Agrimony schrieb:Ich zweifle nicht an, dass es Chris gegeben hat, aber wie intensiv der Kontakt zu Marion war und ob er nun 14 oder 16 oder 18 Jahre alt war oder ob er ein Moped, Motorrad oder Mofa fuhr usw. ist nicht sicher.
Wie wichtig er in diesem Fall ist, können wir auch nicht sagen. Selbst die Ermittler sind da offen und ermitteln in alle Richtungen.
Hallo
@Agrimony Grüße! Zunächst einmal Danke für deinen Bericht mit der Straßenbahn, Öffis als Aufeinandertreffpunkt zum Kennenlernen ist eine gute Idee, mit durchaus beachtlicher Wahrscheinlichkeit.
Was jetzt "Chris" im Speziellen betrifft, habe ich mehrfach erwähnt, daß ich ihn zwar angesichts der vielen offenen Fragen zu seiner Person, den vielen Treffen mit Marion vor der Tat und dem plötzlichen Verschwinden unmittelbar nach der Tat für zu den Hauptverdächtigen gehörig halte, er aber nichts mit der Tat zutun haben muß.
Es würde mich nicht wundern, wenn man eines Tages den Mörder hat, das es seine DNS war, die die EB haben, es würde mich aber auch nicht wundern, wenn die Täter-DNS irgendjemand anderem aus Marions Umfeld gehören würde.
Wo ich deine Meinung nicht teile, ist die Intensität des Kontaktes. Seine Beschreibung durch Personen, die ihn nicht näher kennen, ist zu gut für nur einmal kurz gesehen, die vielen Treffen von Marion und "Chris" wurden explizit erwähnt (kein Konjunktiv, sondern der damalige Ermittler sagt "wir wissen") und auch Aussagen im Stil "immer wenn er mit seinem Zweirad unterwegs war, hat er den auffälligen roten Helm getragen" deuten deutlich darauf hin, daß die Zeugen "Chris" mehrfach, sowohl mit Zweirad als auch ohne gesehen haben müssen, damit solche Aussagen zustande kommen können.
Ahn-Dung schrieb:Also, zu beiden Sichtungen gibt es jeweils einen einzelnen Zeugen.
Keine zwei Zeugen beim ANGEGEBENEN VW und auch keine zwei Zeugen beim ANGEGEBENEN Porsche Targa.
Auch ich traue der Porschesichtung nicht, da man dort vorne auf dem Dach keine Antenne anbringen kann und schon gar nicht so einen Klopperantennenfuß, wie sie dann 1974 in xy gezeigt hatten.
Um zu schauen, inwieweit es Gründe dafür gegeben haben könnte, da um diese Uhrzeit einen Porsche hinzulügen, war ich erstmal am (von mir gemutmaßten) Schlüsselanhänger mit dem Christopherus und einem Täter, der sich so rausreden möchte....
"Ne, wenn ich der Täter gewesen wäre, dann hätte ich doch ein Auto mit Zündschloss rechts genommen, damit das passt, dass das Opfer den Schlüssel abgezogen hatte und so zur Flucht kam. Bei nem Porsche ist das Zündschloss aber links von der Lenksäule und somit auch für unfreiwillige Beifahrer kaum zu erreichen".
Da war ich dann sehr lange drauf hängengeblieben.
Mittlerweile bin ich aber auch schon soweit, dass ich mir einige Autos, insbesondere italienische Autos um 1973 angeschaut habe, und ja, man kann ein paar "Italiener" mit nem VW Typ 3 verwechseln, im Dunkeln und ohne tiefere Autokenntnisse ist das möglich.
Und daraufhin kam mir dann doch noch eine bessere Idee, warum der Porschezeuge da seine Sichtung angegeben haben könnte....
Wenn der Schreinermeister sich da vertan hat, (ggfs. im Zelt vorher gut gepichelt) und das dann doch um 22 Uhr der Fiat des Soldaten gewesen ist, dann war sich dieser sicher das sein Wagen da gesehen worden ist und musste sich was einfallen lassen.
Andere Person, andere Zeit, anderes Fahrzeug UND verdächtiges Verhalten der Fahrzeuginsassen........
UND die Reifenspuren des Wagens an der Seite der Baugrube hätte er jetzt auch erklären können, denn er musste ja wegen des angeblichen Porsche nun in die linke Fahrspur.
Und sein gesichtetes Fahrzeug musste er gar nicht mehr erklären, denn der VW-Zeuge hatte sich geirrt?
Hallo
@Ahn-Dung Grüße!Was den Porsche betrifft, habe ich ja ebenfalls schon ähnliche Zweifelszenarios erstellt. Das ist nicht grundsätzlich gegen den Zeugen gerichtet! Aber wenn du der zeitlich letzte Zeuge (außer dem Täter) bist, mußt du damit leben, daß man deine Aussage skeptischer betrachtet, denn es gab schon genug Fälle wo der vermeintlich letzte Zeuge schlußendlich der Täter war.
Im Fall Baier ist es zudem deutlich erkennbar, daß die damaligen Ermittler ebenfalls Zweifel an der Glaubwürdigkeit hegten. Die lesbaren Nummernschilder, eines davon hochkant, im Film (und mehr noch, schaut euch einmal die Frontpartie des Wagens an, diese kann man mit einem VW Typ3 verwechseln, wenn es dunkel ist und man sich nicht für Autos interessiert. Man hätte den Darsteller auch z.B. in einen Käfer hocken können, wenn das nicht wichtig gewesen wäre)

Quelle: XY-Film von 1974
die Fotomontage des 911 in der Besprechung, da Porsche die Targas nie mit Dachantenne vorne ausgeliefert hat (selbst die modernen Targas werden nicht mit Dachantenne vorne ausgerüstet), daß war immer ein superseltener und technisch blöder Eigenbau, für den sie offenbar nicht einmal ein Foto fanden. Hinzu kommt, daß in der Besprechung erwähnt wird, daß der VW um 23 Uhr wahrscheinlich(!) ein amerikanisches Schild hatte, Es könnte auch ein anderes Hochkantschild gewesen sein.
Es ist absolut möglich, daß sich alles wie der Zeuge aussagte, auch so abgespielt hat. Aber das die EB Zweifel hegten, ist genauso klar.
321meins schrieb:Ich würde ja denken sollte die Tat passiert sein als Marion gegen 20 Uhr das Fest verlassen hat und dann auf den Täter gestossen ist, also Tatzeit ca 20.30 Uhr, die Totenstarre auch darauf hingedeutet hätte, wäre doch als Tattag eher 01.07. abends angegeben.
Höhenburg schrieb am 26.05.2026:Etwas, wo wir unterschiedlichste Theorien für die Diskussion brauchen können, ist Marions Weg zum Tatort.
Sollten die Ermittler auch auf Grund der Leichenstarre davon ausgehen dass die Tat eher z.B. zwischen 2 und 3 Uhr geschehen ist wäre ja Marions Weg zum Tatort ein ganz anderes Szenario, sie hätte sich dann möglicherweise beim Täter zuhause aufgehalten, der kann in der Nähe des Tatorts wohnen, in Kreutles oder ganz woanders so dass es dann nicht das Szenario "Täter fährt an Marions Wohnung vorbei und dann zur Hainbergstraße" gegeben hätte.
Hallo
@321meins Grüße! Danke für das Einstellen deiner Idee zum Tatabend, genau solche Varianten brauchen wir zum Abklopfen.:-)
Ich habe mir als es dieser Tage heiß war, erlaubt einen Abendspaziergang durchs Viertel zu machen, um nachzusehen, wieviele Leute sitzen draußen, haben die Fenster offen und wann ist es dunkel. Der Mordtag 1973 war sehr warm bis heiß, gleiche Witterung also. Unbewölkt ist es da bis etwa 22 Uhr MEZ (damals keine Sommerzeit) in Süddeutschland hell, Halbdunkel geht noch etwas länger.
Diese Zeit halte ich auch für die absolute rote Linie, zu der Marion zuhause sein mußte, kenne ich selbst noch, "daheim bevor es dunkel ist". Auch Prominente wie die verstorbenen Wepper-Brüder erwähnten diesen "Klassiker" als Ansage ihrer Jugendjahre.
Laut EB ist Marion in der Zeit zwischen 20-21 Uhr nach Hause aufgebrochen, dicke Zeit für die Wegstrecke. Angesichts der Temperaturen und des Stadtfestes dürften deutlich mehr Leute als sonst um diese Zeit in ihren Gärten/unterwegs gewesen sein, Fenster offen gehabt haben, usw. Es gibt keine uns bekannten Meldungen, daß irgendwelche Streitigkeiten oder Kämpfe die Jugendliche einschlossen, an diesem Abend in der Stadt gemeldet wurden.
Wir sollten daher davon ausgehen, daß Marion ihren Mörder zumindest flüchtig kannte und das auf dem Weg alles noch in Ordnung war.
Ich halte eine Tatzeit vor 22 Uhr für zwar möglich, aber unwahrscheinlich. Der Tatort ist einsehbar und weniger weit von bewohnten Häusern entfernt gewesen als man manchmal vermuten würde. Aufgrund der Wärme dürften viele Leute Fenster geöffnet haben, auch so länger unterwegs gewesen sein und Gassigeher die milderen Abendtemperaturen genutzt haben.
Da es einen offensichtlichen Kampf auf der Baustelle gab, keine Kampfgeräusche vernommen wurden und es auch keine (bekannten) Beobachter der Auseinandersetzung gibt, ist eine Tat bei Helligkeit zwar nicht ausgeschlossen (die Polizei weiß es genauer als wir), aber nicht wahrscheinlich. Das Risiko wäre für den Täter sehr groß gewesen, daß doch jemand etwas mitbekommt.
Wenn wir jetzt von einer Tat in der Dunkelheit ausgehen, egal welche Uhrzeit genau, spricht dies eher für einen Bekannten von Marion als Täter. Wie lange hätte ein Wildfremder Marion dort am Stadtrand arglos halten können? Garantiert nicht bis Einbruch der Dunkelheit. Das könnte nur jemand, dem Marion zumindest ein Stück weit vertraut hat, denn selbst bei einem Fußmarsch zum Tatort wäre die Dunkelheit etwa eineinhalb Stunden entfernt gewesen.