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Entwickelt sich Deutschland negativ als Wirtschaftsstandort?

146 Beiträge, Schlüsselwörter: Politik, Wirtschaft, Stadtentwicklung

Entwickelt sich Deutschland negativ als Wirtschaftsstandort?

12.04.2019 um 17:46
Das "Modell Deutschland" war eben bestens für die Hochzeit der Industrie (1950 - 1980) geeignet. Die vierte industrielle Revolution (nach Dampfmaschine, Eisenbahn und Autoindustrie), die IT-Technologie ab 1980, hat Deutschland völlig verschlafen. Gab mal ein paar Siemens-Nixdorf Computer in den frühen 1980ern, danach hat Deutschland aufgeben, komplett. Ist einfach bei Autos und Maschinenbau stehengeblieben, so als hätte sich die Welt nicht 40 jahre lang weiter gedreht. Das ist nicht mehr aufzuholen. Da kann sich Deutschland allenfalls vielleicht an der "Industrie 4.0" versuchen, aber allein schon die Einstellung gegenüber der E-Mobilität lässt mich Schlimmstes befürchten. Deutschland scheint sich als Mitspieler auf dem Markt gegenüber China, USA, Japan und Südkorea verabschiedet zu haben. Selbst in 10 Jahren haben wir wohl noch eins der schlechtesten Mobilfunknetze der Welt und Internet aus dem Kupferdraht der Telekrumm.


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12.04.2019 um 20:03
Realo schrieb:Patente verrotten ungebraucht auf dem Patentamt und wenn die Frist abgelaufen ist
gelten noch die 99 Jahre? Wenn... dann erleben die meisten das von uns wohl nicht mehr.. :)


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12.04.2019 um 20:07
Realo schrieb:Gab mal ein paar Siemens-Nixdorf Computer in den frühen 1980ern,
und auch Siemens Handy´s. Das Handynetz von Mannesmann D2 wurde ja dann aufgekauft.
Man hat es in der Tat auf Jahrzehnte versäumt, Zukunftstechnologien auszubauen und sich für die Globalisierung gut aufzustellen.
Naja..... Made in Germany gilt noch als Qualitätsmerkmal. Obwohl es nur eines Gummiüberzugs für eine in China gefertigte Zange
braucht, um das Label MIG zu verwenden.

Wir sind alle Opfer der "Geiz ist Geil" Mentalität, die in den 90ern/2000endern etabliert wurde.
Schwarze Null hier, Billigtextilladen da und dazu eine Flut an Baumärkten die alles angeboten haben, vorwiegend nicht in D produziert.
Von Schwarzarbeiten mal ganz zu schweigen. :)


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13.04.2019 um 02:11
Realo schrieb:Internet aus dem Kupferdraht der Telekrumm
So ist es. Und das ist das Problem, und das Problem hat mit der deutschen Mentalität zu tun. Ich erinnere mich noch gut an die Diskussionen um Schwarz-Schillings Kupfermanie. Aber wo denn das Problem sei, wurde gefragt. Die Bundespost ist doch Staatsmonopolunternehmen. Wozu soll sie auf Glasfaserkabel setzen, wenn der Kunde doch auch mit Kupfer zufrieden sein - muss. Weill es keine Konkurrenz gab.

Der Staat als Garant des immer weiter wie bisher.

Einige Jahre später hatte ich einen Mandanten, der bei einer deutsche Firma beschäftigt war, die in den USA investieren wollte. Sie wollte den Amerikanern die Dieseltechnik bringen, Heil und Segen, damit bald wie in Merkelland überall Diesel herumschnurren. Man investierte und verkündigte stolz, dass die Regierung eines Bundesstaates nun dabei sei, genau die deutschen Normen festzulegen, welche diese Firma ja gewohnt war. Herrlich. Grosse Pläne wurden gemacht. Man werde den amerikanischen Markt beherrschen.

Nur: die Amerikaner wollten von Diesel gar nichts mehr wissen. Hybrid-Autos wurden der grosse Renner, aber die hatten alle japanische labels. Und dann kam Tesla. Und der Abgasskandal. Die Firma wickelt gerade ihre Präsenz hier ab.

Ja, wie denn? Man hatte sich doch so darauf verlassen, dass auch in Amerika der Staat den Diesel pushen würde.

Deutsche verlassen sich am Ende immer auf den Staat. Nur in Deutschland nennt man die Regierungschefin Mutti und den Staat Vati.

In anderen Ländern, um im Bild zu bleiben, werden die Kinder irgendwann erwachsen und sagen zu Mutti und Vati: Ihr seid gut zu uns gewesen, aber wir machen jetzt mal alles anders als ihr.

Nicht in Deutschland. In Deutschland sagt Mutti Merkel: solange du deine Beine unter meinen Tisch stellst, machst du was ich sage.


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13.04.2019 um 10:22
Rick_Blaine schrieb:Deutsche verlassen sich am Ende immer auf den Staat. Nur in Deutschland nennt man die Regierungschefin Mutti und den Staat Vati.
Ja, das ist das Problem. Aber wie ich schon schrieb, das ist historisch begründet. Deutschland verstand sich schon immer - mental, nicht politisch - als Brücke zwischen West und Ost (und Ost meint hier Eurasien), daher auch Preußen, daher auch russische Einflüsse, daher auch der verhängnisvolle "Drang nach Osten", "Ostkolonialismus", "Generalplan Ost" und der "Ostkrieg" 1941-1945. Auch als Nato-Mitglied gehört Deutschland zwar voll zum Westen, ist aber keine rein westliche Demokratie so wie England, Franreich, USA. Man besichtige die Länder der einstigen DDR und deren Mentalität.

Dazu gehört auch, dass die Deutschen immer noch ein wenig obrigkeitsstaatlich denken ("Der Staat solls richten"). Bis zur Kulturrevolution 1968 wurde noch nach Befehl und Gehorsam erzogen und unterrichtet. Es braucht eben, wie schon gesagt, keine Jahrzehnte, sondern Jahrhunderte, damit sich eine Mentalität gründlich ändert, weil sie über die Erziehungsschiene läuft und die Erziehung im Elternhaus daher stets den wissenschaftlichen, in diesem Fall pädagogischen, Erkenntnissen hinterherhinkt.

"Vater Staat" ist eine Einstellung dem Staat gegenüber, wie sie nahezu identisch auch in Russland anzutreffen ist, aber auch in China, also abgesehen von westeuropa auf dem ganzen Kontinent bis zum Pazifik. Daherr sind diese Länder in ihrer Demokratie auch immer instabil. Auch das stellt man ziemlich stark in Ostdeutschland fest. Eine instabile Demokratie zeichnet sich auch durch 2 Phänomene aus: Bei schlechter Wirtschaftslage, Rezession, werden die Stimmen lauter, die eine völlig andere Politik verlangten. Das machte sich aber auch in der Flüchtlingspolitik bemerkbar. Und das andere Problem ist, dass hier häuufig Demokratie mit Durchsetzung der Mehrheitsmeinung gegenüber der Minderheitsmeinung verstanden wird und viele nicht verstehen, warum auf die Minderheit Rücksicht genommen wird. Demokratie wird also von vielen als Demokratur missverstanden. Immerhin haben wir eine repräsentative und keine direkte Demokratie, daher auch ihre bisherige lange Lebensdauer.

"Mutti" Merkel... naja, teils ein Kosename, teils zähneknirschende Unterordnung unter die "Machthaberin". Man kann aber auch schlecht "Schwester" zu ihr sagen. :D

Aber dass Deutschland technologisch hinterherhinkt, hat nicht nur mit der Mentalität zu tun sondern mit dem Dschungel von Verordnungen, den ein Selbständiger kennen und integrieren muss, um nicht von vornherein Schiffbruch zu erleiden. Aber eben auch damit, dass man hier keine zweite Chance erhält, wenn der erste Versuch daneben geht. Du kriegst dann von keiner Bank mehr einen Kredit und bist fürs erste - und viele für den Rest ihres Lebens - Hartz 4 Empfänger. "Väterchen Staat" sorgt dann wieder für dich.

Und wenn wir die deutsche Mentalität kennen, wissen wir auch, dass es bei uns auch in 100 Jahren noch Beamten geben wird. Beamten sind der Stand, der bei uns die eigentliche Macht hält und exekutiert.

Andererseits kann man auch durch wenig eigene Innovationen als Gesellschaft gut leben - wenn eben das Gute übernommen und verbessert wird. damit sind wir bisher auch ganz gut gefahren. Allerdings wenn man einen wirtschaftlichen Großtrend total verschläft und auch heute noch glaubt, mit Kuperkabeln auskommen zu können, dann ist das etwa so, als hätte sich Deutschland bis heute geweigert Autos zu bauen und stattdessen weiterhin auf Pferdekutschen gesetzt ("Die brauchen auch keinen Sprit und sind umweltfreundlich").

Einher mit dieser Innovationsresistenz geht dann auch die Schadenfreude, wenn Pioniere einer neuen Technologie anderswo pleite gehen oder Probleme kriegen, dann heißt es sofort: "Haben wir doch immer schon gesagt, dass das nix wird." Die Schadenfreude an den Problemen, die Tesla gerade hat, ist bei uns unüberhörbar.


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13.04.2019 um 10:38
@Realo
Dem stimme ich komplett zu. Eines ist sehr typisch dafür:
Realo schrieb:Aber eben auch damit, dass man hier keine zweite Chance erhält, wenn der erste Versuch daneben geht.
Das war zu meiner Zeit ein ganz entscheidender und einschneidender Faktor: der deutsche Vati Staat ist ja so gut, und ich meine das ernsthaft, dass er uns z.B. ein nahezu kostenloses Hochschulstudium ermöglicht. Aber wehe dir, wenn du danach feststellst, nun, das war nicht das richtige, ich möchte was anderes studieren.

Dann sagt Vati: Nee, mein Junge, noch mal geht nicht. Jeder bekommt eine Chance. Ich zahle doch nicht zwei oder dreimal... Und so blieb so mancher in einem Fach und dann in einem Beruf, in dem er sich gar nicht wohlfühlte.

Und diese "es gibt nur eine Chance" Einstellung ist in der ganzen Gesellschaft verbreitet. Nach der Lehre hat man in den Beruf zu gehen, den man sich mit 16 Jahren ausgesucht hat, als man noch keine Ahnung von der richtigen Welt hatte. Und da hat man zu bleiben.

Und so weiter.

Ich habe studiert, bin Beamter im höheren Dienst geworden (LOL) und meine Familie, Freunde, Bekannten, alle, sind aus allen Wolken gefallen, wie ich nach 10 Jahren gesagt habe: nee, ich mach mal was anderes. Ich gehe in ein anderes Land, studiere da noch mal, mache mich dann selbstständig.

Man hat mich angeschaut wie einen Marsmenschen. Ich weiss noch, bei der Verbeamtung sprach eine Ministerialdirektorin ganz offen: Sie haben jetzt ausgesorgt. Sie sind pensionsberechtigt, sie haben ihre Bestimmung. Sie meinte das ganz ernst.

Diese einmal in Beton gegossene Karriere, sie ist doch auch heute noch das Regelziel aller deutschen Ausbildung, Bildung, Erziehung und so weiter. Da kann auch das Bachelor/Master Gebilde und sonstige Reformen nicht drüber hinwegtäuschen.

In den USA habe ich dann noch einmal studiert und promoviert, und siehe da, hier findet das jeder ganz normal, dass man sich in der Mitte des Lebens noch mal neu orientiert. Nicht alle tun das, freilich, aber es werden keinem Hindernisse in den Weg gelegt. Studenten die 30 oder gar 40 Jahre alt sind, sind hier keine Seltenheit.

Ich habe viele Lehrer und andere Akademiker getroffen, viele unter ihnen Deutsche, die hier etwas ganz anderes gemacht haben als was sie vorher gemacht haben, sich selbstständig gemacht haben usw.

Diese Flexibilität der Gesellschaft hat mich immer beeindruckt.

Mehr Risikobereitschaft. Mehr Chancen. Das hat Auswirkungen auf die Wirtschaftskraft einer Gesellschaft.

Deshalb bleibe ich dabei, um wieder zum Ausgangsthema zu kommen: die Höhe der Steuern und Abgaben ist gar nicht der entscheidende Grund, warum viele Akademiker und Leistungsträger aus Deutschland weggehen.


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13.04.2019 um 15:34
Rick_Blaine schrieb:Ich habe studiert, bin Beamter im höheren Dienst geworden (LOL) und meine Familie, Freunde, Bekannten, alle, sind aus allen Wolken gefallen, wie ich nach 10 Jahren gesagt habe: nee, ich mach mal was anderes. Ich gehe in ein anderes Land, studiere da noch mal, mache mich dann selbstständig.

Man hat mich angeschaut wie einen Marsmenschen. Ich weiss noch, bei der Verbeamtung sprach eine Ministerialdirektorin ganz offen: Sie haben jetzt ausgesorgt. Sie sind pensionsberechtigt, sie haben ihre Bestimmung. Sie meinte das ganz ernst.
Eben das ist ein Mentalitätsproblem! Ich werde oft angesprochen, warum kannst du nicht mal richtig Deutsch schreiben:-) Die Deutsche sind halt besser als Du, die beherrschen die Sprache, Du, tja... Ich bin keine waschechte Schweizerin!!! Egal, aber kann damit leben, wenn mir Deutsche was unterstellen wollen, aber echt, ist das euer Problem oder gar ist das für euch gewinnbringend? Zählt für euch nur die Bildung, sprich nur Beamte und der Staat ist was?
Für mich klares Nein, weil die Wirtschaft liefert dem Staat das Geld, da möchte ich noch mitmischen, weil es auch mich angeht, ganz einfach, Diäten erhöhen ohne Leistung ist für mich unbefriedigend!


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