rattich schrieb:Auch im Fall Corina hat die Polizei das betreffende Gebiet abgesucht, ja, aber sie ist nicht fündig geworden, obwohl der Ausgangspunkt doch dort liegen müsste.
Vorab in eigener Sache: Ich habe der Polizeidirektion Dresden inzwischen einen als nicht dringlich gekennzeichneten Sachhinweis zukommen lassen.
cambio schrieb:Weil hier das Thema „Drohne“ schon einmal im Raum stand, müsste nicht die Kripo bei jedem/nach jedem größeren Wetterereignis so ein Ding zum Einsatz bringen? Sie sollten doch auch Interesse an der Klärung des Falles haben, egal ob Suizid oder Tötungsdelikt.
Eine Drohne nach jedem größeren Wetterereignis einzusetzen, wäre meines Erachtens eher nicht notwendig. Sinnvoller wäre m. E. ein Ausgangsflug in der laubarmen Zeit, anschließend ein Wiederholungsflug auf derselben Route nach einem tatsächlich relevanten Ereignis. Dann könnten neue Rutschungen, Windwurf, freigelegte Bodenstellen oder Veränderungen in Geröll- und Vegetationstaschen durch einen Bild- und Punktvergleich festgestellt werden.
Auch wären die Drohnen zur reinen Knochensuche leider ungeeignet. Die normale RGB-Kamera benötigt freie Sicht. Und das größte Problem ist das von Signal zu Störung. Ein einzelnes helles, längliches Objekt zwischen Monzonitscherben, Astbruch, altem Steinbruchschutt und Laub sieht aus wie tausend andere helle, längliche Objekte. Es gibt also wahrscheinlich tausende Treffer. Die Wärmebildkamera misst Temperaturunterschiede. Ein skelettiertes Einzelelement zwei Jahre nach dem Tod erzeugt keine Eigenwärme mehr, es steht vielmehr im thermischen Gleichgewicht mit seiner Umgebung.
Multispektralsensoren und Vegetationsindizes wie NDVI oder NDRE untersuchen Vegetationsveränderung über einem eingetragenen Zersetzungsherd. Ein einzelner Knochen, umgeben von Biomasse, erzeugt keinen Herd. Für die Frage, wo der Rest liegt, wäre das theoretisch der interessanteste Ansatz, nur ist der Effekt nach 2 Jahren und ohne belastbare Fläche kaum zu isolieren. Bleibt LiDAR, und das ist der einzige Sensor, der hier wirklich etwas bringt, aber nur als Vermesser. Laserpulse finden Lücken im Blätterdach, und aus den Bodentreffern lässt sich ein Geländemodell im Zentimeterbereich rechnen. Rinnen, Felsstufen, Wurzelteller, alte Steinbruchterrassen und Materialablagerungen träten hervor, und man sähe, ob es die durchgehende Verbindung nach unten überhaupt gibt.
rattich schrieb:. Wenn wir jetzt im Herbst bald wieder ähnliche Wetterbedingungen haben (viel Regen, starker Wind), müssten dann nicht weitere Knochen langsam nach unten gespült werden? Würde durch diesen Prozess oben auf dem Plateau nicht eine Art „Knochenstraße“ entstehen, die zumindest teilweise doch auch sichtbar sein müsste?
Für den kommenden Herbst lässt sich heute kein bestimmter Sturm oder Starkregen in Dresden seriös vorhersagen. Ob sich weitere Knochenteile lösen könnten, hängt nicht nur von den Witterungsbedingungen ab, sondern auch von der Position und äußeren Einflüssen. Eine Knochenstraße wird sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht bilden, denn Wasser transportiert Skelett-Elemente nicht gleichmäßig, sondern sortiert. Voorhies hat das 1969 klassifiziert: Gruppe I – Rippen, Wirbel, Sacrum, Sternum – wird sofort verlagert. Gruppe II – Femur, Tibia, Humerus, Becken – folgt später durch Schleifen am Boden. Gruppe III – Schädel und Unterkiefer – widersteht dem Transport und bleibt als Lagrest liegen. Man bekommt also keine Perlenkette, sondern räumlich getrennte Fraktionen in verschiedenen Entfernungen. Dazu kommt: Tiere entnehmen einzelne Elemente vollständig und tragen sie radial fort, nicht rinnenparallel.
Hier zur Studie: Voorhies, Michael R. (1969): Taphonomy and Population Dynamics of an Early Pliocene Vertebrate Fauna, Knox County, Nebraska. University of Wyoming Contributions to Geology, Special Paper 1, S. 1–69. DOI: 10.2113/gsrocky.8.special_paper_1.1.