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Der Fall Jens Söring

26.567 Beiträge, Schlüsselwörter: Mord, Kino, Gefängnis, Messer, Karten, Sohn, Doppelmord, Unschuldig, Richter, Schuldig, 1985 + 24 weitere
Zu diesem Thema gibt es eine von Diskussionsteilnehmern erstellte Zusammenfassung im Themen-Wiki.
Themen-Wiki: Der Fall Jens Söring

Der Fall Jens Söring

14.02.2020 um 00:14
Melusine schrieb:Wer ist "wir"?
Nun in dem Fall @Mr.Stielz und meine Wenigkeit:

Beitrag von Mr.Stielz, Seite 1.063

Beitrag von Trimalchio, Seite 1.317

Sorry, das hätte ich gleich dazuschreiben sollen!


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Der Fall Jens Söring

14.02.2020 um 00:39
Melusine schrieb:wie geht es nach oben bei den "edlen Schwoons" weiter?
Wie dargelegt, findet sich das Wappen der Familie Schwoon nicht im Siebmacher.
Die bloße Existenz eines Familienwappens deutet ja nicht automatisch auf eine adlige, geschweige königliche Abkunft. Seit dem 14. Jh. gibt es z.B. Wappen freier Bauern...

Es existiert auch nicht das geringste Anzeichen dafür, dass in einem dieser Oldenburgischen Dörfer, in denen sich seit 1620 die Familie Schwoon nachweisen lässt, jemals eine schöne Bauerstochter aufwuchs, die sich einen Königssohn geangelt haben könnte. Ja nichteinmal niederer Adel findet sich in den einschlägigen Aufzeichnungen der Oldenburgischen Gesellschaft für Familienkunde.

Man darf diese ganze Geschichte daher getrost in das Reich der Märchen verbannen.


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Der Fall Jens Söring

14.02.2020 um 00:56
Trimalchio schrieb:Und dass gerade Söring über ein massiv manipulatives Talent verfügt, das zeigt doch bereits die Existenz seiner gläubigen Anhängerschar.
Ja, das stimmt. Wenn man sich sein Verhalten nach der Verurteilung anschaut, kann man sich nur schwer vorstellen, dass er die labile Persönlichkeit ist, die man komplett manipulieren kann. Er scheint ja auch ein großes Talent zu haben, Menschen total auf seine Seite zu ziehen und für seine Anliegen einzubinden. Sein Narrativ: "Gut" (er) und "Böse" (Elizabeth), "Opfer" und "femme fatale" erinnert einfach viel zu sehr an irgendeinen billigen Roman. Ja - vielleicht hat er sich bzgl. seiner Ausreden auch von der Literatur inspirieren lassen. ;)


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14.02.2020 um 02:37
"I have not explored the side of me that wishes to crush — I have yet to kill. "

denkt jeder mal so, oder?


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Der Fall Jens Söring

14.02.2020 um 03:25
Melusine schrieb:Mal angenommen, EH hätte 1987 eine kürzere Strafe bekommen, sagen wir mal, 10 Jahre. Mal angenommen, sie hätte 1990 zugunsten von JS ausgesagt, also zum Beispiel, dass sie es zusammen waren. Oder vielleicht sogar, dass sie das Messer geführt hatte (falls es so war). Was wäre dann passiert? Hätte er dann eine kürzere Strafe bekommen?
Mal abgesehen davon, dass 10 Jahre nicht sehr realistisch sind, vergessen die meisten JS Fans, dass es für Schuld und Strafe relativ unerheblich ist, wer den Tod tatsächlich verursacht hat, also sagen wir mal, wer das Messer geführt hat, wenn der andere die Tat angestiftet, unterstützt, oder als Mittäter materiell mitverübt hat. Hätten die Ankläger nachgewiesen, dass Elizabeth ebenfalls am Tatort anwesend gewesen ist, wären beide verurteilt worden, und mit ziemlicher Sicherheit hätten beide das gleiche Strafmass erhalten. Wir sehen ja in diesem Fall, dass sogar wenn angenommen wird, dass nicht beide zusammen die Tat ausgeführt haben, beide dennoch verurteilt wurden und nun auch gleichzeitig der Strafrest zur Bewährung ausgesetzt wurde. Das entspricht der rechtsphilosophischen Idee, einen Mittäter/Anstifter usw. eben genauso zu bestrafen wie einen Täter. Es ist dann vollkommen egal, ob Elizabeth im Wohnzimmer neben JS stand, als dieser ihre Eltern abgestochen hat, ob sie vor dem Haus im Auto wartete, oder eben, von seiner Tatabsicht informiert und diese unterstützend, in Washington wartete.

Und wenn man nun die Rollen vertauscht gilt das ganz genauso. JS Unschuldsmärchen funktioniert nur dann, wenn er nichts davon gewusst hat, was Elizabeth vorhatte, das nicht gebilligt hat, nicht mit geplant hat usw. Das ist ja sein Problem gewesen, warum er so hanebüchene Dinge wie die Drogenkurierfahrt etc. erfinden musste.

Lediglich als "accessory after the fact," also Beihelfer nach der Tat, konnte er eine geringere Strafe erwarten. Und auch das wird hier sehr oft vergessen: Selbst wenn nun seine ganze story stimmen sollte, ist er durch sein Verhalten nach der Tat durchaus als Beihelfer zu sehen, denn er hätte dann eindeutig versucht, sie vor Strafverfolgung zu schützen. Das ist strafbar. Unschuldig ist er also in keinem Fall.


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14.02.2020 um 06:54
Hallo @Rick_Blaine,
danke für deine Antwort, aber du hast mich missverstanden.
Es geht mir um die psychologische Seite, dass JS sich "unglaublich verraten" fühlte.

Inwiefern hätte EH sich rechtlich gesehen selbst verschlechtert, wenn sie 1990 die "Doppeltäter-Theorie" zugegeben hätte??

Sie war ja schon verurteilt. Und es heißt doch in Filmen immer, man kann nicht 2x für dasselbe Verbrechen verurteilt werden.
Sie ist ja 1990 immerhin den sexuellen Missbrauch zugegeben bzw. nicht mehr abgestritten (das war ihr offensichtlich wichtig), aber gleichzeitig hat sie JS nochmal eins mitgegeben, was er für ein "wimp" gewesen sei.

Ich bin gerade am Handy, aber ich meine aus dem Kopf, dass sie sowas wie "The whole idea of Jens killing anybody was so utterly fantastic." gesagt hat.


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14.02.2020 um 07:01
@Melusine
Ach so, nach ihrer Verurteilung? Gar nicht, da hast Du Recht, sie hätte nicht noch einmal verurteilt werden können.

Allerdings, wozu sollte sie dann die Unwahrheit sagen?


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14.02.2020 um 08:07
Melusine schrieb:Trotzdem - oder gerade deswegen - frage ich mich, ab wann Jens Söring seine Strafe als Unrecht empfand. Und warum. (Das war von Monstra, eine Seite zurück, du hast dich im Folgenden darauf bezogen.)

Ich kann jetzt nur von mir und meiner Erfahrung mit dieser manipulativen Person in meiner Vergangenheit reden: Diese Person war ein notorischer Lügner und er hat mir Storys erzählt, von denen ich bis heute nicht weiß, ob sie stimmen. (Es gibt auch keine Möglichkeit, das je herauszufinden.) Ich habe ihn beobachtet, wie er andere Personen mühelos belogen hat und bin mir sicher, dass er auch mich belogen hat, aber wann und wo? Was stimmt und was nicht?
jetzt möchte ich dich gerne mal fragen, ob du mit JS persönlichen Kontakt hattest. Besonders dein 1. Satz lässt mich in diese Richtung
denken. Du schreibst ...mit dieser manipulativen Person in meiner Vergangenheit...
Meinst du jetzt die Person JS auf dich sich dein Satz bezieht? Denn genau so sieht es aus. Oder ist dir hier ein Missgeschick passiert.
Selbstverständlich kannst du dich jetzt auf ein Missgeschick berufen - aber es sieht trotzdem komisch aus.

Vielleicht kannst du das irgendwie fürs Verständnis nach deiner Ansicht gerade rücken. Danke.


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14.02.2020 um 08:42
Melusine schrieb:aber die Briefe deuteten nur auf sie
Wie bitte? Das Dinner ist geplant, stammte diese Aussage von EH oder JS? Es passieren viele Raubüberfälle in der Umgebung, dieses mal kann es deine Eltern treffen? Das waren die Aussagen von ihm gewesen.

Ich weiß, dass du sehr bemüht bist, JS als netten Jungen darzustellen. Was ist aber, wenn er der Manipulator ist, der LÜgner und du fällst wieder darauf hinein. Nichts aus der Vergangenheit gelernt ? Du scheinst bei seinen Aussagen kein bißchen skeptisch zu sein, seltsam, wenn man schon einmal auf eine Person hereingefallen ist, die viel gelogen hat, laut deiner eigenen Aussage. Und das hat JS nachweislich getan.


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14.02.2020 um 09:04
Und ich sage, das komplette Verhalten von JS deutet auf ihn als Täter hin.

Man kann es nur immer wiederholen: "Jung, dumm u. naiv".. tja, waren wir alle mal, wer würde da verneinen?
Aus Liebe macht man sicher mal Dummheiten (ich nie) aber irgendwo ist eine Grenze u. es erstaunt mich, wie man
mit so Floskeln Leute beeindrucken u. für sich gewinnen kann bei einer so klaren Kette von zahlreichen Indizien.


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14.02.2020 um 09:05
kelten-maisie schrieb:Vielleicht kannst du das irgendwie fürs Verständnis nach deiner Ansicht gerade rücken. Danke.
Nein, ich rede nicht von JS. Und nein, ich kenne ihn nicht.

Ich rede von einer Person in meiner Vergangenheit, die ein notorischer Lügner war. Diese Person habe ich während meines Studiums vor ca. 20 Jahren kennengelernt, er war 4 Jahre jünger als JS und Einzelkind. Ich war drei Jahre in einer Beziehung mit ihm, obwohl ich eigentlich von Anfang an wusste, dass es zwischen uns nicht passt. Aber auch er hat es geschafft, bei mir "die richtigen Knöpfe" (Bewunderung meines Intellekts + Ausnutzung meiner emotionalen Bedürftigkeit) zu drücken, so dass ich mein inneres Bauchgrummeln überhörte und mir die Beziehung schönlog ("Besser mit ihm zusammen als ganz allein"). Bis er mir einen Heiratsantrag machte, ein "Nein" aus dem tiefsten Inneren herauskam und ich wusste, dass es jetzt allerhöchste Zeit wird, wegzulaufen. Zum Glück habe ich damals meinen jetzigen Mann kennengelernt, sonst hätte ich den Absprung wohl nicht geschafft. (Ich hoffe, das reicht an persönlichen Details. Es ist ja nicht so, dass JS oder EH die einzigen Lügner auf diesem Planeten sind.)
Rick_Blaine schrieb:Ach so, nach ihrer Verurteilung? Gar nicht, da hast Du Recht, sie hätte nicht noch einmal verurteilt werden können.

Allerdings, wozu sollte sie dann die Unwahrheit sagen?
Wenn ich "Indizien" dafür suche, dass die Einzeltäter-Theorie nicht stimmt, dann kommt mir halt auch dieses Verraten-Gefühl sehr merkwürdig vor. Warum sollte er sich verraten fühlen, wenn doch angeblich alles so war, wie sie es geschildert hat?
Er konnte auch die Schnipsel benutzen, die sie ihm hinwirft, z.B. dass sie Drogen genommen hat. Daraus konstruierte er dann die Drogenkurier-Fahrt. Nur er hatte viel weniger Material, weil sie von Anfang an so versponnene Briefe geschrieben hatte (siehe zum Beispiel Weihnachtsbrief, da ist nämlich, wie jetzt dank "On the case" entziffern konnte, von einem "unreal dog" die Rede), dass niemand genau sagen kann, was davon stimmt, weil sie bei der Abfassung offensichtlich Drogen genommen hat ("4. joint").

Im Grunde hat sie ja im Prozess 1990 durchblicken lassen, dass sie ihm die Tat nie zugetraut hätte und dass sie viel mehr Angst hatte, dass er ihre Eltern nicht tötet als dass er sie tötet. Auch diese Aussage ist wieder sehr janusgesichtig. Auf der einen Seite kann man es so sehen, dass sie damit sagte ,dass er der Täter ist, obwohl er nicht so aussieht. Auf der anderen Seite kann man es auch so interpretieren, dass sie die ganze Zeit fürchtete, seine Tötungsphantasien seien nur Hirngespinste und er würde es dann vor Ort "nicht durchziehen" können (sorry, ich möchte nicht so zynisch klingen). Dafür spricht ja auch der Brief, den sie nach dem Weihnachtsferien an einen anderen Studenten schrieb, er wäre unfähig, tatsächlich etwas zu "erschaffen".

(Leider spinnt mein Laptop heute morgen rum, so dass ich jetzt von einem anderen PC schreiben muss, die Quellen kann ich nachliefern.)

Nochmal @Rick_Blaine:
Ich versuche einfach nochmal, mögliche Gedankengänge zu prüfen:
- Du hast recht, er konnte nicht hoffen, aus dieser Sache irgendwie wieder herauszukommen.
- Die Idee, dass sie auf ihn "wartet" in irgendeiner Form muss er schon bei seinem Geständnis in London gedanklich abgehakt haben. Wenn ich davon ausgehe, dass er ihr Leben retten wollte, dann war seins unrettbar verloren.
- Möglicherweise kam ihm der Gedanke des "Auf-ihn-Wartens" erst nach der Info, er könnte vielleicht in Deutschland eine Jugendstrafe absitzen und sie könnte vielleicht irgendwie (wie auch immer?) auch eine geringe Strafe bekommen, da sie "ja nicht einmal schuldig" (in den Gedanken der Ermittler, nicht in Wirklichkeit) sei.
- Die Idee, dass sie 1990 die Drogenkurier-Geschichte bestätigt, konnte er auch abhaken, die Beweise (Geständnis, Blut, Sockenabdruck) waren zu eindeutig und die Logiklöcher waren zu groß.
- Dass er eine geringere Strafe bekommt, falls sie aussagt, dass sie es gemeinsam getan haben, konnte er auch abhaken, das war klar.
- Aber dass sie seine "Schwächen" (Impotenz, etc.) für ihre Verteidigungsstrategie ausnutzte, das war dann einfach zuviel für ihn.

Mal nochmal ganz deutlich gefragt: Angenommen, EH wäre als Zeugin reingekommen und hätte gesagt: JS lügt mit der Drogenkurier-Geschichte, aber er hat recht, wir waren um 22 Uhr im Kino. Er hat in London gelogen, als er alles auf sich nahm und mir die Rolle der Alibi-Geberin überließ. Wir haben es gemeinsam getan, wir haben die Kinokarten einmal um 14 und einmal um 22 Uhr gekauft und sind zwischendurch nach Loose Chippings gefahren, um meine Eltern zu töten, wir waren es gemeinsam. Was wäre dann passiert?

Einfach nur mal rein rechtlich gesehen, ohne Vorbehalte, wer jetzt zu welchem "Lager" gehört.


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14.02.2020 um 09:05
Tatort70 schrieb:"I have not explored the side of me that wishes to crush — I have yet to kill. "
ja, scheinbar sind das ganz normale Gedankengänge von Jugendlichen. Am besten fragen wir mal die User, die solche Gedanken scheinbar auch kennen bzw. kannten, oder warum werden diese für normal gehalten? @Monstra
@Melusine


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Der Fall Jens Söring

14.02.2020 um 09:24
Melusine schrieb:Mal nochmal ganz deutlich gefragt: Angenommen, EH wäre als Zeugin reingekommen und hätte gesagt: JS lügt mit der Drogenkurier-Geschichte, aber er hat recht, wir waren um 22 Uhr im Kino. Er hat in London gelogen, als er alles auf sich nahm und mir die Rolle der Alibi-Geberin überließ. Wir haben es gemeinsam getan, wir haben die Kinokarten einmal um 14 und einmal um 22 Uhr gekauft und sind zwischendurch nach Loose Chippings gefahren, um meine Eltern zu töten, wir waren es gemeinsam. Was wäre dann passiert?
Wenn sie das vor allen Gerichtsverfahren usw. gesagt hätte und die Ermitler das für glaubwürdig befunden hätten, und alle anderen Indizien und Beweise so sind, wie sie sind: dann wären beide wegen gemeinschaftlichem Mord verurteilt worden.

Und ziemlich sicher auch zu gleich langen Haftstrafen, nämlich lebenslänglich. Das wäre im Prinzip der einzige Unterschied: sie wurde ja tatsächlich zu 90 Jahren verurteilt, er zu lebenslang. Praktisch freilich macht das so gut wie keinen Unterschied. Sie hätte dadurch theoretisch ein Jahr später auf Bewährung entlassen werden können als mit ihrem tatsächlichen Urteil, aber dass sie nach der Minimalzeit entlassen werden würden, war von Anfang an sehr unrealistisch.


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14.02.2020 um 09:27
Venice2009 schrieb:Melusine schrieb:
aber die Briefe deuteten nur auf sie
Wie bitte? Das Dinner ist geplant, stammte diese Aussage von EH oder JS? Es passieren viele Raubüberfälle in der Umgebung, dieses mal kann es deine Eltern treffen? Das waren die Aussagen von ihm gewesen.
Ich glaube, du möchtest mich absichtlich missverstehen.
EH kannte von diesem Brief nur die ersten 6 Seiten (wenn das stimmt). Das wusste auch JS (wenn das stimmt).
Wenn man sich also überlegt, womit SIE sich verteidigen konnte, dann kann es nicht dieser Brief sein, denn den kannte SIE zum damaligen Zeitpunkt im Londoner Gefängnis nicht. Hätte sie ihn gekannt, wäre er doch perfekt für sie gewesen!

Nochmal, ich will JS nicht verteidigen (oh Gott, es ist fast schon dämlich, es jedes Mal hinschreiben zu müssen).

Die Briefe weisen auf BEIDE.

Aber dieser eine spezielle Brief, den kannte sie nicht und daher nutzte sie alle anderen Quellen, in denen er ihr durch sein ausschweifendes "Rambling" genug Material lieferte.

Mal angenommen, er hatte anfänglich Schwierigkeiten beim Sex, aus verschiedenen Gründen. Sie sagte ihm, sie sei als Kind vergewaltigt worden. Das tat ihm leid und er nahm Rücksicht (als Kind einer kranken Mutter hatte er sicher Rücksichtnahme gelernt). Sie bevorzugte Oralsex. Das kam ihm entgegen, er machte bereitwillig (stundenlang!) mit. Er sagte das bei der Psychologin aus und später drehte sie ihm einen Strick daraus. Wenn das kein "Verrat" ist, dann weiß ich es auch nicht.

(Und ja, es wurden bei der Durchsuchung der Londoner Wohnung Pornohefte gefunden, aber ich habe nirgendwo gelesen, dass er diese Gewaltfantasien tatsächlich über Masturbation hinaus mit EH auslebte. Wenn es dafür eine schriftliche Quelle gäbe, hätte sie sie bestimmt als Argument für sich benutzt.)
Venice2009 schrieb:Tatort70 schrieb:
"I have not explored the side of me that wishes to crush — I have yet to kill. "
ja, scheinbar sind das ganz normale Gedankengänge von Jugendlichen. Am besten fragen wir mal die User, die solche Gedanken scheinbar auch kennen bzw. kannten, oder warum werden diese für normal gehalten? @Monstra
@Melusine
Nein, das sind keine normalen Gedankengänge. Habe ich das irgendwo geschrieben und das irgendwo relativiert? Ich schrieb, dass ich erkenne, dass er unerklärliche Wut- und Hassgefühle in sich spürte. Ich habe geschrieben, dass ich auf die sehr wichtigen Themen Kindheitsforschung/Bindungsforschung bzw. "Kriegsenkel"/Weitergabe transgenerationaler Traumata (des 2. Weltkrieges, mit dem er sich sehr intensiv beschäftigt hat!) gestoßen bin, worin ich eine mögliche Erklärung sehe.

Ich möchte das gerne auch noch näher ausführen, aber ich bitte um etwas Geduld.


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Der Fall Jens Söring

14.02.2020 um 09:30
Melusine schrieb:EH kannte von diesem Brief nur die ersten 6 Seiten (wenn das stimmt). Das wusste auch JS (wenn das stimmt).
EH hat sich doch nicht selber vor Gericht verteidigt. Die Briefe waren seit 86 im Besitz der Ermittler und somit Bestandteil der Ermittlungsakte, die ihr Verteidiger doch einsehen konnte.


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Der Fall Jens Söring

14.02.2020 um 09:48
Rick_Blaine schrieb:Wenn sie das vor allen Gerichtsverfahren usw. gesagt hätte und die Ermitler das für glaubwürdig befunden hätten, und alle anderen Indizien und Beweise so sind, wie sie sind: dann wären beide wegen gemeinschaftlichem Mord verurteilt worden.
Okay, danke, das ist interessant. (Und mir fällt gerade auf, dass ich das schon einmal gefragt habe, es tut mir leid.)

Wenn EH 1990 gesagt hätte, dass sie 1987 gelogen hatte, dann hätten beide darlegen müssen, wie sich die Tat in Wirklichkeit abgespielt hatte. Aber das alles hätte Neaton vortragen müssen, denn Updikes Aufgabe war es nur, die Jury von JSs Schuld zu überzeugen. JS hätte sich nicht verbessert, denn es lag kein Vorteil darin, die Jury von ihrer gemeinsamen Schuld zu überzeugen. Und von seiner totalen Unschuld konnte sowieso niemand überzeugt werden, weil es die nicht gab.

Hätte EH 1990 eine zusätzliche Strafe befürchten müssen, wenn man ihr Falschaussagen aus dem Jahr 1987 hätte nachweisen können? Was für eine Strafe bekommt man für Falschaussage unter Eid?
Was ist mit der Aussage, ihre Mutter hätte sie 1987 nicht missbraucht, was sie 1990 dann doch bestätigte? Ist das auch schon eine Falschaussage? Oder fällt so eine Aussage, die niemanden direkt be- oder entlastet, in eine andere Kategorie?

Okay, ich sehe schon, es gab rechtlich keinerlei Ausweg für ihn, aber von den Gefühlen her machte es sehr wohl einen Unterschied für ihn, als sie als Zeugin zu seinen Ungunsten aussagte, obwohl ihr doch eigentlich nichts mehr passieren konnte.
Venice2009 schrieb:EH hat sich doch nicht selber vor Gericht verteidigt. Die Briefe waren seit 86 im Besitz der Ermittler und somit Bestandteil der Ermittlungsakte, die ihr Verteidiger doch einsehen konnte.
Gut, nur weil etwas vorhanden war, muss sie es ja nicht gekannt haben. Laut Amy Lemley, die EH persönlich interviewt hat, kannte EH den Brief nicht. Möglicherweise lügt also EH in dieser Sache, was aber keinen Sinn ergibt, denn dieser Brief wäre perfekte Munition für sie gewesen und ihn zu kennen, absolut vorteilhaft.


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14.02.2020 um 09:51
borabora schrieb:Und ich sage, das komplette Verhalten von JS deutet auf ihn als Täter hin.
Tut es ja auch. Habe ich je was anderes behauptet?
Aber es deutet auch viel auf EH als Mittäterin. Punkt, Ende, Aus.

Das macht mich nicht automatisch zu einem Fan-Girl von JS.


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14.02.2020 um 09:56
borabora schrieb:Man kann es nur immer wiederholen: "Jung, dumm u. naiv".. tja, waren wir alle mal, wer würde da verneinen?
Aus Liebe macht man sicher mal Dummheiten (ich nie) aber irgendwo ist eine Grenze u. es erstaunt mich, wie man
mit so Floskeln Leute beeindrucken u. für sich gewinnen kann bei einer so klaren Kette von zahlreichen Indizien.
;) Ich schon, es heißt nicht umsonst "Liebe macht blind"... kann man aber alles nicht mit "jung, doof, naiv" rechtfertigen. Ja, ich war jung, aber lang nicht so naiv oder unerfahren, wie sich gern rausgeredet wird. Verniedlicht die Tat auch , es wird eben eine "Dummheit" draus, ein "Dummer-Jungen-Streich".

Beispielsynonyme für "Dummheit":
  • Begriffsstutzigkeit, Blödheit, Dämlichkeit, Dümmlichkeit, Einfältigkeit, Stumpfsinnigkeit, Unbedarftheit, Unbeweglichkeit, Unverständigkeit; (gehoben) Einfalt; (umgangssprachlich) Doofheit, Dusseligkeit; (salopp) Beknacktheit; (bildungssprachlich abwertend) Bildungsresistenz, Stupidität; (umgangssprachlich abwertend) Vernageltheit

  • Alberei, Albernheit, Blödsinn, dummes Zeug, Einfältigkeit, Firlefanz, Kinderei, Narrheit, Nonsens, Unfug, Unsinn; (gehoben) Narretei, Torheit; (bildungssprachlich) Betise; (umgangssprachlich) Kokolores; (salopp) Bockmist; (abwertend) Quatsch; (salopp abwertend) Scheiß; (derb abwertend) Scheiße; (schweizerisch umgangssprachlich) Kalberei; (westmitteldeutsch, westdeutsch) Kappes
https://www.duden.de/rechtschreibung/Dummheit


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14.02.2020 um 10:01
Melusine schrieb:Aber es deutet auch viel auf EH als Mittäterin. Punkt, Ende, Aus.
das ist aber nur eine reine Mutmaßung. Denn Beweise gibt es dafür letztlich nicht.

Es ist nicht damit erklärt, dass das WEtter am 30.03.85 schön sonnig gewesen ist, daher hat der Alkohol den Haysoms schon am Mittag so zugesetzt, dass sie 2,2 Promille intus hatten, und die Morde somit mittags verübt wurden.
Vielleicht war ihr Haus klimatisiert, oder die Räume heizten sich nicht so sehr auf.

So sehr man bemüht ist und sich EH an den Tatort wünscht, aus welchen Gründen auch immer das sein mag, so sehr sollte man alles in einem Zusammenhang sehen.
Ich schließe die Möglichkeit ja nicht aus, aber die Beweislage spricht eben nicht ganz klar dafür.


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14.02.2020 um 10:36
Melusine schrieb:Nein, das sind keine normalen Gedankengänge. Habe ich das irgendwo geschrieben und das irgendwo relativiert? Ich schrieb, dass ich erkenne, dass er unerklärliche Wut- und Hassgefühle in sich spürte. Ich habe geschrieben, dass ich auf die sehr wichtigen Themen Kindheitsforschung/Bindungsforschung bzw. "Kriegsenkel"/Weitergabe transgenerationaler Traumata (des 2. Weltkrieges, mit dem er sich sehr intensiv beschäftigt hat!) gestoßen bin, worin ich eine mögliche Erklärung sehe.
Das ist übrigens noch mein letzter Baustein. Aber ich kann das nicht mal eben so flockig runterschreiben.
JS selber konnte sich seine Gefühle nicht erklären, er sah selber "zwei Seiten in sich" (siehe Weihnachtsbrief). Er las Buch um Buch über Metaphysik, um einen Grund zu finden und bei Alan Watts "The Book: On the Taboo Against Knowing Who You Are" machte es für ihn klick. Dabei gibt es mittlerweile(!) Untersuchungen, die zeigen, dass solche Wut- und Hassgefühle aus der eigenen Kindheit und aus der Weitergabe von Traumata aus dem 2. Weltkrieg herrühren können (obwohl man selber am Krieg nicht beteiligt war und obwohl die eigenen Eltern noch Kinder waren!). Diese Forschungen (Weitergabe transgenerationaler Traumata) gibt es erst seit ca. 10 Jahren, woher sollte also JS 1984 davon wissen? (Aber seitdem hat er sich offenbar mit diesen Themen beschäftigt, sicherlich nicht grundlos.)


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