Kielius schrieb am 17.07.2026:Generell dürften Täter, die vor Jahrzehnten ein Tötungsdelikt begangen haben und nie ermittelt werden konnten, ihre Taten längst verdrängt, abgespalten oder einen Weg gefunden haben, damit zu leben. Ich gehe davon aus, dass solche Täter überhaupt kein Interesse haben sich damit zu beschäftigen, welche Gedanken sich irgendwelche anonymen User in einem Internetforum zu dem von ihnen vor langer Zeit begangenen Verbrechen machen.
So sehe ich das auch. Bei der Vorstellung, dass ein Täter hier mitliest und bei jeder neuen geposteten falschen Theorie ein selbstgefälliges höhnisches Lachen ausstößt, bis ihm eines Tages jemand drauf kommt und zufällig genau den Tatablauf spekuliert der stattgefunden hat, woraufhin ihm dann kalter Schweiss ausbricht und das Lachen im Halse stecken bleibt, kann ich gar nicht mitgehen.
Da geht man von jemandem aus, der stolz auf seine Tat ist, zumindest aber auf die Tatausführung und darauf, dass man ihn bisher nicht ausfindig machen konnte. Das hat aber wohl eher etwas kriminalroman-haftes, als dass es der Realität entspricht, was für Menschen aus welchen Gründen Tötungsdelikte begehen. Ich glaube nicht, dass in Deutschland mehrere Kurt-Werner-Wiechmanns rumlaufen, also Menschen, die sich am den schlimmen Taten (Plural!), die sie begehen, auch noch nachträglich ergötzen.
Die meisten Tötungsdelikte sind Beziehungstaten. In den meisten Fälle, die hier diskutiert werden, sind die Opfer ganz "normale" Menschen, in deren Leben plötzlich so eine Tat hereinbricht. Den Tätern in diesen Fällen wird es ähnlich gehen und entsprechend erschüttert sind sie von ihrer Tat, die sie sicher lieber verdrängen, genauso wie die Angst, doch noch " erwischt " zu werden.
Hexe40 schrieb:Und einige User hier sind doch schon selber mit der Kamera rumgelaufen und haben Fotos hier eingestellt.
Du willst es aber doch hoffentlich nicht ernsthaft als "Ermittlung" bezeichnen, wenn jemand Monate nach einer Tat Fotos vom öffentlich zugänglichen Tatort oder sonstigen Schauplätzen einer Tat macht.
Kangaroo schrieb:Das sollte jedem bestärken den Schritt zu gehen, wenn man tatsächlich Hinweise hat.
Das Problem ist ja aber gerade, dass man sich einerseits unsicher oft unsicher ist, ob man wirklich einen brauchbaren Hinweis hat. Und andererseits dort regelmäßig Leute anrufen, die der festen Überzeugung sind, dass ihr Hinweis, dass der Nachbar ihrer Cousine dritten Grades "auch mal so einen Hund hatte" oder "dass man dem im XY- Film gezeigten Zeugen doch mal genau auf die Finger schauen sill, weil "mit dem doch was nicht stimmen kann!", durchaus brauchbar und wertvoll ist.
Ich erinnere mich mit Grausen an die wildesten Spekulationen zu einigen Fällen. Z.B. Überlegungen, warum das Verbrechensopfer Birgit Ameis ihr Auto an einer ungewöhnlichen Stelle abgestellt haben könnte. Vom Kauf von Lammfleisch für Ostergrillen von einem lokalen Landwirt mit Übergabe auf dem Parkplatz, der sie dann aber von dort weggelockt hat weil " er das Fleisch woanders hat", um sie in seiner Scheune zu meucheln bis hin zum Moossuchen für Osternester war da einiges an wildesten Theorien dabei, die mit sehr viel Energie verteidigt wurden, obwohl es nicht einen konkreten Anhaltspunkt dafür gab.
Wildeste Phantasien ohne irgendeinen Bezug sind halt leicht zu spinnen, helfen aber der Polizei sicher nicht weiter. Und jemand, der dann selbstkritisch über seinen Hinweis nachdenkt, fragt sich dann halt, ob wirklich was dran ist oder nur die Phantasie mit ihm durchgegangen ist.