orlets schrieb:Davon hab ich auch schon gehört. Für uns Mitteleuropäer kaum vorstellbar. Aber andere Länder,andere Kulturen und Kontinente und deren Lebensweise erfordert auch andere Essgewohnheiten. Diese Menschen müssen schauen, was es bei ihnen reichlich an Nahrung geben kann,was ihnen ein Überleben sichert. Ganz normal eigentlich und auch ganz normal,dass dort Leguane gegessen werden.
So ärmlich ist es da nicht zwingend - bei indigener Bevölkerung ggf. "schauen was das Überleben sichert", aber ansonsten: Es scheint, so auch von Kollegen erfahren, vergleichbar zu in Deutschland Rehwild, Hase zu sein: Leguan als besonderes Essen grillen, zu einem Fest, evl. einmal im Jahr. Daneben steht dann das im Supermarkt gekaufte Bier
;)Oft wurde ich auch gefragt, ob die Bartagame "gut aggressiv ist". Manchen Kollegen ist das Fangen eines juvenilen grünen Leguans als Mutprobe unter Jugendlichen bekannt.
So scheint es m.E. nicht verwunderlich, dass die Haltung eines solchen Tieres als ziemlich bizarr gilt bis hin zu sogar angenommen wird, das sei ein Scherz meinerseits und es gäbe das Haustier gar nicht.
orlets schrieb:Ich bin davon ausgegangen,dass die Terraristik in Chile viel teurer ist, weil Aquarienprodukte, Zubehör und Tiere in viel größeren Stückzahlen importiert oder lokal produziert werden, was die Preise dadurch billiger macht.
Die Produkte sind teuer, teils muss man improvisieren.
Beispiele:
- Terrarium. Bekomme ich hier nicht in der Größe, in Deutschland oder in den USA könnte ich ein derartiges bestellen. Also wurde es eine Sonderanfertigung vom Glaser (eigene Pläne; Glaser hat sowas noch nie gemacht), die mich hier allerdings nur umgerechnet 200 Euro kostete plus ca. 50 Euro für die Anfertigung eines Klappdeckels (selbstgemacht). Terrarienuntertisch: Kriege ich hier auch nicht als solchen; es wurde ein stabiler Couchtisch für ca. 50 Euro.
- Terrariumsubstrat: Ich kann hier Wüstensand nutzen. Zusätzlich kaufte ich "excavator clay" (teurer als in Deutschland, aber ich habe erst ca. die Hälfte der Packung verbraucht). Alternativen wären: Spielplatzsand mit düngerfreier Pflanzerde mischen. Steine aus der Wüste (auch kaufbar im Aquariengeschäft), einen großen Ast habe ich gekauft.
- Lampen. Diese kosten hier leider das Doppelte im Vergleich zu Deutschland (wenn ich in Europa bin, nehme ich mir welche mit).
Elektronik ist hier generell deutlich teurer. Für die Haltungskosten habe ich allerdings veranschlagt, was es mich kosten würde wenn ich die Lampen hier kaufe (was ich anfangs machte). Was heißt "das Doppelte"? Wärmelampe um die 20 statt 10 Euro, UV-Röhre meist 45 Euro statt in Deutschland um die 25 Euro. Was fällt an? UV-Röhre einmal pro Jahr, die Wärmelampen halten 3 - 4 Monate, es sind immer zwei auf einmal im Einsatz. Die Lampenhalterungen waren auch etwas teurer als in Deutschland, dürften meist aber viele Jahre halten.
- Das Tier. Eine Bartagame kostet hier 200 Euro ("Standard", normale Beschuppung, von einem m.E. guten, seriösen Züchter). In Deutschland auch mal für einen 50er zu bekommen, in den USA auch, wenn man sie in einem beliebigen Zoogeschäft kauft. Eine gesunde, gepflegte juvenile Bartagame von einem vernünftigen Züchter kostet in den USA oder in Deutschland aber auch um die 200 Euro.
- Insekten. Der Preis wirkt mir vergleichbar zu dem in Deutschland und die Verfügbarkeit ist erstaunlich gut. Nachzucht zu Hause ist ferner möglich.
Außerdem entfallen für die Haltung von Fischen oft die hohen laufenden Energiekosten für spezielle Heiz- und Beleuchtungssysteme, die man für Terrarien braucht.
Das sind selbstverständlich der Fall. Ich komme auf umgerechnet 10 Euro extra Stromkosten.
Im Vergleich zu den Kosten die für ein üblicheres Haustier wie Hund und Katze monatlich anfallen (allein deren Futter) ist das m.E. wenig.
Es scheint also schon mehr eine Interessesache zu sein, denn dass Terraristik hier zu teuer wäre. Die meisten meiner Kollegen haben einen Hund oder eine Katze, teils mehrere. Ich sehe auch immer viele Leute Hunde ausführen, beim Draußensitzen auf der Terrasse eine Katze neben sich etc., was man sich wohl leisten kann, sowie reichlich Hunde- und Katzenfutter in Supermärkten, in den Einkaufswägen, als Lieferung vorm Haus (nicht als Kritik/Neid, sondern als Feststellung gemeint).
Außerdem hab ich mir gedacht,dass die Wohnungen in Chile oder in Südamerika im Sommer wärmer sind, als in Europa und nicht alle Häuser gute Klimaanlagen besitzen. Wenn jetzt zum Beispiel jemand in einer kleinen Wohnung in Chile wohnt,wo es im Sommer stickige Wärme gibt, die dort staut und dieser hätte ein Terrarium noch dazu,
Da liegst du ganz richtig: Klimaanlagen sind hier nicht üblich. Weder mein Arbeitsplatz noch unsere Wohnung hat eine Klimaanlage, obwohl es sich bei der Wohnung um Neubau in gehobener Lage handelt. (Wir haben übrigens auch keine Heizung.)
Ich sehe das aber eher als Vorteil:
- Ich muss das Terrarium weniger beheizen. Schätzungsweise spare ich eine 100-W-Lampe ein.
- Stromausfall ist unproblematisch, zumindest muss ich nicht Vorkehrungen treffen dass das Tier nicht erfriert. Von Reptilienhaltern in den USA und Deutschland kenne ich das als große, berechtigte Sorge.
Stickig ist es übrigens nicht: Leute lüften hier viel. Das gute Wetter gibt das auch her.
Zudem: Wir sind hier zwar in einer heißen Gegend, Chile erstreckt sich aber über viele Breitengrade, da finden sich auch Klimazonen vergleichbar zu Deutschland mit mäßig warmen bis gelegentlich wärmeren Sommern, sowie einem Winter, der Heizen nötig macht.
überträgt sich die Hitze ins Becken und derjenige müsste dazu noch Kühler kaufen oder andere teure Geräte, die die Luft im Terrarium wieder regulieren. In einem Aquarium könnte man dies eventuell mit einem Wasserwechsel machen oder ein Temperaturregler,den man immer im Aquarium lassen kann.
Wir haben ein kleines Aquarium, das ca. 2 Meter entfernt steht. Darin befinden sich Platys und Schnecken. (Es muss somit geringfügig geheizt werden.)
Beide Setups laufen so seit drei Jahren.
Was mir aber auch klar ist: In einer sehr kleinen Wohnung hätte man kein so großes Terrarium und könnte daher keine Bartagame halten (manche tun's sicherlich trotzdem). Das Problem ergäbe sich aber in Deutschland auch - ein Grund warum ich lange Zeit auf Terraristik verzichtete. Wohnungen sind in Chile nicht im Schnitt kleiner als in Deutschland.
orlets schrieb:Gibt es in deiner näheren Umgebung einen Tierarzt, der für Reptilien spezialisiert ist?
Ja. Darauf habe ich auch geachtet. (Der Tierarzt ist mehrmals pro Woche hier in der Stadt verfügbar.) Ebenso informierte ich mich, und informiere ich mich weiterhin, was typische Krankheitsanzeichen sind, Erste-Hilfe-Maßnahmen, welche Tests und Behandlungen bei Tierärzten als sinnvoll gelten und welche zu vermeiden sind. Auch das ist für mich selbstverständlich.
(Andere Tierärzte sind in Santiago de Chile verfügbar, was jedoch komplizierter wäre: Das Tier darf nicht ins Flugzeug, sodass nur der Fernbus, Tier mit Handwärmern verpackt, bliebe.)