Tritonus schrieb:Es war trotzdem von vornherein ungleichgewichtig, denn Simon hatte eine weitere verbindliche Beziehung, seine Ehe. Das ist schon mehr als ein sexuelles Treffen.
Offene Beziehung - das klingt cool, locker und modern, ist es ja auch, in der Theorie. Sehr oft laufen die Dinge aber anders, es können sich Gefühle entwicklen und vertiefen, die diesem Konstrukt der offenen Beziehung entgegen stehen. Es können sich Bindungen aufbauen, hinter die man nicht mehr zurück will, speziell bei Frauen. Wenn der andere Partner dann sagt, hey, das war aber mal anders vereinbart, verstärkt das den Konflikt noch. Hört sich jetzt altmodisch an, aber Liebe interessiert sich nicht für solche Vorabvereinbarungen, die irgendwann mal getroffen wurden, als die Liebe (von mir aus auch Bindung, damit es nicht so romantisch klingt...) eben noch nicht bestand.
Ehrlich gesagt, ich kenne kaum offene Beziehungen, die wirklich gut und konfliktarm laufen.
Da bin ich absolut der gleichen Meinung. Ich wollte nur sagen, dass der Wunsch nach einer festen Beziehung und gleichzeitig das Konzept "offene Beziehung" kein Widerspruch per se ist. Und nur darauf habe ich mich bezogen.
Dass es in diesem Fall offensichtlich trotzdem.groses Konfliktpotential gab, hab ich viel weiter vorne ja auch schon erklärt. Sie wollte Verbindlichkeit und ein öffentliches Bekenntnis ihr gegenüber. Er wollte sich nicht von seiner Frau trennen. Explosive Mischung. Wie man an den Links erkennen kann, die ich vor einigen Tagen zusammengesucht habe, wo man er ihre Geliebten getötet haben, weil diese gedroht haben, der Frau reinen Wein einzuschenken.
MissMary schrieb:Sie scheint ja die Promotion schon begonnen und aufgegeben zu haben. Ein erneuter Umzug nach Hawaii wäre ja wegen schulpflichtigen Kindern schwer geworden
Ihre Kinder waren fast erwachsen. Die Tochter lebte beim Vater, seit sie 18 war. Der Sohn im Wechselmodell Mal bei ihr, Mal beim Vater. Es wäre also durchaus möglich gewesen, ohne Kinder auszuwandern. Ob sie das jetzt gemacht hatte, sei Mal dahin gestellt. Aber ich habe da auch keine verbindlichen Pläne rausgehört. Für mich wirkte das eher so wie die Träume von vielen Menschen, ein Leben an einem anderen Ort zu beginnen.
MissMary schrieb:Vielleicht sollte das auch zeigen, sie war noch auf der Suche: nach neuen beruflichen Zielen, nach einer festen Partnerschaft mit Trauschein, nach einem neuen Lebensentwurf ..
Vielleicht ist sie auch einfach ein Mensch, der gar nicht sucht sondern im Moment lebt und sich gerne entwickelt. Ich finde, das hört sich immer alles so an, als würde jeder Mensch nach einem möglichst festen Ziel suchen und wäre dann "angekommen" und für immer glücklich. Und wenn er das nicht hat, ist er völlig lost und unglücklich.
In meinem Umfeld zumindest gibt es aber ganz viele Menschen, die sich immer weiter verändern und dabei nicht rastlos auf der Suche nach etwas sind. Es muss doch nicht jeder Schule, Ausbildung, Familie, Haus, Beruf, fertig anstreben. Mein bester Freund promoviert seit bestimmt 10 Jahren (Mal mehr, Mal weniger..). Meine Mutter hat mit über 40 noch eine komplett neue Ausbildung gemacht. Meine Schwägerin hat sich nach 10 Jahren von ihrem Mann getrennt. Ich hab ne neue Kollegin, die sich mit 45 und mit 4 Kindern beruflich neu ausgerichtet hat. Ich finde das nicht ungewöhnlich und für mich hat der eher was mit Weiterentwicklung zu tun.
Früher war es normal, ein Leben lang bei dem zu bleiben, was man angefangen hat. Fast ein Qualitätsmerkmal. Mein Vater war von Ausbildung bis Rente immer im selben Betrieb.
Heute ist das aber anders. Ich persönlich wäre ohne persönliche Weiterentwicklung und Veränderung völlig gelangweilt. Das heißt ja aber nicht, dass ich auf einer Suche bin.
Corina war Anfang 40, hatte fast erwachsene Kinder. Eigentlich ein perfekter Zeitpunkt, die persönliche Entwicklung wieder aufzugreifen. Es ist nicht selten, dass Menschen 40+ eine Promotion, Facharztausbildung, Weiterbildung, etc. beginnen.