@Fedaykin Da die Polarroute herausfordernde Bedingungen hat, sind Landgänge bzw. die Möglichkeit dazu wichtiger. Aber egal, es geht erstmal darum, dass die Fracht irgendwo ankommen muss (in einem Hafen).
Wenn man EU-Häfen wie in Schweden dabei vermeiden will, bleibt nur Russland. Der konkrete Vorteil ist, dass Russland natürlich zu den Ländern gehört, die die rules of origin gezielt umgehen, gerade aktuell um Sanktionen zu umgehen und den Krieg finanzieren zu können.
Von den russischen Häfen gibt es dann mehrere Möglichkeiten. Die Produkte können über den Landweg weiter nach Europa. Vorteil ist, dass auf dem Landweg Waren wesentlich besser in die EU geschmuggelt werden können, z.B. über Belarus.
Oder über die "neue" Direktverbindung in der von Russland annektierten Ostukraine erstmal weiter in die Türkei.
Die Türkei spielt eine Schlüsselrolle, um z.B. Dual use Güter zu verschleiern:
https://defence-network.com/ueber-die-tuerkei-export-trotz-sanktionen/Die Türkei umgeht auch rules of origins oder stellt gefälschte Zertifkate aus:
Es sei festgestellt worden, dass Drittlandswaren der o.g. Zolltarifpositionen durch eine sog. Umgehungseinfuhr über das Zollgebiet der EU in die Türkei gelangen. Auf diese Weise würden Importeure Zusatzzölle, Antidumpingzölle und Schutzzölle umgehen, die normalerweise für diese Waren beim direkten Import aus bestimmten Drittländern anfallen.
Quelle:
https://www.zollkanzlei.de/de/aktuelles/tuerkei-ursprungs-nachweispflicht-innerhalb-der-zollunion/Die Türkei ist in der Zollunion der EU, aber nicht im Gemeinsamen Markt! Das heißt, Waren, die es unter Verschleierung der Herkunft bis in die Türkei schaffen können von dort weiter in die EU - und man hat entweder Sanktionen umgangen oder Kosten gespart, da die rules of origin zu den wichtigen nicht-tarifären Handelshemmnissen zählen, und genau hier möchte China sparen und billiger verkaufen.
Die Ukraine fiele dabei als Partner Chinas aus - wegen des Assoziierungsbeikommens mit der EU und dem möglichen künftigen EU-Beitritt.
Was hat das mit der regelbasierten Ordnung zu tun? Ist doch klar, wo diese gilt, können z.B. keine rules of origin, sanktionierte Waren, dual use-Waren verschleiert usw. werden. Somit kann China auf ein Handelsnetzwerk zurückgreifen, in dem die nicht-tarifären Handelshemmnisse praktisch entfallen, und nur noch die WTO-MFN-Konditionen beim Import in die EU bleiben (an denen China ohnehin nichts machen kann, da noch nie ernsthaft ein Handelsabkommen mit der EU im Raum stand). Selbst diese können durch Schmuggel auf dem Landweg umgangen werden.
Russland umgeht natürlich ebenso die rules of origin, um Sanktionen zu umgehen. (ich glaube, das brauche ich nicht zu belegen :-) )
Was ist jetzt der Vorteil für Russland? Das ist doch völlig klar. Abgesehen davon, dass Russland von seiner Rolle als künftiger trading hub profitiert, ist es auf starke Partner wie China angewiesen, um die Sanktionen wegen seiner Kriegführung zu umgehen. Wenn China und Russland gemeinsam ein Handelsnetzwerk aufziehen, in dem von Brest bis Shanghai rules of origin verschleiert und gefälscht werden, da die regelbasierte Ordnung nicht gilt (und die Anrainerstaaten z.B. in Zentralasien natürlich mitziehen), profitiert es nicht nur von reduzierten nicht-tarifären Handelshemmnissen, sondern wird überhaupt in die Lage versetzt, seine Rohstoffe abzusetzen - und diese gelangen wieder in die EU - ganz ohne dass sich die Herkunft nachvollziehen ließe. Was den Preis für die russischen Rohstoffe wiederum steigen lässt.