Politik
Menschen Wissenschaft Politik Mystery Kriminalfälle Spiritualität Verschwörungen Technologie Ufologie Natur Umfragen Unterhaltung
weitere Rubriken
PhilosophieTräumeOrteEsoterikLiteraturAstronomieHelpdeskGruppenGamingFilmeMusikClashVerbesserungenAllmysteryEnglish
Diskussions-Übersichten
BesuchtTeilgenommenAlleNeueGeschlossenLesenswertSchlüsselwörter
Schiebe oft benutzte Tabs in die Navigationsleiste (zurücksetzen).

"Wahlen" in Weißrussland am 11. Oktober 2015

109 Beiträge, Schlüsselwörter: Wahlen, Krise, Kommunismus + 5 weitere

"Wahlen" in Weißrussland am 11. Oktober 2015

30.09.2015 um 20:03
Am 11. Oktober finden in der Republik Weißrussland wieder Präsidentschaftswahlen statt. Präsident des Landes ist seit der Konterrevolution 1994 Alexander Lukaschenko, welcher für eine diktatorische Planwirtschaft einsteht und noch nie beliebter gewesen ist, als heute. Vorab nenne ich mal einige Fakten zu der Wahl, die Kandidaten und die Geschichte der letzten Sowjetrepublik.

Wer kann Kandidat werden?

Um sich als Präsidentschaftskandidaten aufstellen zu lassen, muss man 100.000 Unterschriften von unterstützenden Weißrussen gesammelt haben, was etwa 1,1% der Bevölkerung entspricht, eine nachvollziehbare Regelung. Dem mitteleuropäischen Binnensozialismus werden seit Jahrzehnten Demokratiedefizite, Unterdrückung von Opposition und Willkür vorgeworfen, aber mit einem Blick auf die Kandidaten wird klar, dass dies nicht ganz den Fakten entspricht.

Wer kann Präsident werden?

Auf mindestens 100.000 Unterschriften sind drei weißrussische Politiker gekommen, Lukaschenko hat also zwei oppisitionelle Herausforderer. Erstmalig ist eine Frau unter ihnen.

Kandidat 1
Alexander Lukaschenko (Belaja Rus) ist klarer Favorit und neben Wladimir Lenin einer der größten Nationalhelden. Aber Lenin ist kein Weißrusse, und Belaja Rus ist auch keine Partei. Durch Schicksale wie das der Ukraine wurde die Republik abgeschreckt, etwas ähnliches zu versuchen, auch die Zustände in den baltischen Ländern Litauen, Lettland und Estland, welche allesamt der EU angehören, vermitteln Weißrussland regelmäßige Portionen Abschreckung und Stolz. Und Stolz auf die Führung. Alexander Lukaschenko vertritt eine linksextreme Politik und mittlerweile auch den weißrussischen Nationalstaat. Sein Motto: "Wenn ich mir das Gerede von Guido Westerwelle anhöre, so denke ich immer nur: Besser Diktator als schwul. Wir haben uns noch immer nicht komplett von ihrer Diktatur erholt, nicht ihnen steht es zu, uns so etwas vorzuwerfen".

Kandidat 2
Sergej Gaidukewitsch (Liberaldemokratische Partei Weißrusslands) ist der Hauptkandidat der belächelten nationalistischen Opposition, welche selbstverständlich erlaubt ist, solange sie den Gesetzen entspricht und keine verfassungsfeindlichen Ziele zu erreichen zu versuchen angibt. "Für ein starkes Belarus" lautet sein Motto, "Ordnung im Land - Wohlstand zu Hause" der Slogan seiner Kampagne. Eine "Union mit dem Osten" und "Partnerschaftsbeziehungen mit dem Westen" strebt er an. In meinen Augen, wenn ich mir das Kommentar erlauben darf, ein schwächerer Lukaschenko, welcher zusätzlich vergessen hat, was Weißrussland und seine Kultur ausmacht. Weißrussland ist nicht unabhängig, weil vor dem Namen "Russland" ein "Weiß" steht - sondern wegen unserer Blockadehaltung gegen propagandistischen Antikommunismus und massenverarmende marktwirtschaftliche Reformen. Ohne behaupten zu wollen, dass Weißrussland sonderlich reich wäre, so verdient ein weißrussischer Arbeiter dennoch mehr als das Doppelte eines Ukrainischen - viele schreiben das Lukaschenko zu.

Kandidat 3
Tatjana Korotkewitsch (von mehreren Parteien unterstützt) steht für die weniger nationalistische und mehr antikommunistische Opposition. Sie tritt für das Bündnis "Volksreferendum" ein, welches zum Ziel hat, Weißrussland auf den Kopf zu stellen und demokratisch zu reformieren. Es im Klartext zu einem europäischeren Russland zu machen. Nun, jeder Weißrusse, der unsere europäischere Ukraine sieht, wählt jemand anderes. Grob gesagt tritt sie also für ähnliche Ziele ein, wie Jelzin in den 90ern.

Dies sind die einzigen Kandidaten, deren Kandidatur bisher sicher feststeht. Nun widmen wir uns Weißrusslands Geschichte und meinem bescheidenen Versuch, zu erläutern, warum Weißrussland genau so (und nicht anders) wählt, dass es auf anders eingestellte Länder wie Wahlbetrug wirkt.

Geschichte

"Belaja Rus" ist eine Organisation zur Unterstützung des Präsidenten. Doch nach dem Zerfall der UdSSR gab es kein "Belaja Rus" und keinen Präsidenten Alexander Lukaschenko, ihre Meinungen wurden damals von der Kommunistischen Partei Weißrusslands vertreten. Diese besetzte 1994 das Parlament und erklärte dem damaligen pro-europäisch ausgerichteten Präsidenten mit überwältigender Mehrheit das Misstrauen. Neuwahlen wurden ausgetragen - Alexander Lukaschenko wurde gemeinsamer Kandidat des linken Flügels und gewann mit fast ebenso überwältigender Mehrheit die Wahl, wie Kommunisten im Parlament saßen, welches nun endlich wieder "Oberster Sowjet" hieß, wie es bis heute heißt, ebenso verwendet Weißrussland die Symbolik und Hymne der Weißrussischen sozialistischen Sowjetrepublik, nur wird auf Darstellung von Hammer und Sichel verzichtet. Seit die gescheiterten marktwirtschaftlichen Reformen abgebrochen wurden und es den Menschen unter Lukaschenko besser ging, war er ein großer Held. Bis hierhin noch nichts diktatorisches. Das folgte aber prompt: Lukaschenko führte ein Referendum durch, welches ihm auf Umwegen das Recht einräumte, beliebig häufig zum Präsidenten wiedergewählt zu werden. Bis heute hat das funktioniert, Weißrussland geht es trotz krasser Inflation und Krise vergleichsweise gut und Lukaschenko ist beliebt genug, um es am 11. wieder ordentlich krachen zu lassen.

Es stellt sich jedoch eine große Frage: Was passiert, wenn unser Roter Zar stirbt oder zurücktritt? Das Parlament ist von parteilosen Abgeordneten besetzt, welche ihm vollständig untergeordnet sind und kein wirkliches Parteiensystem, die Oppositionsflagge ist verboten. Werden wir in einem solchen Fall etwas dummes tun? Das macht mir am meisten Sorgen.

Weißrussland war die gesamte Geschichte lang ein okkupiertes oder abhängiges Gebiet, angefangen bei Polen-Litauen. Deswegen will Weißrussland heute stark sein. Und Lukaschenko ist unser starker Mann.

Weißrusslands Zukunft betreffend stehen aber viele Fragen offen. Lukaschenko ist nicht unsterblich. Die weißrussische Sprache ist nicht mehr zu retten, das einzige, was uns von Russland differenziert, bleibt unsere Politik, aber das rechtfertigt keinen eigenen Nationalstaat.

Wie sieht Weißrusslands Zukunft aus? Ist das aktuelle System haltbar und bringt es Weißrussland Wohlstand? Warum ja, warum nein? Ich will Meinungen hören! Danke für Eure Aufmerksamkeit!


2x zitiertmelden

"Wahlen" in Weißrussland am 11. Oktober 2015

01.10.2015 um 02:56
Was die Nachfolge angeht da hat er ja schon seinen jüngsten—war auch kürzlich mit ihm bei der UNO.

Belarus president brings 11-year-old son to UN
http://www.theguardian.com/world/2015/sep/29/belarus-president-alexander-lukashenko-kolya

z.B. von 2012:
„Mein Sohn wird heute mit uns sein“
So erwähnte er lediglich immer wieder, dass Nikolai über die Begabung für das höchste Amt verfügen würde. Neben dem „begabten“ jüngsten Sohn, über dessen Mutter nichts bekannt ist, hat Lukaschenko noch zwei ältere Söhne aus einer Ehe, die bereits in den 90er Jahren geschieden wurde.
Wie die russische Agentur „Ria Nowosti“ berichtet, ließ Lukaschenko verlauten, dass Viktor und Dimitri - jene beiden älteren Sohne - für das Amt des Präsidenten allerdings „nicht ganz taugen“ würden.
(...)
Überhaupt dürfte die Liebe, die Lukaschenko seinem jüngsten Spross entgegenbringt, keine Grenzen kennen: 2010 ließ der Präsident ihm zu Ehren sogar sein Geburtsdatum ändern. Er habe jetzt ebenso wie Nikolai am 31. August und nicht mehr wie bisher bekannt am 30. August Geburtstag, ließ der Staatschef damals über weißrussische Medien ausrichten.
http://orf.at/stories/2137151/2128996/
Lukaschenko bringt unehelichen Sohn als Nachfolger ins Gespräch – „Moskowskije Nowosti“
Der Nachfolger des weißrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko könnte eines Tages sein jüngster unehelicher Sohn werden, schreibt die Zeitung „Moskowskije Nowosti“ am Donnerstag.
http://de.sputniknews.com/politik/20120628/263889702.html


melden

"Wahlen" in Weißrussland am 11. Oktober 2015

01.10.2015 um 16:25
@sarkanas

Haha, ja, darüber wird in Weißrussland häufig gelacht. Aber es dürfte klar sein, dass das Volk keine Monarchie zulassen wird: Das genaue Gegenteil entspricht der weißrussischen Einstellung. Wenn du aber hörst, wie er davon redet, so wird doch recht eindeutig klar, dass das Ironie ist. So lange lebt Lukaschenko nicht mehr, dass Lukaschenko JR auch nur annährend alt genug wäre, um Präsident zu sein, auch SR hat das Amt ja bereits mit vergleichsweise jungen 40 bekommen. Nein, er hatte vor einem halben Jahr angekündigt, sich unter Umständen nicht einmal mehr für diese Wahl aufstellen zu lassen, als er aber gesehen hat, dass der Kandidat der KPB nicht auf 100.000 Unterschriften kam und er nur oppositionelle Konkurrenten hatte, wollte er das seinem Land wohl nicht antun...


melden

"Wahlen" in Weißrussland am 11. Oktober 2015

02.10.2015 um 02:05
@alexklusiv
Klar das mit seinem Sohn ist mehr ein familiärer Spleen; ist nicht auch Ulachowitsch mit bei den Kandidaten? Lukaschenka könnte ja die eine oder andere Amtsperiode (so alt ist er nun auch nicht) wohl nützen um eine Demokratisierungsprozess in Gang setzten (unwahrscheinlich ;) ), bis jetzt sah es ja nicht danach aus, Möglichkeiten hätte er z.B. durch die Minsk Verhandlungen bekam er etwas mehr internationale Aufmerksamkeit, die Annäherung an die EU, Handelsabkommen mit Uruguay etc ... im Moment scheint eher die Politikverdrossenheit vorherrschend zu sein und eine geschlossene Opposition gibt's wohl auch nicht—man kennt halt nur ihm, sollte es einen Aufstand geben wird dies kaum von Vorteil sein. Wer sollte den Spagat zw. Ost & West halten?
A “good” dictator … or a useful one? (...) Finally, the international community has been looking more sympathetically at the incumbent president. The possibility of easing strained relations between the West and the so-called “Last Dictatorship of Eastern Europe” opened up when Belarus became the center of peace negotiations for the war in Ukraine.
imrsOriginal anzeigen (0,3 MB)
http://www.washingtonpost.com/blogs/monkey-cage/wp/2015/07/15/belaruss-president-has-scheduled-the-next-election-has-he-already-won-his-fifth-term/
Putin moves to establish Russian military base in Belarus
https://www.washingtonpost.com/world/europe/putin-moves-to-establish-russian-military-base-in-belarus/2015/09/19/a0ec136a-5edc-11e5-8475-781cc9851652_story.html
The Future of Belarus
http://foreignaffairsreview.co.uk/2014/12/belarus-future/


melden

"Wahlen" in Weißrussland am 11. Oktober 2015

02.10.2015 um 03:48
Zitat von alexklusivalexklusiv schrieb:Dem mitteleuropäischen Binnensozialismus
Seit wann ist Weißrussland denn bitte schön in Mitteleuropa?


melden

"Wahlen" in Weißrussland am 11. Oktober 2015

02.10.2015 um 22:56
@Tyon

Weißrussland ist nicht nur in Mitteleuropa, sogar sogar der geografische Mittelpunkt Europas (liegt in Weißrussland)*. Ob es im Ostblock war oder nicht und welche Politik dort herrscht, hat keinen Einfluss auf die Geografie;) Deswegen heißt es auch Belarus - West-Rus. "Bela" bedeutet "Weiß", was, als der Name entstand, für die Himmelsrichtung "West" gesetzt wurde. Deswegen schrieb ich in anderen Threads auch, das Weißrussland Russland nur mit anderer Politik ist - denn Weißrussland ist historisch gesehen Russland, nur eben der westlichste Teil davon (heute souveräner Staat und nicht das westlichste Russland, seit Kaliningrad (Königsberg) nach dem Zweiten Weltkrieg an Russland angegliedert wurde).

*Wenn Europa bis zum Ural geht, da gibt es ja gelegentlich Uneinigkeiten


melden

"Wahlen" in Weißrussland am 11. Oktober 2015

02.10.2015 um 23:03
*sondern sogar
*dass Weißrussland Russland

@sarkanas

Lukaschenko ist auf den Tag genau 45 Jahre älter als ich (außerdem haben wir die gleichen Initialen, Alexander G. L., ist ganz interessant^^), damit taugt er zwar noch nicht zu meinem Urgroßvater, ist aber mit Sicherheit alt genug und lange genug an der Macht, um über einen Nachfolger zu sprechen. Wenn Weißrussland weiterhin auf die gleiche Weise funktionieren soll, brauchen wir einen neuen starken Mann, den wir nicht haben, das bereitet mir die größten Sorgen, wie ich gesagt hatte. Denn dann würde versucht werden, mit dem vorhandenen Parteiensystem Wahlen durchzuführen, was nur schief gehen kann. In so einem Fall könnte ich nur beten, dass die KPB wieder gewinnen, und wir eine neue Art Lukaschenko kriegen würden. Ich sage nicht, dass diktatorische Planwirtschaft ein gutes oder gar das beste Wirschafts- und Sozialsystem ist - aber ich sage, dass es sich von allen Versuchen der 15 ehemaligen Sowjetrepubliken bisher am besten bewährt hat. Du musst aber bedenken, dass das meine subjektive Meinung ist, denn ich bin patriotischer Weißrusse und die nationalistische Opposition, welche das Chaos in der Ukraine durch einen Putsch herbeigeführt hat, gibt es auch bei uns. Aber zum Glück haben wir Gesetze, welche nicht jeder auslegen kann, wie er will. In der Ukraine gelten die Gesetze mal, mal gelten sie nicht, ein Putsch ist zwar verboten aber erlaubt, Abzweigung von Gebieten ist verboten und bleibt verboten. Hier kann ich nur Gregor Gysi zitieren: "Also, Frau Bundeskanzlerin, entweder die ukrainische Verfassung gilt, oder sie gilt nicht".


melden

"Wahlen" in Weißrussland am 11. Oktober 2015

02.10.2015 um 23:32
Aber ich vertrete die Überzeugung, dass es keine Zukunftsperspektive ist, die Diktatoren auszuwechseln, das ist nicht schwierig einzusehen. Sobald wir den ersten Inkompetenten haben, stehen wir wieder da wie 1991-1993, und das will niemand (außerdem versteht auch Lukaschenko von einigen Dingen nichts, von denen er glaubt, einiges zu verstehen). Ich schlage daher die Offenlegung aller Karten vor: Wir brauchen eine Regierungspartei, welche keine Diktatoren, sondern Leader setzt, welche diese Bezeichnung verdient haben. Solange die Partei nicht bedroht ist, können wir auch weiterhin unsere Wahlen problemlos abhalten, und das wird höchstwahrscheinlich der Fall sein. Ja, wir brauchen eine Partei, aber keinen Diktator mit einer Unterstützungsorganisation! Dann wären wir wieder im Römischen Reich! Es ist mir dann am Ende auch egal, ob sie Belaja Rus oder Kommunistische Partei Weißrusslands heißt, solange sie all unsere sowjetischen Strukturen aufrechterhält. Unser parteiintern auserwählter Leader muss sich auf ein Podest stellen, und sagen, dass wir und die EU zu verschieden sind, um mehr als Handelsbeziehungen zueinander zu haben, diesen stehe aber nichts im Wege, und wir uns nicht gegenseitig mit Sanktionen und ähnlichem im Weg zu stehen bräuchten (warum kann die EU nicht ihren Traum leben und uns unseren leben lassen?). Wenn man "Belarus flag" bei google eingibt, kommt fast ebesoviel weiß-rot-weiß wie rot-grün - aber weiß-rot-weiß ist unser Untergang. Sperrt Teile des Internets, verhängt im Extremfall sogar Wirtschaftssanktionen als Zeichen der Stärke (schlechteste Möglichkeit), macht, was ihr wollt - aber haltet unsere Strukturen aufrecht, das Am-Leben-halten der Sowjetunion. Sodass Gennadij Sjuganov auch weiterhin nach Weißrussland reisen und sagen kann, hey, denen geht es besser als uns. Sie haben offensichtlich etwas besser gemacht. Wir müssen unsere Fehler wiedergutmachen! Weißrusslands feste Position und Status, gerne auch als Weißrussische sozialistische Sowjetrepublik, ist nicht nur für die Zukunft unserer zehn Millionen Bürger entscheidend. Wir sind das Kuba in Europa, welches Westeuropa und vor allem Russland täglich vorführt, dass wir uns dem Diktat des Kapitals nie beugen werden - um vor allem auf Russland größtmöglichen Einfluss zu üben. Neutrale russische Reporter beschreiben Weißrussland als saubereres, freundlicheres und "russischeres" Russland, wo unsere Kultur noch am Leben ist. Unsere gemeinsame sowjetische Kultur. Russische Weißrusslandreisende wählen anschließend KPRF/KPdSU Russlandableger (wie die KPB der KPdSU Weißrusslandableger ist). Wenn wir uns jetzt beugen und Dinge wie im Baltikum oder der Ukraine zu passieren beginnen, zeigen wir, dass unser Traum von einer besseren Welt verloren hat. Das ist mein schlimmster Albtraum.

Was ich schreibe, ist sehr eindeutig, und sehr viele werden gegensätzicher Meinung sein, was völlig verständlich ist (Presse in Deutschland und so). Aber wer Weißrussland wirklich beurteilen will, muss es selbst gesehen haben - mit keinem Strandurlaub oder Kreuzfahrt haben mich meine Eltern als Kind je begeistern können, wenn ich nach Weißrussland fahren, das sowjetische Eis essen und mir stolz die vielen Baukräne ansehen konnte. Wenn ich dann im Vergleich dazu bei der Durchreise Litauen sehe, so tun diese Menschen mir einfach nur leid. Ja, unsere Baukräne werden immer mehr - wir bäumen weiterhin die letzte Rote Fahne immer weiter auf, sodass sie bald so hoch ist, dass sie nicht mehr übersehen werden kann, wie in den letzten Jahrzehnten. Von Westeuropa nicht, und vor allem von unseren brüderlichen Völkern nicht.


melden

"Wahlen" in Weißrussland am 11. Oktober 2015

02.10.2015 um 23:50
* Was ich schreibe, ist sehr eindeutig, und sehr viele werden gegensätzicher Meinung sein, was völlig verständlich ist (Presse in Deutschland und so). Aber wer Weißrussland wirklich beurteilen will, muss es selbst gesehen haben - mit keinem Strandurlaub oder Kreuzfahrt haben mich meine Eltern als Kind je begeistern können, wenn ich nach Weißrussland fahren, das sowjetische Eis essen und mir stolz die vielen Baukräne ansehen konnte. Wenn ich dann im Vergleich dazu bei der Durchreise Litauen sehe, so tun diese Menschen mir einfach nur leid. Ja, unsere Baukräne werden immer mehr - wir bäumen weiterhin die letzte Rote Fahne immer weiter auf, sodass sie bald so hoch ist, dass sie nicht mehr übersehen werden kann, wie in den letzten Jahrzehnten. Von Westeuropa nicht, und vor allem von unseren brüderlichen Völkern nicht, welche wir mit allem in unserer Macht stehendem zu unterstützen verpflichtet sind, wieder auf den richtigen Weg zurückzukehren. Um sich selbst, uns und allen, welche das auch möchten, nachhaltig wachsenden Wohlstand zu ermöglichen. Ohne Kriege zu führen, die Umwelt und irgendwann auch Welt zu zerstören oder jemanden derart auszubeuten, dass er keine Arbeit finden kann und es schwer hat, sich einzureden, sein Leben sei noch wertvoll (und das im eigenen Land! Ich spreche noch gar nicht von den Afrikanern, Indern, Chinesen...). Meine Generation muss die Welt wieder in Ordnung bringen und für die Fehler vergangener Generationen ebenso wie für ihre Heldentaten einstehen. Schwer in Worte zu fassen, wie glücklich ich bin, ausgerechnet in dem Land geboren zu sein, wo es nur so wenig gebraucht hat, um diese Fehler zu enttarnen. Damals konnte man streiten, aber heute ist offensichtlich, wer Recht gehabt hat. Selbst, wenn wir uns über hinterhältige Umwege bereichtern könnten, indem wir armen Arabern ihr Erdöl klauen, ist das zum Glück nicht unser Niveau. In Weißrussland haben die Wörter Verantwortung, Ehre und Moral noch eine Bedeutung.

Entschuldigt bitte diese Eindeutigkeit, die wie Provokation wirken könnte, das habe ich alles schon gehört. Es ist auf keinen Fall so gemeint! Das Thema geht mir nur sehr nahe, und von wenig bin ich ebensosehr überzeugt wie von Weißrussland. Unsere Kultur ist nicht besser als irgendeine andere, New York ist eine atemberaubende Stadt, die Niederlande wunderschön, um Urlaub zu machen, wir sind alle unterschiedlich, aber jeder ist verpflichtet, den anderen zu akzeptieren, auch uns. Wir können niemanden daran hindern, die Arbeiterklasse Saudi-Arabiens auszubeuten, wenn ihre Herrscher das zur eigenen Bereicherung zulassen. Und wir werden auch sämtliche etwaigen Handlungen unterlassen, das zu versuchen - erwarten aber auch, dass ihr uns so akzeptiert, wie wir sind und sein wollen. Auch, wenn uns das in euren Augen zum Schandfleck Europas macht. Die Welt ist bunt, das hat heute zum Glück jeder verstanden, und wir werden uns nicht von US-amerikanischer imperialistischer Propaganda beeindrucken lassen. Der Amerikanische Traum kann eine tolle Sache sein - wenn er bei denen bleibt, die ihn auch wollen, und nicht versucht wird, ihn Nationen aufzuzwingen, für die eine solche Lebensweise aus religiösen, kulturellen, moralischen, weltanschaulichen Gründen und Überzeugungen der schlimmste Alptraum ist, wie zum Beispiel für uns.


melden

"Wahlen" in Weißrussland am 11. Oktober 2015

03.10.2015 um 00:23
Zählen wir auf, was die weiß-rot-weiße nationalistische Opposition zu erreichen versucht. Sie verwenden das gleiche Wappen wie die Republik Litauen, welches im zweiten Weltkrieg ebenfalls von sowjetischen Kollaborateuren verwendet worden war (macht es schon unvertretbar). Sie wollen die weißrussische Sprache zurückbringen, was, wie jeder einsehen sollte, ein schwerer Fehler ist. Sprachen sind kein Kulturgut, sondern begrenzen uns nur in der Kommunikation - schlimm genug, dass es so aussieht, als würde die ukrainische Sprache überleben, die weißrussische zum Glück offensichtlich nicht. Sie wollen Weißrussland, was Russland ist, von Russland abtrennen, eine Grenze errichten. Unsere Wirtschaft bricht dann zusammen (alles wird durch Zollgebühren und doppelte MwSt teurer), wir sind vollständig von Russland abhängig. Wir brauchen dann ein Militär, weil Russland uns nicht mehr schützt. Wir haben wieder ein geteiltes Land in Europa - Russland (Weißrussland ist auch jetzt ein souveränder Staat, aber ohne Grenze mit Russland). Unsere Kultur ist weg, Polen-Litauen bleibt übrig. Ein Bürgerkrieg bricht aus. Angenommen die Regierungstruppen gewinnen wieder und machen weiter wie vorher, nur mit enormen Einbußen an Infrastruktur, Wirtschaftsreccourcen und Menschenleben. Angenommen die Aufständischen gewinnen, wie ausbeuterisch marktwirtschaftlich eure Ziele auch sind, ihr zerstört damit euer Land. Das, was wir in diesem Bürgerkrieg an Infrastruktur verlieren würden, kann keine Marktwirtschaft der Welt aufholen. Wir holen uns Kredite von den USA, die soviele Schulden haben, dass man von ihrem "Geld" als solchem lange nicht mehr reden kann, und der EU, welches wir nie zurückzahlen können werden, gar nicht zu reden von den Ansprüchen Russlands, welche es dann geltend machen wird. Wir können uns nicht wiederaufbauen, da so oder so alles zu teuer wird und wir es nicht mehr bezahlen können werden -> wir gehen pleite und können neu anfangen wie Russland 1998. Wir treten der EU bei (unwahrscheinlich, aber einfach angenommen), über 50% der Menschen wandern ins EU-Ausland aus, wie in Lettland.

Übrig bleiben entweder ein enorm geschwächtes kriegszerrüttetes weiterhin sozialistisches Weißrussland, oder ein Niemandsland mit 5 Millionen Einwohnern, insolvent, vom Kapital weiter und weiter ausgebeutet, der letzte Urwald Europas wie sein polnischer Teil abgeholzt, wieder Arbeitslose (momentan mit 0,2% weltweit niedrigste Quote), Abartigkeiten kommen uns ins Haus, alle Entwicklung eingestellt, alle Kultur und all das verloren, was das Leben lebenswert gemacht hat, ein Jahrhundert Aufbau verloren, am Ende steht die Aufteilung der ehemaligen Gebiete an Litauen, Polen, die Ukraine und Russland, vielleicht weiterhin ein souveränder Staat, was noch viel schlimmer wäre, weil der Stillstand uns dann vor uns hingammeln lassen würde, wir hätten keine Mittel, die anderen wenigstens schon. Ich würde das Buch "The last Soviet Republic - Rise and Fall" schreiben. Ich bete jeden Abend, dass wir noch ewig "weiterrisen", wie unsere Hymne verspricht: Ewig lebe und gedeihe Weißrussland.

Selbst wenn weißrussische Oppositionelle sich der EU annähern wollen - ist es euch das wirklich wert? Der überwältigenden Mehrheit zum Glück nicht.


melden

"Wahlen" in Weißrussland am 11. Oktober 2015

03.10.2015 um 03:06
@alexklusiv
Das ist ja alles sehr spannend nur ist Mitteleuropa eben nicht nur ein Geographischer Begriff.

Mal ganz davon abgesehen das es mehrere Anwärter auf den Titel gibt.


melden

"Wahlen" in Weißrussland am 11. Oktober 2015

03.10.2015 um 12:32
@Tyon

Ich habe nicht explizid vom ->geografischen<- Mittelpunkt Europas gesprochen, da man sich das "geografisch" mitdenken kann. Wie will man Europas Mittelpunkt denn sonst ermitteln? Durch die politische Mitte? :D Nein, da kann es keinen Zweifel geben, es gibt nur einen Mittelpunkt Europas, und der liegt in Weißrussland. Es sei denn, du hast andere Argumente parat, mit denen man diesen Titel für andere Länder beanspruchen könnte;)


melden

"Wahlen" in Weißrussland am 11. Oktober 2015

03.10.2015 um 15:09
Das Problem ist nur das außerhalb von Weißrussland es niemand als Mitteleuropa ansieht.
Als Westeuropa wird normalerweise alles westlich Deutschlands benannt.
Mitteleuropa generell als Deutschland bis Polen und eben die Länder Südlich davon bis in etwa Ungarn.
Und Osteuropa eben alles Östlich Polens was zum Leidwesen der Balten sie mit einbezieht.


Das gefällt dir natürlich nicht. Aber ist eben nicht zu ändern das Weißrussland ein Staat von Russlands Gnaden ist und schlicht und ergreifend Osteuropäisch ist.


melden

"Wahlen" in Weißrussland am 11. Oktober 2015

03.10.2015 um 15:15
@Tyon


Nun ja, platt gesagt interessiere ich mich wenig für Geografie;) Geofrafisch ist es der Mittelpunkt Europas, politisch natürlch nicht, ganz im Gegenteil. Für mich ist das eine ziemlich irrelevante Fragestellung. Viel interessanter ist, ob die EU sich dazu bewegen lassen würde, alle Wirtschaftsembargos aufzuheben, wenn nachgewiesen wird, dass es keinen Wahlbetrug gegeben hat.

Das kann doch wohl nicht so schwer sein, Herr Lukaschenko, oder etwa doch?


melden

"Wahlen" in Weißrussland am 11. Oktober 2015

03.10.2015 um 15:59
@alexklusiv
Zitat von alexklusivalexklusiv schrieb:Vorab nenne ich mal einige Fakten zu der Wahl, die Kandidaten und die Geschichte der letzten Sowjetrepublik.
Dafür, dass du Fakten zur Wahl nennen willst, machst du ordentlich Wahlwerbung für den Lukaschenko.

Dafür, dass der Herr schon seit über 20 Jahren das Land regiert, hat er aber nicht viel gerissen.
Außerdem herrscht in Weißrussland keine Freie Presse, und Oppositioniten (so wie etwa Jury Sacharanka, Dmitri Sawadski, Wiktor Gontschar und Anatoli Krassowski) verschwinden, oder werden unterdrückt.

Ein Blick auf die Balten, oder andere Oststaaten zeigen, was man in 20 Jahren alles erreichen kann.
Das einzige was Lukaschenko erreicht hat, ist bei einem BIP von 55 MRd (2011) sich 9 Mrd Vermögen anzuhäufen.

Das sind Sage und Schreibe 20 % des BIPs für den immerwährenden Führer, den du uns hier so bejubelst ..


melden

"Wahlen" in Weißrussland am 11. Oktober 2015

03.10.2015 um 16:11
@EvilParasit

Ich lege nur auf den Tisch, dass Weißrussland wesentlich weiter ist als die Ukraine oder das Baltikum, da du so argumentierst, würde ich meinen Kopf verwetten, dass du nie das Baltikum im direkten Vergleich mit Weißrussland gesehen hast. Außerdem bin ich nicht einmal für Lukaschenko, gar nicht zu reden von irgendeiner Wahlwerbung, ich bin für Sergej Kaljakin, da er im Vergleich zu Lukaschenko, wie du bereits sagtest, keine Milliaden anhäuft (sollte mal jemand nachweisen, aber liegt schon ziemlich nahe). Das Problem ist nur, dass Kaljakin und die KPB nicht auf 100.000 Unterschriften gekommen sind, von den anderen steht mir Lukaschenko am nähsten, eigentlich klar, denn er ist der einzige rot-grüne Kandidat. Aber ich bin mit ihm in vielen Punkten nicht einverstanden, der Autorität (deswegen setze ich Wahlen in Anführungsstriche), seiner monarchistischen Einstellung*, seinem Ausnutzen des Sozialismus zur Anhäufung persönlichen Reichtums und vielem, vielem mehr (*Weißrusslands Supermärkte sind weniger staatlich, wie sie eigentlich sein sollten, als sie der Familie Lukaschenko gehören).

Aber das alles zeigt nur noch deutlicher, wie viel besser Weißrussland sich vergleichsweise entwickelt hat. Trotz allem Negativen, was Lukaschenko mit sich bringt, so hat er in Weißrussland doch Löhne etabliert, von denen Ukrainer nur träumen können (im Durchschnitt mehr als das Doppelte, kann man überall nachlesen). Die baltischen Länder verdienen vielleicht sogar noch etwas besser, aber sie befinden sich in völligem Stillstand (während in Weißrussland am laufenden Band neue Städte aus dem Boden sprießen), außerdem wandern immer mehr Menschen ab, sie lassen sich immer weiter in den kapitalistischen Konkurrenzkampf hineinziehen (Weißrussland produziert alles nötige selbst, sieht deswegen bis heute wie die UdSSR aus, Litauen eher wie Tschechien). Deswegen sagt heute in Weißrussland niemand mehr Republik Litauen/Lettland/Estland, sondern sie werden abwertenderweise us-amerikanische Kolonien genannt, was sachlich nicht einmal völlig falsch ist. Unsere gemeinsame Geschichte, Ideale und allgemeinnützige Moral hätte man mehr nicht verraten können. Aber sie leben jetzt ja selbst mit den Folgen - doch all das ist rückgängig zu machen. Man muss es nur wollen. Wir helfen jederzeit beim Aufbau eines Baltikums, welches diesen Namen verdient, das ist hoffentlich mehr als genug klar gemacht worden.


1x zitiertmelden

"Wahlen" in Weißrussland am 11. Oktober 2015

03.10.2015 um 16:17
Mir ist leider eine Verwechslung unerlaufen, Kaljakin gehört der Partei "Gerechtes Weißrussland" an, welche jedoch sehr ähnliche Ziele wie dei KPB verfolgt. Der größte Unterschied zwischen beiden Parteien besteht darin, dass die KPB sich als regierungstreu und die SB als oppositionell sieht, was ich ebenfalls sehr gut an der SB finde. Rot-grün geht noch viel rot-grüner.


melden

"Wahlen" in Weißrussland am 11. Oktober 2015

03.10.2015 um 16:17
@alexklusiv
Für wie überlebensfähig hälst du denn Weissrussland ohne die russische Alimentation?


melden

"Wahlen" in Weißrussland am 11. Oktober 2015

03.10.2015 um 16:20
@Desaix

Das ist ja die große Frage. Weißrussland bemüht sich derweil, so stark wie möglich am Abhängigkeitsverhältnis zu Russland zu rütteln. Das ist aber sehr schwer, denn früher wurde alles zwar auch selbst produziert, aber auf die gesamte UdSSR verteilt, nicht nur auf Weißrussland. Doch Weißrussland war schon immer der Industriesektor der UdSSR, sodass wir klarkommen müssten. Ohne russisches Gas aber niemals: Die EU verkauft uns keins, und wenn doch, dann zu unbezahlbaren Preisen. Aber das ist in meinen Augen verkraftbar, denn auch die EU ist in gleicher Weise vom russischen Gas abhängig wie wir.


melden

"Wahlen" in Weißrussland am 11. Oktober 2015

03.10.2015 um 16:24
@alexklusiv
Europa dürfte auch gar nicht das Gas an Weissrussland weiterleiten, da dies in den Verträgen verboten ist.

Putin schielt doch auch längst auf Weissrussland, sagte er doch, dass man sich wieder vereinigen solle. Luka fand das wohl nicht so berauschend. :D

Das russische Militär ist aber eh schon im Land. Mal sehen, ob es irgendwann zu einem Minsker Maidan kommt.


melden