@Pan_narransDie Versuche, mit denen die Menschheit versucht, eine Kommunikation mit Außerirdischen herzustellen, erscheinen von vornherein nicht besonders vielversprechend. Die NASA hat in ihrer ersten Voyager-Sonde unter anderem eine Schallplatte mit typischen irdischen Stimmen, Musikstücken und Geräuschen hinterlegt. Aber wer soll die kleine Sonde finden, und wie soll eine ferne Zivilisation die Informationen entziffern, wenn sie nicht über passende Abspielgeräte verfügt? Auch unsere Methode, Radiobotschaften ins All zu schicken bzw. auf entsprechende Nachrichten aus dem All zu lauschen, bringt nicht viel: Der Sender müsste ganz gezielt einen bestimmten Planeten anpeilen, und die Stärke von Radiowellen nimmt mit dem Quadrat der Entfernung ab – also sehr schnell. Ebenso wenig Erfolg verspricht die Idee des Sciencefiction-Schriftstellers Ar-thur C. Clarke: Irgendwo auf der Erde sollte ein großer künstlicher Monolith mit eingeschriebenen Informationen über die Menschheit errichtet werden – in der Hoffnung, Aliens würden ihn eines fernen Tages finden (in dem Film »2001« das zentrale Thema). Praktikabel ist das kaum, denn die Erde ist so aktiv, dass alles auf ihrer Oberfläche irgendwann einmal verwittert oder im Erd- oder Meeresboden versinkt. Dazu kommt noch die Schwierigkeit, ob ein solches Artefakt – von der Erosion völlig deformiert – überhaupt noch als das Produkt einer intelligenten Zivilisation zu identifizieren wäre. Von der Schrift ganz zu schweigen.
Nein, dachte sich Davies. Wenn Außerirdische uns etwas sagen wollen, dann muss die Information erstens als »Sprache« zu erkennen sein, und zweitens müsste ihre »Haltbarkeit« im Idealfall unbegrenzt sein. Beides wird von der DNS ermöglicht – und vor allem von der Müll-DNS. Sie ist einer natürlichen Sprache vergleichbar, und sie hat sich über Hunderte von Jahrmillionen nicht verändert. Demzufolge macht es laut Davies Sinn, in unserem Zellschrott nach Botschaften von Aliens zu fahnden und alles zu versuchen, ihren Code zu knacken.
Ideen für die Entzifferung liefert Davies gleich mit. Man könnte die vier Buchstaben des genetischen Codes, also die vier Basenpaare, in Zahlen übersetzen (etwa durch einfaches Durchnummerieren). Die Wörter, die die DNS aus den kombinierten Buchstaben bildet, wären dann bestimmte Zahlenfolgen. Diese müsste man daraufhin untersuchen, ob und wo sich darin Strukturen bilden. Zum Beispiel könnte sich herausstellen, dass eine bestimmte Abfolge von Primzahlen auftaucht: Sie wäre möglicherweise ein Hinweis auf eine verborgene Botschaft. Oder man übersetzt die vier Buchstaben des Gen-Codes statt in Zahlen in Farben: Dann könnte sich bei der Darstellung auf dem Computerbildschirm ein Muster ergeben – beispielsweise ein Kreis. Hier würde es sich lohnen, weiterzusuchen – denn vielleicht hat E. T. tatsächlich seinen Fingerabdruck in der Erbsubstanz hinterlassen.
Eine andere Methode, seinen Code zu knacken, hält Davies für möglich, wenn sich im DNS-Müll wider Erwarten einzelne Sequenzen finden lassen, die gar kein Müll sind, sondern kodierende Erbsubstanz. Diese Sequenzen könnte man beispielsweise in Hefebakterien »einbauen«, Proteine bilden lassen – und schauen, was daraus wird. Wie auch immer das Ergebnis wäre: Wenn es zu irgendeiner Mutation käme, dann wäre laut Davies die Botschaft gar nicht für uns Menschen »geschrieben« – und wir könnten sie auch nicht lesen wie ein Buch. Passierte in der Petrischale etwas, dann wäre es ein Hinweis darauf, dass die Botschaft nur für die »Transfer-RNS« geschrieben ist: eine biologische Substanz (kurz: t-RNS; RNS = Ribonukleinsäure), die den genetischen Code liest und umsetzt in Aminosäuren bzw. Proteine.
Wenn wir also in unserem nicht kodierenden DNS-Müll kodierende Sequenzen fänden, ergäbe sich folgende Möglichkeit: Wir könnten diese Sequenzen isolieren, in unser Erbgut verpflanzen – und so zu anderen Lebewesen werden. Und so könnte eine Erklärung aussehen: Die Außerirdischen wollen uns nichts über den pythagoräischen Lehrsatz oder die Primzahlen erzählen, denn das alles kennen wir. Sie wollen uns vielmehr zeigen, wie wir uns aus eigener Kraft genetisch »verbessern« können. Die Aliens selbst müssten dann bereits auf einem genetisch »höheren« Niveau leben – immerhin haben sie unser Erbgut fachmännisch manipuliert.
http://www.pm-magazin.de/t/raumfahrt-kosmos/au%C3%9Ferirdische/die-botschaft-der-aliens-steckt-unserem-erbgut