calligraphie schrieb:Wie warscheinlich dürfte es sein, dass ein Gutachter zugibt, er hätte ( sagen wir mal vor 5-6 Jahren) einen groben Fehler gemacht hat, welcher evtl zu dem Urteil beigetragen hat. Man stelle sich vor der Mann/ Er Sie Es, arbeitet noch aktiv als Gutachter. Der Mann würde sich doch seinen Ruf oder Karriere ruinieren. Als Ruheständler wäre so etwas denkbar, aber nicht, wenn er noch als anerkannter Gutachter aktiv ist.
Dr. Evans ist zumindest als Kinderarzt pensioniert, ob es überhaupt einen "Ruhestand" für die Tätigkeit als Gutachter gibt, wage ich zu bezweifeln.
Er bezog sich damals auf eine Studie von Dr. Lee und da Dr. Lee selbst dem Gutachten von Dr. Evans widersprach, könnte es schon sein, dass Dr. Evans das zugibt, das falsch bewertet zu haben.
@Cpt.Germanica hat das auf Seite 1 schon super aufgelistet, was alles am Prozess falsch lief, unter anderem auch die Aussagen der Gutachter.
Cpt.Germanica schrieb am 15.03.2026:Die Experten widersprechen der These, Letby habe Luft in die Blutbahnen injiziert. Dr. Lee wirft der Anklage (insbesondere dem Gutachter Dr. Dewi Evans) vor, seine Studie von 1989 falsch interpretiert zu haben. Die darin beschriebenen Hautverfärbungen bei Luftembolien sahen laut Lee völlig anders aus als die bei den Babys im Letby-Fall beschriebenen Symptome. Er stellte klar, dass die spezifischen Verfärbungen, die die Anklage als „Beweis“ anführte, in der medizinischen Literatur bei venösen Luftembolien (wie sie Letby vorgeworfen wurden) gar nicht vorkommen. Besonders brisant macht die Angelegenheit, dass Dr. Evans nie mit Dr. Shoo Lee in Kontakt getreten ist, um sich rückzuversichern.
[Exkurs: Dr. Dewi Evans ist ein pensionierter Facharzt für Kinderheilkunde (Consultant Paediatrician) aus Wales, der im Fall Lucy Letby als wichtigster medizinischer Sachverständiger der Anklage auftrat.
In einem Zivilverfahren vor dem High Court (einem Familiengericht), in dem es um eine Sorgerechtsentscheidung (Care Order) für zwei Kinder ging und dessen Urteil im Dezember 2021 gefällt wurde, also kurz vor Beginn des Letby-Prozesses, bezeichnete der Richter Lord Justice Peter Jackson (Jackson LJ) das Gutachten von Dr. Evans als „wertlos“.
...
Der Richter Jackson LJ warf Dr. Evans vor, keine ausgewogene Meinung geliefert zu haben. Er habe entweder Gegenargumente seiner Fachkollegen ignoriert oder sich gar nicht erst darum bemüht, diese in Betracht zu ziehen.
Das Gericht befand, dass Dr. Evans eher die Rolle eines Anwalts für eine bestimmte Seite eingenommen habe, statt die eines neutralen Sachverständigen. Im Ergebnis wurde ihm vorgeworfen, parteiisch zu sein, wichtige Fakten ignoriert zu haben und sich eher wie ein „Anwalt“ für eine Seite statt wie ein neutraler Experte verhalten zu haben.
Die Verteidigung von Letby hatte im Letby-Prozess zwar auf diese frühere Kritik an Dr. Dewi Evans verwiesen, das Gericht ließ seine Aussage jedoch zu.
Der Verteidiger hätte mMn sofort nach Bekanntwerden dieses Falles, auch wenn es kurz vor dem Prozessbeginng von LL war und er anfangs der Gutachterberufung von Dr. Evans zustimmte, seine Zustimmung zurückziehen müssen, um eine faire Begutachtung zu gewährleisten.
Das hätte doch möglich sein müssen. Die Verteidigung hatte ja auch Gutachter, die in gewissen Punkten auch Dr. Levis Meinung zustimmten, in anderen zwar nicht, aber diese hätten sich zumindest schon mit dem Fall beschäftigt gehabt und hätten einspringen können.
Ich habe das Gefühl, dass der Anwalt von LL sich nicht gut durchsetzen konnte. Mag vielleicht auch an den für mich etwas veralteten Verhaltensregeln vor Gericht liegen.
MMn hat auch der Richter keine neutrale Position eingenommen.
Cpt.Germanica schrieb am 15.03.2026:Anfang März 2026 wurde bekannt, dass gegen den medizinischen Hauptzeugen der Anklage, Prof. Peter Hindmarsh, während des Prozesses eine Untersuchung der Aufsichtsbehörde (GMC) wegen beruflicher Eignung lief. Die Jury war darüber nicht informiert worden. Der Sachverhalt kann relevant für die laufende CCRC‑Bewertung (s. o.) sein.
Auch hier hätte doch der Verteidiger besser recherchieren müssen. Aber anscheinend ist es in England sehr schwierig während des Gerichtsverfahrens den Anwalt zu wechseln, da darüber auch der Richter entscheidet, ob er das zulässt.
Im nachhinein Fehler der Verteidigung anzuführen für ein WAV, geht auch nur über die CCRC-Bewertung.
Ich habe irrigerweise angenommen, dass LL direkt aus dem Elternhaus in das von ihr gekaufte Haus zog.
Sie zog aber schon 2008, also mit 18 Jahren, nach Chester und hat sich vom Elternhaus ganz normal abgenabelt.
Anscheinend fühlte sie sich in Chester wohl und kaufte sich dann 2016, mit 26 Jahren, ein eigenes Haus in der Nähes des Krankenhauses.
Das alles schrieb auch schon
@Cpt.Germanica auf Seite 1 hier im Thread.
Ich hatte das überhaupt nicht mehr auf dem Schirm, da durch später Berichte, die eher negative Aussagen über ihre Persönlichkeit mir präsenter waren.
Für mich scheint es so, dass sie eine starke, gefestigte Persönlichkeit hatte, die durch ihre eher schüchterne und zurückhaltende Art, für andere nicht so offensichtlich war.
Sie verfolgte ihre Lebensziele, schaffte die Ausbildung zu ihrem Traumberuf und blieb in dem Krankenhaus, trotz der nicht so freundlichen Atmosphäre und der weiten Entfernung zu ihrem Elternhaus.
Bildete sich weiter, war fleißig und fand anscheinend dort ihre Erfüllung und auch Anerkennung von Kollegen und Ärzten.
Sie nahm zusätzliche Schichten an, vielleicht aus Pflichtbewusstsein, Engagement, Hingabe oder auch um zusätzlich mehr Geld zu verdienen, um sich ein Haus zu kaufen.
Kann sein, dass sie überlastet war, vielleicht machte sie auch mal Fehler, aber ich bin mittlerweile überzeugt, dass sie kein Baby absichtlich getötet oder geschädigt hat.
Ich hoffe sehr, dass diese junge Frau frei kommt, sich nicht aufgibt und zu ihrer ursprünglichen Stärke wieder zurückfindet.