Konsequenz hat, dass jemand von seinem Krebsleiden geheilt wird. Das widerlegt aber nicht meine Aussage, dass ceteris paribus die Minimierung von Leid objektiv gut ist. Wenn jemand die Wahl hat zwischen:

A: von seinem Krebsleiden geheilt werden
B: von seinem Krebsleiden geheilt werden + Chemotherapie

...dann wird er sich immer für Variante A entscheiden, denn ceteris paribus ist Chemotherapie die leidvollere Option, weil eine Form von Leid (so wie das Krebsleiden selbst by the way...).
Zitat von paxitopaxito schrieb:Hm. Können Pflanzen leiden? Menschen ohne Bewusstsein?
Keine Ahnung. Kann eine Nebelkerze leiden? Gute Frage.... aber höchstwahrscheinlich nicht.
Zitat von paxitopaxito schrieb:So schwierig wie der Begriff des Guten.
Nicht wirklich. "Gut" bedeutet schlicht und ergreifend, dass es förderlich für das Wohlergehen ist. Leid gehört nicht dazu.
Zitat von paxitopaxito schrieb:Naja, aus meiner Perspektive erklärst du "gut" mit einer Verneinung von "nicht gut" = Leid. Das erklärt eben nix. Zu sagen "Die Minimierung von Leid ist objektiv gut." heißt aus meiner Sicht "Nicht nicht gut ist objektiv gut." Dem Satz stimme ich dann sogar zu, ganz objektiv.
Weiß nicht, was da jetzt noch wäre, was es zu erklären gibt. Unzählige naturwissenschaftliche Phänomene bleiben dadurch natürlich weiterhin ungeklärt, stimmt, war aber auch nie der Anspruch...


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23.07.2026 um 15:36
Zitat von NoumenonNoumenon schrieb:dann wird er sich immer für Variante A entscheiden, denn ceteris paribus ist Chemotherapie die leidvollere Option, weil eine Form von Leid (so wie das Krebsleiden selbst by the way...)
Nein, ich hatte es doch explizit formuliert. Der leidvolle Weg macht das Ergebnis überhaupt erst wertvoll. Oder eben wertvoller als ohne.
Das gilt für deine Beispiele nicht, für meins schon.
Wenn ich die Wahl habe zwischen:
Latein lernen und das mit allen Schwierigkeiten und Quälereien die es mit sich bringt
oder
Latein lernen durch Feenzauber oder Upload in mein Gehirn

Dann wähle ich die erste Option, denn das Erfolgserlebnis ist ein anderes. Daher ja, ich bewerte hier Prozess und Ergebnis, sage aber das man es nicht trennen kann.

Ein anderes Beispiel wäre der durchaus leidvolle Aufstieg auf einen Berg im Vergleich dort mit einem Helikopter oder einer Seilbahn hinaufzukommen. In beiden Fällen ist das "Ergebnis" oben auf dem Berg zu sein, aber es ist schlicht nicht dasselbe.
Zitat von NoumenonNoumenon schrieb:Keine Ahnung. Kann eine Nebelkerze leiden? Gute Frage.... aber höchstwahrscheinlich nicht.
Mit deiner Definition wären begangene Handlungen an komatösen, bewusstlosen Menschen oder ähnlich gelagerten Fällen keine Form des Leidens, kein Leid zufügen. Dass passt nicht.
Zitat von NoumenonNoumenon schrieb:Weiß nicht, was da jetzt noch wäre, was es zu erklären gibt.
Das sind Tautologien. Sie sagen nichts aus und erklären nichts.
Zitat von NoumenonNoumenon schrieb:"Gut" bedeutet schlicht und ergreifend, dass es förderlich für das Wohlergehen ist. Leid gehört nicht dazu.
Du magst "Gut" diese Bedeutung geben, aber wenn du zurückblickst worum es in der Diskussion ging ergibt das keinen Sinn. Ausgangspunkt war eine idealistische, platonische Idee des Guten - die sich schwerlich daran bemisst ob etwas förderlich für das Wohlergehen ist. Diesen Begriff des Guten hatte ich kritisiert. Und was das "Leid gehört nicht dazu" anbelangt - siehe meine beiden Beispiele. So einfach ist das nicht. Förderlich für Dein Wohlergehen ist keine dauerhafte Abwesenheit von jeglichem Leid, sondern ein Wechselspiel zwischen Leid und Glück. Nur dadurch kannst du das Glück überhaupt als solches Erleben. Würdest du das Leid komplett streichen, wäre dein Leben ziemlich schal.


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24.07.2026 um 00:59
Zitat von paxitopaxito schrieb:Nein, ich hatte es doch explizit formuliert. Der leidvolle Weg macht das Ergebnis überhaupt erst wertvoll. Oder eben wertvoller als ohne.
Das gilt für deine Beispiele nicht, für meins schon.
Wenn ich die Wahl habe zwischen:
Latein lernen und das mit allen Schwierigkeiten und Quälereien die es mit sich bringt
oder
Latein lernen durch Feenzauber oder Upload in mein Gehirn

Dann wähle ich die erste Option, denn das Erfolgserlebnis ist ein anderes. Daher ja, ich bewerte hier Prozess und Ergebnis, sage aber das man es nicht trennen kann.

Ein anderes Beispiel wäre der durchaus leidvolle Aufstieg auf einen Berg im Vergleich dort mit einem Helikopter oder einer Seilbahn hinaufzukommen. In beiden Fällen ist das "Ergebnis" oben auf dem Berg zu sein, aber es ist schlicht nicht dasselbe.
Du verwechselst "anstrengend" mit "leidvoll". Vor allem dein zweites Beispiel lässt mich glauben, dass du selbst noch nie tatsächlich auf einen Berg raufgewandert bist. Das ist nämlich alles andere als leidvoll, ganz im Gegenteil.
Zitat von paxitopaxito schrieb:Das sind Tautologien. Sie sagen nichts aus und erklären nichts.
Hast du gut erkannt. Und dich ärgert das offenbar sehr, dass du keinen Hebel findest, um meine simple und unmittelbar einsichtige Aussage nach den üblichen Regeln der Kunst in Zweifel ziehen zu können. Aber vielleicht solltest du das zur Abwechselung auch einfach mal akzeptieren, dass gewisse Aussagen naturgemäß wahr sind, weil sie bspw. tautologisch sind. "Jedes Dreieck hat drei Seiten." - auch das ist eine Tautologie. Was genau daran jetzt aber problematisch sein soll, weißt natürlich nur du selbst. :)
Zitat von paxitopaxito schrieb:Mit deiner Definition wären begangene Handlungen an komatösen, bewusstlosen Menschen oder ähnlich gelagerten Fällen keine Form des Leidens, kein Leid zufügen. Dass passt nicht.
Du möchtest sagen, dass es nicht zu deinen eigenen subjektiven Moralvorstellungen passt, wenn bestimmte Handlungen (welche?) an komatösen, bewusstlosen Menschen oder ähnlich gelagerten Fällen begangen werden. Das ist auch völlig okay, aber um deine subjektiven Moralvorstellungen ging es an dieser Stelle ja nicht. Du müsstest erklären, welcher Schaden bspw. entsteht oder warum bestimmte Handlungen bspw. schlecht für das Wohlergehen eines komatösen, bewusstlosen Menschen sein soll, obwohl er offenbar gar nicht darunter leidet. Und selbst wenn du das könntest, sehe ich nicht, inwiefern das meiner eigentlichen Aussage, dass die Minimierung von Leid objektiv gut ist, widersprechen sollte.
Zitat von paxitopaxito schrieb:Du magst "Gut" diese Bedeutung geben, aber wenn du zurückblickst worum es in der Diskussion ging ergibt das keinen Sinn. Ausgangspunkt war eine idealistische, platonische Idee des Guten - die sich schwerlich daran bemisst ob etwas förderlich für das Wohlergehen ist.
Ja, das mag schon sein, dass der Gesprächsverlauf ursprünglich mal irgendwie mit Platons Idee des Guten seinen Anfang nahm (wobei das ja nicht wirklich in die Tiefe ging, als dass man das jetzt zum Grundlage der nachfolgenden Diskussion erklären könnte). Und es mag beispielsweise auch Diskussionen geben, die mit der ursprünglichen Idee des Demokrit über Atome ihren Anfang nehmen. Aber was genau sollte mich jetzt dazu zwingen, mich bei diesem Konzept exakt an die Gedanken des Demokrit (oder hier eben Platon) zu halten, statt ein alternatives Konzept zu skizzieren?
Zitat von paxitopaxito schrieb:So einfach ist das nicht. Förderlich für Dein Wohlergehen ist keine dauerhafte Abwesenheit von jeglichem Leid, sondern ein Wechselspiel zwischen Leid und Glück. Nur dadurch kannst du das Glück überhaupt als solches Erleben. Würdest du das Leid komplett streichen, wäre dein Leben ziemlich schal.
Deshalb sprach ich auch explizit von Minimierung von Leid, nicht von kompletter Abwesenheit von Leid. Da habe ich mir ein klitzekleines Hintertürchen offengelassen, sozusagen. Ich gehe auch durchaus konform mit dem Standpunkt, dass ein Minimum an Leid durchaus akzeptabel ist für das Wohlergehen von Individuen. Kleinkinder plärren ja bspw. auch ganz schnell, wenn sie ihren Willen nicht durchkriegen, sie leiden da buchstäblich. Und es wäre natürlich toll, wenn sie später wohlerzogene und reflektierte Menschen werden würden, ohne je eine Träne vergossen oder mal geplärrt zu haben. Aber ich bin mir da nicht so sicher, ob das überhaupt prinzipiell möglich ist.


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24.07.2026 um 07:02
Zitat von NoumenonNoumenon schrieb:Du verwechselst "anstrengend" mit "leidvoll".
Nein, du betreibst Wortklauberei. Du hast Leid als negativ erlebte Erfahrung definiert. Schmerzen beispielsweise - wie sie etwa bei hoher körperlicher Anstrengung entstehen - sind genau das. Oder Frustration beim Lernprozess.
Zitat von NoumenonNoumenon schrieb:Vor allem dein zweites Beispiel lässt mich glauben, dass du selbst noch nie tatsächlich auf einen Berg raufgewandert bist. Das ist nämlich alles andere als leidvoll, ganz im Gegenteil.
Nein, man schwebt quasi hinauf, es gibt dabei keine Schmerzen in Schenkeln und Füßen, man schwitzt nicht wie ein Elch, die Sonne brennt nicht auf den Pelz, nach 20km wird einem nicht die Luft mal knapp, die Füß stinken net irgendwann. Da gibt es überhaupt keinen Bereich negativer Erfahrungen der zur Anstrengung dazu gehört, Anstrengungen sind immer rosaflauschige Zuckerwatte mit Streuseln drauf.
Klar kannst du nun „Leid“ so definieren, dass du diese Fälle ausschließt. Ich hatte dich ja mal explizit gebeten zu erklären was du unter Leid verstehst. Darauf kaum nur süffisantes „ist doch klar, brauch ich nicht erklären“.
Zitat von NoumenonNoumenon schrieb:Was genau daran jetzt aber problematisch sein soll, weißt natürlich nur du selbst. :)
Das weißt du auch, ich habs dir zweimal gesagt, gerne ein drittes: Tautologien sagen nichts aus, erklären nichts. Das ist die Natur von Tautologien. Aber wenn es dir primär darum geht etwas zu finden bei dem ich nicht widerspreche, kannst du natürlich einfach Tautologien aufzählen. Salami ist Salami, eine Kuh ist eine Kuh usw.
Zitat von NoumenonNoumenon schrieb:Du möchtest sagen, dass es nicht zu deinen eigenen subjektiven Moralvorstellungen passt
Nein, hätte ich das sagen möchten, hätte ich das gesagt. Gerade wenn es um meine persönlichen Moralvorstellungen geht. Mir ging es um den allgemeinen Sprachgebrauch.
Da ich viel mit solchen Menschen und Fällen zu tun hatte, versichere ich dir da wird von Leid gesprochen.
Zitat von NoumenonNoumenon schrieb:Deshalb sprach ich auch explizit von Minimierung von Leid, nicht von kompletter Abwesenheit von Leid.
Auch die Minimierung von Leid ist nicht immer in deinem Rahmen gut. Wenn du aufhören würdest rumzuhühnern, würdest du das auch eingestehen. Negative Erfahrungsqualitäten gehören zu einem erfüllten Leben schlicht dazu.
Ich geb dir noch ein Beispiel. Scharfes Essen. Schärfe ist im Kern nix anderes als Schmerz. Singulär für sich (also wenn du nur Schärfe spüren würdest) wäre das auch eher nicht wünschenswert. Eingebettet in ein gutes Essen gehört es aber zum Gesamterlebnis dazu.
Wir können das sogar noch weiter fassen. Ich hab in meinem Leben sehr viele Menschen sterben sehen. War dabei, hab unterstützt usw. Diese Erfahrungen waren oft nicht schön. Aber im Ganzen, auf mein ganzes Leben betrachtet, haben sie mich unglaublich beeindruckt, verändert, weiter gebracht. Mich zu dem gemacht der ich bin. Würde man mir diese Erfahrungen nehmen, um „das Leid zu minimieren“ wäre mein Leben ärmer, nicht besser.
Es macht einfach Null Sinn stumpf auf singuläre Erlebnisse, Erfahrungen zu schauen und sie nicht in einen Kontext einzubetten.
Auf der anderen Seite gibt es durchaus negative Erlebnisse auf die ich gerne verzichtet hätte und verzichten würde. Hämorrhoiden etwa, da kann ich keinen positiven Sinn erkennen, egal welchen Kontext ich setze.


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24.07.2026 um 15:36
Zitat von paxitopaxito schrieb:Nein, du betreibst Wortklauberei. Du hast Leid als negativ erlebte Erfahrung definiert.
Nein, ich betreibe keine Wortklauberei, sondern du kannst mir offenbar nicht folgen. Was ich gesagt habe:

Leid ist dem Begriffe nach eine negativ erlebte Erfahrung.

Was ich hingegen nicht gesagt habe:

Jede negativ erlebte Erfahrung ist Leid.

Schau, es ist im Prinzip wieder wie mit dem Dreieck:

Ein Dreieck hat bereits dem Begriffe nach drei Ecken.

Was hingegen nicht zu verwechseln ist mit der Aussage:

Alles, was drei Ecken hat, ist ein Dreieck.
Zitat von paxitopaxito schrieb:Schmerzen beispielsweise - wie sie etwa bei hoher körperlicher Anstrengung entstehen - sind genau das. Oder Frustration beim Lernprozess.
Ja, und da wird dir auch jeder Bergführer, Sportmediziner bzw. vernünftige Mensch sagen: Wenn du Schmerzen beim Wandern hast, solltest du das lieber lassen. Und auch Frustration beim Lernprozess ist zwar durchaus üblich und normal, aber nichts, was für den Lernprozess besonders förderlich wäre, geschweige denn, notwendig. Im Idealfall lernt man ohne Frustration. Deine Beispiele widersprechen mir nach wie vor nicht, sondern bestätigen das von mir Gesagte nur erneut.
Zitat von paxitopaxito schrieb:Nein, man schwebt quasi hinauf, es gibt dabei keine Schmerzen in Schenkeln und Füßen, man schwitzt nicht wie ein Elch, die Sonne brennt nicht auf den Pelz, nach 20km wird einem nicht die Luft mal knapp, die Füß stinken net irgendwann. Da gibt es überhaupt keinen Bereich negativer Erfahrungen der zur Anstrengung dazu gehört, Anstrengungen sind immer rosaflauschige Zuckerwatte mit Streuseln drauf.
Schwitzen, brennende Sonne, Luftknappheit, stinkende Füße... das sind alles Dinge, die man jetzt vielleicht nicht unbedingt als sonderlich leidvoll bezeichnen würde, aber ja, es sind alles bereits Dinge, wo jeder sagen würde, dass es gut ist, diese nach Möglichkeit zu vermeiden. Warum, glaubst du, tragen Leute so etwas wie Sonnenschutz beim Wandern? Oder atmungsaktive Kleidung...? Oder wechseln ihre in der Regel eh schon geruchshemmenden Socken nach Möglichkeit...? Oder steigen auf den Mount Everest mit Atemmaske oder Sauerstoffflasche? Aus Langeweile? :D
Zitat von paxitopaxito schrieb:Klar kannst du nun „Leid“ so definieren, dass du diese Fälle ausschließt. Ich hatte dich ja mal explizit gebeten zu erklären was du unter Leid verstehst. Darauf kaum nur süffisantes „ist doch klar, brauch ich nicht erklären“.
Korrekt. Denn ich muss dir auch keine Definition von "Leid" liefern. Warum auch? Mit welcher Begründung? Jeder vernünftige Mensch weiß, was mit "Leid" gemeint ist. Dazu braucht es keine Definition. Das ist wie mit "schwitzen", "brennend", "Sonne", "Luftknappheit", "stinken" oder "Fuß", wo ich doch auch nicht erst ständig irgendwelche Definitionen von dir einfordere.

Aber gut, ging ja irgendwie auch ein bisschen um Begriffsanalyse. Und wenn du unbedingt darauf bestehst, dann von mir aus. Für die meisten Menschen ist bspw. folgende Erläuterung hinreichend:

Leid ist ein subjektiv negativ empfundener Zustand, den der Betroffene vorzugsweise beenden oder vermeiden möchte.

Damit kann man ja erst einmal arbeiten. Und Beispiele wurden oben ja auch schon besprochen (Schwitzen, Luftknappheit, Gestank...).
Zitat von paxitopaxito schrieb:Das weißt du auch, ich habs dir zweimal gesagt, gerne ein drittes: Tautologien sagen nichts aus, erklären nichts. Das ist die Natur von Tautologien. Aber wenn es dir primär darum geht etwas zu finden bei dem ich nicht widerspreche, kannst du natürlich einfach Tautologien aufzählen. Salami ist Salami, eine Kuh ist eine Kuh usw.
Du möchtest "die Minimierung von Leid ist objektiv gut" mit "Salami ist Salami" gleichsetzen, um zu begründen, warum meine Aussage nichtssagend sei? Echt jetzt?! :D
Zitat von paxitopaxito schrieb:Da ich viel mit solchen Menschen und Fällen zu tun hatte, versichere ich dir da wird von Leid gesprochen.
Okay, machen wir es konkret: Inwiefern ist da von Leid zu sprechen, wenn man beispielsweise eine Person schlägt, die im Koma liegt? Und inwiefern widerspricht das meiner Aussage, dass die Minimierung von Leid objektiv gut ist?
Zitat von paxitopaxito schrieb:Negative Erfahrungsqualitäten gehören zu einem erfüllten Leben schlicht dazu.
Das mag schon sein, aber du vermischst halt völlig verschiedene Dinge. Simples Beispiel - im Prinzip komplett analog:

Verletzungen gehören zu sportlicher Betätigung dazu.

Daraus folgt aber nicht:

Verletzungen sind gut.

Und erst recht nicht:

Verletzungen sollten nicht vermieden werden.

Deine Beispiele verstoßen auch gegen die Ceteris paribus-Klausel. Weiter oben sprichst du beispielsweise von Frustration beim Lernprozess. Jeder normale und vernünftig denkende Mensch würde aber den Lernprozess ohne Frustration dem Lernprozess mit Frustration ganz klar vorziehen, denn Frustration ist für sich genommen eine Form von Leid.
Zitat von paxitopaxito schrieb:Ich geb dir noch ein Beispiel. Scharfes Essen. Schärfe ist im Kern nix anderes als Schmerz.
Wenn man Menschen aber fragt, warum sie gerne scharf essen, antworten sie typischerweise aber nicht: "Weil ich Schmerzen so sehr liebe!" Die Schmerzkomponente ist hier Teil von einem Gesamteindruck, der als positiv erlebt wird, also eben gerade auch nicht als Leid. Ist halt ähnlich wie mit Achterbahnfahren, Horrorfilmen, Eisbaden oder Saunagängen: Man sucht sich bewusst eine kontrollierte körperliche oder psychische Belastung, welche aber nicht als Leid empfunden wird, weil auf einer Metaebene der Gedanke trägt: "Ich habe es unter Kontrolle, ich bin safe, alles ist gut, ich bin nicht in Gefahr, ich mag nur den Kick." Leid wäre, wenn man dich bspw. gegen deinen Willen in die Sauna steckt und nicht mehr rauslässt, während gleichzeitig die Belastungsgrenze deines Körpers längst überschritten ist. Oder wenn man dir schön scharfes Essen serviert, obwohl du es gar nicht verträgst. Keine Ahnung also, was genau du mir sagen möchtest, denn meine Aussage war eben nicht: "Schmerz o.ä. ist unter allen Umständen eine Form von Leid", sondern "die Minimierung von Leid ist objektiv gut".
Zitat von paxitopaxito schrieb:Wir können das sogar noch weiter fassen. Ich hab in meinem Leben sehr viele Menschen sterben sehen. War dabei, hab unterstützt usw. Diese Erfahrungen waren oft nicht schön. Aber im Ganzen, auf mein ganzes Leben betrachtet, haben sie mich unglaublich beeindruckt, verändert, weiter gebracht. Mich zu dem gemacht der ich bin. Würde man mir diese Erfahrungen nehmen, um „das Leid zu minimieren“ wäre mein Leben ärmer, nicht besser.
Es macht einfach Null Sinn stumpf auf singuläre Erlebnisse, Erfahrungen zu schauen und sie nicht in einen Kontext einzubetten.
Erneut Missachtung der Ceteris paribus-Klausel: Ein erfülltes menschliches Leben enthält typischerweise auch diverse Leiderfahrungen wie Schmerz, Trauer, Scheitern, Stress, Frustration uvm., die sich auch positiv auf die persönliche Entwicklung mit Blick auf Weisheit, Reife, Empathie usw. auswirken können. Da wirst du von mir auch keinen Widerspruch hören.

Es gibt Menschen, die waren im Krieg und sind dadurch zu Pazifisten geworden, mag sein. Aber es gibt auch Menschen, die waren nie im Krieg und sind trotzdem Pazifisten geworden (oder irgendwie schon immer gewesen).

Es gibt Menschen, die haben viel Leid durchgemacht und haben sich dadurch zu einer empathischen Persönlichkeit entwickelt, mag ebenfalls sein. Aber es gibt auch Menschen, die haben so gut wie gar kein Leid durchgemacht, haben sich aber trotzdem zu einer empathischen Persönlichkeit entwickelt (oder irgendwie schon immer gewesen).

Ceteris paribus ist also ein Leben ohne Leiderfahrung einem Leben mit Leiderfahrungen stets und ausnahmslos vorzuziehen (mithin objektiv gut).


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24.07.2026 um 16:02
@Noumenon
Wie üblich führt ein Gespräch mit dir ins Nirvana. Hab dargelegt was ich sagen wollte und auf weitere Extrarunden verzichte ich.


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