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Wer ermordete Daphne Caruana Galizia?

Wer ermordete Daphne Caruana Galizia?

11.12.2017 um 15:08
Able_Archer schrieb am 07.12.2017:M.E. muss man sich eine OK-Struktur, für die es hier meiner Einschätzung nach Anzeichen gibt, wie eine Repressionsmaschine vorstellen, deren "Qualität" nach oben hin zunimmt und deren Quantität nach oben hin abnimmt.

Hierdurch wird die notwendige "soziale Stabilität" erreicht, welche auch das Schweigen innerhalb der einzelnen Zellen garantiert.

Eine Durchdringung dieser Struktur wird m.E. dadurch erschwert, dass durch clandestines Vorgehen das "Überspringen" einer Ebene nach oben durch etwaige Ermittlungen vermieden wird.
Ich habe hier noch einen Schnipsel gefunden, welcher m.E. die Ermittlungsproblematik bei OK-Strukturen beispielhaft (anhand eines konkreten Beispiels aus der BRD) recht gut erklärt:

Zitat:

"Die Organisation der Samarowskaja Gruppa ist weitgehend ungeklärt, da die gesamte Gruppierung ähnlich terroristischen Organisationen wie der al-Qaida in Zellen organisiert ist.... Zudem fand innerhalb der Gruppe eine Triangle-Kommunikation statt (die Mitglieder hinterlassen sich Nachrichten in Callcentern, welche in Ländern liegen, die mit Deutschland nicht kooperieren). Das erschwert die Zuweisung der Rolleneinteilung immens, da nicht nachvollziehbar ist, wer wem zu welchem Zeitpunkt Informationen und Anweisungen übermittelt hat."

Zitatende

Quelle: Wikipedia: Samarowskaja_Gruppa

Anmerkungen:

1.) M.E. werden die einzelnen Layer der Orga aus den oben angegebenen Zellen gebildet, welche nach dem "Need-to-know" - Prinzip autark geführt werden.

2.) Die oben vorgestellte Kommunikationsform stellt nur ein Beispiel aus vielen möglichen clandestinen Kommunikationsformen dar.
Selbst soziale Netzwerke können heutzutage, z.B. in Kombination mit dem guten alten Zahlensender-Konzept (eingebetteten Buchstaben, "Fehlern" oder Zahlen etc.), hierzu genutzt werden.

Dies nur als Ergänzung.


Able_Archer.


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Wer ermordete Daphne Caruana Galizia?

11.12.2017 um 17:00
Slaterator schrieb am 07.12.2017:So kann und sollte man es sich vorstellen. Gut und interessant was @Able_Archer dazu schreibt:

Able_Archer schrieb:
M.E. muss man sich eine OK-Struktur, für die es hier meiner Einschätzung nach Anzeichen gibt, wie eine Repressionsmaschine vorstellen, deren "Qualität" nach oben hin zunimmt und deren Quantität nach oben hin abnimmt.

Hierdurch wird die notwendige "soziale Stabilität" erreicht, welche auch das Schweigen innerhalb der einzelnen Zellen garantiert.

Eine Durchdringung dieser Struktur wird m.E. dadurch erschwert, dass durch clandestines Vorgehen das "Überspringen" einer Ebene nach oben durch etwaige Ermittlungen vermieden wird.

Ein sehr schlüssiges Bild, was sehr gut zutreffen könnte.
Als letzte Ergänzung ein Beispiel und Exkurs zu meiner "clandestinen Kommunikationstheorie":


Wenn jemand zum Beispiel um 08:06 eine vermeintlich unverfängliche Nachricht erhält,so könnte es z.B. sein: (vorausgesetzt, die Ziffer

"0" spielt keine Rolle)

-Dass der 8te sowie der 6te Satz, Zeile oder Buchstabe eine besondere Rolle spielen.

Es könnte auch sein, dass die Ziffern "8" und "6" Buchstaben repräsentieren, also evtl. H und F. Dies könnte (fiktiv) für ein

Unternehmen, einen Begriff oder eine Person stehen,

z.B. "Hemmerling Finanzmanagement & Co", "Homburger Falschspieler" oder "Hajo Friedrichs".


Oder, in einer anderen Variante, könnte die Ziffer "0", da nicht im ABC vorhanden, für den Buchstaben "O" stehen.

Dann ergäbe sich, als ein evtl. möglicher Treffpunkt, aus der Uhrzeit 08:06 das Wort "Ohof". Dies ist übrigens der Todesort von

Karl Werner Lothar Koch.


Dies nur als Beispiel, wie schwierig es ist, verdeckte kommunikative Transaktionen zu entschlüsseln. Vor allem, wenn zusätzlich noch

nicht - öffentliche Schlüssel vorliegen.


Aber jetzt wieder zurück zum originären Threadthema, der Ermordung von Daphne Caruana Galizia.


Able_Archer.


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Wer ermordete Daphne Caruana Galizia?

11.12.2017 um 17:50
domlau schrieb:...erstmal respekt und kompliment für erstellung und begleitung dieses threads!
Vielen Dank und Willkommen in diesen Diskussionsfaden. Das gilt natürlich auch nachträglich für @eb0la

Ich freue mich sehr, über jeden der hier mitdiskutiert. Und ich würde mich auch freuen, wenn vielleicht der eine oder andere stille Mitleser mal ein Posting machen würde.



Am Wochende war es ruhig sowohl bzgl. des Mordes als auch bzgl. der Öl-Geschichte als mögliches Tatmotiv. Das Hafenbecken wurde neuerlich von Tauchern abgesucht. Über neue Funde wurde aber nichts bekannt.

Dann wurde in der Presse auffallend "laut" über eine mögliche, schnelle Begnadigung der ausführenden Täter und möglicher Täter auf einer Zwischenebende nachgedacht, Zug um Zug gegen eine Aussage, die zu den Hintermännern führt. Ich denke, dass ist ein ziemlich offensichtlicher Versuch, einen Keil zwischen die Täter zu treiben. Aber Kronzeugen hat es immer mal wieder gegeben. Warum sollte man es also nicht probieren, auch wenn ich die Erfolgsaussichten nicht für sehr hoch halte.

In der Abteilung für Cold Cases ist derweil wohl eine kindlich-vorweihnachtliche Freude über die Spielzeuge ausgebrochen,die man vom FBI zur Handyauswertung geschenkt bekommen hat. Einzig die Tatsache, dass auch auf Malta die Vorratsdatenspeicherung nur 12 Monate zurückreicht, trübt die Freude.

Dann hat die Regierung die Vorwürfe, man habe die Menschenrechte der Familie verletzt, weil sie erst aus der Presse erfahren musste, dass man Verdächtige festgemommen habe, deutlich zurückgewiesen. Ich denke, zu recht.

Die für die Aktion notwendigen Haft- und Durchsuchungsbefehle hat der zuständige Richter zwar bereits 4 Tage früher unterzeichnet, aber selbst die Einsatzkräfte wurden erst nach Mitternacht zusammengezogen. Dann habe man noch vor der Einstatzbesprechung ihnen vorsichtshalber die Handys abgekommen und der Einsatz selbst habe dann um 4 Uhr früh begonnen. Es war vorher verabredet, dass mit dem Beginn des Einsatzes der zuständige Ermittlungsrichter die Familie informiert. Das habe allerdings nicht geklappt.

Ich finde diese Vorgehensweise völlig in Ordnung. Das würde bei uns auch nicht viel anders laufen.

Der von der Familie gestellte Befangenheitsantrag gegen den Chefermittler wird nun morgen vor dem Gericht verhandelt. Ich weise darauf hin, dass in Deutschland so ein Antrag keine Aussicht auf Erfolg hätte. Der Vorwurf der Befangenheit stützt sich darauf, dass Daphne zu Lebzeiten negativ über den Beamten berichtet hatte. Das eigene Verhalten eines Betroffenen begründet bei uns grundsätzlich keinen Befangenheitsantrag, sonst könnte jeder einfach so lange pöbeln, bis er den Richter oder Beamten bekommt, den er will (oder keiner mehr bleibt, der unbefangen ist).

Die drei inhaftierten Verdächtigen werden am Donnerstag am Vormittag vom Gericht angehört. Spätestens zum Wochenende hin sollte es also interessantere Nachrichten geben...

http://www.maltatoday.com.mt/news/national/82965/phone_data_on_msida_car_bomb_could_hold_link_to_suspects

https://www.timesofmalta.com/articles/view/20171211/local/case-for-silvio-vallettas-removal-from-caruana-galizia-investi...

https://www.timesofmalta.com/articles/view/20171211/local/daphne-murder-court-to-hear-evidence-against-murder-suspects-o...

http://www.independent.com.mt/articles/2017-12-10/local-news/Daphne-s-murder-Investigators-would-not-object-to-pardon-if...


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12.12.2017 um 19:40
Gleich auf Arte : "Re: Mord auf Malta - wie korrupt ist die Insel", eine Reportage.


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12.12.2017 um 20:31
Hier ist der Link zur Reportage:

https://www.arte.tv/de/videos/072496-007-A/re-mord-auf-malta/

Dauer: 30 min


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Wer ermordete Daphne Caruana Galizia?

14.12.2017 um 15:30
@Kerry @spookytooth
Vielen Dank für Euren Hinweis. Bei meinem "Tunnelblick" auf die maltesische Presse, hätte ich das glatt übersehen.


Die mutmaßlichen drei Täter sind heute kurz vor 9:00 Uhr mit einem erheblichen Polizeiaufgebot vom Gefängnis zum Gerichtsgebäude gebracht worden.

Malta hat eine Mischung aus anglo-amerikanischem und kontinental-europäischen Strafrecht, die ich nicht vollständig durchschaue. Jedenfalls geht es in der heutigen, öffentlichen Anhörung um die Verlängerung der U-Haft und die Frage, ob ein Hauptverfahren eröffnet wird. Die Staatsanwaltschaft muss dazu ihre Beweise präsentieren oder zumindest benennen. Es wurde also allgemein erwartet, dass die Öffentlichkeit im Laufe des Tages einen genaueren Eindruck von den Ergebnissen der polizeichlichen Ermittlungen bekommt.

Die Sitzung hat pünkltich um 9:30 Uhr begonnen. Die vorsitzende Untersuchungsrichterin hat eine Erklärung abgegeben, nach der sie mit einer Schwester von Daphne zur Schule gegangen sei und auch weiterhin Kontakt zu ihrer ehemaligen Mitschülerin habe. Sue würde sich zwar nicht befangen fühlen, wollte aber den Parteien die Gelegenehit geben, ggf. Befangenheitsanträge zu stellen.

Die Verteidigung hat dann auch einen Ablehnungsantrag gestellt, dem die Richterin selbst zugestimmt hat. Damit war die heutige Sitzung dann beendet. Die Verdächtigen bleiben natürlich in Haft aber Neuigkeiten zu den Beweisen gibt es für heute jedenfalls nicht.


zufu

http://www.maltatoday.com.mt/


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14.12.2017 um 16:05
OpLibelle schrieb:Die Verteidigung hat dann auch einen Ablehnungsantrag gestellt, dem die Richterin selbst zugestimmt hat. Damit war die heutige Sitzung dann beendet. Die Verdächtigen bleiben natürlich in Haft aber Neuigkeiten zu den Beweisen gibt es für heute jedenfalls nicht.
Die stetige mediale Begleitung des ganzen Falles ist dennoch ziemlich außergewöhnlich. Wirklich viele Dinge werden der Öffentlichkeit zugänglich. Wirklich interessant. Zumal es sich hier um einen Fall handelt, der ziemliche Brisanz haben dürfte. Ich bin sehr gespannt darauf, wie es weitergeht....Auch von mir ein großes Lob für Deine wirklich sehr gute Threadbegleitung und stetige Aufbereitung der neuen Informationen !


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16.12.2017 um 11:21
Dem Fall ist eine neue Untersuchungs- (Haft-) Richterin zugewiesen worden. Die Donnerstag abgebrochene Verhandlung wird nun schon am kommenden Montag, den 18.12.2017, fortgesetzt.

http://www.maltatoday.com.mt/news/court_and_police/83081/new_magistrate_chosen_for_caruana_galizia_murder_case

Da ich am Montag eine Reihe beruflicher Termine habe und mir am Abend ein Weihnachtskonzert gönne, werde ich nicht zeitnah berichten können. Wer neugierig ist, muss im Laufe des Tages mal selbst in die maltesische Presse schauen:

Malta Today: http://www.maltatoday.com.mt/
The Times of Malta: https://www.timesofmalta.com/
The Malta Independend: http://www.independent.com.mt/

Heute vor genau zwei Monaten wurde Daphne ermordet. Im Laufe der Nacht sind auf der ganzen Insel Banner aufgetaucht, die eine vollständige Aufklärung fordern.


banner


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Wer ermordete Daphne Caruana Galizia?

18.12.2017 um 15:54
Ich schrieb zwar, ich hätte heute keine Zeit, aber dafür reicht es dann doch:

Die zweite Untersuchungs- (Haft-) Richterin hat wegen Befangenheit hingeschmissen!

Die Richterin hatte bis 2013 als Anwältin in der Kanzlei eines Parlamentsabgeordneten gearbeitet. Daphne hatte ihre Berufung zur Richterin kritisiert. Zuden hatte sie wohl auch vor ihrer Berufung ins Richteramt bei einer Gelegenheit die Malta Today in einem Rechtsstreit gegen Daphne vertreten.

Nachdem sich vergangenen Donnerstag schon die erste Richterin für befangen erklärt hatte, weil sie mit Daphnes Schwester zur Schule gegangen war, hatte der oberste Richter nunmehr diese Richterin mit der Leitung des Verfahrens beauftragt.

Hallo?! Kann man solche Sachen vielleicht vorher klären?!

Es gibt da nämlich ein klitzekleines Problem: Zwischen der Anklageerhebung und der Entscheidung über die Eröffnung des Hauptverfahrens - und darum geht es hier - dürfen nach maltesischen Recht maximal 30 Tage liegen. Ansonsten sind die Herren Angeklagten unverzüglich und ohne Auflagen auf freien Fuß zu setzen.

Und 10 Tage davon haben sie schon verdattelt. An Wochenenden, Weihnachten und Neujahr werden sie wohl auch kaum verhandeln. Lass jetzt noch einen Angeklagten ernstlich krank werden (oder so tun, als ob), hier und da einen Zeugen im Weihnachtsurlaub sein, die Verteidigung gegen dieses und jenes Beschwerde einlegen - nicht, weil es berechtigt wäre, sondern weil es Zeit kostet - und das Verfahren ist geplatzt.

http://www.maltatoday.com.mt/news/court_and_police/83167/third_magistrate_chosen_to_hear_daphne_caruana_galizia_compilat...


lampuki


Aber es gibt auch gute Nachrichten aus Malta: Die Fangsaison für Lampuki wurde um einen Monat verlängert...

https://www.timesofmalta.com/articles/view/20171218/community/lampuki-season-extended-by-a-month.665981

Wikipedia: Gemeine_Goldmakrele

Und wer jetzt meint, ich könnte das mit der guten Nachricht sarkastisch gemeint haben - der hat recht.


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19.12.2017 um 00:36
guten morgen,


am 11. dezember fand in berlin die verleihung "Deutscher Reporterpreis 2017" statt- ausgezeichnet wurden herausragende reporter in diversen kategorien.

im rahmen dieser veranstaltung wurde daphne caruana galizia der "Ehrenpreis für investigative Recherche" zuerkannt.


http://www.reporter-forum.de/index.php?id=4


"(...) Wer dabei war, wird es nicht vergessen: Als Undercover-Urgestein Günter Wallraff gegen das Kartell der Korrupten auf Malta wetterte. Als Moderator Claus Kleber die drei Söhne der ermordeten Bloggerin Daphne Galizia auf die Bühne bat. Als sie die Stufen hinauf tappten, betäubt von Trauer. Als das Publikum aufstand und minutenlang applaudierte – da war Vielen im Raum klar, wie viel plötzlich auch in Europa auf dem Spiel steht, dass wir Journalisten nur gemeinsam bestehen werden, dass wir nicht aufhören dürfen, die Schattenwelt des dunklen Geldes mit unseren Recherchen auszuleuchten. Die drei Söhne von Daphne Galizia waren von ihrem geheim gehaltenen Aufenthaltsort nach Berlin gekommen, um den Ehrenpreis für investigative Recherche entgegenzunehmen. (...)"


mfg: domlau


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Wer ermordete Daphne Caruana Galizia?

19.12.2017 um 11:13
...ein passender kommentar, der es haargenau auf den punkt bringt- mahnung und verpflichtung zugleich, den mord an daphne galizia nicht in vergessenheit geraten zu lassen:


http://www.sueddeutsche.de/medien/mord-auf-malta-der-journalisten-mord-von-malta-ist-ein-angriff-auf-die-werte-europas-1...


"(...) Dies ist mehr als ein Mord, es sieht vielmehr aus wie eine Warnung, wie man sie von der Mafia kennt: Die Täter wollen abschrecken - in diesem Fall offenbar jene, die nach der Wahrheit suchen, jene, die sich dem freien Wort verpflichtet sehen.

(...)

Journalisten sind nicht wichtiger als andere Menschen, aber sie verkörpern etwas, das mittelbar allen Bürgerinnen und Bürgern gehört: Das Recht, die Mächtigen und Reichen zur Rechenschaft zu ziehen. Ein Mord an Journalisten ist ein Angriff auf dieses Recht, und der Tod einer maltesischen Journalistin - sofern er mit ihrem Beruf zu tun hat - ein Angriff auf die Werte Europas. (...)"


mfg: domlau


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19.12.2017 um 11:49
...ein thread für daphne caruana galizia, ein teil von uns allen, aber auch eine von 65- alleine bislang im jahre 2017!


https://www.welt.de/politik/ausland/article171721293/Gefaehrdete-Pressefreiheit-Journalisten-unter-Beschuss-auch-ausserh...


"(...) „Autobombe tötet Investigativ-Journalistin Daphne Caruana Galizia“, so lautete eine Eilmeldung am 16. Oktober 2017. Sie kam von der europäischen Mittelmeerinsel Malta. Keiner Gegend also, in der ein bewaffneter Konflikt herrscht. Und trotzdem wurde dort gezielt eine Journalistin getötet. Der Fall ist Teil einer Entwicklung, die die Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen (ROG) mit Sorge verfolgt.

In ihrem aktuellen Bericht über den Zustand der Pressefreiheit weltweit zieht die Organisation eine alarmierende Bilanz. Immer mehr Journalisten werden in Gebieten getötet, die nicht als Krisenregionen gelten. Bis zum 1. Dezember starben in diesem Jahr fast die Hälfte (46 Prozent) der 65 getöteten Medienschaffenden in solchen Regionen.

(...)

Deutschland dürfe im Kampf um die Pressefreiheit weltweit nicht mit zweierlei Maß messen. „Es kann nicht sein, dass Belarus deutlich kritisiert wird, während man zu Repressionen in Ägypten stumm bleibt, weil das Land als Stabilitätsanker in der Region gilt.“ (...)"


mfg: domlau


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21.12.2017 um 15:46
Vorgestern gestern und heute ist auf Malta die Vorverhandlung gegen die drei Hauptverdächtigen fortgesetzt worden. Wie zu erwarten war, spielte die Verteidigung auf Zeit.

So wurde zunächst beantragt, die Richterin möge sich für Unzuständig erklären, weil das Auswahlverfahren, in dem sie zur nunmehr dritten Richterin in diesem Fall bestimmt wurde, fehlerhaft gewesen sei. Sie lehnte das ab.

Dann beantragte die Verteidigung, sie möge die Frage der Rechtmäßigkeit ihrer Bestellung dem maltesischen Verfassungsgericht vorlegen. Sie lehnte das ab.

Die Verteidigung beantragte darauf hin, sie möge sich für befangen erklären. Schließlich würde sie ja ständig die Anträge der Verteidigung ablehnen. Sie lehnte dies ab.

Schließlich beantragte die Verteidigung, sie möge die Frage ihrer Befangenheit oder Nicht-Befangenheit dem maltesischen Verfassungsgericht vorlegen. Sie lehnte dies ab.

Dann legten zwei Verteidiger wg. angeblichen Interessenkonflikten ihre Mandate nieder. Dafür wurden dann drei neue bestellt. auch das kostete Zeit.

Als nächstes beklagte sich George Degiorgio über seine angeblich unmenschlichen Haftbedingungen. Er müsse auf einer Matratze auf dem Boden schlafen und bekäme zu wenig Hofgang. Er fürchte um seine Gesundheit.

Die Verteidigung beantragte daraufhin, das Gericht möge die Gefängnis-Direktorin als Zeugin vorladen. Das geschah auch.

Die Direktorin sagte aus, die Haftbedingungen seien, wie sie seien, da die drei Angeklagten als gefährlich gelten würden, man einen etwaigen Suizid verhindern will und sie in unterschiedlichen Blöcken untergebracht seien und zu unterschiedlichen Zeiten Hofgang hätten, damit sie sich nicht absprechen können.

Daraufhin erklärte Alfred gestern, er würde aus Solidarität mit seinem Bruder an sofort in den Hungerstreik treten. Das tat er dann aber doch nicht. Jedenfalls soll er heute Morgen nicht sonderlich hungrig gewirkt haben.

Man nennt das "Konfrontationsverteidigung". In Deutschland fahren manche Anwälte diese Strategie in der Hoffnung, durch die ständige Nerverei das Gericht zu kleinen Formfehler zu provozieren, mit denen man dann eine Revision begründen kann.


accused in court
Die drei Angeklagten, wie sie der Gerichtszeichner der Today sah.

Und was hat es unseren drei Herren auf Malta genützt?

Nix. Rein gar nix.

Die Richterin hat völlig unbeirrt die Verhandlung durchgezogen, auch wenn sie ständig wegen der Anträge der Verteidigung stundenweise unterbrochen werden musste.

Neben dem Ehemann von Daphne, der als Nebenkläger auftritt, wurden fünf oder sechs Polizeibeamte als Zeugen zu ihren Ermittlungsergebnissen befragt. 50 Seiten mit Mobilfunk-Daten wurden vorgelegt, ebenso Tatortfotos und Videos aus Überwachungskameras vom Tattag.

Die Richterin hat nach dem heutigen Verhandlungstag die Anklage zur Hauptverhandlung zugelassen und die Haftbefehle erneuert. Das Vorverfahren ist damit durch, es sei denn, die Anklage will noch weitere Beweise vorlegen. Neuer Termin: 1. Februar 2018, 9:30 Uhr.

Nach meinem Empfinden war das blitz-blanke Polizeiarbeit, was die maltesischen ..äh.. ..mh.., was die holländischen und amerikanischen Ermittler da vorgelegt haben.

Die Staatsanwaltschaft hat sich dabei ausschließlich auf das die Haupttäter belastende Material beschränkt. Kein Wort zu den laufenden Ermittlungen bezüglich der Hintermänner. Für uns neugierige Öffentlichkeit mag das zwar ärgerlich sein, aber aus polizeitaktischer Sicht, war das sicher richtig so.

Immerhin haben wir jetzt einen sehr genauen Überblick über die Ereignisse am Tattag. Dazu im nächsten Beitrag mehr - viel mehr. Es gibt reichlich Lesestoff.



Quellen: siehe nächstes Posting


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21.12.2017 um 15:53
Der Tatablauf, so wie er sich im Ergebnis der gerichtlichen Vorverhandlung vom 19., 20., 21.12.2017 gegen die drei Angeklagten, die Brüder George und Alfred Degiorgio und Vincent Muscat, darstellt:

Die maltesischen Medien haben teilwiese live - im Chat-Stil - berichtet, teils zusammenfassend. Dabei gibt es in den Berichten immer wieder kleine Abweichungen und Unstimmigkeiten. Ich habe mich bemüht, aus der Times, der Today und dem Independent eine Art Synopse zu erstellen und die Zeugenberichte primär chronologisch und sekundär thematisch zu sortieren.



November 2016 (also fast ein Jahr vor Tat!):
Von einem Nokia 105 aus werden binnen weniger Minuten drei Prepaid-SIM-Karten von Vodafone Malta aktiviert. Eine Karte wird später in die Empfangseinheit der Bombe verbaut werden, ich nenne sie im Weiteren "Bomben-SIM". Über eine weitere Karte wird am Tattag eine SMS gesendet, die die Bombe zur Explosion bringen wird, ich nenne sie "Sender-SIM". Sie verbleibt durchgängig im besagten Nokia 105. Von der dritten Karte aus, ich nenne sie "Nachrichten-SIM", wird am Tattag, wenige Minuten vor der Explosion, der Täter angerufen, der dann die totbringende SMS über die "Sender-SIM" an die "Bomben-SIM" schickt. Nach ihrer Aktvierung bleiben die Karten über Wochen offline.

10. Januar 2017:
Die "Sender-SIM" und die "Bomben-SIM" gehen für wenige Stunden ans Netz. Zwischen beiden werden einige SMS ausgetauscht. Danach gehen beide Karten wieder bis August vom Netz.

17. Juni 2017:
Daphne schließt einen Leasingvertrag mit einer Laufzeit von fünf Jahren über einen Neuwagen ab. Da der Wagen eine erhebliche Lieferzeit hat (Linkslenker!), erhält sie vorläufig den Peugot 108, in dem sie zu Tode kommen wird. Ein Zweitschlüssel verbleibt bei der Leasing-Firma. Daphne stellt den Wagen vorwiegend in einer zu ihrem Haus gehörenden Garage ab, ihr Sohn Matthew hingegen, der den Wagen ebenfalls ab und an nutzt, stellt ihn zumeist vor der Haustür ab.

August 2017:
Das "Sender-Handy" und die "Bomben-SIM" gehen gemeinsam für einige Stunden ans Netz und tauschen SMSs aus. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich die "Bomben-SIM" bereits in einem GSM-Modul, das üblicherweise für Fernsteuerungen benutzt wird. Danach werden die beiden SIM-Karten bis zum Tattag nicht mehr benutzt.

16. - 25. September 2017:
Daphnes Wagen befindet sich aufgrund eines kleineren Unfalls nebst Blechschaden in einer Werkstatt. Dabei kommt es wiederholt zu Verwechselungen mit dem Schlüsseln. Es gibt jedoch keine Anzeichen für eine gezielte Manipulation mit den Schlüsseln oder die Fertigung von Kopien.

07., 08., 09., 11., 12., 13., 14. Oktober 2017:
Die privaten Handys von Alfred und Vincent befinden sich über jeweils längere Zeiträume im Bereich des Mobilfunksenders von Bidnija, also dem Ort, in dem Daphne wohnte. An den meisten Tagen ist zeitgleich auch das "Nachrichten-Handy" dort eingeloggt. Am 09. Oktober ist auch das Handy von George dort eingeloggt.

Um diese Zeit fällt Anwohnern wiederholt ein weißer Kleinwagen, vermutlich ebenfalls ein Peugot 108 auf, der nördlich von Mosta vor der tat-Tarġa Battery abgestellt ist. Die Battery ist eine verfallene Artillerie-Stellung vom Ende des 19. Jahrhunderts, von der aus nie Schuss abgegeben wurde ( Wikipedia: Tar ). Von dort hat man einen weiten Blick auf Daphnes Haus und die Straße von Mosta nach Bidnija, an der der Tatort liegt.


targa


15. Oktober 2017, der Tag vor der Tat:
George erzählt einem Freund, er beabsichtige am kommenden Tag zum Angeln mit seinem Boot herauszufahren.

Die Handys von Alfred und Vincent sind neuerlich im Bereich des Sendemasts von Bidnija eingeloggt.

Daphne fährt mit ihrem Wagen zu einem Cafe in die Ortschaft Naxxar, wo sie sich später mit ihrem Mann und ihrem Sohn Matthew trifft. Während die Eheleute im Wagen des Mannes weiterfahren, fährt ihr Sohn mit Daphnes wagen zum Schwimmen. Er stellt ihn abends vor dem Haus ab.

16. Oktober 2017, ein Montag, der Tattag:

01:41 Uhr:
Im Bereich des Mobilfunk-Sendemasts von Bidnija geht die "Bomben-SIM" ans Netz. Weniger Minuten später wird dort auch das "Nachrichten-Handy" eingeschaltet. In den gleichen Masten sind auch die privaten Handys von Alfred und Vincent eingeloggt.

04:00 Uhr:
Das Handy von Alfred geht in Bidnija vom Netz.

kurz vor 08:00 Uhr:
Das "Sender-Handy" geht im westlichen Bereich des Grand Harbour unterhalb von Valletta ins Netz ( Wikipedia: Grand_Harbour ). Dort befindet sich das Lagerhaus, das die Brüder angemietet haben. Dort ist auch der Liegeplatz ihrer beiden Motor-Boote, der Maya und der Ducu. Das Handy bewegt sich dann in Richtung Hafenausfahrt.


hafen


08:00 Uhr:
Eine Überwachungskamera erfasst die Maya als sie aus dem Hafen ausläuft und dann nach Norden abdreht. Die Maya, eine Wellcraft Martinique 200 ( https://www.google.de/search?q=Wellcraft+Martinique&tbm=isch&tbo=u&source=univ ), ist auf George registriert.

In den folgenden acht Stunden bewegt sich das "Sender-Handy" kreisförmig, gegen den Uhrzeigersinn, durch den Bereich diverser küstennaher Sendemasten entlang der gesamten Insel und umrundet diese etwa einmal pro Stunde.

Vodafone beginnt mit Wartungsarbeiten an mehreren Sendemasten, darunter auch dem in Bidnija. Er bleibt bis 16:00 Uhr abgeschaltet. Dies hätte Daphne für diesen Tag das Leben retten können. Der Sendemast im nahen Mosta ist jedoch (leider) leistungsfähig genug, um auch die Versorgung von Bidnija zu übernehmen.

Vormittags:
Einem Anwohner fällt ein weiteres Mal der weiße Kleinwagen vor der tat-Tarġa Battery auf.

Nachmittags:
George ruft von seinem privaten Handy aus bei einem Freund an und bittet diesen, dringend einen Guthabenbetrag auf das "Sender-Handy" aufzuladen. Dieses und weitere Telefonate werden vom maltesischen Secret Service mitgeschnitten. Wie lange und warum sein Telefon angezapft wurde, bleibt im Dunkeln. Die Verteidigung opponiert nicht; offenbar liegt der notwendige richterliche Beschluss vor.

Georges Bekannter kann ihm nicht helfen, gibt ihm aber einen Tipp, wie er eine Art "Notfallaufladung" veranlassen kann (offenbar ein Handy-zu-Handy Guthabenübertrag oder dergl.). George ruft daraufhin einen weiteren Bekannten an und bitte ihn, diese Form der Aufladung durchzuführen. Eine Minute später werden dem "Sender-Handy" 5,- € gutgeschrieben.

14:30 Uhr:
Daphne führt ihr letztes Telefonat mit ihrem Handy.

14:52 Uhr:
Die Maya wird von einer Überwachungskamera an einem küstennahen Denkmal in Valletta, der Great Siege Bell, erfasst. ( http://mymalta.guide/other-landmarks/siege-bell-war-memorial ) Und zwar neuerlich im Bereich der Einfahrt zum Grand Harbour. Der Bereich wird von einem Mobilfunk-Sendemast nahe dem YMCA-Hostel in Valletta abgedeckt.

14:55 Uhr:
Daphne verlässt zum ersten Mal an diesem Tag ihr Haus und geht zu ihrem Wagen.

Von dem "Nachrichten-Handy" wird über den Sendemast in Mosta eine Sprechverbindung zu dem Handy von George aufgebaut. Dieses ist - ebenso, wie das "Sender-Handy" - in den Mast beim YMCA-Hostel eingeloggt. Das Gespräch dauert 44 Sekunden.

Die Maya stoppt auf.

Daphne kehrt um und geht zurück ins Haus, da sie das Scheckbuch ihres Mannes vergessen hat.

14:57 Uhr:
Daphne verlässt neuerlich ihr Haus, steigt in ihren Wagen und fährt los.

Von dem "Nachrichten-Handy" wird wiederum eine Sprachverbindung zu dem Handy von George aufgebaut, diesmal für 107 Sekunden.

14:58 Uhr:
Noch während die Sprachverbindung besteht, wird von dem "Sender-Handy" eine SMS an die SIM-Karte in der Bombe gesendet.

Ein Autofahrer der auf der Straße von Mosta nach Bidnija Daphne entgegen kommt, hört einen Knall und beobachtet, wie explosionsartig weißer Qualm unter ihrem Fahrzeug aufsteigt. Danach beschleunigt ihr Wagen stark. Der Zeuge glaubt auch eine Panik-Reaktion bei der Fahrerin zu sehen. Im gleichen Moment erfolgt eine zweite Explosion. Der Wagen schießt über den Straßenrand und kommt brennend in einem Feld zu stehen.

Ein weiterer Augenzeuge, der mit seine Wagen ein Stück hinter ihr fuhr, bestätigt, dass einer großen Explosion im Fahrzeug eine vergleichsweise kleinere voranging. Auch wollen mehrere "Ohrenzeugen" zwei Explosionsgeräusche hintereinander gehört haben.

Im Moment der Explosion geht die "Bomben-SIM" vom Netz.

Die Sprechverbindung wird getrennt.

15:00 Uhr:
Das "Nichtrichten-Handy" geht (dauerhaft) vom Netz.

Die Maya nimmt wieder Fahrt auf und umrundet ein weiteres Mal die Insel.

Ein Zeuge beobachtet etwas abseits des Tatorts einen weißen Kleinwagen, dessen Fahrer interessiert die Szene beobachtet und dann davon fährt.

15:20 Uhr:
Das Handy von Alfred geht in einer Ortschaft im Westen von Malta, einige Kilometer vom Tatort entfernt, wieder ans Netz.

15:30 Uhr:
George sende von seinem privaten Handy eine SMS an seine Freundin: "Mach mir eine Flasche Wein auf, Baby". Kurz darauf sendet er eine weitere SMS an einen Freund und berichtet, er habe zwei große Fische geangelt.

16:00 Uhr:
Die Maya wird von einer Überwachungskamera an der Hafeneinfahrt erfasst, als sie wieder in den Grand Harbour einläuft. Im Fahrstand ist deutlich George zu erkennen.

nach 16:00 Uhr:
Das "Sender-Handy" geht (dauerhaft) vom Netz. Es befindet sich zum Zeitpunkt des Abschaltens im Bereich eines Sendemasts, der das Lagerhaus der Brüder und den üblichen Liegeplatz der Maya abdeckt.

17. Oktober 2017:
Ein Spurensicherungs-Team der niederländischen Polizei trifft auf Malta ein und beginnt noch am gleichen Tag mit Tatortarbeit.

Nach Abschluss der Spurensicherung am Tatort wird auch die tat-Tarġa Battery nach Spuren abgesucht. Dabei wird eine Zigaretten-Kippe gefunden, an der eindeutig Alfreds DNA nachgewiesen werden kann.

19. Oktober 2017:
Ein Team vom FBI trifft auf Malta ein und beginnt mit der Auswertung der Funkzellen-Daten.

21. Oktober 2017:
Die maltesische Regierung setzt auf die Ergreifung der Täter eine Belohnung von 1 Million Euro aus.

Ende Oktober 2017:
Die Ermittler zerlegen einen Peugot 108 - baugleich zu dem Wagen, den Daphne fuhr - in seine Einzelteile um bestimmen zu können, welches der kleinen und kleinsten Trümmer- und Splitterteilen zum Fahrzeug und welches zur Bombe gehört.

Die Experten sind sich einig, dass die Bombe im Inneren des Fahrzeugs und zwar unter dem Fahrersitz deponiert war.

Teile mit Sprengstoffrückständen werden zur Analyse an ein oder mehrere, namentlich bisher nicht genannte, Kriminallabors in der EU verschickt. Es handelt sich um einen "organischen" Sprengstoff (zur Unterscheidung von anorganischen Sprengstoffen wie z.B. Schwarzpulver). Zum genauen Typ und der Herkunft macht die Polizei keine Angaben in der Verhandlung.

Es werden die Aufzeichnungen von zahlreichen privaten Überwachungskameras beschlagnahmt, die ggf. Daphne Wagen in den Tagen vor der Tat aufgezeichnet haben und/oder Aufschluss über den verdächtigen weißen Kleinwagen geben können. Bzgl. Daphne Wagen erklärt die Polizei man habe ihn an in Übereinstimmung mit den Angaben der Familie auf dem Videomaterial von verschiedenen Orten identifizieren können. In keiner der Aufzeichnungen sind verdächtige Annäherungen oder drgl. zu sehen. Bzgl. des weißen Kleinwagens herrscht Schweigen.

04. Dezember 2017:
Zehn Verdächtige, darunter Alfred, George und Vincent, werden festgenommen. Bei der Durchsuchung des Lagerhauses der Brüder werden insgesamt acht Handys gefunden. Darunter ist auch ein teilweise geöffnetes Nokia 105. Neben dem Gerät liegen der Akku und die "Nachrichten-SIM".

Im Hafenbecken vor dem Lagerhaus werden drei weitere Handys gefunden. Eines lässt sich Vincent, zwei George zuordnen. Das "Sender-Handy" und das zuletzt von George privat genutzte Handy bleiben jedoch vorläufig verschwunden.

In Alfreds Wohnung werden € 4.800,- in bar gefunden.



Quellen:
http://www.maltatoday.com.mt/news/court_and_police/83237/daphne_caruana_galizia_murder_compilation_evidence_20171221

https://www.timesofmalta.com/articles/view/20171221/local/live-caruana-galizia-murder-third-day-of-evidence.666190?utm_s...

http://www.independent.com.mt/articles/2017-12-21/local-news/Live-Compilation-of-evidence-in-Daphne-Caruana-Galizia-murd...

Innerhalb der drei vorstehend verlinkten Artikel finden sich auch jeweils Links auf die Berichte zu den Verhandlungen an den Vortagen.


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Wer ermordete Daphne Caruana Galizia?

22.12.2017 um 01:14
@OpLibelle
Vielen Vielen Dank für die ausführliche Zusammenfassung!
Mich beschäftigt dieser Fall von Anfang an und ich bin froh, dass er hier so gründlich behandelt wird.

Den 3 Männern kann man wohl genug vorwerfen, jetzt ist nur die Frage: Wieso haben sie es gemacht bzw - da sie selbst wohl keinen Grund haben - für WEN.
Natürlich wäre es toll wenn das rauskommt, vllt auch über weitere Telefonverbindungen der dreien zu "höheren" Leuten.
Mit den Telefonen waren sie ja nicht vorsichtig, da eine Aufklärung in Malta generell eher lapidarisch erfolgte und diverse andere Autobomben nicht aufgeklärt wurden.
Gottseidank hat Daphnes Fall sowohl europaweit Interesse ausgelöst als auch internationale Ermittler nach Malta geholt.
Die Korruption auf Malta und die undurchschaubaren Verstrickungen sind so tief verankert, dass ich sicher bin, dass eine Autobombe bei einer unbekannten Person keine Verdächtigen und keine weiteren Ermittlungen hervorgerufen hätte - nun aber doch!!

Danke nochmal, und ich bin gespannt, ob da noch mehr ans Tageslicht kommt.
Ich habe Daphnes Blog früher sehr gerne gelesen und bin so traurig, dass ein Mensch getötet wird, der einfach nur journalistisch hervorragend gearbeitet hat.


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Wer ermordete Daphne Caruana Galizia?

22.12.2017 um 16:02
Ein kleiner Fehler hat sich bei mir eingeschlichen:

Die Maya umrundete die Insel nicht 1 x pro Stunde, sondern fuhr jeweils von Nordspitze zur Südspitze binnen einer Stunde, benötigte also zwei Studen pro Umrundung. Einmal um die Insel sind dann doch etwa 70km. Das kann eine Wellcraft wohl je nach Motorisierung gerade so schaffen, aber schon wg. dem Spritverbrauch eher keine 8 Sunden durchhalten (und bequem wäre es wohl auch nicht).

Ich finde, der Tatabauf hat eine heftige Dramaturgie:

Der Mobilfunkmast in ihrem Ort wird abgeschaltet, aber ein anderer Mast übernimmt. Da ist kein Guthaben auf dem "Sender-Handy". Der erste Bekannte, den der Täter anruft, kann nicht helfen, der zweite dann aber schon. Wenige Minuten vor der Tat kommt die Maya wieder in den Erfassungsbereich einer Überwachungskamera. Daphne geht zu ihrem Wagen und geht zunächst aber wieder zurück. Und als krönender Abschluss die zynische SMS des Täters an seine Freundin.

Wäre das ein Krimnalfilmi, der Zuschauer würde nörgeln, dass der Drehbuchautor mächtig in die Kiste mit dramatishcen Zufällen gegriffen hat. Leider war es kein Film...
citybird schrieb:Natürlich wäre es toll wenn das rauskommt, vllt auch über weitere Telefonverbindungen der dreien zu "höheren" Leuten.
Falls es etwas mit der Öl-Geschichte zu tun hat, habe ich einige Hoffnung, dass die Staatsanwaltschaft auf Sizilien den Auftraggeber quasi als "Beifang" ermitteln wird, vielleicht schon hat.

Falls es nichts mit dem Öl-Schmuggel zu tun hat, aber der Auftrag auf der Insel erteilt wurde, wird man über weitere Handy-Auswertungen und auch vielleicht den verdächtigen weißen Kleinwagen weiterkommen. In der Verhandlung waren immer so kleine Holperer, bei denen ich mir beim Durchlesen der Berichterstattung gefragt habe, was die Polizei da sagen oder eben nicht sagen will.

Beispiel:
Ein Beamter sagte aus, am 13.10.2017 - also drei Tage vor der Tat - wären die Handys der drei Tatverdächtigen in ein und die selbe Funkzelle in St. Pauls eingeloggt gewesen. Und? Was will er uns oder dem Gericht oder den Angeklagten oder deren Auftraggeber damit sagen? Die drei waren ja wohl so etwas wie ziemlich beste Freunde und verfolgten gemeinsame wirtschaftliche Interessen. St. Pauls liegt etwas Abseits im Nord-Osten von Malta und ist bekannt für Billig-Hotels und britische Proll-Touristen auf Sauftour. Warum sollen die drei Tatverdächtigen dort nicht ein Bier gekippt haben? Oder haben sie dort das letzte OK für den Auftrag erhalten? Weiß die Polizei mehr über diese Zusammenkunft und es ist dem Beamten nur so rausgerutscht? Oder hat er es bewußt gesagt, um Hintermänner nervös zu machen? Da hilft nur abwarten.


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Wer ermordete Daphne Caruana Galizia?

24.12.2017 um 12:52
weihnacht

Ich wünsche allen Diskussionsteilnehmern und stillen Mitlesern ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest.


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Wer ermordete Daphne Caruana Galizia?

27.12.2017 um 08:10
@OpLibelle

Hab vielen Dank für Deine hervorragende Begleitung des Falles und die weiteren erstklassigen Zusammenfassungen.
OpLibelle schrieb am 22.12.2017:Ich finde, der Tatabauf hat eine heftige Dramaturgie:

Der Mobilfunkmast in ihrem Ort wird abgeschaltet, aber ein anderer Mast übernimmt. Da ist kein Guthaben auf dem "Sender-Handy". Der erste Bekannte, den der Täter anruft, kann nicht helfen, der zweite dann aber schon. Wenige Minuten vor der Tat kommt die Maya wieder in den Erfassungsbereich einer Überwachungskamera. Daphne geht zu ihrem Wagen und geht zunächst aber wieder zurück. Und als krönender Abschluss die zynische SMS des Täters an seine Freundin.

Wäre das ein Krimnalfilmi, der Zuschauer würde nörgeln, dass der Drehbuchautor mächtig in die Kiste mit dramatishcen Zufällen gegriffen hat. Leider war es kein Film...
Das sehe ich ganz genauso. Es war kein reiner "Spaziergang" für die Täter. Natürlich stellt sich an dieser Stelle die Frage nach den Hintermännern, denn anhand der jetzigen Sachlage, sollten die Täter -vorbehaltlich aktuellerer Entwicklungen und der Korrektheit der Informationen- eigentlich überführt sein. Da bin ich wirklich mal gespannt, ob und wenn ja, was da noch passieren mag.

Davon abgesehen ist die Ermittlungsarbeit und auch Informationspolitik sehr hervorzuheben. Bislang eine super Arbeit.
OpLibelle schrieb:Ich wünsche allen Diskussionsteilnehmern und stillen Mitlesern ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest.
Danke ! Ich hoffe, Du hattest ein schönes Fest und wünsche Dir und Deiner Familie alles Gute !


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Wer ermordete Daphne Caruana Galizia?

23.01.2018 um 22:28
Wenn ich seit Weihnachten hier nichts mehr gepostet habe, dann nur deshalb, weil es absolut nichts Berichtenwertes gab. Ich habe die maltesische Presse weiterhin nahezu täglich auf dem Schirm, aber es sickert nichts mehr durch von den Bemühungen der Polizei, die Hintermänner zu ermitteln.

Mir ist auch nicht klar, ob überhaupt - und wenn ja, welche - ausländischen Behörden aktuell noch an den Ermittlungen beteiligt sind.

Aber wie angekündigt, war ich inzwischen wieder für einige Tage auf Malta und habe Bilder vom Tatort gemacht. Wie ich schon schrieb, ist Malta einfach nur ein Ort, an dem seit mehr als zehn Jahren gerne und oft mal einige Tage verbringe, Daphne habe ich persönlich nie gekannt, ich halte mich auch für keinen überaus emotionalen Menschen - und dennoch ist es ein seltsames Gefühl, wenn man an einem Ort steht, an dem ein Mensch buchstäblich in Stücke gerissen wurde.

Alle Bilder wurden mit einem 50mm Objektiv gemacht. Der Bildwinkel entspricht also grob der natürlichen Wahrnehmung ohne Tele- oder Weitwinkeleffekt. Die Aufnahmen entstanden am Nachmittag des 18.01.2018 (also Donnerstag).


1.
Der kleine Privatweg, der zu Daphnes Haus führt. Da ihre Familie dort weiterhin wohnt, ich habe davon abgesehen, hineinzufahren oder zu -gehen:

zufahrt


2.
Blick von der Zufahrt in Richtung der Explosionsstelle

zufahrt2


3.
Blick von der Zufahrt in Richtung des vermuteten "Beobachtungsposten" (die erste Gebäudereihe rechts, über der Straße). Die Entfernung ist ganz beachtlich. Der oder die Beobachter müssen ein recht starkes (und damit schweres) Fernglas gehabt haben. Ich kann mit kaum vorstellen, dass dies jemand konsequent über 12 Stunden ans Auge gehalten hat. Selbst wenn sich hier - wie von der Polizei vermutet - zwei Täter abgewechselt haben, muss das noch eine kräfte- und nervenzerrende Angelegenheit gewesen sein. Ich hatte den Eindruck, dass es noch einen weiteren, deutlich näheren, Beobachtungsposten gegeben haben muss...

ausguck


4.
... zudem hat unterhalb der Gebäudelinie, von der aus das Haus angbelich beobachtet wurde, ein Gemüsehändler einen Stand, bei dem der eine oder andere Autofahrer auch anhielt und kaufte, während wir dort waren.

ausguck2


5.
Blick von der Stelle, an der es zur ersten der beiden Explosionen gekommen sein muss. Von der Einfahrt zu Daphnes Haus bis hier sind es etwa 150 bis 200 Meter. Wir haben ein paar "Anfahrtsversuche" vom Privatweg aus gemacht. Ein ortskundiger und zügiger Fahrer dürfte bis hierher auf 50 bis 60 km/h beschleunigt haben (80 km/h wären erlaubt) und im dritten Gang sein. Die Straße ist hier deutlich abschüssiger, als das bei den meisten Bildern deutlich wird. Ein Wagen, der in den dritten Gang geschaltet ist, dürfte durch den Motor kaum gebremst werden und also - wenn er nicht gelenkt wird - mit der gleichen Geschwindigkeit von der Straße abkommen.

kurve


5b.
Von einem Krater auf der Straße kann keine Rede sein. Die ausgebesserte Stelle ist gerade so groß, wie zwei A4-Blätter. Auf dem Asphalt befinden sich nioch die Markierungen der Spurensicherung.


krater



6.
Blick vom Feld zurück zur Stelle der Explosion. In einigen der Pressebilder sah es so aus, als wäre der Wagen über eine kleine Mauer oder dergl. gesprungen. Das ist eindeutig nicht der Fall. Der Weg zum Explosionort ist schnurgrade, auch wenn es für einen so kleinen Wagen bei der Geschwindigkeit natürlich ein gewaltiger Satz ist.

blickrueck


7.
Blick weiter vom Rand des Feldes bis zu der Stelle, an der der Wagen zum Stehen kam (dort, wo das Banner ist). Im Ausrollen muss das Fahrzeug noch einen leichten Drall nach rechts bekommen haben.

feld


8.
An der Stelle, an der - wie soll ich das jetzt formulieren - ein größeres Körperteil aus dem Wagen geschleudert wurde, stehen Blumen und Kerzen.

blumen


9.
Dort wo der Wagen zum Stehen kam, befinden sich Banner, Blumen und ewige Lichter...

justice


10.
.... und nioch weit mehr in der Fußgängerzone in Valletta.

valletta




Alles entsteht und vergeht nach Gesetz;
doch über des Menschen Leben,
dem köstlichen Schatz,
herrschet ein schwankendes Los. (Goethe)

Der Kaktus an dem Mäuerchen, dass zur Daphnes Haus führt, hat in diesem Winter kräftige, neue Triebe bekommen


kaktus


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Wer ermordete Daphne Caruana Galizia?

24.01.2018 um 06:28
Danke für die Bilder . So liest , bzw sieht man die Berichte ganz anders und kann sich selber besser Vorstellungen machen


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