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Der Fall Gustl Mollath

2.846 Beiträge, Schlüsselwörter: Betrug, Bayern, Psychiatrie, Psiram, Staatsanwaltschaft, Beate Merk, Gustl Mollath

Der Fall Gustl Mollath

03.08.2014 um 16:55
Ganz aktuell, Gabriele Paul kritisiert das LG Regensburg. Und Strate gleich mit... ;)

Focus, 03. August 2014
http://www.focus.de/politik/deutschland/fall-mollath-gabriele-pauli-attackiert-mollaths-verteidiger_id_4035055.html
Die ehemalige CSU-Landrätin Gabriele Pauli hat im Fall Gustl Mollath das Landgericht Regensburg scharf kritisiert. Die Richter wären nicht in der Lage, die politische Dimension des Falles aufzuklären.
...
Das Landgericht Regensburg sei nun damit "überfordert", die politischen Ausmaße der Vorwürfe aufzudecken.
Pauli warf Mollaths Verteidiger Gerhard Strate daher Ignoranz vor. Die Schwarzgeldgeschäfte hätten ihn nie interessiert. „Vielleicht hätte Strate das Mandat unter diesen Umständen nicht annehmen sollen“, erklärte Pauli gegenüber FOCUS.
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Der Fall Gustl Mollath

03.08.2014 um 17:08
Na wenn die Frau Pauli das sagt.... :D
Was macht die jetzt? Wollte sie nicht Bürgermeisterin auf Sylt werden oder sowas?


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Der Fall Gustl Mollath

03.08.2014 um 20:19
@jaska
jaska schrieb:Sagte sein ehemaliger Anwalt D. nicht aus, es ging im ersten Prozess um eine Bewährungsstrafe, falls Mollath sich in irgendeiner Form zu den Vorwürfen gegen ihn geäußert hätte?
Danke dir, das hatte ich nicht (mehr) auf dem Schirm, deshalb fragte ich auch.

Da dreht sich doch gerade meine komplette Sichtweise auf diesen Prozess und ich würde mal sagen:

G.M. hat die ganze Sache extra hochgekocht, um in die Medien zu kommen und für die Schwarzgeldvorwürfe gegen seine Exfrau so ein größeres Forum zu haben.

Wenn ich jetzt böse wäre, würde ich sagen, das Schlimmste, was ihm schon damals hätte passieren können, wäre ein Freispruch mangels Beweise gewesen.


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Der Fall Gustl Mollath

05.08.2014 um 09:17
Am Freitag wird die angekündigte Stellungnahme Mollaths und die Plädoyers erwartet:


Oberpfalznetz, 05. August 2014
http://www.oberpfalznetz.de/zeitung/4266467-454-mollath_prozess_vor_marathon_tag,1,0.html
Mollath-Prozess vor Marathon-Tag
Am Freitag Plädoyers erwartet - 57-Jähriger will zum Fortgang des Prozesses Stellung nehmen

Der 15. Prozesstag im Wiederaufnahmeverfahren gegen Gustl Mollath könnte sich vor dem Regensburger Landgericht zum Marathon entwickeln. Nach einer umfangreichen Beweisaufnahme sollen am Freitag Oberstaatsanwalt Wolfhard Meindl, Nebenklagevertreter Jochen Horn sowie die beiden Mollath-Verteidiger Dr. Gerhard Strate und Johannes Rauwald ihre Plädoyers halten.

Die Frage ist allerdings, ob es dazu kommt. Gustl Mollath hat eine Erklärung angekündigt. Darin will er zu seiner Person und zum Fortgang des Prozesses Stellung nehmen. Der 57-Jährige hatte im bisherigen Verhandlungsverlauf wiederholt auf die Ladung zahlreicher weiterer Zeugen gepocht und die unter Vorsitz der Richterin Elke Escher tagende Strafkammer zu lückenloser Aufklärung seines Falles ermahnt.

Im Zusammenhang mit diesen Forderungen war es zum Zerwürfnis zwischen Mollath und seinen Anwälten gekommen.
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Der Fall Gustl Mollath

05.08.2014 um 10:48
Oh... DAS kann noch was längeres werden...


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Der Fall Gustl Mollath

05.08.2014 um 10:53
@Sigbert

aber das dürfte wohl irrelevant sein. so lange die kammer keinen anlass sieht, wieder in die beweisaufnahme einzutreten, ist jetzt ende im gelände und das urteil kommt. da kann er dann noch so lange erzählen wie er möchte ;)


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Der Fall Gustl Mollath

05.08.2014 um 10:53
@Sigbert
Die haben ja Zeit, geht ja dann ins Wochenende rein ;)


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Der Fall Gustl Mollath

05.08.2014 um 13:20
So war Richterin Escher, meine ich gelesen zu haben, bereits zu verstehen, dass
DoctorWho schrieb:die kammer keinen anlass sieht, wieder in die beweisaufnahme einzutreten
Nur, wie wird man mit Folgendem umgehen?
jaska schrieb:Gustl Mollath hat eine Erklärung angekündigt. Darin will er zu seiner Person und zum Fortgang des Prozesses Stellung nehmen.
So wie wir Mollath erlebt haben, könnte ich mir vorstellen, dass er redet und redet ... Für ihn dürfte das schließlich die letzte Gelegenheit sein, sich vor einem Gericht darzustellen.

Frage an die Juristen:
Hätte in dem Fall das Gericht eine Handhabe, seine Ausführung zu unter- bzw. abzubrechen? Würde ihm evtl. ein Zeitfenster zugewiesen?


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Der Fall Gustl Mollath

05.08.2014 um 16:01
emz schrieb:Hätte in dem Fall das Gericht eine Handhabe, seine Ausführung zu unter- bzw. abzubrechen? Würde ihm evtl. ein Zeitfenster zugewiesen?
Er darf und soll sich natürlich erklären. Nur wenn es überhand nimmt und der Verhandlung nicht zuträglich ist, wird der Vorsitzende ihn auffordern, still zu sein. Und wenn es hart auf hart kommt und der Fortgang der Verhandlung gefährdet ist, kann der Angeklagte auch vom Verfahren ausgeschlossen werden, § 231b StPO. Aber das muss schon gewichtig sein.
Man hat den Paragrafen mit Blick auf die Baader/Meinhof-Prozesse eingeführt - hier haben es sich die Angeklagten auch auf die Fahnen geschrieben gehabt, die Verhandlung zu unterminieren.

Aber in der Regel kapiert es auch der renitenteste Angeklagte, dass irgendwann Schluss ist.


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Der Fall Gustl Mollath

05.08.2014 um 17:59
@emz
emz schrieb:Hätte in dem Fall das Gericht eine Handhabe, seine Ausführung zu unter- bzw. abzubrechen? Würde ihm evtl. ein Zeitfenster zugewiesen?
nur, wenn es sich nicht um das letzte wort handelt.


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Der Fall Gustl Mollath

05.08.2014 um 18:06
@emz
@kleinundgrün
Danke für die Erläuterungen.
Wie geht Mollaths Ankündigung einer Erklärung mit der Aussageverweigerung zusammen?
Er mag Redezeit, aber nicht zu den im Prozess verhandelten Dingen, sondern zu seiner Person und zum Verlauf des Prozesses.
Ist so etwas üblich? Hat so etwas überhaupt noch positiven Einfluss?


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Rho-ny-theta
ehemaliges Mitglied

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Der Fall Gustl Mollath

05.08.2014 um 21:46
@jaska

Man kennt das als "querulatorische Neigung".


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Der Fall Gustl Mollath

05.08.2014 um 22:40
@Rho-ny-theta
;)

Mollaths Nicht-Erreichbarkeit wurde von der fast schon hellsichtigen Frau Prem schon im November 2013 in einem offenen Brief an Mollath thematisiert: http://www.newsandbuy.de/documents/Schreiben_Mollath_2013.pdf

Uiuiui, jetzt gibts noch offenen Zwist unter den Unterstützern.
Vollständig nachzulesen hier: http://www.ein-buch-lesen.de/

1 Tag für Verlesung von 27 Anträgen und 3 Tage für das "letzte Wort"? Sollte das stimmen, dann würde Mollath aber viel von genau jener Institution verlangen, der er so viel Schlechtes nachsagt.
Bleibt also spannend...


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Der Fall Gustl Mollath

07.08.2014 um 18:24
jaska schrieb:1 Tag für Verlesung von 27 Anträgen und 3 Tage für das "letzte Wort"? Sollte das stimmen, dann würde Mollath aber viel von genau jener Institution verlangen, der er so viel Schlechtes nachsagt.
Bleibt also spannend...
:D

Ja so ein Selbstdarsteller beansprucht schon ne gewisse Zeit :D

Danke für Deine Links @jaska . Wie immer, sehr interessant.

Gruß, Dumas


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Der Fall Gustl Mollath

07.08.2014 um 18:36
Laut BR will Mollath sich jetzt doch zu den Tatvorwürfen äußern? Neuigkeit oder Missverständnis?


BR online, 7. August 2014
http://www.br.de/nachrichten/oberpfalz/mollath-wiederaufnahmeverfahren-regensburg-tag15-100.html
Mollath hatte im Vorfeld angekündigt, sich zu den Tatvorwürfen zu äußern. Denkbar ist auch, dass er weitere Beweisanträge stellt. Nach dem Bruch mit seinen beiden Pflichtverteidigern vor zwei Wochen hatte der 57-Jährige das Gericht um Zeit gebeten, um sich über das weitere Vorgehen im Prozess Gedanken machen zu können.
...
Im Gespräch mit dem BR hatte Mollath bereits vor knapp zwei Wochen bestritten, die ihm zur Last gelegten Taten begangen zu haben. Vor Gericht hat er sich bisher allerdings noch nicht dazu geäußert


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Der Fall Gustl Mollath

07.08.2014 um 18:38
Herr Mollath machts aber auch spannend :D


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Der Fall Gustl Mollath

07.08.2014 um 21:24
Herr Mollath vergleicht sein "Schicksal" mit einem Kriegstrauma:

http://www.frankenpost.de/regional/oberfranken/laenderspiegel/Mollath-kaempft-und-schweigt;art2388,3450317

Gruß, Dumas


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Der Fall Gustl Mollath

08.08.2014 um 11:16
Mollath bestreitet die Vorwürfe:
http://www.br.de/nachrichten/oberpfalz/mollath-wiederaufnahmeverfahren-regensburg-tag15-100.html


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Der Fall Gustl Mollath

08.08.2014 um 12:21
Süddeutsche, 8. August 2014
http://www.sueddeutsche.de/bayern/prozess-in-regensburg-mollath-geht-zum-angriff-ueber-1.2080728
...
Dann äußert er sich zum ersten Mal in dem Wiederaufnahmeverfahren selbst zur Sache.

Mollath weist in seiner Zeugenaussage alle Vorwürfe von sich: Er habe die vorgeworfenen Straftaten - ihm werden Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Sachbeschädigung zur Last gelegt - nicht begangen. Eine geistige Krankheit liege nicht vor und habe nie vorgelegen. Eine Gefahr für die Allgemeinheit sei nie von ihm ausgegangen und bestehe auch heute nicht. Dann geht der Angeklagte zum Angriff über: Er bezichtigt seine Ex-Frau, eine Intrige gegen ihn gesponnen zu haben. Und er attackiert sämtliche Gutachter, die ihn jemals negativ beurteilten.
...
Mollath beschreibt, wie es seiner Ansicht nach zu dem Streit zwischen ihm und seiner damaligen Ehefrau gekommen sei.
...
Auch von einem Sprung aus dem fahrenden Auto erzählt Mollath, dabei habe sich seine Exfrau Verletzungen zugezogen, die sie benutzt habe, um ihn zu belasten. Später habe Petra M. als Geisterheilerin gearbeitet - Mollath zweifelt nun umgekehrt an ihrer Zurechnungsfähigkeit.

Die Gutachter, die ihn in den vergangenen Jahren als wahnhaft und gefährlich eingestuft haben, werden von Mollath ebenfalls abgewatscht.
...
Auch die Rolle der Justiz attackiert Mollath scharf. Unter den beteiligten Personen habe es unzählige Verbindungen gegeben. Er sei damals gezielt mundtot gemacht worden.
...
Neben Mollath sitzt an diesem Freitag sein Anwalt Gerhard Strate, der inzwischen nicht mehr als Wahl-, sondern als Pflichtverteidiger arbeitet. Nachdem sich Mollath und Strate über die Strategie der Verteidigung überworfen haben, ist die Stimmung frostig. In seiner Aussage greift Mollath auch seinen Anwalt an. Strate habe zwar im Vorfeld viel für ihn getan und erheblich zu seiner Freilassung beigetragen - im Wiederaufnahmeverfahren habe ihn seine Verteidigung aber nicht unterstützt.
...
Dazu passt auch, dass Richterin Elke Escher einen Brief "von einem Herrn Heidingsfelder" erhalten hat, in dem es um die Verletzungen von Mollaths Exfrau geht. Die habe sie sich beim Sprung aus einem fahrenden Auto zugegezogen - was auch Mollath in seiner Aussage betonte. In dem Schreiben heißt es, private Ermittlungen hätten ergeben, dass es in einer Arztpraxis wohl noch Unterlagen über die Exfrau geben solle, die dem Gericht bislang noch nicht bekannt seien.

Escher hat damit ein Problem: Anders als ein "Pivatermittler" könne sich ein Gericht nicht über rechtliche Bestimmungen hinwegsetzen - in diesem Fall: die ärztliche Schweigepflicht durch Nachfragen aushöhlen. Oberstaatsanwalt Wolfhard Meindl hält die Spur für "vage" und Verteidiger Strate spricht von der "Unzuverlässigkeit der Informationen jenes privaten Ermittlers".

Bei dem Privatermittler dürfte es sich um Martin Heidingsfelder selbst handeln. Der Nürnberger ist ein Freund Mollaths und hat in den vergangenen Wochen mehrmals deutlich Stellung bezogen - gegen Strate. Er unterstützt Mollath in seinem Wunsch nach einem Freispruch erster Klasse und pocht deshalb unter anderem auch auf die Aufklärung der Schwarzgeldvorwürfe.
...
Spiegel, 8. August 2014
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/gustl-mollath-weist-tatvorwuerfe-vor-landgericht-regensburg-zurueck-a-985121.html
Regensburg - Die Staatsanwaltschaft wirft Gustl Mollath Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Sachbeschädigung vor - der aus der Psychiatrie entlassene Angeklagte hat sich nun vor dem Landgericht Regensburg verteidigt. "Die mir vorgeworfenen Straftaten habe ich nicht begangen", sagte der 57-Jährige in seinem Wiederaufnahmeverfahren. Er sei weder geisteskrank noch gefährlich für die Allgemeinheit. Seine frühere Frau habe ihm Straftaten vorgeworfen, "um mich kostengünstig zu entfernen".

Über die Erklärung hinaus war Mollath nicht dazu bereit, Fragen zuzulassen.
...
Für Freitag waren ursprünglich die Plädoyers in dem Verfahren vorgesehen. Ob es dazu kommt, war nach Mollaths Erklärung aber offen. Er formulierte darin mehrere Beweisanträge, über die das Gericht noch entscheiden muss.
taz, 8. August 2014
http://www.taz.de/Fall-Mollath-vor-dem-Abschluss/!143761/




Aus dem o.g. Spiegel-Artikel:
Über die Erklärung hinaus war Mollath nicht dazu bereit, Fragen zuzulassen.
Interessant finde ich wieder mal, mit welcher Selbstverständlichkeit hier eigene Rechte in Anspruch genommen werden, zur Klärung aber nichts beigetragen wird:


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Der Fall Gustl Mollath

08.08.2014 um 13:11
Nur noch kurz die heutigen Blog-Beiträge der Mittelbayerischen, für die, die das nicht lesen können.
Das Lesen des ganzen Blogs ist übrigens sehr empfehlenswert!


Mittelbayerische Zeitung online, Live-Blog zum Wiederaufnahmeverfahren Gustl Mollath
http://www.live.mittelbayerische.de/Event/Der_Fall_Mollath

8. August, 10:23
Tag 15 - wieder steht der Angeklagte hinter seinem Stuhl, umklammert die Lehne und starrt ins Leere. Genauso wie er es an allen anderen Tagen des Wiederaufnahmeverfahrens getan hat. Die Symbolik dahinter: Aufstehen, wenn das Gericht den Saal betritt, will er nicht. Bevor an diesem Tag die Plädoyers gehört werden sollen und Gustl Mollath eventuell doch noch aussagt, muss die Vorsitzende Richterin wieder einmal das Publikum ermahnen. Die Sitzreihen sind voll, freie Plätze gibt es keine mehr.

Die Beweisaufnahme ist noch nicht beendet: Escher beantragte auf Anregung von Verteidiger Gerhard Strate, dem Gericht eine mögliche dritte Version des Attestes des Nürnberger Allgemeinarztes vorzulegen. Dieses Attest, das vom rechtsmedizinischen Sachverständigen Prof. Wolfgang Eisenmenger zerpflückt wurde und welches die Verletzungen Petra M. s dokumentiert, war der Grund, warum das Verfahren wieder aufgenommen wurde. Als der Arzt vor Gericht bestätigte, dass es mehrere Versionen des Attestes gibt, die automatisch erstellt worden sein, wurde Strate stutzig. Nun ist klar: Die Festplatte, auf der es gespeichert sein soll, existiert nicht mehr. Zumindest konnte die Polizei keine mehr finden.

Nach zwei weiteren verlesenen Schreiben des Angeklagten an Nürnberger Richter, in denen Mollath unter anderem schreibt, die größte Friedensdemonstration Europas ausgelöst zu haben, teilt Escher etwas Ungewöhnliches mit. Escher: "Ich wollte das nur mitteilen, damit niemand denkt, das Gericht wolle etwas unter den Tisch fallen lassen." Sie trägt ein Schreiben eines Unterstützers und Freundes Gustl Mollaths vor, das die Behauptung untermauern soll, Petra M. habe sich die Verletzungen selbst zugefügt, als sie aus einem fahrenden Auto gesprungen sei. Später soll sie dann dem Allgemeinarzt eine ganz andere Geschichte aufgetischt haben. Der Freund H. will herausgefunden haben, dass eine Praxis sehr wohl noch Krankenakten von Petra M. habe, die dem Gericht bisher unbekannt seien. Petra M.s Verteidiger, Jochen Horn, will hierfür keine Schweigepflichtsentbindung geben, dieser Kompex sei bereits in Beweisanträgen der Verteidigung vom Gericht abgelehnt worden.

Escher: "Ein Herr M. mag vielleicht in Praxen anrufen und jemanden zu Aussagen verleiten, der keine Schweigepflichtsentbindung hat. Das kann das Gericht nicht tun. (...) Ich habe es nicht totgeschwiegen. (...) Das sollte sein in diesem Prozess." Gerhard Strate sagt dazu, dass es schön gewesen wäre, wenn dieser private Ermittler seine Ergebnisse der Verteidigung vorgelegt hätte. Aufgrund der "Unzuverlässigkeit der Informationen jenes privaten Ermittlers" sehe er keinen Grund für einen Antrag. Auch Oberstaatsanwalt Wolfhard Meindl hält den Sachverhalt für "derartig vage", die Anregungen gingen ins Blaue hinein. Der Angeklagte bittet darum, dass sein Verteidiger einen Antrag stellt. Das werde bestätigen, dass Petra M. diese Verletzungen durch einen Sprung aus dem Auto davon getragen hat. Das sei ein ganz wichtiger Punkt. "Ich halte das für skandalös, dass man auf irgendwelche private Ermittler angewiesen ist. (...) Dann hätten auch Sie, hohes Gericht, eine leichtere Arbeit."

Dann fragt Escher, ob Mollath nun noch zur Sache etwas aussagen will. Er erklärt, er habe ein Schriftstück vorbereitet. Die Kammer lässt ihn verlesen.
8. August, 11:01
Mollath hat sich auf diesen Tag gut vorbereitet. Er hält seine viele Seiten starke Aussage in den Händen, dann setzt er sich seine Lesebrille auf. Er sagt, seine Anwälte hätten ihm beim Verfassen dieses Schriftstücks nicht unterstützt. Er sei seinem Verteidiger aber weiterhin dankbar, ihn aus der "Hölle" der Forensik geholt zu haben. "Die Unterbringung in der Psychiatrie ist oft, zu oft, viel schlimmer als jedes Gefängnis in Deutschland." Er spricht jetzt, weil der psychiatrische Gutachter Prof. Norbert Nedopil nicht mehr anwesend ist. Dass der psychiatrische Sachverständige das überhaupt Tage lang durfte, sei ein Verstoß gegen seine Grund- und Menschenrechte gewesen. Zu den angeklagten Taten sagt er: "Ich habe die mir vorgeworfenen Straftaten nicht begangen." Konkreter wird er nicht. Es liege keine keine geistige Erkrankung vor, ebenso sei er auch keine Gefahr für die Allgemeinheit.

Viele Minuten lang führt er aus, welche Motive seine Ehefrau gehabt habe, ihn falsch zu belasten. Petra M. sei in Schwarzgeldgeschäfte verstrickt gewesen, sie habe durch Spekulationsgeschäfte hohe Verluste verursacht. Ferner habe seine Ex-Frau Zeugen massiv bedroht. "Ich musste mich für die Beendigung der Straftaten einsetzen", schon wegen seiner Verantwortung der Gesellschaft gegenüber. Aber alle, die er darauf hinwies, seien nicht dagegen vorgegangen. Um ihn "kostengünstig zu entsorgen", habe Petra M. bereitwillig Gerichte hinters Licht geführt. "Als ich feststellen musste, dass meine damalige Ehefrau länger ein Verhältnis hatte, und sie mich perfide aus dem Weg räumen wollte, erstattete ich Strafanzeige." Darüber hinaus deute vieles daraufhin - zum Beispiel dass sie jetzt als "Geistheilerin" tätig sei -, dass nicht er, sondern sie unter Wahnvorstellungen leide.

Weiter geht es mit einem Schreiben Wilhelm Schlötterers, Mollaths wohl bekanntestem Unterstützer. Der ehemalige Ministerialrat und Jurist wendet sich direkt an die Vorsitzende: Er weist Escher darauf hin, dass Petra H., damals beisitzende Richterin vor dem LG Nürnberg-Fürth (das Gericht, das Mollath wegen Schuldunfähigkeit einwies), in diesem Verfahren vor Gericht gelogen habe. Entgegen ihrer Aussage gehöre sie zu einer von Mollath belasteten Nürnberger Unternehmerfamilie. Später fordert Mollath Staatsanwalt Meindl auf, gegen Petra H. zu ermitteln - und auch gegen Richter Otto Brixner vorzugehen. Ferner soll Schlötterer als Zeuge geladen werden, um über die Mischung von Politik-und Finanzwelt auszusagen und darüber wie Bankvorstände die Behörden manipulieren und Ermittler behindert werden. Das sei auch in seinem Fall passiert. Dazu soll auch ein hessisches Steuerfahnder geladen werden.

Mollath ist noch nicht fertig: Er rechnet mit weisungsgebundenen Staatsanwälten ab. Es habe immer wieder Einmischung der bayerischen Politik gegeben. "Das waren keine Zufälle oder Schlampereien." Wenn ermittelt wurde, sei das nur sehr einseitig passiert. Dem Mann, der ihm gegenüber sitzt, wirft er vor, einen "besseren" Wiederaufnahmeantrag auf Anweisung zu einer Soft-Version umgeschrieben zu haben.

Mollath beantragt auch noch Gutachter zu hören, die ihn wirklich exploriert haben und zu einem anderen Schluss gekommen sein. Der Zeuge Friedemann Pfäfflin habe sein Gutachten nachträglich geändert.

Mollath: "Hohes Gericht, Sie sind keine Ermittlungsbehörde. Sie sind angewiesen auf Ermittlungen in alle Richtungen." Sei das nicht gewährleistet, seien auch Grundlagen unzureichend. Im schlimmsten Fall könne das zu einem Fehlurteil führen.

Als er sein Werk verlesen hat, klatschen seine Unterstützer. Dann fragt ihn Escher, ob er noch näher zu den Vorwürfen aussagen möchte. "Wollen Sie etwas sagen dazu, was sich am 12. August 2001 zugetragen hat?" Mollath: "Ich habe den Akten nichts hinzuzufügen. (...) Es ist Ihnen ja alles bekannt." Escher weist daraufhin, dass in den Akten steht, er habe sich nur gewehrt. Mollath: "Ich habe mich vor Schlägen nur zu schützen versucht." Wenn er sage "Ich habe mich leider gewehrt" habe er gemeint, dass es wohl besser gewesen wäre, hätte er sich zusammenschlagen lassen, allein um es besser dokumentieren zu können. "Ansonsten habe ich nichts hinzuzufügen." Man sehe es ihm zwar nicht an, "aber ich bin innerlich sehr am Boden." Daran seien auch die Schwierigkeiten mit seinen Verteidigern schuld. "Jetzt muss ich sagen: Für mich ist da mal gut."
8. August, 12:10
Nach mehr als einer halben Stunde wird die Verhandlung fortgesetzt. Es gab wohl Probleme mit dem Verteidiger Gerhard Strate. Er hat eine kurze Anmerkung: Er möchte klarstellen, dass er seinen Mandaten sehr wohl bei seinem Antrag beraten habe. Die Darstellung seines Mandanten sei "schlicht falsch". Mollath erklärt, er habe bis heute keine Mail bekommen. Schuld daran sei wohl eine technische Panne des Mailanbieters. Weiter geht es mit Stellungnahmen zu den Anträgen Mollaths.

Oberstaatsanwalt Meindl hat das Wort: Er lehnt Antrag um Antrag ab. Dass Eduard S., ein Bekannter Mollaths, dem von Petra M. angeboten worden sei, Geld in die Schweiz zu schaffen und später von ihr massiv bedroht worden sei, "kann als wahr unterstellt werden". Dass Petra M. heute als Geistheilerin tätig ist, sei hier nicht von Belang. Es gehe um die angeklagten Taten der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth. Ebenso verhalte es sich mit einem geforderten Glaubwürdigkeitsgutachten über Petra M. Ein solches sei nur dann einzuholen, wenn sich das Gericht kein Bild von Glaubwürdigkeit oder Glaubhaftigkeit eines Zeugen machen kann. Ein aussagepsychologisches Gutachten könne aber nur an eine Aussage vor Gericht geknüpft sein. Da Petra M. von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch mache, helfe das hier nicht weiter. Dr. Wilhelm Schlötterer sowie den Steuerfahnder Schmenger als Zeugen über Verstrickungen von Politik und Finanzwelt zu hören, sei ebenfalls für dieses Verfahren ohne Bedeutung. Meindl lehnt ebenfalls den Antrag des Nebenklägers ab, ein weiteres Urteil des Amtsgerichts Nürnberg zu verlesen. In diesem Verfahren stritten sich Petra M. und Gustl Mollath um Geld. Mollaths damaliger Verteidiger habe damals verlesen, dass Mollath selbst zugibt, an einer paranoiden Wahnsymptomatik zu leiden. Bereits vor der Pause erklärte Verteidiger Strate zum Antrag Jochen Horns, dass das wieder ein "netter Anlauf" des Nebenklägers sei. Dies falle unter das Kapitel "Vertreten durch Anwälte in Bayern". Horn solle dann auch beantragen, ob Mollath diesen Schriftsatz autorisiert hat oder die Frage stellen, warum das Mandatsverhältnis damals beendet wurde.

Dann ist Pause. Die Sitzung wird bis 13.30 Uhr unterbrochen. Am Nachmittag soll es wie geplant mit den Plädoyers weitergehen. Verteidiger Strate will 90 Minuten sprechen, er bittet das Gericht um ein Rednerpult. Meindl hat bereits ein 2,5 Stunden langes Plädoyer vorbereitet, der Nebenklagevertreter will 45 Minuten sprechen.


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