Wir (mein Mann und ich) haben knapp 10 Jahre in den USA gelebt und gearbeitet. Wir leben aktuell, seit drei Jahren, in Chile.
Dini1909 schrieb:Ansonsten hat Amerika eine wunderschöne Natur, diese unendliche Weiten durch die wir gefahren sind, - nur du - der Bus - und die Straße - oftmals sind wir über 10 km nur gerade ausgefahren und niemand kam uns entgegen oder ähnliches.
Die vielen Nationalparks alle total sauber, die öffentlichen Toiletten egal wo, immer pikobello Sauber, selbst das "Plumsklo" in Death Valley ... nicht zu vergleichen mit unseren Autobahntoiletten
Ich kann das bestätigen (fand tolle Natur aber auch woanders vor).
Schockierend fand ich die Armut, oft schlechte medizinische Versorgung. Habe damals auch bei einer "food bank" (ähnlich wie "Tafel") ausgeholfen.
Durchaus vermisst habe ich nach Wegzug die leichte Verfügbarkeit von gebrauchten Waren, nicht nur Kleidung. "Thrift stores" haben auch z.B. Haushaltsgeräte, Geschirr, Bastelartikel, Bücher... im Angebot. Wir haben uns damals überwiegend daraus eingerichtet. Auch gut ausgestattete "public libraries" fand ich toll: Bücher, aber auch Gesellschaftsspiele leihen, aktuelle DVDs leihen, oft auch Verleih von Geräten wie Nähmaschinen, Werkzeug... Wahrscheinlich in Deutschland in vielen Stadtbüchereien ähnlich (bzgl. Büchern klarerweise); hier in Chile vermisse ich das, da einerseits Bibliotheken viel schlechter ausgestattet sind, andererseits aber auch unsere Sprachkenntnisse noch nicht gut genug sind um Bücher die uns wirklich interessieren lesen zu können.
Bzgl. des Essens: Gerade der großzügige Umgang mit Einweggeschirr (Restaurants, Hotels, Arbeitsplatz), viel Verpackung etc. störte uns. Ebenso, dass es schwierig war, bestimmte Grundzutaten zu finden - damit meine ich nicht mal für die "deutsche Küche" (koche selbst sehr international, freue mich über neue Zutaten und integriere neue Obst- und Gemüsesorten, Nüsse, Körner... gerne in den Speiseplan), aber z.B. schonmal Mehl zu finden das ungebleicht ist, auch andere pure Zutaten... war schwierig und wir stießen oft auf Unverständnis, was uns an bestimmten Zutaten stören würde.
Da mein Mann und ich relativ "öko" sind, keine hochverarbeiteten Zutaten mögen, selten Süßes essen und in allem was nicht explizit eine Süßigkeit ist definitiv keinen Zucker wollen, zu einem sehr hohen Anteil selbst kochen: Es war machbar, aber man musste schon sehr viel suchen.
Ich fand auch die Küchenausstattung in beiden nacheinander gemieteten Wohnungen (und allen besichtigten) schlecht. Was ich damit meine: In Deutschland hatten wir fast durchgänging in auch kleinen, relativ günstigen Wohnungen (z.B. was man sich als junger Arbeitnehmer alleine oder zu zweit leisten kann) einen Herd mit Glaskeramik, einen Backofen mit Umluft.. vorgefunden. Dort war dem nicht so, auch nicht in Wohnungen die man sich von zwei guten Gehältern in der IT leisten kann. Backofen hatte dann nur Ober- und Unterhitze, in einem Fall entwich Wärme nach oben aus einer Kochplatte heraus. Kochplatten waren immer offene Heizschlangen, relativ schwer zu reinigen und sie verzogen uns den ein oder anderen Topf.
(Wie in Deutschland: Hier in Chile finden sich Herd mit Glaskeramik, Backofen mit Umluft... leicht in Mietwohnungen.)
Stark gechlortes Wasser ist uns in den USA an beiden Wohnorten auch aufgefallen. Hier in Chile ist das übrigens genauso, sprich: für den kompletten Verzehr leider Flaschen- bzw. Kanisterwasser.
Stärker als zuvor in Deutschland fiel mir in den USA auf: Man schien sehr auf seinen Status wert zu legen. "Keeping up with the Jonesens" - Fremde, Nachbarn, Arbeitskollegen, Bekannte... sollten einen bloß ja nicht als arm einschätzen.
Persönlich finde ich nichts daran peinlich, z.B. Wäsche draußen aufzuhängen (im Garten oder auf dem Balkon), zu Fuß einkaufen zu gehen (z.B. mit einem Einkaufstrolley), oder ÖPNV zu benutzen wenn die Fahrtzeiten passten - ich habe durchaus mitbekommen dass andere derartiges rein aus Scham mieden. Keine Unterstellung meinerseits; diejenigen sagten das selbst, z.B. auch bzgl. der Nichtnutzung eines kostenlos vom Arbeitgeber gestellten Bus-Jahrestickets: Kollegen war nicht so wohl dabei, an einer Haltestelle gesehen zu werden und dann, auch noch mit Einkaufstaschen, für arm gehalten zu werden. Sie vermieden auch Angebote wie "Museumseintritt zum halben oder 1/3 Preis bei Vorzeigen eines Bustickets" aus selbigem Grund. Andere nannten, selbst in Kalifornien, lieber die Wäsche im Wäschetrockner zu trocknen, damit Nachbarn nicht von einem Wäscheständer auf dem Balkon darauf schließen, man sei arm/ hätte Probleme die Stromrechnung zu zahlen.
Persönlich fand ich das bizarr, da ich auf Status keinen Wert lege, sondern mir praktische Aspekte und "Geld nicht zum Fenster rauswerfen" (= sparen, insbesondere dort wo die günstigere Alternative genauso praktisch nutzbar ist, um Geld für anderes übrig zu haben/ auf Ersparnisse zurückgreifen zu können) viel wichtiger sind.