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Germanisten und Linguisten

30 Beiträge, Schlüsselwörter: Deutsch, Grammatik, Linguistik, Akkusativ, Intransitiv

Germanisten und Linguisten

01.02.2016 um 02:55
perttivalkonen schrieb:Mal sehen, wie Du es jetzt wieder mißverstehen willst, nur um Dich weiterhin vor ner ordentlichen Stellungnahme zu drücken.
Keine Ahnung, was du sagen möchtest.

Meine Stellungnahme war von Anfang an unmissverständlich formuliert. Durch die Bedeutung "eine Strecke zurücklegen", welche das Verb /gehen/ angenommen hat, ist eine Transitivität gegeben, die a) der grammatischen Definition entspricht und b) bereits 1870 von einem Linguisten namens Raphael Kühner begründend beschrieben wurde.

Ich brauche keine weitere Stellungnahme zu sinnfreien Subjekt-Objekt-Verschiebungen im Aktivsatz, bei der Agens und Patiens ausgetauscht werden und geschaut wird, ob der Satz noch Sinn macht. Dies entspricht in keinster Weise irgendeiner Definition bezüglich transitiv oder intransitiv.

Mein Erklärungsansatz ist in sich schlüssig und widerspricht keiner gängigen Regel bzw. keinem gängigen Erklärungsmuster bezüglich transitiven Verben.


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01.02.2016 um 03:28
Du verstehst allerdings tatsächlich nicht, wenn das deine Meinung ist. Pertis kleines "Spiel", das Beispiel, das er von dir ausgefüllt sehen will ist genau das, was die Defnition des Dudens beschreibt. Und weil eben das, die Umformung, mit intransitiven Verben nicht geht, ist "gehen" im Deutschen kein transitives Verb.


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01.02.2016 um 05:21
Narrenschiffer schrieb:Keine Ahnung, was du sagen möchtest.
Ja natürlich nicht. Sonst müßtest Du Dich ja der Aufgabe widmen, das transitive und das intransitive Gehen so zu korelieren wie das transitive und das intransitive Brechen. Also immer hübsch ablenken.
Narrenschiffer schrieb:Meine Stellungnahme war von Anfang an unmissverständlich formuliert. Durch die Bedeutung "eine Strecke zurücklegen", welche das Verb /gehen/ angenommen hat, ist eine Transitivität gegeben, die a) der grammatischen Definition entspricht und b) bereits 1870 von einem Linguisten namens Raphael Kühner begründend beschrieben wurde.
Naja, wenn Du meinst, daß Alter hier hilft, wie wäre es dann mit einer (zur Abwechslung mal deutschen) Grammatik von 1844?
"Theoretisch-praktische deutsche Grammatik"
https://books.google.de/books?id=E9xLAAAAYAAJ&pg=PA109&lpg=PA109&dq=gehen+transitiv&source=bl&ots=2IBpi-97-s&sig=_rn-gSF...
Die mit den Partikeln durch, hinter, über, unter, um, voll und wieder untrennbar zusammengesetzten Verba [...] sind sämmtlich Transitiva; z.B. ein Land durchreisen, etwas durchsuchen, einen hintergehen, etwas hinterbringen; einen überreden, ein Buch übersetzen, ein Gebot übertreten; einen unterstützen, unterweisen, etwas unterscheiden; einen umarmen, eine Stadt umzingeln; ein Werk vollenden, vollbringen; etwas wiederholen, wiederrufen. -- Diese Partikeln geben in solchen Zusammensetzungen auch subjectiven Stammverben transitive Kraft. Vergl. die subjektiven Verba gehen, eilen, fallen, fahren mit den Transitiven: umgehen, hintergehen, durcheilen, übereilen, überfallen, durchfahren.
[...]
Bei trennbarer Zusammensetzung, wo die Partikel den Hauptton hat, richtet sich das zusammengesetzte Verbum in der Regel nach dem einfachen, welches ihm zu Grunde liegt. Anlanden, aufstehen, auskommen, mitgehen, umgehen (mit Jemand), übertreten (zu Jemand), durchreisen sind intransitive Verba, wie die einfachen: landen, stehen, kommen, gehen, treten, reisen; anstellen, aufreiben, ausführen, mitbringen, durchführen sind Transitiva, wie die einfachen: stellen, reiben, führen, bringen. Die Partikel übt hier also nicht den Einfluß auf die Rectionsfähigkeit des Verbums aus, daß sie ein Intransitivum in ein Transitivum verwandelt.
Nicht nur, daß Gehen hier eindeutig intransitiv genannt wird, es wird gleich noch mit einer deutlichen Regel bestätigt, daß dem nicht anders sein kann: Trennbare Komposita mit proklitischem Präfix (durch, hinter, über, unter, um, voll und wieder) sind regelmäßig transitiv oder intransitiv wie das zugrundeliegende (betonte) Verb. --> Gehen muß intransitiv sein.

Oder wie wäre es mal mit was Neuerem, wiederum auf die deutsche Sprache bezogen?
"Deutsche Grammatik 2.0"
Ulrich C. Mattmüller (Sprachwissenschaftler)
http://www.deutschegrammatik20.de/der-einfache-satz/liste-transitive-und-intransitive-verben/
Transitive und intransitive Verben, die gleich lauten

beide Verben = regelmäßig

umknicken (Präsens – Perfekt)
transitiv: Der Wind knickt den Baum um.
intransitiv: Der Baum knickt um.

kochen
transitiv: Ich koche eine Suppe.
intransitiv: Die Suppe kocht.

beide Verben = unregelmäßig

backen
transitiv: Der Bäcker bäckt (backt) das Brot.
intransitiv: Das Brot bäckt (backt) im Ofen.

schmelzen:
transitiv: Die Sonne schmilzt das Eis.
intransitiv: Das Eis schmilzt.

transitives Verb = regelmäßig / intransitives Verb = unregelmäßig

hängen
transitiv: Ich hänge das Hemd in den Schrank.
intransitiv: Das Hemd hängt im Schrank.

erschrecken
transitiv: Ich erschrecke meinen Freund.
intransitiv: Mein Freund erschrickt.

Transitive und intransitive Verben, die ähnlich lauten

transitives Verb = regelmäßig / intransitives Verb = unregelmäßig

fällen (transitiv): Der Förster fällt den Baum.
fallen (intransitiv): Der Baum fällt.

legen (transitiv): Ich lege das Buch in das Regal.
liegen (intransitiv): Das Buch liegt im Regal.

senken (transitiv): Die Ölkonzerne senken den Benzinpreis.
sinken (intransitiv): Der Benzinpreis sinkt.

setzen (transitiv): Er setzt das Baby in den Kinderwagen.
sitzen (intransitiv): Das Baby sitzt im Kinderwagen.
Ich wiederhole mich gerne: versuch das mal mit "gehen".

Wollen wir wetten, daß Du wieder ausweichen wirst?
Narrenschiffer schrieb:Mein Erklärungsansatz ist in sich schlüssig und widerspricht keiner gängigen Regel bzw. keinem gängigen Erklärungsmuster bezüglich transitiven Verben.
Tscha, Du hast die Vergangenheit (1844) und Gegenwart (2011; Übungsbuch 2014) grammatischer Literatur gegen Dich, ebenso ne handfeste Regel. Und natürlich auch die ach so
Narrenschiffer schrieb:sinnfreien Subjekt-Objekt-Verschiebungen im Aktivsatz, bei der Agens und Patiens ausgetauscht werden und geschaut wird, ob der Satz noch Sinn macht
die es sogar extra als Übungen zum Verstehen des Transitivs und Intransitivs gibt.

Und was hast Du? Du hast den Kühner, weder so alt noch so neu wie meine beiden, und dessen Aussagen wie
Narrenschiffer schrieb:Die Intransitive, welche den Begriff der Bewegung ausdrücken, nahmen häufig als Transitive den Raum oder Weg, über den sich die Bewegung erstreckt, im Akkusative zu sich
gelten dem Griechischen. Im Deutschen ist es eben nicht der Fall, daß intransitive Verben der Bewegung häufig Transitiva spielen. Die wenigen Fälle, in denen sowas erfolgt, passen zu den wenigen Fällen, in denen andere Intransitiva als Verben der Bewegung betroffen sind. Wie ich schon schrieb, handelt es sich um eine Intensivierung, Hervorhebung, Betonung der so umschriebenen Aktion. Hab sogar extra ne Google-Trefferliste verlinkt, bei der Du selber nachsehen kannst, daß dem so ist.


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01.02.2016 um 06:20
@perttivalkonen
Aber darf man "Ich gehe eine Straße entlang" sagen, um die Bezugs-situation zu beschreiben?


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01.02.2016 um 07:28
@MrBananentoast
Wenn Du die Straße entlanggehen willst, kannst Du das gerne transitiv machen. Nur eben mit nem anderen Verb als Gehen.


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01.02.2016 um 12:30
perttivalkonen schrieb:Wollen wir wetten, daß Du wieder ausweichen wirst?
Wieso soll ich? Nicht jedes Verb ist gleichzeitig transitiv und intransitiv. Nicht jedes transitive Verb hat eine intransitive Form.

/schlagen/ war schon, und es ist eindeutig transitiv. Nur kannst du den Agens nicht in eine intransitive Aktivform übertragen.

Ich schlage den Nagel in die Wand.
*Der Nagel schlägt.


Einziges Kriterium für transitiv ist, dass das Akkusativobjekt des Aktivsatzes zum Nominativsubjekt im Passivsatz werden kann.

Somit ist eher die Fragestellung, ob wirklich ein Passiv gebildet werden kann.

Er geht seinen Weg.
Sein schwerer Weg wird von ihm gegangen.

Mitglieder eines Kölner Glaubensverein gehen den Jakobsweg.
Der Jakobsweg wird von Mitgliedern eines Kölner Glaubensvereins gegangen


Wenn wir ablehnen, dass die Passivbildung einen sinnvollen Satz ergibt, ist im Aktivsatz zwar ein Akkusativobjekt gegeben, das Verb /gehen/ jedoch nicht transitiv.

Dies ist die Crux bei der Ausgangsfrage des Threads, ob /gehen/ transitiv sein kann.


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01.02.2016 um 13:52
Wieso soll ich? Nicht jedes Verb ist gleichzeitig transitiv und intransitiv. Nicht jedes transitive Verb hat eine intransitive Form.

/schlagen/ war schon, und es ist eindeutig transitiv. Nur kannst du den Agens nicht in eine intransitive Aktivform übertragen.

Ich schlage den Nagel in die Wand.
*Der Nagel schlägt.
Und wieder weichst Du aus. Nach Deiner Meinung ist gehen ein Verb mit transitiver und intransitiver Bedeutung. Also mußt Du das eben auch mit Verben transitiver und intransitiver Bedeutung abgleichen, gerne auch mit etymologisch zusammenhängenden Verbpaaren wie fallen-fällen. Zum wiederholten Male nimmst Du dagegen ein rein transitives Verb und tust so, als würde das was belegen. Das ist absurd, und mittlerweile habe ich den starken Verdacht, daß das Absicht ist.
Narrenschiffer schrieb:Einziges Kriterium für transitiv ist, dass das Akkusativobjekt des Aktivsatzes zum Nominativsubjekt im Passivsatz werden kann.

Somit ist eher die Fragestellung, ob wirklich ein Passiv gebildet werden kann.
Und das kann es eben nicht. Eine Allee kann nicht gegangen werden. Das zeigt, daß der gegangene Weg eine Ausnahmebildung für das Verb Gehen ist und dieses also kein Transitivum ist.

Ferner gibt es nun mal die Regel, daß bei Transitiv-Intransitiv-Verben wie Verbpaaren die selbe Aktion beschreibbar ist in der Form
[Subjekt A] + [Transitivverb] + [Objekt B] = [Subjekt B] + [Intransitivverb] + "durch/wegen A"
Der Wind knickt den Baum um. = Der Baum knickt wegen dem Wind um.
Ich koche eine Suppe. = Die Suppe kocht durch mich.
Der Bäcker bäckt (backt) das Brot. = Das Brot bäckt (backt) durch den Bäcker.
Die Sonne schmilzt das Eis. = Das Eis schmilzt wegen der Sonne.
Ich hänge das Hemd in den Schrank. = Das Hemd hängt durch mich im Schrank.
Ich erschrecke meinen Freund. = Mein Freund erschrickt wegen mir.
Der Förster fällt den Baum. = Der Baum fällt durch den Förster.
Ich lege das Buch in das Regal. = Das Buch liegt wegen mir im Regal.
Die Ölkonzerne senken den Benzinpreis. = Der Benzinpreis sinkt durch die Ölkonzerne.
Er setzt das Baby in den Kinderwagen. = Das Baby sitzt wegen ihm im Kinderwagen.

An dieser Regel kommst Du nicht vorbei. Ich hatte Dich ja aufgefordert, es auszuprobieren. Mit - verdammt nochmal! - Verben oder Verbpaaren, die transitiv und intransitiv gebraucht werden können. Namentlich mit "gehen", wenn es denn, wie Du behauptest, transitiv wie intransitiv wäre.

Also nicht
Narrenschiffer schrieb:Ich schlage den Nagel in die Wand.
*Der Nagel schlägt.
sondern
Ich stecke den Nagel in die Wand.
*Der Nagel steckt (in der Wand) (durch mich).


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06.02.2016 um 22:16
@Narrenschiffer

Ein neuer Versuch.

Daß Aktiv und Passiv zueinander in Beziehung stehen, ist bekannt und wird auch von Dir ausdrücklich angesprochen.

Der Taxifahrer fährt.
Der Taxifahrer wird gefahren.
Beide Sätze werden zwar mit dem selben Verb gebildet, einmal im Aktiv und einmal im Passiv, und auch der Taxifahrer ist derselbe, aber das sind dennoch zwei völlig verschiedene, nicht zusammenhängende Verwendungen des Verbes.

Der Taxifahrer fährt den Kunden.
Der Kunde wird gefahren (vom Taxifahrer).
Hier merken wir deutlich, daß die beiden Sätze zusammenhängen. Daß die Zusammengehörigkeit und Umwandelbarkeit der beiden Sätze und der beiden Aktionsformen des einen Verbes ausgedrückt wird.

Daher kennen wir auch die Regel: Der Passiv drückt aus, was im Aktiv mit dem Objekt (durch das Subjekt) ausgeführt wird.

Kann man auf diese Weise auch Transitiv und Intransitiv miteinander in Beziehung setzen und umwandeln? Bleiben wir einfach bei den Verben, die sowohl transitiv als auch intransitiv sind.

Der Bäcker bäckt Brot.
Das Brot bäckt im Ofen.

Das geht übrigens auch mit "fahren", denn auch das ist sowohl transitiv als auch intransitiv. Ich kann mit dem Auto fahren, mit dem Flugzeug fliegen, ohne daß ich selbst am Steuer sitze. Ich fahre/fliege dann mit und werde zugleich gefahren/geflogen. Aber wir können auch sagen "ich fahre/fliege". Der Taxifahrer kann den Kunden gleicherweise fragen:
Wohin wollen Sie gefahren werden?
Wohin wollen Sie fahren?
Wohin soll ich Sie fahren?

Der Taxifahrer fährt den Kunden zum Flughafen.
Der Taxi-Kunde fährt zum Flughafen.
Auch hier drücken beide Sätze die gleiche Aktion aus, nur einmal mit dem Transitiv und einmal mit dem Intransitiv. Und das Subjekt des Intransitivs ist das Objekt des Transitivs.

Bei der Beziehung Transitiv-Intransitiv muß also das Objekt des Transitivverbes zum Subjekt des Intransitivverbes werden, genauso wie bei der Beziehung Aktiv-Passiv.

Und nun zurück zu "gehen".

Aktiv - Passiv:
Ich gehe den Weg. - Der Weg wird gegangen.
Transitiv - Intransitiv:
Ich gehe den Weg. - Ich gehe.
Ich gehe den Weg. - Der Weg geht.
Ich gehe den Weg. - Der Weg geht über den Berg nach Norden.
Im ersten Fall stimmt zwar die Verwendung der Verben, aber das Subjekt des Intransitivs ist nicht das Objekt des Transitivs.
Im zweiten Fall stimmt zwar die Umwandlungsregel, doch ein Weg geht nicht.
Im dritten Fall kann zwar der Weg gehen, doch ist dies unsauberes Deutsch; Gehen steht unsauber für korrektes Führen.

Könnte dennoch der dritte Fall trotz unsauberer Verbverwendung ein sauberes Transitiv-Intransitiv-Verhältnis sein? Nein. Und das läßt sich durch die Conjugatio periphrastica herausfinden.

Conjugatio periphrastica meint, daß beim Konjugieren eines Verbes keine eigene Verbform verwendet wird, sondern eine Periphrase, eine Umschreibung mithilfe eines Hilfsverbes. Zum Beispiel bilden andere Sprachen auch für Perfekt und Plusquanperfekt eigene Verbformen heraus, doch im Deutschen ist das nicht der Fall. Während im Präsens und im Präterium (Imperfekt) noch die Verben konjugiert werden:
ich gehe / ging
du gehst / gingst
er/sie/es geht/ging
wir gehen/gingen
ihr geht/gingt
sie gehen/gingen
wird im Perfekt und Plusquamperfekt nur das Partizip II des Verbes verwendet und mit einem Hilfsverb verbunden, welches dann konjugiert wird.
ich bin/war gegangen
du bist/warst gegangen
er/sie/es ist/war gegangen
wir sind/waren gegangen
ihr seid/wart gegangen
sie sind/waren gegangen

Nun kann bei Aktiv und Passiv der Aktiv auch in Form einer Conjugatio periphrastica unter Zuhilfenahme des Passivs wiedergegeben werden.
Der Taxikunde wird gefahren. Der Taxifahrer fährt den Taxikunden.
---> Der Taxifahrer macht, daß der Taxikunde gefahren wird.
OK, ist zwar gestelzt, aber es geht nur darum, daß es so funzen würde, wenn man das Aktiv mit dem Passiv umschreiben will.
Der Bäcker macht, daß das Brot gebacken wird.
Der Leser macht, daß das Buch gelesen wird.
Der Richter macht, daß der Straftäter verurteilt wird.
...

Auch bei Transitiv-Intransitiv kann das Transitiv-Pendant eines Intransitiv-Satzes mithilfe des Intransitiv-Verbes und eines Hilfsverbes umschrieben wird.
Der Taxikunde fährt zum Flughafen. Der Taxifahrer fährt den Taxikunden zum Flughafen. Der Taxifahrer macht den Taxikunden zum Flughafen fahren.
Der Bäcker macht das Brot backen.
Der Vandale macht die Fensterscheibe brechen.
Der Redner macht die Rede beginnen.
Der Glöckner macht die Glocke läuten.
Oft wäre als Hilfsverb das "lassen" besser geeignet, dann klingt das nicht so gestelzt. Der Glöckner läßt die Glocke läuten. Aber manchmal geht das nicht. Der Taxifahrer läßt den Taxikunden zum Flughafen fahren, das klingt dann eher so, als überließe er jenem das Steuer. Deswegen bin ich beim "machen" geblieben.

So, und nun zurück zum Gehen.
Ich gehe den Weg. - Ich gehe.
Ich gehe den Weg. - Der Weg geht.
Ich gehe den Weg. - Der Weg geht über den Berg nach Norden.
Könnte eins davon ein Transitiv-Intransitiv-Verhältnis sein? Wenn ja, dann müßte sich für eine der drei Varianten der Transitiv durch den Intransitiv im Infinitiv und das Hilfsverb Machen/Lassen ausdrücken lassen.
Die erste Variante fällt schon mal wegen des falschen Transitiv-Subjekts aus.
Ich mache/lasse den Weg gehen.
Ich mache/lasse den Weg über den Berg nach Norden gehen.
Die zweite Variante - hier also die erste - scheitert noch immer daran, daß der Weg nicht geht.
Die dritte Variante nun geht zwar, aber die damit beschriebene Aktion ist nicht das transitiv formulierte "Ich gehe den Weg über den Berg nach Norden", sondern es bedutet "ich lege einen Weg an, der über den Berg nach Norden "geht"/führt".

Mit anderen Worten, "Ich gehe den Weg" ist kein klassischer Transitiv, kein Pendant zu Gehen als Intransitiv.

Da Gehen im allgemeinen intransitiv verwendet wird, und da, wenn solch ein Objekt hinzukommt, die Auswahl der möglichen Nomina extrem limitiert ist, handelt es sich nicht um eine Transitivversion zu Gehen, sondern um eine Intensivierung eines intransitiven Verbes mithilfe eines "Scheinobjekts", welches entweder aus dem Wortstamm des Verbes oder gebildet wird oder einen Begriff aus dem Wortfeld des Verbes darstellt.
Also:
einen Kampf kämpfen,
einen Schlaf schlafen,
ein Leben leben,
einen Weg gehen.


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Germanisten und Linguisten

07.02.2016 um 02:14
perttivalkonen schrieb:Mit anderen Worten, "Ich gehe den Weg" ist kein klassischer Transitiv
Dem kann ich mich anschließen, da ja das Passiv "Der Weg wird gegangen" nicht unbedingt perfekt klingt.
perttivalkonen schrieb:Die dritte Variante nun geht zwar, aber die damit beschriebene Aktion ist nicht das transitiv formulierte "Ich gehe den Weg über den Berg nach Norden", sondern es bedutet "ich lege einen Weg an, der über den Berg nach Norden "geht"/führt".
Mit /anlegen/ hätte ich es nun nicht übertragen.

Eher auf eine telefonische Anfrage, welchen man geht:

Ich gehe den Weg über den Berg nach Norden und habe nicht den längeren Weg im Tal gewählt.

Oder auf eine Frage, welchen Weg man gehen wird, dann kann durch /nehmen/ ersetzt werden:

Ich nehme den Weg über den Berg nach Norden.

Das wiederum wäre klassisch transitiv.


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Germanisten und Linguisten

07.02.2016 um 05:00
Eher auf eine telefonische Anfrage, welchen man geht:

Ich gehe den Weg über den Berg nach Norden und habe nicht den längeren Weg im Tal gewählt.
Das ist dann aber kein Weg im Sinne eines "Objektes" in der Landschaft, keine "Straße", "Gasse" odgl. Dieser "Weg" ist "mein Gehen".
"Ich lasse mein Gehen (in diesem Sinne: meinen Weg) über den Berg nach Norden gehen."
Das aber ist dann nicht mehr ne Paraphrase zu "Ich gehe den Weg...".

Wie übertragen auch immer der Weg in "einen Weg gehen" ist (Lebensweg), gemeint ist eben ein Weg, eine Bahn, "Straße", nicht der Akt der Ortsveränderung von A nach B, nicht ein Gehen.
Ich nehme den Weg über den Berg nach Norden.

Das wiederum wäre klassisch transitiv.
Freilich ohne ein Intransitiv-Pendant.

Ein Verb mit Akkusativobjekt ist nur dann transitiv, wenn es kein Intransitiv-Pendant besitzt oder ein solches, mit dem es eine gemeinsame Aktion ausdrücken kann á la "Der Glöckner läutet die Glocke, die Glocke läutet, der Glöckner läßt die Glocke läuten."

Nehmen ist transitiv, weil es auf ein Akkusativobjekt zielt, aber kein Transitiv-Pendant besitzt. Gehen mit einem Akkusativ ist nicht transitiv, weil es intransitiv verwendet werden kann, jedoch nicht mit dem Akkusativ-Nomen als Subjekt. Gehen mit Akkusativ ist ein erweitertes (intensiviertes) Intransitiv.

Der klassische Transitiv mit Intransitiv-Pendant war ursprünglich, ich schrieb es ja bereits, eine eigenständige Aktionsform des Verbes neben Aktiv, Passiv, Reflexiv und Medium; sie stellte den Kausativ dar, den Veranlassungsfall (siehe "lassen" als Hilfsverb bei der Umschreibung). So, wie die noch existierenden Aktionsformen nach gewissen Regeln gebildet werden, so wurde auch diese fünfte Form nach einer eigenen Regel gebildet. Form wie Regel ist gemeinindogermanisch; noch im Altgermanischen gab es das. Mit der Zeit ging diese Aktionsform aber verloren. Jene Verben, deren Kausativ sehr gebräuchlich / geläufig waren, behielten ihre Kausativ-Form bei, gelten seither aber als eigenständige Verben. So wie Trinken-Tränken, Sitzen-Setzen... Bei den weniger geläufigen ging die Form verloren, nicht aber der Inhalt. Dies sind die heutigen Transitiva, die auch intransitiv verwendet werden können. Siehe Fahren, Beginnen... (Obwohl bei Fahren noch Reste unterschiedlicher Verbbildung vorhanden sind: der Taxikunde ist gefahren, der Taxifahrer hat den Kunden gefahren.) Auch jene Kausativ-Reste, die ihre Form behielten und deswegen als eigenständiges Verb gelten, sind stets transitiv. Setzen und Tränken ist transitiv. Sitzen ist intransitiv - Trinken hingegen nicht.

Das hängt allerdings mit dem früher weiter verbreiteten doppelten Akkusativ zusammen. Wir erkennen es noch am alten Kausativ Lehren mit seinem intransitiven Pendant Lernen. "Der Lehrer lehrt die Kinder das Rechnen." - "Die Kinder lernen das Rechnen." Obwohl Lernen transitiv ist, ist das Verb gegenüber dem Lehren "intransitiv", da das eine Objekt des Lehrens zum Subjekt des Lernens wird. Da es noch ein weiteres Akkusativobjekt gibt, ist Lernen dennoch transitiv - jedoch nicht in seinem Verhältnis zu Lehren.


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