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Sind Nationalismus und Patriotismus noch zeitgemäß?

1.030 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Europa, Nationalismus, Patriotismus ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Sind Nationalismus und Patriotismus noch zeitgemäß?

08.10.2018 um 21:36
@abahatschi
lies: aussuchen

aussuchen heißt du hast die Wahl und wirst nicht gezwungen. Ich denke aber, du kennst den Unterschied. Daher frage ich mich, was dieser Einwand nun wieder soll? Wohn doch da wo es dir gefällt, wenn du dort deinen Lebensunterhalt bestreiten kannst ob mit oder ohne der Deutschlandfahne über dem Kopfkissen, aber mach doch nicht immer alles madig. Genieße mal das Leben du hast nur eins.


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Sind Nationalismus und Patriotismus noch zeitgemäß?

08.10.2018 um 23:07
Zitat von TheBarbarianTheBarbarian schrieb:"Das wiederum bedeutet: Jeder Staat braucht den Patriotismus seiner Bürger, der deutsche Staat wie jeder andere auch. Wer das Gegenteil behauptet, verkennt die elementaren Voraussetzungen jedes Gemeinwesens.
Als Voraussetzung für jedes Gemeinwesen reicht auch schon eine gemeinsame Wertebasis auf die sich alle verständigen können, wie unsere Verfassung zum Beispiel, dazu ist nicht mal nationale Selbstbeweihräucherung von Nöten.
Zitat von TheBarbarianTheBarbarian schrieb:Wer sich selbst innerlich nicht annimmt, kann andere erst recht nicht annehmen. Frieden nach außen kann nur bewahren, wer inneren Frieden gefunden hat. Wenn ich mich selbst nicht liebe, kann ich auch andere nicht lieben. Deshalb heißt es in der Hebräischen Bibel (nicht unbedingt ein Dokument des deutschen Patriotismus): "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.""
Kann ich mich also selbst nicht lieben oder innerlich annehmen, wenn ich auf Selbstaufwertungen mittels Nationalzugehörigkeit verzichte oder wieso wird sowas in eine solche Diskussion geworfen?
Zitat von tudirnixtudirnix schrieb:Andere zieht es in andere Gegenden und Länder, schlagen dort ihre Zelte auf und machen diesen Ort zu ihrer Heimat und sind glücklich dabei. Wo ist das Problem. Wichtig ist doch, dass man nach dem Tagewerk sagen kann: ich fahr jetzt nach Hause. My home is my castle egal wo.
Wie sagte der Lyriker Georg von Oertzen einst:

"Wir sichern uns die Heimat nicht durch den Ort, wo, sondern durch die Art, wie wir leben".


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09.10.2018 um 16:04
Hallo @Elektrofisch
Zitat von ElektrofischElektrofisch schrieb:Ich selbst, als Sohn tamilischer Eltern aus Sri Lanka, bin zwar kein Patriot, aber ich würde es mir sehr wünschen, wenn Deutsche auch stolz auf ihr Land wären.
Danke für das Mitteilen eines doch zugegebenermaßen recht merkwürdigen Wunsches, aber offenbar hat dir noch niemand gesagt oder gezeigt, dass es auch stolze Deutsche gibt.

Beispielsweise könntest du mal auf eine PEGIDA Demo vorbeischauen und dich dort nach dem von dir lang ersehnten Stolze umsehen. Aber sei gewarnt. Auf diesen PEGIDA Demos wirst du sehr wahrscheinlich auf einen sehr sehr großen Stolz treffen. Nicht das du am Ende noch das Weite suchst.
Zitat von ElektrofischElektrofisch schrieb:Ich meine: Nur ein stolzes Volk/Land kann sich in der Welt behaupten.
Merkwürdig. Trotz des angeblich nicht existenten Stolzes bei den Deutschen behauptet sich deren Land aber ausgesprochen gut in der Welt. Offenbar können Deutsche sich auch mit einem gemäßigtem Stolz sehr gut in der Welt behaupten. Wahrscheinlich sogar besser als früher.
Zitat von ElektrofischElektrofisch schrieb:Es geht darum, was gut für uns ist, nicht was für die anderen gut ist.
Aber vor einem Volk, dass nur an sich denkt, haben nur wenige Respekt.
Darüber müsstest du eventuell nochmal nachdenken, wenn es dir wichtig erscheinen sein sollte, von anderen respektiert zu werden.
Zitat von ElektrofischElektrofisch schrieb:Jeder hat eine Heimat.
Und diese Heimat ist in erster Linie immer Planet Erde.
Zitat von ElektrofischElektrofisch schrieb:Jeder hat eine eigene Definition von Heimat.
Richtig. Und deshalb ist es auch ziemlich sinnfrei sich zu wünschen, das deine Mitmenschen nach DEINEN Vorstellungen stolz auf (d)eine Heimat sein sollen, nur damit DU dich endlich gut fühlen kannst.


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Sind Nationalismus und Patriotismus noch zeitgemäß?

10.10.2018 um 19:07
Heimatkunde aus meinem Munde (und dem anderer):

Ach ja, die liebe Heimat - ohne die es keine Heimatmusik, keine Heimatfilme und keine Heimatromane gäbe.

Wie schrieb Wiglaf Droste noch:

Schön ist die Heimat
So man sie hat
Schön auch der Hering
Besonders der Brat-.

Für Dialektiker:

wensd niad fuaddgäisd
halzdas
dahoim
niad lang as.

(Eugen Oker, Oberpfälzer Schriftsteller.)



Ich halte es da eher mit dem Spruch: Any place I hang my hat is home.

"Home is where you hang yourself", sagt meine Frau. Heimat ist da, wo man sich aufhängt, vermutlich aus Langeweile. Manchmal ist Heimat aber auch da, wo einen andere aufhängen (wollen) - dazu genügt es, Asylbewerber, Kriegsflüchtlinge oder -vertriebene zu befragen.

Heimat ist mir persönlich so etwas von egal. Ich habe mich frühzeitig von meinem Elternhaus entfernt, bin durch die BRD gezogen, im Ausland gewesen - so etwas wie "Heimat" war mir immer zu schwammig, um mir wichtig zu sein. Es gibt Orte, an denen ich mich lieber aufhalte, als an anderen, wo ich mich wohler fühle - aber mit "Heimat" hat das nichts zu tun. Heimat kann überall sein - oder muss auch nirgends sein.

Ich als Exil-Hanseat halte es da lieber mit Albert Ballin:
"Mein Feld ist die Welt"

"Heimat" klingt mir zu sehr nach Ganghofer, Sepp-Depp und Wildecker Herzbuben.

Wer zu tief verwurzelt ist, übersteht einen Ortswechsel nicht.

Ich bin ein ebenso heimatloser wie vaterlandsloser Gesell.

Es gibt Orte, an denen ich mich aufhalte und Orte, an denen ich lebe.

Ich hänge jedoch an keinem dieser auswechselbaren Orte.

Damit komme ich seit mehr als einem halben Jahrhundert ganz prima zurecht.

"Home is a grave", wie meine Liebste sagt. Was durchaus doppeldeutig sein kann: Ich kann mich in der Heimat wie begraben fühlen - oder erst im Grab heimisch werden. Letzteres wohl zwangsläufig.


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Sind Nationalismus und Patriotismus noch zeitgemäß?

10.10.2018 um 19:29
Ich halte es für absolut notwendig und zwar für jedes Land. Andernfalls beckommen wir nämlich eine zentralisierte Weltregierung. Darauf wird gerade meinem Gefühl nach hingearbeitet und ich halte das für sehr bedenklich.
Zitat von DoorsDoors schrieb:Heimat ist mir persönlich so etwas von egal. Ich habe mich frühzeitig von meinem Elternhaus entfernt, bin durch die BRD gezogen, im Ausland gewesen - so etwas wie "Heimat" war mir immer zu schwammig, um mir wichtig zu sein. Es gibt Orte, an denen ich mich lieber aufhalte, als an anderen, wo ich mich wohler fühle - aber mit "Heimat" hat das nichts zu tun. Heimat kann überall sein - oder muss auch nirgends sein.
das tut mir ehrlich leid für dich.

Versteht ihr denn nicht, dass eine Nationenlose Welt eine Welt der Ausbeutung ist? Mann kann von überall her billige Arbeitskräfte holen und Arbeitsschutz usw. rückbauen. Ich könnte mir vorstellen, dass eine solche Welt eine Welt ist, in der 1% wie die Scheichs in Dubai lebt und 99% wie die Zwangsarbeiter in Dubai. Dass das vor Krieg schützt, glaube ich auch nicht. Es gibt ja auch Bürgerkriege und in einer Welt ohne Nationen, wäre ein Bürgerkrieg dann gleichzeitig ein Weltkrieg.


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Sind Nationalismus und Patriotismus noch zeitgemäß?

10.10.2018 um 19:43
Zitat von Apfelkuchen22Apfelkuchen22 schrieb:zentralisierte Weltregierung
Nationenlose Welt
Ich frage mich bisweilen, wie man auf solche Fantasmagorien kommen kann. Hat er irgendwas davon geschrieben? Du projizierst da etwas in seinen Text hinein, was da gar nicht drin steht.


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10.10.2018 um 19:43
Zitat von Apfelkuchen22Apfelkuchen22 schrieb:Ich halte es für absolut notwendig und zwar für jedes Land. Andernfalls beckommen wir nämlich eine zentralisierte Weltregierung.
Diesen Gedankensprung möchte ich noch mal näher erläutert sehen.
Zitat von Apfelkuchen22Apfelkuchen22 schrieb:Darauf wird gerade meinem Gefühl nach hingearbeitet und ich halte das für sehr bedenklich.
Indizien? Eher machen sich nationale Alleingänge breit, siehe den Orangenkopf und seinen völlig bescheuerten Handelskrieg.
Zitat von Apfelkuchen22Apfelkuchen22 schrieb:Versteht ihr denn nicht, dass eine Nationenlose Welt eine Welt der Ausbeutung ist?
Wer sind "ihr"?
Zitat von Apfelkuchen22Apfelkuchen22 schrieb: kann von überall her billige Arbeitskräfte holen und Arbeitsschutz usw. rückbauen.
Passiert schon jetzt teilweise, auch mit Nationen.


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Sind Nationalismus und Patriotismus noch zeitgemäß?

10.10.2018 um 19:45
Zitat von Apfelkuchen22Apfelkuchen22 schrieb:Darauf wird gerade meinem Gefühl nach hingearbeitet
Das viel heraufbeschworene Bauchgefühl neuerdings auch als gesunder Menschenverstand deklariert und somit Fakt :troll:


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10.10.2018 um 19:49
Zitat von Apfelkuchen22Apfelkuchen22 schrieb:Profil anzeigen
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Sind Nationalismus und Patriotismus noch zeitgemäß?
heute um 19:29
Ich halte es für absolut notwendig und zwar für jedes Land. Andernfalls beckommen wir nämlich eine zentralisierte Weltregierung.
So wie wir sie zwischen Friesen un Bayern 1871 hatten ?


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10.10.2018 um 19:51
Zitat von DoorsDoors schrieb:Heimat ist mir persönlich so etwas von egal. Ich habe mich frühzeitig von meinem Elternhaus entfernt, bin durch die BRD gezogen, im Ausland gewesen - so etwas wie "Heimat" war mir immer zu schwammig, um mir wichtig zu sein.
Vlt ergibt sich deine Einstellung aus deinem Lebensweg. Ich liebe meine Heimat und das Heimatgefühl. Kann aber auch im Ausland arbeiten oder mich auf andere Sitten und Gebräuche einstellen. Aber daheim ist eben daheim. Heimat eben :)

Das Gefühl finde ich persönlich sogar sehr schön und jeder, der Deutschland und unsere Kultur ohne Gewalt respektiert und auch unsere Werte lebt, ist hier willkommen sofern ein Asylgrund oder ähnliches besteht. Also eine Heimat auch für heimatlose. Auch Einwanderung gerne. Aber Parallelgesellschaft und Gewaltmigration. Nö, danke...


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10.10.2018 um 19:55
Da beim Thema Nation und Patriotismus immer wieder von "Heimat" bramarbasiert wird, will ich noch kurz anhängen, was ich darunter verstehe, in Form eines Auszugs aus einer Erzählung von mir - kein Ort, sondern verlorene Zeit:

Natürlich hätte ich zurück in unser Kaff ziehen können, denn du kennst ja meine Heimatverbundenheit. Leider machte ich eine Erfahrung, die mir auf erschütternde Art klar machte, dass ich eine völlig falsche Vorstellung von Heimat hatte.
Du erinnerst dich sicherlich noch an unser überraschendes Treffen im September 1981, nachdem wir uns fast drei Jahre nicht mehr gesehen hatten. Drei Jahre sind nicht viel, aber niemals verändert man sich rein äußerlich so stark wie in der Jugend. Ich saß gerade in Heiners Kneipe an der Bar, es war glaub ich später Nachmittag, als mir das Paar auffiel, das gerade reinkam und sich nach einem freien Tisch umsah. Irgendwas kam mir an dem Mann bekannt vor – seine Bewegungen, das lange, an Stirn und Haupt schon zurückweichende, hinten zu einem Pferdeschwanz zusammengebundene glänzende schwarze Haar… Die Frau mit kastanienrotem langem Haar und den veilchenblauen Augen und ihre natürliche, heitere Art, war mir spontan sympathisch.
Du weißt, wie es weiterging. Als ihr euch an den Tisch gesetzt hattet, schautest du dich um nach der Bedienung, bemerktest auch mich, aber außer einem leichten Stirnrunzeln, einer flüchtigen Verunsicherung, hattest du offenbar nichts bemerkt, denn dein Blick wanderte suchend weiter. Ich nahm mein Glas und setzte mich zu euch an den Tisch: Hallo Pepsi. Offenbar war dein Erstaunen noch größer als meins, denn erst jetzt kanntest du den Grund für deine leichte Verunsicherung: Vera? Ich hatte dich erst gar nicht erkannt. Mann, hast du dich verändert. Warum hast du dir denn deine langen Haare abgeschnitten? Ich fand das viel schöner, die standen dir viel besser als dieses Kurzhaar.
Ich wollte dich nicht fragen, ob du die Frau an deiner Seite aus Heidelberg mitgebracht hattest, konnte es mir aber denken, denn sie sprach einen badischen Dialekt. Ihr wart gerade auf der Fahrt zu einer Landkommune bei Bielefeld und hattet einen kurzen Abstecher in 'unsere' Stadt gemacht, weil du kurz deine Eltern besuchen und anschließend noch hier reinschauen wolltest, was aus deinen Freunden und Bekannten hier geworden war, die du jahrelang nicht mehr gesehen hattest, und um noch schnell einen Imbiss einzunehmen vor der Weiterfahrt. Mir war aber klar, dass du mit der Frau, die dich begleitete, noch nicht geschlafen hattest. Für so etwas habe ich ein untrügliches Gespür.
Ich möchte dir noch zwei weitere Beispiele nennen, um dir zu veranschaulichen, worauf ich hinaus will und was ich meine.
Acht Jahre nach unserem Treffen – ich hatte mein Medizinstudium in Köln beendet und in München promoviert und fing gerade an dem Institut für Hirnforschung an – starben meine Eltern bei einem Autounfall. Nach dem Begräbnis und den Trauerfeierlichkeiten saß ich allein in dem großen Haus und fragte mich, wie es weitergehen sollte. Beim Gedanken an den Begriff 'Heimat' und 'Elternhaus' bekam ich eine Gänsehaut. Mir waren mit einem unangekündigten Ruck von einem Dämon die Wurzeln ausgerissen worden. Ich war plötzlich ganz allein und heimatlos, und dieses Gefühl des freien Falls ins Bodenlose wuchs an den Folgetagen ins Unerträgliche. Wie eine entweihte ehemalige Kirche, die in eine Disco umgewandelt ist, keine Kirche mehr ist, war mein Elternhaus, das ein Teil von mir selbst und meiner Eltern war, ein lebenslanger Erlebnisraum, in dem man aufgewachsen war, stets geborgen, stark und sicher wie ein Fels in der Brandung, auf einmal nur noch ein hohler, leerer Raum, in dem Geister und Erinnerungen herumwandelten, aber keine Menschen. Das gehörte jetzt zwar mir, aber ich würde niemals mehr darin wohnen können, weil mich die Geister um den Verstand brächten. Ich musste vor diesen Geistern fliehen. Ich hatte meine Heimat verloren; sie war mir herausgerissen worden. So wie dies nicht mehr mein Elternhaus war, war die Stadt nicht mehr meine Heimat, denn das war die Jugend, als wir rummachten und kifften und tanzten und ich abends oder besser gesagt spät in der Nacht trunken zurückkehrte in mein Elternhaus, in mein Zimmer, und am nächsten Morgen mit meinen Eltern frühstückte.
Während meines Studiums in Köln und besonders später, als ich nach München ging, wurden meine Besuche in unserer Stadt immer seltener und kürzer; ich gehörte einfach nicht mehr dazu. Die 'Szene' hatte sich verzogen – nur wohin? Die Kneipen waren doch noch die gleichen, auch die Disco war noch da, aber die Stadt sah bei jedem Besuch anders aus, als ich sie in Erinnerung hatte, und das Publikum war ein ganz anderes. Das war jetzt eine völlig neue Generation, von der mich niemand mehr kannte, und die Leute von früher waren entweder weggezogen oder hatten sich zurückgezogen und eigene Familien gegründet, und in nicht allzu ferner Zeit würden die Leute, die dann hier in die Kneipen und die Disco gehen, die Kinder unserer Generation sein und wir die Alten, die da nix zu suchen haben.
Als ich in Heiners Kneipe so da saß, wurde es plötzlich laut und auch kalt, weil die Eingangstür lange aufblieb und die eisige Winterluft herein kam mit einer Horde mittelalter lauter Männer, wahrscheinlich Bauarbeiter, die in der Mittagspause hier kurz ein Bier trinken wollten; sie hatten irgendwas Primitives, Gröhlendes an sich, und besetzten die Bar wie ein Infanterieregiment. Einer von ihnen, vielleicht 33, 35, dem die Haare offenbar ziemlich ausgegangen waren, so dass er sich den Schädel kahl rasiert hatte bis auf einen blonden Zopf, der ihm irgendwo aus dem Hinterkopf herausragte wie eine Antenne und ihm Richtung Schulter fiel wie gekringelte Spagetti, kam mir irgendwie bekannt vor wie ein lauter Nachhall aus einer anderen Zeit, einer anderen Welt, jedenfalls vom Profil mit der starken Kinnlade und dem kehligen Lachen. Barry… die große Liebe meiner Jugend… Sei mir nicht böse, Pepsi, aber du weißt es seit der Zeit, als du halb so alt warst wie jetzt, auch wenn du es nie für wahr haben wolltest, um weiter leben zu können; Barry…Leader of the pack. Und jetzt? Er erkannte mich nicht, sah über mich hinweg, versuchte mit den Teenies schräg gegenüber zu flirten, die fast seine Töchter sein könnten. Ja, so war er, und so würde er dahin segeln, polternd, aber immer schwächer, bis er hinter dem Horizont verschwunden war in einem bestenfalls Familiengrab.
Ich stand auf und ging hinaus. Alles war klar. Ich würde das Haus verkaufen und nie wieder diese Stadt betreten. Denn hier war ich eine Fremde, und die Stadt war mir verschlossen.
Heimat, das wusste ich nun mit der Unerbittlichkeit der Wahrheit, ist das Echo des Schiffs, das längst hinter dem Horizont verschwunden ist, des Lebensschiffs, in dem wir jung und laut und stark waren und nach den Sternen griffen. Heimat ist weniger ein Ort, sondern Zeit. Zeit, die man nur noch als Erinnerung in seinem Kopf mit sich trägt. Ich hatte Unrecht damals im Zug, weil ich Heimat mit Geborgenheit verwechselt hatte, die es aber nur in der frühen Jugend gibt, die man noch in seinem Elternhaus verbringt, und mit all den Freunden und Liebhabern von der Szene, aber sie alle werden aus dieser Heimat durch die Gnadenlosigkeit der Zeit, die uns älter macht und welken lässt, herausgerissen. Wenn man die Heimat einmal verloren hat, kann man sie niemals mehr wiederfinden. Man kann sich keine zweite Heimat aufbauen, allenfalls etwas, das für die eigenen Kinder mal Heimat ist.


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10.10.2018 um 19:57
@TheBarbarian
Hast du aber dann auch nichts dagegen wenn auch Migranten zu ihrer herkömmlichen Heimat Heimatgefühle haben und auch für diese Staaten Patriotismus empfinden und auf jeden Fall auch die eigene Kultur ausleben? Das kann der Türke sein, Serbe, Albaner und sonst wer.


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Sind Nationalismus und Patriotismus noch zeitgemäß?

10.10.2018 um 19:59
Zitat von VenomVenom schrieb:Sind Nationalismus und Patriotismus noch zeitgemäß?
heute um 19:57
@TheBarbarian
Hast du aber dann auch nichts dagegen wenn auch Migranten zu ihrer herkömmlichen Heimat Heimatgefühle haben und auch für diese Staaten Patriotismus empfinden und auf jeden Fall auch die eigene Kultur ausleben? Das kann der Türke sein, Serbe, Albaner und sonst wer.
Ja aber dann doch bitteschön nuuur in ihrem Herkunftsland,
so wie die Deutschen auf Mallorca es vormachen :D


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Sind Nationalismus und Patriotismus noch zeitgemäß?

10.10.2018 um 20:04
Zitat von VenomVenom schrieb:Hast du aber dann auch nichts dagegen wenn auch Migranten zu ihrer herkömmlichen Heimat Heimatgefühle haben und auch für diese Staaten Patriotismus empfinden und auf jeden Fall auch die eigene Kultur ausleben? Das kann der Türke sein, Serbe, Albaner und sonst wer.
Klar, aber dann bitte 50/50 und nicht permanent die türkische Flagge vorm Fenster und Erdogan anbeten aber die deutsche Demokratie genießen. Das heißt keine Parallelwelt mit vollverschleierung.

Oder besser gesagt ist für mich gelungene Integration eine Assimilation light. Fertig. Man muss sich eben anpassen und zwar die Zugewanderten an die hier lebenden. Dann wird man auch akzeptiert.

Genau wie ich im Iran nicht in kurzen Hosen rumrennen würden.


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Sind Nationalismus und Patriotismus noch zeitgemäß?

10.10.2018 um 20:07
Zitat von tudirnixtudirnix schrieb:Ja aber dann doch bitteschön nuuur in ihrem Herkunftsland,
so wie die Deutschen auf Mallorca es vormachen
Die deutschen benehmen sich auf Malle wie Volltrottel. Die würde ich als Spanier schön nur auf Spanisch Annbabbeln. Als hätten wir Spanien erobert und deutsch wäre Amtssprache...


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Sind Nationalismus und Patriotismus noch zeitgemäß?

10.10.2018 um 20:07
Zitat von TheBarbarianTheBarbarian schrieb:Genau wie ich im Iran nicht in kurzen Hosen rumrennen würden.
Aber auch nur aus Angst vor Repressionen.


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Sind Nationalismus und Patriotismus noch zeitgemäß?

10.10.2018 um 20:08
Zitat von TheBarbarianTheBarbarian schrieb:Das heißt keine Parallelwelt mit vollverschleierung.
Geh damit in den Burka Thread bitte und zeige auf wie viele Vollverschleierte es tatsächlich gibt, genaue Anzahl.


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Sind Nationalismus und Patriotismus noch zeitgemäß?

10.10.2018 um 20:09
Zitat von paranomalparanomal schrieb:Aber auch nur aus Angst vor Repressionen.
Ne, weil einfach dort nicht gewünscht. Ich passe mich an. So einfach ist das.

In Kanada würde ich meinen Nachbarn auch nicht mit der Deutschlandfahne penetrieren. Da würde dann die kanadische Flagge hängen. Ganz normal eben. Dir deutsche vlt klein daneben.


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Sind Nationalismus und Patriotismus noch zeitgemäß?

10.10.2018 um 20:10
Zitat von TheBarbarianTheBarbarian schrieb:Klar, aber dann bitte 50/50 und nicht permanent die türkische Flagge vorm Fenster
Inwiefern 50/50?
Zitat von TheBarbarianTheBarbarian schrieb:und nicht permanent die türkische Flagge vorm Fenster und Erdogan anbeten aber die deutsche Demokratie genießen. Das heißt keine Parallelwelt mit vollverschleierung.
Die Erdogan Anhänger sind oft mit AfD Anhängern zu vergleichen, sind nämlich einiges an wütenden und protestierenden Menschen dabei und nicht nur lupenreine Nationalisten oder gar Rechtsextremisten (Graue Wölfe).
Zitat von TheBarbarianTheBarbarian schrieb:Oder besser gesagt ist für mich gelungene Integration eine Assimilation light.
Was ist eine Assimilation light? Man muss sich im Grunde gar nicht oder kaum assimilieren um sich zu integrieren, auch nicht als Muslim.
Zitat von TheBarbarianTheBarbarian schrieb:Man muss sich eben anpassen und zwar die Zugewanderten an die hier lebenden. Dann wird man auch akzeptiert.
Zum Teil müssen sich die Einheimischen selbst mal anpassen oder besser gesagt in eigenem Land integrieren, ich glaube es ist klar von welchen Klienteln die Rede ist.


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Sind Nationalismus und Patriotismus noch zeitgemäß?

10.10.2018 um 20:11
Zitat von tudirnixtudirnix schrieb:Geh damit in den Burka Thread bitte und zeige auf wie viele Vollverschleierte es tatsächlich gibt, genaue Anzahl.
Zähl Mal lieber die Rechtsextremen von denen du permanent lamentierst...

Ich sage es Mal genauer: Ich will auch nicht nur von kopftuchtragenden hochreligiösen msolems umringt sein wenn ich einkaufen gehen. Die sind nämlich auch hart rechts, nur von der anderen Richtung her.

Kopftuch ist erlaubt, kann ich mit leben. Muss aber keine überhand nehmen.


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