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Der Fall Gustl Mollath

3.211 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Betrug, Bayern, Psychiatrie ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Der Fall Gustl Mollath

22.02.2021 um 16:19
Zitat von monstramonstra schrieb:Sie sind zu behandeln wie alle anderen auch. Handelt es sich um Eingaben und Beschwerden, sind diese zur Kenntnis zu nehmen, zu prüfen und zu bescheiden. Ist der Sachvortrag immer der gleiche oder wirr und unverständlich, können Prüfung und später auch die Bescheidung entfallen.
Formal natürlich. Das ist der Rechtsstaat.
Aber praktisch ist es ja oft nicht so.

Wobei ich mir gar nicht auf die bloße Frequenz der Beschwerden beziehe, sondern in Kombination mit dem Inhalt. Viele der "es gibt eine Verschwörung und ich habe sie aufgedeckt"-Fälle führen leider zu Unrecht zu einer beachtlichen Inanspruchnahme von Justizressourcen.
Darin können eben auch echte Fälle einer aufgedeckten Verschwörung untergehen.

Und klar, hinzu kommt die zumindest gefühlte Zunahme an Bagatellen, die zudem auch noch - weil es um Rechtbehalten und nicht um die Sache geht - durch die Instanzen gejagt werden.
Zitat von monstramonstra schrieb:Mollath, der ja auch gerne als "Querulant" bezeichnet wird, ist das wohl erst geworden, nachdem er von staatlichen Maßnahmen wie einer Durchsuchung oder Zwangsbegutachtung betroffen wurde
An der Stelle ist das natürlich nur noch schwer in Ursache und Wirkung zu trennen.
Wenn sich jemand besonders ungerecht behandelt fühlt und dann ggf. (auch aus Verzweiflung) auch noch eher ungeschickt die Sache angeht, ist natürlich schnell in dem entsprechenden Schema gefangen.

Im Fall Mollath kamen sicherlich viele Umstände zusammen, die in Summe eben zu dem Ergebnis führten.
Aber genau das spricht ja auch eher dagegen, dass das so geplant war, ihn mundtot zu machen.

Und in der öffentlichen Wahrnehmung wirkt Hr. Mollath unsympathisch und man ist schnell geneigt, ein "er hats ja auch verdient" anzunehmen. Was sicherlich auch zu den eher emotional geprägten Sichtweisen beiträgt.


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Der Fall Gustl Mollath

22.02.2021 um 16:30
Zitat von monstramonstra schrieb:Mollath, der ja auch gerne als "Querulant" bezeichnet wird, ist das wohl erst geworden, nachdem er von staatlichen Maßnahmen wie einer Durchsuchung oder Zwangsbegutachtung betroffen wurde, die er als Unrecht empfand.
Wenn ich mich Recht erinnere war er das schon lange vorher, als er sich durch eine falsche Autolackierung und den Irakkrieg irgendwie persönlich verfolgt sah. Man sollte ja nicht vergessen dass er sich schon Jahre vorher insolche Dinge reingesteigert hatte und im verdunkelten Haus die Notizen und Akten so verbreitet hatte, dass er und seine Frau vom Bügelbrett essen mussten. Zu seinem Glück ist ja nie versucht worden Mal eine Liste seiner Prozesse und durch ihn verschlossenen Anwälte aufzustellen. Waren es nicht bei seinem Missbrauchsverfahren mindestens fünf?

Man kann wohl davon ausgehen, dass auch Brixner schon darüber informiert war. Jedenfalls war Gustl wohl bei der Nürnberger Justiz schon davor kein unbeschriebenes Blatt.


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Der Fall Gustl Mollath

22.02.2021 um 16:36
Worum ging es im Fall Mollath. Er stammte aus einer einigermaßen wohlhabenden Familie und konnte sich mit seiner Erbschaft ein Leben auf großem Fuß mit Ferrari und Corvette leisten, ohne jemals richtig zu arbeiten. Irgendwann war's halt dann aufgebracht und seine Frau finanzierte seinen Lebensunterhalt samt Hobbies. Als dann die Ehe zu scheitern drohte, versuchte er seinen Lebensstandard mit Gewalt aufrechtzuerhalten. Da hätte er besser den Spruch: "Man beißt nicht die Hand, die einen füttert" beherzigt. Hat er aber nicht und so war absehbar, er stand vor dem Nichts, dem absoluten Nichts. Die Psychiatrie bot ihm ein Dach überm Kopf und gab ihm zu essen. Vielleicht spielte er auch deshalb nicht mit und ließ sich nicht explorieren, denn so hätte recht schnell seinen Aufenthalt beenden können? Sein Bruder hatte wohl auch einen eher negativen Lebenslauf https://www.sueddeutsche.de/bayern/ansbach-gustl-mollath-erstattet-anzeige-wegen-moeglicher-misshandlung-seines-bruders-1.3190023


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Der Fall Gustl Mollath

22.02.2021 um 16:41
Zitat von monstramonstra schrieb:Weder Otto Lapp (Nordbayerischer Kurier) noch Beate Lakotta (Spiegel) oder Gerald Mackenthun (ehm. FR, dpa) sind besonders neutrale Quellen, was den Fall Mollath anbelangt.
Aber Strate? Zumindest ist Otto Lapp einer der wenigen die ausführlich mit Gustl und Petra Mollaths sprechen könnten. Das er und Frau Lakotta später vom Unterstützermob denunziert und bedroht wurden und ihre Arbeit als LaLajournalismus abgetan wurde anstatt sich mit den Inhalten und Fakten auseinander zu setzen, steht ja ausser Zweifel. Man denke nur an die Fülle die Frau Wolff über den beiden ausgeschüttet hatte......


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Der Fall Gustl Mollath

22.02.2021 um 16:51
Zitat von monstramonstra schrieb:Es handelt sich durchweg um etablierte Journalisten, die sich aber - vermutlich aus unterschiedlicher Motivation - auf die Fahnen geschrieben haben, "aufzuklären" und dabei eine "kritische" Position zu Mollath zu vertreten.
Diese Motivation nennt sich wohl hinterfragender bzw. Investigativer Journalismus :-) , das musste natürlich allen sauer aufstosseufstossen die sich Mollaths Märchenwelt unkritisch eins zu eins zu eigen gemacht hatten. Es ist aber oft so dass gerade die verunglimpft werden die "Der Kaiser ist ja nackt" rufen.


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Der Fall Gustl Mollath

22.02.2021 um 17:08
Zitat von kleinundgrünkleinundgrün schrieb:An der Stelle ist das natürlich nur noch schwer in Ursache und Wirkung zu trennen.
Wenn sich jemand besonders ungerecht behandelt fühlt und dann ggf. (auch aus Verzweiflung) auch noch eher ungeschickt die Sache angeht, ist natürlich schnell in dem entsprechenden Schema gefangen.
Das ist nach meiner Erfahrung sogar relativ häufig so, dass am Anfang ein Ereignis steht, dass entweder Unrecht war oder vom Betroffenen gut als solches empfunden werden konnte. Und weil sich Menschen heute Autoritäten nicht mehr so bereitwillig unterwerfen wie vor 30 oder 40 Jahren, meinten sie um jeden Preis dagegen kämpfen zu müssen.

An diesem Punkt wäre es dann besser, die Leute bekämen psychotherapeutische Hilfe, wie man so ein Ereignis akzeptiert, als dass sie einem jener unausgelasteten Anwälte in die Hände fallen, die alles vertreten. Denn sonst droht eine Radikalisierungsbiografie, wie wir sie auch von Extremisten kennen.

Mollaths Grundpersönlichkeit habe "fanatisch-querulatorische Züge" schrieb Dr. Simmerl. Seine Fanatisierung erfolgte aber erst mit der strafrechtlichen Verfolgung. Und wenn ich lese, mit was Mollath zwischen 2001 und seiner Verurteilung sowie danach passiert ist, dann habe ich großes Verständnis, dass man sich a) verfolgt fühlt und b) zum Extremisten wird. Natürlich hat er sich falsch verhalten. Aber es gibt auch ein Fürsorgeprinzip im Strafverfahren, denn der Staat sitzt am längeren Hebel. Zudem rechtfertigt Fehlverhalten nicht Unverhältnismäßigkeit oder Rechtsbruch.


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Der Fall Gustl Mollath

22.02.2021 um 17:15
Zitat von monstramonstra schrieb:An diesem Punkt wäre es dann besser, die Leute bekämen psychotherapeutische Hilfe, wie man so ein Ereignis akzeptiert, als dass sie einem jener unausgelasteten Anwälte in die Hände fallen, die alles vertreten. Denn sonst droht eine Radikalisierungsbiografie, wie wir sie auch von Extremisten kennen.
Hat Mollaths nicht genau das bekommen? Und war nicht genau das Problem, dass er eben nicht akzeptieren könnte dass er Hilfe braucht, weder von seiner Frau noch von seinen Anwälten noch von seinen Ärzten? Bis zu welchem Punkt können dann immer nur die anderen Schuld sein, oder hat jemand jemals auch nur das kleinste Fitzelchen Selbstkritik oder Selbstreflexion von Mollaths mitbekommen?


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Der Fall Gustl Mollath

22.02.2021 um 17:19
Zitat von monstramonstra schrieb:Zudem rechtfertigt Fehlverhalten nicht Unverhältnismäßigkeit oder Rechtsbruch.
Völlig unstreitig.
Zitat von monstramonstra schrieb:Seine Fanatisierung erfolgte aber erst mit der strafrechtlichen Verfolgung.
Zumindest wurde sie ab dann untersucht bzw. dokumentiert. Für die Zeit vorher fehlen die Daten. Da gab es ja keine Gutachten.

Aber ich sehe das nicht anders. Wenn man mit dem Rücken zur Wand steht (real oder gefühlt), sich massivem Unrechts ausgesetzt sieht und vor allem keine echte Perspektive hat, führt das entweder zur Resignation oder zu einer objektiv übermäßigen Reaktion.

Dennoch bleibt hier die Frage, wer hier welchen Anteil an den Folgen trägt. Es ist sicher richtig, dass abstrakt betrachtet der Staat ganz besondere Fürsorgepflichten hat. In der Realität gibt es aber Konstellationen, in denen dieses Ziel nicht erreicht wird. Richter sind weder allwissend noch vorurteilsfrei. Sie können nur versuchen, dem möglichst nahe zu kommen.

Hr. Mollath hat zum Teil Pech gehabt und zum Teil falsch gehandelt.


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Der Fall Gustl Mollath

22.02.2021 um 17:23
Aktueller geht es ja wohl nicht mehr:

https://www.morgenpost.de/vermischtes/article231621871/Gustl-Mollath-Justizopfer-Psychiatrie-Buch-Markus-Soeder.html
Aktualisiert: 22.02.2021, 15:20 |
Er sei kein verbitterter Mensch, sagt Mollath. „Zum Glück konnte ich mir meinen Humor bewahren.“ Heute lebt er in Niedersachsen, restauriert wieder Oldtimer. Noch immer wache er jede Nacht schweißgebadet auf. Der 64-Jährige berichtet von merkwürdigen Suiziden unter Mitpatienten, von einem Pfleger, der ein Emblem der russischen Kampftruppe Omon am Kittel trägt. „Da sieht man, wessen Geistes Kinder da zum Teil arbeiten.“
...

Wird Söder Kanzler, wandert Mollath aus

Seine Zimmerpflanze, seine „Mitgefangene“, bestand aus den Trieben von zwei Dattelkernen und sieben Orangenkernen, ein Geschenk des Klinikpfarrers. Er zog sie in einem Joghurtbecher und mit stibitzter Erde aus dem Hof. Eine Dattelpalme – die andere ist eingegangen – ist inzwischen größer als er und lebt nach wie vor mit den sieben Orangenbäumen in einem Topf.

Ob er sie mit ins kalte Finnland nimmt? Dorthin will Mollath auswandern, falls Bayerns Ministerpräsident Markus Söder Kanzler wird und damit das ganze Land zu einem „Totalstaat Bayern“. „Meine Zukunft in Deutschland“, sagt er, „sieht nicht sehr rosig aus.“



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Der Fall Gustl Mollath

22.02.2021 um 17:33
Und noch ein Artikel:
https://www.abendzeitung-muenchen.de/bayern/gustl-mollath-ich-moechte-hier-nicht-mehr-leben-art-707944

Bei dem Schlusssatz wird es mir dann allerdings leicht übel:
Ihre Ex-Frau ist bereits gestorben. Hätten Sie nochmal mit Ihr sprechen wollen?
MOLLATH: Das ist vielleicht das persönlich größte Drama für mich. Ich habe meine Frau wirklich geliebt und ursprünglich wollte ich sie ja schützen.



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Der Fall Gustl Mollath

22.02.2021 um 17:57
Zitat von kleinundgrünkleinundgrün schrieb:Hr. Mollath hat zum Teil Pech gehabt und zum Teil falsch gehandelt.
Nun ja, ein deutsches Gericht das elementare Verfahrensregeln, wesentliche Regeln der Beweiswürdigung und der Voraussetzungen des Rechts der Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus missachtet, das würde ich nicht mit "Pech" bezeichnen. Gleiches gilt für eine Zunft von Psychiatern, die voneinander abschreiben, keine Verantwortung übernehmen wollen und ansonsten auf dem hohen Ross sitzen.
Das ist vielleicht das persönlich größte Drama für mich. Ich habe meine Frau wirklich geliebt und ursprünglich wollte ich sie ja schützen.
Wer einen Funken Empathie hat und sich nur ein bisschen in die Vorstellungswelt des Gustl Mollath hineinversetzt, der weiß, dass das nicht gelogen ist.


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Der Fall Gustl Mollath

22.02.2021 um 18:11
Zitat von monstramonstra schrieb:Wer einen Funken Empathie hat und sich nur ein bisschen in die Vorstellungswelt des Gustl Mollath hineinversetzt, der weiß, dass das nicht gelogen ist.
Ja er glaubt das wahrscheinlich selber wer nur ein bisschen Empathie für seine Frau empfindet hört sie sie im Grabe rotiert.


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Der Fall Gustl Mollath

22.02.2021 um 18:29
Zitat von monstramonstra schrieb:An diesem Punkt wäre es dann besser, die Leute bekämen psychotherapeutische Hilfe, ...
Und was hat Petra Mollath nicht alles versucht, ihm solche Hilfe zukommen zu lassen.
Zwingen konnte sie ihn nicht.
Zitat von monstramonstra schrieb:Gleiches gilt für eine Zunft von Psychiatern, die voneinander abschreiben, keine Verantwortung übernehmen wollen
Und was machen Psychiater eigentlich heute mit Patienten, die nicht mit ihnen sprechen?
Das würde mich wirklich interessieren.


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Der Fall Gustl Mollath

22.02.2021 um 18:47
Jedenfalls bleibt sich Mollath treu, der Frauenwürger der sich zur moralischen Instanz aufschwingt.


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Der Fall Gustl Mollath

22.02.2021 um 21:00
Mollath als moralische Instanz? Verstehe ich nicht.

Bei Auseinandersetzungen zwischen Menschen, die sich einmal geliebt haben und über 20 Jahre zusammen lebten, ist eine Kategorisierung in "gut" und "böse" für manche Beobachter moralisch erhebend, aber jenseits aller psychologischen Erkenntnis.

Ein nettes Sammelsurium von Möglichkeiten, wenn aus Liebe Hass wird:

https://www.focus.de/finanzen/recht/tid-25248/wenn-die-ehe-im-krieg-zu-ende-geht-die-25-fiesesten-tricks-und-die-besten-gegenstrategien_aid_714952.html

Daran krankten Lapp & Co. Sie meinten, sie müssten für das Gute Partei ergreifen. Nicht für eine politische Idee oder gegen einen staatlichen Skandal. Sondern für eine misshandelte Ehefrau. Die Dimension, die darüber hinausreichte, die ignorierten sie. Das war sehr kleingeistig. Und verführte zu Häme und Herablassung.

Das war kein guter Journalismus und genauso schlecht wie die, die meinten, Mollath beweise das fortgesetzte "Staatsverbrechen" der CSU.


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Der Fall Gustl Mollath

22.02.2021 um 22:14
Da lasst uns doch mal einen Blick auf eine Zeugenaussage beim Wiederaufnahmeverfahren werfen.

https://www.spiegel.de/panorama/justiz/gustl-mollath-zeugen-sagen-im-prozess-aus-a-981021.html
erschienen am 14.07.2014
... Die letzte Zeugin des Tages, eine resolute Dame in schickem grauen Hosenanzug mit hochgestecktem blonden Haar, schildert plastisch ihre Erinnerung an ein Erlebnis mit Gustl Mollath, das etwa 30 Jahre zurückliegen muss.

Sie habe Mollath damals nur drei-, viermal gesehen ... "bis dann der ganze Presserummel losging" ...dass Gustl Mollath freigelassen werden wollte, weil er unschuldig sei. "Ich dachte mir: So unschuldig scheint er mir nicht zu sein, er hat ja die Petra früher auch geprügelt." Auch sie selbst habe damals einmal "seine Hände am Hals" gehabt.

Um den Ermittlungsbehörden zu helfen, habe sie sich im November 2012 bei der Staatsanwaltschaft in Nürnberg gemeldet.

Eines Vormittags an einem Wochenende, ... habe es an ihrer Tür ... geklingelt: "Es war die Petra" - keine ganz enge Freundin, man kannte sich über eine Bekannte, die eine Modeboutique hatte und "von Mädels-Treffen".... An diesem Tag aber habe die Petra "furchtbar" ausgesehen, habe starke Rötungen im Gesicht gehabt und sei "total verheult" gewesen. "Der Gustl hat mich verdroschen", habe sie gesagt. Ob sie bei ihr bleiben könne. "Sie hat keine Sachen dabeigehabt, sie ist einfach auf und davon."

Wenige Minuten später sei Gustl Mollath aufgetaucht. "Als ich die Tür aufgemacht habe, ist er sofort auf mich los." Er habe sie ins Wohnungsinnere gestoßen und getobt: Sie könne das Glück anderer nicht ertragen und wolle Petra gegen ihn aufhetzen. Dabei habe er sie am Hals festgehalten - zur Demonstration der Attacke hält sich Renate B. auf dem Zeugenstuhl beide Hände an die Kehle - bis sie selbst Rot gesehen und ihm "mit dem Knie voll in die Eier" gestoßen habe.

Was dann geschehen sei, lässt Renate B. noch heute den Kopf schütteln: Die Petra habe keine Anstalten gemacht, ihr zu helfen. "Sie stand im Wohnzimmer und weinte. Dann ist sie einfach mit ihm mitgegangen, absolut einvernehmlich."

Später habe sie einer Freundin von dem Vorfall erzählt, die Petra M. besser kannte. Die habe ihr gesagt, dass dies nicht ungewöhnlich sei.

"Was genau?", fragt die Beisitzende Richterin.

"Dass sie Dresche bekommen hat", sagt Renate B. leise.

Einige Zeit später habe sie erfahren, dass Petra M. Gustl Mollath heiraten wollte. Da habe sie den Kontakt abgebrochen. "Ich halte davon nichts, bei einem Mann zu bleiben, der einen prügelt."



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Der Fall Gustl Mollath

22.02.2021 um 22:24
Zitat von monstramonstra schrieb:Das war kein guter Journalismus und genauso schlecht wie die, die meinten, Mollath beweise das fortgesetzte "Staatsverbrechen" der CSU.
Das stimmt so nicht, beide haben durchaus auch den Menschen Mollath mit in ihre Berichterstattung eingebaut. Das hat ihnen ja auch jede Menge Unflat, Beleidigungen und Drohungen der Mollathunterstützer eingebracht.. Die Artikel der beiden schlecht zu machen dient nur dazu Mollaths Verhalten gegen Kritik zu immunisieren indem man die Boten der schlechte Nachricht "tötet".


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Der Fall Gustl Mollath

22.02.2021 um 22:44
Zitat von emzemz schrieb:Da lasst uns doch mal einen Blick auf eine Zeugenaussage beim Wiederaufnahmeverfahren werfen.
Von Beate Lakotta.

Wir hatten es schon 100mal: Ein Justizopfer ist ein Justizopfer, egal ob er oder sie ihren Ehepartner verprügelt oder nicht. Der Fall Mollath ist kein Fall, bei dem es darum geht, ob er seine Frau verprügelt hat hat oder nicht. Sondern ein Fall, bei dem es darum geht, wie die Justiz mit ihm und Leuten wie ihn umgegangen ist. Ein Fall bei dem um Befangenheit, etwaige Rechtsbeugung (so StA Dr. Meindl), um dubiose Bankgeschäfte in der Schweiz, um eine Psychiatrie, die nicht in der Lage ist, allgemeingefährliche Menschen von ungefährlichen zu unterscheiden. Um einen Fall, bei dem eine ganze Armada von Gerichten, bis hoch zum BVerfG, die Rechtswidrigkeit der Unterbringung festgestellt hat.

Seit Mollath sind Justiz und Öffentlichkeit sensibilisiert, ob solche Urteile die Richtigen treffen oder nicht. Es sollte nicht mehr möglich sein, Leute mit Hilfe der Psychiatrie aus dem Weg zu räumen, als habe es nie eine Psychiatriereform gegeben.

Und dann geht es noch um die Frage, ob die Beweise ausreichen, eine Tat festzustellen, ob das Opfer als Zeugin auftreten muss oder nicht. Aber das ist für die historische Bedeutung des Falles allenfalls eine Marginalie.

Nicht zuletzt zeigt die Zeugenaussage der Dame, wie komplex Beziehungen sein können, wie Abhängigkeiten entstehen (gerade bei Frauen mit Selbstwertproblemen), wie Frauen beim gewalttätigen Partner bleiben. Über Jahrzehnte offenbar, obwohl sie finanziell unabhängig sind. Aber das ist dann schon weit weg vom Justizskandal.
Zitat von PergamonPergamon schrieb:Das stimmt so nicht, beide haben durchaus auch den Menschen Mollath mit in ihre Berichterstattung eingebaut.
Der Artikel von Lapp, "Mensch Mollath!", für den er ihn noch in der Psychiatrie interviewte, der trieft vor Häme und Herablassung. Ein arroganter Journalist, der sich sehr toll findet, macht sich über einen eingesperrten Mann lustig. Sternstunden des Journalismus, klar, auch den Menschen mit eingebaut.

Die Reaktionen gegen Lapp & Co., die kamen nicht von ungefähr. Es wäre ja auch anders gegangen. Es gab viele Beiträge, die sich Mollath und seiner Geschichte kritisch angenähert haben, die ihn wahrlich nicht zum Helden gemacht haben, die aber ohne jede Herrenreiterattitüde auskamen - und die die rechtliche und politische Dimension im Blick hatten und nicht den Boulevard.


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Der Fall Gustl Mollath

22.02.2021 um 22:47
Zitat von monstramonstra schrieb:Die Reaktionen gegen Lapp & Co., die kamen nicht von ungefähr.
Mord- und Gewaltandrohungen rechtfertigen, von wegen selber Schuld, kann man machen ich bin dann allerdings dann erst mal raus.


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Der Fall Gustl Mollath

23.02.2021 um 09:10
Zitat von PergamonPergamon schrieb:Mord- und Gewaltandrohungen rechtfertigen, von wegen selber Schuld, kann man machen ich bin dann allerdings dann erst mal raus.
Das ist ein Missverständnis:

Ich habe erläutert, warum Lapp & Co. unseriösen Journalismus betrieben haben und warum Kritik gerechtfertigt ist. Straftaten gegen diese Journalisten habe ich nie gerechtfertigt.

Die Auszeichnung Lapps als "Journalist des Jahres 2013" wird Sascha Pommrenke so kommentiert:
Mit der Wahl hat die Fachzeitschrift für Journalisten eine Berichterstattung ausgezeichnet, die eher für die Krise des Journalismus steht denn für Qualität: Public Relation statt Information, Boulevardisierung statt Kritik, Meinungsmache statt Kontrolle der Macht.
Kritisiert wird auch die Begründung der Auszeichnung, in der Mollath als "Querulant" bezeichnet wird:
Die Jury und damit das medium magazin schaffen es, in einer gerade ein mal 38 Wörter umfassenden Begründung, ein mutmaßliches Justizopfer zu pathologisieren, zu stigmatisieren und herabzuwürdigen. Sind Querulanten per se schuldig? Oder ist es bei Querköpfen weniger wichtig, ob sie tatsächlich schuldig sind, schließlich haben sie sich des Verbrechens des "Störens" schuldig gemacht?
Schließlich @kleinundgrün noch ein interessanter Gedanke zum "Querulanten":
Andrea Dinger und Uwe Koch halten in ihrer Studie zu "Querulanz in Gericht und Verwaltung" fest:

"Mit der Bezeichnung als Querulant wird das Problem personifiziert, individualisiert und allein auf Seiten des Rechtsuchenden gesehen."

Und das, obwohl in den wenigsten Fällen geklärt werden kann, "ob die beobachteten Verhaltensauffälligkeiten nicht gerade Folge der häufigen juristischen Auseinandersetzungen sind."
Darüber sollte man nachdenken.

Quelle (alle Zitate): https://www.heise.de/tp/features/Ausgezeichneter-Journalismus-3363801.html?seite=all


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