Höhenburg schrieb:Hätten die Ermittler keinerlei Zweifel an der Geschichte des Zeugen gehabt, wären im Film auch seine Schilder unkenntlich gewesen und vor allem auch kein Hochkantschild hinten angeschraubt worden.
Ehrlich gesagt halte ich ganz persönlich diese Begründung für zu schwach. Nur weil ein irreales Kennzeichen gezeigt wird, heißt das nicht automatisch, dass zwingend Zweifel seitens der Ermittlungsbehörde an der Aussage des Zeugen bestehen müssen. Auch wenn oftmals Kennzeichen unkenntlich gemacht werden oder Fahrzeuge aus einem Kamerawinkel aufgenommen werden, wo eben diese nicht abgelesen werden können/sichtbar sind, sollte man eine Ausnahme dessen vielleicht nicht gleich als Beweis für irgendetwas heranziehen.
Generell warne ich immer davor, sich Beiträge von Aktenzeichen xy ungelöst mit zu großer Detailversessenheit anzusehen und womöglich in jedem einzelnen Frame nach versteckten Hinweisen auf irgendetwas zu suchen. Die filmischen Beiträge werden sicher weitestgehend an die bis dahin der Behörde bekannten Umstände der Tat angelehnt/angepasst. Da aber eigentlich nie am originalen Schauplatz gedreht wird, keine originalen Asservate verwandt werden, die exakten Dialoge und Bewegungen der Protagonisten oftmals unbekannt sein dürften, die Kleidung maximal ähnlich derer der am Tag angetroffenen/gefundenen Personen sein kann, eine Dramaturgie sowie durch die Behörde teilweise nur
angenomme Tatverläufe eingefügt werden, kann und sollte man nun wirklich nicht alles Gezeigte als zwingend faktisch richtig annehmen und als Beweis für irgendetwas heranziehen. Man kann natürlich gesicherte Dinge schon als Fakt heranziehen. Natürlich. Sollte man auch. Wenn man denn weiß, dass sie gesichert sind. Aber eben nicht alles und jedes Detail.
Höhenburg schrieb:Eine gewisse Beobachtungsgabe, Dinge, die nicht ins Gesamtbild passen zu erkennen, ist Teil meines Jobs. Bei Übungen sieht man regelmäßig,,(darum wird auch geübt, um besser und genauer zu werden) daß selbst bei uns die eigene Wahrnehmung ein Schnippchen schlagen kann, wenn man etwas extrem kurz oder im Vorbeihuschen sieht.
Das ist mir sehr wohl bekannt. Es ändert jedoch nichts an meiner Meinung zu diesem Thema, da sich die Kennzeichen der amerikanischen Soldaten in der BRD meiner Meinung nach wirklich deutlich von einheimischen Kennzeichen unterschieden haben.
Höhenburg schrieb:Ich glaube zwar das der 23 Uhr Zeuge einen Wagen mit US-Schild gesehen hat, es würde mich aber keineswegs überraschen, wenn er (es war dunkel, hat das Auto im Vorbeifahren gesehen und keinen Grund gehabt, besonders aufmerksam zu sein) nur ein Hochkantschild gesehen hätte und einfach von einem US-Schild ausginge, da diese wesentlich häufiger im süddeutschen Raum waren als die europäischen Hochkantschilder.
Also soweit ich weiß, wurden die sog. "Backbleche" wie die Hochkantschilder umgangssprachlich oft genannt wurden nicht gerade selten auch an KFZ-Modellen wie z.B. dem VW Käfer und anderen Modellen der Marke, verschiedenen Modellen von Fiat und weiteren Marken und Modellen im Heckbereich standartmäßig angebracht und waren damit nicht quasi ein Alleinstellungsmerkmal amerikanischer Soldaten in Deutschland.
Die Kennzeichen der US-Streitkräfte in Deutschland unterschieden sich jedoch deutlich in Darstellung und Größe von den deutschen Hochkantzeichen, waren farblich und auch vom Aufbau deutlich anders und auch viel kleiner.
So sahen die Kennzeichen der in Deutschland stationierten US-Soldaten von 1973 bis 1982 zumeist wie folgt aus:
Original anzeigen (2,0 MB)Davor ab 1953 bis 1973 wie folgt:
Original anzeigen (1,6 MB)Quelle beider Bilder:
Wikipedia: Kfz-Kennzeichen der US-Streitkräfte in DeutschlandIch persönlich kann da jetzt keine so deutliche Ähnlichkeit zu den deutschen Hochkantzeichen ekennen und würde die nicht einmal bei einem flüchtigen Blick im Halbdunkel verwechseln. Dafür sind die Unterschiede meiner Meinung nach einfach zu groß.
Stauder schrieb:Wurde das Kennzeichen im Film deshalb so gewählt, dass es nicht zu Verwechslungen kommen kann?
Dazu schieb der User
@Höhenburg :
Höhenburg schrieb:Ganz genau, die Nummer darf in echt nicht vorkommen, damit Verwechselungen ausgeschlossen sind.
So sehe ich das auch. Es wäre fatal, wenn unschuldige Personen nur deshalb in den Fokus von Ermittlungen und/oder wilder Verdächtigungen geraten, weil sie ein Kennzeichen mit dieser Buchstaben/Zahlenkombi haben oder hatten. Das verhält sich damit so wie mit gezeigten Telefonnummern in amerikanischen Serien und Kinofilmen. Diese beginnen i.d.R. mit "555". Dies ist eine Kombination, die in der Realität nicht existiert und für diesen Zweck reserviert ist. So sind Verwechslungen/Gleichheiten mit tatsächlich existenten Rufnummern ausgeschlossen.
Höhenburg schrieb:Wir haben eine Person, möglicherweise Chris heißend, die sich nachweislich im Vorfeld der Tat gehäuft mit dem Opfer getroffen hat, dies wurde in der XY-Sendung deutlich mitgeteilt. Und genauso ist es Fakt, daß diese Person unmittelbar nach dem Mord eine Verschwindibusnummer hingelegt hat und bis heute abgetaucht ist.
Nun, wenn ich korrekt informiert bin, haben Personen aus dem Freundeskreis der Marion Beier den Ermittlern gegenüber wohl Angaben gemacht, wonach sich Marion angeblich mehrmals (gehäuft würde mir da jetzt zu weit gehen) mit einer Person namens Chris(sy) getroffen haben soll. Die nähere und recht genaue Beschreibung dieser Person beruht scheinbar auch auf diesen Aussagen.
Nochmal, ich bezweifle nicht, dass eine Person mit diesem Namen und mit diesen oder zumindest ähnlichen Merkmalen/Eigenschaften wie in Aktenzeichen XY beschrieben existiert haben könnte. Ich frage mich jedoch, ob diese angeblichen Treffen tatsächlich so stattfanden und ob es überhaupt so etwas wie eine romantische Beziehung gab. Wir wissen anhand der vorliegenden Informationen nicht, wie die Personen aus dem Freundeskreis der Marion Beier davon erfahren haben. Bekamen sie das nur von Marion berichtet oder waren sie dabei bzw. haben diese Treffen beobachten können? Im Beitrag wird keinerlei Aussage dazu getroffen, ob es sich um eine Liebesbeziehung gehandelt hat oder haben könnte. Ebenfalls wird jener Chris(sy) zu keinem Zeitpunkt auf oder außerhalb der Festivitäten an diesem Tag durch Zeugen wahrgenommen die sich gemeldet hätten. Auch sein Moped nicht.
Das sich zudem niemand an einen so auffälligen jungen Mopedcasanova mit so spezifischen Eigenschaften (Lispeln, auffallende Haare, Moped, auffällig roter Helm usw.) erinnern konnte oder wollte, zeigt doch, dass dieser Chris(sy) nicht aus dem örtlichen Umfeld hat stammen können. Dann hätte ihn doch auch die EB sicher entdecken können. Wie und wo soll er Marion getroffen haben? Für mich spricht vieles dafür, dass ihn Marion mal irgendwann, irgendwo gesehen hat und von ihm schwärmte. Sie hat dann ggf. ihren Freunden eine ausgeschmückte Phantasiegeschichte erzählt um diese zu beeindrucken, sich vielleicht hervorzutun. Das wäre in ihrem Alter auch nicht allzu ungewöhnlich. Es wurde jedenfalls nie berichtet, dass man Marion jemals mit Chris(sy) zusammen gesehen hat.
Inzwischen stellst du ja sogar die mMn ziemlich steile Theorie auf, dass jener Chris(sy) der Soldat gewesen sein könnte, welcher die Porschebeobachtung als Falschaussage machte, um eine bewusste Trugspur zu legen, die von ihm selbst ablenkt. Mit Verlaub, das ist doch absurd. In vielerlei Hinsicht. Warum sollte sich Mopedchris(sy) plötzlich in einen Soldaten verwandeln, sein Moped gegen ein schmuckes Auto tauschen und dann unter seinem echten Namen (warum sollte er überhaupt zuvor einen falschen benutzt haben?) nach der falschen Zeugenaussage beim Barras untertauchen? Das setzt ja auch voraus, dass er mindestens 18, sehr wahrscheinlich sogar älter war. Warum sollte ein 18 bis vielleicht 28 Jahre alter Soldat in seiner Freizeit mit dem Moped (!) ausgerechnet 12 (!) Jährige Mädchen aufreißen, sie sexuell missbrauchen und dann inkl. Falschaussage zuvor bei den EB ausgerechnet beim Bund verschwinden ohne als der enttarnt zu werden der er ist? Das erschließt sich mir so nicht.
kaleko schrieb:Der Zeuge mit dem Kennzeichen (das es so nicht gibt) ist nicht mehr relevant ebenso wie der Porsche und bei der Aussage von 23 Uhr gibt es offene Fragen, deshalb kein Hinweis auf ein Kennzeichen.
Jetzt muss ich mal fragen, wie du zu dieser Annahme gekommen bist?! Warum sollten im Beitrag Zeugenaussagen und Fahrzeuge gezeigt werden, die keinerlei Relevanz im vorliegenden Fall haben? Das würde im Zweifel das Prinzip von Aktenzeichen xy ungelöst ad absurdum führen oder nicht? Wenn in den Beiträgen längst irrelevante Spuren und Aussagen gezeigt werden, wird man ja sehr wahrscheinlich keine brauchbaren neuen Zeugen oder im besten Falle sogar den Täter zu einer Meldung/Aussage akquirieren können. Da könnte man sich den Beitrag theoretisch besser sparen. Oder habe ich da jetzt etwas falsch verstanden?
Der_Schwabe schrieb:Abgesehen davon, dass die Polizei sicherlich Adresse und Autokennzeichen notiert hat als dieser Zeuge seine Aussage gemacht hat, und ihn wahrscheinlich auch dazu befragt hat, was er zu dieser Zeit an diesem Ort gemacht hat, bzw. woher er kam, wäre es denn nicht einfacher gewesen, den Zeugen in der Sendung zu bitten, er möge sich noch einmal melden?
Ich schließe mich deinen Ausführungen an. Die Zeugenaussage wurde sicherlich genauso akribisch notiert wie die Umstände warum der Zeuge vor Ort war und wie. Es scheint daher absolut plausibel gewesen zu sein, dass jener Zeuge auch um jene Uhrzeit und auf dieser Straße zu seiner Dienststelle unterwegs war. Darüber hätte man dann auch -gepaart mit der Aussage der Freunde Marions- leicht herausgefunden, ob der Zeuge auch Chris(sy) ist und ggf. mit Marion in einer -wie auch immer gearteten- Beziehung stand.
Der_Schwabe schrieb:Die Beiträge waren in den 70ern bestimmt noch nicht so reißerisch und mehr sachverhaltsbezogen, aber es war damals wie heute mehr oder weniger die letzte Chance für die Polizei, um noch einmal Schwung in einen Kriminalfall zu bekommen. Darum kann ich mir nicht vorstellen, dass man seine letzte Patrone verschießt, indem man nahezu kryptische Hinweise in den Filmfall einbaut.
Ja so ist es. Viele sehen in jedem Requisit, in jedem genauen Verhalten (Gestik/Bewegung/Ausdruck) der Schauspieler, jedem Satz und Wort, der Musik und sonstigen kleinsten Details eine ganz bewusste Darstellung und einen klaren Hinweis/Botschaft bzw. unveröffentlichtes Täter- oder Ermittlerwissen. Das ist meiner persönlichen Meinung nach Quatsch. Nur XY-Fans und Hobby-Kriminalisten schauen sich jeden Beitrag genauestens an, spulen zurück, sehen sich jedes Detail an. Das ist aber nicht die gewählte Zielgruppe. Den die sind alle Menschen, die vielleicht eine Beobachtung gemacht haben, etwas gehört haben, einen/mehrere verdächtige Gegenstände gesehen haben, eine Änderung des Verhaltens bei einem Menschen feststellten usw. Diese Menschen spulen jene Beiträge aber für gewöhnlich nicht zurück und interpretieren jedes Detail und das Muster der Tapete an der Wand im Beitrag. Die fühlen sich erinnert und angesprochen, im besten Fall melden sie sich dann bei der Polizei. Da ist wenig bis keinerlei Platz für Krypto-Hinweise.