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Solingen: mehrere Kinder getötet, Mutter unter Tatverdacht

1.020 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Mutter, 2020, September ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Solingen: mehrere Kinder getötet, Mutter unter Tatverdacht

25.06.2021 um 18:31
Zitat von emzemz schrieb:In jedem Fall dürfen wir darauf vertrauen, dass der Junge von einem Verfahrensbeistand betreut wird.

https://dejure.org/gesetze/FamFG/158.html
Das möchte ich gerne kurz gerade rücken: Dem überlebenden Jungen wird in diesem Verfahren sicher kein Verfahrensbeistand an die Seite gestellt. Verfahrensbeistände kommen in familiengerichtlichen Verfahren (Sorgerecht / Umgangsrecht etc.) zum Einsatz und sind dort von ihrer Rolle im Verfahren her der "Anwalt des Kindes", auch wenn sie oft gar keine Anwälte sind, sondern Sozialpädagogen o.ä.
Und auch in diesen Familiengerichtsverfahren wird ein Verfahrensbeistand NICHT eingesetzt, wenn das Kind - wie hier in diesem Strafprozess - anwaltlich vertreten wird. Das wäre sonst quasi "doppelt gemoppelt".

Im Strafverfahren sind Verfahrensbeistände nicht vorgesehen. Im Strafverfahren wird "nur" dafür gesorgt, dass nicht die (beschuldigten) Eltern darüber entscheiden dürfen, ob das minderjährige Kind aussagen darf oder nicht. Wäre ja sonst u.U. ein erheblicher Interessenskonflikt. Deshalb wird darüber entweder der Vormund des Kindes entscheiden, oder - falls die Eltern noch sorgeberechtigt sind - wird für diesen Teilbereich des Sorgerechts ein Ergänzungspfleger (also sozusagen ein "Vormund für einen Teilbereich") eingesetzt.

Kindesanhörungen in familiengerichtlichen Verfahren finden grundsätzlich nur in Anwesenheit von Richter, Kind und Verfahrensbeistand statt. Alle anderen bleiben draußen. Wie die Anhörung von Minderjährigen in einem Strafprozess abläuft, weiß ich nicht mit Sicherheit. In jedem Fall wird sie jedoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Aber ob der Junge ggf. in Anwesenheit aller anderen Beteiligten aussagen müsste (wenn er es denn täte), würde mich auch sehr interessieren. Weiß da jemand Genaueres zu?

P.S. Zur besseren Lesbarkeit habe ich jetzt nicht "gegendert", aber natürlich gibt es auch Richterinnen, Anwältinnen und Verfahrensbeiständinnen. ;-)


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Solingen: mehrere Kinder getötet, Mutter unter Tatverdacht

25.06.2021 um 18:55
Zitat von DieCaroDieCaro schrieb:Wie die Anhörung von Minderjährigen in einem Strafprozess abläuft, weiß ich nicht mit Sicherheit. In jedem Fall wird sie jedoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Aber ob der Junge ggf. in Anwesenheit aller anderen Beteiligten aussagen müsste (wenn er es denn täte), würde mich auch sehr interessieren. Weiß da jemand Genaueres zu?
In immer mehr Gerichten ist es inzwischen möglich die Befragung eines Kindes in einem anderen Raum durchzuführen und per Video in den Gerichtssaal zu übertragen.


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Solingen: mehrere Kinder getötet, Mutter unter Tatverdacht

25.06.2021 um 18:55
@DieCaro

Da hatte ich wohl falsche Rückschlüsse gezogen aus diesem Fall hergeleitet:
In einem Reichsdeppenprozess, es ging um Kindesentzug, ein 12-Jähriger war drei Wochen versteckt worden, da sagte sein Verfahrensbeistand vor Gericht, warum der traumatisierte Bub keinesfalls vernommen werden kann.


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Solingen: mehrere Kinder getötet, Mutter unter Tatverdacht

25.06.2021 um 19:31
Zitat von emzemz schrieb:In einem Reichsdeppenprozess, es ging um Kindesentzug, ein 12-Jähriger war drei Wochen versteckt worden, da sagte sein Verfahrensbeistand vor Gericht, warum der traumatisierte Bub keinesfalls vernommen werden kann.
Würde mich wundern, weil es da ja auch um einen Strafprozess gegangen sein dürfte. Was anderes ist, wenn parallel ein Sorgerechtsverfahren läuft, weil z.B. das Jugendamt Sorgerechtsentzug wegen Kindeswohlgefährdung beantragt hat. Aber in der Presse gehen die Begrifflichkeiten schon mal bunt durcheinander: Verfahrensbevollmächtigter (=Anwalt) und Verfahrensbeistand rutschen da vielleicht auch schon mal durcheinander, wenn man nicht täglich damit zu tun hat. Ich würde den Fehler eher dort vermuten...


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Solingen: mehrere Kinder getötet, Mutter unter Tatverdacht

25.06.2021 um 19:48
@DieCaro

Das Jugendamt hatte schon lange zuvor das Sorgerecht, der Junge war in einem Heim untergebracht worden.
Ich war bei dem Prozess selbst dabei. Deshalb weiß ich, hatte dort mit Sicherheit ein Verfahrensbeistand ausgesagt. (Es gab aber abgesehen von dem Strafprozess noch weitere Sorgerechtsstreitigkeiten. Der Vater wollte den Buben.)
Die angeklagten Reichsdeppen wollten unbedingt, dass das Gericht den Jungen hört. Das hat der Verfahrensbeistand dann aber abgelehnt.


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Solingen: mehrere Kinder getötet, Mutter unter Tatverdacht

25.06.2021 um 20:03
Zitat von AngelLostAngelLost schrieb:In immer mehr Gerichten ist es inzwischen möglich die Befragung eines Kindes in einem anderen Raum durchzuführen und per Video in den Gerichtssaal zu übertragen.
Okay, danke, das kannte ich bisher nur aus Fernsehkrimis... ;-)

Wäre in jedem Fall wünschenswert, wenn man dem Kind den Stress eines solchen Verfahrens weitestgehend ersparen würde und eine Aussage - wenn überhaupt - dann nur in einem sehr geschützten Rahmen stattfände. Ein Graus, das Ganze!


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Solingen: mehrere Kinder getötet, Mutter unter Tatverdacht

26.06.2021 um 13:41
@Karajana

Man spricht hier von endogenen und exogenen Faktoren. Im ersten Fall liegt eine körperliche Beeinträchtigung für eine psychische Erkrankung vor, im 2. Fall wird sie durch äußere Umstände erworben.
Dies scheint bei ihr der Fall zu sein.

Und ja genau, die Familie schweigt, um sich nicht zu belasten.

Das relativiert nicht die Tat der Mutter, zeigt aber, dass das Umfeld mit Verantwortung trägt an dieser Tragödie!


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Solingen: mehrere Kinder getötet, Mutter unter Tatverdacht

27.06.2021 um 20:09
@JasminTea
Danke für die Erklärung. Ja, so in etwa dachte ich es mir.


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Solingen: mehrere Kinder getötet, Mutter unter Tatverdacht

28.06.2021 um 06:30
Zitat von JasminTeaJasminTea schrieb:Und ja genau, die Familie schweigt, um sich nicht zu belasten.

Das relativiert nicht die Tat der Mutter, zeigt aber, dass das Umfeld mit Verantwortung trägt an dieser Tragödie
Ja, das erschüttert einen nochmal ganz grundsätzlich. Da sterben 5 Kinder und weder Vater noch Onkel noch Großeltern haben Interesse an Aufklärung.
Alle schützen bloß sich selbst. Unfassbar.


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Solingen: mehrere Kinder getötet, Mutter unter Tatverdacht

28.06.2021 um 11:24
Eigentlich lese ich meistens nur still mit, aber ein paar Beiträge hier erschüttern mich doch sehr.

1. Die Frau ist, trotz aller Hinweise, noch nicht rechtskräftig verurteilt.

2. Selbst wenn sie es war: Es ist falsch, allen, die hier emphatische Beiträge schreiben, vorzuwerfen, die Tat zu entschuldigen. Denn etwas verstehen zu wollen bedeutet nicht, Verständnis zu zeigen. Es ist wichtig, ihre Beweggründe nachvollziehen zu können, um solche Fälle vermeiden zu können. Glaubt ihr, irgendein Kinderleben kann gerettet werden, wenn man die Frau einfach als Monster darstellt, ohne aufzuarbeiten, wie man das hätte verhindern können? Das fängt dabei an, eine junge Mutter mit sechs Kindern als asozial zu sehen und hört dabei auf, den Kindsmord einfach als Produkt der Taten eines Monsters zu sehen. Wir alle wissen nicht, was aus uns geworden wäre, wäre unser Leben anders verlaufen.

3. Das Ammenmärchen der Amnestie für psychisch kranke Straftäter: Ich weiß nicht, warum sich der Mythos so stark hält, dass psychisch kranke Täter mildere Strafen bekommen. Denn selbst wenn die Strafen milder sind, ist das Endergebnis härter, wie ich finde: Während ein Verurteilter weiß, wie lange die Strafe dauert und evtl. auch die Aussicht auf eine frühere Haftentlassung hat, kommen psychisch Kranke Täter auf unbestimmte Zeit in den Maßregelvollzug. Immer wieder muss geprüft werden, ob die Person bereit für die Entlassung ist. Und man kann sich vorstellen, dass die Gutachter damit sehr vorsichtig sind: Sollte doch jemand erneut straffällig werden, weiß man ja, bei wem die Mitschuld gesucht wird.

4. Auch wenn es vielleicht gut gemeint ist: Ich finde manche Aussagen zu dem Jungen, der überlebt hat, wirklich schlimm. Es ist ohne Frage ein riesiges Trauma, mit dem er den Rest seines Lebens klarkommen muss. Aber mit Aussagen wie „Er kann doch nie wieder glücklich werden“, nimmt man ihm die Chance darauf, impliziert ein Stück weit sogar, dass er nie wieder glücklich sein darf. Das erinnert mich an den Fall Kampusch. Als die Menschen sahen, dass sie statt einem gebrochenen Menschen eine selbstbewusste junge Frau ist, bekam sie den kompletten Hass der Gesellschaft ab.


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Solingen: mehrere Kinder getötet, Mutter unter Tatverdacht

28.06.2021 um 15:34
@offtotheraces

danke für diesen qualifizierten Beitrag


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