Gildonus schrieb:Hätte man statt eines VW mit amerikanischen Kennzeichen einen VW Käfer mit unbekannten Kennzeichen und statt des gelben Targa einen hellen Opel Kadett unbekannter Baureihe verwendet, hätten im Aufnahmestudio die Telefondrähte geglüht.
Da baut man also nach dieser These völlig unrealistische, nicht real existente Phantasiefahrzeuge inkl. einer Auseinandersetzung zwischen Mann und Frau in einem der Fahrzeuge ein, nur weil man zusätzliche Filmsequenzen braucht, die den Filmbeitrag künstlich verlängern aber dazu dann auch keine Hinweise eingehen sollen? Tut mir Leid, aber das halte ich jetzt tatsächlich für völlig unrealistisch. Natürlich darf man Filmbeiträge von Aktenzeichen Xy nicht 1:1 für realistische, der Ermittlungsakte entsprechende Darstellungen halten und es werden auch in alle Filmfälle sicherlich Dramatisierungen, fiktive Dialoge, falsche(s) Kulissen/Örtlichkeiten, Wetter, Personen, Fahrzeuge usw. eingebaut. Aber das man zwei Zeugensichtungen vom Tatort inkl. Fahrzeugen und einer fiktiven Kampfhandlung erfindet, kann ich mir nicht vorstellen. Das ginge zu weit.
Ahn-Dung schrieb:
Slaterator schrieb:Ist es da -aus Sicht der Marion- nicht viel einfacher, erfolgversprechender und nahliegender die Handbremse zu ziehen oder zu versuchen die Seitenscheibe herunterzukurbeln und auf sich aufmerksam zu machen?
(...) Wen hätte sie denn da auf sich aufmerksam machen sollen? Da war doch nichts.
Und 1973 mal eben die Fensterscheibe runterkurbeln? Wie lange soll so ein mädchenschändender Fahrer denn dabei einfach ruhig zuschauen?.
Das da nichts war, trifft nur auf die Straße durch das Baugebiet zu. Als der Täter ihren Wohnort passierte, war noch Bebauung ggf. auch Personen unterwegs. Da hätte sie ja auch schon etwas gegen ihre Verschleppung unternehmen können. Das mit dem Fenster war da jetzt nur ein Beispiel. Aber auf den Zündschlüssel ist -glaube ich- in so einer Situation noch niemand gekommen. Zumindest ist mir da kein Fall bekannt. Zudem muss sie sich dafür sehr weit nach links strecken und sie befindet sich direkt am Lenkrad, so das der Täter sofort zugreifen und ihre Hand/den Arm fassen kann. Wie soll sie da den Schlüssel drehen und abziehen, ohne das der Täter unmittelbar reagiert? Für mich so nicht praktikabel.
Ahn-Dung schrieb:Und in der Annahme sie saß in einem Wagen stadtauswärts, dann hat sie den erfolgversprechendsten Fluchtweg gewählt. Nach Westen und in Richtung Bebauungen.
Das hätte ihr den größten Vorsprung eingebracht, da der Fahrzeugführer erstmal ums ganze Auto rum musste, bevor er hinter ihr her sprinten konnte.
Kann ich so nicht nachvollziehen. Der Täter musste nicht um das ganze Fahrzeug. Dieser "Vorsprung" hat ja dann auch nicht sonderlich viel gebracht. Er hat sie ja noch auf der Brachfläche/im Baugebiet geschnappt. Sie kam also nicht weit.
Ahn-Dung schrieb:Und zur Handbremse.... was soll das bringen? Die nimmt der Fahrt nur ein wenig Schwung. Mehr nicht.
Der Handbremshebel war vom Beifahrersitz aus leicht und schnell zu erreichen und hätte den Täter zu einer Reaktion gezwungen. Das er dafür das Fahrzeug anhält oder zumindest so verlangsamt das sie aussteigen und weglaufen könnte, war nicht unrealistisch. Von daher eine naheliegendere Aktion als die Zündung zu unterbrechen und den Schlüssel zu klauen.
Ahn-Dung schrieb:Fischerfest 1973 gegen 23 Uhr.
Ein Fahrzeug steht auf der Hainbergstraße sozusagen mitten in der offenen Landschaft rum. Sexualstraftäter machen für gewöhnlich nicht so aufsehenerregendes Parken während des Tatablaufes.
Von daher ist das für mich schon ein sehr starkes Indiz, dass irgendetwas genau diesen Wagen gegen den Willen eines Täters zum Stehen gebracht haben müsste.
Richtig. Wenn es sich zum Beispiel bei dem Porsche um das Tatfahrzeug gehandelt hat, dann kam es während der Fahrt zu einer so starken Abwehrreaktion des Opfers, dass der Täter das Fahrzeug unmittelbar stoppen und das Opfer bändigen musste. Dem Opfer gelang dabei entweder die Flucht oder der Täter zerrte sie mit unmittelbarer Tatabsicht aus dem Fahrzeug.
Ahn-Dung schrieb:Und gerade die Gefahr des Einrasten des Lenkradschlosses sorgt doch dafür, dass der Fahrer noch bis kurz vorm Stillstand des Fahrzeuges mit gerade halten des Lenkrades fokussiert ist.
Aber hier baue ich in meine Annahme, dass der Anhänger am
Das braucht keinen Fokus. Er muss nur vollbremsen und zusehen das er den Schlüssel wieder bekommt. Jede Lenkbewegung war ohne Zündschlüssel ja unmöglich ohne einrastendes Schloss.
Ahn-Dung schrieb:Aber hier baue ich in meine Annahme, dass der Anhänger am Schlüsselbund hing, mal mit ein, dass sie die Zündung zwar unterbrochen bekam, jedoch beim Versuch den Schlüssel aus dem Zündschloss zu ziehen, schon den Anhänger vom Bund gerissen hatte.
Später ergänzt du:
Ahn-Dung schrieb:(...) da kommt mir einfach nichts, warum Täter oder Opfer den mit nach draußen genommen haben sollten.
Genau! Wenn es ein Anhänger am Fahrzeugschlüssel war und er bei irgendeiner Aktion innerhalb des Fahrzeuges abgerissen sein sollte, warum wurde er dann draußen in der Nähe des Opfers gefunden? Da ist für mich jetzt kein passender Grund ersichtlich. Er wäre mutmaßlich im Fahrzeug verblieben oder auf der Straße gefunden worden. Warum sollte Opfer oder Täter einen abgerissenen Anhänger zum Tatort mitnehmen?
Höhenburg schrieb:Später kann das dann im Zuge der Ermittlungen zwar auffallen, aber ohne Beweise könnte man ihm nicht viel wollen.
Vom Mord bis zur Sendung XY ist genug Zeit vergangen und sicher wurden vor Produktion des Filmfalles auch nochmal alle Erkenntnisse, Zeugenaussagen usw. gesichtet worden sein. Wäre der Zeuge der Porschesichtung jener Chris(sy) gewesen, hätte man das sicher erkannt und ihn nicht mehr in den Filmbeitrag einfließen lassen.
Höhenburg schrieb:In den 70ern sind Autos dieser Kategorie nicht einfach mal so eingeparkt worden, andere Zeit.
Stellst du das jetzt einfach nur so in den Raum oder kannst du das begründen/näher erklären? Was bedeutet "nicht einfach mal so eingeparkt" bitte?
HolzaugeSHK schrieb:Was mich etwas verwundert, es wird immer nur vom Fischerfest am Sonntag, dem 01.07.1973 gesprochen. Marion hatte ihren Eltern nicht verraten, dass sie dorthin will, eigentlich nur zur Oma. Gab es da einen Grund dies zu verheimlichen? War Marion vielleicht schon am Freitag oder Samstag dort, eventuell auch mit Familie oder Freundinnen? Hat Marion an den Tagen davor Jemanden auf dem Fest zufällig kennengelernt, den sie unbedingt noch einmal am Sonntag sehen wollte?
Das ist ein sehr guter Gedanke! Warum sprach sie nur von dem Besuch bei der Oma, obschon das offensichtlich nicht das primäre Vorhaben von ihr war? Ich bezweifle, ob sie unbemerkt schon an den Vortagen auf dem Fest war, weil sie neimand gesehen oder getroffen hat. Aber warum sie den Festbesuch den Eltern/der Oma gegenüber gar nicht erwähnte, ist sehr bemerkenswert. Da hast du vollkommen Recht.
HolzaugeSHK schrieb:Die Kripo hat doch sicher schon nach damaligen Fotos und Filmaufnahmen beim Fischer-/ Heimatverein oder Stadtarchiv nachgefragt?
Ich hoffe es. Das wäre sehr naheliegend, erst einmal alle "typischen" Bildquellen abzufragen.
Dew schrieb:Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass genau so ein Bauwagen die von Dir immer wieder argumentierte mangelnde Eignung einer Großbaustelle für romantische Zweisamkeit komplett umkehrt.
Damit entfällt das Auto als unbedingt notwendig und Moped oder Schusters Rappen rücken vor.
Der User
@Retsiemfoh bemerkt:
Retsiemfoh schrieb:Aber die beiden Bauwagen werden doch verschlossen gewesen sein. Und wenn die aufgebrochen wären, dann wüssten wir das bestimmt.
Ein Bauwagen ist natürlich keine Festung und wie du
@Dew in deinen Folgebeträgen dann zurecht auch angibst, kann der Täter z.B. ein simples Bügelschloss oder ein Fenster mit oder ohne Schlüssel ohne großen Aufwand geöffnet haben. Aber sollte das auch tatsächlich geplant gewesen sein? Das denke ich weniger. Ein Einbruch kostet schon etwas Überwindung. Dazu kommt die fortgeschrittene Uhrzeit. Da Marion erst 12 war, am nächsten Tag Schule hatte und eigentlich nur unter dem Vorwand Oma zu besuchen aufgebrochen war, wäre eine Rückkehr sowohl zur Oma, als auch zu ihren Eltern nach 21 Uhr sicher nicht ohne Konsequenzen geblieben. Wie sollte sie das plausibel erklären ohne sich um Kopf und Kragen zu reden und dem sicherlich berechtigt drohendem Ärger zu entgehen? Ich glaube nicht das sie freiwillig dort war. Auch nicht daran, dass sie spontan einen Bauwagen aufbrachen um Zärtlichkeiten auszutauschen. Es ist alles möglich, aber in meinen Augen derzeit eher weniger wahrscheinlich.
Dew schrieb:Die Eltern zeigen hier nicht wirklich Kontrolle, geschweige denn Beunruhigung. Dass die Tochter fehlte, geschweige denn wie die "Schulbesuchslogistik" unter diesen Umständen ausgesehen haben mag, schien nicht zu jucken.
Bei der Oma übernachten, o.k., konnte sie sich da waschen und frisch anziehen? Wann wäre aufzustehen gewesen, wenn man vor der Schule noch zu Hause vorbeimußte, frühstücken und das Schulzeug holen?
Ich bekomme bei solchen Fragestellungen den Eindruck, die Eltern hatten mit sich zu tun.
Ich gebe dir bei diesen Einschätzungen vollkommen Recht. Wir haben es hier offensichtlich mit "Eltern" zu tun, die ihrer Aufgabe der Erziehung, Förderung, Schutz und Versorgung des eigenen Kindes und der damit verbundenen Verantwortung nicht nachkommen konnten oder wollten. Das ist natürlich sehr tragisch und traurig. In wie weit Marion allerdings diese Situation für ihre Zwecke ausnutzte, z.B. um unbemerkt etwas eigentlich "verbotenes" oder zumindest unerwünschtes zu tun, ist natürlich Spekulation. Ob diese Situation den Rahmen bot, tatsächlich unbemerkt und ohne Konsequenzen irgendwann am späten Abend oder in der Nacht heimzukommen, wage ich vorsichtig zu bezweifeln, halte es aber unter solchen Umständen definitiv für möglich. Ist also eine wichtige und richtige Feststellung von dir.
Dew schrieb:Im Vergleichsfall S.H. 1981 ging man mit dem Alkoholgenuss der Eltern, mit den Fluchten ins Haus der Großmutter, mit der Tatsache, dass die Tochter mitten in der Nacht noch mit der Mutter in der Kneipe hockte, etc, seitens xy etwas offener um, habe ich den Eindruck.
Der User
@Gildonus ergänzt:
Gildonus schrieb:Im neuen Filmfall über Sonja Hurler hatte man geschildert das sie aus schwierigen Verhältnissen stammte, der Stiefvater wird als Trinker dagestellt und die Mutter als verantwortungslose Alkoholikerin, die ihre Tochter in der Nacht 6 km alleine laufen läßt, weil sie lieber in der Kneipe weiter trinkt. Auch der Wirt kommt nicht gut weg.
Ja definitiv. Hier wurde sogar -für XY Verhältnisse- sehr schonungslos auf die Familiensituation hingewiesen. Versetzt man sich in die Lage der Mutter und auch deren damaligen Freundes (der ja angebl. sogar Polizist war), dürfte nach der Ausstrahlung des Filmfalles die Reputation ziemlich zerstört sein. Was mich in diesem Zusammenhang wundert ist, warum die Mutter von Sonja diesen Wirt nicht sofort erkannte, obschon die Kneipe angeblich ihrer Familie gehört?! Wem eigentlich genau? Wie oft war sie dort Gast und musste sie dort auch zahlen?