wasserundfeuer schrieb:Ich überleg gerade, ob das Motiv des Täters nicht so etwas wie klassische Eifersucht oder gar Wut sein kann.
Da bin ich ziemlich bei dir. Für mich scheint es insgesamt so, als ob die Motivlage der Dreh- und Angelpunkt des Falles ist. Cui bono?
Nach dem, was wir wissen, kam irgendjemand zielgerichtet und vorbereitet inklusive der Waffe nachts auf den Hof und schritt zur Tat. Ebenfalls nach dem, was wir wissen, gab es offenbar kein Kampfgeschehen. D. E. war wohl komplett überrascht, wohingegen der Täter genau wusste, was er tat. Es war definitiv keine Tat im Affekt, dem ganzen Tatgeschehen ging m. E. bereits etwas voraus, was den Täter zur Tat veranlasst hat.
Die Motivation zu einer Tat liegt ja in der Regel aus einem Nutzen für den Täter. Die Tat bringt dem Täter entweder etwas für ihn Positives, oder sie nimmt ihm etwas für ihn Negatives. Beizeiten sogar beides gleichzeitig. Bei dem Fall hier scheint - zumindest mir - auf Grund der Art und Bestimmtheit der Tatausführung ("Hinrichtungscharakter") eine sehr hohe Motivationsgrundlage mit einem üppigen Kontingent an Emotion vorhanden zu sein.
Raubmord durch Hinz oder Kunz (also den zufälligen schwarzen unbekannten Mann) und Tötung des Bewohners aus Gründen der Zeugenbeseitigung scheidet für mich komplett aus. Aus folgenden Gründen: Hauptmotiv ist erst mal, an Wertgegenstände zu kommen. Otto Normaleinbrecher trägt i. d. R. keine recht außergewöhnliche Langwaffe mit sich herum und würde sicher nicht ausgerechnet auf einem keine Reichtümer zu vermutenden, total abgelegenen Hof landen. Otto Normaleinbrecher geht nicht erst zum schlafenden Opfer, richtet das mit einer Langwaffe hin und bedient sich dann der ofenbar nicht vorhandenen materiellen Reichtümer. Persönlicher Einschub: Ich wohne nicht weit weg von Kunzach in randlichster Randlage zu einem kleinen Dorf - hier ist auch (bis heute!) nie irgendwas abgesperrt. Hier verirrt sich keiner hin, der nicht explizit hier hin möchte. Vor gut sechs Wochen gab es nicht weit weg in der nächsten Stadt einen Raubüberfall mitten am Vormittag mitsamt Bewohner im Haus, der auch körperlichen Schaden davontrug - das aber ausgerechnet in einem dichten Doppelhaushälften-Vorstadtgebiet. Sah wohl geldiger aus als bei mir ;-) - und wurde auch besser gefunden.
Tatmotiv Neid fällt für mich auch komplett raus. Neid kann bei gewissen Menschen wahrscheinlich wirklich Hass projezieren (mir ist das tatsächlich komplett fremd), aber das läuft dann doch eher auf ein Schädigen des Opfers durch üble Nachrede etc. hinaus. Der Täter hat ja nix davon, wenn er das Opfer aus Neid tötet, dessen Stelle nimmt er ja trotzdem nicht ein. Einziger Punkt ist halt, dass er sich das Neidobjetk dann nimmer angucken muss und ein gewisses Maß an Häme empfinden kann. Aber so was als Mordmotiv? Da kann ich gar nicht mitziehen.
Nach meinem Empfinden gab es vor der Tat (eben auf Grundlage der Tatausführung) einen entsprechenden Kontakt, in dem etwas geklärt werden sollte. Das Ergebnis der "Klärung" fiel nicht in des Täters Sinne aus, in dem das Sujet der Klärung in Folge dann so hochgekocht ist, dass er tabula rasa als einzige Lösungsmöglichkeit gesehen hat.
Tatmotiv "der geht mir mit seinen unsäglichen Aktivitäten jetzt schon so lang auf die Nerven, er hört nach Gespräch auch nicht damit auf, jetzt reicht es!" ist für mich vorstellbar. Engt den Täterkreis tatsächlich ein, da muss jemand im Alltag schon wirklich sehr davon betroffen sein, dass das zu einer Hinrichtung führt - oder psychisch tatsächlich auch ein wenig auffällig sein. Nicht kontrollierte Wut/Zorn ist für mich eine sinnhafte Möglichkeit.
Tatmotiv Eifersucht ist für mich auch plausibel. Eifersucht kann Verzweiflung und Mörder produzieren. Das Szenario "Ich rede meinem Nebenbuhler ins Gewissen, und nun lässt der trotzdem nicht von meiner Freundin/Frau ab" ist für mich wesentlich weniger abwegig als z. B. der Neidmord. Nebenbuhler weg, alles wieder gut. Als stark emotionale und leider nur halbüberlegte Handlung hat man zwei Fliegen mit einer Klappe im Mordmotiv. Nebenbuhler weg, Frau wieder da. Dass das "Verirren" der Frau meistens ursächlich ganz andere Hintergründe hat, wird geflissentlich ausgeblendet, mit dem Nebenbuhler im Fokus darf man der Selbstkritik natürlich fernbleiben. Ironie Ende. ;-)
Das ist jetzt Küchenpsychologie. Aber überlegt mal selbst: Wieviel an Motivation und Emotion (in dem Fall eiskalter Emotion) braucht es, jemanden auf diese Art zu töten? Schon ganz schön viel.