martenot schrieb:Aus meiner Erfahrung kann ich sagen: je älter man wird, umso wahrscheinlicher wird es, dass man früher oder später diese Versicherungssysteme doch noch in Anspruch nehmen muss.
Absolut. Und nur weil ich seit dem Erreichen der Volljährigkeit nicht musste: Ich mache mir da keine Hoffnungen, eine Ausnahme zu sein. Vielmehr bin ich bzgl. meiner Grunderkrankung/Behinderung rein rechnerisch schon längst "drüber" und sowieso im orthopädischen Bereich viel anfälliger da ich durch die Grunderkrankung alle möglichen Gelenke überlaste, und ich auch nicht annehme, dass im Teenageralter implantierte Endoprothesen mich funktionsfähig bis ins Seniorenalter begleiten (wie lang das oft nur hält habe ich gute 10 Jahre überschritten - "schau ma mal").
Dann können auch immer Dinge passieren, die davon ganz unabhängig sind, z.B. ein unverschuldeter Unfall.
Letztes Jahr sah es danach aus, dass man bei einer Vorsorgeuntersuchung bei mir Krebs gefunden hätte. War dann doch nichts. Die Untersuchungen wurden alle übernommen. Die Behandung wäre hier in Chile auch übernommen worden (mit einer geringen Zuzahlung). Ich hätte Krankengeld beziehen können.
Ehrlich gesagt weiß ich nicht, wie das in den USA mit den älteren Menschen ist, die irgendwann halt doch nicht mehr ohne medizinische Unterstützung auskommen. Als Europäer kann ich mir nur schwer vorstellen, dass man die im Regen stehen lässt, wenn sie nicht das Glück haben, entweder genug Geld oder eine passende Versicherung abgeschlossen zu haben.
Was ich gesehen hatte (über Kollegen die Familie in den USA hatten, über eine food bank bei der ich ausgeholfen habe):
- Man schaut, familiär unterzukommen. Läuft oft auf sehr beengte Wohnverhältnisse die keinesfalls den Bedürfnissen von z.B. gehbehinderten Senioren gerecht werden hinaus. Mitunter sind Kinder/Jugendliche wesentlich in die Pflege mit eingespannt.
- Obdachlosigkeit, prekäre Wohnverhältnisse (trailer park).
- Menschen die die Medikamente, die ihnen die Krankenversicherung zugesteht, verkaufen.
Auch bestimmte familiäre Verhältnisse, die man sich als "Zusammenhalt" schönreden könnte, sehe ich kritisch. Exemplarisch:
Als Familie wohnen zusammen: Frau um die 50 - 60 Jahre, ihre Stieftochter mit Baby, ihr Neffe und ihre Nichte (im Kindesalter), ihr geistig behinderter Bruder. (Und die Wohnverhältnisse sind prekär, z.B. schlecht isolierter trailer.)
Wenn jemand damit gut zurecht kommt und das innerhalb der Familie so regeln kann: schön. Wenn man diejenigen besser kennt, fällt aber doch auf: Es gab oft keine andere Lösung. In Deutschland sind Konstellationen wie obige selten, da es andere Möglichkeiten gibt.
Mir sind in den USA auch viele Menschen aufgefallen, bei denen ein gesundheitliches Problem offensichtlich nicht angegangen werden konnte. Z.B.: Menschen die im (noch dazu schweren, sperrigen) Rollstuhl sitzen, aber durchaus für ein paar Schritte gehen können.
Auch in Deuschland kann es Grüne dafür geben (z.B.: Hüft-OP steht bevor, oder Gehfähigkeit ist eingeschränkt aber grundsätzlich vorhanden); in vielen Fällen dürfte aber die Gehfähigkeit wiederhergestellt oder zumindest verbessert werden können, und es stünde ein wendigerer Rollstuhl zur Verfügung, sofern dieser einer längerfristige Versorgung dient. In den USA steckt oft dahinter, eine Hüft-, Knie-OP nicht bezahlen zu können, oder für einen Bruch konnte keine optimale Behandlung bezahlt werden.
Auch derart massive Zahnschäden wie ich sie in den USA häufig sah habe ich in Deutschland selten gesehen, selbiges für Chile. Z.B.: Hausmeister, dem leider mehrere Zähne fehlten, ohne Zahnersatz, und das nicht kurzzeitig, sondern über Jahre.