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Brauchen wir überhaupt noch Schulen?

1.503 Beiträge, Schlüsselwörter: Schule, Reform, Digitalisierung

Brauchen wir überhaupt noch Schulen?

04.03.2020 um 00:13
@tudirnix
ich habe Quellenbashing einfach satt und beteilige mich daran nicht, ok?
Auch wenn es heute durchaus üblich zuallererst zu fragen, WER etwas sagt und von diesem WER abhängig zu machen, WAS das Gesagte wert ist.


zum Inhalt, aus deinem link:
Dies sei „schade“ angesichts der treffenden Kernthese: „Der sogenannte ‚offene Unterricht‘ lässt Schüler wie Lehrer viel zu oft allein. Wenn Lehrer zu ‚Lernbegleitern‘ werden, läuft das dem Bedürfnis der Kinder nach Orientierung und Bindung zuwider.“
na also, die Kernthese wird als zutreffend bezeichnet.
weiter aus deinem link:
in seiner kritischen Doppelrezension stellte er Winterhoff das gleichzeitig erschienene Werk Ist die Schule zu blöd für unsere Kinder? des FAZ-Herausgebers Jürgen Kaube gegenüber. Dem entnahm er einen ähnlich kritische Haltung wie Winterhoff („Die Schule der Gegenwart ist eine Fehlkonstruktion“) und teilweise gleiche Kritikpunkte, zum Beispiel eine „Digitalisierung der Schulen in viel zu frühen Jahren“. Jedoch geschehe das „in völlig anderem Ton (…)
ähnliche kritische Haltung, teilweise gleiche Kritikpunkte

Quellenbashing abgehakt.


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04.03.2020 um 00:36
Seidenraupe
schrieb:
ich habe Quellenbashing einfach satt und beteilige mich daran nicht, ok?
Wenn man keine Ahnung von der Materie hat, dann ist as zwar OK, aber dann sollte man nicht mit Quellenbashing argumentieren. @Seidenraupe Das klingt dann auch schon ziemlich hilflos.
Seidenraupe
schrieb:
Zum Inhalt, aus deinem link:
Dies sei „schade“ angesichts der treffenden Kernthese: „Der sogenannte ‚offene Unterricht‘ lässt Schüler wie Lehrer viel zu oft allein. Wenn Lehrer zu ‚Lernbegleitern‘ werden, läuft das dem Bedürfnis der Kinder nach Orientierung und Bindung zuwider.“
Es wäre schön, wenn du da nicht einen Satz aus dem Kontext herauspickst, der dir zusagt, aber den Gesamteindruck verzerrt, wenn der isoliert angeführt wird, wie du es gerade tust.
Nochmal zum nachlesen, der Kontext lautet nämlich:
Der Journalist Alex Rühle hielt Winterhoff 2019 vor, in seinem neuen Werk Deutschland verdummt „mit dem Pauschalpanzer durchs Theoriegelände (zu donnern)“ und „dröhnende Endzeitrhetorik“ zu verbreiten. Dies sei „schade“ angesichts der treffenden Kernthese: „Der sogenannte ‚offene Unterricht‘ lässt Schüler wie Lehrer viel zu oft allein. Wenn Lehrer zu ‚Lernbegleitern‘ werden, läuft das dem Bedürfnis der Kinder nach Orientierung und Bindung zuwider.“ Winterhoffs gesellschaftspsychologische These einer gefährdeten politischen Stabilität, die „nichts Gutes für unser aller Zukunft verheißt“, bezeichnete Rühle als „doch eher unterkomplex bis fragwürdig“.
Das ist die Aussage.

Des weiteren u.a. auch angeführt und im Link nachzulesen:
Populistisch, ohne jeden empirischen Beleg
Und die ganzen Kritiker, die mit Sicherheit mehr Ahnung haben als du, betreiben da Quellenbashing? Weil es dir widerspricht? Oha! Da machst du es dir aber jetzt gewaltig einfach.


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04.03.2020 um 01:14
Seidenraupe
schrieb:
na also, die Kernthese wird als zutreffend bezeichnet.
weiter aus deinem link:
in seiner kritischen Doppelrezension stellte er Winterhoff das gleichzeitig erschienene Werk Ist die Schule zu blöd für unsere Kinder? des FAZ-Herausgebers Jürgen Kaube gegenüber. Dem entnahm er einen ähnlich kritische Haltung wie Winterhoff („Die Schule der Gegenwart ist eine Fehlkonstruktion“) und teilweise gleiche Kritikpunkte, zum Beispiel eine „Digitalisierung der Schulen in viel zu frühen Jahren“. Jedoch geschehe das „in völlig anderem Ton (…)
ähnliche kritische Haltung, teilweise gleiche Kritikpunkte
Und auch hier entzerrst du die Kernausage und reist aus dem Kontext @Seidenraupe , in dem es wörtlich heißt:
n seiner kritischen Doppelrezension stellte er Winterhoff das gleichzeitig erschienene Werk Ist die Schule zu blöd für unsere Kinder? des FAZ-Herausgebers Jürgen Kaube gegenüber. Dem entnahm er einen ähnlich kritische Haltung wie Winterhoff („Die Schule der Gegenwart ist eine Fehlkonstruktion“) und teilweise gleiche Kritikpunkte, zum Beispiel eine „Digitalisierung der Schulen in viel zu frühen Jahren“. Jedoch geschehe das „in völlig anderem Ton (…) der Einfachheit halber könnte man ihn intelligent nennen“. Statt Winterhoffs Dramatisierung und Verzerrung „ins Apokalyptische“ komme Kaube „witzig, kompetent und empirie- und faktengesättigt rüber“ und zeige „idealistische Emphase“ .[17]


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04.03.2020 um 17:32
tudirnix
schrieb:
Populistisch, ohne jeden empirischen Beleg
Das Problem ist, es gibt auch meines wissens nach keinerlei vernünftige, empirische belege dafür, dass unser jetziges Schulsystem gut funktioniert bzw. die methoden, die der verfasser von @Seidenraupe quelle anprangert.

Dass ihm genau jetzt vorgeworfen wird, er habe keine belege, wo alle anderen fröhlich mit theorien um sich schießen und änderungsforderungen ausstoßen, das ist schon ein kleines bisschen unfair.

Was du da zitierst sind halt einzelmeinungen anderer pädagogen und journalisten. Dass irgendein Heilpädagoge nicht findet, dass wir zu Zucht und Ordnung zurückkehren müssen und das Bild vom kleinen Tyrannen nicht gut findet ist jetzt nicht überraschend.

@Seidenraupe
Seidenraupe
schrieb:
„Deutschland verdummt“, behauptet Michael Winterhoff in seinem Buch. Der Kinderpsychiater findet klare Worte, wenn es um die Zukunft der Bundesrepublik geht. Die Kinder von heute werden nicht arbeitsfähig sein, wenn wir nicht sofort gegensteuern, meint Winterhoff.

...
Der Titel meines Buches bezieht sich auf die psychischen Leistungen der Schüler. Deren Entwicklung spielt in Kita oder Schule heutzutage keine Rolle mehr. Soft Skills, Arbeitshaltung, die Fähigkeit, zwischen Arbeit und Privatem unterscheiden zu können: Das können immer weniger Schulabgänger heutzutage.
...

Sie haben keinen Sinn mehr für Pünktlichkeit. Strukturen und Arbeitsabläufe zu erkennen, fällt ihnen schwer. Vielen fehlen Grundkenntnisse in Deutsch und Mathe. An oberster Stelle steht heute das Handy – weit über dem Kunden. Immer mehr Schüler brechen ihre Ausbildungen ab, über ein Drittel der Studenten mit Studienabschluss überstehen die Probezeit im Betrieb nicht; es fehlen ihnen soziale Fähigkeiten oder sie haben eine starke Selbstüberschätzung
Ich halte nichts von der Verteufelung des Handies oder gar dem Verantwortlich machen. 'Verdummung' halte ich auch für einen Blödsinnigen begriff. Die Kinder heute sind nicht dümmer. Sie sind schlechter normierbar und damit schlechter einsetzbar.

Vorher konntest du jemanden sagen 'du machst dies und das, dafür gebe ich dir geld' und der hat, wenn das eingiermaßen im Rahmen war 'ja' gesagt.
Heute wollen Arbeitende einen Job, der zumindest ein Stück weit auf sie zugeschnitten ist und sie wollen auch probleme in dem Job hinterfragen. Allerdings resignieren sie auch schnell,w enn diese Probleme weiterhin bestehen oder ihr Input nicht gehört wird.

Das sind andere Verhältnisse, hat aber nach- und vorteile.
Seidenraupe
schrieb:
Kinder brauchen ein Gegenüber, das sie anleitet, sie ermutigt. Jemanden, der ihnen zeigt, dass man sich auch mal anstrengen muss – und dafür aber auch belohnt wird, beispielsweise mit Lob. Vor allem in der Kita brauchen Kinder Bezugspersonen, an denen sie sich orientieren können. Soziale und emotionale Intelligenz entwickeln sie nur am Gegenüber.

Aber genau diese Art der Bindung ist heutzutage nicht mehr vorgesehen in der Schule – die Kinder sind dort bewusst auf sich selbst gestellt.

...Auf Betreiben der OECD und von Ideologen wurde über die Bildungspolitiker an den Lehrern und Eltern vorbei das autonome Lernen durchgesetzt. Das Kind soll im Kindergarten aussuchen, in welchen Raum es geht und was es macht. In der Schule soll das Kind sich möglichst viel selbst beibringen. Diese Vorstellungen wurden nie auf ihre Wirksamkeit hin untersucht.
...
FOCUS Online: Selbstständiges Lernen ist also etwas Schlechtes?

Winterhoff: Ein selbstbestimmendes Lernen: Ja! Ein Kind kann noch gar nicht entscheiden, was es lernen muss. Lehrer sind jetzt nur noch „Lernbegleiter“, decken eine Lerntheke, an der sich die Kinder bedienen sollen. Für die Ausführung ist das Kind verantwortlich.

Es gibt Grundschulen, an denen Schulverträge mit den Kindern abgeschlossen werden, in den Pausen gibt es Viertklässler als Streitschlichter. Viele Kinder müssen Schallschutzkopfhörer tragen, um in Ruhe arbeiten zu können. Wir haben jetzt in vielen Bundesländern die Verbundschreibschrift und die Rechtschreibung abgeschafft.
...
Lehrer und Erzieher müssten also strenger sein?

Winterhoff: Nein! Sie müssen Lehrer sein und nicht Lernbegleiter.

...
Winterhoff: Wenn wir nicht gegensteuern, gerät unsere Gesellschaft in eine katastrophale Schieflage. Unsere Kinder wachsen zu Narzissten und Egozentrikern heran, die nicht auf Andere achten, sich nur um sich selbst drehen und lustorientiert in den Tag leben.

Wertschätzung ist ihnen kein Begriff mehr. In einem Sozialstaat müssen die Menschen aber füreinander da sein. Doch Menschen, die sich wie kleine Kinder aufführen, nicht fähig sind zu arbeiten, die sprengen dieses System
Ich glaube, dass er hier in eine Falle tappt. Wo er recht hat: Lehrer sollen lehrer sein und erwachsene erwachsene. Ohne jemanden, der anleitet, können die meisten Menschen einige dinge nicht gut lernen.
Es gibt autodidakten, die lernen auch alleine eine Sprache. Und man kann sich das aneigenen, aber wenn jemand eine sprache lernen will, haben die meisten Menschen das mit einem lehrer leichter.
Auch müssen kinder natürlich soziale regeln verinnerlichen, wo manchmal auch ein 'das ist so basta' stehen darf, wenn sie das wirklich nicht überblicken können (idealerweise aber selten, sofern die kinder durchaus den grund begreifen könnten).

Der Fehler: Er sagt richtig, dass die kinder nicht wissen, was sie lernen müssen. ABER: Das wissen die erwachsenen nunmal auch nicht außerhlab von basiskram wie lesen, schreiben und so.

Kein Lehrer und kein Elternteil weiß, welches Wissen ihr Kind wirklich begeistert oder wenigstens nützlich für es ist. Und die Schule hilft da nicht damit, dass sei viele Fächer hat. Damit erziehen wir eigentlich den kindern nur an, dass das meiste wissen langweilig ist und man sich da halt durchkämpfen muss (weil die meisten fächer nicht den interessen eines schülers entsprechen).

Wir müssen uns darauf konzentrieren, kindern beizubringen, dass

  • Wissen und Entwicklung etwas schönes ist, das persönliche Freude und Genugtuung bereitet und weiter bringt (auch unabhängig von der Arbeitswelt)
  • WIE man sich Wissen selbstständig aneignet oder wenigstens einen geeigneten Lehrer findet.


Ich glaube, dass das nicht so geht, wie der Verfasser es sich denkt.
Ich glaube, richtig ist: Wenn ein Kind sagt, ich will etwas lernen, dann muss da ein lehrer sein bzw. auch erwachsene erziehungsfiguren, die es dazu anhalten, sich Mühe zu geben und ein Leistungsfeedback geben.

Ich glaube aber, dass es ein fehler ist, zu sagen: "Du als Kind musst jetzt diese Sachen hier lernen, ob du willst oder nicht" wenn das nicht die absoluten Basisskills sind. Weil wir damit v iel mehr kaputtmachen als wir nützen.

So als Bild:

Ich hab als Kind Karate gemacht und als sehr behütetes Kind mit einem eher ruppigen Lehrer war ich da oft ein bisschen eingeschüchtert, weil der lehrer nicht alles so in Watte verpackt hat, wie ich das gewohnt war.
Das war aber gut für mich: Das war das erste, was ich gemacht habe, worin ich so gar kein Talent hatte, aber mir trotzdem die Grundlagen angeeignet habe über die Jahre hinweg.

WEIL: Hier war ein Lehrer, der einem durchaus gesagt hat, wenn man was schlecht macht und einem auch keine Ausreden durchgehen ließ.

Das ging aber nur, weil ich das machen wollte. HÄtte meine Mutter gesagt: "Ich steck dich jetzt in den Tennisverein" und hätte mich dazu gezwungen, da weiter zu machen, hätte das keinen positiven Effekt auf mich gehabt, ganz egal, was da für ein Tennislehrer gewesen wäre. Klar, vielleicht hätte ich das Tennis lieben gelernt, aber allen Kindern standard 2 Jahre Tennisunterricht geben (so wie wir das z.b. mit chemie machen) wäre ja unsinnig.


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09.03.2020 um 18:59
https://www.welt.de/wirtschaft/karriere/article206441679/Gesundheitszustand-Deutschlands-Lehrer-an-der-Grenze-der-Leistu...
So nehmen die Leistungsunterschiede in den Klassen zu – und auch der Druck auf die Kinder mitzuhalten. Für 51 Prozent der befragten Lehrer sind verhaltensauffällige Schüler, die den Unterricht stören, ein Grund dafür, dass sie ihren Beruf als belastend empfinden.

Diesen Effekt beobachtet auch der Berliner Lehrer Thomas Bauer. Zwar sei sein Gymnasium „relativ gut situiert, doch auch wir haben inzwischen mit Inklusion zu tun“. Mit Lese- und Rechtschreibschwäche beispielsweise, aber auch zunehmend mit emotional-sozialen Problemen der Kinder, berichtet Bauer, der an seiner Schule Vertrauenslehrer ist.

„Die Schüler stehen teilweise unter großem Druck“, sagt er. „Viele dieser Probleme müsste eigentlich ein Schulpsychologe klären.“ Doch das sei weder finanziell noch personell drin. Stattdessen müssen diese Aufgabe oft Lehrer übernehmen.
„Vermehrt stellen fertige Referendare sofort nach der Einstellung als Lehrer einen Teilzeitantrag, weil sie sich nicht vorstellen können, Vollzeit zu arbeiten“, berichtet Bauer, der das für ein „bedenkliches Signal“ hält. Und dabei gibt er zu, dass man an vielen Gymnasien „noch auf relativ hohem Niveau jammert“: „Wie hoch die Belastung an bestimmten Grundschulen ist, mag ich mir gar nicht ausmalen. Die ganzen Fördermaßnahmen, Konferenzen zu Themen wie Kindeswohlgefährdung – das ist alles nicht von der Arbeitszeit gedeckt.“
Wie ich hier ja oft schrieb: Klassen werden heterogener. Das momentane System kann daruaf nicht reagieren. SChon jetzt werden Zusatzprojekte usw. immer teurer und lehrer können gar nicht alles leisten, was da von ihnen verlangt wird.

Es funktioniert so einfach nicht mehr.


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10.03.2020 um 15:05
https://www.zeit.de/arbeit/2020-03/lehrer-arbeitsbedingungen-unterricht-schule-erfahrungsberichte
Dazu kommt, dass viele Kinder wichtige Verhaltensregeln nicht kennen, wie "Bitte" und "Danke" zu sagen. Sie drängeln sich in Warteschlangen vor und finden das normal. Oder sie stoßen in der Garderobe ein anderes Kind um und merken das noch nicht mal. Wenn dieses Kind dann weint, wundern sie sich, entschuldigen sich erst, wenn ich sie dazu auffordere. Ein Kind spitzte mal im Klassenzimmer seine Stifte, dann warf es den Dreck auf den Boden. Als ich fragte, ob es das bei den Eltern auch so mache, sagte es: "Ja, die Mama putzt das dann weg." Ich machte dem Kind klar, dass weder ich noch die Reinigungsfrau gedenken, es der Mama gleich zu tun. Und dass das Kind nun gefälligst einen Besen holen solle, um den Dreck selbst zu entfernen. Das Kind antwortete: "Warum soll ich das machen, ich bin doch ein Kind." Dann holte es den Besen.

Von den Eltern kann ich hier nur wenig Unterstützung erwarten. Viele glauben, dass ihre Kinder in allem recht haben. Alle anderen sind immer schuld. Also bin ich es, die diesen Kindern deutlich "Stop" und "Nein" sagen muss, wenn sie sich unsozial verhalten. Anfangs sind einige der Kinder überrascht, weil sie das nicht kennen. Sie schauen sich noch mal um, ob wirklich sie gemeint sind und probieren es gleich noch mal aus. Es macht meine Arbeit wirklich anstrengend, ständig konsequent sein zu müssen, weil die Eltern es nicht sein wollen oder können.
Ich hab ja schon mehrfach gesagt, dass wir uns entscheiden müssen.
Entweder wir sagen, Ezriehung ist sache der Eltern. Dann müssen wir aber auch damit klarkommen, dass die schule nur das, was die Eltern abgeben, verwaltet.
Dann machen wir ein mehrgliedriges Schulsystem, schieben die kinder, deren erziehung die eltern vermurkst haben, in diesem system nach unten ab, lassen die leistungsfähigen schüler ihr ding machen und haben dann auf der einen Seite akademiker und auf der anderen Hartz 4ler und Kriminelle.
Können wir so machen. ODER wir sehen ein, dass Eltern viele Dinge falsch machen und wir ihre Fehler in der Schule ausbügeln müssen. Dann müssen wir die Schule aber auch dazu befähigen , das zu tun und das bedeutet eben auch, dass sie als Erziehungsorgan auftritt, also z.b. einem Kind auch bei Verhaltsnsauffälligkeiten therapiestunden und entsprechende schulische maßnahmen verordnen kann.

Was nicht geht, ist, den lehrern zu sagen, sie sollen Inklusion machen und die ebfindlichkeiten von jedem beachten, ihnen aber gleichzeitig sagen, dass sie keinerlei weisungshoheit haben und gefälligst nur unterricht machen und ansonsten still sein sollen. Das tun wir aber im moment.


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10.03.2020 um 15:38
shionoro
schrieb:
Können wir so machen. ODER wir sehen ein, dass Eltern viele Dinge falsch machen und wir ihre Fehler in der Schule ausbügeln müssen.
frühkindliche Prägung kannst du in der Schule nur bedingt "ausbügeln"
shionoro
schrieb:
Was nicht geht, ist, den lehrern zu sagen, sie sollen Inklusion machen und die ebfindlichkeiten von jedem beachten, ihnen aber gleichzeitig sagen, dass sie keinerlei weisungshoheit haben und gefälligst nur unterricht machen und ansonsten still sein sollen. Das tun wir aber im moment.
warum tun "wir" das?

Ich würde dazu raten, den Befindlichkeiten und jedem quersitzendem Furz weniger Aufmerksamkeit zu widmen und gemeinsames Lernen in den Vordergrund zu stellen. (ich weiß, ein Konzept aus alten Zeiten ...)

Vor Jahren wurde von Lehrerkollegen bemängelt, dass Schule immer mehr zu einem "Wohlfühlort" statt einem Lehr- und Lernort verkommt. MeiAnforderungen teils massiv überfordert, jedes Kind einer 24-30 köpfigen KLasse individuell zu fördern und ihnen dabei gleichzeitig anstrengungsfreies "Wohlfühlen" zu ermöglichen .
Die Quadratur eines KrReises erschien manchen damals als die leichtere Aufgabe.

Haben wir vielleicht nach dem Lehr-und Lernort nun auch noch den "Wohlfühlort" verloren zu Gunsten "staatl geführter Reparaturbetriebe mangelnder elterlicher Erziehung und Fürsorge?

Ich hoffe nicht, denn die heutigen Kinder werden der Staat von morgen sein :)


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10.03.2020 um 15:46
Seidenraupe
schrieb:
frühkindliche Prägung kannst du in der Schule nur bedingt "ausbügeln"
Darum sollten wir auch möglichst im Kindergarten damit anfangen.
Ich finde Kindergartenpflicht ab 3 durchaus sinnvoll, dementsprechend.
Seidenraupe
schrieb:
warum tun "wir" das?

Ich würde dazu raten, den Befindlichkeiten und jedem quersitzendem Furz weniger Aufmerksamkeit zu widmen und gemeinsames Lernen in den Vordergrund zu stellen. (ich weiß, ein Konzept aus alten Zeiten ...)

Vor Jahren wurde von Lehrerkollegen bemängelt, dass Schule immer mehr zu einem "Wohlfühlort" statt einem Lehr- und Lernort verkommt. MeiAnforderungen teils massiv überfordert, jedes Kind einer 24-30 köpfigen KLasse individuell zu fördern und ihnen dabei gleichzeitig anstrengungsfreies "Wohlfühlen" zu ermöglichen .
Die Quadratur eines KrReises erschien manchen damals als die leichtere Aufgabe.

Haben wir vielleicht nach dem Lehr-und Lernort nun auch noch den "Wohlfühlort" verloren zu Gunsten "staatl geführter Reparaturbetriebe mangelnder elterlicher Erziehung und Fürsorge?

Ich hoffe nicht, denn die heutigen Kinder werden der Staat von morgen sein :)
Ich möchte, dass Kinder gemeinsam lernen. Nur machen sie das in der Schule nicht.

Ich halte mich da nicht an einzelnen Befindlichkeiten auf. Ich sehe es doch. Wir haben eine Inklusion, die unsere Schulen nicht leisten können, wir haben zugleich eine immer weiter wachsende Anzahl an Verhaltensauffälligen Kindern und an Heterogenität.
Wir haben zudem eine weitere Wissensexplosion, die eine standardisierte Lehre sinnloser macht und auf die Uni und Ausbildung bereitet wir unsere Jugendlichen nicht vernünftig vor.

Ich verstehe nicht, wie du sagen kannst, Kinder sind der Staat von morgen, aber dann die Kinder, die Verhaltensauffälligkeiten haben einfach fallen lassen willst (so vonwegen, ist frühkindlich, kann man nix dran machen).

Wie gesagt müssen wir uns entscheiden: Wenn der Lehrer nur der Typ ist, der Unterricht durchziehen soll, dann muss er folgerichtig auch die Kinder, die den Unterricht stören, aus diesem entfernen können. Damit meine ich nicht vor die Tür stellen, damit meine ich, dass der Lehrer wie bei erwachsenenbildung eben seine Stunde ab hält und die kinder gucken wo sie bleiben. Denn wie soll das gehen, dass ein Lehrer zwar nur Unterrichtsbefugnisse hat (und nicht erziehen soll), aber ständig der Leidtragende davon ist, dass in manchen Klassen ein hoher Anteil der Kinder stört oder gar nicht für den Unterricht befähigt ist?


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10.03.2020 um 15:59
shionoro
schrieb:
Ich verstehe nicht, wie du sagen kannst, Kinder sind der Staat von morgen, aber dann die Kinder, die Verhaltensauffälligkeiten haben einfach fallen lassen willst (so vonwegen, ist frühkindlich, kann man nix dran machen).
ich sage nicht, dass ich das will. und von meinem "Wollen" ist gar nichts abhängig.

Es ist ein entwicklungspsychologischer FAKT, dass frühkindliche Prägung lebensprägend ist.
mal was aus "meiner aktiven Zeit" (2006)
https://www.zeit.de/2006/29/B-Logik-Interview/komplettansicht
Wolfgang Schneider: Wir hätten nicht erwartet, dass so viel in der Entwicklung bereits sehr früh festgelegt ist. Wir haben die intellektuellen Fähigkeiten der Kinder ebenso untersucht wie ihr soziales Verhalten, haben die Feinmotorik geprüft und nach dem Moralverständnis gefragt. Und über fast alle Persönlichkeitsbereiche hinweg stellte sich heraus, dass die Unterschiede zwischen den Kindern, die wir mit 3 oder 4 Jahren gemessen haben, mit 23 Jahren immer noch weitgehend bestanden.
interessant fand ich diese Äußerung:
Schüchterne Kinder zum Beispiel, die wir zu Beginn kaum dazu bringen konnten, an der Studie teilzunehmen, verlieren ihre soziale Ängstlichkeit über die Jahre. Aber ansonsten tut sich zwischen 16 und 23 Jahren erstaunlich wenig. Wir dachten, da verändert sich mehr.
Der Weg ist vorgezeichnet .

ZEIT: Wo zum Beispiel?

Schneider: Etwa in der Moralentwicklung. Da unterscheidet man zwei Dinge: das Wissen um Regeln und die innere Motivation, nach ihnen zu handeln. Wann wissen Kinder also, dass man eine Schokolade nicht stehlen darf? Und wie lange sagen sie: Der Dieb fühlt sich aber dennoch gut? In den Lehrbüchern steht, dass beides – Regelwissen und Regelmotivation – gleichzeitig wächst. Die Annahme hat sich aber so nicht ganz bestätigt. Bei allen Kindern steigt zwar die Kenntnis über das, was erlaubt ist und was nicht. Auch wächst die moralische Motivation, die Normen nicht zu übertreten. Bei einer nicht kleinen Gruppe von Kindern entwickelt sie sich im Zeitraum zwischen 8 und 17 Jahren nicht weiter, sie sinkt sogar.
Regelwissen und Regelmotivation sind notwendig, für ein so komplexes gesellschaftl Kontrukt wie einen Staat .
In der Gesamtschau der Studie lautet die wichtigste Schlussfolgerung: Wir müssen die frühe Phase des Lebens sehr viel ernster nehmen. Die Jahre vor der Schule sind die prägendsten für die Entwicklung eines Menschen. Hier müssen wir Defizite erkennen, hier muss Förderung einsetzen. Geschieht das nicht, scheinen die Pfade des Lebens ziemlich vorbestimmt. Bei der Rechtschreibung zeigt sich das besonders.
Die Schule als Reparaturbetrieb für elterliches Versagen zu verstehen, funktioniert nicht, weil es dann schlicht für vieles schon zu spät ist.
wir haben für die Jugendlichen ein Diktat aus den sechziger Jahren genommen. Würde man das Rechtschreibniveau der Schüler von damals zum Maßstab nehmen, wären drei Viertel der heutigen Kinder Legastheniker. Wir führen das auf den Unterricht zurück, der heute auf Rechtschreibung weniger Wert legt.
Und das nachdem das schulische Lernen immer mehr reformiert, modernisiert , angepasst wurde.
Meinst du, dass hat sich (Stand damals zu heute) alles verbessert?


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10.03.2020 um 17:05
Seidenraupe
schrieb:
ich sage nicht, dass ich das will. und von meinem "Wollen" ist gar nichts abhängig.

Es ist ein entwicklungspsychologischer FAKT, dass frühkindliche Prägung lebensprägend ist.
mal was aus "meiner aktiven Zeit" (2006)
Es ist kein entwicklungspsychologischer Fakt, dass man an dieser Entwicklung nichts ändern kann, wenn man früh eingreift.
Seidenraupe
schrieb:
Die Schule als Reparaturbetrieb für elterliches Versagen zu verstehen, funktioniert nicht, weil es dann schlicht für vieles schon zu spät ist.
Mit drei Jahren ist noch überhaupt nichts zu spät. In deinem Link wird die annahme belegt, dass sich bei den meisten Kindern über die Jahre hinweg am moralverständnis wenig ändert. Das heißt aber nicht zwangsläufig, dass das so sein muss. Das kann auch heißen, dass wir schlichtweg nicht gut darin sind, einzugreifen.

Denn warum sollte sich denn das grundsätzliche moralverständnis ändern, wenn man weiter nur von den leuten erzogen wird, die es einem mitgegeben haben?

Dein Link spricht von einer 'nicht kleinen gruppe, wo das regelverständnis und der wille, regeln einzuhalten, sinkt'. Heißt, dass das nicht bei allen so ist (vom klang her auch nicht bei den meisten). Heißt, man könnte es wohl mit entsprechenden Eingriffen verhindern.
Seidenraupe
schrieb:
Und das nachdem das schulische Lernen immer mehr reformiert, modernisiert , angepasst wurde.
Meinst du, dass hat sich (Stand damals zu heute) alles verbessert?
Nein. Dieser ganze thread hier sollte doch eigentlich recht deutlich machen, dass ich nicht glaube, dass Schulen funktionieren. Ich glaube aber auch nicht, dass die Rückkehr zum Standard von 1960 etwas nutzen würde.
Es ist ein problem, dass wir uns das nicht eingestehen. Wir haben in vielerlei hinsicht ANGEBLICh hohe standards. Lies dir mal die PDF durch, wie Bildungsministerien beschreiben, was man in der schule macht.
Der Deutschunterricht leistet mit seinen Inhalten und Zielsetzungen einen wesentlichen Beitrag zum
Erwerb der grundlegenden Kenntnisse, Fähigkeiten und Werthaltungen, die den Schülerinnen und
Schülern gemäß dem Bildungs- und Erziehungsauftrag im Hessischen Schulgesetz zu vermitteln sind
(s. §§ 2 und 6 [4] HSchG).
Der Deutschunterricht trägt dazu bei, die Persönlichkeit der Schülerinnen und Schüler in Selbstbestimmung
und Selbstverantwortung zu entfalten und den gesellschaftlichen, politischen und beruflichen
Erfordernissen einer demokratischen Gesellschaft zu entsprechen. Das Fach Deutsch ist der bevorzugte,
aber nicht ausschließliche Ort für die sprachliche Aneignung der überlieferten Kultur und die Reflexion
der eigenen Lebenswelt.
Wesentliches Ziel des Deutschunterrichts ist die Erweiterung der Kommunikationsfähigkeit, nämlich
das Vermögen, Sprache in Wort und Schrift als Mittel der Darstellung und Mitteilung, als Medium und
Gegenstand der Erkenntnis zu gebrauchen.
Der Deutschunterricht soll neben der Vermittlung eines inhaltlich spezifischen, strukturierten und regelorientierten
Wissens befähigen,
• selbstständig zu lernen, zu arbeiten und über das eigene Lernen, Denken, Urteilen und Handeln zu
reflektieren,
• sich mit den jeweiligen Sachverhalten kritisch zu befassen, um sich eine eigenständige Meinung zu
bilden und sich mit den Auffassungen anderer unvoreingenommen auseinander zu setzen,
• Wahrnehmungs-, Empfindungs- und Ausdrucksfähigkeiten zu entwickeln.
Der Deutschunterricht soll geistige Beweglichkeit, Phantasie und Kreativität fördern und Konzentrationsfähigkeit,
Genauigkeit und Ausdauer als wesentliche Verhaltensweisen des Lernens und Arbeitens
stärken.
https://kultusministerium.hessen.de/schulsystem/bildungsstandards-kerncurricula-und-lehrplaene/lehrplaene/gymnasium-8

Sowas steht da ernsthaft drin. und dann guck dir den Deutschunterricht 8te Klasse an.
Wir denken uns da allerlei lustige sachen aus, die wir den kinderna ngeblich beibringen. Nicht nur auf der Schule.

Mein großes Problem mit unserem system (nicht nur dem schulsystem) ist die Ineffektivität obwohl man wohl viel besseres leisten können. Es machen nicht die eine arbeit, die das am besten können und experten sind. Wir erfinden einfach durch bildungsabschlüsse, dass irgendwer wegen irgendeiner klausur ien experte ist, ob diese klausur dafür ein sinnvoller standard ist oder nicht (grob gesagt, natürlich ist das mehr als eine klausur).

Und in der schule tun wir so, als könnte einer mathe, weil er gelernt hat, was man in den taschenrechner eingibt.
Oder gestehen uns nicht ein, dass kinder keine texte lesen können (das ist im übrigen viel wichtiger als rechtschreibung. Schüler verstehen texte und statistiken nicht).

Und das würde ich gerne ändern, aber ich glaube wirklich, dass man dafür die schulsystemfrage stellen muss. Weil die 60er vorbei sind und die MEthoden der 60er heute nicht sinnvoll oder machbar sind.


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01.07.2020 um 23:49
Hier ein recht interessantes Interview mit der Professorin für Sonderpädagogische Entwicklungsförderung Katja Koch. In diesem geht sie auf einige Schwachstellen des deutschen Bildungssystems ein, die laut ihr vor allem im Zuge der Coronakrise ziemlich deutlich wurden, insbesondere was das Abitur betrifft und liefert auch einige mögliche Lösungsansätze.
Brauchen wir das Deutschland-Abi?

Pädagogik-Professorin: "Das Abitur ist niveaulos und ungerecht - der reine Betrug"
Seit Jahren plädieren Wissenschaftler und Lehrer für eine Reform des deutschen Schulsystems. Doch nie erhielten sie die Aufmerksamkeit, die sie durch Corona derzeit bekommen. Bildungsforscherin Katja Koch erklärt im Gespräch mit FOCUS Online, was sich jetzt ändern muss.
https://www.focus.de/familie/eltern/familie-heute/brauchen-wir-das-abi-paedagogik-professorin-abitur-ist-niveaulos-und-u...


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26.07.2020 um 19:16
Ein guter und wichtiger Thread. Habe diesen Strang mit großem Interesse gelesen und wollte mal Shionoro loben, der hier seine Position gekonnt über viele Seiten hinweg und quasi im Alleingang gegen eine Übermacht verteidigt.

Ich habe neben meinem Studium ebenfalls jahrelang Nachhilfe gegeben, u.a. in Mathe. Habe sogar ne zeitlang überlegt, auf Lehramt umzusatteln, habe mich jedoch zum Glück anders entschieden und den M.A. gemacht.

Mittlerweile bin auch ich davon überzeugt, dass Schule fachlich (von der Bildung her) und beruflich (von der Qualifikation her) nichts bringt, wenn man mal die 3 R’s und Englisch weglässt. Dadurch, dass die Unis infolge des Bologna-Prozesses immer mehr verschult werden, lässt sich das Problem mittlerweile auch auf Unis übertragen. Ich glaube, die Coronakrise samt Distance-Learning an Schulen und Unis werden die Defizite sehr deutlich zeigen. Die Schüler und Studenten werden in Eigenregie übers Internet mit digitalen Medien lernen müssen – und erfahren, dass es auf eigene Faust, ohne Bevormundung einer Lehrkraft oft viel besser klappt.

Es gibt neben der fachlichen aber noch eine weitere, sehr negative Seite der Schule, welche in diesem Strang unter den Tisch gefallen ist: nämlich das soziale Klima, das Verhältnis der Schüler untereinander.

Hier herrschen oft Gruppenzwang, Ausgrenzung und Mobbing. Schülern ist es wichtig, unter ihresgleichen beliebt zu sein bzw. zu einer bestimmten Clique zu gehören, und dazu müssen sie möglichst „cool“ sein: die richtigen Klamotten tragen, die richtige Musik hören, die richtige „Attitude“ besitzen usw. Einzelne Schüler, die sich nicht an den Verhaltenskodex halten (wollen), werden jedoch schnell ausgegrenzt und fertiggemacht. Uns Erwachsenen, die aus der Schule raus sind, erscheinen die Kriterien der Gruppenzugehörigkeit oft albern und oberflächlich, weil sie nichts mit dem "echten Leben" zu tun haben.

Im Grunde gleicht die Schule einem (Halbtags-)Gefängnis, in welchem die Schüler die Häftlinge und die Lehrer die Wärter sind. Die Schüler gehen nur widerwillig zur Schule und erkennen keinen Sinn in dem, was sie dort tun sollen. Die Lehrer ziehen ihren Unterricht mehr oder weniger routiniert durch und passen auf, dass die Schüler nicht zu sehr aus der Reihe tanzen, überlassen sie sonst aber ihrem eigenen Schicksal. Die Schüler sollen nicht nur den Schulstoff lernen, sondern auch irgendwie mit den Mitschülern auskommen, mit denen sie täglich verkehren – selbst mit denen, die ihnen fremd und unsympathisch sind. Aus Langeweile und aufgrund fehlender Ausweichmöglichkeiten machen sie sich gegenseitig das Leben zur Hölle.

Ich möchte an dieser Stelle auf einen interessanten Essay von Paul Graham (Jg. 1964) hinweisen, nämlich "Why Nerds are Unpopular". Das meiste dessen, was Graham über amerikanische Highschools der 70er Jahre schreibt, lässt sich auch heute noch auf Schulen in Deutschland übertragen:
Public school teachers are in much the same position as prison wardens. Wardens' main concern is to keep the prisoners on the premises. They also need to keep them fed, and as far as possible prevent them from killing one another. Beyond that, they want to have as little to do with the prisoners as possible, so they leave them to create whatever social organization they want. From what I've read, the society that the prisoners create is warped, savage, and pervasive, and it is no fun to be at the bottom of it.

In outline, it was the same at the schools I went to. The most important thing was to stay on the premises. While there, the authorities fed you, prevented overt violence, and made some effort to teach you something. But beyond that they didn't want to have too much to do with the kids. Like prison wardens, the teachers mostly left us to ourselves. And, like prisoners, the culture we created was barbaric.
Anhand meiner eigenen Erfahrungen am Gymnasium (2000er Jahre) kann ich dieses merkwürdige Verhältnis zwischen Schulleistung und Beliebtheit bestätigen: Je besser die Noten eines Schülers waren, desto unbeliebter war er in der Regel bei seinen Mitschülern. Streber („Nerds“) galten als uncool, vor allem unter den Jungs. Die coolen Schüler machten nur das Allernötigste von dem, was die Lehrer von ihnen verlangte. Ihr Verhalten im Unterricht zielte darauf ab, sich bei den anderen Mitschülern beliebt zu machen, indem sie z.B. den Klassenclown spielen oder Streber mobben.

Mal davon abgesehen, dass der Schulstoff an sich bereits mehr oder weniger irrelevant ist, dürfen sich die Schüler also auf diesen ohnehin nicht konzentrieren, wenn sie beliebt sein wollen. Man hat als Schüler daher im Grunde nur die Wahl zwischen zwei Übeln: Streber oder Mitläufer sein. Als Streber ordnet man sich dem Lehrer und dem Unterrichtsstoff unter, wird dafür allerdings von den Mitschülern ausgegrenzt und gemobbt; als Mitläufer ordnet man sich den Mitschülern und deren Coolheitsregeln unter, wird dafür jedoch vom Lehrer getadelt und muss sich vorm Sitzenbleiben fürchten. Nach der Schule vergisst man jedoch den Schulstoff und sieht die Mitschüler oft nie wieder. Was bleibt, sind angelernte Verhaltensmuster wie Bulimielernen und das Prinzip „nach oben buckeln, nach unten treten“, welches das soziale Miteinander vergiftet: Stichwort Mobbing am Arbeitsplatz.

Die heutige Schule bildet die jungen Menschen nicht, sondern lässt sie im Gegenteil zu einer Horde von Halbaffen degenerieren, mit der man als außenstehender Erwachsener möglichst wenig zu tun haben möchte ("Lord of the flies"). Wir neigen dazu, über diese nichtsnutzigen faulen „Jugendlichen“ zu meckern, welche eines Tages unsere Renten sichern sollen, dabei können sie nichts für diese Vorwürfe: Eben diese Verhaltensweise haben sich die Jugendlichen in der Schule angeeignet, wo sie sinnlos ihre Jugendzeit absitzen müssen. In ihrer Not haben sie gelernt, sich mit möglichst geringem Aufwand durchzuschlängeln und jede Systemlücke auszunutzen. Viele können sich von diesem Verhaltensmuster später (in Ausbildung, Studium und Beruf) nicht mehr lösen.

Wie könnte die Lösung aussehen? Homeschooling ist eine mögliche Alternative, bei der zwar die Übel des Gruppenzwangs und Mobbings umgangen werden; fachlich (vom Schulstoff her) ist es jedoch immer noch derselbe Unsinn, mit welcher die Köpfe vollgestopft werden sollen. Der Homeschooler ist ja immer noch gezwungen, sich mit dem ganzen Standardprogramm (Physik, Bio und Chemie usw.) zu beschäftigen, selbst dann wenn er längst weiß, dass er da meiste für seinen Berufswunsch nicht benötigt und es nötigenfalls sowieso nachlernen könnte.

Deswegen – finde ich – sollten wir für Vorschläge wie Shionoros Jugendzentrum (JZ) offen sein. Wenn Schüler sich frei und selbstbestimmt beschäftigen dürfen, Entfaltungs- und Rückzugsmöglichkeiten haben, sich ihre Kameraden selbst wählen können, sich nicht in eine zusammengewürfelte Zwangsgemeinschaft wie die Schulklasse eingliedern müssen, dann werden wir in Zukunft womöglich wirklich gebildete, soziale und seelisch ausgeglichene Bürger haben. In diesem Zusammenhang empfehle ich auch, das Buch des Schulleiters und zehnfachen Familienvaters Oliver Hauschke („Schafft die Schule ab“) zu lesen, welches 2019 erschienen ist.

Die Coronakrise stellt eine echte Chance dar, unsere Schulen durch etwas Besseres zu ersetzen!


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Brauchen wir überhaupt noch Schulen?

26.07.2020 um 19:21
Also, es gibt schon Wissen, das sich nicht so einfach aufdrängt, und wo es sinnvoll ist, daß Schüler das lernen. Nur ist das kein Zeug, das in Schulen gelehrt wird. Insofern ist Zwang, sinnvoll angewandt, nicht immer komplett falsch.
Seidenraupe
schrieb am 10.03.2020:
Die Schule als Reparaturbetrieb für elterliches Versagen zu verstehen, funktioniert nicht, weil es dann schlicht für vieles schon zu spät ist.
Unterschätz nicht die Flexibilität des Gehirns. Aber es würde schon reichen, dafür zu sorgen, daß wenigstens die nächste Elterngeneration nicht genauso unbedarft ist, wie die letzte. Also etwas weniger Ableitungen, etwas mehr anwendbare Psychologie.


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26.07.2020 um 19:45
@Thaddeus

Was ist mit spaß an der Schule?

Nur wenn dies nicht alle hatten, hatten dies doch die meisten.
So kenne ich es aus erfahrung.

Bin auch mal gemobbt worden, würde aber auf die schule ungerne verzichtet haben. Weil vieles überwiegte.

Schulen ein bisschen strenger, und die jugendlichen haben wieder spaß an gesunder blödsinn.
Wenn viele aus rand und band sind, kann es auch kein spaß machen.

Muss schon wieder ordnung drin sein und gesunde strenge und entrüstung.

Bisschen drill was sport betrifft :-)


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26.07.2020 um 20:45
Seidenraupe
schrieb am 10.03.2020:
Bei einer nicht kleinen Gruppe von Kindern entwickelt sie sich im Zeitraum zwischen 8 und 17 Jahren nicht weiter, sie sinkt sogar.
Und diese kleine Gruppe stellt dann die Jugendlichen und Erwachsenen, die wir Kriminelle nennen. Bei Dieben, Dealern, etc, zB ist das Wissen um die Regeln sehr wohl vorhanden, aber (längst) nicht (mehr) die Regelmotivation.

Diese Menschen waren aber in denselben Schulen/Klassen wie ihre Mitschüler, aus denen gesetztestreue Bürger wurden. Ein deutlicher Hinweis darauf, dass Schulen kaum noch etwas am Charakter und den Moraleinstellungen ändern. Im Gegenteil, beides muss bereits bei Schuleintritt positiv sein, damit Schule weiteres Positives bewirken kann.


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26.07.2020 um 20:48
Und wie sehr Schulen da was ändern. Ich war mit 6 Jahren ein gesundes Kind, mit 16 hatte ich Dank 10 Jahren Mitschülerfolter keinerlei Selbstwertgefühl mehr. Nach zehn Jahren Folter war ich gebrochen.

Es ist ein Mythos, daß das Gehirn nach der Einschulung aufhört sich noch relevant zu ändern. Allerdings muß man auch sagen, daß Schulen keinerlei intelligenten Ansatz verfolgen, da irgendwas zu richten oder in gesunde Bahnen zu lenken. Die sind mit ihrem Kreuzw

Die Schule tut nix Relevantes in Punkto Charakterbildung. Dann passiert da auch nix. Zumindest nix Positives, weil das nunmal intelligenten Aufwand bedeutet. Kaputtgehen funktioniert auch so.

Natürlich ist es am besten, wenn ein Kind all die Liebe und Zuneigung bekommt, wenn es jung ist.


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26.07.2020 um 21:27
Thaddeus
schrieb:
Und wie sehr Schulen da was ändern. Ich war mit 6 Jahren ein gesundes Kind, mit 16 hatte ich Dank 10 Jahren Mitschülerfolter keinerlei Selbstwertgefühl mehr.
Das war aber nicht "die Schule", die das mit Dir machten, sondern die Mitschüler, die dort waren. Die bereits ziemlich böse sozialisiert waren. Nicht aber im Auftrag oder Absicht einer Schule. Sondern, weil sie diese Wesen von zu Hause aus mitbrachten.
Im Grunde bestätigst Du, was hier gesagt wurde: Die Schule kann die Charaktere dieser Menschen nicht mehr ändern, oder sagen wir, nicht mehr wesentlich. Je ausgeprägter Charaktere bereits sind, umso weniger geht es.
Der eine oder andere Lehrer kann auf den einen oder anderen Schüler einen prägenden Eindruck hinterlassen, aber mehr ist nicht.
Thaddeus
schrieb:
Die Schule tut nix Relevantes in Punkto Charakterbildung.
Wurde schon ausführlich erklärt, warum das auch so gut wie nicht möglich ist.
1. Zu viele Kinder pro Lehrer.
2. Die wichtigsten Lebensjahre zur Charakterbildung sind die ersten zwei bis vier. Was da eingegeben wurde, kriegst Du nur mehr mit massiver psychologsicher Therapie einigermaßen gerade.
3. Die Schule ist aber kein Therapieplatz. Es gibt zwar mittlerweile therapeutische Einzelbetreuung für massiv auffällige Schüler, aber zum Einen ist eine massive Auffälligkeit kaum noch zu korrigieren, und zum Anderen müssen die Eltern damit einverstanden sein.
4. Lehrer sind keine Therapeuten. Selbst, wenn sie es wären, so können sie nicht gleichzeitig 30 bis 35 Schüler therapieren und gleichzeitig unterrichten.
Thaddeus
schrieb:
Es ist ein Mythos, daß das Gehirn nach der Einschulung aufhört sich noch relevant zu ändern
Das sagt auch niemand. Allerdings ist der Charakter, das Regelverhalten bereits ziemlich fest gelegt. Änderungen können, dann aber entweder individuell liebevoll oder, und das wirkt auch bei Massen, mit sehr großem Druck (Sprich: Gewalt) erfolgen. Und selbst dann gibt es Individuen, die Du nicht mehr verändern kannst oder die nur so tun, und das neu Erlernte bei der nächsten Gelegenheit wieder ablegen.
Thaddeus
schrieb:
Dann passiert da auch nix.
Und welche positiv-konstruktiven Maßnahmen fallen Dir ein, um etwas, vor allem, in welche Richtung, zu verändern?
Intelligente Vorschläge bitte, versteht sich, das ja alle Lehrer blöde sind und noch nie über die Problematik nach gedacht hätte.


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26.07.2020 um 22:07
In den Versuch, ein Schulsystem von innen nach außen zu verändern, würde ich Energie reinstecken, Hier im Forum mit viel Aufwand vielleicht, aber sehr wahrscheinlich nicht, irgendeine Meinung zu ändern, deren Einfluß gegen null geht, das ergibt keinen Sinn. Daß ich dabei versage, die Griffel still zu halten, ist eh ein schlechtes Zeichen.

Das Thema ist mir halt nicht egal, weil die stumpfsinnige Gleichgültigkeit von Schulen ein Thema ist, das Millionen Menschen kleiner macht.

Lehrer sind nicht blöde, aber wie die allermeisten Menschen machen sie, was andere machen (Social proof) und gehen in der Masse den Weg des geringsten Widerstands.

10 Jahre eines Lebens Vollzeit mit Gewalt zu beanspruchen, das IST massiv. Die Basis dafür wäre also schon mal da. Das ist mehr Zeit als alle Therapien.

Ich bin kein Freund von Definitionen. Die Schule ist kein Therapieplatz? Scheiß drauf. Die Schule nimmt unzählige Stunden Einfluß auf den Schüler. Ergibt dieser Einfluß Sinn und ist der Schüler danach freier und glücklicher als vorher, kann mans grad genausogut Therapie nennen. Macht nur keiner. Weil man Mengenlehre lernen muß und nicht, wie man einander hilft.

Und die Schule schafft den Rahmen dafür, daß Kinder andere Kinder wie Dreck behandeln können. Und die Gleichgültigkeit der Schule, wenn man als Kind jahrelang vor den Augen der Lehrer leidet, dafür KANN die Schule was. Wenn ein Kind KEINEN Ansprechpartner hat, dafür kann die Schule was. Weil es nur die zwei Adressen gibt im Leben mancher Kinder: Eltern und Lehrer.

Wenn die Noten eines klugen Kindes langsam komplett in den Keller gehen und keinen kümmerts, und die Schule schert sich nur drum, OB wer was lernt, nicht, DASS er was lernt, ja dann können die Erwachsenen was dafür. Für vorgelebte Gleichgültigkeit und geduldete Grausamkeit ohne Ausgleich kann die Schule was. Und sei's nur, daß sie einem Kind in Deutschland diese Umgebung aufzwingt.

Hörtips:
Faust in der Hand, Reinhard Mey
Zeugnistag, Reinhard Mey
Der Büffel, Hannes Wader

Gucktip: Do schools destroy creativity, Ken Robinson. Komisch, Kaputtmachen scheint auch später noch zu gehen. Dafür reichts.

So und jetzt lasse ich Dich mit all den "geht nicht"s in Frieden. Dann von mir aus. Dann geht halt nichts. Hier drin verändern wir eh nix.


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27.07.2020 um 01:01
Thaddeus
schrieb:
Und die Schule schafft den Rahmen dafür, daß Kinder andere Kinder wie Dreck behandeln können. Und die Gleichgültigkeit der Schule, wenn man als Kind jahrelang vor den Augen der Lehrer leidet, dafür KANN die Schule was. Wenn ein Kind KEINEN Ansprechpartner hat, dafür kann die Schule was. Weil es nur die zwei Adressen gibt im Leben mancher Kinder: Eltern und Lehrer.
"Die"Schule schon mal gar nicht.
Ohne Zweifel gibt es Schulen mit empathischen , engagierten Lehrern und Schulen, wo alle nur Dienst nach Vorschrift machen und sich kein Bein ausreißen.
Warum du trotz Mobbings 10 Jahre an ein und der selben Schule verbleiben musstest, geht mich nichts an.
Wenn ich sowas wie von dir lese, frage ich mich zuallerst: Wo waren die Eltern, die bemerken mussten, dass es dem Kind nicht gut geht?
"Die" Schule hat zwar einen Erziehungsauftrag, aber erziehungsberechtigt im Sinne der elterlichen Verantwortung ist sie nicht, dass sind und bleiben nun mal die Eltern (in erster Linie).
Die erste Adresse für ALLE Probleme eines Kindes sind daher auch, wer hätte es gedacht, die Eltern.
Eltern sind für Erziehung zuständig
Eltern sind für Kleidung, Nahrung, Trinken, Schulmaterialen aber auch Pünktlichkeit, Fleiß, Lernbereitschaft, Selbstständigkeit, halt da ganze soziales Verhalten, Arbeitshaltung etc ihrer Kinder verantwortlich bzw in der Verantwortung, darauf positiv einzuwirken und die Fähigkeiten des Kindes zu fördern.
Zu Beginn der ersten Klasse sollten Kinder schulreif sein, sprich:
den Schulweg allein bewältigen können
die Lösung vom Elternhaus muss möglich sein (Eltern können nicht neben dem Kind sitzen und ihm alles abnehmen)
das Kind muss allein zur Toilette gehen und sich an und auskleiden können
das Kind muss genug Konzentrationsfähigkeit mitbringen, um dem Schulunterricht folgen zu können
das Kind muss genug soziale Reife mitbringen, um in einem Kollektiv positiv agieren zu können - im Sinne von sich einfügen und sich einbringen. Aber auch im Sinne von Konflikte lösen, Freundschaften schließen, Frustrationstoleranz besitzen und wenn nötig, sich zur Wehr setzen können (kein Fausrecht)

und dann guck mal in ne erste Klasse deiner Wahl, wieviele Kinder diese Schulreife mitbringen......


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Brauchen wir überhaupt noch Schulen?

27.07.2020 um 14:41
Jetzt hatte ich allen Ernstes schon wieder eine lange Antwort geschrieben. Laßt mich mal raus. ich hab in allem Unrecht und meine Ruh. Es nützt sehr wahrscheinlich keinem einzigen Kind was, wenn wir hier monatelang folgenlos aufeinander eindiskutieren.

Beim Thema Schule wird mir die Selbstbefriedigung in Rekordzeit zuwider. Zu ernstes Thema. Ende von mir, bitte nicht mehr adden, macht es leichter für mich, das Maul zu halten.


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