@Xsinenomine +
@alle :
Xsinenomine schrieb:Die Sache ist aber halt, dass der Dienstherr damals, wie auch die Ermittler militärisch wie polizeilich sowie der Staatsanwalt damals absolut überzeugt gewesen sind und das wird ja Gründe gehabt haben.
Das sehe ich auch so.
Xsinenomine schrieb:Das machen die ja nicht ohne Grund.
Dazu komme ich noch.
Ich hatte in der letzten Zeit ´ne Menge um die Ohren und habe die Beiträge der letzten Monate mit etwas Abstand mal nachgelesen. Abstand tut manchmal gut bei sowas. Zwischendurch musste ich aber immer wieder an den Fall denken.
Dabei ( beim Denken ) hat sich für mich nochmal recht deutlich der Eindruck verfestigt, der sich beim Lesen wieder bestätigte:
Motiv und Täter sind innerhalb des Systems Bundeswehr und speziell im Mikrokosmos Kaserne zu suchen.
Zum einen bin ich davon überzeugt, dass es bei einem so jungen Menschen wie Norbert Stolz, der aus so geordneten Verhältnissen stammte, keinen "finsteren Rivalen" geben kann, der ein Motiv zum Mord entwickelt, ohne dass man das nicht allerspätestens rauskriegt, wenn man
nach so einem Ereignis dessen kurzes und überschaubares Leben in eben diesen geordneten Verhältnissen "auf links dreht". Ich gehe davon aus, dass genau das geschah, nachdem der Staatsanwalt die Ermittlungen speziell in diese Richtung lenkte.
Dasselbe nehme ich für den Kameraden an, mit dem N.S. kurzfristig den Dienst tauschte, also für das erstmal durchaus naheliegende Verwechslungsszenario. Auch dessen zivile Seite wird man untersucht haben.
Abgesehen davon hätte ein Täter von außerhalb des militärischen Betriebs genau dort zugeschlagen, wo er u. U. sogar die Möglichkeit gehabt hätte, den Mord wie einen Unfall aussehen zu lassen. Und nicht das eigene Risiko noch durch das Eindringen in einen militärischen Sicherheitsbereich in ungeahnte Höhen geschraubt. Dass der Dienstbetrieb in diesem Standort für die Gedienten unter uns teilweise "Eigenheiten" aufwies, die uns die immer noch korrekt geschnittenen Haare zu Berge stehen lässt, konnte ja so jemand nicht ahnen. Schilder am Zaun ( Schusswaffengebrauch ), bewaffnete uniformierte Wachen, das ganze militärische Brimborium, das schreckt doch ab.
Und selbst ein "Ehemaliger" aus dem Standort, der die Eigenheiten des Betriebs kannte, müsste geradezu bekloppt gewesen sein, sein Risiko unnötig zu vergrößern und die Möglichkeit einer Verschleierung der Tat auszuschlagen. Egal, ob sich die Tat gegen N.S. oder seinen Tauschpartner gerichtet hätte.
Ein geplanter Mord durch einen Außenstehenden scheidet für mich also aus.
Bleibe ich innerhalb des Standortes, komme ich an "Schütze Weber" nicht vorbei, ohne ihn nicht wenigstens genau zu betrachten. Es war für mich übrigens eine Überraschung, als ich las, dass in dem Standort nur die Rekruten in Grundausbildung ein Bett hatten. So habe ich das jedenfalls verstanden. Wie man unter diesen Umständen die Truppe zu einem der beliebten "NATO-Alarme" zusammentrommeln wollte, dürfte ein wohlgehütetes Geheimnis der Logistik sein. Wurde vermutlich Tage vorher mit Ort, Zeit und befohlenem Anzug am schwarzen Brett ausgehängt...
Interessant bei dieser Betrachtung war für mich auch, dass demnach N.S. zwar Wehrdienstleistender war, aber zum "Stamm" der Kompanie gehörte. Die Bundeswehr hatte ja immer wieder mal Probleme damit, dass selbst unter Wehrpflichtigen schon länger Dienende den Neuen, Frischlingen, Füchsen oder wie man sie titulierte, das Leben schwer machten. Ausgerechnet die Logistiker habe ich bei solchen Szenarien zwar nicht als Erste auf dem Schirm, aus solchen Handlungen könnten sich bei einem entsprechend gepeinigten Opfer aber auch Mordmotive ergeben haben. In der Richtung scheint sich nichts ergeben zu haben, N.S. entspricht nach den Beschreibungen auch nicht dem Typ, der sowas macht.
Darum zurück zu "Schütze Weber". Sollte sich um Arrest und Unterschriften tatsächlich eine solche Eskalation aufgebaut haben, die buchstäblich "bis auf´s Messer" ging? Nach vorherigem heftigem Zuschlagen? Obwohl die Geschichte holprig daherkommt, halte ich das für unwahrscheinlich. Zumal ihm N.S. gutwillig den Anruf seiner Freundin durchgab ( ein "Kameradenschwein" hätte auch sagen können, der "Weber" ist nicht da ).
Weiterhin hätte "W." von einem Angriff mit Faust und Messer allerhöchstwahrscheinlich selbst Blessuren ( siehe Boxerfraktur ) davongetragen und schlussendlich das Problem gehabt, mindestens die Tatwaffe, nebst blutbefleckter Kleidung unauffindbar loszuwerden und trotzdem seine Arrestbedingungen nicht zu verletzen.
Ich nehme daher an, dass "W." nicht zu Unrecht als Tatverdächtiger ausgeschlossen wurde.
Bei der Betrachtung der Tatsituation könnte man einen bestimmten Schwerpunkt setzen. Man könnte die Tat so verstehen, dass es dem Täter darum ging, den Fluss von Information zu unterbinden. Das zeigt sich für mich nach längerer Betrachtung darin, dass das Telefon als Hilfsmittel zur Informationsweitergabe unbrauchbar gemacht wurde. Und da das nicht reichte, musste N.S., als Besitzer der Information, auch zum Schweigen gebracht werden. Die Reihenfolge erscheint dabei unerheblich. Die Information durfte das Kompaniegebäude nicht verlassen.
Unter dieser Vorgabe konnte, ja musste N.S. diese Information erst ganz kurz vorher erhalten haben. Das einzig ungewöhnliche, kurzfristig eingetretene und von N.S. nicht selbst eingeleitete Ereignis, von dem wir wissen, waren die außerplanmäßigen Verladetätigkeiten, zu denen er herangezogen worden war.
Wird fortgesetzt.
Melde mich ab.
MfG
Dew