Stirnsänger schrieb:Jemand, der Behauptungen gerne belegt hätte- jede Wette.
Jemand, der meint, sich mit der Forderung nach Belegen hervortun zu können, ist dabei in vielen Fällen weitaus weniger schlau, als er meint. Vor allem dann, wenn Belegforderungen nicht im Rahmen epistemologischen Erkenntnisgewinns eingesetzt werden, sondern als plumpe und vordergündige, also billige Waffe gegen missliebige Standpunkte.
Mal so als Denkansatz:
Die Epistemologie beschäftigt sich im Kern damit, welche Arten von Belegen überhaupt geeignet sind, eine bestimmte Behauptung zu tragen. Sie fragt, was eine Rechtfertigung ausmacht, warum manche Evidenzen für manche Thesen passen und andere nicht, und wie wir unterscheiden können, ob eine Überzeugung Wissen, bloße Meinung oder schlicht unbegründet ist. Dabei geht es nicht nur um die Stärke von Belegen, sondern auch darum, welche Formen von Evidenz – empirisch, logisch, historisch, introspektiv oder testimonial – für welche Art von Aussage überhaupt sinnvoll sind. Unterschiedliche erkenntnistheoretische Ansätze geben darauf verschiedene Antworten: Manche betonen die logische Stützkraft von Gründen, andere die Zuverlässigkeit der Methoden, wieder andere den praktischen Zweck eines Wissensanspruchs. In all diesen Varianten bleibt die Leitfrage dieselbe: Welche Evidenz ist für welche Art von These valide und warum? Es gibt im Übrigen nicht nur Evidenz; dort, wo eine solche nicht ausreichend nachgewiesen werden kann, kommt durchaus auch Plausibilität als valider Weg zur Geltung. Da wird es dann natürlich schon mal vergeblich, je nachdem, wie stark asymmetrisch die Konstellation der Diskussionsteilnehmer ist.
Dass solche differenzierten Betrachtungsweisen in einem Laden wie dem hier nicht zur Geltung kommen, stärkt die Waffenwirkung der Belegforderungen des Bornierten. Wie meinerseits gelegentlich mal explizit angesprochen.