@dergärtner01 Hallo und herzlich willkommen in dieser Diskussion! Freut mich das du dabei bist.
:Y:
Gildonus schrieb:Hier hatte jemand die Info eingehängt das Fest sei 2025 um 21 Uhr zuende gewesen. In Ermangelung konkreter Angaben zu dem Punkt gehe ich mal davon aus das es 1973 nicht anders war. Sie hätte sich nur noch eine Stunde im Bierzelt aufhalten können, falls sie überhaupt so lange geblieben ist.
Ja, es war nicht der "Haupttag" für diese Veranstaltung. Es war Sonntag, am nächsten Tag stand wieder der graue Alltag mit Beruf/Schule an. Da es keine großen Attraktionen (Fahrgeschäfte usw.) gab, spielte sich alles eher über den Nachmittag bis in den Abend mutmaßlich im Bierzelt ab. Mittags Fisch und Co., dann Kaffee und Kuchen, etwas Blasmusik, natürlich auch Bier. Ich denke irgendwann um 21 Uhr herum verstummte dann die Musik, die Bewirtung wurde eingestellt und die Gäste verließen dann nach und nach binnen 20-30 Minuten das Festzelt um sich auf den Heimweg zu machen. Ich gehe persönlich davon aus, dass Leute (Schnapsdrosseln/Vereinsmeier) die kein Ende kriegen konnten noch die theoretische Möglichkeit hatten, in eine hiesige Kneipe einzukehren und noch etwas weiter zu feiern. Vielleicht bis 00 Uhr oder so. Aber dann wird auch dort irgendwann Feierabend gewesen sein.
Von daher gehe ich davon aus, dass Marion das Festgelände schon sehr zeitnah zu ihrem zweiten Besuch wieder verlassen hat.
Höhenburg schrieb:Beispiel aus meiner Heimatstadt, ich kann mich noch sehr gut erinnern als am Stadtfestwochenende bis 3-4 Uhr Betrieb war (natürlich nicht überall, aber an den Feierhotspots und Kneipen schon).
Also 3-4 Uhr ist mMn eher bei Großveranstaltungen der Fall. Da gibt es dann aber auch einige Fahrgeschäfte, Kirmesbetrieb mit diversen Essensständen, Bierbuden, Schießbuden, Losbuden usw. Hier in diesem Fall geht es um ein relativ kleines, beschauliches Fest mit Bierzelt ohne großen Kirmes-Tamtam außen drumherum. Deshalb gehe ich auch davon aus, dass die Besucher eher nicht von weit herkamen sondern eher aus dem Nahbereich.
HolzaugeSHK schrieb:Konnte man denn anhand der extrahierten DNA eine Phänotypisierung vornehmen, also eine Bestimmung von Geschlecht, Alter, Augen-, Haar- und Hautfarbe des Täters? Das würde die Suche mMn noch einfacher machen!
Das entzieht sich meiner Kenntnis und wurde soweit ich das sehen kann auch bislang nirgendwo näher kommuniziert. Wenn ich richtig informiert bin, hängt allerdings eine genaue Typisierung vor allem auch von der Menge und Qualität des gesicherten Genmateriales ab. Je mehr man findet und je besser die Qualität ist, umso mehr Informationen lassen sich daraus gewinnen. Ob das hier von der Menge und Qualität ausreicht? Keine Ahnung.
HolzaugeSHK schrieb:Es gibt ja 3 Frauen, welche sich nach der XY-Sendung gemeldet haben, die damals ebenfalls im Alter von 12/13 Jahren Opfer eines Sexuellen Übergriffs geworden sind. Was wäre das für ein Zufall, wenn alle Frauen einen gleich aussehenden Mann beschreiben könnten!?
Es wäre natürlich super, wenn anhand einer übereinstimmenden Täterbeschreibung ein Phantombild erstellt und noch weitere Details ermittelt/ergänzt werden könnten. Hoch interessant ist auch die Frage, wann und wo die Zeuginnen damals Opfer wurden und wie das Vorgehen des Täters war. Ich hoffe, dass dort zielführende Erkenntnisse generiert werden konnten.
dergärtner01 schrieb:Für mich ist weniger interessant, ob die Beziehung auf Augenhöhe stattfand. Viel mehr würde mich Marions soziales Umfeld interessieren: Gab es keine beste Freundin oder einen Freund, dem sie vielleicht Details über ihre Beziehung mit Chris(sy) erzählt hat?
Freundinnen/Bekannte gab es in Marions Umfeld, da dies auch so im Filmfall von 1974 berichtet wurde. Diesen Freundinnen wurde auch von Marion über jenen Chris(sy) berichtet. Scheinbar wurde sie von diesen Freundinnen auch mit einer männlichen Person gesehen, die auf jene Beschreibung von Chris(sy) passt. Ich persönlich bin derzeit jedoch alles Andere als davon überzeugt, dass Marion mit dieser Person eine "Liebesbeziehung" geführt hat, also beide zusammen waren. Sie mag von ihm geschwärmt haben. Vielleicht war sie auch jugendlich verliebt. Doch ein Paar waren sie in meinen Augen eher nicht.
Bundesferkel schrieb:Diskussionen darüber, was sich für eine 12-Jährige „schickte“, finde ich unerträglich, ebenso Spekulationen darüber, ob sie wohl besser ihre Schulaufgaben gemacht oder den Ranzen schulfertig gepackt haben sollte.
Das Wort "unerträglich" finde ich in diesem Zusammenhang etwas unangemessen. Es geht hier
ausdrücklich nicht um eine Bewertung oder die Verunglimpfung von Eltern/Umfeld oder dem Opfer selbst. Worum es hier geht, ist eine Einschätzung der Situation in der sich Marion Baier damals befunden hat, weil diese sicherlich auch Einfluss auf ihre Entscheidungen, ihre Risikobereitschaft und Verhalten gehabt hat. Generell geht es auch um das Erfassen ihres Wesens/der Persönlichkeit um einzuschätzen, warum sich Marion an diesem Tag/Abend so verhalten hat, wie es wohl der Fall war. Ohne diese Betrachtung dürfte es sehr schwer bis unmöglich werden, ein wahrscheinliches Täterprofil abzuleiten und den weiteren Verlauf des Abends, respektive Tat nachzuvollziehen/zu rekonstruieren.
Bundesferkel schrieb:Marion Baier wurde Anfang Juli, also etwa 10 Tage nach der Sommersonnenwende, um circa 20 Uhr noch auf dem Fischerfest gesehen. Zu diesem Zeitpunkt war es noch taghell und draußen spielten vermutlich auch noch Kinder; das war zumindest in den 70ern auf dem Lande völlig normal.
Ich kann natürlich nur über mich selbst und meine Erfahrungen schreiben. Ich bin in den 70ern geboren und habe meine Jugend in den 80er/90er Jahren verbracht. Mein Bruder ist sehr viel älter, er hat auch die 70er komplett in seiner Jugend miterlebt. Wir stehen in engem Austausch und ich kann in Übereinstimmung mit ihm berichten, dass es in dieser Zeit in unserer Gegend auf
keinen Fall üblich war, dass nach 20 Uhr noch Kinder außerhalb von Privatgelände unbeaufsichtigt auf der Straße spielten, wenn sie am Folgetag Schule hatten. Wenn überhaupt, dann nur am Fr./Sa. und/oder in den Ferien. Sonst war man zum Abendbrot daheim und bis spätestens 21 Uhr war man dann auch im Bett.
Erst im fortgeschrittenen Jugendalter ab 14-16 ging dann auch mal mehr. Da durfte man in der Woche manchmal auch bis 21-22 Uhr unterwegs sein, am Wochenende und/oder in den Ferien ab 16 auch mal bis Mitternacht wegbelieben, wenn klar war, wo/mit wem man unterwegs ist und das Geplante auch erlaubt wurde. So kenne ich das.
Für diesen Fall bedeutet das also eine andere Herangehensweise. Hier waren die Umstände eben anders. Deshalb traf Marion Baier auch möglicherweise andere Entscheidungen als ich sie in diesem Alter getroffen hätte. DAS ist der Grund, warum ich mich mit dem Umfeld, den Gepflogenheiten und Marions Verhalten beschäftigt habe.
Bundesferkel schrieb:Dieser schreckliche Mord hätte auch an einem anderen Tag und zu anderer Tageszeit passieren können.
Das ist richtig. Ist er aber nicht.
Der User
@Dew schreibt dazu:
Dew schrieb:Die familiären Usancen wurden lediglich analysiert und wenn der eine oder andere Diskutant die Meinung äußerte, er würde es nicht so machen, dann ist das auch legitim.
Dew schrieb:Zu argumentieren, dass um diese Zeit Kinder sicher auch noch draußen spielten, ist doch ein Vergleich der schwer hinkt.
M.B. war nicht draußen und hat gespielt. Sie hat ein Fest besucht, während ihre Familie glaubte, sie wäre bei ihrer Großmutter.
Hätte sie einfach nur draußen mit Gleichaltrigen gespielt oder wäre wirklich bei ihrer Großmutter gewesen, wäre die Wahrscheinlichkeit, dass sie heute noch lebte m. E. deutlich höher anzusiedeln.
Vollkommen richtig. Man sollte schon auch analysieren, warum Marion Opfer werden konnte, wer deshalb als Täter in Frage kommt. Die Umstände und individuelles Verhalten entscheiden mit.
Höhenburg schrieb:Es wurde impliziert, daß dieser Chris sowas wie Marions erster fester Freund war.
Das sehe ich anders. Da wurde mMn überhaupt nichts so konkretes impliziert wie du hier zu erkennen glaubst.
Höhenburg schrieb:Damals war das Ermitteln von Personen viel schwerer als heute.
In einem recht überschaubaren Ort dürfte jemand mit solch konkreter Beschreibung sicherlich bekannt sein und er wäre auch zu ermitteln gewesen. Von daher passt entweder die Beschreibung nicht (warum auch immer) oder er wohnte nicht im Umfeld. Dann wäre aber fraglich, wie Marion ihn kennengelernt und regelmäßig getroffen haben sollte.
dergärtner01 schrieb:Aufgrund des Spur-Spur-Treffers wäre dies dann auch der Mörder von Sonja. Alterstechnisch würde dieser Chris(sy) den Beschreibungen nach ja auch passen.
Leider nicht wirklich, wenn die Darstellung/Erklärungen im aktuellen Xy Filmfall stimmig sind. Dort halten die Ermittler ja scheinbar noch immer an der Vermutung fest, Sonja wäre von Jugendlichen durch die Straßen gezerrt/geschubst worden. Wäre der Täter im Mordfall Marion Baier zur Tatzeit schon 16-20 gewesen, wäre er bei seinem Mord an Sonja Hurler Mitte/Ende 20 gewesen. Das ist deutlich älter als "jugendlich". Das er in diesem Alter zusammen mit deutlich jüngeren Jugendlichen ein junges Mädchen durch die Straßen geschliffen haben soll, aber dann allein mit maximal einem Mittäter für Vergewaltigung und den Mord verantwortlich sein soll, erschließt sich mir nicht.
Es ist naheliegend und sehr wahrscheinlich, dass Marion und später auch Sonja dem selben Täter zum Opfer fielen. Doch wenn dem so ist, kann die Jugendliche welche durch die Straßen geschliffen/geschubst wurde damals mMn nicht Sonja Hurler gewesen sein.
Gildonus schrieb:Allerdings glaube ich nicht an "Moped - Chrissy", sondern an jemanden, der ein Auto zur Verfügung hatte und der schon "erwachsener" war und nicht auffiel, wenn er die Nacht wegblieb.
Dem schließe ich mich derzeit an.