Zz-Jones schrieb:Und warum tust du dann so, als wolle China Extrazölle umgehen, obwohl solche gar nicht existieren?
Wenn du von "immer wieder in der Presse" sprichst, dann hast du also wider besseren Wissens einen Uralt-Beleg erbracht, um den Eindruck zu erwecken, diese Zölle würden weiter bestehen.
Jetzt widerspricht du dir gerade massiv. Denn zuvor hattest du noch behaupten wollen, dass die EU China zur Einhaltung der regelbasierten Ordnung zwingen kann. Jetzt erfahren wir von dir am Bespiel der solar panels, dass dies doch nicht geht. Dann während zahlreiche Länder wegen der anhaltenden Wettbewerbesverzerrungen und Subventionen an den Strafzöllen festhalten, hat die EU den Versuch aufgegeben, in diesem Fall die regelbasierte Ordnung zu verteidigen zu versuchen. Der Grund dafür ist, dass die EU den Ausbau der Erneuerbaren priorisiert. Das ist für China ein mächtiges Werkzeug, um die Ordnung der EU möglichst noch in weiteren Bereichen zu zerlegen. Dafür bracht China aber alle Optionen, und eine besondere Rolle spielen die Schwarzmeerhäfen.
Zz-Jones schrieb:Aha.
Und wieso fährt das chinesische Schiff dort nicht direkt hin?
Was soll dein Moskau/Schwarzmeer-Hub an dieser Stelle jetzt an Vorteile gebracht haben?
Bislang sehe ich nur einen unnötigen Weg, Zeitverschwendung und extra Kosten.
Die Frage hat jetzt einen megalangen Bart. Wenn Extrazölle z.B. durch transshipment umgangen werden sollen, dann ist der Zwischenstopp in einem Drittland unvermeidbar - und näher als bis an die Schwarzmeerhäfen wird China derzeit nicht kommen. Wenn die moderat steigenden Zusatzkosten für den Transport die Extrazölle nicht aufwiegen, ist dies profitabel (also wahrscheinlich immer).
Aber du erkennst richtig den Kern, warum (auch
@schluesselbund) in einem ungünstigen Szenario die Partnerschaft China / Russland zu einer militärischen Bedrohung des Baltikums bzw. der Ostsee führt. Damit wären China / Russland noch zentraler in Europa positioniert.
Zz-Jones schrieb:Übrigens, wie passt in deinen Plan eigentlich die Tatsache, dass China nach wie vor der größte Handelspartner der Ukraine ist?
Und das rein anhand der offiziellen Zahlen, also direkter Handel.
Daneben gibt es natürlich aber auch noch den durch China geduldeten Handel über Drittländer.
Weißt du, dass z.B. 97% der ukrainischen Drohnen aus chinesischen Bauteilen bestehen?
Ist es nicht eigentlich eher so, dass China zweigleisig fährt?
Hatten wir auch schon mehrfach. Völkerrechtlich wird die Ukraine unprovoziert von Russland angegriffen, hat daher ein Recht auf Selbstverteidigung, und Drittstaaten dürfen Waffen liefern, die EU tut dies for free. Anders als bei Russland gibt es null Sanktionen für dual use-Güter.
Für die 97% hätte ich aber trotzdem mal gerne eine Quelle, da es sich um eine genaue Zahl handelt.
Klar, China will möglichst viel verkaufen, tut dies, indem es die regelbasierte Ordnung unterläuft und so die Preise senkt. Daher wird z.B. auch in der Ukraine viel aus China gekauft.
Zz-Jones schrieb:Und, müsste bei deinem Szenario China dann nicht in den Erhalt des russischen Schienensystems investerieren, jetzt, wo Russland die Mittel dafür so drastisch kürzen musste?
Warum geschieht dies nicht?
China schaut dem Kannibalismus, um das nötigste am Laufen zu halten, einfach tatenlos zu (oder investiert in andere Projekte), um später was daraus zu machen?
Ebenso könnte es bei deiner These ja nicht in Chinas Interesse sein, dass die Hafenanlagen am Schwarzen Meer so dermaßen beschädigt werden.
Wieviel Milliarden soll China dort dann später denn investieren müssen?
Was ist, wenn die Ukraine da kein Bock drauf hat, und ein paar See-Minen legt?
Oder, machen wir es noch harmloser: Wie entwickeln sich wohl die Versicherungspreise, wenn es Gerüchte über Minen im Schwarzen Meer gibt?
Du müsstest dein Geschichtchen wohl eher als Fantasy-Roman schreiben, am besten noch aus dem Blickwinkel des weltweit einzigen unpragmatischen Chinesen, welcher sich zu seinem Pech in diese Idee verrannt hat.
Xi kannst du dafür nicht nehmen.
Wenn ich mich recht erinnere, war die letzte Vereinbarung der chinesischen Investitionen in die russische Infrakstruktur bei 200 Mrd US-Dollar (wurde erst lange nach Kriegsbeginn verereinbart). Das ist also belastbar, nicht der Unsinn, den dur dir jetzt wieder aus den Fingern saugst.
Was die militärische Verteidung russischer Handelsinteressen im Schwarzen Meer angeht, so erklärt diese doch perfekt den konkreten Ablauf: zuerst Krim-Annexion mit dem Militärhafen Sewastopol -> erst die militärische Präsenz auf dem Schwarzen Meer sichern, dann neue Handelsrouten durch Annexion etablieren.