Philosophie
Menschen Wissenschaft Politik Mystery Kriminalfälle Spiritualität Verschwörungen Technologie Ufologie Natur Umfragen Unterhaltung
weitere Rubriken
PhilosophieTräumeOrteEsoterikLiteraturAstronomieHelpdeskGruppenGamingFilmeMusikClashVerbesserungenAllmysteryEnglish
Diskussions-Übersichten
BesuchtTeilgenommenAlleNeueGeschlossenLesenswertSchlüsselwörter
Schiebe oft benutzte Tabs in die Navigationsleiste (zurücksetzen).

Über das Wissen

125 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Gott, Religion, Welt ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Über das Wissen

29.07.2026 um 05:01
@paxito
Die endlose Diskussion beginnt dort, wo der Mensch glaubt, seine Gedanken seien von einer anderen Natur als die des anderen. Der Inhalt mag verschieden sein, aber die Bewegung des Denkens ist dieselbe. Solange das Denken sich selbst für getrennt hält, erschafft es Trennung. Wer im anderen etwas grundsätzlich Fremdes sieht, begegnet oft nur der eigenen inneren Spaltung in neuer Gestalt.
Erst wenn erkannt wird, dass das Denken selbst die Grenze zieht, verliert der Konflikt seine Nahrung. Auch Gut und Böse verlieren ihre scheinbare Sicherheit, wenn erkannt wird, dass sie häufig aus derselben Bewegung des Denkens hervorgehen... Einer Bewegung, die trennt, vergleicht, urteilt und sich mit ihren eigenen Bildern identifiziert.

Das Endergebnis dieses Vorgangs spüren wir jetzt schon... Ich musste weinen als ich die Zahlen sah... ca 73% des natürlichen tierischen Lebens, gemessen seit 1970 bis heutiger Zeit, ausgelöscht. Die großen Strömungen von Luft und Wasser, die das Gleichgewicht des Planeten mitbestimmen, verlieren zunehmend ihre Stabilität. Die Konsequenz liegt nicht in ferner, sondern naher Zukunft.

Wo der Mensch sich von der Natur getrennt sieht, begegnet er ihr nicht mehr als einem lebendigen Ganzen, sondern als etwas, das genutzt, beherrscht oder verbraucht werden kann... Dieselbe verdammte Bewegung des Denkens, die das Ich vom Du trennt, trennt auch den Menschen von der Erde. Aus dieser Trennung entsteht Ausbeutung, Maßlosigkeit, Zerstörung, der ganze Scheiß... Erst wenn die Illusion der Getrenntheit endet, kann Fürsorge an die Stelle von Beherrschung treten. Nicht als irgendeiner moralische Pflicht, oder für irgendeinem anderen hohen oder niederen geglaubtem Ziel, sondern als natürliche Folge des Erkennens, dass das Leben nicht in verschiedne Teile zerfällt.


melden

Über das Wissen

07.08.2026 um 17:33
Zitat von paxitopaxito schrieb am 21.07.2026:
Zitat von NoumenonNoumenon schrieb am 21.07.2026:Beispielsweise die Minimierung von Leid ist objektiv gut.
Tja nur was ist Leid? Geht's um die subjektive Empfindung oder gibt es einen objektiven Maßstab? Und warum soll das eigentlich "objektiv gut" sein? Weil es dir und mir so dünkt?
Ich würde erstmal fragen, wie etwas subjektives dann etwas objektives sein kann. Oder anders und konkreter, Leid ist klar subjektiv, dann soll es aber 'objektiv' gut sein. Was soll genau denn 'gut' sein, ich denke es steht hier dem 'nicht gut' und wohl somit dem 'schlecht' gegenüber.

Für beides sehe ich da wenig etwas, dass objektiv wäre. Gut und/oder schlecht sind ja wohl Wertungen und damit wohl zwingend subjektiv. Wie Leid eben wohl auch.

Also, wenn wir mal das mit dem 'objektiv' streichen, selbst eine Aussage wie, die Minimierung von Leid ist (subjektiv) gut, würde ich das nie nicht als Tatsachenbehauptung in die Welt drücken. Und dazu stellt sich die Frage, was ist nun eine Minimierung von Leid genau? Wir können Wasser in Litern messen, aber wie messen wir Leid? Was ist weniger, was ist mehr? Das ist eben subjektiv, blind oder keine Beine, was ist mehr Leid?



Dann würde ja "weniger Leid ist (objektiv) gut" auch bedeuten, es gibt ein Minimum, also kein Leid. Oder "Anti-Leid", was wie "fühlt sich nur gut an", und tauchen wir noch tiefer, ist Leid (in Form von Bedürfnissen) notwendig für Handlung und damit für jede positive Erfahrung? Und was sagt die Philosophie dazu?

Normal hat ja schon jenes was wir empfinden können wo auch einen Zweck, auch wenn er nicht immer auf der Hand liegt. Bei Schmerz ist es relativ klar, Hand auf heißer Herdplatte, nicht gut, Schmerz ist Leid, Hand weg, verhindert weitere Verletzungen. Also ist hier Leid gut. Und ich will nicht groß über objektiv und subjektiv streiten, aber dennoch würde hier eventuell doch ein objektiv gut passen.

Damit haben wir ein Beispiel, was belegt, Leid kann auch gut sein, damit ist die Aussage: "Minimierung von Leid ist objektiv gut" nur schwer so aufrecht zu halten. Denn je mehr man hier den Schmerz, also das Leid minimieren würde, bis hin zu keinem Schmerz, würde man weniger reagieren und sich mehr verletzen. Gibt nun Menschen die keine Schmerzen spüren, da ist das Leid sehr minimiert, aber das ist nicht gut, sondern richtig schlecht:

-> Was auf den ersten Blick wie ein Segen klingt, kann schwere Folgen haben

Nun weiter, was ist mit Hunger und Durst?

Ohne Frage führt das zu richtigem Leid, nicht am ersten Tag, aber wenn es ein paar Tage geht, das ist ganz sicher schweres Leid. Hunger und Durst sind fundamentale, lebenswichtige Grundbedürfnisse und wenn sie nicht gestillt werden, bedeutet das unermessliches physisches und psychisches Leid.

Epikur würde sagen: Hunger/Durst sind natürliche und notwendige Begierden, deren Nichterfüllung Schmerz verursacht. Ihre Erfüllung bringt Lust, aber die höchste Lust ist das völlige Fehlen von Schmerz (Aponie). Er strebt einen Zustand an, wo kein Mangel mehr besteht (satt, nicht durstig).

Aber wenn man niemals Hunger/Durst hätte (weil alle Wünsche sofort erfüllt würden, ohne dass ein Mangelgefühl entsteht), gäbe es auch keine Lust des Essens/Trinkens. Wäre das wünschenswert? Epikur würde hier vielleicht sagen, wenn der Körper nie in einen Mangelzustand gerät, dann wäre das tatsächlich ein schmerzfreier Zustand (Aponie) ohne die Notwendigkeit, Lust durch Stillen zu suchen. Das wäre für ihn das Ideal. Ich frage aber, braucht es nicht Leid (Mangel), um überhaupt Lust oder Aktivität zu haben?

Das ist eine Kritik an einem völlig leidfreien Ideal.

Platon im Philebos diskutiert, ob Lust nur Aufhebung von Schmerz ist (und damit kein eigenständiger positiver Zustand). Aristoteles sieht Glück (eudaimonia) als Tätigkeit, nicht als bloße Schmerzfreiheit. Er könnte argumentieren, dass ohne Bedürfnisse/Mangel der Antrieb zum Handeln fehlt, aber für ihn ist Glück aktive Betätigung der Vernunft, nicht nur Bedürfnisbefriedigung. Ein rein passives Dasein ohne jegliche Bedürfnisse wäre nicht menschlich.

Die Stoiker betrachten körperliche Empfindungen wie Hunger als gleichgültig (adiaphora), sie können den Weisen nicht im Kern erschüttern. Leid durch Hunger ist nicht das eigentliche Übel. Aber auch sie würden sagen, dass gewisse Herausforderungen für die Tugend nötig sind.

Also, die Frage: ist Durst/Hunger Leid? Ja, in der antiken Philosophie gilt körperlicher Mangel oft als eine Art von Schmerz (ponos/lupē). Und die tiefergehende Frage, wäre ein Leben ohne jedes Mangelgefühl (also wo nie Hunger/Durst aufkommt, weil stets gesättigt) überhaupt lebenswert oder würde es an Antrieb und damit an der Möglichkeit von Lust fehlen?

Das ist eine Kritik an einem rein negativen Glücksbegriff (Glück = Abwesenheit von Leid). Epikur würde einwenden, dass die Abwesenheit von Schmerz (Aponie) bereits die höchste Lust (katastematische Lust) ist, die keiner zusätzlichen „kinetischen“ Lust (wie Trinken) bedarf. Wer nie Durst hat, lebt im Zustand katastematischer Lust – das sei das Ziel. Ist dieser Zustand nicht langweilig oder antriebslos? Epikur sagt: Nein, es ist reine Seelenruhe.

Ich stimme hier Epikur nicht zu.

Kurzer Blick in die moderne philosophische Diskussion, das "Erfahrungsmaschine"-Gedankenexperiment von Nozick, wo alle Wünsche sofort erfüllt würden, ohne Leid. Menschen würden das ablehnen, weil sie echte Erfahrungen und Handlungen wollen. Das ähnelt der antiken Skepsis gegenüber rein passivem Wunscherfüllungsglück.

Ein Leben, das nur auf der Beseitigung von Mangel-Leid (wie Durst) beruht, ist ein unfreies, auf den Körper fixiertes Leben. Der Mensch, der "alles bekommt, was er will", würde in dieser Logik entweder ständig neue künstliche Mängel produzieren (das löchrige Fass) oder er würde im Zustand völliger, dumpfer Schmerzfreiheit verharren – was Platon nicht für Glück, sondern für ein bloßes Dahinvegetieren ohne wahre Erkenntnis und Tätigkeit hielte.

Leid hat offenkundig auch eine Funktion, oder kann eine haben, Leid ist nicht pauschal immer schlecht, Minimierung von Leid ist nicht objektiv grundsätzlich immer gut. Da sollte man doch tiefer blicken und das differenzierter sehen, ihne ein gewisses Streben, Begehren oder einen Mangel gäbe es keinen Antrieb zum Tätigsein.

Ein Mensch, der buchstäblich nichts entbehrt und nichts erstrebt, würde in vollkommener Passivität verharren. Für Aristoteles wäre das kein glücklicher Mensch, sondern ein untätiger Block oder eine Pflanze. Menschliches Glück entfaltet sich im aktiven Denken, im ethischen Handeln, im Bewältigen von Herausforderungen, im freundschaftlichen Umgang. All das setzt eine Art von "Mangel" oder "Bedürfnis" auf geistiger Ebene voraus, den Wunsch zu erkennen, Gutes zu tun, ein Werk zu vollbringen.

Ein Lebewesen, das nie einen Mangel verspürt (auch nicht den geistigen Mangel der Neugier), könnte niemals das glücklich tätige Wesen sein, das der Mensch seiner Bestimmung nach ist.


Zitat von NoumenonNoumenon schrieb am 21.07.2026:
Zitat von paxitopaxito schrieb am 21.07.2026:Geht's um die subjektive Empfindung oder gibt es einen objektiven Maßstab? Und warum soll das eigentlich "objektiv gut" sein? Weil es dir und mir so dünkt?
Naja, so schwierig ist das doch eigentlich nicht. Leid ist dem Begriffe nach eine negativ erlebte Erfahrung.
Doch, es ist eben nicht so einfach, wie Du es darstellst. Ich könnte hier nun einiges über "negativ" schreiben, was genau das in welchem Kontext bedeutet. Aber ich habe eben schon einiges geschrieben, was recht klar aufzeigt, dass Deine Aussage so keine Tatsache ist, sondern im besten Fall nur Deine Meinung. Und bei dem was Du hier so von Dir preisgegeben hat, an Hintergrund den Du besitzt, finde ich das bedenklich oder zumindest verwundert es mich, wie pauschal Du hier Behauptungen aufstellst.


Zitat von NoumenonNoumenon schrieb am 21.07.2026:Diese negative Erlebnisqualität gilt unabhängig von subjektiven Meinungen, Kulturen oder Weltanschauungen, und ist objektives Merkmal dessen, was wir als "Leid" bezeichnen.

Deshalb ist Leid objektiv schlecht, woraus wiederum folgt, dass die Minimierung von Leid objektiv gut ist.

Das folgt eigentlich ziemlich straight bzw. analytisch aus dem Begriff des Leids. Wäre Leid etwas Gutes, wäre es ja kein Leid.
Nein, Deine - von mir unterstrichene Behauptung - ist einfach falsch. Hab ich recht klar aufgezeigt. Zahnschmerzen treiben einem zum Zahnarzt, und ich kann Dir sagen, Zahnschmerzen sind wirklich Leid, leider zwei Mal im Leben unglaubliche Zahnschmerzen gehabt. So heftig, dass ich in die Knie gegangen bin und echt Flimmern vor den Augen hatte. Es kann eine üble Entzündung sein, wo Du auch an einer Blutvergiftung verrecken kannst. Es ist hier ganz sicher gut, zum Arzt zu gehen.


Zitat von paxitopaxito schrieb am 23.07.2026:
Zitat von NoumenonNoumenon schrieb am 23.07.2026:Diese negative Erlebnisqualität gilt unabhängig von subjektiven Meinungen, Kulturen oder Weltanschauungen, und ist objektives Merkmal dessen, was wir als "Leid" bezeichnen.
Wenn die "negative Erlebnisqualität" nicht an subjektive Meinungen, Kulturen, Weltanschauungen (war die Aufzählung abschließend?) gebunden ist, ist sie frei im Inhalt? Kann man an allem "leiden"?
Eventuell, gibt Menschen, die Leiden an einem Bein, was sie haben, und das Leid ist so groß, dass sie sich sogar auf die Bahnschienen legen, um es sich abtrennen zu lassen (Xenomelie).

https://www.usz.ch/erklaerung_seltene_identitaetsstoerung/

Leid ist auf jeden Fall erstmal subjektiv, wie weit man es objektiv bekommt, kann man hinterfragen. Es ist aber nicht einfach pauschal objektiv.


Zitat von paxitopaxito schrieb am 23.07.2026:
Zitat von NoumenonNoumenon schrieb am 23.07.2026:... dann wird er sich immer für Variante A entscheiden, denn ceteris paribus ist Chemotherapie die leidvollere Option, weil eine Form von Leid (so wie das Krebsleiden selbst by the way...)
Nein, ich hatte es doch explizit formuliert. Der leidvolle Weg macht das Ergebnis überhaupt erst wertvoll. Oder eben wertvoller als ohne.
Das gilt für deine Beispiele nicht, für meins schon.

Wenn ich die Wahl habe zwischen:

  • Latein lernen und das mit allen Schwierigkeiten und Quälereien die es mit sich bringt
  • Latein lernen durch Feenzauber oder Upload in mein Gehirn

Dann wähle ich die erste Option, denn das Erfolgserlebnis ist ein anderes. Daher ja, ich bewerte hier Prozess und Ergebnis, sage aber das man es nicht trennen kann. Ein anderes Beispiel wäre der durchaus leidvolle Aufstieg auf einen Berg im Vergleich dort mit einem Helikopter oder einer Seilbahn hinaufzukommen. In beiden Fällen ist das "Ergebnis" oben auf dem Berg zu sein, aber es ist schlicht nicht dasselbe.
Ja, ich würde sagen, wir haben da eine ähnliche Vorstellung zu dem was Leid nun ist.


Zitat von NoumenonNoumenon schrieb am 23.07.2026:
Zitat von paxitopaxito schrieb am 23.07.2026:Die Minimierung von Leid kann unter Umständen zur Minimierung von Glück führen (nicht nur unter Umständen, durch Kontrastrierung führt das zwangsläufig dazu) und dann geht die Glücks/Leidrechnung nicht mehr auf.
Selbstverständlich geht diese Rechnung auf. Du möchtest sagen, dass bspw. eine Chemotherapie ganz viel Spaß macht, quasi so richtig Wellness-Programm und Entspannung pur ist, wenn es gleichzeitig zur Konsequenz hat, dass jemand von seinem Krebsleiden geheilt wird. Das widerlegt aber nicht meine Aussage, dass ceteris paribus die Minimierung von Leid objektiv gut ist.

Wenn jemand die Wahl hat zwischen:

A: von seinem Krebsleiden geheilt werden
B: von seinem Krebsleiden geheilt werden + Chemotherapie

...dann wird er sich immer für Variante A entscheiden, denn ceteris paribus ist Chemotherapie die leidvollere Option, weil eine Form von Leid (so wie das Krebsleiden selbst by the way...).
Das ist doch albern, das belegt doch gar nichts. Klar, wenn ich die Wahl habe, mir zieht wer ohne Grund, ohne Betäubung einen Zahn, was sicher großes Leid ist, oder er lässt es, dann ist meine Wahl recht sicher, er lässt es. Aber das belegt doch nicht, dass die Minimierung von Leid objektiv immer gut ist.


Zitat von NoumenonNoumenon schrieb am 23.07.2026:
Zitat von paxitopaxito schrieb am 23.07.2026:Hm. Können Pflanzen leiden? Menschen ohne Bewusstsein?
Keine Ahnung. Kann eine Nebelkerze leiden? Gute Frage ... aber höchstwahrscheinlich nicht.
Wenn Leid objektiv wäre, braucht es denn dann die Pflanze um das Leid der Pflanze ermessen zu können?

Und ja, ich bin recht sicher, so meine Meinung, Pflanzen können leiden und auch Glück empfinden.


Zitat von paxitopaxito schrieb am 23.07.2026:Mit deiner Definition wären begangene Handlungen an komatösen, bewusstlosen Menschen oder ähnlich gelagerten Fällen keine Form des Leidens, kein Leid zufügen. Dass passt nicht.
Nun ja, ich sehe da keine echte "Definition", dass ist - wie schon geschrieben - nur im besten Fall, eine subjektive Meinung. Ich halte das auch nicht für groß komplex und schwierig, also die hier aufgestellte Behauptung zu widerlegen.


Zitat von NoumenonNoumenon schrieb am 23.07.2026:Weiß nicht, was da jetzt noch wäre, was es zu erklären gibt.
Oh, Problem erkannt, bau darauf auf. ;)


Zitat von paxitopaxito schrieb am 24.07.2026:
Zitat von NoumenonNoumenon schrieb am 24.07.2026:Du verwechselst "anstrengend" mit "leidvoll".
Nein, du betreibst Wortklauberei. Du hast Leid als negativ erlebte Erfahrung definiert. Schmerzen beispielsweise - wie sie etwa bei hoher körperlicher Anstrengung entstehen - sind genau das. Oder Frustration beim Lernprozess.
Davon abgesehen, gehört ja wohl "anstrengend" mehr in die Kiste mit "leidvoll" als mit "zufrieden sein". Ich kenne zumindest viele Aussagen wie, boah ist das anstrengend, da hab ich ja gar kein Bock jetzt drauf. Hey Kinder, ihr braucht heute nicht mehr den Müll runterbringen, den Geschirrspüler ausräumen und Eure Zimmer aufräumen. Und ist wäre wohl doch seltsam, wenn man darauf als Antwort bekommt, boah, voll fies, das ist alles doch so anstrengend und macht uns so glücklich. Voll fett das Leid, dass wir das alles nun nicht mehr machen müssen. ;)


Zitat von NoumenonNoumenon schrieb am 24.07.2026:
Zitat von paxitopaxito schrieb am 24.07.2026:Nein, du betreibst Wortklauberei. Du hast Leid als negativ erlebte Erfahrung definiert.
Nein, ich betreibe keine Wortklauberei, sondern du kannst mir offenbar nicht folgen.
Das ist ja schon echt frech, natürlich hast Du Leid als negative Erfahrung definiert.
Zitat von NoumenonNoumenon schrieb am 21.07.2026:... die Minimierung von Leid ist objektiv gut.
Zitat von NoumenonNoumenon schrieb am 21.07.2026:Leid ist dem Begriffe nach eine negativ erlebte Erfahrung.
Zitat von NoumenonNoumenon schrieb am 21.07.2026:Diese negative Erlebnisqualität gilt unabhängig von subjektiven Meinungen, Kulturen oder Weltanschauungen, und ist objektives Merkmal dessen, was wir als "Leid" bezeichnen.

Deshalb ist Leid objektiv schlecht, woraus wiederum folgt, dass die Minimierung von Leid objektiv gut ist.

Das folgt eigentlich ziemlich straight bzw. analytisch aus dem Begriff des Leids. Wäre Leid etwas Gutes, wäre es ja kein Leid.
Von mir aus kannst Du etwas zappeln und behaupten, Du hast nur die Definition benannt, die Du so als richtig im Kopf hattest, und es nicht selber so definiert. Aber ohne Frage, hast Du Leid als negative Erfahrung benannt. Und das als Tatsache.


melden

Über das Wissen

07.08.2026 um 20:06
@nocheinPoet
Der Witz war doch das:
Zitat von NoumenonNoumenon schrieb am 24.07.2026:Leid ist ein subjektiv negativ empfundener Zustand, den der Betroffene vorzugsweise beenden oder vermeiden möchte.
Tja, womit es wohl negative Zustände geben wird, die man nicht beenden oder vermeiden will und die dann auch kein Leid sind - sonst hätte sich @Noumenon alles nach dem Komma sparen können. Im Kern also das, was ich die ganze Zeit geschrieben hab.
Übrig bleibt dann ne völlig subjektive Meinung woran der Einzelne denn nun leidet (der muss ja so empfinden und auf welcher Grundlage auch immer beenden oder vermeiden wollen). Und die Minimierung davon soll uns dann als objektiv gut erscheinen. Hmkay.
Sinnlose Diskussion.


2x zitiertmelden

Über das Wissen

08.08.2026 um 03:46
@paxito
Mit Logik hattest du es noch nie, Paxito, noch nie! Das ist so, als würde man sagen:

Primzahlen sind Zahlen, die sind nur durch 1 und sich selbst teilbar.

Und du würdest nun entgegnen:

Also gibt es demnach Primzahlen, die nicht durch 1 und sich selbst teilbar sind. Sonst hätte man sich ja die Aussage nach dem Komma sparen können.

Du bist ein Clown, Paxito, ein absoluter Clown!!! :lolcry:

Dass du es nicht einmal checkst.... das ist so geil!! :D

Aber ernsthaft: Mir ist meine kostbare Lebenszeit für diesen Schwachsinn definitiv zu schade.
Zitat von paxitopaxito schrieb:Sinnlose Diskussion.
Absolut!


2x zitiertmelden

Über das Wissen

08.08.2026 um 08:16
Zitat von NoumenonNoumenon schrieb:Du bist ein Clown, Paxito, ein absoluter Clown!!! :lolcry:
Dafür das du dich als analytischer Philosoph verkaufst und mich für mangelnde Logik beschimpfst, solltest du zumindest dann auch die Logik korrekt anwenden.
Zitat von NoumenonNoumenon schrieb am 24.07.2026:Leid ist ein subjektiv negativ empfundener Zustand, den der Betroffene vorzugsweise beenden oder vermeiden möchte.
Leid (A) ist genau dann Leid, wenn es ein negativ empfundener Zustand ist (B) und der Betroffene es beenden/vermeiden will (C).

Meine Kritik war keine logische, sondern eine Anwendung der Gricéschen Quantitätsmaxime. Entweder C ist redundant, dann hättest du es nicht schreiben sollen. Wenn sie nicht redundant ist, heißt das:
Zitat von paxitopaxito schrieb:negative Zustände geben wird, die man nicht beenden oder vermeiden will und die dann auch kein Leid sind
Exakt das, was Du konsequent bestritten hast, worüber wir seitenweise streiten und Du dann in einer Definition eingestehst ohne eine Silbe darüber zu verlieren. Entweder ist Dir das selbst nicht klar, was Du da schreibst oder … keine Ahnung.

Übertragen auf dein Primzahlenbeispiel:

Primzahlen (A) sind genau dann Primzahlen, wenn sie Zahlen sind (B) die nur durch eins und sich selbst teilbar sind (C).

Meine übertragene Kritik wäre hier also, dass es Zahlen geben muss, die nicht nur durch eins und sich selbst teilbar sind und folglich auch keine Primzahlen. Was ja tatsächlich der Fall ist. Das:
Zitat von NoumenonNoumenon schrieb:Also gibt es demnach Primzahlen, die nicht durch 1 und sich selbst teilbar sind. Sonst hätte man sich ja die Aussage nach dem Komma sparen können.
Ist in der Form nicht meine Kritik und weiter raffst du nicht mal auf welcher Basis diese Kritik stattfand.
Ich hab das nun extra in eine für jeden Foristen halbwegs nachvollziehbare Form gebracht, damit andere nachvollziehen können was für einen Quark du mit welcher Attitüde verzapfst.


melden

Über das Wissen

09.08.2026 um 23:25
Zitat von NoumenonNoumenon schrieb am 20.07.2026:
Zitat von nocheinPoetnocheinPoet schrieb am 08.07.2026:Also was ich noch so habe, schauen wir uns nun aber Deinen entscheidenden Gegenvorschlag an. Du argumentierst, man könne das Problem der Reifikation umgehen, indem man die Leibniz-Frage quantorenlogisch umformuliert:

"Warum ist es nicht der Fall, dass keine realen und physikalischen Dinge existieren?"
Nein, nirgends argumentiere ich so, an keiner Stelle. Ist halt wieder KI-Müll, Stichwort "Halluzinationen".

Was ich sagte war:
Zitat von NoumenonNoumenon schrieb am 07.07.2026:Es braucht streng genommen den Begriff "nichts" nicht einmal, um die berühmte Frage zu formulieren:

Warum existiert überhaupt irgendetwas real und physikalisch?

Oder:

Warum ist es nicht der Fall, dass keine realen und physikalischen Dinge existieren?

Halten wir doch mal Fakten fest, Du hast Dich ja eben selbst zitiert, Du hast schon die Frage:
Zitat von NoumenonNoumenon schrieb am 07.07.2026:Warum ist es nicht der Fall, dass keine realen und physikalischen Dinge existieren?
gestellt. Keine Ahnung, was Du nun mit KI-Müll und "Halluzinationen" willst. Von mir aus hast Du damit dann aber eben nicht argumentiert, man könne das Problem der Reifikation umgehen, indem man die Leibniz-Frage quantorenlogisch umformuliert.

Aber wie dem auch sei, Du hast diese Frage nun mal so gestellt.



Bin ja fair, gibt noch eine Aussage von Dir, schauen wir mal hier:
Zitat von NoumenonNoumenon schrieb am 07.07.2026:
Zitat von nocheinPoetnocheinPoet schrieb am 06.07.2026:Die Frage ist, was genau willst Du?
Ja, das ist leicht beantwortet.



Ich möchte gerne eine Antwort auf die berühmte Frage:

Warum existiert überhaupt etwas, warum existiert nicht einfach nichts?

Gemeint ist vor allem "existieren" im realen, physikalischen Sinne, denn es ist - zumindest für mich - undenkbar, dass beispielsweise keine abstrakten Konzepte (bspw. mathematischer Natur) existieren.



Die Frage lautet daher im engeren Sinne:

Warum existieren bestimmte Naturgesetze, Sterne, Galaxien, Elementarteilchen und Dergleichen, warum nicht einfach nichts?
Mir geht es eh schon einen Schritt zu weit, Du fragst nach "realen" und "physikalischen" Dingen, die existieren. Ich frage erstmal nach Existenz an sich, also auch die Existenz von nicht realen und nicht physikalischen Dingen. Denn für Deine Frage muss man wo schon einen gewissen Rahmen vorgeben, was denn nun real und was genau physikalisch ist. Ich gehe mal davon aus, auch hier gibt es unterschiedliche Meinungen und Sichtweisen.

Existieren Zahlen? Denke doch es ist an dem, und sie existieren real, aber wohl nicht physikalisch. Also haben wir hier schon mal wohl zwei Kategorien, nicht alles was real existiert, muss es auch physikalisch. Die Menge der real existierenden Dinge ist offensichtlich größer als die der physikalisch existierenden Dinge und umfasst eben diese.



Und ich hab mir das lange und sehr gründlich durch den Kopf geschoben, in jede Richtung.


Darum noch mal was zu dieser Aussage von Dir:
Zitat von NoumenonNoumenon schrieb am 07.07.2026:... es ist - zumindest für mich - undenkbar, dass beispielsweise keine abstrakten Konzepte (bspw. mathematischer Natur) existieren.
Das ist interessant, Du hast also eine Meng des "Undenkbareren" und darin befindet sich die Negation der Existenz abstrakten Konzepte. Hoffe ich habe das so richtig interpretiert. Damit erzwingst Du doch die Existenz von abstrakten Konzepten, oder eben nur Zahlen, so auch was wie √ 2.

Ich will auf das "Undenkbare" erstmal nicht weiter rumreiten, wobei ich diese Kategorie schon diskussionswürdig finde, geht über das "Unsagbare" noch hinaus.

Und Du bist nun mit Deiner "Vorstellung?" bei meiner Aussage angelangt, ich hatte ja behauptet, es muss zwingend etwas existieren, es ist nicht möglich, dass nichts existiert. Und wir können hier noch gerne ein paar Runden spielen, für die optimale Notation, ich finde aber, die Sache ist schon klar, und nicht davon abhängig, ob wer nun "Nichts" oder "nichts" schreibt.

Wie dem aber auch sei, ich habe das im Ontophänomenalismus (OP), also die Aussage, dass Existenz zwingend ist, dennoch nicht ohne Grund zum Axiom gemacht.

Und das aus einem wirklich sehr guten Grund, denn über viele 100 Jahre, versuchen Philosophen hier so etwas zu beweisen. Also das für Dich "Undenkbare" zu belegen, und das nicht wirklich so erfolgreich, dass es allgemein als Fakt nun anerkannt wäre.

Ich komme aber wohl noch später hier im Beitrag genauer darauf zurück.



Rekapitulation/Zwischenfazit

Ich stieg mit der - zugegebenermaßen - unbelegten Behauptung ein, Existenz ist zwingend, und hier ganz klar und deutlich, ganz allgemein, nicht auf "physikalisch" beschränkt. Das bestätigst Du nun ja doch recht klar und grundsätzlich und willst dann mit der "physikalischen" Existenz weiterspielen. Um diese ging es mir so aber nie, ich habe nie behauptet, diese wäre zwingend.


Aber lesen wir doch mal nach, wo es dann spannend wurde, sind nicht die ersten Beiträge zwischen uns hier:
Zitat von NoumenonNoumenon schrieb am 06.07.2026:
Zitat von nocheinPoetnocheinPoet schrieb am 05.07.2026:Genauer, etwas existiert genau dann, wenn es sich vom Nichts unterscheidet — und das erfordert notwendig minimale strukturelle Bestimmtheit (Modalbestimmtheit M, interne Differenz D, Selbigkeit S).
So, habe nun kurz Zeit, darauf einzugehen, bevor es in die Heia geht.

Man braucht eigentlich nur mal eine ruhige Minute, um schnell einzusehen, dass diese Kriterien natürlich Unfug sind. Nehmen wir als Beispiel einfach das fliegende Spaghettimonster und prüfen auf die genannten Kriterien.

  • Modalbestimmtheit (M): Ja.

    Es ist als Wesen mit bestimmten Eigenschaften beschrieben (fliegend, besteht aus Spaghetti, ist ein "Monster").

  • Interne Differenz (D): Ja.

    Es hat Bestandteile (Nudeln, Fleischbällchen usw.) oder zumindest eine innere Struktur in der Beschreibung.

  • Selbigkeit (S): Ja.

    Es ist mit sich selbst identisch und unterscheidet sich von einem rosa Einhorn oder einem grünen Drachen.

Wenn also diese drei Bedingungen bereits Existenz garantieren würden, müsste das fliegende Spaghettimonster existieren. Das möchte aber vermutlich niemand behaupten.

Überhaupt trifft bereits das genannte Kriterium "unterscheidet sich vom Nichts" auf alles zu (außer nichts). Demnach existiert also wirklich alles ... und um Größenordnungen mehr, als sich mit Hilfe der blühenden Fantasie überhaupt erahnen lässt.

Also ganz so einfach ist es dann irgendwie doch nicht, sofern man nicht den Standpunkt vertreten möchte, dass wirklich alles (außer nichts) existiert ...
Deine "Einleitung" ist mal, ganz deutlich, einfach Mist und provokativ, zeugt nicht von geistiger Tiefe. Du schreibst sogar noch vorweg, Du hast nur kurz Zeit, bist dann so anmaßend, Dir dennoch ein Urteil erlauben zu können und haust gleich einleitend mal fett die Trommel.

Eine ehrliche und ernsthafte und eben auch sachliche Diskussion, konstruktiv und vor allem im Bereich "Philosophie" stelle ich mir anders vor, und offensichtlich bin ich damit nicht alleine. Eventuell reflektierst Du das einfach mal, kann ja besser werden.

Ich habe versucht, etwas, dass Du wohl nicht hast, zumindest nicht gezeigt, den Begriff "Existenz" philosophisch zu hinterfragen, und zu formalisieren, Du wertest es ab, greifst es nicht wirklich ernsthaft auf, meinst es lächerlich machen zu müssen.


Und es ist aktueller als je zuvor:
Zitat von NoumenonNoumenon schrieb:Mit Logik hattest du es noch nie, Paxito, noch nie! ...

Du bist ein Clown, Paxito, ein absoluter Clown!!! :lolcry:

Dass du es nicht einmal checkst ... das ist so geil!! :D

Aber ernsthaft: Mir ist meine kostbare Lebenszeit für diesen Schwachsinn definitiv zu schade.
Auch mal ernsthaft, mit viel Glück taugt diese Art für den Bereich Unterhaltung, aber wohl kaum für Philosophie. Was soll denn so was?

Die Frage war rhetorisch, schau doch mal, selbst wenn Du der Meinung bist, @paxito hätte in seiner Aussage einen logischen Fehler gemacht, dann kann man das doch sachlich ansprechen und nicht auf so eine ätzende Art.

Den Fehler müsstest Du belegen, nicht mit einem Strohmann, sondern konkret. Und selbst dann, dann ist es normal, dass Menschen sich mal irren, einen Fehler machen, da muss man sich nicht hinstellen und mit dem Finger drauf zeigen und rufen, Du bist ja so eine Depp. Was stimmt nicht mit Dir?

Verstehe das mal als konstruktives Feedback, denn so ist es nämlich auch gemeint.

Zur Sache selbst, hatte ich Dir ja in weiteren Beiträgen geantwortet, auch darauf komme ich noch zurück.

Ich will hier nur noch mal festhalten, dass Du meine eigentliche Aussage doch wohl teilst, in dem Du keine Existenz von "allem" eben als "undenkbar" bezeichnest. Was natürlich nur Deine subjektive Meinung ist, und in keiner Weise irgendeine Belegkraft besitzt.

Von der Aussage selbst aber, willkommen im Ontophänomenalismus (OP). Das ist die Annahme, ist einfach bisher nicht zu belegen, es spricht viel dafür, viel gegen das Gegenteil, es reicht aber nicht für einen Beweis aus, viele haben sich daran versucht.

Darum ist es im OP auch ein Axiom, das ist ja nichts schlechtes.


Zitat von NoumenonNoumenon schrieb am 20.07.2026:
Zitat von nocheinPoetnocheinPoet schrieb am 08.07.2026:​Du forderst mich auf zu zeigen, warum diese fundamentale Negation aller physikalischen Existenz in sich inkohärent ist.
Ja, immerhin das ist wohl so korrekt, nur bleibst du eines Beweises auch trotz der nachfolgenden Ausführungen schuldig.
Hast Du nicht Philosophie studiert?
Oder irgendwie was an Expertise?

Noch mal ganz deutlich, meine Aussage bezog sich nie auf physikalische Existenz. Du kannst mich gerne zu meiner Meinung danach befragen, aber sachlich und davon abgesehen, was die physikalische Existenz angeht, sehe ich bei der Negation dieser nichts was zwingend inkohärent. Mir geht es um "absolute" Existenz. Die oberste Menge, die oberste Kategorie, die man sich vorstellen kann, oder auch nicht vorstellen kann.


Zitat von NoumenonNoumenon schrieb am 20.07.2026:
Zitat von nocheinPoetnocheinPoet schrieb am 08.07.2026:​1. Das Problem des Definitionsbereichs (Domäne)

[...]

Das Problem ist:

Wenn keine Domäne, keine Raumzeit und keine physikalische Struktur mehr existiert, kollabiert der logische Rahmen, innerhalb dessen die Aussage ¬∃x überhaupt einen Sinn oder einen Wahrheitswert generieren könnte.
Stimmt. Nur ging es mir ja nicht darum, warum nicht absolut nichts existiert, also auch keine abstrakten Konzepte, welche etwa ein logisches Modell zur Beschreibung diverse Sachverhalte ermöglichen würden, sondern darum, warum nicht einfach keinerlei physikalischen Dinge existieren.
Nur ging es mir ja nicht darum, warum nicht einfach keinerlei physikalischen Dinge existieren, sondern darum, warum nicht absolut nichts existiert, also auch keine abstrakten Konzepte, welche etwa ein logisches Modell zur Beschreibung diverse Sachverhalte ermöglichen würden.

;)


Zitat von NoumenonNoumenon schrieb am 20.07.2026:
Zitat von nocheinPoetnocheinPoet schrieb am 08.07.2026:​​2. Warum begriffliche Inkohärenz hier ontologische Unmöglichkeit impliziert

[...]

​Mein Argument ist daher kein ontologischer Trick, sondern der (versuchte) Nachweis, dass der Ausdruck "Es existiert absolut nichts" versucht, ein logisches Urteil über einen Zustand zu fällen, der per Definition die Bedingungen für die Möglichkeit von Logik, Zeit und Urteilskraft vollständig auslöscht.
Kann mich auch hier beim zweiten Punkt der Begründung nur wiederholen:

Ging mir ja nicht darum, warum nicht absolut nichts existiert, also auch keine abstrakten Konzepte, welche etwa ein logisches Modell zur Beschreibung diverse Sachverhalte ermöglichen würden, sondern darum, warum nicht einfach keinerlei physikalischen Dinge existieren. Und es ist insofern dann eben auch nicht mehr richtig, dass sich "nichts existiert" nicht kohärent denken lässt.


Anderenfalls hätten wir auch massive Probleme bei völlig alltäglichen und banalen Sätzen wie:

  • Ich habe heute nichts gegessen.
  • Sie hat nichts gekauft.
  • Er hat nichts gefunden.
  • Wir haben nichts gesehen.
  • Er hat nichts verstanden.
  • Du hast nichts vergessen.
  • Sie hat nichts gesagt.
  • Ich habe nichts gemacht.
  • Er hat nichts gelernt.
  • Wir haben nichts gehört.
  • Sie erinnert sich an nichts.
  • Es konnte nichts feststellt werden.
  • Es gibt nichts zu beanstanden.

(Dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein, dass ich diese Beispielsätze ja schon brachte ...)
Kann mich auch hier nur wiederholen:

Es ging mir ja nicht darum, warum nicht einfach keinerlei physikalischen Dinge existieren, sondern warum nicht absolut nichts existiert können sollte, also auch keine abstrakten Konzepte, welche etwa ein logisches Modell zur Beschreibung diverse Sachverhalte ermöglichen würden.


Zitat von NoumenonNoumenon schrieb am 20.07.2026:Und es ist insofern dann eben auch nicht mehr richtig, dass sich "nichts existiert" nicht kohärent denken lässt.
Wie nun mehrfach recht deutlich gesagt, Du versuchst hier die Debatte zu verschieben. Ich meinte schon genau das, was ich schrieb, und eben nicht das, was Du da nun meinst ins Feld führen zu müssen.

Deine "Alternative", also Deine Frage, finde ich philosophisch nicht wirklich so interessant, mir ging es eben um Existenz gründlich, ganz allgemein, eben die Frage, die ja hier auch so gestellt wurde, ohne das "physikalisch" von Dir.

Nun kann man hier auch weiter gehen, das "physikalisch" tiefer hinterfragen, was gehört nun dazu und was nicht. Raum und Zeit, die Raumzeit, ist wohl physikalisch, Naturgesetze wohl auch. Was ist mit Kausalität?

Offensichtlich unterscheidest Du ja - zu Recht - zwischen physikalischer und nicht physikalischer Existenz. Du schreibst, absolut keine Existenz von Allem ist für Dich "undenkbar", gut, kann man ja so mal in den Raum werfen.

Aber mal zurück zu den Naturgesetzen, Physik ist auch sehr mathematisch. Was kann man alles an physikalischer Existenz nehmen, und wo raus, aus der fiktiven "Welt" und was bleibt dann an Existenz noch übrig, die für Dich ja wohl gegeben ist, und dann nicht mehr genommen werden kann?

Die Mathematik?
√ 2?


Zitat von NoumenonNoumenon schrieb am 20.07.2026:Etwas problematischer wird es vielleicht, sich die Abwesenheit auch von abstrakten Konzepten vorzustellen, wozu dann die von dir genannte Domäne genauso zählt wie etwa auch Zahlen, Mengen und viele andere "Dinge". Auch darüber können wir natürlich gerne reden, aber man sollte natürlich auf jeden Fall sauber zwischen diesen beiden Fragestellungen differenzieren.
Eben, willkommen im Klub.


Zitat von NoumenonNoumenon schrieb am 20.07.2026:Und vor allem muss man halt auch einfach mal Farbe bekennen und sagen, wie man es denn bspw. mit dem Platonismus so hält ... Zumindest aus Sicht des Nominalismus gibt es ja nicht wirklich einen Widerspruch zwischen:

a) es gibt absolut nichts

und

b) es gibt nicht einmal abstrakte Konzepte als Instrumente unseres Denkens und unserer Sprache


Du sagst:

Es braucht mindestens eine Domäne, um kohärent über die Möglichkeit, dass absolut nichts existiert, denken und sprechen können.
Eigentlich sage ich noch viel mehr, aber einiges hab ich hier noch nicht ausformuliert, wie gesagt, davor war es nur am Handy, nun wieder am PC geht viel mehr.


Zitat von NoumenonNoumenon schrieb am 20.07.2026:Ja, sorry, aber wir reden doch gerade über die Möglichkeit, dass absolut nichts existiert, also mithin auch keinerlei Wesen, die darüber denken oder sprechen möchten. Und wenn es keinerlei Wesen gibt, die darüber denken oder sprechen möchten, braucht es selbstverständlich auch keine abstrakten Konzepte oder logischen Modelle.

Damit ist die Möglichkeit, dass absolut nichts existiert, auch völlig konsistent damit, dass es nicht einmal einen "logische[n] Rahmen [gibt], innerhalb dessen die Aussage ¬∃x überhaupt einen Sinn oder einen Wahrheitswert generieren könnte".
Okay, lass ich doch erstmal so stehen, fast. Denn ich finde hier "Möglichkeit" als Begriff sehr wichtig, denn Du gibst hier so schon vor, es wäre eine Möglichkeit, dass absolut nichts existiert.


Damit wir mal zwei Aussagen benannt haben:

  • A: es muss zwingend etwas existieren
  • B: es ist möglich, dass A falsch ist und auch nichts existieren kann

Man kann sicher am Prosa von A und B noch schmirgeln, da bin ich offen, aber was ich meine, sollte ja doch klar sein. Ich gebe das hier mal so vor, damit ich später einfach nur A und B schreiben kann.


Zitat von NoumenonNoumenon schrieb am 20.07.2026:
Zitat von nocheinPoetnocheinPoet schrieb am 08.07.2026:​Wenn wir versuchen, die absolute Nichtexistenz als reale Alternative zu denken, müssen wir auch die Zeit negieren. Ohne Zeit gibt es jedoch keine Dauer. Ein "Zustand" , der keine Dauer hat und in dem keine Zeit vergeht, kann logisch nicht als "Alternative" zu irgendetwas existieren. Er kann nicht einmal "sein".
Was für ein "Zustand"...? Wer behauptet, dass "absolut nichts" ein Zustand ist? "Zustand" ist in erster Linie erst einmal nur ein Wort, ein Begriff, ein abstraktes Konzept (!) erdacht von denkenden Wesen, die versuchen, sich die Wirklichkeit irgendwie begreifbar zu machen. Wenn absolut nichts existiert, dann auch keine Wesen, keine Sprache, kein Denken, keine abstrakten Konzepte und natürlich auch nichts, was man irgendwie als "Zustand" labeln könnte.

Sowieso ist das Fehlen aller Zustände selbst kein Zustand, genauso wie das Fehlen aller Eigenschaften selbst keine Eigenschaft ist.
Ja, ich schrieb auch nicht ohne Grund "Zustand" in Anführungszeichen. Und tiefer zu hinterfragen, was nun eine Eigenschaft ist und was genau eben nicht, macht hier wirklich viel Sinn. So sage ich ja auch "Existenz" selbst ist keine Eigenschaft. Aber darüber kann man ja sachlich, konstruktiv und in Ruhe philosophieren, oder auch nicht, wenn es einen nicht wirklich interessiert.

Und wo ich schon mal hier bin, ich habe Dich richtig verstanden, dass die Menge des "Undenkbaren" für Dich leer ist?


Zitat von NoumenonNoumenon schrieb am 20.07.2026:Und warum braucht es - zweitens - überhaupt Zeit (und Raum) für Existenz?

  1. Brauchen Primzahlen irgendeine Form von Zeit, um zu existieren?
  2. Falls ja, seit wann existieren Primzahlen?
  3. Wie messe ich die Dauer der Existenz mathematischer Objekte?
  4. Und was ist mit der Zeit selbst?
  5. Wie kann Zeit existieren, ohne selbst wieder Zeit vorauszusetzen?

Fragen über Fragen, die aus philosophischer Sicht komplett sinnfrei sind, weil sie nämlich von irrsinnigen Voraussetzungen ausgehen (Wittgenstein lässt grüßen ...).
Nummerierung im Zitat von mir eingefügt. Und nun ja, viele Fragen stellen ist auch wo schon Eristik, aber gut, das sind ja auch viele gute Frage, kommt auf den Kontext an, wäre einfacher, so für einen Dialog, wenn man bei Dir klar wüsste, wo Du gerade tanzt. Ist es Existenz grundsätzlich und allgemein, oder nur die physikalische Existenz?

Nehmen wir mal Primzahlen, finde ich gut, die existieren wohl ja unbestritten. Aber in welcher Menge der Existenz? Wohl nicht in der physikalischen, aber in der realen. In der sagbaren und auch der denkbaren. Haben sie einen Ort? Eine Dauer?

Wir haben wohl hier eben etwas, dass unbestreitbar existent ist, also existiert und das ohne Ort und ohne Dauer. Also außerhalb von Raum und Zeit?

Kann man das wegnehmen?

Wenn nicht, wäre doch die zwingende absolute Existenz selbst unbestreitbar und belegt, dann würde der Ontophänomenalismus (OP) dafür kein Axiom brauchen und man könnte fragen, warum ist dieser Punkt über 100 Jahre dann in der Philosophie eben umstritten und nicht eindeutig geklärt und belegt?

Denn mich würde das nicht stören, im Gegenteil hab ich - neben vielen anderen - das ja ernsthaft wirklich lange versucht. Aber es ist nicht zu belegen, oder konkreter, es konnte so bisher noch nicht belegt und bewiesen werden.

Aber eventuell kannst Du es ja ...

Ich werde hier später oder auch in einem anderen Beitrag darauf noch mal tiefer eingehen.


Zitat von NoumenonNoumenon schrieb am 20.07.2026:
Zitat von nocheinPoetnocheinPoet schrieb am 08.07.2026:​Physikalische Existenz ist kein Attribut, das man einem Ding wie eine Farbe einfach "wegnehmen" kann, sodass ein "leerer Raum" übrig bleibt.
Ja, das mag durchaus sein, blöd nur: Wenn "Existenz" keine Eigenschaft wie Farbe oder Größe ist ... wodurch genau unterscheiden sich dann Dinge, die nur gedacht oder frei erfunden sind, von Dingen, die tatsächlich und real existieren?

Ich kann mir beispielsweise noch so sehr vorstellen, dass vor mir ein 10-Euro-Schein liegt. Das macht ihn noch lange nicht real. Aber ich kann durchaus auch dafür sorgen, dass vor mir tatsächlich und physikalisch real ein 10-Euro-Schein liegt. Spielt halt einfach absolut keine Rolle, ob man hier jetzt von "Eigenschaften" wie "physikalische Existenz" spricht, oder nicht.


Fakt ist:

Es gibt einen fundamentalen Unterschied zwischen Sachverhalten, die nur in Denken oder Sprache existieren, und Sachverhalten, denen eine physikalische Realisierung in der Realität entspricht.
Gut. Aber was genau soll daraus jetzt folgen?


Zitat von NoumenonNoumenon schrieb am 20.07.2026:
Zitat von nocheinPoetnocheinPoet schrieb am 08.07.2026:​Die moderne Physik (Stichwort Quantenfeldtheorie oder die Allgemeine Relativitätstheorie) zeigt uns, dass Raum, Zeit und Energie untrennbar miteinander verwoben sind. Selbst das absolute Vakuum ist kein "Nichts", sondern ein Zustand minimaler Energie mit mathematisch definierbaren Eigenschaften.
Gut. Aber was genau soll daraus jetzt folgen?
Sag Du es uns, Du tanzt ja hier mit der "physikalischen" Existenz. Also QT und ART wären dann doch Deine Baustelle.


Zitat von NoumenonNoumenon schrieb am 20.07.2026:
Zitat von nocheinPoetnocheinPoet schrieb am 08.07.2026:​Wie siehst Du das Problem des kollabierenden Definitionsbereichs bei einer totalen physikalischen Negation?
Es gibt hier kein Problem, denn "Definitionsbereich" ist keine physikalische Struktur. Hier unterläuft dir eben auch der entscheidende Denkfehler.
Nur weil Du etwas nicht verstehst, ist es kein Denkfehler. Und ich habe Dir eine Frage gestellt, anstatt mir nun einen Denkfehler zu unterstellen, könntest Du Dich auch an einer sachlichen Antwort versuchen, oder nicht? Nur so eine Idee.


Zitat von NoumenonNoumenon schrieb am 20.07.2026:Eigentlich ja nicht nur hier, aber hier wird dein Denkfehler halt besonders deutlich, denn du setzt stillschweigend voraus, dass ohne Raumzeit oder physikalische Strukturen auch keine Propositionen oder Wahrheitsbedingungen existieren würden.
Was? Geht es noch? Wo hab ich das geschrieben? Denke Du setzt hier was stillschweigend voraus, dass ich was voraussetze. Dass meine Position hier nämlich diametral zu dem was Du mir hier nun als "Denkfehler" versuchst aufs Brot zu schmieren, sollte eigentlich lange klar geworden sein.


Zitat von NoumenonNoumenon schrieb am 20.07.2026:Du vermischst halt insbesondere verschiedene ontologische Ebenen, nämlich die Wirklichkeit einerseits und Aussagen über die Wirklichkeit andererseits. Das sind letztendlich aber komplett verschiedene Dinge, die Landkarte ist eben nicht das Gelände, die Beschreibung der Wirklichkeit ist nicht die Wirklichkeit selbst.
Was bin ich froh, dass Du mich hier nun aufklärst. Das war sarkastisch, kein Applaus, und meine Fresse, echt jetzt, die Beschreibung der Wirklichkeit ist nicht die Wirklichkeit selbst? Was kommt noch, 3 > 2? Du hast echt beeindruckende Aussagen so auf Tasche, ...


Zitat von NoumenonNoumenon schrieb am 20.07.2026:Es gibt beispielsweise Äpfel ... und es gibt Aussagen über Äpfel. Äpfel sind physikalischer Natur (sie haben bspw. Größe, Form, Gewicht, Ausdehnung usw.), Aussagen über Äpfel sind es hingegen nicht (und sie haben weder Größe, Form, Gewicht, noch Ausdehnung usw., dafür aber so etwas wie einen propositionalen Gehalt).
Das kannst Du doch nicht wirklich ernst meinen, dass ist doch nun schon trollen. :D

Aber gut, wir nehmen mal hier zur Kenntnis, Du wolltest uns mal zeigen, was Du schon so alles verstanden hast, ich gratuliere Dir einfach mal dazu.


Zitat von NoumenonNoumenon schrieb am 20.07.2026:Aussagen sind hier auch nicht notwendigerweise als sprachliche Äußerung zu verstehen, die nur dann existieren würden, wenn es Beobachter mit Gehirnen und Sprachbegabung gibt (Nominalismus), sondern können auch verstanden werden als etwas mit propositionalen Gehalt, der objektiv und unabhängig vom Beobachter bestehen und wahr oder falsch sein kann (Platonismus).

Und die Aussage "es existiert keine Raumzeit und keine physikalische Struktur" kann selbstverständlich auch immer noch und gerade dann wahr sein, wenn keine Raumzeit und keine physikalische Struktur mehr existiert.

Genauso, wie etwa die Aussage "drei Einhörner und fünf Einhörner sind zusammen acht Einhörner" wahr ist - unabhängig davon, ob es Einhörner tatsächlich gibt. Und etwa auch die Aussage "es gibt keinen Einhörner" ist wahr, wenn es keine Einhörner gibt - macht ja auch Sinn und alles andere wäre ja auch Quatsch.
Okay ...

Willst Du nicht eben noch mal erklären, dass 2 + 2 = 4 ist und wann Du das erkannt hast? ;)




Gut, nun noch mal grundsätzlich etwas, und vielen Danke für Deine sorgfältige Kritik. Ich versuche das nun mal auf eine reine Sachebene zu bringen, ich mag dieses Sticheln nicht wirklich so auf Dauer. Du greifst den Punkt an, dass ich Existenz nicht als Eigenschaft (wie Farbe oder Größe) behandle.


Und dann fragst Du zu Recht:

Wenn "Existenz" keine Eigenschaft ist … wodurch genau unterscheiden sich dann Dinge, die nur gedacht oder frei erfunden sind, von Dingen, die tatsächlich und real existieren?

Das ist nun eine gute und auch klassische Frage. Ich will mal zeigen, dass aus dieser Frage nicht folgt, dass meine Aussage zwingend falsch sein muss.



Die These "Existenz ist keine Eigenschaft" kann durchaus in einem bestimmten Rahmen intern konsistent und logisch möglich bleiben.



  1. Was die These tatsächlich behauptet (und was nicht)

    Die Behauptung lautet nicht: "Es gibt keinen Unterschied zwischen realen und bloß gedachten Dingen."

    Sondern sie lautet: Dieser Unterschied kommt nicht dadurch zustande, dass dem Begriff eines Dinges ein zusätzliches Merkmal "Existenz" hinzugefügt wird (so wie man dem Begriff "Ball" das Merkmal "rot" hinzufügen kann).

    Und das ist die eben klassische Position Kants: Existenz ist kein reales Prädikat. Der Begriff "100 Taler" enthält dieselben Merkmale, ob die Taler nun real oder nur gedacht sind. Existenz erweitert den Inhalt des Begriffs nicht.


    Frege und Russell haben das später in der modernen Logik präzisiert:

    Existenz ist keine Eigenschaft von Individuen (erster Stufe), sondern etwas, das auf der Ebene der Quantoren bzw. der Domäne operiert ("Es gibt mindestens ein x, sodass …"). Und Quine hat es auf die bekannte Formel gebracht: "To be is to be the value of a bound variable."

    Diese Tradition bestreitet also nicht den Unterschied zwischen real und fiktiv. Sie bestreitet nur, dass man ihn erklären muss, indem man Existenz zu einer Eigenschaft von dem Ding selbst macht.



  2. Wie der Unterschied dann gefasst werden kann

    Der Unterschied zwischen dem, was wir allgemein eben "physikalisch real" nennen, und dem, was wir als "bloß gedacht" bezeichnen, muss nicht zwingend als absoluter ontologischer Dualismus verstanden werden (hier hat etwas die Eigenschaft Existenz, dort fehlt sie). Er kann als interne Differenzierung von Manifestationsweisen innerhalb einer bereits gegebenen Existenz verstanden werden.


    Dazu mal eine Analogie:

    Peter träumt. Er hält in der Hand einen roten Ball, den er innerhalb des Traums als "real und physikalisch" erlebt (er fühlt ihn, er kann ihn werfen, er hat Widerstand). Gleichzeitig stellt er sich einen grünen Ball vor. Innerhalb des Traums gibt es für ihn einen klaren Unterschied. Nun sagt ein alter Mann im Traum zu ihm (der ist eben gerade so auch da): "Peter, Du träumst. Beides sind nur (Deine) Trauminhalte."

    Die Unterscheidung real/fiktiv ist relativ zum Rahmen des Traums. Sie setzt keine absolute (physikalische) Eigenschaft "Existenz" voraus, die dem einen Ball zukommt und dem anderen fehlt.


    Übertragen:

    Sobald überhaupt etwas existiert (und das ist der Ausgangspunkt des OP: die Unmöglichkeit des absoluten Nichts), können sich innerhalb dieser Existenz unterschiedliche Weisen der Gegebenheit und Wirksamkeit ausdifferenzieren – z. B. in Bezug auf kausale Geschlossenheit, intersubjektive Stabilität, Unabhängigkeit vom aktuellen einzelnen Denkakt usw. Diese Differenzen sind real relativ zu unserer Manifestationsebene.

    Sie erfordern aber nicht, dass "Existenz" selbst eine Eigenschaft ist, die man einem Ding wie eine Farbe zu- oder absprechen kann.


    Hinzu kommt ein weiterer, entscheidender Gesichtspunkt:

    Eine "physikalisch real wirkliche Welt" als absolute, von allen Manifestationen unabhängige Grundlage lässt sich prinzipiell nicht belegen.

    Wir befinden uns immer schon innerhalb dessen, was wir als Wirklichkeit erfahren, und haben keinen archimedischen Punkt außerhalb dieser Wirklichkeit, von dem aus wir endgültig feststellen könnten, ob sie die unterste Ebene ist oder selbst eine Manifestation innerhalb eines umfassenderen Zusammenhangs.

    Jeder Versuch, die absolute Realität der physikalischen Welt zu beweisen, setzt bereits voraus, was bewiesen werden soll, oder bewegt sich innerhalb derjenigen Strukturen (Wahrnehmung, Kausalität, Intersubjektivität, wissenschaftliche Methode), die selbst Teil dieser Welt sind.


    Das ist keine skeptische Spielerei, sondern eine strukturelle Grenze:

    Es gibt keinen neutralen Standpunkt jenseits der Existenz, von dem aus man die Frage: "Ist dies die fundamentale Ebene oder eine interne Differenzierung?" entscheiden könnte. Beide Lesarten bleiben daher epistemisch offen.

    Genau deshalb ist es legitim und konsistent, die Unterscheidung zwischen "physikalisch real" und "bloß gedacht" als relative, interne Differenzierung zu behandeln und nicht als absoluten ontologischen Dualismus, der eine Eigenschaft "Existenz" erfordern würde.



  3. Warum das nicht bloß Rhetorik ist

    Die These bleibt nur dann konsistent, wenn man zwei Ebenen sauber trennt:

    Die fundamentale Ebene: Ob überhaupt etwas existiert (gegenüber dem absoluten Nichts). Hier ist Existenz die Relation der Unterscheidbarkeit vom Nichts – keine Eigenschaft unter anderen.

    Die interne Ebene: Wie sich das Existierende ausdifferenziert (physikalisch wirksame Manifestationen versus rein konzeptuelle oder fiktionale Gehalte). Hier braucht man Kriterien der Manifestationsweise, aber keine zusätzliche Eigenschaft "Existenz".

    Genau diese Unterscheidung wird in der Tradition von Kant über Frege bis in Teile der gegenwärtigen analytischen Metaphysik vertreten. Und ja, sie ist nicht unproblematisch (gebe ich zu), aber sie ist logisch möglich und intern kohärent.

    Deine Forderung, der Unterschied real/fiktiv müsse über eine Eigenschaft "Existenz" laufen, ist daher selbst eine ontologische Entscheidung - aber eben nun mal keine zwingende Notwendigkeit.



  4. Ein kurzes Fazit

    Deine Kritik zeigt zu Recht, dass man den Unterschied zwischen real und bloß gedacht erklären muss.

    Sie zeigt aber nicht, dass die einzige mögliche Erklärung darin besteht, Existenz zu einer Eigenschaft zu machen. Es gibt einen ausgearbeiteten alternativen Rahmen (Existenz als fundamentale Relation der Unterscheidbarkeit vom Nichts + interne Differenzierung von Manifestationsweisen), in dem die These "Existenz ist keine Eigenschaft" konsistent bleibt.

    Diese Position steht in einer langen philosophischen Tradition und ist nicht von vornherein inkohärent.

    Ob dieser Rahmen am Ende der überzeugendste ist, steht auf einem anderen Blatt. Aber er ist möglich - und damit ist die Behauptung, meine Aussage sei zwingend falsch, so nicht haltbar.



So, hat ein wenig gedauert und ja der Beitrag von mir ist lang, sehr lang. Aber was soll ich es auf drei oder mehr einzelne Beiträge aufteilen. Ich habe es so gut wie möglich strukturiert, so das man es ohne große Probleme Stück für Stück lesen können sollte. Und nein, ich habe mit der Sache selbst nicht fertig, eventuell hier im Thread, aber schauen wir mal, wie es sich eventuell dann doch noch weiter entwickelt.


melden

Ähnliche Diskussionen
Themen
Beiträge
Letzte Antwort
Philosophie: Gibt es Gott oder nicht?
Philosophie, 580 Beiträge, am 16.08.2021 von kaktuss
kaktuss am 15.07.2021, Seite: 1 2 3 4 ... 27 28 29 30
580
am 16.08.2021 »
Philosophie: Ist das Kantische Ding an sich kontraproduktiv zur Aufklärung?
Philosophie, 51 Beiträge, am 20.01.2026 von kaktuss
kaktuss am 30.04.2025, Seite: 1 2 3
51
am 20.01.2026 »
Philosophie: Warum gibt es überhaupt etwas und nicht nichts?
Philosophie, 87 Beiträge, am 28.01.2025 von cRAwler23
kaktuss am 28.10.2023, Seite: 1 2 3 4 5
87
am 28.01.2025 »
Philosophie: Warum sollte was auch wirklich so sein nur weil wir es denken können
Philosophie, 19 Beiträge, am 22.10.2025 von Flitzschnitzel
kaktuss am 23.08.2025
19
am 22.10.2025 »
Philosophie: Offene Fragen und hält uns die Neugierde am Forschen?
Philosophie, 9 Beiträge, am 27.08.2024 von paxito
kaktuss am 12.08.2024
9
am 27.08.2024 »
von paxito