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Definitionsproblem mit dem Atheismus

172 Beiträge, Schlüsselwörter: Atheismus, Definition, Theismus
Labor-Ratte
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Definitionsproblem mit dem Atheismus

21.09.2016 um 02:46
@Micha007

Das ist genau das, worauf ich hinaus wollte. Glaube oder Nichtglaube an etwas bedeutet nicht automatisch, dass man auch Wissen darüber besitzt. Etwas nicht zu glauben bedeutet nicht zwangsläufig automatisch, dass man etwas ausschließen würde oder könnte. Die Begriffe des schwachen (eher agnostischen) Atheismus und des starken Atheismus nehmen darauf Bezug. Vielleicht ist die Namenswahl etwas unglücklich gewählt, weil der Name schwacher Atheimus vermuten lassen könnte, er wäre weniger atheistisch als der starke Atheismus. Aber das ist eigentlich nicht damit gemeint.

Im Grunde aber sind all diese Begriffe nicht sehr präzise, da sie alle auf dem recht "schwammigen" Begriff "Glaube" aufbauen. Von daher sind diese Abgrenzungen durchaus diskutierbar.


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Definitionsproblem mit dem Atheismus

21.09.2016 um 10:47
@Labor-Ratte
Labor-Ratte schrieb:Die Begriffe des schwachen (eher agnostischen) Atheismus und des starken Atheismus nehmen darauf Bezug. Vielleicht ist die Namenswahl etwas unglücklich gewählt, weil der Name schwacher Atheimus vermuten lassen könnte, er wäre weniger atheistisch als der starke Atheismus.
Man merkt sehr deutlich, dass genau hier wirklich staendig Verstaendnisprobleme auftreten, weswegen ich auch immer die Bezeichnung "Anti-Theist" vorziehe und "starker Atheist" (wenn es auch der gaengigere Begriff ist) lieber unter den Tisch fallen lasse.

"Schwacher Atheist" und "starker Atheist" laden einfach viel zu sehr dazu ein, die Begriffe zusammenzufassen um dann mit "aber die Atheisten glauben doch, dass ..." zu argmentieren.


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Definitionsproblem mit dem Atheismus

24.09.2016 um 15:48
Buddisten und Marxisten sind schon immer blendend ohne einen Gott ausgekommen.

Wenn Ethik an einen Gott gekoppelt wäre, dann müßten das ja alles verkommene Subjekte sein.


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Definitionsproblem mit dem Atheismus

28.09.2016 um 00:26
Ohne mich jetzt gross an der Diskussion zu beteiligen, möchte ich in den Raum werfen, dass die korrekte Frage nicht lautet: Wer ist Gott – sondern was ist Gott. Gott ist eine Funkion.

Dies befriedigt beide Positionen: Einerseits sind 'Wunder' möglich, da solche Phänomene in einer Physik veranlagt sind, die wir erst langsam zu verstehen beginnen. Andererseits wird Gott (verstanden als Person/Persönlichkeit/Entität mit Ich-Bewusstsein) nicht benötigt, um Unverständliches zu erklären, was Menschen erleben können, die ihr innerstes erforschen und entdecken (Wobei das Entdeckte sich leider sowenig befriedigend in Worte fassen lässt wie 'Wie ist der Geschmack von Schokolade?'. Schokolade muss man selbst kosten.

In diese Richtung stösst auch die These, dass das Universum, resp. die ganze messbare und unmessbare Materie und Energie, ein einzig riesiger Quantencomuter sein könnte, dessen Programm lautet, zyklische Lebenssysteme in immer komplexeren Formen hervor zu bringen. Was bedeuten würde, dass Leben im Universum die Regel, nicht die Ausnahme ist. Betonung auf Leben, nicht Intelligenz (was auch immer das sein soll).

Ausserhalb der Box zu denken reicht heute nicht mehr. Man sollte die Box am besten ganz vergessen und den Geschmack von Schokolade geniessen, statt ihn in oder um eine Box zu quetschen. Allerdings ist die Box sehr gut geeignet, um Traktoren und Kanonen zu bauen. Vorallem wegen zweiterem ist die Box wohl so erfolgreich, da auf grössere Kanonen grössere Traktoren folgen. Gott aber hat damit rein gar nichts zu tun -- Moral ist rein menschlich.

Hier entsteht die Verbindung von Theismus und Atheismus, von alter Mystik und moderner Physik. Wie es St. Augustinus im 6. Jh. sagte: 'Wunder stehen nicht im Gegensatz zur Natur, höchstens im Gegensatz zu dem, was wir über die Natur wissen.' Damals war die Erde noch flach, nicht wahr. Wer meint, die Reise sei mit Atomen und ein paar Bosonen zu Ende, urteilt wohl zu früh.


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Definitionsproblem mit dem Atheismus

24.01.2019 um 22:05
Fortgesetzte Diskussion von hier (hab's mal verschoben, weil off-topic im anderen Themenstrang).
perttivalkonen schrieb:Das, was Du im Folgenden schribst, hat mit einem Vorwurf, Aufweis und Entkräften von petitio principii rein gar nichts zu tun. Entweder weißt Du nicht, was das bedeutet, oder Du hast nur nach nem hübschen Schlagwort fürs Diffamieren gesucht.
Deshalb schrieb ich ja vorsichtshalber auch extra von einer Art petitio principii, um mich nicht im Zweifelsfalle zu weit aus dem Fenster zu lehnen, zumal du dich hier ja bis jetzt auch hartnäckig weigerst, mal klipp und klar in ein, zwei Sätzen zu sagen, was genau du unter "Atheismus" verstehst. Deshalb muss ich da auch ein bisschen raten. Aber Atheisten bspw. zu definieren als Menschen, die lediglich nicht an Gott/Götter glauben, um hinterher dann zu "schlussfolgern", Atheisten seien in erster Linie erst einmal nur Menschen, die lediglich nicht an Gott/Götter glauben... nun ja... wonach riecht das wohl?

Definitionen sind natürlich nicht in Stein gemeißelt, deshalb hab' ich an und für sich auch erst einmal kein Problem damit, wenn jemand unter einem Begriff etwas anderes versteht. Und unter Voraussetzung o.g. Definition (Atheismus als Fehlen des Glaubens an Gott) sind deine Schlüsse und Aussagen soweit auch völlig korrekt, deshalb ging ich in meinen nachfolgenden Zeilen oben auch nicht auf den (Zirkel-)Schluss ein, sondern auf die Sinnhaftigkeit und Gebräuchlichkeit der von dir ins Spiel gebrachten Begriffsbedeutung von 'Atheismus'.
perttivalkonen schrieb:Das, was Du im Folgenden schribst, hat mit einem Vorwurf, Aufweis und Entkräften von petitio principii rein gar nichts zu tun.
Wie eben gesagt, war das auch nicht meine Absicht. Strohmann?
perttivalkonen schrieb:Es reicht, daß er sich um Götter schlicht keine Rübe macht.
Das wäre eher dem Agnostizismus zuzuordnen, der sich beide Möglichkeiten (existiert/existiert nicht) völlig offenlässt. Aber auch das wäre eigentlich nicht ganz korrekt...
perttivalkonen schrieb:Jeder Mensch glaubt, die Welt und alles in ihr würde soundso funzen. Das ist ein aktives Fürwahrhalten, ein Glauben. Nun kann man natürlich sagen, wer A glaubt, der schließt die Alternative B aus. Aber es ist ein Unterschied, ob er B ausschließt, indem er A glaubt, oder indem er "B ist ausgeschlossen" zu einem eigenständigen Glaubensinhalt macht und also "B ist ausgeschlossen" aktiv glaubt. Tut er das nicht, dann ist B für ihn zwar trotzdem ausgeschlossen, aber nur weil er A glaubt, nicht weil er glaubt "B ist ausgeschlossen".
Mir ist schon klar, was du zu sagen versuchst: Es gibt Weltbilder, in denen die Hypthese 'Gott' einfach keine Rolle spielt bzw. ausgeschlossen ist. Dem stimme ich soweit auch zu, nur...
perttivalkonen schrieb:Dieses B Ausschließen ist kein aktives Glauben. Es ist kein Thema, kein Bestandteil der Weltsicht, die eben nur aus A besteht.
Ja, eben, keinen Standpunkt zu haben, ist selbst kein Standpunkt, keinen Glauben zu haben, ist selbst kein Glaube, und keine Meinung zu haben, ist selbst keine Meinung. Genau aus diesem Grund kann man bspw. zwar auch Anhänger einer Weltsicht sein, aber nicht Anhänger einer Nicht-Weltsicht. Man kann bspw. Anhänger des Neoliberalismus oder Materialismus sein, aber kein Anhänger des Nicht-Neoliberalismus oder Nicht-Materialismus. Entsprechend macht auch die Auslegung von Atheismus als Synonym für Nicht-Theismus überhaupt keinen Sinn. Oder mit anderen Worten: Ein derart verstandener Atheismus hat überhaupt keine Anhänger und kann sie auch gar nicht haben (aber Vorsicht, nicht falsch verstehen: Auf der anderen Seite gibt es natürlich sehr wohl nicht-theistische Weltbilder wie bspw. Materialismus, Neoliberalismus oder das Heliozentrische Weltbild, klar, dagegen ist überhaupt nichts einzuwenden).

Aber damit ist ja leider noch nicht genug. Angenommen, Atheismus meint lediglich die Abwesenheit des Glaubens an Gott/Götter. Dann brauchen wir immer noch einen Begriff für das Weltbild von Menschen, welche die Gegenposition zum Theismus einnehmen, also explizit glauben, dass Gott/Götter nicht existieren, und ferner eifrig bemüht sind, diesen Standpunkt in Foren-Diskussionen, Zeitungsartikeln, Blog-Einträgen, Büchern usw. lautstark zu verteidigen (die "New Atheism"-Clique rund um Dawkins, Hitchens, Harris und Dennett kennst du ja sicherlich). Einige Schlaumeier sind nun der Meinung, dass es sich hierbei um Antitheismus handele, womit dann auch ein Begriff für das Weltbild jener Menschen gefunden sei. Gut, schauen wir mal, was der gute alte Duden dazu sagt...
https://www.duden.de/suchen/dudenonline/Antitheismus

Huch, 0 Treffer...! Tja, was sagt man dazu? Richtig, "Antitheismus" ist offenbar nichts weiter als Neusprech einer ideologisch verblendeten Minderheit von Atheisten, die im gleichen Atemzug den Begriff "Atheismus" umzudeuten versucht, jedoch kein landläufiger Begriff.

Bleiben wir also der Einfachheit halber doch einfach bei der landläufigen Bedeutung:

"Weltanschauung, die die Existenz [eines] Gottes verneint bzw. bezweifelt"
https://www.duden.de/rechtschreibung/Atheismus

Und wem diese Definition nicht passt, muss sich doch nicht als Atheist bezeichnen (lassen), sondern bspw. als Materialist, Naturalist, Physikalist or whatever. So what...?!


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Definitionsproblem mit dem Atheismus

25.01.2019 um 01:02
@Noumenon
@perttivalkonen

ich quatsche Euch einfach mal dazwischen, weil´s echt interessant ist.

Meiner bisherigen Erfahrung nach, und denen die ich kenne und sich gerne mit Atheist betiteln nach, hielt ich Atheisten auch immer nach Neusprech für "Antitheisten".

Klingt sehr nach "schwarz-weiß", aber alles andere als Atheismus und "gläubig" halte ich für Agnotismus.
Und wer sich darüber noch keine Rübe gemacht hat, der ist halt noch undefiniert. Was aber genauso berechtigt ist. Die Welt funktioniert auch so. Die meisten Menschen denken doch erst in Schlüsselsituationen darüber nach.

Ich persönlich sehe mich eher als sowas wie ein unentschlossener Agnostiker, hab also noch nicht richtig die Lust gefunden, mir darüber eine Rübe zu machen, aber halte nichts vom Atheismus. Ansonsten muss ich trotz dem morgen (leider) wieder zur Arbeit ;)


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25.01.2019 um 02:39
skagerak schrieb:Klingt sehr nach "schwarz-weiß", aber alles andere als Atheismus und "gläubig" halte ich für Agnotismus.
Ja, aber das ist die Welt natürlich nicht. Mich ärgert's auch immer ein bissl, wenn bspw. so getan wird als gäbe es nur völlige Überzeugung oder radikale Ablehnung... Also entweder 100%-Hardcore-Theist, oder aber 100%-Hardcore-Atheist. Aber es gibt ja auch noch den kritischen Glauben oder vorsichtigen Zweifel. Fundamentalismus, denke ich, ist trotz gewisser Tendenzen in Richtung Theismus oder Atheismus eher selten.
skagerak schrieb:...hab also noch nicht richtig die Lust gefunden, mir darüber eine Rübe zu machen...
So dürfte es wohl den meisten Menschen gehen, was u.a. auch der Grund für oben Gesagtes ist, also dass Menschen mit ihrem Standpunkt zwar in die eine oder andere Richtung tendieren, ohne den aber permanent zu vertreten und renitent zu verteidigen. Meistens sind's halt nur die Fundis, die Bücher, Blogs oder Artikel verfassen und dadurch dann natürlich besonders präsent sind, während der Durchschnittsbürger, der irgendwas glaubt, ohne aber vollends davon überzeugt zu sein, völlig unterrepräsentiert ist. Aber da genügt eigentlich einfach ein Blick in den Kollegen-, Freundes- oder Familienkreis, um das Bild gerade zu rücken. Ist zumindest in meinem Fall so, dass da Gott quasi so gut wie nie ein Thema ist und keinerlei Rolle spielt. Aber sobald das Thema mal aufkommt, haben dann plötzlich alle so ihren Standpunkt, einigen sich in der Regel aber relativ schnell auf den Agnostizismus zumindest als Kompromiss, eine Art Waffenstillstand, der guten Beziehungen zuliebe, bevor's noch in Streit ausartet. :D


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25.01.2019 um 02:58
Noumenon schrieb:kritischen Glauben
wie sieht so etwas aus?
Noumenon schrieb:Durchschnittsbürger, der irgendwas glaubt, ohne aber vollends davon überzeugt zu sein,
vom Glauben oder von den Religionen?
Noumenon schrieb:hren Standpunkt, einigen sich in der Regel aber relativ schnell auf den Agnostizismus zumindest als Kompromiss,
dann ist kein Gläubiger dabei


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25.01.2019 um 07:21
Noumenon schrieb:Dann brauchen wir immer noch einen Begriff für das Weltbild von Menschen, welche die Gegenposition zum Theismus einnehmen, also explizit glauben, dass Gott/Götter nicht existieren, und ferner eifrig bemüht sind, diesen Standpunkt in Foren-Diskussionen, Zeitungsartikeln, Blog-Einträgen, Büchern usw. lautstark zu verteidigen (die "New Atheism"-Clique rund um Dawkins, Hitchens, Harris und Dennett kennst du ja sicherlich).
Dahinter steckt kein gesondertes Weltbild - es geht bei dem Personenkreis einfach um Aktivisten. So wie es Vegetarier gibt, die einfach für sich auf Fleisch verzichten, und andere, die gegen dem Fleischkonsum auf die Straße gehen.
Treffend und spannend ist aber vielleicht die Formulierungen "Glaubensgegner". Glaubensgegner sind nicht gegen glauben (was ja total natürlich / menschlich ist) - sie sind dagegen, einem Glauben so eine krasse, lebensbestimmende Bedeutung zukommen zu lassen.


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Definitionsproblem mit dem Atheismus

25.01.2019 um 13:47
Noumenon schrieb: perttivalkonen schrieb:
Jeder Mensch glaubt, die Welt und alles in ihr würde soundso funzen. Das ist ein aktives Fürwahrhalten, ein Glauben. Nun kann man natürlich sagen, wer A glaubt, der schließt die Alternative B aus. Aber es ist ein Unterschied, ob er B ausschließt, indem er A glaubt, oder indem er "B ist ausgeschlossen" zu einem eigenständigen Glaubensinhalt macht und also "B ist ausgeschlossen" aktiv glaubt. Tut er das nicht, dann ist B für ihn zwar trotzdem ausgeschlossen, aber nur weil er A glaubt, nicht weil er glaubt "B ist ausgeschlossen".

Mir ist schon klar, was du zu sagen versuchst: Es gibt Weltbilder, in denen die Hypthese 'Gott' einfach keine Rolle spielt bzw. ausgeschlossen ist. Dem stimme ich soweit auch zu, nur...

perttivalkonen schrieb:
Dieses B Ausschließen ist kein aktives Glauben. Es ist kein Thema, kein Bestandteil der Weltsicht, die eben nur aus A besteht.

Ja, eben, keinen Standpunkt zu haben, ist selbst kein Standpunkt, keinen Glauben zu haben, ist selbst kein Glaube, und keine Meinung zu haben, ist selbst keine Meinung. Genau aus diesem Grund kann man bspw. zwar auch Anhänger einer Weltsicht sein, aber nicht Anhänger einer Nicht-Weltsicht. Man kann bspw. Anhänger des Neoliberalismus oder Materialismus sein, aber kein Anhänger des Nicht-Neoliberalismus oder Nicht-Materialismus. Entsprechend macht auch die Auslegung von Atheismus als Synonym für Nicht-Theismus überhaupt keinen Sinn. Oder mit anderen Worten: Ein derart verstandener Atheismus hat überhaupt keine Anhänger und kann sie auch gar nicht haben (aber Vorsicht, nicht falsch verstehen: Auf der anderen Seite gibt es natürlich sehr wohl nicht-theistische Weltbilder wie bspw. Materialismus, Neoliberalismus oder das Heliozentrische Weltbild, klar, dagegen ist überhaupt nichts einzuwenden).

Aber damit ist ja leider noch nicht genug. Angenommen, Atheismus meint lediglich die Abwesenheit des Glaubens an Gott/Götter. Dann brauchen wir immer noch einen Begriff für das Weltbild von Menschen, welche die Gegenposition zum Theismus einnehmen, also explizit glauben, dass Gott/Götter nicht existieren, und ferner eifrig bemüht sind, diesen Standpunkt in Foren-Diskussionen, Zeitungsartikeln, Blog-Einträgen, Büchern usw. lautstark zu verteidigen (die "New Atheism"-Clique rund um Dawkins, Hitchens, Harris und Dennett kennst du ja sicherlich). Einige Schlaumeier sind nun der Meinung, dass es sich hierbei um Antitheismus handele, womit dann auch ein Begriff für das Weltbild jener Menschen gefunden sei. Gut, schauen wir mal, was der gute alte Duden dazu sagt...
https://www.duden.de/suchen/dudenonline/Antitheismus

Huch, 0 Treffer...! Tja, was sagt man dazu? Richtig, "Antitheismus" ist offenbar nichts weiter als Neusprech einer ideologisch verblendeten Minderheit von Atheisten, die im gleichen Atemzug den Begriff "Atheismus" umzudeuten versucht, jedoch kein landläufiger Begriff.

Bleiben wir also der Einfachheit halber doch einfach bei der landläufigen Bedeutung:

"Weltanschauung, die die Existenz [eines] Gottes verneint bzw. bezweifelt"
https://www.duden.de/rechtschreibung/Atheismus

Und wem diese Definition nicht passt, muss sich doch nicht als Atheist bezeichnen (lassen), sondern bspw. als Materialist, Naturalist, Physikalist or whatever. So what...?!
Also ich sehe da kein so großes Problem wenn man zur besseren Differenzierung u.a. auch von aktiven oder passiven Atheismus spricht, auch wenn sich passive Atheisten selbst nicht als solche sondern mit irgend einer anderen Bezeichnung entsprechend ihres Weltbildes definieren. Denn solange unter Atheismus auch immer das bloße Fehlen von Gott-/ Götterglauben mit impliziert wird (auch ohne sich aktiv eine Rübe über Gott/ Götter zu machen und ihre Existenz gezielt zu verneinen) ist es ja rein von der Logik her betrachtet nicht grundsätzlich falsch den Atheismusmusbegriff auch für diese Menschen zu verwenden. Wichtig finde ich hierbei nur, daß die Unterscheidung zwischen "Nichtglauben" und dem "Glauben, daß es keine(n) XY gibt" nicht unterschlagen wird.


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Definitionsproblem mit dem Atheismus

25.01.2019 um 17:47
Libertin schrieb: ist es ja rein von der Logik her betrachtet nicht grundsätzlich falsch den Atheismusmusbegriff auch für diese Menschen zu verwenden.
Ich sehe grundsätzlich keine Logik darin, Einzelpersonen oder Personengruppen darüber zu definieren, was sie alles nicht tun oder nicht denken. Wo soll das hinführen?

Bei Gebrauchsgegenständen tut man das ja auch nicht, mein Fernseher ist z.B. kein Geschirrspüler, keine Kaffeemaschine und auch kein Kreuzfahrtschiff. Niemand käme auf den Gedanken zu sagen ... "Oh, heute abend läuft in der Nicht-Kaffeemaschine das Halbfinale im Handball".

Ich weigere mich einfach, mich wegen des Glaubens anderer in eine Schublade stecken zu lassen. Es ist mir pupsegal an was irgendeiner/irgendeine glaubt oder nicht. Ich will damit in Ruhe gelassen werden und nicht dazu genötigt werden, mir Agnostiker auf die Stirn tätowieren zu lassen.

Ein Hertha-Fan ist ein Hertha-Fan. Sagt das irgendetwas über jemanden aus, der kein Hertha-Fan ist? Muss ich mich jetzt in eine Schublade stecken lassen, auf der steht "Hertha-Gegner", oder "Passiver Hertha-Fan", oder "Weiß noch nicht", oder "aktiver vielleicht Bayern-Gegner" ... beim Glauben hingegen wird das als "Normalfall" angesehen, und jeder/jede bekommt eine Plakette auf die Stirn genagelt. Das ist so was von abartig!

Wenn jemand der Meinung ist, er müsse irgendeinen Glauben anhängen, dann soll er das verdammt nochmal tun, aber es sollte nicht dazu führen, dass man andere darüber definiert, ob sie es ihm gleich tun. Es gibt so viele Dinge, über die es sich lohnt nachzudenken, Schubladendenken gehört jedoch nicht dazu.


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25.01.2019 um 18:09
@Peter0167
Naja, es geht doch einfach nur um Zuordnung und deren Begrifflichkeiten. Du möchtest Dich doch auch irgendwie als Deine Person definieren, oder nicht?


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Definitionsproblem mit dem Atheismus

25.01.2019 um 19:40
Peter0167 schrieb:Ich sehe grundsätzlich keine Logik darin, Einzelpersonen oder Personengruppen darüber zu definieren, was sie alles nicht tun oder nicht denken.
Wie schon gesagt, ist der Nichtglaube ja bereits in der Definition des Atheismusbegriffes mit enthalten weshalb es in dem Fall streng genommen auch nicht falsch ist noch eine etwas genauere Differenzierung vorzunehmen. Es geht außerdem auch gar nicht darum bestimmte Personengruppen nur über das zu definieren was sie nicht tun, weshalb ich ja schrieb, daß man es u.a. auch so machen kann.

Gläubigen wird ja auch häufig vorgeworfen Atheisten zu sein wenn es um andere Götter geht da sie ihre Existenz durch ihren Glauben an einen bestimmten Gott/ Götter auch indirekt verneinen, nur, daß sie bei dem oder den "ihrigen" Gott/ Göttern eine Ausnahme machen. Deswegen definiert man aber Gläubige noch lange nicht ausschließlich als "Atheisten" sondern immer noch über das jeweilige Gottesbild was sie vertreten.
Peter0167 schrieb:Wenn jemand der Meinung ist, er müsse irgendeinen Glauben anhängen, dann soll er das verdammt nochmal tun, aber es sollte nicht dazu führen, dass man andere darüber definiert, ob sie es ihm gleich tun. Es gibt so viele Dinge, über die es sich lohnt nachzudenken, Schubladendenken gehört jedoch nicht dazu.
Es geht nicht um Schubladendenken sondern um das einordnen von Begrifflichkeiten und in wie weit der jeweilige Rahmen die Möglichkeitsräume hierfür hergiebt. Im Endeffekt kann sich ja jeder selbst definieren wie er lustig ist anstatt sich daran aufzuhängen das oder auch wie andere über Begriffsdefinitionen diskutieren wenn es die persönliche Eindordnung und Lebensqualität doch eh nicht tangiert.


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25.01.2019 um 20:14
skagerak schrieb:Klingt sehr nach "schwarz-weiß",
Was wäre der Grauton? Wie kann man "ein bisschen" an einen Gott glauben? Meine Kreativität lässt mir da nichts in den Kopf kommen. Man glaubt an einen Gott oder man glaubt an keinen Gott.

Die dritte Option, ich glaube an keins von beiden (weil ich mir keine Gedanken dazu mache), ist ja außerhalb des Spektrums.


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25.01.2019 um 20:18
skagerak schrieb:Du möchtest Dich doch auch irgendwie als Deine Person definieren, oder nicht?
Ganz genau! Und ich definiere mich darüber, wie ich bin, was ich tue, was ich denke oder will, und nicht über das was ich nicht bin oder nicht denke.

Vergessen wir mal die Religion, und gehen in die Politik. Kann mich irgendwer definieren oder zuordnen, wenn ich sage, dass ich kein Anhänger der AfD bin? Nein, geht nicht, weil die AfD ist nur ein unbedeutender popeliger Teil des politischen Spektrums. Kein Mensch kann damit meine politische Zugehörigkeit definieren, die könnte sogar rechts von der AfD liegen, oder sonst wo.

Wenn ich jedoch meine politische Orientierung mit 70% CDU und 30% SPD definiere, kommt Klarheit hinein, zumindest sehe ich das so.
Libertin schrieb:Wie schon gesagt, ist der Nichtglaube ja bereits in der Definition des Atheismusbegriffes mit enthalten
Wenn darüber Konsens bestehen würde, könnte ich sogar damit leben, aber gerade was den Atheismus angeht, gehen die Meinungen weit auseinander. Viele betrachten (ich übrigens auch) die Atheisten als ebensolche Fanatiker wie die Theisten. Und daher möchte ich auch nicht als Atheist eingestuft werden. Agnostizismus kommt der Sache schon näher, aber selbst die sehen sich als Teil des Atheismus. Es gibt also in Bezug auf Religion keine Gruppe, zu der ich mich zählen kann, werde aber ständig genötigt, mich zu positionieren, und das passt mir nicht.
Libertin schrieb:Es geht nicht um Schubladendenken
Doch, geht es. Es geht um nichts anderes.


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25.01.2019 um 20:31
Peter0167 schrieb:ebensolche Fanatiker wie die Theisten.
dann ist jeder Gläubige ein Fanatiker, hmm ...


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25.01.2019 um 20:38
@Kybela
Als Fanatismus (von fr: fanatique oder lat: fanaticus; göttlich inspiriert)
Wikipedia: Fanatismus


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25.01.2019 um 21:50
Izaya schrieb:Was wäre der Grauton? Wie kann man "ein bisschen" an einen Gott glauben?
Naja, nicht ein wenig an einen Gott, aber das da irgendwas oder irgendeine höhere Macht ist, dass es eben nicht alles sein kann so wie wir es wahrnehmen halt. Was weiß ich.
Peter0167 schrieb:Ganz genau! Und ich definiere mich darüber, wie ich bin, was ich tue, was ich denke oder will, und nicht über das was ich nicht bin oder nicht denke.
Okay, wie ordnest Du dich denn ein wenn Du nicht Homosexuel bist? Magst Du dann auch nicht als nicht-schwul oder Hetero bezeichnet bzw zugeordnet werden?


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Definitionsproblem mit dem Atheismus

25.01.2019 um 22:37
Peter0167 schrieb:Wenn darüber Konsens bestehen würde, könnte ich sogar damit leben, aber gerade was den Atheismus angeht, gehen die Meinungen weit auseinander. Viele betrachten (ich übrigens auch) die Atheisten als ebensolche Fanatiker wie die Theisten. Und daher möchte ich auch nicht als Atheist eingestuft werden. Agnostizismus kommt der Sache schon näher, aber selbst die sehen sich als Teil des Atheismus.
Ein Agnostiker sieht sich als Teil des Agnostizismus an, sonst wäre er kein Agnostiker.
Es gibt da jedoch auch kombinierbare "Abstufungen" wie den agnostischen (A)theismus zum Beispiel.

Du scheinst da jedoch von sehr starren Definitionen auszugehen. Auch was den Fanatismusbegriff angeht, denn dieser entspricht im heutigen allgemeinen Sprachgebrauch auch nicht mehr so ganz seiner etymologischen Bedeutung.


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26.01.2019 um 05:26
Libertin schrieb:Du scheinst da jedoch von sehr starren Definitionen auszugehen.
Ja, genau darum geht es mir doch die ganze Zeit. Der sogenannte "allgemeine Sprachgebrauch" ist scheiße! Wir haben heute ein Niveau erreicht, auf dem eine sinnvolle Kommunikation kaum noch möglich ist. Jeder versteht nur noch das was er will, Worte verlieren ihre ursprüngliche Bedeutung!

Wenn Fachleute untereinander über ihr Fachgebiet diskutieren, da gibt es keine Missverständnisse, weil jeder das versteht, was der andere sagt. Die haben eine gemeinsame Begriffsbasis, die eine sachliche Diskussion überhaupt erst möglich macht. Wenn das gleiche Thema in der "Nicht-Fachwelt" besprochen wird, und damit meine ich das komplette Spektrum vom Vollpfosten bis zum Laien, dann grenzt es geradezu an ein Wunder, wenn überhaupt irgendwer etwas versteht, was ein anderer sagt.

Du als Forenmoderator müsstest das doch kennen!?

Nochmal, klare (oder auch starre) Definitionen sind der einzige Ausweg aus dem verbalen Chaos. Wir sollten die Möglichkeiten eines solchen Forums nutzen, um die Fähigkeit zur Kommunikation wieder zu erlernen. Und ich bleibe dabei, es ist zwingend notwendig, die Bedeuung der Begriffe zu kennen, bevor wir sie benutzen. Und bis es so weit ist, ziehe ich es vor, nicht in eine Schublade gesteckt zu werden, zumindest so lange nicht, bis über deren Bedeutung weitestgehend Kosens besteht. Und genau das meinte ich, als ich schrieb:
Peter0167 schrieb:Wenn darüber Konsens bestehen würde, könnte ich sogar damit leben, aber gerade was den Atheismus angeht, gehen die Meinungen weit auseinander.


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