PrivateEye schrieb:Arthur C. Clarke war Wissenschaftler und die Bücher sind damit auch sehr wissenschaftlich korrekt angehaucht, obwohl sie SciFi sind. Ist nicht jedermanns Sache.
Das weiß ich wohl, aber damit kann ich trotzdem noch nicht beurteilen, wie gut sich eine Geschichte verfilmen lässt. Ich konnte mir früher auch nicht vorstellen, dass der Herr der Ringe verfilmbar ist und war schwer überrascht, als ich den ersten Film sah und eigentlich nicht annähernd so viel bemängeln konnte, wie ich erwartet hatte...
:DEs gibt ja etliche Beispiele von Büchern, die eigentlich nur sehr schwer verfilmbar sind und bei denen es versucht wurde - mal mehr, mal weniger erfolgreich.
Der Name der Rose z.B. konnte m.E. nur halbwegs sinnvoll verfilmt werden, weil die eigentliche Basis eine klassische Detektivgeschichte ist, die linear erzählt wird. Der Film setzt eben auch darauf und muss auf viele Aspekte des Buchs verzichten, das funktioniert aber!
Ecos Das Foucaultsche Pendel hingegen ist auf so vielen Ebenen erzählt, dass ich mir eine filmische Umsetzung nur schwer vorstellen kann - da hat sich meines Wissens auch noch niemand herangetraut...aber wer weiß? Vielleicht werde ich eines Tages noch überrascht!
Es kommt eben nicht nur auf den Background des Autors an, sondern auch auf die Art, in der er seine Geschichte visualisierbar schreibt.
Michael Crichton z. B. hatte ja auch durchaus einen wissenschaftlichen Background, schrieb seine Geschichten aber von Anfang an so, als wüsste er schon, dass sie verfilmt werden.
Ähnlich plastisch schreibt Dan Brown, obwohl man da auch nur bedingt von einem wissenschaftlichen Background sprechen kann - zumindest keinen naturwissenschaftlichen.
Umberto Ecos Background ist eher geisteswissenschaftlicher Natur, aber er schreibt eben fast schon "abgehoben" und sehr verschachtelt, so dass man den Faden der eigentlichen Storyline fast schon verliert.
Da muss ein Regisseur schon deutlich mehr Vorstellungskraft mitbringen, um sich die Geschichte in Bildern vorstellen zu können, als bei den beiden vorgenannten Autoren, die das im Grunde schon erledigt haben.
Tolkien schließlich schrieb schon so, dass man sich alles sehr gut vorstellen konnte, nur war das dann so gewaltig, dass die filmische Umsetzung eigentlich dazu verdammt war, die Vorstellungen der Leser nicht zu erreichen. Jackson hat es aber irgendwie fertig gebracht, das, was er beim Lesen vor sich sah, so umzusetzen, dass die meisten anderen Leser mit dem Ergebnis leben konnten.
Stirnsänger schrieb:Herr der Ringe (ja, anders, aber...)
Einer flog über's Kuckucksnest
Hellraiser
Das Schweigen der Lämmer
fallen mir spontan ein.
Herr Der Ringe - siehe oben
Einer flog... - habe ich tatsächlich nicht gelesen, kenne nur den Film und der ist großartig, aber es könnte trotzdem sein, dass wichtige Aspekte des Buchs nicht berücksichtigt werden konnten. Hellraiser habe ich auch nicht gelesen - ich habe ein paar andere Geschichten von Barker gelesen und muss sagen, dass das, was ich beim Lesen vor meinen Augen sah, auch nur schwer bis gar nicht umsetzbar war.
Das Schweigen der Lämmer steht und fällt mit den Darstellern. Harris gehört auch zu den Autoren, die eine Geschichte gut umsetzbar erzählen, so wurde ja auch Black Sunday schon sehr früh verfilmt (wenn da auch vieles eben nicht ans Buch heranreicht) und Roter Drache wurde ja auch schon lange vor Schweigen der Lämmer das erste Mal verfilmt - und gar nicht schlecht!
Dennoch könnte ich selbst hier noch anführen, dass das Buch die Psyche der Beteiligten viel tiefer und genauer beleuchtet, als es der Film konnte - Hopkins schaffte es, durch seine Darstellung vieles zu vermitteln, was im Drehbuch keinen Platz mehr fand.
Sicher fallen uns Filme ein, die ein Buch ganz gut nacherzählen, aber bei genauer Betrachtung hat das Buch fast immer noch eine Ebene mehr zu bieten, die der Film einfach nicht aufgreifen kann.
Inzwischen werden ja viele Projekte, die früher Spielfilme gewesen wären, als Mini-Serien umgesetzt. Da könnte möglicherweise das eine oder andere Buch besser umgesetzt werden, aber so richtig glaube ich nicht daran, wenn ich sehe, wie "Die Ringe der Macht" die Vorlage verwurstet...