Weil Norwegen gerne als Musterland zitiert wird, hier einige sehr subjektive Eindrücke.
alhambra schrieb:Also scheint Reichweite kein Problem zu sein
Ich hätte schwören können, dass die Skandinavier und besonders auch die Norweger aufgrund der Geografie und ihrer Topografie eine deutlich geringere Fahrleistung pro Jahr haben als wir. Pustekuchen. Irrtum.
Jeder norwegische Pkw hat im Jahr 2023 durchschnittlich 11.274 Kilometer zurückgelegt. Das ist nach Angaben der norwegischen Statistikbehörde SSB eine Steigerung von 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Gesamtfahrleistung von Pkw in Norwegen betrug damit 35.675,7 Millionen Kilometer, ein Anstieg von einem Prozent gegenüber 2022.
Quelle:
https://businessportal-norwegen.com/2024/04/05/norweger-fahren-laengere-strecken-mit-elektroautos-als-mit-benzinern/Bei den anderen Skandinaviern im erweiterten Sinne (Schweden, Dänemark und auch Finnland) sieht es vergleichsweise ähnlich aus. Null Problemo mit Reichweite.
Wir waren nun in Folge das 3. Mal in Norwegen, das letzte Mal war es eine Rundreise im März Norwegen nordwärts und durch Finnland wieder Richtung Süden, wobei ich im Norden gut nachvollziehen kann, wenn man vielleicht keinen Stromer fahren möchte oder einfach nicht kann. Wie auch immer, die haben dort oben ganz andere Probleme als den Verkehr und die paar Dieselmotoren für Autos.
Aus meiner Sicht liegen deren Probleme mit Dieselmotoren auf dem Wasser und weniger an Land.
(Nebenbemerkung: Dass wir als Touristen auch ein Teil des Problems sind, ist leider auch ein Teil der Probleme. Norwegen ist beliebt und muss jetzt eine Balance finden, um den zunehmenden Mengen Einhalt zu gebieten) zu werden. Zu viele Touris ist schlecht, zu wenige auch.
Ich fang mal mit Honningsvåg an. Das ist der Ausgangspunkt für das Nordkap, hat 2260 Einwohner und um die 200000 Kreuzfahrttouristen pro Jahr. Wenn ein Schiff wie die
Mein Schiff 3 anlegt, dann sieht das so aus:
Original anzeigen (1,1 MB)Achtet mal auf die Fahne aus dem Schornstein und das ist ja nur für die Versorgung der Bordsysteme. Als wir dort mit Hurtig waren, warteten auf dem Pier um die 13 Busse, 10 davon für die
Mein Schiff 3 und 3 für uns. 12 Busse fuhren zum Nordkap, wir zur Insel Insel Magerøya.
Dabei war es noch nicht einmal Hauptsaison. Wobei die Touren zum Kap zu diesen Zeiten immer problematisch sind aufgrund der Schneeverwehungen. Was dann auch für andere Straßen gilt.
Pro Jahr zählt man 100 bis 170 Anläufe von Kreuzfahrern. Jetzt stellt euch einmal vor, welche Belastungen die Luft und die Einwohner nicht nur dort, sondern auch in den vielen anderen Fjords ertragen müssen. In denen gibt es nur einen eingeschränkten Luftaustausch. Fairerweise sei auch gesagt, dass vermehrt Landstromanlagen errichtet werden, was aber die Emissionen während der Fahrt nicht verringert.
Olden (um 500 Einwohner und um die 200000 Kreuzfahrtpassagiere pro Jahr)
Original anzeigen (1,0 MB)Wir waren damals mit 350 Passagieren dort. Gefühlt fuhren 250 bis 300 zur Talstation einer Seilbahn. Und wieder Busse, Busse ... Da kommen (oder kamen, es gibt mittlerweile Beschränkungen) in der Saison dann auch mal schnell 1000 bis 1500 Passagiere an.
Insel Magerøya
Die KI sagt zu der Anzahl der Einwohner:
Die Verteilung der Einwohner konzentriert sich stark auf folgende Punkte: Honningsvåg: Der Hauptort und das Verwaltungszentrum der Insel hat etwa 2.260 Einwohner und gilt als nördlichste Stadt Europas.Weitere Siedlungen: Die restlichen Bewohner verteilen sich auf kleinere, umliegende Fischerdörfer wie Skarsvåg, Gjesvær und Kamøyvær.
In einem Fischerdorf waren wir, da gibt es mehr Boote als Autos.
:D
Original anzeigen (0,9 MB)Eine Momentaufnahme dieses Dörfchens:
Original anzeigen (0,7 MB)Das mit der Reichweite ist nach wie vor eine hiesige Luxusjammerei. Auch auf dieser kleinen Insel wird elektrisch gefahren. Allerdings kann ich nicht sagen, wie es bei den typischen kleinen und großen Nutzfahrzeugen so aussieht, aber die dort oben notwendigen Schneepflüge kann ich mir noch nicht elektrisch vorstellen. Im kleinen Maßstab gibt es das allerdings schon:
https://www.alke.com/de-de/elektro-traktoren-schneepfluege Auch muss noch gesagt werden, dass aufgrund der Fischerboote und der Kreuzfahrer die Entwicklung von entweder rein elektrisch betriebenen Booten oder Hybridantrieben vorangetrieben wird. Möglicherweise passt die den Norwegern zugeschriebene Mentalität besser zur Elektromobilität.
Die KI sagt dazu:
Der norwegischen Mentalität werden Eigenschaften wie Tiefe Naturverbundenheit, Egalitarismus, Gelassenheit und ein starkes Gemeinschaftsgefühl zugeschrieben. Das soziale Miteinander ist stark vom sogenannten Janteloven (Jantegesetz) geprägt, welches Bescheidenheit einfordert und das Streben nach individuellem Status über andere ablehnt.
Die wichtigsten Facetten im Überblick:
Natur und „Friluftsliv“: Die Natur ist ein zentraler Identifikationsort. Friluftsliv (das Leben im Freien) beschreibt die tiefe Liebe zum Wandern, Skifahren oder Angeln. Dementsprechend schätzen Norweger persönliche Freiheit, Weite und Unabhängigkeit.
Gemütlichkeit („Kos“): Ähnlich dem dänischen Hygge hat es in Norwegen einen hohen Stellenwert, das Leben zu genießen, es sich mit der Familie oder Freunden gemütlich zu machen und den Moment wertzuschätzen.
Egalitäres Denken: Norweger pflegen flache Hierarchien – im Berufsleben wie auch privat. Ein respektvoller, gleichberechtigter Umgang auf Augenhöhe ist selbstverständlich.
...
Gelassenheit und Pragmatismus: Im Arbeitsleben und im Alltag strahlen Norweger viel Ruhe und Entspannung aus. Ein pünktlicher Feierabend zur Erholung und Zeit für Hobbys genießen oberste Priorität.
Quelle: KI von Google
Ein Auto ist dort kein Statussymbol, im Gegensatz zu uns.
Nein, auch die sind keine Heiligen und keine Engel. Aber sie sind deutlich gelassener im Straßenverkehr, was sich wahrscheinlich auch dadurch bemerkbar macht, dass sie auf die Elektromobilität setzen, um ihre Umwelt möglichst zu schonen. Natürlich sind auch die staatlichen Subventionen willkommen, keine Frage.
Wobei es einen Wermutstropfen gibt, den Überlandverkehr. Es gibt nur vergleichsweise wenige Eisenbahnlinien, aber vergleichsweise viele Regionalflughäfen. Das ist der Topografie und auch den Wetterbedingungen geschuldet, im Winter kann es zu Ausfällen der Eisenbahn aufgrund der Schneeverwehungen und Erdrutschen kommen. Gerade an der Küste leben in einem rund 10 km breiten Bereich rund 80% der Norweger. Daher kann es sein, dass du das Nachbardorf zwar sehen kannst, du aber wegen des Fjords eine dreistellige Entfernung als Autofahrer zurücklegen musst.
Es gibt noch einen weiteren Grund für diese Flughäfen, die bei uns eher Unfug sind.
Staatliche Subventionen:
Der norwegische Staat subventioniert Inlandsflüge stark, um die Abwanderung aus ländlichen Gebieten zu verhindern und eine flächendeckende Grundversorgung (die sogenannte Distriktspolitik) für alle Bürger zu gewährleisten.
Quelle: KI von Google
Wenn der Staat nicht helfen würde, dann wären die nördlichen Bereich noch menschenleerer, als sie es ohnehin schon sind. Wie auch immer, dort werden Stromer einfach so genutzt, man fährt damit und Thema erledigt. Man stelle sich das einmal vor.
:D