@alle:
Ein nicht unberechtigt als mysteriös bezeichneter tragischer Fall. Versetzt einen sofort zurück in die eigene Dienstzeit, wie an vielen Beiträgen erkennbar.
Wie aus diesen erkennbar, war die Handhabung der U.v.D/G.v.D.-Dienste wohl recht unterschiedlich. In Sichtweite vom eisernen Vorhang sah man derlei wohl etwas enger als in Köln. Es gab also keinen U.v.D.
Mit einem einzelnen Diensthabenden im Kompaniegebäude machte der befohlene Verschluss des Dienstzimmers durchaus Sinn. N.S. hätte also
eigentlich in seinem Dienstzimmer keine körperliche Fremdeinwirkung passieren dürfen.
Die Tür wurde, soweit bekannt, nicht gewaltsam geöffnet.
Also hat entweder N.S. sie nicht verschlossen, sei es aus Vergessen oder Bequemlichkeit, was soll einem in einer bewachten Kaserne schon passieren?
Oder er hat sie bewusst geöffnet. Dann hätte er den Menschen, der da rein wollte, gekannt. Dienstlich oder privat.
Oder der Eindringling hatte einen Schlüssel. Das hätte die Verdächtigenliste enorm gekürzt und klingt erstmal wenig wahrscheinlich.
Oder der Eindringling hatte einen Nachschlüssel. Das wiederum hätte eine Verbindung zu einem Schlüsselinhaber vorausgesetzt. Hiergreift wieder die kurze Verdächtigenliste. Ich gehe davon aus, dass die Schlüsselinhaber sehr gründlich überprüft wurden. Keine Auffälligkeit diesbezüglich. In der Richtung wird´s also auch wieder unwahrscheinlicher.
Oder der Eindringling konnte das Schloss knacken, ohne Spuren zu hinterlassen um ins Dienstzimmer zu kommen. Solche Könner soll´s geben. Dazu würde passen, dass die Kellertür offen war
und der Eindringling ( vom Keller ? ) ins Erdgeschoss kam.
Rechnet man also dazu, dass der Eindringling ein mordtaugliches Messer dabei hatte, das er dann auch benutzte, sind wir schon bei einem ziemlich interessanten Individuum.
Nur was macht so Einer in einer im Kompaniegebäude einer Nachschubkompanie?
Leider habe ich nichts über das benutzte Messer finden können. Habe ich da was übersehen?
Das Verletzungsmuster der Stiche könnte etwas darüber aussagen, ob der Täter einfach nur ausrastete oder vielleicht ( zumindest theoretisch ) wusste, was er tat.
Nicht mal als Jägerkompanie eines Panzergrenadierbataillons kriegten wir Mitte der 80er ein Kampfmesser auch nur zu sehen. Nicht mal das Feldmesser, geschweige denn eine Nahkampfausbildung mit und erst recht nicht gegen Blankwaffen, während die Genossen auf der anderen Seite des eisernen Vorhangs noch das AK 47 Bajonett führten. Sehr praktisches Messer und gutes Werkzeug mit der Drahtschneidefunktion übrigens.
Einen Soldaten oder Wehrpflichtigen 1989 in einer Nachschubkompanie kann ich mir beim besten Willen nicht mit einem Kampfmesser vorstellen oder liege ich da daneben? War das vielleicht in der Kaserne üblich oder hatten die Dienstgrade dort so einen Tick?
Das damals dienstlich gelieferte Taschenmesser war wiederum als Stichwaffe nicht unbedingt geeignet. Ich habe auch nie davon gehört, das diese Werkzeuge bei Auseinandersetzungen unter Soldaten eine Rolle gespielt hätten.
Was mir im Podcast auffiel ist der Hinweis darauf, dass der Staatsanwalt recht bestimmt von einem persönlichen Motiv ausging, was sowohl der ermittelnde Kommissar, als auch der Bruder des N.S. nicht nachvollziehen konnten. Elf Messerstiche waren damals noch etwas sehr persönliches, so weit kann ich der Beurteilung des Staatsanwaltes folgen. Die fing man sich nicht mal eben völlig unpersönlich in der Fußgängerzone ein.
Andererseits:
Es fällt mir auch schwer, einem jungen Mann des Jahres 1989, der seinen Wehrdienst ableistete, während er parallel dazu in der katholischen Kirche aktiv war, Verbindungen zu Leuten zu unterstellen, die dann nachts bewaffnet in Kasernen eindringen und ihn umbringen. Was sollte der denn verbrochen haben um jemanden so gegen sich aufzubringen? Und es sich dazu noch extra schwer zu machen, indem man die Tat in einem militärischen Sicherheitsbereich verübt?
Das ist doch völlig irre.
N.S.´s Bruder geht von einer Verwechslung aus. Da wir nichts über den Kameraden wissen, mit dem N.S. den Dienst getauscht hatte, lässt sich in der Richtung nicht viel sagen. Hatte der andere wehrpflichtige junge Mann etwa das Umfeld, das Unstimmigkeiten mit dem Messer regelte? Hätten die Ermittler das übersehen? Und auch für dessen Mörder hätte gegolten: Und es sich dazu noch extra schwer zu machen, indem man die Tat in einem militärischen Sicherheitsbereich verübt?
Das ist doch völlig irre.
Ich bin davon überzeugt, dass es bei
beiden jungen Männern für einen aus persönlichen Motiven handelnden Täter viel günstigere Gelegenheiten gegeben hätte, sie außerhalb der Kaserne zu "stellen". Umgekehrt hätte vielleicht jemand, den zu Hause ein Konflikt derartiger Intensität erwartete, die Kaserne gar nicht verlassen wollen, eben weil man sich dort relativ sicher fühlen konnte. Eine Verwechslung aufgrund des Diensttausches halte ich auch daher für äußerst unwahrscheinlich.
Den Kameraden, der zum Verbleib in der Kaserne "verknackt" worden war, hat die Polizei recht schnell entlastet. Das erscheint mir insofern nachvollziehbar, als dass man wohl kaum die Spuren einer solchen Auseinandersetzung, die von Schlägen zur Messerstecherei wechselte, innerhalb weniger Stunden los wird bzw. beseitigen kann, wenn man in der Kaserne festsitzt. Selbst wenn man selber dabei unverletzt geblieben ist, was wiederum bei Messerangriffen gar nicht so leicht ist.
Mal andersrum gefragt:
Was wäre passiert, wenn N.S. nicht umgebracht worden wäre? Was hätte er zu erzählen oder zu melden gehabt, wenn er noch gelebt hätte? Was hätte er in Ausübung dieses verschnarchten G.v.D.-Jobs sehen können, oder wen bei einer solchen Tätigkeit, das den tödlichen Angriff / Mord auch nur halbwegs erklärbar macht?
Was hätte man dort anstellen können, was der G.v.D. hätte melden
müssen? Wo hätte das angefangen? Wem hätte eine solche Meldung solchen Schaden zugefügt oder die Angst davor in solche existentielle Panik versetzt, dass N.S. zum Schweigen gebracht werden
musste?
Nur mal rein theoretisch zur Verdeutlichung, was ich meine:
Ein Kompanieangehöriger hat eine Freundin ins Gebäude geschmuggelt, um am Wochenende mal im quasi menschenleeren ( bis auf wenige Hanseln, ich weiß ) so richtig seine Ruhe mit ihr zu haben. Sowas ist mir nie passiert, ich weiß aber nicht, ob ich als G.v.D oder später als U.v.D das unbedingt gemeldet hätte und von meinen damaligen Kameraden könnte ich´s auch nicht sagen. Solche oder ähnlich gelagerte "Heldentaten" hätten doch keinem wirklich wehgetan.
Anderes Beispiel:
Diebstahl an Kameraden. Hätte man das unter Wehrpflichtigen untereinander geregelt und derjenige wäre halt mal im Duschraum ausgerutscht? Was, wenn es ein Dienstgrad gewesen wäre? Welche Konsequenzen hätte das für einen jungen Zeitsoldaten oder Offiziersanwärter gehabt? Oder für einen schon länger dienenden?
Leider wissen wir da auch nicht, ob solche Vorkommnisse stattgefunden hatten. In dem Zusammenhang kann Kameradschaft auch mal in Kumpanei ( falsche Kameradschaft ) umschlagen und Dinge werden vertuscht. Und wenn dann mal richtig was passiert, will nachher keiner was davon gewusst oder gar damit zu tun gehabt haben.
Ob man da nach der Zeit noch was rauskriegt?
Trotzdem finde ich es gut und wichtig, dass solche "cold-case"-Ermittlungen stattfinden. Die Täter, die solche Taten verübten, sollen sich nie sicher fühlen.
MfG
Dew